Mexikos Baja California mit dem Fahrrad

Reisebericht

Mexikos Baja California mit dem Fahrrad

Reisebericht: Mexikos Baja California mit dem Fahrrad

Etwa 6 Wochen verbrachten wir an und auf der etwa 1600 km langen Traumstrasse Mex1, die die Baja California von Tijuana im Norden bis La Paz im Süden durchquert. Die Radtour war einer der beeindruckensten und spannendsten Reiseabschnitte unserer Weltreise. Gleichzeitig waren es 1600 km "Blut, Schweiß und Tränen".

Ankunft in Tijuana und Beginn der Tour

Nach unserer zweimonatigen Radrundtour in Yucatan flogen wir von Cancun über Mexico-Stadt nach Tijuana im Norden der Baja California. WIr erreichten am 21.11. Tijuana am frühen Abend. Das Wetter war wenig einladend. Uns erwarteten unangenehmer Nieselregen und kühle 15° Celsius. Am Gepäckband warten wir auf unsere Fahrräder, die wir gut verpackt in Radkartons verstaut hatten. Einen Schalter für Sperrgepäck gab es nicht. Endlich wurden die Kartons vom Gepäckband hoch befördert. Die Räder passten kaum durch die enge Luke, blieben hängen und eckten mit großer Wucht am Rand der Luke an. Irgendwie gelangten sie doch hindurch, hoffentlich unbeschädigt. Schießlich mussten wir noch durch die Gepäckkontrolle, wo unser Zucker und Milchpulver, das wir noch aus Yucatan übrig hatten genauer unter die Lupe genommen wurde. Nachdem unser Hotelshuttle nicht kam, besorgten wir uns ein Taxi, das groß genug für zwei Räder und unser Reisegepäck war. Während Anne auf dem Beifahrersitz platz nahm, musste ich mich in einen freien Spalt auf der Rückbank zwischen unser Gepäck quetschen. Nach zehn Minuten erreichten wir das Hotel.
Zwei Tage akklimatisierten wir uns in Tijuana, machten unsere Räder startklar, die Gott sei Dank noch in Ordnung waren, und hofften auf besseres Wetter.
Wir starteten in den frühen Morgenstunden schlängelten wir uns im dichten Verkehr durch die Millionenstadt, die im Jahr 2010 auf Rang 3 der gefährlichsten Städte der Welt stand.
Die erste Etappe durch Niederkalifornien sollte uns bis nach Rosalito am Pazifik führen.
Zunächst ging es über einen langgezogenen Anstieg bis zu einem Pass. Hier gab es eine Tankstelle und wir erfrischten uns erst einmal mit einer Cola. Tijuana haben wir nun hinter uns gelassen. Es folgte eine lange Abfahrt bis Rosalito, wo wir am frühen Nachmittag einfuhren.
Während der Abfahrt hatten wir tolle Ausblicke auf das Meer. In Rosalito angekommen suchten wir uns ein annehmbares Motel. Dann ging es erst einmal zum Strand. Der Ort hatte irgendwie das Flair eines italienischen Strandortes in der Vorsaison. Nach den kühlen regnerischen Tagen genossen wir hier die Sonne der Baja California.
Am Abend stärkten wir uns unter anderem mit einem Burrito für die nächsten Etappe.



Schlechtes Wetter in Tijuana



Weiterfahrt an der Westküste

Am nächsten Tag Stand uns eine lange Etappe nach Ensenada bevor. Die Mex 1 ging zunächst an der Küste entlang. Uns boten sich fantastische Ausblicke auf den Pazifik. Dann ging es im Landesinneren durch die Berge. Hier fanden wir uns im tiefsten Mexiko wieder, wie man es aus Wild-West Filmen kennt, Gauchos, Pferde, die passende Landschaft. Es fühlte sich wie eine Zeitreise an. In den Bergen kamen die ersten alpinen Steigung, die wir uns mit Ruhe und Geduld im ersten Gang auf unseren schwer beladenen Rädern hocharbeiteten, die samt Gepäck und Trinkwasser bis zu 45 kg auf die Waage brachten. Wir hatten immer wieder tolle Blicke auf die hohen Berge der Baja California, die noch kommen würden. Die Fahrt ging durch eine geniale Landschaft, nur die Kakteen fehlten hier im Norden noch. Das schlechte Wetter aus Tijuana hatten wir weit hinter und gelassen. Dennoch war es in den Bergen bei leicht windigen 20° C recht kühl.
Vor Ensenada hatten wir eine 10 km lange Abfahrt wieder mit schöner Aussicht auf den Pazifik. Am späten Nachmittag erreichten wir, zufrieden mit dem Tag, Ensenada, die vorerst letzte größere Stadt auf dem langen Weg nach Süden.



Nördlich von Ensenada



Abwechslungsreiche Mex1

Als wir Ensenada hinter uns gelassen hatten, ging es wieder in die Berge zum Wein-Dorf Santo Tomas. Hier gibt es eine Übernachtungsmöglichkeit in einem Motel mit angegliedertem Campingplatz. Die Inhaberin erzählte uns, dass noch zwei weitere deutsche Radfahrer hier übernachten. Wie klein ist die Welt. Wie wir später erfuhren kannten sie uns schon aus unserem Reiseblog. Auf dem Campingplatz waren wir die Einzigen. Wir besorgten uns noch etwas Essen und Bezin für unseren Kocher. Zum Abendessen gab es selbstgemachte Radler Burritos, immer noch die besten. Es ging früh ins Zelt, denn die Sonne ging im November um 17 Uhr unter und es wurde nachts schnell kalt in den Bergen.
Die Strecke führte und in den nächsten Tagen durch eine tolle Landschaft geprägt von gelben Farbtönen zu den Orten Vicente Guerrero und weiter ziemlich hügelig und mit starkem Gegenwind an Küste nach Puerto Colonet. Kurz vor der Küsten gönnten wir uns wie fast jeden Tag eine Cola, unser Wundermittel und Lieblingsgetränk unserer Radtour mit Energieschub.
An der Küste nahm der Verkehr jetzt stetig zu, nachdem wir bisher diesen kaum wahrgenommmen hatten. Der Küstenabschnitt zwischem Camalu und Lazaro Gardenas war der einzige wirklich unangenehme Abschnitte der Baja California Radtour. Er war dafür umso schrecklicher. Befürchtungen, dass es mit diesem starken Verkehr weitergehen würde, hatten sich in Luft aufgelöst als wir zwei Tage später Richtung El Rosario aufbrachen.



Weiterfahrt von Ensenada



Valle de los Cirios - Traumlandschaft der Baja California

Als wir El Rosario hinter uns gelassen hatten, verlief die Mex 1 wieder in die Berge. Es ging von Meereshöhe bis auf 600 Meter mit ständigem Auf und Ab. Es wurde eine sehr anstrengende Etappe. Vorbeifahrende Auto- und LKW Fahrer motivierten uns immer wieder. Zwei Mexikaner hielten sogar und stellten zwei Äpfel zur Stärkung an den Straßenrand. Die Landschaft wurde immer schöner, wir sahen die ersten Riesen Kakteen, bis sich schließlich Kakteenwälder zeigten. Irgendwann war auch der letzte heftige Anstieg geschafft und es wurde flacher. Wir waren in der Traumlandschaft der Baja California angekommen und konnten es selbst kaum glauben. Kakteen in allen Formen und Farben, wie aus dem Bilderbuch. Ein riesiger Kakteen Felsengarten, so wie in kein Landschaftsgärtner arrangieren kann. Wir hatten Fotos davon gesehen, aber nichts kann diese Schönheit wiedergeben. Die hier typischen Säulenkakteen werden 16 Meter hoch und bis zu 200 Jahre alt. Wir sahen riesige Kugelkakteen, Schlangen- und Feigenkakteen, Agaven, Sukkulenten. In trockenen Flussbetten sieht man auch mal ein grünes Tal mit Bäumen und Palmen. Das ganze wurde kurz vor Catavina noch getoppt als zwischen den Kakteen große Felsen auftauchten.
Wir zelteten immer wieder in dieser Kakteenlandschaft, ein toller Sternenhimmel war inklusive. Die Kakteen lieferten einen guten Sichtschutz, so dass wir nur einige hundert Meter von der Strasse unser Lager inmitten der Kakteen errichten konnten. man sollte hier immer genug Wasser dabei haben. Versorgungsmöglichkeiten sind hier dünn gesät und nicht zuverlässig.
Als wir Catavina erreichten nahmen wir uns ein Zimmer, damit wir mal wieder duschen konnten. Wir verbrachten hier zwei Nächte, da schlechtes Wetter mit Nieselregen, Wind, Nebel bei 15°C aufzog. Es wäre einfach zu schade gewesen, diesen Abschnitt wegen des Wetters schnell zu durchfahren.
Die nächste Etappe ging landschaftlich spektakulär weiter und führte uns nach Guerrero Negro und gleichzeitig über die Grenze in den Bundesstaat Baja California Sur.



Valle de los Cirios



Durch das Zentrum an den kalifornischen Golf

In Guerrero Negro haben wir uns einige Tage erholt, die Muskeln regeneriert und den einen oder anderen Burger gegessen. In der Umgebung gibt es ein paar Lagunen, an denen man gut Vögel beobachten kann. Die Hälfte hatten wir geschafft. Jetzt folgte Baja California Teil 2.
Die Landschaft ging so fazinierend weiter wie bisher. Zunächst karge Wüste mit wenigen Gräsern, dann verwandelt sich die Umgebung wieder in den Kakteengarten. Die Strasse verläuft jetzt eher flach mit leichten Anstiegen.
Und dann eine Überraschung mitten in der Wüste. Es war Jose Gabino. Wir trafen ihn zum dritten Mal. Er hatte diesmal Wasser, Bananen und Kekse für uns. Wir freuten uns sehr.
Jose hat einen Gebrauchtwarenladen weiter im Süden und transportiert Ware zwischen Nord und Süd. Nebenbei unterstützt er auch Radfahrer mit kleinen Überraschungen.
Wir durchfuhren eine grandiose Landschaft, eine Mischung aus Afrika, Australien und Neuseeland und Kakteen, wie es sie nur in Mexiko gibt, und die Geier warten schon.
Einen Tag später erreichten wir San Ignacio mit seinen etwa 600 Einwohnern, eine Oasenstadt in der Wüste mit Dattelpalmen, Lagune und Fluss Das Zentrum hat einen eher italienischen Flair. Auf einem Schlag fühlt man sich wegen des Klimas in die Tropen versetzt. Wir entschieden uns am Fluss zu campen.
Von San Ignacio aus lagen noch 75 km auf der Mex1 vor uns bis an den kalifornischen Golf/Mar de Cortez. Wir teilten die Etappe auf, um noch eine Nacht im Kakteengarten zu zelten. Es erwies sich als eine kluge Entscheidung, da die Weiterfahrt eine regelrechte Tortur war. Starker Gegenwind und eine nicht sichtbare, aber vorhandene Steigung machten uns das Leben schwer und wir kamen nur mit durchschnittlich 10 km/h voran.
Nach einer Zeltübernachtung in traumhafter Kakteen- und Vulkankulisse machten wir uns an die letzten Abfahrten und Anstiege zum kalifornischen Golf.
Die beiden kommenden Fahrtage am kalifornischen Golf war der Wind auf unserer Seite und kam von hinten, so dass wir nur so dahin sausten. Wir passierten die Kupferminenstadt Santa Rosalia und die Dattelpalmenstadt Mulege, wo wir eine Übernachtung einlegten. Das Meer war recht unruhig und wir hofften, dass sich der Wind noch legen würde, da uns in den nächsten Tagen traumhafte Strände erwarteten.



Pelikan



Traumstrände und die Sierra de la Giganta

Von Mulege aus ging es mit genügend Nahrung und Wasser an der Küste entlang zu den Strandbuchten der Bahia Conception. Die Versorgung ist dort ziemlich eingeschränkt und Angaben dazu unzuverlässig.Wir passierten einige der Buchten und erreichten nachmittags Playa Coyote, wo wir an einem schönen, abgelegenen Platz campierten. Zu unserer Überraschung tauchten bei unserem Nachmittagskaffee Delfine auf. Am nächsten Tag ging es dann weiter zur südlich gelegenen Playa Perla, wo wir bis auf einen kanadischen Langzeitgast alleine waren. Über dem Meer sahen wir Pelikane auf der Jagd nach frischem Fisch.
Am nächsten Morgen brachen wir früh auf, da eine anstrengende Etappe raus aus der Bucht und durchs Landesinnere bis Loreto vor uns lag.
Und wieder gabe es keine zuverlässige Versorgung auf der ganzen Strecke. Wir hatten aber genug dabei, um notfalls noch eine Nacht campieren zu können. Nachdem wir Loreto ziemlich gerädert am späten Nachmittag erreichten, gab es zur Stärkung natürlich wieder gute Burger an einem Strassenimbiss. Unsere Essensvorräte füllten wir für weitere drei Tag auf. Am nächsten Tag ging es etwa 40 km entlang der Küste zu einem weiteren tollen Strand beim Dörfchen Ligui. Zu unserer Überraschung existierte sogar der Minimarkt, von dem wir im Internet gelesen hatten. Am Strand konnten wir komplett alleine zelten, mit Blick auf die Inseln eines Schutzgebietes. Am nächsten Morgen machte eine Gruppe von Pelikanen das Meer unsicher.
Nun lag eine lange Etappe durch die Sierra de la Giganta ins Zentrum der Baja vor uns. Zunächst ging es 400 hm bei mäßiger Steigung nach oben mit tollen Aublicken und einer Top Landschaft. Auch Kakteen begleiteten uns weiterhin.Nach dem Anstieg erfolgte eine 40 km lange sehr flache Abfahrt bis Ciudad Insurgentes, wo es zu Feier des Tages wieder Burger gab.
Die schöne Landschaft ging jetzt erst einmal zu Ende, da das Gebiet auf den nächsten 100 km landwirtschaftlich genutzt wird und die Strasse kerzengerade verläuft.



Laden



Fiesta Mexicana an Weihnachten

Von Ciudad Insurgentes fuhren wir nach Ciudad Constitution. Ab da hatten wir für die letzten 200 km bis La Paz je nach Übernachtungsmöglichkeiten und Kondition drei Tage eingeplant. Mit Übernachtung im Zelt in der Pampa wurde es leider nichts mehr, da wir meistens umzäuntes Weideland und einsichtige oder steinige Landschaft durchfuhren.
Unser Plan B war eine Übernachtung in einem Dorf. Die meisten Radfahrer dürfen mangels Alternativen im Hof der Polizei oder bei der Kirche schlafen. Also fuhren wir trotz unerträglicher Hitze am 24. Dezember die 100 km bis zur Ortschaft Las Pocitas. Die eher langweilige Strecke war zu unserem Glück recht wenig befahren. Auf dem Weg zu Kirche entdeckten wir eine kleine Polizeistation, wo wir anstandslos zelten durften. Erschöpft, wie wir waren bauten wir unser Zelt auf, aßen sämliche Vorräte und die wir eigentlich für zwei Tage gekauft hatten. Das merkten wir jedoch erst hinterher. Offenbar hatten wir großen Appetit. Zum Sonnenuntergang krochen wir totmüde ins Zelt.
Als es dunkel war, war aber an Schlaf nicht mehr zu denken. Kinder stürmten mit Böllern durchs Dorf, in etwa dem Ausmaß, wie an einem deutschen Silvesterabend. Aus verschiedenen Richtungen hörte man unterschiedliche Folkloremusik in Discolautstärke. Wir zählten mindestens drei Musikquellen, wovon eine davon durch das Dorf fuhr. Gegen 21.30 läuteten die Kirchenglocken und es Begann eine ca. einstündige Liveübertragung des Gottesdienstes via Lautsprecher durch das Dorf. Die Musik lief währenddessen in Kneipenlautstärke weiter. Das Dorf hatte übrigens nur 300 Einwohner. Wir fühlten uns, als würden wir mitten im Jahrmarkt zelten. An diesen Heiligabend werden wir uns immer zurückerinnern. Irgendwie konnten wir doch noch etwas Schlaf finden. Die Musik lief um halb sechs Uhr früh am nächsten Morgen immer noch.
Obwohl die meisten Läden und Restaurants geschlossen hatten, konnten wir unsere Vorräte für die letzte Etappe doch noch etwas mit Weissbrot, Käse und Wasser auffüllen.
Wir entschieden uns die letzten 110 km durchzufahren. Wir wollten einfach nur noch ans Ziel kommen. Zunächst lief alles ganz gut. Nach einer Stunde kam aber starker Seiten- und Gegenwind auf. Mehr als einmal diskutierten wir darüber zu trampen. Aber der Ehrgeiz war dann doch größer. Es wäre auch lächerlich gewesen an der letzten Etappe, die gefühlt die härteste war, zu scheitern. Ohne die Kondition, die wir in den letzten Monaten aufgebaut hatten, hätten wir es nicht geschafft. Steigungen, Gegenwind und Seitenwind, so stark, dass er uns immer wieder in den Strassengraben drückte, waren unsere ständigen Begleiter, sowie Verwirbelungen, wenn ein LKW passierte, und die gnadenlose Sonne. Wenigstens die Landschaft zeigte sich noch einmal von ihrer schönsten Seite mit vielen Kakteen und zuguterletzt ein Ausblick auf die Bucht von La Paz. Nach einer abschließenden tollen Abfahrt erreichten wir mit dem Sonnenuntergang das angepeilte 4 Sterne Hotel am Rand von La Paz. Uns tat alles weh, allen voran unser Hinterteil. Unser Tacho zeigte stolze 1600 km. Den Abschnitt Baja California haben wir erfolgreich abgeschlossen.
In La Paz erholten wir uns fast eine ganze Woche. Damit endete einer der schönsten Reiseabschnitte unserer Weltreise.



Las Pocitas an Heilig Abend


Teilen auf

Kommentare

  • INTERTOURIST

    Das ist wirklich ein gut geschriebener Bericht der sich sehr kurzweilig liest.
    Danke für den informativen Content.
    Grüße Jörg

Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar abzugeben. Mexikos Baja California mit dem Fahrrad 4.67 6

Beliebte Community-Inhalte: AustralienNorwegenThailandVietnamItalienBarcelonaIndien ReiseführerIndien Tipps