Reisebericht Nordperu: Auf den Spuren alter Kulturen

Reisebericht

Reisebericht Nordperu: Auf den Spuren alter Kulturen

Anreise mit Verspätungen

Wie immer schreibe ich diesen Reisebericht vor allem als Reisetagebuch für uns selbst. Er ist also recht detailreich und auch mit vielen kleinen Begebenheiten und Beobachtungen gespickt.
Hinzu kommt diesmal noch, das wir auf der Reise viele alte Kulturen Nordperus kennengelernt und bei den Besichtigungen von unseren örtlichen Führern sehr viel erfahren haben.
Ich werde daher neben dem Bericht unserer Erlebnisse auch immer wieder mal einen „Theorieblock“ zu den jeweiligen Kulturen einfügen. Damit wir die unglaublich vielen Informationen und Erklärungen, die wir bekommen haben nicht nach und nach vergessen. Wen diese Theorie nicht interessiert, einfach diese Blöcke überspringen.
Jetzt aber los ! Die Reise war immerhin 3 Wochen lang und so gibt es sehr, sehr viel zu erzählen.
Dieses Jahr soll es nach Peru gehen. Besser gesagt in den Norden dieses Landes, das immerhin dreieinhalb mal so groß ist wie Deutschland. Wir wollen diese Region schon lange besuchen. Zum einen natürlich um die vielen archäologischen Stätten der Hochkulturen der Vorinkazeit zu sehen. Aber auch wegen der grandiosen Landschaft und den Menschen, die meine Frau und ich bereits von unserer Reise in 2011 durch den Süden Perus kennen. Schon damals war uns klar: Wir kommen wieder nach Peru !
Jetzt ist es also soweit. Aber zunächst gilt es wie bei allen Fernreisen erst mal die Anreise zu bewältigen. Wir planen mit dem ersten Bus um 4:45 Uhr zum Bahnhof zu fahren. Aber, kein Bus kommt. Um 5 Uhr wollen wir gerade unseren Plan ändern und ein Taxi rufen, als der Bus doch noch um die Ecke biegt. Unsere Reise beginnt also mit einer (noch) kleinen Verspätung. Es bleibt aber leider nicht die einzige Verspätung und einige Reiseroutenänderungen sollten in den nächsten Wochen auch noch auf uns zu kommen..… Aber davon ahnen wir jetzt zum Glück noch nichts.
Mit dem ersten ICE des Tages geht es nach Frankfurt/Flughafen. Dort gelingt es uns aber nur bis Madrid einzuchecken, da wir erst mit Lufthansa, dann aber mit Lantam fliegen ?
Ankunft in Madrid um 12:05 Uhr am Terminal 2, Gepäck abgeholt und mit dem (falschen) Bus von Terminal 2 erst mal zum Terminal 1 in die Irre gefahren.
Dort dann den richtigen Bus gezeigt bekommen (danke, lieber Ryan-Air-Mitarbeiter) und über die Stadtautobahn zu Terminal 4 gefahren. Und dann mit dem Zug nochmal weiter zu Terminal 4S. Hier erfahren wir, das unser Flug erst um 18 Uhr statt 16:45 Uhr geht.
Aber ich sag es euch gleich: Auch der 18Uhr-Termin verstreicht ereignislos. Um 18.30 Uhr bekommen wir einen kleinen Imbiss serviert und denken: Aua, gaaaaanz schlechtes Zeichen ! Wir stellen uns auf einen langen Abend in Madrid im fast menschenleeren Terminal 4S ein.
Aber siehe da: Schon um 19:35 Uhr starten wir dann tatsächlich Richtung Guayaquil und der Pilot gibt richtig Gas unterwegs. Ankunft mit nur 2 Stunden Verspätung um 23:35 Uhr Ortszeit. Und unser Gepäck ist auch da.
2 Minuten nach Mitternacht reisen wir (jetzt) am 17.8.2017 nach Ecuador ein.
Kleine Randnotiz: Wirklich Punkt Mitternacht stellen alle ecuadorianischen Grenzbeamten ihre Einreisestempel von 16.8. auf 17.8. um. So viel Zeit muss sein :-) Ein Teil unserer Reisegruppe hat den 16.8., ein Teil den 17.8.2017 als Einreisedatum im Pass. Dennoch geht die Einreise bei (fast) allen sehr schnell. Die Beamten wollen wohl auch endlich Feierabend machen. Haben ja lange genug auf unseren verspäteten Flieger gewartet. „Unser“ Grenzbeamter will dann doch alles ganz genau wissen: Woher wir kommen, was wir arbeiten, was wir in Ecuador wollen und wie lange wir denn bleiben wollen. Will er uns ein Visa ausstellen ? Brauchen wir doch nicht als EU-Bürger. Als er dann noch hört das wir nur 2-3 Tage in Ecuador bleiben werden, ist er ganz entgeistert: Wir sollen doch bitte länger bleiben, in der kurzen Zeit könnten wir uns doch gar nicht alles anschauen.
Um 1 Uhr nachts erreichen wir endlich unser Hostal in Guayaquil.



Guayaquil

Barrio Las Penas mit Cerro...

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In Ecuador brauchen wir kein Geld zu wechseln – da wir US-Dollar dabei haben. Denn der US-Dollar ist hier Landeswährung. Nach dem Frühstück geht es mit einem Bus in die Innenstadt. Wir laufen an der Uferpromenade „Malecon“ entlang Richtung Cerro Santa Ana. Auf dem Hügel liegt eine Favella, die durch umfangreiche Renovierungsmaßnahmen zu einer beliebten Flanierzone geworden ist. Am dessen Fuß liegt mit seinen ebenfalls restaurierten Holzbauten im kolonialen Stil das Barrio Las Penas, der historische Ursprung der Stadt. Beim Aufstieg auf den Hügel fällt auf, das am Ende jeder Gasse ein Polizist (oder Wachmann?) steht, der uns mit einer Handbewegung den Weg weist, den wir gehen sollen. Auch am Ende der nächsten Gasse steht dann einer und weist uns wieder den weiteren Weg..... Und so geht es von Gasse zu Gasse bzw. Treppe zu Treppe weiter bis nach oben. Oben ist nach 400 Stufen erreicht. OK, ein paar Stufen mehr werden es dann noch beim Aufstieg auf den 8 Meter hohen Leuchtturm. Auf dem Leuchtturm hat es eine sehr gute Rundum-Sicht auf Guayaquil und den Zusammenfluss der Flüsse Daule und Babahoyo oberhalb der Stadt. Durch den Zusammenfluss entsteht der Fluss Guayas, der 60 Kilometer weiter in einem großem Delta in den Pazifik mündet. Wieder am Fuß des Cerro angekommen schauen wir noch spontan in ein altes Kolonialgebäude, das zum Kulturhaus mit Theater umgebaut wurde. Im Garten hin zum Fluss soll noch ein Cafe entstehen. Schade, das es noch nicht so weit ist.
Wieder am Flussufer laufen wir eine gefühlt sehr lange Zeit an der Uferpromenade entlang. Die Uferpromenda ist zwar schön, allerdings merkt man deutlich, das sich hier nur die Wohlhabenden aufhalten. Am Denkmal für das 1822 hier stattgefundene Zusammentreffen der beiden „Befreier“ Südamerikas Simon Bolivar und Jose de San Martin vorbei kommen wir dann zum mit maurischen Elementen versehenen Uhrenturm. Der erste Tag unserer Reise beginnt etwas langatmig, denn irgendwie ist das hier für uns noch nicht so richtig interessant. Uferpromenaden haben wir zu Hause halt auch. Wir haben einen ruhigen ersten Tag. Erstmal ankommen. Hätten wir geahnt, dass dies so ziemlich das einzige Mal auf dieser Reise sein wird, das wir mal richtig Zeit haben, hätten wir dieses „Zeit haben“ aber so was von genossen :-) Aber an den ersten Reisetagen brennt man eben darauf, etwas zu unternehmen, Neues zu entdecken. Das es eben richtig los geht.
Los geht erst mal, das wir beim Uhrenturm in Richtung Innenstadt abbiegen. Hier beginnt nach und nach das richtige Leben. Nach einigen Straßenzügen kommen wir zum Parque Iguana. In diesem kleinen Stadtpark haben sich sehr viele Leguane angesiedelt und ziehen seither noch viel mehr Besucher an, die teils die Tiere auch füttern. Uns wird erzählt die Leguane wären durch ein großes Hochwasser vor etlichen Jahrzehnten in die Stadt gelangt und einige Exemplare seien auch nach Abfluss des Wassers geblieben und haben sich seither gut vermehrt. Es hat schon was, die großen Leguane aus nächster Nähe betrachten zu können.
Fasziniert bin ich aber auch von den Bushaltestellen. Diese wirken eher wie kleine Bahnhöfe mit erhöhten Bahnsteigen. Und hier in der Stadt sehen wir auch an jeder Ecke die so typischen kleinen Kioske, wo alles mögliche verkauft wird. Zur Mittagszeit stärken wir uns mit ein paar gefüllten Teigtaschen (Empanatas) und laufen dann doch nochmal zur Uferpromenade. Einfach weil es in der Stadt recht heiß wird und wir hier auch keine echten Sehenswürdigkeiten kennen, die wir unbedingt anschauen möchten. Am Wasser geht immerhin ein kühles Lüftchen. Dort angekommen beschließen wir, beim örtlichen McDonalds einen Kaffee zu trinken. Das löst aber hinter dem Tresen erst mal Ratlosigkeit aus. Erst die Chefin kann sich erinnern, wo die Portionspäckchen mit dem Kaffeepulver zu finden sind. Und auch die Bedienung der Kaffeemaschine ist wohl etwas ungewohnt. Ein dreiviertel Liter Wasser für eine Tasse Kaffee ist doch etwas viel. Einen dünnen Kaffee später wissen wir, das McDonalds hier wohl sehr selten Kaffee verkauft :-). Wir sitzen einige Zeit beim Bolivar/SanMartin-Denkmal auf einer Bank und schauen einfach den Leuten zu. Eine Gruppe junger Leute (Studenten?) möchte wohl einen Film drehen. Jedenfalls wird ein Junge ausgiebig geschminkt und auch ein Mädchen bereitet sich vor. Aber dann passt wohl irgendwas nicht mit dem Licht und sie ziehen ab. Schade, wir waren schon gespannt. Wir laufen wieder zurück zum Iguana-Park und besichtigen noch die angrenzende Kathedrale. Wir haben bisher noch nie eine solch lebendige Kirche besucht. Eine Gruppe mit Prediger sitzt und steht im Halbkreis um einen Seitenaltar und ist ins Gebet vertieft. Viele weitere Gläubige sitzen und knien betend in den Sitzreihen der Kirche verteilt. Vor dem Hauptaltar eine weitere diesmal sehr fröhliche große Gruppe (Großfamilie?) mit vielen Kindern. In einem weiteren Seitenportal steigen betend 2 Mädchen auf eine Empore mit Marienstatue und legen dort feierlich Blumen ab. In einem weiteren Seitenschiff rutschen Betende auf Knien in Richtung eines Seitenraumes. Was in dem Seitenraum vor sich geht, sehen wir nicht. Aus Respekt wollen wir auch nicht näher ran gehen.
Hier wird der Glauben gelebt - und die Kirche geht mit der Zeit.
An allen Säulen sind V-förmig jeweils 2 Flachbildschirme für Übertragungen angebracht.
Der Opferkerzenständer ist mit elektrischen Kerzen. Nach Einwurf einer Münze leuchtet eine Kerze eine bestimmte Zeit !
Als wir um 16 Uhr den Treffpunkt unserer Gruppe erreichen, fehlt noch eine Person. Wir warten knapp 1 Stunde. Dann fahren wir doch schon mal mit Taxis zum Hostal. Unser Taxifahrer kennt alle Schleichwege, so das wir nach erstaunlich kurzer Zeit ohne Staus ankommen. In einem nahen Supermarkt machen wir noch einige Einkäufe für die nächsten Tage.
Vor allem ein einheimisches Mückenabwehrmittel soll noch her. Wir haben aber noch nirgends auf der Welt so eine Auswahl von Mitteln gesehen ! Etwas ratlos stehen wir vor dem Regal. Eine Kundin bemerkt dies und deutet auf ein Mittel mit den Worten „Excellent!“. Wir kaufen das Mittel (OFF von Johnson) und sollten es nicht bereuen.
Abends essen wir in einem „Garagenrestaurant“ wenige Schritte vom Hostal. Hier gibt es normalerweise nur mittags ein Essen. Aber der Besitzer hat extra für unsere Gruppe abends geöffnet. Unser erster Tag Südamerika geht zu Ende. Und letztlich sind doch viele Eindrücke zusammen gekommen an diesem ersten , einem der ruhigsten Tage unserer Reise :-)



Barrio Las Penas

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Dezimiert ins Rotel

Rotel

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Am Morgen fehlt unser Mitreisender immer noch. Bereits am Abend zuvor wurde die Polizei informiert und kam sogar noch im Hostal vorbei. Für uns geht es jetzt aber richtig los: Vor dem Hotel steht bereits unser „Rotel“ bereit. Rotel für Rollendes Hotel. Das Konzept ist ganz einfach: Ein LKW mit Fahrgastkabinen und dahinter ein Modul mit den Schafkabinen. Diese sind tagsüber nicht erreichbar. Erst abends wird die hintere Seitenwand des LKWs aufgeklappt und so entsteht ein Zugang zu den Kabinen. Jeweils 3 Kabinen sind dabei platzsparend übereinander angebracht. Hinten am LKW ist auch noch eine Küche integriert um Abendessen und Frühstück zu machen. Auch hier wird abends die Rückwand aufgeklappt und dann ist die Küche einsatzbereit. Der Fahrer ist auch Koch und zusätzlich ist auch ein Reiseleiter mit uns unterwegs. „Uns“ sind jetzt noch 19 Reisende.
Wir brechen auf Richtung Süden. Vorbei an großen Bananen- und Kakaoplantagen sowie Zuckerrohrfeldern immer parallel zur Küste. Einem ersten Stopp an der Strecke legen wir ein, um an einem der Stände am Straßenrand Obst einzukaufen. Mittags halten wir in einer kleinen Stadt. Hier gibt es eine Anzahl Lokale an der Hauptstraße, die zur Mittagszeit auf die Reisenden warten. Vor jedem Lokal steht eine Bedienung und preist es allen vorbei Fahrenden und Laufenden an. Das erleben wir auf der ganzen Reise nur dieses eine Mal so extrem. Wir laufen lieber über den Markt in der Hoffnung einen Bäcker zu finden. Da wir uns noch nicht so auskennen, finden wir nichts. Also doch essen gehen. Beim Warten auf das bestellte Essen merken wir, die Zeit könnte knapp werden. Wir lassen uns daher das Essen einpacken. Natürlich haben wir dann doch noch genug Zeit und sitzen halt einige Meter weiter auf einer Betonmauer und essen. Touris sind manchmal echt schräge Vögel wird sich die Bedienung gedacht haben. Und wohl nicht nur die :-)
Kurze Zeit nach der Mittagspause geraten wir vor Puerto Inca in einen Stau. Demonstranten haben die Straße gesperrt. Alles steht. Nach ungefähr einer Stunde geht es endlich weiter. So erreichen doch noch bei Tageslicht das höher gelegene Pasaje. Wir übernachten erstmals im Rotel. Während einige mit dem Ausklappen der Seitenwände und dem Anbringen der Plane für den Gang zu den Kabinen beschäftigt sind, stellen andere schon die Tische und Stühle für das Abendessen auf oder helfen dem Fahrer beim Schnippeln der Zutaten für das Abendessen. Und wieder andere tragen eimerweise Wasser zur vom Fahrer aufgeklappten Küche an hinteren Ende des Rotels. Schnell findet jeder seine „Aufgabe“, so das es für jeden Einzelnen kaum eine Viertelstunde Mitarbeit bedeutet. Keine große Sache. Dennoch entwickelt sich durch diese gemeinschaftliche Mithilfe sehr schnell ein sehr guter Zusammenhalt und Teamgeist innerhalb der Reisegruppe.
Bereits am Morgen wurde die Kabinenverteilung bekannt gegeben. Jetzt im Hof vor dem Hotel richten wir uns ein in der Kabine und im Fahrgastbereich. Da es nicht unser erster Urlaub mit Rotel ist, geht dies recht schnell und routiniert. Es wird bereits dunkel. Bis zum Abendessen vertreibt sich jeder die Zeit auf seine Weise. Unterhalten, schreiben, lesen, schwimmen im Pool des Hotels, duschen, Tagebuch schreiben, etc…..Nach dem Essen wäscht jeder sein eigenes Geschirr ab, das er in einem eigenen rotes Beutelchen während der ganzen Reise verwahrt. Das Geschirr der Küche und die Töpfe werden gemeinschaftlich gespült.
Beizeiten gehen wir zu Bett und schlafen zunächst gut in unserer Kabine. Aber bereits ab 2.30 Uhr (!) beginnen die Hähne des Ortes zu Krähen und hören bis zum Morgen nicht mehr auf.
Während ich wegen dem „lieben Federvieh“ immer wieder aufwachend da liege, kommt mir eine Anekdote in den Sinn,, die der Inka-Chronist Garcilaso de der Vega berichtet hat. Die in Ecuador und Nordperu zahlreichen Anhänger von Atahualpa, der ab 1527 die nördliche Hälfte des geteilten Inkareiches regierte, sagten aufgrund der Ähnlichkeit des viersilbigen Namens Atahualpa mit den Ruf des Hahns noch lange Zeit nach seiner Ermordung durch die Spanier: „Wann immer die Hähne krähen, welche die Spanier mit nach Peru gebracht haben, beweinen diese Vögel den Tod des ermordeten Inkas Atahualpa und rufen zum Gedenken an ihn seinen Namen.“
Ob die ecuadorianischen Hähne noch heute jede Nacht Atahualpas gedenken ?



Nächtlicher Übeltäter

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Warten an der Grenze

Fischerboot in Mancora

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Frühstück gibt es normalerweise um 7 Uhr und Abfahrt um 8 Uhr. Das heißt, ab 6 Uhr beginnt es sich so langsam zu regen im und um das Rotel. Einige sind aber (wie immer) auch schon viel früher unterwegs. Nach dem Frühstück immer die gleiche Prozedur: Erst eigenes Geschirr abspülen, dann gemeinschaftlich Geschirr der Küche spülen. Dann Stühle und Tische wegräumen und gleichzeitig das Rotel abbauen/einklappen. Das Ganze dauert heute incl. Abspülen noch etwas. Wir werden aber von Tag zu Tag routinierter und schneller. Wir fahren zur nahen Grenze nach Peru. Es ist unerwartet viel los. Also ist wieder Warten angesagt. Erst nach 3 Stunden sind wir durch. Ob dies an den vielen Flüchtlingen aus Venezuela liegt, die Peru zur Zeit aufnimmt und sofort mit Arbeits- und Aufenthaltserlaubnissen ausstattet, können wir allerdings nur mutmaßen. Jetzt gibt es auch Nachricht über unseren Vermissten. Die Polizei hat ihn am gestrigen Nachmittag in der Innenstadt von Guayaquil gefunden – unversehrt. Er ist anscheinend zuckerkrank und in starken Unterzucker geraten. Derart verwirrt konnte er sich nicht erinnern, wie und wo er die letzten 24 Stunden verbracht hat. Einige Tage später wird er nach Deutschland zurück geflogen.
In der grenznahen Stadt Tumbes wird in der Fußgängerzone Geld gewechselt. Hier haben etliche offizielle Geldwechsler ihre Freiluftstände. Wie wir es bereits von unserer letzten Reise kennen, wird vom Geldwechsler jeder Solesschein gestempelt, bevor wir ihn bekommen. So gekennzeichnet, weiß jeder das es sich um echte Scheine handelt. Falschgeld ist anscheinend ein großes Problem in Peru.
Wir besorgen uns noch schnell etwas zu Essen vom „fliegenden“ Bäcker und weiter geht es. Durch den langwierigen Grenzübertrieb haben wir Zeit verloren. Wir fahren am Meer entlang weiter nach Mancora zu unserem nächsten Übernachtungsplatz direkt am Meer. Mancora ist ein touristisch geprägter Ort. Baden und Wassersport sind angesagt, da hier ganz im Norden Perus das Meerwasser deutlich wärmer ist als am Rest der peruanischen Küste. Denn einige Kilometer südlich von Mancora biegt der kalte Humboldtstrom von der peruanischen Küste weg in den Pazifik ab.
Heute abend bleibt die Rotelküche zu. Das ist gut so, denn in Mancora gibt es viele Fischlokale. Die sollte man sich nicht entgehen lassen.
Aber erst machen wir einen langen Spaziergang am Strand. Beobachten viele Krabben, die aber immer schnell in ihrem Löchern verschwinden wenn wir uns nähern. Ein Blaufußtölpel ist da viel entspannter und lässt uns bis auf einen Meter an sich heran.
Währenddessen sind einige unserer Gruppe schwimmen gegangen im Pazifik. Und einer ist dabei auf etwas getreten und gestochen worden. Wir vermuten ein Stachelrochen ? Es blutet leicht und wird mit „Bordmitteln“ verarztet.
Nach einem schönen Sonnenuntergang gehen wir in den Ort zum Essen direkt ab der Strandpromenade. Hier ist richtig was los. Restaurant reiht sich an Restaurant.
Wir bestellen mehrere verschiedene Platten jeweils mit Reis:
Hühnchen, Meeresfrüchte, Fisch, Scampis und Seviche (roher Fisch in Limettensaft mariniert).
Und zahlen dafür 300 Soles für 12 Personen für Essen und Trinken. Ca. 90 Euro. Danach geht es im Gänsemarsch im Dunkeln entlang der Straße zurück zu unserem Übernachtungsplatz. Dort sitzen wir noch einige Zeit am Strand und genießen das Meeresrauschen.



Fußballspiel mit Zuschauern

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Im Wirkungsbereich von El Nino

LastenMotoTaxi in Piura

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Heute geht es zunächst weiter an der Küste entlang. Erst durchqueren wir ein Gebiet, in dem es viele Tiefpumpen (sog. Pferdekopfpumpen) gibt, mit denen Erdöl gefördert wird. An einer halten wir und schauen diese näher an. Dahinter durchziehen endlose Metallröhren die karge Landschaft und transportieren das schwarze Gold ab.
Später wird die Landschaft fruchtbarer. Wir fahren an vielen Reisfeldern vorbei.
Dann kommen wir in den Wirkungsbereich des Humboldtstromes.
Der kalte Humboldtstrom strömt die ganze Küste Chiles und Perus entlang nach Norden.
Über dieser Meeresströmung ist die Luft kalt. Wenn diese kalte, trockene Luft auf die Küste trifft, erwärmt sie sich und nimmt dabei Feuchtigkeit auf. Wolken und Nebel lösen sich dadurch auf und das Entstehen von Niederschlag wird wirkungsvoll verhindert. Daher besteht der schmale Küstenstreifen von Nordperu bis Chile (Atacama) aus einer Küstenwüste.
Die Landschaft ändert sich schlagartig. Es beginnt die Sechura-Wüste.
Aber was sehen wir ? Je weiter wir in die Sechura-Wüste kommen, umso mehr Pflanzen gibt es. Blühende fette Henne, wilde Baumwollpflanzen etc.
Dann kommen wir gar in ein Gebiet, wo die Sechura-Wüste unter Wasser steht.
Was ist hier los ?
El Nino ist los. Seit Ende 2015 erlebt Peru einen der stärksten und längsten El Nino der letzten Jahrzehnte. Wir staunen - und ahnen noch nicht, wie sehr uns dieses Phänomen auf unserer Reise noch beschäftigen wird.
Dann kommen Sicheldünen in Sicht. Wir steigen aus und laufen zu dieser faszinierenden Dünenform. Sicheldünen entstehen nur wenn der Wind immer konstant aus einer Richtung weht. Dabei liegt der offene Seite der Sicheldüne immer im Windschatten. Der Wind trifft auf den Bogen der Sicheldüne und wird dabei beschleunigt zu beiden Seiten um die Düne geleitet. Dadurch entsteht im offenen „inneren“ Halbkreis ein Unterdruck – der innerhalb der Sicheldüne für einen Gegenwind sorgt. Dadurch entsteht auch die halbrunde Form der Düne. Soweit die Theorie. Wir laufen zu einer Sicheldünen und spüren den konstanten Wind. Als wir in den offenen Bogen der Sicheldüne laufen wird es erst windstill und direkt in der Mitte stehend, spüren wir tatsächlich den Gegenwind. Faszinierend.
Mittagspause machen wir in der Stadt Piura, die mitten im Wüstengebiet liegt. Es ist sehr heiß, trocken und staubig. Auf den Straßen ist ein bunter Mix aus Autos, Bussen, LKWs und vor allem MotoTaxis unterwegs.
Am späten Nachmittag erreichen wir Lambayeque und unseren Übernachtungsplatz im Garten einer Hotelanlage. Durch die vielen Niederschläge wegen El Nino herrscht hier eine richtige Mückenplage. Gut das wir ein wirkungsvolles Gegenmittel gekauft haben und auch unsere stichsichere Safarikleidung dabei haben. Die war zwar erst für den Amazonasbereich gedacht, schützt uns aber auch hier schon wirkungsvoll. Nach dem Abendessen fängt es dann sogar noch an zu regnen in dieser normalerweise regenlosen Region. So das wir denn Rest des Abends mit unseren Campingstühlen unter einem Vordach verbringen.
Der Fuß unseres Mitreisenden ist durch den Stich von gestern mittlerweile stark angeschwollen. Noch am Abend wird er im örtlichen Krankenhaus behandelt und mit Antibiotika für die nächste Woche ausgestattet. Der Fuß sollte dadurch wieder gut abschwellen, aber dennoch für den Rest der Reise immer wieder mal neu anschwellen.



Überschwemmung in der Sechura-Wüste

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Brüning-Museum

Mochekeramik

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Am morgen entdecken wir direkt neben dem Hotel etliche Peru-Sperlingskäuze, die dort ihren Bau haben. Und heute stehen jetzt auch die ersten archäologischen Besichtigungen auf dem Plan. Allerdings fängt es denkbar schlecht an. Das Museum des Herrn von Sipan mit seinen spektakulären Funden ist geschlossen. Wie jeden Montag. Da ist wohl etwas gründlich schief gegangen bei der Tourplanung. Wir besichtigen daher das Brüning-Museum.
Das Museum wurde nach dem deutschen Hans-Heinrich Brüning benannt. Brüning arbeitete ab 1872 als Ingenieur in der Region und begann sich in seiner Freizeit mit den früheren Kulturen zu beschäftigen. Unter anderem erkannte er, dass die riesigen Erdhügel in der Nähe von Tucume von Menschenhand erschaffen wurden und begann diese zu erforschen. Brüning kaufte dabei auch viele Gegenstände von lokalen Grabräubern, die natürlich über die Pyramiden Bescheid wussten, um zu verhindern das goldene Objekte und Masken (wie damals üblich !) eingeschmolzen bzw. besonders eindrucksvolle Keramiken über den Schwarzmarkt verkauft werden.
Das Museum enthält eine beeindruckende Menge solcher Objekte der Moche-, Sican- und Chimukulturen: Keramikgefäße und Ketten aus Spontylus-Muscheln. Aber auch viele filigrane Gegenstände aus Gold und vergoldetem Kupfer, genannt tumbaga.
Nach der Besichtigung geht die Gruppe zur Mittagspause in die Stadt. Wir zwei bleiben aber im Museum, um die Fülle der Gegenstände nochmals genauer zu betrachten. Uns fallen jetzt auch bewusst die Ohrringe (Ohrpflöcke) auf. Dann auch die Töpferwerkzeuge für die Verzierung der Töpferwaren und die Model (Negativformen) für die Herstellung der Keramikgefäße.
Speziell in der Massenproduktion von Keramikgefäßen fanden Model Verwendung, welche die Herstellung von großen Mengen gleichartiger Gefäße ermöglichten. Als Model wurden zweiteilige Formen verwendet, in die der frische Ton eingedrückt wurde. War dieser ein wenig getrocknet, ließen sich die jeweiligen Gefäßhälften problemlos aus den Formen entfernen und aneinander setzen.
Aber dann wird es doch Zeit das Museum zu verlassen und schnell noch Obst und ein paar Backwaren auf dem Markt zu kaufen. Mittagessen werden wir zwei (öfters mal) während der Fahrt.
Es gibt einfach viel zu viel zu entdecken, als das wir unsere Mittagspause in Lokalen verbringen möchten :-)



Ohrschmuck Sican

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Sican-Kultur und Naymlap-Legende

Sican Goldkrone

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Erst mal etwas Theorie:
Das Sican-Reich wurde nach 800 n.Chr. von Naymlap gegründet, einem mythischen Helden, der vermutlich von Westen (oder doch Norden ? ) mit einer Flotte von Schiffen samt seinem Hof, Dienern und Kriegern über das Meer kam. Er landete im Tal von La Leche und organisierte einen mächtigen Staat, der in der Lage war, eine große Anzahl von Arbeitern für den Bau von kolossalen Palästen und großen heiligen Städten zu mobilisieren.
Die Sican bauten ihr Reich auf den Ruinen der gerade untergegangenen Moche-Kultur, von der sie viele Elemente in Kunst, Ikonografie und Technik übernahmen. Zwischen 900 und 1100 n. Chr. hatte die Sican-Kultur ihre Blütezeit.
Die Naymlap-Sage spiegelt sich in der religiösen Kunst der Sican-Kultur: Das immer wiederkehrende Hauptmotiv auf Keramiken und Reliefs ist eine männliche Gestalt mit ausladendem Kopfputz, geflügelten Augen und Flügeln am Rücken. Oft hält der Mann einen abgeschnittenen Menschenkopf in der einen und das halbkreisförmige Opfermesser ("Tumi") in der anderen Hand. Eine sehr deutliche Ähnlichkeit zum Berggott Ai Apaec (auch Ayapec) der Mochekultur und ein weiteres Indiz, dass auch das Sican-Reich an die vorherige Kultur der Moche anknüpfte.
Der Moche-Gott Ai Apaec wiederum wurde abgeleitet vom „Zeptergott“ (auch Stabgott) der noch viel früheren Chavin-Kultur, zu deren Kultzentrum Chavin de Huantar in den Zentralanden wir im späteren Verlauf der Reise noch kommen werden.
Aber es gibt bisher noch keinen archäologischen Beweis für die Existenz von Naymlap. Die Mehrzahl der Archäologen vermutet, dass die Huaca Chotuna der Palast des Naymlap sein könnte. Hier wird seit einigen Jahren gegraben. Nach dem Tod von Naymlap sollen ihn seine Vertrauten heimlich in seinem Palast begraben haben. Sein Ableben wurde vor dem Volk verheimlicht und zu einer "Himmelfahrt" mythologisiert: Er sei wie ein Vogel gen Himmel geflogen. Seine Wiederkehr auf Vogelschwingen aus Westen wurde seither in der Region von den Menschen als Legende weitererzählt bzw. erwartet. Als die Spanier mit ihren Segelschiffen (die Segel kann man als Vogelschwingen sehen) aus Westen ausgerechnet an diese Region der Küste anlandeten, sorgte ggf. auch dieser Mythos dafür, das sie freundlich empfangen wurden.
Naymlaps direkte Nachfolger aber hatten erst einmal Wohlstand und Macht des Reiches gemehrt. Die Sican-Leute bauten weitverzweigte Bewässerungsanlagen, vereinzelt sogar von einem Flusstal ins andere. Das ermöglichte eine hoch ertragreiche Landwirtschaft, erbrachte also Überschüsse, die wiederum Grundlage für kulturelle und künstlerische Höhenflüge waren. Die Naymlap-Erben errichteten die größten Lehmziegelpyramiden und häuften unermessliche Goldschätze an: Ihre Kunsthandwerker übernahmen die großen Fähigkeiten der Mochekultur in Sachen Metallhandwerk und entwickelten diese weiter. Sie konnten Goldblech auf weniger als einen Millimeter Dicke klopfen und diesen Hauch von Gold immer noch überaus kunstvoll verzieren. Fast alles, was heute unter "Inka-Gold" firmiert, stammt in Wahrheit aus dem Sican-Reich und den nachfolgenden Chimu.
Zwischen 900 und 1100 n. Chr. hatte die Sican-Kultur ihre Blütezeit. Das entspräche der Herrscherzeit von Naymlaps Sohn Cium und seiner zwölf Nachkommen. Dessen letzter, namens Fempellac, beging der Legende nach eine gravierende Sünde, die mit einer dreißigtägigen Sintflut (El Nino ?) geahndet wurde. Die Priester stürzten den sündigen Herrscher ins Meer, die Dynastie war beendet. Real wurde das Sican-Reich um 1375 n. Chr. von den aufstrebenden Chimu militärisch erobert. Das Chimureich wiederum wurde 1470 von den Inkas unter Tupac Inka erobert.
Soweit die Theorie.



Sican Goldkette

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Pyramiden Tucume

Wandrelief Tucume

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Jetzt geht es weiter nach Tucume zu den Pyramiden der Sican-Kultur. Zunächst besuchen wir das Museo Tucume mit einigen Modellen der Pyramiden, vielen Gefäßen und Alltagsgegenständen wie Nadeln und Spindeln.
Bekannt sind bisher 3 Pyramiden-Komplexe der Sican: Tucume, Batan Grande und Chotuna.
Túcume wird von 26 Pyramiden und Dutzenden von kleineren Gebäuden gebildet, alle um den in der Ebene liegenden Berg Cerro la Raya, angeordnet. Die größte ist die Huaca Larga mit einem Grundriss von 700 x 280 Meter. (Zum Vergleich: Die Cheops-Pyramide hat einen Grundriss von 230x230 Meter). Bei den Pyramiden von Tucume handelt es sich um aus Lehmziegeln erbaute Tempelberge, genannt Huacas. Die Huacas sind also keine klassisch spitz zu laufende Pyramiden. Vielmehr wurden die Huacas gebaut, um erhöhte Plattformen zu schaffen. Auf diesen Plattformen wurden dann Tempel und weitere Anlagen meist aus Holz mit Strohdächern erbaut.
Jetzt besichtigen wir die Huaca Las Balsas. Auf dem Weg dorthin laufen wir entlang des Cerro la Raya durch einen schönen Trockenwald. Hier sehen wir auch Blaugenick-Sperlingspapageien.
Bei der mittlerweile zum Schutz vor El Nino und den damit verbundenen Regenfällen überdachten Huaca Las Balsas sehen wir viele Wandverzierungen. Es ist auch deutlich erkennbar, was wir in der Theorie schon wissen: Das die Huaca immer wieder neu und noch höher überbaut wurden. Hierbei wurde einfach der Grundriss vergrößert und von unten nach oben die bisherigen Verzierungen und Anlagen einfach übermauert. Dadurch sind diese älteren Bauten und Verzierungen aber auch vor den Starkregen geschützt und für die Nachwelt erhalten geblieben.
Auf den einzelnen Ebenen gab es Räume, die mit Reliefs und Wandmalereien verziert wurden. Die einzelnen Ebenen waren durch Rampen verbunden. Neben dem Tempel ganz oben gab es auf den unteren Plattformen Bereiche für die Verwaltung sowie Wohn- und Küchenbereiche. Hier wurden auch Überreste der täglichen Nahrung des Bewohner gefunden. Bewohnt wurden die Pyramiden von der aristokratischen Elite.
Wir laufen noch etwas Richtung der Huaca 1 und Huaca Larca. Bei diesen Huacas sieht man deutlich, wie durch die regelmäßig auftretenden El Ninos und den damit verbundenen Starkregen die äußeren Umrisse der Lehmziegelbauten im Lauf der Jahrhunderte so stark ausgewaschen wurden, das man auf den ersten Blick wirklich nicht auf die Idee kommt, hier könnte es sich um Bauten von Menschenhand handeln. Hier sind die Archäologen noch für lange Zeit beschäftigt.
Wir fahren weiter Richtung Olmos, eine Stadt am Rande der Wüste. Die Straße von Lamayeque nach Olmos ist aufgrund des El Nino innerhalb eines Jahres von einer gut asphaltierten Straße zu einer löchrigen Piste geworden. An vielen Stellen ist der Asphalt weggespült. Tiefe Löcher müssen im Schritttempo umfahren werden. Wir brauchen für diese Strecke deutlich länger als geplant und erreichen recht spät unser Hotel in der Stadt. Heute wird nicht im Rotel übernachtet und daher bleibt auch die Rotelküche zu. Wie in Guayaquil gehen wir quasi nebenan in einem Restaurant zum Essen und auch zum Frühstück. Für uns immer noch ungewohnt ist hierbei, das in allen Restaurants ein Fernseher läuft. Mit voller Lautstärke.



Tucume Pyramide



Banger Weg nach Chacapoyas

Heute wollen wir von Olmos aus erstmals in die Anden fahren. Olmos erlebt zur Zeit einen regelrechten Boom. Auch unser Hotel erhält ein drittes Stockwerk. Durch das nach oben offene Treppenhaus können wir direkt auf die Baustelle schauen. Grund ist das Staudammprojekt „El Limon“ auf der östlichen Seite der Küstenkordillere (Cordillera occidental). Das dort gestaute Wasser des Rio Huancabamba würde normalerweise Richtung Amazonasgebiet abfließen. Über einen 20 Kilometer langen Tunnel quer durch die Anden wird es aber über die Wasserscheide nach Westen in die trockene Küstenregion rund um Olmos gebracht. Wodurch hier Landwirtschaft im großen Stil möglich wird. Leider ist es aber mal wieder so, dass vor allem große Konzerne und Investoren das Land vom Staat aufgekauft haben und hier Plantagen anlegen. Der Großteil der Bevölkerung kann sich nur als Arbeiter verdingen. Dennoch ist in ganz Olmos eine rege Bautätigkeit zu beobachten und uns wird berichtet, dass viele Menschen in die Region ziehen.
Wie bei den alten Kulturen der Moche, Sican, Chimu etc. werden also auch im heutigen Staat Peru Bewässerungskanäle im großen Stil errichtet, um den trockenen Küstenbereich landwirtschaftlich nutzbar zu machen.
Beim Frühstück sehen wir Bilder aus Piura, der trockenen staubigen Wüstenstadt, in der wir vorgestern Mittagspause gemacht haben. Über Piura hat sich gestern ein starkes Unwetter entladen. Die Stadt ist komplett überschwemmt. El Nino bringt sich uns in Erinnerung.
Mit leichter Beklemmung fahren wir heute in die Anden hoch. Unser Ziel ist weit entfernt das kleine Bergdorf Cocachimba inmitten der Inlandskordillere nahe dem Goctawasserfall.
Aber erst mal müssen wir die Küstenkordillere überwinden. Der Anstieg auf die Passhöhe bei 2.137 Metern bietet unzählige atemberaubende Ausblicke. Schon bald wird es spürbar kälter, der Bewuchs wechselt langsam von üppiger Vegetation zu einfachem Gras. Wir sehen aber auch die durch El Nino entstandenen Ausspülungen der Straße und die teils massiven Auswaschungen und Erdrutsche an den Berghängen rings um uns. Etliche Erdrutsche hatten die Straße wohl immer wieder blockiert. Die Bauarbeiter haben die Geröllmassen jeweils beiseite geräumt. Allerdings liegt überall noch loses Material oberhalb, unterhalb und teils auf oder neben der Straße. Bei weiteren Regenfällen würde sich dieses Material sofort wieder in Bewegung setzen.
Nach Überquerung der Passhöhe fahren wir im schmalen Tal des Rio Huancabamba durch die Bergwelt. Jede noch so kleine Fläche im sehr schmaler Tal wird für Landwirtschaft genutzt. Obstanbau und Reisfelder wechseln sich ab. Der Fluss führt Hochwasser. Irgendwo war wohl wieder ein Unwetter. Das schlammige Wasser strömt meist direkt neben der Straße durch das enge Tal, das oft mehr einer Schlucht gleicht. Auch hier sind die Spuren von El Nino unübersehbar. Überall sehen wir Geröllmassen neben der Straße. Wir machen Rast in einen Bergdorf. Etliche Häuser sind hier beschädigt oder zerstört. Kurz hinter dem Dorf ein neuer Bergrutsch. Die Aufräumarbeiten laufen. Wir müssen einige Zeit warten. Die Straße ist gesperrt. Fliegende Händler aus dem nahen Dorf nutzen dies, um den wartenden Fahrzeuginsassen Obst, Getränke und Snacks anzubieten. Irgendwann geht es weiter. Die schmale Durchfahrt durch die Geröllmassen ist gerade breit genug für einen LKW.
Wir fahren langsam heraus aus der Bergwelt über den Rio Maranon in das Department Amazonien. Hier ändert sich das Klima und die Pflanzenwelt ein weiteres mal. Es wird tropisch warm mit üppiger Vegetation. Die Landschaft wird flacher und weitet sich für kurze Zeit.
Dann geht es langsam aber sicher in den Anstieg zur Inlandskordillere (Cordillera Oriental). Es bewölkt sich. Wir folgen jetzt dem engen Flusstal des Rio Utcubamba. Der Fluss hat eine tiefe Schlucht in die Berge gegraben. Direkt neben der Straße rauschen die schlammigen Wassermassen an uns vorbei. Auch hier muss es vor kurzem stark geregnet haben. Sonst wäre der Fluss nicht so reißend. Es fängt an zu regnen. Hoffentlich fahren wir in kein Unwetter inmitten dieser Schlucht. Unser Fahrer und unser Reiseleiter treffen eine Entscheidung. Bei diesen Wetterbedingungen ist die schmale, nicht asphaltierte und vom vielen Regen möglicherweise aufgeweichte Auffahrt zum Bergdorf Cocachimba zu gefährlich für unseren schweren LKW. Wir fahren daher direkt weiter nach Chacapoyas (2.335 Meter), das 40 Kilometer weiter liegt. Da wir dort sowieso die darauf folgenden 2 Nächte verbringen wollen, werden wir jetzt eben 3 Nächte dort sein. Und die Anfahrt nach Cocachimba zum Goctawasserfall (771 Meter Fallhöhe) wird am nächsten Morgen mit einheimischen Fahrzeugen in Angriff genommen.
Nach weiteren Stunden erreichen wir unseren Lagerplatz im Garten eines Hotels im letzten Tageslicht. Direkt oberhalb des Hotels ist ein großer Rummelplatz aufgebaut. Die Feiern zum Fest der heiligen Rosa von Lima (30.8.) sind in Chachapoyas bereits im vollem Gange. Heute gibt es keine Rotelküche. Der Fahrer hat mehr als genug geleistet am heutigen Tag. Wir gehen im Restaurant des Hotels essen. Ein Mitreisender bucht an der Hotelrezeption für den Folgetag eine Tour zu einer Steilwand mit Sarkophagen der Chacapoya. Als meine Frau und ich davon beim Essen erfahren buchen wir nach kurzer Überlegung ebenfalls diese Tour. Wasserfälle können wir immer wieder mal sehen. Die Sarkophage der Chacapoya dagegen wohl nicht mehr.
Nach dem Essen bekommen wir mit, dass ein deutscher Koch dieses Restaurant führt. Natürlich nehmen wir sofort Kontakt mit ihm auf. Was nicht so schwer ist, denn die Küche ist nur durch große Glasscheiben vom Gastraum abgetrennt. Schnell steht eine der Scheiben offen. Er freut sich auch, mal wieder mit Landsleuten zu reden. Wir bestellen eine Runde Pisco Sour bei ihm und können zusehen, wie der Pisco Sour mit lauter frischen Zutaten für uns gemixt wird: Frisch gepresster Limettensaft, Pisco (=Tresterbrand), Eiweiß und Eis werden gemixt und in ein Glas mit Zuckerrand gefüllt. Lecker.
Der Koch lässt uns auch noch ein Schnapsglas voll Maracuja Sour kosten, den er für einen anderen Gast mixt. Lecker, lecker ! Ganz klar. Den trinken wir morgen Abend !



Küstenkordillere Serpentinen

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Sarkophage der Chachapoya

Karajia

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An diesem Tag machen wir uns selbstständig. Während unsere Reisegruppe zum Goctawasserfall fährt, warten wir auf unseren einheimischen Touribus. Zwei weitere Mitreisende haben sich uns morgens noch angeschlossen. Wir sind also zu fünft. Als der Bus kommt, stellt sich heraus, das nur noch Platz für 4 Personen ist. Der Bus ist mit ca. 30 Personen jetzt voll besetzt. Der zuletzt Buchende aus unserer Gruppe muss an der Rezeption zurückbleiben. Neben uns 4 Deutschen sitzt noch ein junges Schweizer Paar im Bus. Alle anderen Touristen sind Peruaner.
Wir erfahren erst am Abend, wie es für unserer zurück gelassenen Mitreisenden weiter gegangen ist:
Das Hotel will den Fehler bei der Buchung natürlich gut machen. Ein Taxifahrer wird organisiert, der unseren Mitreisenden zu der Steilwand mit den Sarkophagen bringt. Das ist einfach immerhin ein Strecke von mehr als 2 Stunden weit hinauf in die Berge, obwohl die reine Entfernung nur 43 Kilometer beträgt. Wie unser Mitreisender berichtet, hat der Taxifahrer in der Nacht zuvor wohl sehr ausgiebig in einer Karaokebar gefeiert, weshalb auf der Fahrt bei jedem noch so kleinen Rinnsal angehalten wird, damit er sich seinen Kopf kühlen kann. Er hat die Sarkophage aber auch besichtigen können und ist heil mit seinem „geschwächten“ Taxifahrer wieder zurück gekommen.
Aber zurück zu uns.
Wir fahren mit den Bus von Chacapoyas aus wieder die Serpentinen hinab ins Flusstal des Rio Utcubamba. Nach einigen Kilometern im Tal fahren wir auf der anderen Seite eine unbefestigte Piste Serpentine für Serpentine immer höher hinauf. Je höher wir fahren, umso mehr Dörfer und Hütten tauchen auf und wir sehen immer mehr landwirtschaftliche Flächen. Erst jetzt wird uns so richtig klar, was wir in der Theorie schon gehört hatten: Ein Drittel der Bevölkerung Perus lebt in einer Höhe von 2.000 bis 3.500 Metern. Wer nur in den teils sehr engen Flusstälern durch die Anden fährt, ahnt nicht welche Bevölkerungsdichte da praktisch über seinem Kopf existiert. Hier oben gedeihen sehr viele unterschiedliche Nahrungspflanzen, die je nach Höhe angebaut werden. Auf dem Weg stoppen wir im Ort Luya im Distrikt Lamud, um unser Mittagessen in einem Lokal vor zu bestellen. Hier wird eine Liste geführt mit dem bestellten Essen und unserem Namen. Außerdem sollen wir noch unsere Schuhgröße eintragen ? Nun ja, wir haben schon so oft Besuchsformulare ausgefüllt, bei denen Passnummer oder Beruf oder Nationalität anzugeben waren. Warum mal nicht die Schuhgröße ? Netter Gag denken wir und albern noch, dass sich wohl die Größe des bestellten Fisches zu Mittag nach der Schuhgröße richtet. :-)
Bevor wir weiterfahren, wollen natürlich alle 30 Leute auf Toilette. Jeder Tourist will immer auf die Toilette. Nicht weil er unbedingt muss. Nein, aber als Tourist weißt du nie, wann die nächste Toilette kommt und so nutzt du jede Gelegenheit... Der Ansturm auf die Toilette im Lokal ist so groß, das der Wirt mich kurzerhand am Arm nimmt, über eine Betontreppe nach oben in die Privaträume führt und ins Privatklo schiebt.
Danach geht es noch weiter hoch in die Anden, bis wir das Dorf Cruz Pata auf ca. 3.300 Metern erreichen. Die Dörfer hier oben lagen früher weit abgelegen von jeder Straße und waren nur nach tagelangen Fußmärschen erreichbar. Erst nach der Entdeckung der Sarkophage von Karajia 1985 durch Wissenschaftler (die Dorfbewohner kannten sie natürlich immer) wurde die Straße vom Flusstal bis hier herauf gebaut, um Touristen in einer Tagestour ab Chachapoyas herzubringen.
Die Sarkophage wurden damals per Radiokarbonmessung auf 1460/1470 datiert.
Vom Dorf aus geht es ca. 20 Minuten zu Fuß erst relativ leicht, dann immer steiler einen breiten Pfad bergab. Unser Führer erklärt uns auf dem Weg etliche Pflanzen. Erst auf spanisch, dann auf englisch. Unter anderem die Zitronellapflanze, ein Hauptbestandteil von Mückenabwehrmitteln. Die Sonne scheint, wir haben eine herrliche Aussicht. Unser Führer erzählt uns, dass wir richtig Glück haben mit dem Wetter. Bei der gestrigen Tour hat er sich erkältet: Da waren es nur 4 Grad hier oben ! Wir erreichen den Rand der Schlucht von Karajia. Hier stehen auch örtliche Bauern mit Pferden bereit, die für den Rückweg bergan gemietet werden können.
Nun steigen wir aber erst mal auf einem schmalen Pfad in den steil abfallenden Felsabhang hinein. Nach etlichen Metern am Abgrund entlang sehen wir vor uns die erste Gruppe von 6 Sarkophagen hoch oben in der Felswand.Unser Führer erklärt zunächst uns vier auf englisch, dass die beiden Sarkophage mit Totenschädeln ein Zeichen dafür sind, dass die darin Bestatteten erfolgreiche Krieger waren, also Feinde im Kampf getötet haben. Hergestellt wurden die Sarkophage aus einer Mischung von Lehm, Stroh und Gestein. Die Bedeutungen der roten Verzierungen, welche die weißen Figuren bedecken, konnte bis heute nicht geklärt werden. Die Leichname wurden im Inneren sitzend und in Stoffe eingewickelt platziert. Im Inneren sollen zudem Grabbeigaben gefunden worden sein, wie Keramikgeschirr und Gold. Bei den Chachapoya wurden hochrangige Persönlichkeiten entweder auf diese Weise beerdigt oder auch in Mausoleen wie in Revash oder am Kondorsee.
Nach einiger Zeit gehen wir zu viert den schmalen Pfad unterhalb der Steilwand entlang auf die Seite rechts der Steilwand, während unser Führer jetzt der peruanischen Gruppe auf spanisch die Erläuterungen gibt. Unterhalb der Wand liegt ein Stapel Knochen direkt neben dem Pfad. Die starken Regenfälle spülen immer wieder Gebeine aus der Felswand. Die Dorfbewohner sammeln diese und legen sie hier ab.
Außerdem entdecken wir eine kleine Mauer und einige Holzreste im Fels über uns.
Auf der rechten Seite angekommen sehen wir aus unserer neuen Perspektive im von der linken Seite nicht einsehbaren Teil der Felswand eine weitere Gruppe von Sarkophagen, die schon in Richtung Mausoleum-Bestattung gehen. Die Leichname wurden in Felsnischen gelegt, die Nischen zugemauert und auf die Mauern Gesichter modelliert und bemalt. In einer anderen Nische in der Felswand liegt ein umgekippter Sarkophag. Es handelt sich um den letzten Rest einer weiteren Gruppe. Ob dies das Werk von Grabräubern oder einem Erdbeben ist, können wir nicht sagen. Und in der nächsten Nische entdecken wir noch den Stumpf eines weiteren Sarkophags.
Wir sind völlig gebannt durch die Eindrücke und vergessen alles um uns herum.
Immer wieder entdeckt einer von uns etwas Neues in der Wand. Eine weitere zu gemauerte Grotte. Und da liegt doch ein Knochen in der Wand ?
Da ruft meine Frau, die bereits ein Stück zurückgelaufen ist, wir sollen doch endlich kommen. Unser Führer und die ganze Gruppe wären schon längst weg und bereits komplett außer Sicht. Wie ? Schon ? Wir haben die Zeit mal wieder völlig vergessen.
Und dabei haben wir noch längst nicht alles entdeckt: Einen einzeln stehenden Sarkophag im linken überwucherten Teil der Feldwand entdecke ich erst zu Hause bei genauerer Sichtung der Bilder. Dabei wird mir auch erst richtig klar, dass es in der Wand noch viele andere künstlich geschaffene Nischen gibt, in denen wohl früher auch Sarkophage standen.
Jetzt aber schnell zurück. Immerhin steht uns noch der lange Anstieg zum Dorf in der dünnen Höhenluft bevor. Als wir Vier auf dem schmalen, sehr steilen Pfad aus der Schlucht kommen sehen wir, das bereits alle Bauern mit den Pferden weg sind. Auch von der Gruppe ist weit und breit nichts mehr zu sehen. Es wird gleich klar, das unser ältester Mitreisender mit 72 Jahren den Anstieg nicht in der notwendigen Geschwindigkeit bewältigen kann, damit wir zumindest etwas den Abstand zur Gruppe verkürzen können. Ich marschiere also schneller voraus, um nach Möglichkeit die Gruppe einzuholen und ein Pferd zu organisieren. Aber schnell ist in der Höhe relativ. Immer wieder muss ich mein Tempo kurz reduzieren, wenn der Kopfschmerz stärker wird. Ich erreiche das Dorf gerade als der Führer ruft: Bitte einsteigen, wir fahren ab. Puuh, gutes Timing.
Auf meine Bitte hin wird ein Bauer mit Pferd herbeigerufen. Bis aber ein gesatteltes Pferd bereit steht vergehen einige bange Minuten. Dann läuft der Bauer mit dem Pferd im Laufschritt den Pfad hinab, um unseren Mitreisenden herauf zu holen. Hoffentlich hat er langsam gemacht und es geht im gut. Nach einiger Zeit des Wartens kommen erst meine Frau und der dritte Mitreisende unserer Gruppe. Und dann zu Pferd unser „Alterspräsident“. Ihm geht es gut.



Serpentinen Karajia



Unterwelt der Chachapoya

Rekonstruktion Häuser Chachapoya

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Nun fahren wir zum Mittagessen. Hier sitzen wir mit dem jungen Schweizer Paar und einer Peruanerin aus Lima am Tisch und unterhalten uns angeregt über das Gesehene. Es gibt leckeren Fisch und einen Krug voll mit einer Art Chica, allerdings nicht vergoren. Das erfrischt und gibt Kraft. Und die brauchen wir jetzt.
Denn es stellt sich heraus das unser Ausflug noch nicht zu Ende ist: Es werden Gummistiefel verteilt, um eine Tropfsteinhöhle (Caverna de Chiocta) zu besichtigen. Damit erklärt sich auch die Liste mit der Schuhgröße. Na also, man muss nicht immer alles gleich verstehen. Klärt sich schon :-) Je 2 Personen bekommen noch eine Lampe und schon sitzen wir im Bus.
Bei der Quiocta Höhle handelt es sich um eine alte Ritualstätte der Chachapoya.
Ein riesiges weitverzweigtes Höhlensystem, das bis heute nur in minimalen Teilen erforscht wurde. Die Höhle befindet sich weitestgehend in ihrem ursprünglichen Zustand: Das bedeutet meterhohe Stalaktiten und Stalagmiten, aber auch extrem feuchter Lehmboden und Schlamm – tiefer Schlamm. Schon nach wenigen Schritten in der Höhle merken wir, das wird anders als jede Höhlenbesichtigung bei uns in Deutschland. Die Höhle ist komplett unbeleuchtet und es gibt keinerlei befestigte Wege oder Laufstege. Dafür immer wieder Schlammpassagen und sehr tiefe Schlammlöcher, vor denen man sich hüten sollte. Oft müssen wir auch Bereiche durchwaten, die unter Wasser stehen. Und das bei diffusem Licht, da nur jeder zweite eine kleine Lampe hat. Unsere leistungsstarken LED-Taschenlampen liegen im Rotel: Wir wussten ja nicht, was wir da noch mitgebucht haben :-)
Die Höhle wurde bereits in grauer Vorzeit bewohnt. Anthropologen haben hier bereits Ausgrabungen und viele Knochenfunde gemacht. Auch zur Zeit der Chacapoya wurden hier Rituale abgehalten. Selbst heute wird die Höhle noch von Schamanen für Zeremonien besucht. Wir sehen kleine, frische Aschehaufen von verbrannten Cocablättern – neben einigen Schädeln auf einem Felsvorsprung.
Die Höhle ist meist etwa 10 Meter breit. Unser Führer läuft voraus und wechselt immer wieder die Seite um besonders üblen Stellen auszuweichen. Es ist sehr hilfreich, zu sehen wo genau der Vordermann hintritt. Um es genauso zu machen bzw. manchmal dann genau da NICHT hinzutreten :-) Außerdem müssen wir unserem Ältesten helfen, die schwierigen Passagen zu meistern. Aber auch alle anderen helfen einander. Eine echte Teambildungsmaßnahme. Das junge Schweizer Paar wartet immer wieder auf uns und leuchtet uns den Weg. Auch die junge Peruanerin mit der wir bereits beim Mittagessen am Tisch saßen und der wir am Anfang an einer schwierigen Stelle geholfen haben, ist auf dem weiteren Weg immer wieder hilfreich zur Stelle. Wie sich jetzt herausstellt ist sie Armeeangehörige.
1 Stunde lang arbeiten wir uns immer tiefer in die Höhle vor. Unser Führer gibt immer wieder Erläuterungen. An vielen Stalaktiten und Stalagmiten kommen wir im Schein unserer Taschenlampen vorbei. Dann geht es auf dem selben Weg wieder zurück. Diesmal ohne Erläuterungen erreichen wir nach ca. 30 Minuten den Höhleneingang.
Wir verlassen die „Unterwelt der Chachapoya“ und sind glücklich. Zum einen, weil wir unseren „Alterspräsidenten“ mit vereinten Kräften heil durch die Höhle gebracht haben, zum anderen, weil wir wissen: So eine Höhlentour werden wir wohl nie mehr machen. Das war ein tolles Erlebnis. Nicht zu vergleichen mit Höhlentouren bei uns, wo alles ausgeleuchtet ist und Laufwege gebaut sind. Dies war eine Höhle, wie sie ursprünglicher und naturbelassener nicht sein kann.
Nach einer langen Rückfahrt erst die Serpentinen runter ins Flusstal, dann die Serpentinen wieder hoch nach Chachapoyas erreichen wir gegen 20.30 Uhr unser Hotel. Sofort gehen wir ins Restaurant und bestellen einen Maracuja Sour. Der Koch war extra auf dem Markt, um reife Maracuja zu besorgen (reif sind sie, wenn sie schon schrumpelig werden).
An Abendessen denkt niemand von uns. Warum auch ? Wir haben uns an diesem Tag SATT gesehen an Eindrücken. Wir genießen unseren Maracuja Sour und lassen diesen Tag Revue passieren !
Die Tour hat 70 Soles gekostet, dazu nach Eintritte 8 und 5 Soles und Essen plus Leihgebühr für Stiefel und Lampe 18 Soles. Also rund 100 Soles. Sprich 30 Euro. Es war jeden Cent wert.



Gebeine Felsvorsprung Caverna de Chiocta

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Chachapoya

Erst mal etwas Theorie:
Viel ist nicht über diese Menschen bekannt. Selbst ihren uns bekannten Namen Chachapoya (= Quechua, bedeutet „Wolkenmenschen“ oder auch „Nebelkrieger“) bekamen sie von ihren Feinden den Inkas. Auch über die Herkunft der Chachapoya ist man sich nicht einig. Laut Berichten verschiedener Chronisten waren sie besonders hellhäutig und hochgewachsen. Untypisch für die anderen Völker der Anden. Pedro de Cieza de Leon nennt sie die „weißesten und schönsten Indianer Perus“. Auch die Kultur weist auffällige Abweichungen auf. Dies führte zu vielen Spekulationen: Handelt es sich um Einwanderer aus dem keltischen Europa oder gar um Flüchtlinge aus dem untergegangenen Karthago ?
Forscher vermuten aber mittlerweile, dass die Chachapoya-Kultur sich bereits um 1.000 vor Christus aus hier lebenden Stämmen entwickelte. Das Gebiet der Chachapoya liegt an der Nahtstelle zwischen dem Amazonastiefland und den Anden. Daher wird vermutet, das sich die Chachapoya-Kultur rund um wichtige Handelswege zwischen Anden und Amazonien an den Andenabhängen entwickelte. Möglicherweise entstand sie aus einer Reihe von unterschiedlichen Einflüssen und Zuwanderungen aus den verschiedenen Regionen der Anden und des Amazonastieflandes. Vermutlich lebten die Chachapoya in einem losen Staatenverbund zusammen. Darauf deutet auch der Bericht des Chronisten Inca Gracilaso de la Vega hin. Er schildert ausführlich, wie der Inka Tupac Yupanqui in den Jahren um 1475 in schweren Einzelkämpfen Ort um Ort und Festung um Festung der Chachapoyas in einem mühevollen Feldzug eroberte. Zu der Zeit wird die Bevölkerung auf 500.000 Menschen geschätzt. Er schildert auch eine erfolglose Rebellion der Chachapoya gegen die Inkaherrschaft während der Regierungszeit (1493-1527) von Huaina Capac, dem Sohn von Tupac Yupanqui. Beim Eintreffen der Spanier verbündeten sich die Chachapoya schließlich mit diesen, um die Herrschaft der Inkas endlich abzuschütteln. Allerdings gerieten sie dann unter die viel schrecklichere Herrschaft der goldgierigen Spanier. Um 1550 lebten aufgrund von Krieg, Gewalt und eingeschleppten Seuchen nur noch ungefähr 90.000 von ihnen. Bereits wenige Jahrzehnte später war das Volk der Chachapoya verschwunden. Soweit auch hier die Theorie.



Kuelap, Festung der Wolkenmenschen

Eingang Kuelap von innen gesehen.

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Mit einheimischen Bussen fahren wir nun also nach Kuelap, dem „Macchu Picchu des Nordens“.
Der Baubeginn von Kuelap wird auf etwa 500 nach Christus datiert. Die Hauptbautätigkeit fand zwischen 800-1100 n. Chr. statt. Einige Forscher vermuten, das die Chachapoya zu der Zeit zur baulichen Verstärkung ihrer Siedlungen gezwungen waren, um sich gegen kriegerische Übernahmeversuche der ab 800 n.Chr. in Zentralperu erstarkten Huari-Kultur zur Wehr zu setzen.
Seit Januar 2017 gibt es oberhalb des Ortes Nuevo Tingo eine Seilbahn, die zur Ruinenanlage führt. Bis Nuevo Tingo fahren wir etwas mehr als 1 Stunde. Durch die Seilbahn sparen wir eine weitere Stunde Fahrt. Von der unteren geht es mit Bussen zur oberen Station. Dort steigen wir in die Seilbahn, die uns erst nach unten in einen Taleinschnitt und dann wieder hoch auf den gegenüberliegenden Berg bringt. Unterhalb der Bergflanke, auf der Kuelap liegt, steigen wir aus und laufen auf einen Weg den Bergrücken entlang zur Festungsanlage. Diese liegt auf 3.000 Metern Höhe und hatte auf ihren drei Ebenen etwa 300 einzelne Häuser. Alle Gebäudewaren Rundbauten. Die Strohdächer hatten vermutlich durch die konische Form die notwendige Stabilität, um die starken Regenfälle im Bergnebelwald auszuhalten.
Aber sehr viel ist noch nicht bekannt über Kuelap. Auch ist noch unklar, was Kuelap war: Religiöses Zentrum, Festung, Ansiedlung oder Fluchtburg ? Ich denke mal: Wahrscheinlich alles zusammen. Jedenfalls wurden im Gebiet des Utcubamba-Tales mittlerweile mehrere tausend Gebäudereste der Chachapoya entdeckt. Neue Satellitenbilder lassen vermuten, das auch der Bergrücken außerhalb der Umfassungsmauer mit Häusern bebaut war.
Die ganze Anlage ist von einer 12 Meter hohen und 600 Meter langen Mauer umgeben. Wobei dies nicht ganz richtig ist. Denn eine Besonderheit von Kuelap liegt im Untergrund verborgen. Es handelt sich nicht nur um eine Umfassungsmauer. Nein, der ganze lang gezogene Berggipfel innerhalb der Mauer wurde mit Kalksteinen aufgeschichtet. So entstand ein durchgehendes massives Fundament auf dem Bergrücken. Dies erklärt auch, warum die Anlage heute noch steht. Und nicht von Starkregen oder Erdbeben die Abhänge hinab gestürzt wurde.
Der massive Sockel samt Umfassungsmauer haben ein Stein-Volumen von mehr als 700.000 m3. Dies entspricht ungefähr dreimal dem Volumen der Ceops-Pyramide in Ägypten.Vermutlich haben etwa 3.000 Menschen in Kuelap gelebt.
Wir betreten die Stadt durch einen schmalen Einlass (Eingang 3). Hohe Mauern rechts und links lassen nur eine schmalen Aufstieg frei. Dies hatte wohl strategische Gründe, damit im Verteidigungsfall nur wenige Angreifer gleichzeitig durch den Eingang in die Festung gelangen konnten. Oben angekommen befinden wir uns auf der ersten Ebene. Zwei weitere Ebenen werden noch folgen. Bemerkenswert ist, das sich die normalen Häuserreste auf den drei Ebenen nicht erkennbar unterscheiden. Zusätzlich gibt es auf der oberen Etage noch mehrere größere Bauten, von denen vermutet wird, das es sich im Zeremonialgebäude oder Tempel handelte.
In der Mitte der Anlage haben Archäologen in einigen Hausmauern eingebettete Gebeine gefunden. Anscheinend wurden die Verstorbenen auf diese Weise nahe bei Ihren lebenden Angehörigen bestattet. Durch kleine viereckige Öffnungen können wir die direkt dahinter liegenden menschlichen Gebeine sehen. An den Häusern sind teilweise Verzierungen erhalten, welche die Augen von Raubkatzen, Schlangen oder Vögel darstellen, alles Gottheiten der Kultur der Chachapoya. An der Nord- und Südseite der Anlage befindet sich je ein größerer Wachturm.
Ein weiterer großer Rundbau wird aufgrund seiner sich von oben nach unten verjüngenden Form El Tintero (Das Tintenfass) genannt. Sein Zweck gibt Rätsel auf. War es ein Observatorium oder wurden hier Gefangene und Tiere geopfert ? Überall zwischen den Ruinen der Gebäude stehen Bäume auf denen unzählige Bromelien wachsen. Manchmal meint man durch einen Märchenwald zu laufen. Es sind nicht sehr viele Besucher da. So können wir die Anlage in aller Ruhe auf uns wirken lassen. Ein Teil ist abgesperrt. Hier führen Archäologen Untersuchungen durch. Wir verlassen Kuelap durch einen weiteren schmalen Eingang und laufen ein Stück unterhalb der beeindruckenden Mauer entlang. Nochmal lassen wir diese einmalige Stätte auf uns wirken. Kuelap gleicht fast einer Insel. Nicht vom Meer umgeben, sondern auf 3.000 Metern in den Anden auf einem Bergrücken liegend, an dessen Rändern es ringsum steil bergab geht.
Wir laufen zurück zur Seilbahnstation und können hier noch eine Gruppe Bauern mit beladenen Pferden vorbei ziehen sehen. Welch ein Kontrast: Auf der einen Seite die ultramoderne, von einem schweizer Konsortium erbaute Seilbahn und andererseits die Bauern mit ihren Packpferden. Aber so schaut der Alltag auf dieser Höhe aus, wo die Menschenvon der Landwirtschaft leben und die meisten Siedlungen nur über Bergpfade zu erreichen sind. Nach der Rückfahrt mit der Seilbahn machen wir Mittagspause in Nuevo Tingo. Wir setzen uns auf eine kleine Bank neben einen Haus und beobachten einfach das Alltagsleben um uns herum. Dann erfolgt die Rückfahrt.



Morgenstimmung am Rotel in Chachapoyas

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In Chachapoyas

Bäuerin beim Spinnen

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Als wir über die Serpentinen fast schon wieder das Flusstal erreicht haben, bemerken wir in den gegenüberliegenden Hängen weitere Gebäude der Chachapoya. Nach einem kurzen Fotostopp fahren wir wieder die uns jetzt bereits vertrauten Serpentinen nach Chachapoyas hoch.
Wir nutzen die durch die Seilbahn gewonnene Zeit, um auch das Zentrum von Chachapoyas zu besichtigen. Der Ort wurde 1538 von den Spaniern gegründet. Und im Ortszentrum stehen noch durchgehend die spanischen Kolonialhäuser aus dem 16. Jahrhundert. Wir laufen einige Zeit durch die Gassen und besuchen dann die Kathedrale an der Plaza.
Die Kathedrale wurde in den 70er Jahren durch ein Erdbeben zerstört und im modernen Stil wieder aufgebaut. Auch hier das bereits bekannte Bild: Andächtige Gläubige beten in der Kirche.
In einem Seitenraum liegen in zwei großen Glaskästen jeweils eine lebensgroße Christusstatue in Kreuzigungsposition. Beide Statuen hingen früher an großen Kreuzen und liegen jetzt gehüllt in prunkvolle Stoffe in den Glasvitrinen. Es handelt sich wohl um Statuen aus der zerstörten Kathedrale. Wir beobachten etliche Besucher der Kirche, die andächtig bei den Statuen beten.
Nach dem Abendessen erfahren wir von einer weiteren Touränderung:
Geplant war am nächsten Tag ein Stück die bekannte Strecke zurück zu fahren und dann in eine Piste Richtung Cutervo abzubiegen, um so quer durch die Anden letztlich nach Cajamarca zu kommen. Unser Fahrer hat während unseres Aufenthalts mit einigen lokalen LKW-Fahrern gesprochen. Diese haben ihm alle dringend abgeraten, mit unserem schweren LKW bei den Wetterverhältnissen diese Strecke zu fahren. El Nino lässt mal wieder grüßen. Also werden wir morgen die komplette bekannte Strecke nach Lambayeque zurück fahren, um am Folgetag dann von dort wieder in die Anden hoch zu fahren nach Cajamarca.
Wir besuchen noch den Koch und trinken eine weitere Pisco-Kreation: Ich nenne sie mal Baileys Sour. Den wirklichen Namen habe ich mir leider nicht merken können. Das Grundrezept ist gleich, aber statt Limetten oder Maracuja wird eine Flüssigkeit aus den Schoten des Algarrobobaumes (Johannisbrotbaum) zugegeben. Schmeckt auch interessant. Unser Favorit bleibt aber der Maracuja Sour.Wir haben nirgends auf der Reise mehr so gute Pisco Sour oder Maracuja Sour getrunken.
Morgen also zurück nach Lambayeque - da war doch noch was !Wir schmieden vom Alkohol inspirierte Pläne. Klar ist, das unser Fahrzeug übermorgen gleich früh von Lambayeque nach Cajamarca fahren wird. Die Strecke ist weit und es muss wieder eine Kordillere komplett überwunden werden.
Aber wir könnten doch in Lambayeque bleiben und das am Montag geschlossene Museum des Herrn von Sipan besuchen und dann am Mittag mit einem lokalen Bus oder Taxi nach fahren......?



Weitere Bauten der Chachapoya

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Zurück nach Lambayeque

Kaffee wird getrocknet

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Wir starten eine Stunde früher um 7 Uhr. Die Strecke ist uns bekannt, aber dennoch wieder faszinierend. Mittagspause machen wir bei einem Restaurant mit Fischteichen. Wir essen einen leckeren Sudato. Das ist ein gekochter Fisch in einer sehr pikanten Suppe mit Reis. Dazu diesmal einen Krug „dunkle alkoholfreie Chica“ aus geröstetem Weizen.
In einem Ort sehen wir wie Kaffeebohnen am Straßenrand getrocknet werden. Die Bauern wenden gerade den Kaffee, indem sie barfüßig durch den Kaffee „schlurfen“.
Abends um 19 Uhr erreichen wir unseren Platz in Lambayeque. Der „Sipan-Plan“ nimmt Gestalt an. Die Linienbusse scheiden aus. Tagsüber fährt nur ein Bus und zwar zu früh für uns. Die Nachtbusse wollen wir nicht nehmen. Die fahren erst nach 18 Uhr. So lange wollen wir nicht warten. Über die Besitzerin des Hotels chartern wir einen Bus für die Fahrt nach Cajamarca. Wir sind zu acht. Kostet 50 Euro pro Person. Der Eigentümer des Busses kommt noch am Abend vorbei, um die letzten Details zu besprechen. Dann ist alles klar.
Wir werden uns morgen früh zeitweise von der Reisegruppe trennen.



Typische LKWs Peru

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Mochekultur

Moche Miniatur Gold

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Mal wieder etwas Theorie: Die Moche-Kultur bestand zwischen dem 1. und 8. Jahrhundert nach Christus an der Nordküste Perus. Die Moche verfügten über eine ausgeprägte Technologie der Metallverarbeitung. Neben Gold und Silber wurde auch Kupfer verarbeitet. Die Moche beherrschten auch die Technik der Legierung von Kupfer und stellten so hervorragende vergoldete Kupfergegenstände her. Mit einer Technologie, die der im 18 Jahrhundert in Europa entwickelten Technik der Calvanisierung in nichts nach stand. Diese Gold-Kupfer-Legierung wurde tumbaga genannt. Diese Technik wanden später auch die Nachfolgekulturen Sican und Chimu an und schufen unglaubliche Mengen an Gegenständen aus tumbaga. Wie auch die spanischen Eroberer feststellen mussten: Denn als sie die kostbaren Dinge einschmolzen, die ihnen der gefangene Inka Atahualpa als Lösegeld nach Cajamarca liefern ließ, bemerken sie voller Enttäuschung, das nicht alle Objekte aus reinen Gold waren.
Auch die Keramiken der Moche sind bemerkenswert. Es wurden viele Objekte in Form von fantasievollen Figuren oder Sagengestalten geschaffen. Aber auch Darstellungen des alltäglichen Lebens, Krieger, Musikanten und sexuelle Darstellungen. Besonders eindrucksvoll sind Keramikgefäße in Form von Köpfen als Porträts tatsächlich lebender Personen.
Die Moche entwickelten auch eine ausgeklügelte Ackerbautechnik und ein Terrassierungs- und Bewässerungssystems, womit das Wasser aus dem Hochland der Anden in der wüstenhaften Region des Rio Moche verteilt wurde und zwei bis drei Ernten im Jahr ermöglichte.
Soweit die Theorie. Wir werden später nahe Trujillo bei der Huaca de Luna im Zentrum ihres Reiches nochmals auf die Moche zurück kommen.



Moche Porträtkeramik

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Alleingang zum Herrn von Sipan

Frisch gepresste Säfte Markt...

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Morgens um 8 Uhr fährt das Rotel los. Ohne uns. Wir laufen zum Museum des Herrn von Sipan, das keine 5 Minuten entfernt ist. Dort ist noch nichts los. Öffnung ist erst um 9 Uhr. Also schlendern wir durch die Straßen Richtung Markt und beobachten das morgendliche Treiben. Da werden neben der Straße Fahrräder repariert, der Metzger steht in seinem Ladeneingang und wartet auf Kundschaft, in den Straßen flitzen unaufhörlich die Mototaxis umher, ein Lasten-Mototaxi wird entladen, ein Fischhändler zeigt uns stolz seine Fische. Ein Lastwagen steht am Straßenrand. Die Ladefläche voller Kisten mit gerupften Hühnern. Kopf nach unten dicht an dicht ragen die Beine in die Luft. Auf dem Markt herrscht noch Ruhe. Nur wenige Kunden sind unterwegs. An einem Saftstand sind bereits in mehreren Etagen die mit verschiedenen Säften gefüllten Gläser gestapelt und warten auf Käufer. An einer Hauswand entlang stehen viele Menschen mit Kartons an. Was passiert da ? In allen Kartons sind Küken. Diese werden hier geimpft. Wir könnten uns noch stundenlang einfach so durch die Straßen treiben lassen.
Aber so langsam wird es Zeit, zum Eingang des Museums zurück zu kehren. Wir sind kurz nach 9 Uhr die ersten Besucher des Tages. Nach dem Kauf der Eintrittskarten direkt am Eingangstor laufen wir über den Parkplatz zum Eingang. Vorher müssen wir aber noch neben dem Gebäude hinab ins Untergeschoss. Hier sind alle Fotoapparate und Handys abzugeben und werden in Schließfächern eingeschlossen. Fotografieren ist verboten im Innern. Das Museum ist in seiner Architektur der Huaca Rajada nahe dem Ort Sipan nachempfunden, dem Fundort der Gräber der Herren von Sipan. Folgerichtig ist der Eingang hoch oben am Gebäude nur über einer Rampe zu erreichen. Wir schreiten über die Rampe nach oben. Am Eingang werden wir erst in einen Raum mit Leinwand geleitet. Hier sehen wir einen Film zur Einführung. Wir verstehen zwar kein Spanisch, aber viele Bilder zeigen uns eine Animation der Huaca im ursprünglichen Zustand. Dazwischen immer wieder animierte Fabelwesen aus der Moche-Mythologie: Krabbenmann, Echsenmann und Spinnenmann. Wir werden diese Gestalten später im Museum auf Keramiken wiederfinden. Wir engagieren eine englischsprachige Museumsführerin. Ein junges australisch-polnisches Paar, das wir am morgen beim Hotel kennen gelernt haben, will heute ebenfalls das Museum besuchen. Wir laden sie ein, an unserer Führung teilzunehmen. Zunächst bekommen wir anhand mehrerer Schaubilder an den Wänden einen Einblick über die Ausdehnung des Moche-Reiches. Besonders deutlich wird anhand eines Reliefbildes der Küstenregion, dass die einzelnen Moche-Ansiedlungen immer in den Tälern der aus den Anden Richtig Pazifik fließenden Flüsse lagen. Dann erfahren wir einiges zur Ausgrabung und dem Grabfund. Hierzu ist ein eigener Raum eingerichtet. Kein Wunder bei der filmreifen Geschichte des Herganges:
1987 war unter den Bewohnern des kleinen nordperuanischen Dorfes Sipan ein wahrer Goldrausch ausgebrochen, nachdem Grabräuber ein Grab mit reichen Beigaben gefunden hatten. Die von der Polizei beschlagnahmten Fundstücke (offensichtlich nur ein Bruchteil der Beigaben aus dem geplünderten Grab) ließen den Leiter des Brüning-Museums Walter Alva aufmerksam werden, der mit einer Rettungsgrabung an der Huaca begann. Der Grabungsort musste Tag und Nacht bewacht werden, da Raubgräber immer wieder versuchten in der Nacht Beute zu machen. Denn so wie die Huacas Schicht für Schicht immer wieder überbaut und so weiter in die Höhe gewachsen sind, wurden auch auf den Ebenen übereinander immer wieder herausragende Würdenträger bestattet. Zunächst wurde das geplünderte Grab untersucht und einige weitere Gegenstände gefunden. Dann findet Walter Alva mit seinem Team nach 4 Monaten Arbeit auf der östlichen Stufenplattform ein weiteres, prunkvoll ausgestattetes Grab.
Das Grab des Senor von Sipan, wie die Wissenschaftler jenen Mann nannten. Dem Herrn von Sipan folgten mehrere Personen in den Tod: zwei Krieger, zwei Diener, wobei einem als Grabwächter die Füße abgetrennt wurden, drei jungen Frauen, ein junger Knabe, zwei Lamas und ein Hund. Dieses zusammen mit dem Herrscher bestattete Gefolge und die überaus zahlreichen und kostbaren Beigaben bestätigten die Vermutung der Wissenschaftler, auf das Grab eines wichtigenweltlichen Fürsten der Moche gestoßen zu sein. Die Ausstattung des Grabes des Senor – Begleiter, Hund, Lamas, Speisen und Getränke – belegen deutlich den Wunsch, es möge ihm in seinem jenseitigen Leben an nichts fehlen.
Bei weiteren Grabungen in den folgenden Jahren wurde ebenfalls auf der östlichen Plattform ein weiteres intaktes großes Grab entdeckt. Hier wurde ein Mensch im Sarg gefunden sowie fünf Begleiter. Zwei Frauen, ein Mann, ein Kind und ein Hund. Die weniger reichhaltigen Grabbeigaben verdeutlichten die Rolle des Verstorbenen als Priester.
Die Untersuchungen der östlichen Plattform gingen auch danach noch jahrelang weiter. Und tatsächlich, in einer älteren Ebene wurde ein weiteres großes Grab entdeckt. Das Grab des „alten Herren von Sipan“. Anhand der zahlreichen, prachtvollen Grabbeigaben wurde deutlich, dass dieser mehrere Generationen vor dem zunächst gefundenen Herrn von Sipan Verstorbene eine dreifache -militärische, zivile und religiöse- Macht ausübte.
Dies zeigt den grundlegenden Wandel in der Mochekultur im Lauf der Zeit. Zunächst hatten die Priester auch die weltliche Macht in Personalunion. Später ging die Macht auf weltliche Herrscher über und die Priester waren diesem untergeordnet.
Da diese Gräber erstmals systematisch erforscht werden konnten, hat man hier mehr über die Moche-Gesellschaft erfahren, als aus Tausenden von einzelnen Fundstücken der Moche-Kultur aus oft unbekannten Fundorten die ohne archäologischen Zusammenhang geborgen wurden und jetzt verstreut in den Museen zu finden sind.
Wir betreten jetzt den Raum mit den Funden aus dem Grab des Herrn von Sipan. Viele Artefakte aus vergoldetem Kupfer, die der Wächter des Grabes getragen hat. Aber auch Gürtelschnallen, Halsketten, Ohrringe des Herrschers. Filigran aus purem Gold gearbeitet. Auch das Grab selbst ist im Museum komplett nachgebildet. Auch die echten Gebeine des Herrn von Sipan sind im Museum aufgebahrt.
Beeindruckend ist auch eine Reihe von Keramiken mit plastischen Figuren die den Verlauf des menschlichen Lebens zeigt. Die erste Keramik zeigt die Zeugung, dann folgen Geburt, Kindheit, Erwachsenwerden, Alter, Tod, Leben nach dem Tod.
Nachdem wir all die goldenen Masken, Standarten etc. eingehend von unserer Führerin erläutert bekommen haben, gehen wir in den nächsten Bereich. Hier sehen wir die Funde aus dem Grab des Priesters. Wieder staunen wir über einen kunstvollen, detailreichen Kopfschmuck, Ohrschmuck, Beinharnische etc.
Dann kommen wir zu den Funden im Grab des alten Herrn von Sipan. Hier sind die Beigaben noch reichhaltiger und prachtvoller. Ein goldenes Zepter zeigt einen Tempel im Miniatur. Heute wissen die Archäologen anhand einiger Fundstücke (steinerne Dachaufsätze etc.), das es diesen Tempel in der Realität wirklich gegeben hat. An eine Vitrine mit einem besonders filigran gearbeiteten Umhang aus vielen kleinen Plättchen tritt unsere Führerin heran und rüttelt diese. Jetzt sehen wir, das all die Teilchen sich beim Tragen bewegt haben und somit einen noch viel größeren Eindruck auf die Zuschauer machten. Wir sind restlos beeindruckt.
Die Fundstücke werden oft mit lebensgroßen Bildern von der Ausgrabung gezeigt, die den jeweiligen Gegenstand zum Zeitpunkt des Fundes zeigt. Eindrucksvoll, was die Restauratoren geleistet haben. Außerdem wird bei vielen Stücken durch die Bilder auch klar, an welcher Stelle des Körpers diese Schilde, Ketten aus Spontylusmuscheln etc. getragen wurden. Auch die Ausstattung des Wächters mit den riesigen Seitenschilden kann man sich so sehr gut vorstellen. Zuletzt noch ein Raum, in dem viele Personen in Lebensgröße wie im Wachsfigurenkabinett nachgebildet und aufgestellt sind. Musiker, Wächter, Herr von Sipan, Schamane, alter Herr von Sipan.
Zugegeben: Im ersten Moment wirkte dies etwas kitschig auf mich und ich war irritiert.
Aber dann erkenne ich nach und nach an den Figuren die Nachbildungen all der Artefakte, die wir zuvor im Museum gesehen haben. Jetzt ertönt Musik und die mechanischen Figuren bewegen Arme oder Oberkörper zur Musik. Und da erleben wir, wie die einzelnen Gegenstände an Körper des Trägers geklimpert, geläutet und in der Sonne geglitzert haben. Das rundet das Bild doch sehr gut ab. Als wir völlig fasziniert aus dem Museum treten, ist es bereits nach 11.30 Uhr . Wo ist mal wieder die Zeit geblieben ?



Morgenstimmung in Lambayeque

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Langer Weg nach Cajamarca

Abendglühen in den Anden

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Unser gecharterter Kleinbus wartet bereits auf uns. Wir kaufen noch schnell einige Postkarten, holen unsere Fotoapparate und Handys, kaufen kurz noch etwas Wasser und ein paar Snacks und „schon“ sind wir bereit. Allerdings müssen wir noch Geld wechseln. Auch dafür hat unser Fahrer und sein Chef eine schnelle Lösung. Ein Telefonanruf, dann fahren wir in die Stadt und halten vor einem Laden. Ein Geldwechsler wartet schon auf uns. Durch die offene Fahrzeugtür werden am Straßenrand schnell etliche hundert US-Dollar gewechselt und schon geht es weiter.
Wir wollen schließlich heute abend unser Rotel in Cajamarca wieder einholen. Und dazu müssen wir weit in die Anden hoch fahren.
Aber zunächst geht es eine längere Zeit an der Küste entlang Richtung Süden.
Kurz bevor es links weg geht Richtung Anden, machen wir Rast an einem Supermarkt in Chepen. Schnell werden ein paar Snacks eingekauft und auf den Bänken vor dem Supermarkt verzehrt.
Dann geht es weiter. Die Fahrt die Anden hoch zieht sich hin. Immer neue Serpentinen tauchen auf. Mehrfach denken wir, jetzt die Passhöhe fast erreicht zu haben. Aber immer wieder geht es noch weiter nach oben. Erst als die Sonne bereits untergeht, nähern wir uns der Passhöhe. Wir erleben einen wunderbaren Sonnenuntergang mitten in den Anden, während wir die letzten Serpentinen zum Pass hinauf fahren. Atemberaubend, wie das letzte Nachglühen der untergegangenen Sonne die Andengipfel hinter uns in ein magisches rotes Licht taucht. In völliger Dunkelheit nehmen wir die Abfahrt Richtung Cajamarca in Angriff. Tief unter uns sehen wir die Lichter der Stadt, die sich im Hochtal tief unter uns ausbreitet. Mir fällt bei diesem Anblick unwillkürlich der Bericht des spanischen Chronisten Pedro de Cieza de Leon ein. Er beschreibt, wie Franzisco Pizarro mit seinen Männern nach vielen Tagen mühseligen Aufstieges durch die Anden die Passhöhe vor Cajamarca überschritten und dort gelagert hat. In der Dunkelheit haben sie voll ängstlicher Sorge auf tausende Feuer der im Hochtal von Cajamarca lagernden Truppen von Atahualpa geblickt. Wenige Tage später lockten die Spanier den Inka weg von seinem Heer hinein nach Cajamarca, wo er mit seinem Hofstaat in einen Hinterhalt geriet und als Geisel gefangen genommen wurde. Der Untergang des Inkareiches wurde hier in Cajamarca besiegelt.
Mit diesen Gedanken im Kopf erreichen wir die Außenbezirke von Cajamarca. Nach einigen Orientierungsproblemen und mehreren Nachfragen findet unser Fahrer die Hazienda außerhalb der Stadt, wo unser Rotel für diese Nacht das Lager aufgeschlagen hat. Wir kommen sogar noch rechtzeitig genug an, um am gemeinsamen Abendessen in der Hazienda teilzunehmen. Danach sitzen wir noch einige Zeit am offenen Kamin bei einem lodernden Feuer und lassen mal wieder einen Tag mit vielen Eindrücken Revue passieren.



Cajamarca und Umgebung

Frailes de Cumbemayo bei Cajamarca

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Am morgen fahren wir mit Taxis in die Stadt, die auf 2.700 Metern liegt. Dort wechseln wir in einen für uns gecharterten Touribus, um eine Ausflug zu den Frailes de Cumbemayo auf 3.500 Metern zu machen. Auf der Fahrt in die Höhen oberhalb Cajamarcas kommen wir wieder durch eine beeindruckende Landschaft mit vielen Feldern und Bauernhäusern.
Wir wandern gut 2 Stunden durch die herrliche Landschaft mit den steil aufragenden Felsnadeln.
Unter einer der Felsnadeln sehen wir einen alten Zeremonienplatz mit Felsgravuren. Die Petroglyphen sind bis heute rätselhaft. Dann kommen wir an einen alten Bewässerungskanal. Der Kanal wurde 1000 vor Christus gebaut. Es ist eines der ältesten Wasserversorgungssysteme in ganz Südamerika und wurde von der Cajamarca Kultur erbaut. Ein Bach fließt hier Richtung Atlantik und wird in den Kanal eingeleitet. Durch den Kanal wurde das Wasser über die Wasserscheide Richtung Pazifik nach Cajamarca transportiert. Im Kanal sieht man Steinnoppen: Minimum und Maximum. So wurde beim Bau gewährleistet, dass das Wasser wirklich über die Wasserscheide fließt. Die Wasserhöhe im Kanal muss Minimum erreichen und darf Maximum nicht überschreiten. Da das Lavagestein aus dem der Kanal gehauen wurde porös ist, ist der Kanal innen mit einem wasserdichten Putz versehen. An mehreren Stellen läuft der Kanal im Zickzack rechtwinklig durch Schikanen. Dadurch wurde bei Hochwasser und Starkregen die Fließgeschwindigkeit gebremst, um Korrosion und Schäden am Kanal zu vermeiden. Später sehen wir einen halbrunden Abzweig mit der gleichen Funktion. Insgesamt sind noch 9 Kilometer des Kanals erhalten. Wie lange der Kanal ursprünglich war, weiß heute niemand mehr. Er zeigt aber deutlich, das schon lange vor den heute bekannten Kulturen in den Anden Vorläuferkulturen mit erstaunlichen Wissen und Fähigkeiten existierten.
Bei der Rückfahrt nach Cajamarca regnet es. Wir schauen uns die Fassade des Franziskanerklosters an. Diese ist im Mestizenbarock gestaltet. Beim Bau der Kirchen wurden sehr viele einheimische Indiobildhauer beschäftigt. Diese haben den Elementen des Barock typisch einheimische Elemente hinzugefügt. Es entstand dadurch ein einzigartiger, verschnörkelter Stil. Neben den Barockelementen erkennt man Ornamente von Kakaopflanzen, Helmen des Konquistadoren etc. Aber auch maurische Ornamente um die Fenster sind zu erkennen. Überbleibsel aus der Zeit als Spanien von den Mauren besetzt war. Das Lösegeldzimmer ist leider geschlossen. Es handelt sich dabei um den Raum, den Atahualpa mit Gold füllen ließ, um seine Freiheit zu erkaufen. Vergeblich. Er wurde hier in Cajamarca von den Spaniern hingerichtet.
Wir bestaunen noch kurz gemeinsam die Fassade der Belenkirche, dann haben wir Zeit für eigene Erkundungen. In der Stadt gibt es einen Hügel, den Cerro Santa Apolonia, auch „Inkathron“ genannt, der hoch über die Häuser aufragt. Wir steigen die 300 Treppenstufen hoch. Oben haben wir einen herrlichen Blick über das Tal von Cajamarca. Wir sehen die Ebene, wo sich Atahulpa mit seinem Hofstaat und Armee aufgestellt hatte und erkennen auch noch den alten Weg, auf den der Spanier De Soto im Jahr 1532 mehrfach zwischen dem Inkalager auf der Ebene vor der Stadt und dem spanischen Lager in Cajamarca hin und her geritten ist. Und dabei die Botschaften überbracht hat, die den Inka samt Hofstaat letztlich in den Hinterhalt gelockt haben.
Viele Einheimische nutzen den Ausblick, um Fotos von sich mit Inkakrone und Zepter zu machen. Plötzlich kommt auch noch eine Filmcrew. Zwei Tänzer und eine Sängerin performen vor diesem Panorama. Gefilmt wird mit Kamera und Drohne. Ein kleiner Menschenauflauf bildet sich. Scheint wohl bekannt zu sein, die Sängerin.
An einer Seite des Gipfels sehen wir einen flachen Felsen mit mehreren Aushöhlungen. Hier fanden wohl Zeremonien zu Zeiten der Inkas und auch schon vor der Zeit der Inkas statt.
Unser Treffpunkt ist die Plaza de Armas. Hier gibt es auch Rasenflächen. Und überall Schilder: „Rasen betreten verboten“. Und das wird genauestes überwacht. Sobald jemand auf den Rasen steht oder sitzt, ertönen schrille Pfiffe und der mit Trillerpfeife bewaffnete Parkaufseher nähert sich wild gestikulierend mit schnellem Schritt.
Als die Gruppe versammelt ist, fahren wir mit Taxis zurück zur Hazienda. Heute wird gegrillt und dazu gibt es eine 1,5 Liter Wasserflasche – gefüllt mit Zuckerrohrschnaps. Und eine kleinere Flasche mit einer Art Likör aus Zuckerrohr. Beides nicht so mein Geschmack, wenn ich ehrlich bin. Aber da war ja noch ein kleines Fläschchen mit Willi von einem Mitreisenden :-)



Blick auf Cajamarca

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Von Cajamarca nach Trujillo

Bergrutsch in den Anden

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Heute fahren wir über den bereits bekannten Pass wieder Richtung Küste. Nach einiger Zeit werden wir von der bekannten Stecke abbiegen Richtung Trujillo. Die Küstenkulturen in der dortigen Umgebung sind unser nächstes Ziel. Unsere „Achterbahnfahrt“ rauf und runter geht also weiter. Wir frühstücken bereits um 6 Uhr, Abfahrt 7 Uhr. Grund: Auf der Strecke ist eine große Baustelle. El Nino eben...
Vorher aber noch eine kleine Episode, die zeigt, wie „hart das Touristenleben“ ist:
Denn jetzt ist Postkarten-Abfotografier-Termin !
Wie das ?
Alle „Sipanmuseum“-Besucher haben natürlich Postkarten gekauft, um ein paar Bilder als Erinnerung zu haben, da ja strenges Fotoverbot im Museum herrscht. In unserem Touribus gestern war es dann eng. Jeder hat die Postkarten irgendwo im Bus verstaut --- und bei der abendlichen Ankunft vergessen. Jeder, außer meiner Frau ! Also haben wir gesagt: Fotografiert halt unsere Postkarten ab. Dann habt ihr die Bilder. Ein köstlicher Anblick: Die Postkarten waren der Reihe nach auf einem Tisch ausgelegt. Und jeder hat versucht, die Hochglanzbilder ohne Spiegelung oder verwackeln ab zu fotografieren. Was macht man nicht alles im Urlaub :-)
Ich selbst habe ähnliches übrigens einige Tage später praktiziert. Abfotografieren von Bildern aus einer Broschüre unserer örtlichen Führerin. Die Führer machen schon was mit mit uns Digitalfoto-wütigen Touris --- Touris „bei der Arbeit“ eben :-)
Aber zurück zum Tag. Wir fahren also von Cajamarca hoch über die Passhöhe und tatsächlich, um 8.30 Uhr stehen wir an der Baustelle. Vollsperrung bis 9.30 Uhr wird uns erklärt. Denn der Erdrutsch ist mehr ein Bergrutsch. Der Bagger steht etliche Meter oberhalb der Straße und räumt eine Stunde lang Material runter auf die Straße, dass dann von Radladern auf LKWs verladen und abgefahren wird. Die Straßenbauarbeiter in Peru leisten enormes. An vielen Stellen in den Anden sehen wir sie bei der Arbeit. Oft sehen wir auch Baumaschinen in Bereitschaftsdepots neben den Andenstraßen. Die Fahrzeuge und Bagger warten hier auf Ihren Einsatz. Es ist das Gegenstück zu unserer „Autobahnmeisterei“. Bei Erdrutschen auf der Strecke sind somit immer schwere Maschinen in relativer Nähe. Die Straßen können so viel schneller wieder freigemacht werden, da die schweren Maschinen nicht über lange Entfernungen herangebracht werden müssen.
Wieder muß ich daran denken, wie sich die Dinge früher und heute in diesem Land gleichen. Auch die alten peruanischen Reiche von den Moche bis zu den Inka haben mit unglaublichem Fleiß und Können viele Wege und Straßen durch die Anden gebaut und immer wieder instand gesetzt.
Wir nutzen die eine Stunde, um mal an der Absperrung vorbei näher an die Bauarbeiten ran zu gehen. Kein Problem. Niemand schickt uns wieder zurück.
Direkt bei der Sperre steht am Straßenrand ein Haus. Die Bewohner haben einen kleinen Laden. Solche „Raststätten“ sehen wir öfters. Für sie ist diese Baustelle natürlich ein Glücksfall. Was sollen die Fahrzeuginsassen auch sonst tun, als einen kleinen Snack oder ein Getränk zu kaufen während der Sperrung. – Oder auf Toilette zu gehen. Das ist normalerweise zwar anscheinend nicht vorgesehen, aber da jetzt die Kunden ja länger verweilen durch die Sperrung muss eine Lösung her: Am Haus waren zwei mannshohe Mauern angebaut, der „Eingang“ mit einer blauen Plane abgehängt. Ein besonderer Qualitätsservice ist, das es tatsächlich eine Toilettenschlüssel statt einem Loch gibt. Aber natürlich kein fließend Wasser für die Spülung. Aber kein Problem. Der Großvater des Hauses steht um die Ecke bereit mit einen Eimer Wasser. Sobald ein Besucher/Besucherin die Örtlichkeit verlassen hat, huscht er rein und „spült“. Und das ganze für nur 1 Soles !
Und die Toilette war blitzblank sauber ! Da habe ich bei uns auf Autobahnrastplätzen schon ganz anderes gesehen. Solche kleinen Beobachtungen machen wir ständig auf unseren Fahrten durch die Anden oder die Küste entlang. Alles hier zu schildern ist unmöglich. Die Eindrücke sind einfach zu vielfältig. Die vorbeiziehende Natur, Landschaft und die Menschen ziehen uns immer wieder in ihren Bann.
Um 9.45 Uhr wird die Straße für 15 Minuten frei geben. Auf der weiteren Fahrt im Flusstal kommen wieder an vielen Reisfeldern vorbei. Wir sehen, wie hier noch ohne Maschineneinsatz die Felder mit dem Ochsengespann vorbereitet werden und von Hand die Reispflanzen eingesetzt werden. Unterwegs kommen uns immer wieder lange Konvois schwerer LKWs entgegen. Es handelt sich um Versorgungskonvois für die Minen in den Bergen.
Bei der Mittagspause sehen wir neben dem Lokal wilde Tomatito-Pflanzen. Wir haben diese Miniaturtomaten bereits gegessen: Ummantelt mit Schokolade – hmm lecker.
Gegen Abend erreichen wir Huanchaco, einen Fischerort in der Nähe von Tujillo, der mittlerweile im Zeichen des Surftourismus steht. Der Ort ist auch stark in Mitleidenschaft gezogen worden durch El Nino. Von der Straße an der Uferpromende ist nichts mehr zu erkennen. Aber wie überall auf unserer Reise: Die Bauarbeiten sind bereits wieder voll im Gang.
Hier bleiben wir zwei Nächte in einem schönen Hostel. Abendessen nach einem kurzen Strandspaziergang auf der zum Meer offenen Terrasse des Hostels. Es gibt eine sehr gute Pizza.



Reisbauer in den Anden

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Huaca de la Luna

Wandrelief Huaca de Luna: Ai Apaec

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Heute widmen wir uns erst der Moche- und dann der Chimukultur.
Der Mochekultur sind wir schon begegnet beim Besuch des Museums des Herr von Sipan in Lambayeque. Wir haben wieder eine ortsansässige Führerin. Claudia Riess, eine Deutsche, die seit vielen Jahren hier lebt und etliche Ausgrabungen vor Ort verfolgt hat. Von ihr erfahren wir heute unglaublich viel.
Hier in Trujillo besuchen wir die durch die Moche erbauten Huaca de la Luna und die Huaca de la Sol. Beide Huacas liegen am Fuß des heiligen Berges Serro Blanco. Eine Legende der Moche berichtet, das zwei Kinder auf dem Berg zwei Schlangen begegnet sind. Sie nahmen diese Schlangen und gingen mit ihnen an den Strand und warfen sie ins Meer. Aber die Schlangen kamen zurück, um sich zu rächen. Da erscheint der Berggott Ai Apaec (auch Ayapec) und packt mit jeder Hand eine der Schlangen und hält diese fest. In dieser Form als Retter mit den beiden Schlangen wird der Gott der Moche immer wieder dargestellt. Aber er wird auch in einer anderen, strafenden Gestalt dargestellt: Als der Enthaupter.
Zuvor gehen wir aber in das neben den Huacas befindliche Museo Huacas de Moche. Hier ist fotografieren leider verboten. Anhand der ausgestellten Stücke erläutert uns Claudia die Geschichte der Moche. Bis etwa 600 nach Christus wurden die Moche von Priesterkönigen regiert. Dann allerdings kam es zu einem Umbruch. Man vermutet, das eine klimatisch ungünstige Phase, eventuell ein Super El Nino über viele Jahre das Wetter verrückt spielen ließ. Dem Volk erschien es so, dass die Priester die Gunst der Götter verloren haben. Der Einfluss der Priester sank und es gab fortan bis zum Untergang der Mochekultur weltliche Herrscher.
Wir sehen unter anderem einen beeindruckenden Umhang mit katzenartigem Kopf, den die Priester auf dem Rücken getragen haben um auch nach hinten eindrucksvoll auf das Volk zu wirken.
Die Keramiken der Moche machen einen großen Anteil unter den Fundgegenständen aus und sind so lebensnah, dass sie auch als „keramisches Bilderbuch“ bezeichnet werden. Berühmt sind die Steigbügelgefäße, die in ihren lebendigen und realistischen Darstellungen insbesondere bestimmte Menschen, daneben Tiere, Pflanzen, Dämonen, allerlei Tätigkeiten, Krieg, Liebesleben, Rituale und Mythologie bildlich darstellen.
Auch mehrere peruanische Schulklassen besuchen an diesem Tag das Museum und die Huaca. Das erinnert uns an Schulausflüge ins Museum. Unweigerlich musste danach ein Aufsatz über den Museumsbesuch geschrieben werden. Und tatsächlich, auch die peruanischen Schüler machen sich eifrig Notizen. Sie werden wohl auch das „Vergnügen“ haben, in den nächsten Tagen eine Aufsatz abliefern zu müssen.
Die Huaca de la Luna (Tempel des Mondes) ist eine Pyramide aus luftgetrockneten Lehmziegeln. Sie ist kleiner als die gegenüber liegende Sonnenpyramide (Huaca del Sol). Sie besteht aus vier durch Mauern und Plattformen miteinander verbundenen Pyramiden, die für vier Bauphasen vom 3. bis zum 8. Jahrhundert stehen. Der Abstand zur Sonnenpyramide beträgt ca. 500 m. In diesem Bereich dazwischen befand sich die Zone mit Wohn- und Bestattungsstätten. Die Huaca de la Luna misst 290 m x 210 m. Sie ist vor allem durch ihre farbigen Wandmalereien und Friese bekannt. Diese zeigen mythische Persönlichkeiten, Tiergestalten und anthropomorphe Wesen sowie Sonnen, Sterne, florale und abstrakte Motive. Die Huaca de Sol kann nicht besichtigt werden. Hier arbeiten noch die Archäologen. Außerdem wurde sie leider zu zwei Dritteln durch einen bereits um 1600 von den Spaniern umgeleiteten Fluss weggespült.
Wir laufen an der Seite hoch auf die oberste Ebene der Huaca. Nach einigen Räumen kommen wir zu den ersten Wandmalereien. Farbige Fresken im Rautenmuster. Dargestellt ist der Gott der Moche. Auch hier wurde wie in Tucume die Pyramide im Lauf der Jahren immer wieder überbaut und dadurch immer höher. Und auch hier haben sich dadurch in den unteren Schichten die Wandmalereien erhalten. Wir sehen auch alte Ziegel auf deren Rückseite noch deutlich die Zeichen der damaligen „Produzenten“ zu erkennen sind. Die Arbeiter waren auch hier keineswegs Sklaven oder Abhängige, sondern freie Menschen die wohl für ihre geleistete Arbeit bezahlt wurden. Ein Stück weiter sehen wir weitere Wandverzierungen. Daneben, einige Treppenstufen erhöht ein Altarbereich. Dann gehen wir eine Rampe hinunter. Wir sind jetzt auf dem Zeremonienplatz und stehen vor zwei hohen Wänden mit Wandmalereien und Fresken. In sieben Reihen übereinander sind unterschiedliche Darstellungen zu sehen. In der untersten Reihe nackte gefesselte Personen gefolgt von Kriegern. Dargestellt sind wohl Sieger und Besiegte von Opferkämpfen, die von den Moche veranstaltet wurde. Archäologisch belegt ist ein besonderer Opferkampf:
Als um 600 das Wetter verrückt spielt, lassen die Priester Opferzweikämpfe veranstalten. Die besten Krieger der Moche treten hier gegeneinander in Zweikämpfen an. Der jeweils unterlegene Krieger des Zweikampfes ist dem Opfertod geweiht. An der Wand erkennt man deutlich die Besiegten mit offenem Haar, nackt und gefesselt. Dahinter die siegreichen Krieger in voller Montur. Es wurden 70 Krieger und 50 Tonfiguren von Kriegern geopfert, wie die Archäologen bei der Ausgrabung der Gräber feststellen konnten. In den weiteren Reihen folgen diese Darstellungen:
Reihe 2: Tänzer, Reihe 3: Spinnenwesen mit menschlichem Kopf, Reihe 4: Fischerwesen,
Reihe 5: Doppelköpfiges Schlangenwesen mit abgeschlagenem Kopf, Reihe 6: Schlange
und schließlich in Reihe 7: Gott Ai Apaec dargestellt als Enthaupter
An der Nebenwand gibt es auch ein Wandstück mit einer unglaublichen Anzahl von Zeichnungen, die anscheinend das ganze Weltbild der Moche zeigen. Tief beeindruckt verlassen wir die Huaca und laufen zurück. Hier gibt es einen kleinen Museumsladen, der auch Bücher führt. Und tatsächlich gibt es hier auch mal eine kleine, aber interessante Broschüre zu kaufen, die nicht nur auf spanisch vorrätig ist. Ein Führer über die „Königreiche der Nordküste“ zwischen Lambayeque und Trujillo. Das es den Führer nur in englisch gibt, können wir verschmerzen.
Mittagspause ist im Zentrum von Trujillo geplant. Aber bei der Einfahrt geraten wir ein ein riesiges Verkehrschaos: Um die Plaza de Armas wird demonstriert. Wahrscheinlich die Lehrer, die in Peru seit 4 Wochen im Streik sind. Wir brechen ab und halten an einem Supermarkt am Stadtrand um uns mit einem kleinen Snack zu versorgen.



Huaca de Sol Trujillo



Chimu-Kultur

Hier wieder etwas Theorie: Nach dem Untergang der Mochekultur war die Region für einige Zeit unter dem Einfluss der sich aus den Zentralanden ausbreitenden Huarikultur, die allerdings bereits ab etwa 900 n.Chr. Anzeichen des Zerfalls aufweist. Etwa zu der Zeit entstand die Chimu-Kultur in Gegend um Trujillo und kann somit als der wahre kulturelle Nachfolger der Mochekultur bezeichnet werden. Auch hier gibt es eine Legende: Das Chimu-Reich wurde von Taycanamo gegründet, der in diese Gegend auf dem Seeweg kam. Die Chimu-Kultur hat sich bis 1470 über die gesamte Nordküste ausgedehnt. Einige Nachbartäler scheinen sich freiwillig angeschlossen und untergeordnet haben. Aber sicher ist, dass die Sican-Kultur um Batan Grande und Tucume zwischen 1360 und 1400 durch gewaltsame Eroberung eingegliedert wurde.
Die Chimu entwickelten auch die Bewässerungstechniken weiter. So gelang es ihnen, die Wüsten zwischen einzelnen Tälern komplett zu bewässern und so gewaltige landwirtschaftliche Komplexe zu erschaffen. Aufgrund der hohen landwirtschaftlichen Erträge wuchs die Bevölkerung in noch nie gekanntem Ausmaß in dieser Küstenregion. Aufgrund dieser für die damalige Zeit riesigen Menschenmassen perfektionierten die Chimú die Herstellung einfacher Keramikgegenständen in Serienproduktion. Sie verwendeten auch eine spezielle Brenntechnik. Gegen Ende des Brandes wurde der Ofen hermetisch abgedichtet, um Zufuhr von Sauerstoff zu verhindern. Der noch vorhandene Rauch beschlägt die Oberfläche des Gegenstandes und verleiht ihm eine glänzende, schwarze Farbe. Diese Technologie heißt heute Reduktionsbrand. Malereien auf keramischen Gegenständen gab es nicht, im Gegensatz zur Moche-Kultur. Daneben fertigten die Chimu aber auch kunstvollere Keramiken für rituelle Zwecke. Und sie waren wie zuvor die Moche und Sican wahre Meister in der Metallverarbeitung. Spätestens nach der Übernahme des Sican-Reiches 1375 waren sie in der Metallbearbeitung endgültig führend im peruanischen Raum. Neben der Kupfer-Gold-Legierung tumpaka nutzten sie das Wachsausschmelzverfahren, die Stanztechnik und auch Prägeformen aus Holz. Sie verwendeten Arsen, um die Metalle nach dem Guss zu härten. So entstand eine große Vielfalt an Tassen, Bechern, Messern, Figuren, Armbändern, und Kronen.
Die Inka begannen ab 1470 unter Topa Inca Yupanqui mit der gewaltsamen Eroberung des Chimureiches die ab 1493 von Huayna Capac vollendet wurde. Nach der Eroberung durch die Inka arbeiteten am Hof des Inka in Cusco zumeist Goldschmiede aus dem Chimugebiet. Die Chimu waren es dann auch, die den berühmten Sonnentempel (Coricancha) von Cusco erbauten. Die Wände dieses Tempels waren komplett mit Goldplatten verkleidet und im Garten des Tempels waren Bäume, Blumen, Vögel, Lamas und viele weitere Pflanzen und Tiere komplett aus Gold naturgetreu nachgebildet. Leider haben die goldgierigen Spanier all dies geplündert und zerstört.
Aber zurück zu Chan Chan.



Holzstatuen Chimu

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Lehmziegelstadt Chan Chan

Anschließend fahren wir weiter nach Chan Chan, der Lehmziegelstadt aus der Chimuzeit.Nur 12 Kilometer von der Huaca de Luna aus der Mochezeit entfernt wurde die Stadt Chan Chan gegründet. Hier sollen in der Blütezeit zwischen 50.000 und 100.000 Einwohner gelebt haben. Chan Chan entstand etwa um 1300 und erstreckt sich noch heute über eine Fläche von 28 km². Sie war wahrscheinlich die größte Stadt der damaligen Zeit auf dem südamerikanischen Kontinent. Die Hauptstadt der Chimú bestand aus ursprünglich aus neun bis zehn autonomen Bezirken, die jeweils von einem anderen Herrscherpalast aus regiert wurden.
Wir besichtigen einen der besten erhaltenen Paläste: Tik An (Früher: Tdschudi-Palast). Wir spazieren also nur durch einen verschwindend kleinen Teil der riesigen Stadtanlage. Und auch der Palast kann nur teilweise besichtigt werden. El Nino hat auch hier viele Schäden angerichtet. Die Musterung der Wände in Teilen des Palastes erinnert an Fischernetze. Absolut beeindruckend ist der große Audienzsaal mit der mit Reliefs versehenen Ummauerung. Immer wieder taucht als Motiv der Seeotter auf. Auch Fische und Pelikane in langen Reihen, im Zickzack verlaufende Reliefbänder sind an vielen Wänden zu sehen. Im hinter dem Audienzsaal liegenden Raum befindet sich ein Altar. Von hier konnte der Priester durch einen Durchgang den Audienzsaal betreten. Auch im Privatbereich des Palastes sind die Wände voller Verzierungen. Als die Mauern noch höher waren, muss dieser Bereich den Besuchern wie ein Labyrinth vorgekommen sein. In den Gängen standen lebensgroße Holzfiguren als eine Art Wächter. Einige gefundene Figuren befinden sich zur Zeit in der Restauration. Die Wandverzierungen sind im Original nur noch rudimentär vorhanden. Was wir sehen, sind Nachbildungen aus Glasfaser, die gleichzeitig dem Schutz der Originale dient. Glücklicherweise wurde rechtzeitig vor dem jetzigen El Nino eine Stahlkonstruktion mit Dach gebaut, um diesen zentralen Teil des Palastes vor den heftigen Regenfällen zu schützen, die in dieser normalerweise absolut niederschlagsfreien Region während des El Nino auftreten.
Wie bei allen anderen schriftlosen Kulturen der Küstenregion ist auch bei den Chimu vieles unbekannt bzw. handelt es sich um Spekulationen.
Chan Chan anders ausgesprochen (Xi AN Xi AN) würde zum Beispiel AN = Mond bedeuten.
Als sicher gilt: Obwohl auch die Sonne einen hohen Stellenwert hatte, verehrten die Chimús den Mond als wichtigsten Gott. Der Mond ist für das Wasser (Ebbe/Flut) zuständig, was in der wasserarmen Küstenwüste existenziell war. Sonne dagegen war reichlich vorhanden. Anders in den Anden: Hier war Wasser genug vorhanden, Sonne dagegen seltener und lebenswichtig. Daher haben die Andenvölker (auch die Inkas) die Sonne verehrt.
Abends gehen wir auf eigene Faust essen. In einem Hostal in der Nähe essen wir ein leckeres Seviche. (Roher Fisch in Limettensaft). Erstmals nur zu dritt – ohne jegliche Spanisch-Kenntnisse.Aber wir schaffen es, auch dank der sehr sympathischen jungen Bedienung.



Wandfrelief Chan Chan

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Begegnung mit den Schilfpferdchen

Auch heute starten wir wieder eine Stunde früher. Es geht am Vormittag am Meer entlang Richtung Süden. Am Nachmittag dann wieder in die Anden. Beim Frühstück auf der offenen Terrasse erblicke ich auf dem Meer wie schon an den Vortagen Fischer mit ihren traditionellen Schilfbooten, den „Caballitos de Totora“ (Schilfpferdchen).
Irgendwann erkenne ich: Die Fischer kommen Richtung Strand ! Da lasse ich mein Frühstück mal Frühstück sein, greife zur Kamera, eile aus dem Hostal und umrunde die Bucht Richtung der Fischer. Ich muss mich ordentlich sputen, denn als die Fischer in der Bucht den Bereich der Wellen erreichen, nehmen sie wie Surfer Fahrt auf. Auf den Wellen reitend nähern sie sich sehr schnell dem Strand. Ich bin sehr froh, das hier wirklich in Echt zu erleben und nicht als Tourivorführung. Sehr zufrieden kehre ich zurück und frühstücke weiter. Wäre schade um die frisch gepressten Säfte gewesen. Mehrere Mitreisende wollten ihre Gläser nicht. Ich schon :-)
Am Vormittag kommen wir auf einer Autobahn gut und schnell voran Richtung Süden. Ein ganz neues Gefühl auf dieser Reise. Aber auch hier gibt es eine Besonderheit. Die Autobahn hat mittlerweile jeweils 2 Fahrspuren pro Richtung, aber gefahren wird nur auf einer Seite. Die beiden anderen Fahrbahnen jenseits der Mittelbegrenzung gähnend leer, aber nagelneu und in Top-Zustand. Was ist hier los ? Ganz einfach, eine internationale Baufirma hat diese beiden Spuren neu gebaut. Jetzt wurde der Bau aber teurer als der vereinbarte Festpreis und die Firma möchte mehr Geld von der peruanischen Regierung. Die Verhandlungen laufen, die beiden neuen Fahrbahnen bleiben solange gesperrt. Dennoch läuft der Verkehr gut und wir kommen mit einer auf dieser Reise noch nicht erlebten Geschwindigkeit voran.



Morgenstimmung Huanchaco



Sechin

So erreichen wir am späten Vormittag die Stadt Casma. Hier wurde unter anderem von deutschen Archäologen ab dem Jahr 2000 die Bauten der ältesten bekannten Kultur Perus erforscht:
Die Sechin-Kultur die hier von ca. 3.700 bis 200 v. Chr. existierte.
Mehrere monumentale Bauten (Cerro Sechin, Sechin Bajo und Sechin Alto) wurden hier im Laufe der Jahrhunderte, ja Jahrtausende in einer Flußoase des Rio Casma errichtet. Bis zur genaueren Datierung von Sechin galten Caral nördlich von Lima und die Chavin-Kultur, zu der wir ab heute nachmittag weiterreisen, als die älteste Kultur Perus.
Erstmals wurde in Sechin der Wechsel von einer Subsistenzwirtschaft mit intensiver Nutzung der Meeresressourcen und strandnaher Fauna und Flora hin zu einer intensiven landwirtschaftlichen Nutzung der landeinwärts gelegenen Talauen mit künstlicher Bewässerung vorgenommen. Eine entscheidenden Grundlage aller späteren Küstenkulturen.
Und auch hier wurden die Gebäude nachweislich im Lauf der Zeit mehrmals sorgfältig verfüllt und überbaut. Auch diese Sitte der regelmäßigen Überbauung, die wir bei den Huacas späterer Kulturen wie Moche und Sican kennengelernt haben, nahm hier offensichtlich ihren Anfang.
Zunächst besuchen wir das Museo Regional Max Uhle. Hier sehen wir einige bei den Ausgrabungen gefundenen Keramiken und Wandverzierungen, die bereits eine erstaunliche Kunstfertigkeit aufweisen.Die im Inneren des Gebäudes gefundenen Wandverzierungen zeigen zwei mythologische Fische. Eine andere Figur zeigt einen Mann, der blutet. Diese Darstellungen beziehen sich eng auf das Meer, den Regen und die Menschenopfer.
Danach besichtigen wir Cerro Sechin. Unübersehbar das an 3 Seiten umlaufende Wandrelief ! Wir sehen hier vermutlich Darstellungen von rituellen Menschenopfern, die in diesem Gebäude durchgeführt wurden. Man erkennt Würdenträger und immer wieder Personen, die mit abgetrennten Gliedmaßen oder gar durchtrenntem Körper dargestellt werden. Dazu eine große Anzahl von Köpfen in unterschiedlichen Positionen, als würde es sich hier um fallende Köpfe handeln. Die Darstellungen sind sehr kraftvoll und realistisch. Fasziniert laufen wir entlang der drei jeweils 50 Meter langen Umfassungsmauern und lassen ein eingeritztes Bild nach dem anderen auf uns wirken. Wie bei allen anderen Kulturen ist wenig gesichert, vieles Vermutung.
So gibt es auch andere Theorien zu den Darstellungen: Etwa das hier anatomische Studien gezeigt werden, was die explizite Exposition verschiedener Teile des menschlichen Körpers, wie Organe und Knochen, erklären würde. Oder dass hier eine blutige Schlacht dargestellt wird.
Nach der Besichtigung ist Mittagspause auf einem Picknickplatz der Anlage angesagt. Meine Frau und ich nutzen die Zeit aber, um auf einem Rundweg auf den Serro Sechin hinter der Anlage zu steigen und diese so nochmals zu umrunden. Von oben haben wir einen ganz anderen Blickwinkel und erkennen die wahre Größe des Komplexes mit mehreren Innenhöfen.



Wandrelief Serro Sechin

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Fahrt nach Huaraz

Von El Nino verwüstetes Tal...

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Bei der Weiterfahrt wenden wir uns jetzt ab von der Küste und fahren ein Flusstal aufwärts Richtung Anden. Und hier ändern sich die Straßenverhältnisse schlagartig. In diesem Tal hat El Nino gewütet. Alles ist voller Geröllmassen. Man erkennt deutlich die Ausschwemmungen und Abbrüche an den Berghängen zu beiden Seiten. Von der asphaltierten Straße, ja sogar vom ursprünglichen Straßenverlauf ist an etlichen Stellen nichts mehr zu erkennen. Im Slalom geht es hier auf einer freigeschobenen Piste durch die Geröllmassen. Wir arbeiten uns mühsam vorwärts, immer mit der Frage, wie lange geht das so weiter. Erreichen wir unser heutiges Ziel Huaraz ? Immerhin müssen wir die Küstenkordillere komplett überqueren und dann durch das Hochtal bis in den Anstieg der Zentralkordillere fahren. Nach einer Stunde verbessert sich langsam der Zustand der Straße. Je weiter wir die Küstenkordillere hoch fahren, desto geringer die Auswirkungen der extremen, durch El Nino ausgelösten Regenfälle. Aber auch hier kommen wir immer wieder an den Spuren von bereits geräumten Bergrutschen vorbei. Und auch hier gilt: Je höher wir kommen, desto intensiver wird wieder die landwirtschaftliche Nutzung. Am Eingang eines Bergdorfes halten wir an und steigen aus. Zu Fuß laufen wir durch das Dorf. So können wir in Ruhe viele Details wahrnehmen, die sonst im Vorbeifahren immer nur kurz durch unser Blickfeld huschen.
Wie überall in Peru erleben wir dabei die Aufgeschlossenheit der allermeisten Menschen. Wir beherrschen mittlerweile die gängigen Grußformeln je nach Tageszeit auf Spanisch: Buenas Dias, Tardes oder noches. Fast immer bekommen wir einen freundlichen Gruß zurück. Unsere Frage, ob wir ein Foto machen dürfen (una foto por favor), wird ebenfalls fast immer bejaht. Oft setzen sich die Menschen gar in Position, sind wie es uns erscheint Stolz darauf, dass wir Fremden uns für sie interessieren. Es ist angenehm, hier entlang zu laufen. Die neugierigen Blicke der Menschen treffen sich mit unseren. Und ich darf einige Bilder machen. Viel zu klein ist das Dorf und viel zu schnell kommt unser Fahrzeug wieder in Sicht und wir müssen einsteigen und weiterfahren.
Während ich über einiges nachdenke (siehe Exkurs: Fotografieren oder nicht ?), erreichen wir die Passhöhe bei 4.244 Metern und haben einen wunderbaren Blick auf das vor uns liegende Hochtal mit unserem Ziel Huaraz im Talgrund. Und dahinter erheben sich die schneebedeckten Berggipfel der Cordillera Blanca. Links vor uns der höchste Berg von Peru, der Huascaran mit 6.768 Metern. Völlig frei von Wolken zeigen sich uns die Bergriesen im Sonnenschein. Ein traumhaftes Panorama. Unbeschreiblich.
Huaraz ist in den letzten Jahrzehnten stark gewachsen. Von hier starten viele Bergsteiger ihre Touren. Kein Wunder: Es erheben sich entlang des 200 Kilometer langen Hochtales 50 (!) Gipfel, die höher als 5.500 Meter sind. Und dabei ist die Stadt ständig bedroht. Allein 4 mal wurde die Stadt im 20. Jahrhundert von Lawinen überrollt. Dazu kam noch ein schweren Erdbeben, das ebenfalls viele Opfer gefordert hat. Aber die Menschen bauen ihre Stadt immer wieder auf.
Wir erreichen kurz vor Sonnenuntergang unseren Lagerplatz im Hof eines Hotels.



Anden Nordperu.

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Exkurs: Fotografieren oder nicht ?

Bewohner Bergdorf in den Anden...

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Exkurs: Fotografieren oder nicht ?
Über das Thema „Menschen fotografieren“ im Urlaub wurde schon oft und viel diskutiert.
Auch ich mache mir da immer wieder meine Gedanken. Hier in Peru ist dies relativ einfach, da sich wirklich viele Menschen auf Nachfrage erkennbar gerne fotografieren lassen. Und durch die Verbreitung der Smartphones werden auch wir Touris mittlerweile sehr oft fotografiert.
Und soll man diese Bilder -ohne Wissen der Fotografierten- dann im Internet veröffentlichen ?
Die Fotos von uns werden immer mit dem Handy gemacht und dann wird sofort eifrig getippt, um per Whatsapp oder anderen Diensten die Bilder an Familie und Freunde zu senden. Das Zeitalter der Smartphones weltweit sorgt hier also für eine gerechte Angleichung in Sachen fotografieren und Bilder im Netz zeigen. Mittlerweile sind es eben nicht nur wir Touris mit unseren Fotoapparaten, die gerne Fotos von Einheimischen machen. Nein, jetzt werden auch wir immer häufiger zum begehrten Fotoobjekt. Teils werden wir auch direkt von Peruanern angesprochen, ob sie ein Foto mit uns zusammen machen dürfen. Zum einen natürlich aufgrund unserer Körpergröße. Überragen wir doch den Durchschnittsperuaner deutlich. Aber natürlich auch wegen unserem ungewöhnlichen Fahrzeugs: Das Rotel fällt einfach überall auf und wir werden zum Fotomotiv. Einmal werden wir auf einer Bergstrecke von der Polizei gestoppt. Nein, sie wollen uns nicht kontrollieren, nur ein Foto von unserem Rotel samt Insassen machen.
Somit habe ich mich entschieden, auch einige Bilder der Menschen zu zeigen, die auf meine Frage wirklich freudig zugestimmt haben. Einfach weil eine Reise -egal in welches Land der Welt- immer auch eine Reise zu den Menschen vor Ort ist. Wer nur durch Museen oder Altertümer streift oder seinen ganzen Urlaub in einem abgeschlossenen Urlaubsressort verbringt, hat meiner Meinung nach das wichtigste verpasst: Die Begegnung mit den Menschen. Auch wenn diese sich zwangsläufig oft nur auf wenige Worte, Blicke und Gesten zwischen Touri und Einheimischen beschränkt. Aber ich meine es ist wichtig, dass die Menschen merken, dass wir sie wahrnehmen! Und nicht wie wild fotografierend ohne Gruß und Blick an Ihnen vorbei laufen und so tun als würden sie gar nicht existieren. Geht es nicht jedem von uns so ? Ist es nicht auch für uns angenehm, wenn unser Gegenüber uns in die Augen schaut und einen kurzen Gruß ausspricht ? Anstatt sich wortlos an uns vorbei zu drängeln ? Wer hat das noch nicht erlebt und sich gedacht: So ein Stoffel !
Aber eine allgemeingültige Wahrheit zu dem Thema wird es nie geben. Allein schon deswegen, weil jeder Mensch eine ganz eigene Einstellung zum „Fotografiert werden“ hat und dann auch noch die jeweilige Situation jedes mal anders ist. Auch auf dieser Reise gab es Situationen, wo ich merkte, das es den Menschen nicht recht ist. Und ich bedauere den einen oder anderen Moment, wo ich abgedrückt habe. Aber ich arbeite an mir. Immer wieder und bei jeder Reise



Bewohner Bergdorf in den Anden Nordperu

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Der Weg nach Chavin de Huantar

Hochebene bei Huaraz Nordperu

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Am morgen bin ich bereits vor dem Frühstück plötzlich hellwach. Direkt vor mir fliegt ein Andenkolibri von Blüte zu Blüte ! Ja, hier auf 3.300 Metern gibt es Kolibris. Und gerade schwirren sie vor mir herum. Vor lauter Verblüffung gelingen mir nur einige mehr oder weniger unscharfe Aufnahmen. Aber um die rasend schnellen Kolibris zu fotografieren bräuchte es eh eine ganz andere Kameraausrüstung. Aber es ist immer wieder faszinierend, diese kleinen Vögel zu beobachten.
Wir fahren heute mit einen einheimischen Bus nach Chavin, um die imposanten Ruinen von Chavin de Huantar zu besichtigen. Dazu fahren wir zunächst von Huaraz im Flusstal entlang und dann bergan auf eine Hochebene. Hier wächst nur das karge Itschu-Gras. Dieses Gras wächst hier auf 3.700 Metern Höhe. Genauso wie 3000 Kilometer weiter südlich in Patagonien, da aber eben auf Meereshöhe. Hier oben kann es tagsüber durch die intensive Sonneneinstrahlung bis zu 30 Grad heiß, in der Nacht aber auch bis zu minus 30 Grad kalt werden. Dennoch leben hier Menschen. Das Itschu-Gras dient nicht nur als Viehfutter. Es hat auch gute Dämmeigenschaften und wird daher als Dach für die Häuser genommen. Die Häuser werden nicht beheizt, da es hier oben aufgrund der kargen Vegetation ganz einfach an Heizmaterial fehlt. Daher sind die kleineren Häuser zum Wohnen da und die größeren Häuser, die stärker auskühlen dienen als Vorratslager. Gekocht wird im Freien.
Wir halten an einem Bergsee. Hier können wir einige Gehöfte sehen. Wichtiger aber noch: Hier haben einige Frauen Verkaufsstände eingerichtet und wir können Cocatee und auch Tüten mit Cocablättern kaufen. Die Cocapflanze wird in den Anden schon seit Jahrtausenden verwendet. Die Wirkstoffe in der Pflanze lindern die Beschwerden, die aufgrund der Höhe entstehen ohne dabei süchtig zu machen. Auch wir nutzen dieses natürliche Hilfsmittel. Erst moderne Chemiker haben ein Verfahren entwickelt, aus der Cocapflanze die suchterzeugende Droge Kokain herzustellen.
Beim Einsteigen bemerke ich eine sinnvolle Einrichtung am Bus. Der Kühlergrill kann in dieser Höhe nach oben verschoben werden. Damit der Verbrennungsmotor mehr Luft bekommt. Nicht nur wir merken, das hier weniger Sauerstoff in der Luft ist.
Wir fahren noch höher hinauf zum Paß auf 4.516 Metern. Besser gesagt zum Tunnel, der auf dieser Höhe durch die Cordillera Blanca gebohrt wurde. Der Tunnel ist gerade gesperrt, da anscheinend ein Radrennen im Gang ist. Auf der Höhe ! Wir müssen 20 Minuten warten. In der Zeit kommen einige Radfahrer aus dem Tunnel. Dann dürfen nach und nach immer wieder einige Fahrzeuge durch den Tunnel. Die Abstände zwischen den einzelnen Radfahrern sind groß genug dafür. Als auch wir durch den Tunnel gefahren sind, erblicken wir auf der anderen Seite ein weiteren Hochtal. Hoch oben neben dem Tunnel wurde eine riesige Christusstatue gebaut. Anscheinend ein beliebtes Motiv für ein Selfie, denn davor hat man einen Halteplatz für Autos eingerichtet und ein Schild aufgestellt mit einem abgebildeten Smartphone und der Aufschrift „Zona de Selfie“. Nach 3 Stunden Fahrt durch die fast menschenleere Abgeschiedenheit der Anden ein derart überraschender Anblick, das ich nur verdutzt schauen kann ohne ein Foto zu machen.
Aber das Smartphonezeitalter ist weltweit im hintersten Winkel angebrochen. Das sehe ich auch am Nachmittag im Bergdorf Chavin. Eine Bäuerin in der typischen Arbeitstracht mit Hut marschiert samt einem Packesel die Straße entlang an mir vorbei Richtung Markt – und telefoniert dabei ununterbrochen mit ihrem Smartphone.



Verkaufstand Cocatee

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Chavin de Huantar

Nagelkopf an Tempelrückseite...

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Zunächst besichtigen wir das Kultzentrum von Chavin de Huantar. Der Komplex, der ab ca. 900 v. Chr. erbaut wurde, hat einer Kultur den Namen gegeben, die sich zeitlich zwischen 1.200 v. Chr. bis 200 v. Chr. erstreckte, aber niemals ein konkretes Reich mit geografischen Grenzen bildete. Viel eher ist es wahrscheinlich, dass dieser Ort am Schnittpunkt zwischen der Verbindung vom Bergland zur Küste und der Route von Norden nach Süden lag. Die kulturellen Einflüße von Chavin breiteten sich sowohl im Hochland als auch entlang des Küstengebietes aus und hat viele der nachfolgenden Kulturen mit geprägt. Die für die Chavinkultur typischen Formen und Götterbilder sind auch in den nachfolgenden Kulturen, wie der Moche-, Sican- und Chimu-Kultur erkennbar. Was Chavín de Huantar tatsächlich war, ist bis heute unbekannt. Annahmen gehen dahin, dass es ein Orakel- und Kultzentrum, aber auch ein Zentrum des Wissens bedeutenderen Ausmaßes war, dass die unterschiedlichen Völker der Andenregion mit Hilfe der Religion anstelle militärischer Gewalt einte.
Am Eingang steht eine Nachbildung der „Raymondi-Stele“. Diese Stele hat der Archäologe Raymondi entdeckt. Man erzählt, das er bei einer Bauernfamilie zu einem Abendessen eingeladen war. An der Unterseite der steinernen Tischplatte fühlte er während des Essens Vertiefungen. Als er die Platte herumdrehen ließ, erkannte er sofort, das die Tischplatte in Wahrheit eine uralte Stele war.
Auf der Stele ist eine Gestalt abgebildet mit 7 Gesichtern übereinander.
Wir laufen an einem Erdwall entlang. Hier wurden einige Gebäude in den Erdboden hinein gebaut. Der Einstieg erfolgte von oben. Nach dem Erdwall biegen wir nach rechts ab und sehen einen der unterirdischen Wasserkanäle, die den gesamten Komplex durchziehen. Dr Kanal mündet hier in den Rio Mozna.
Wir stehen jetzt auf dem Hauptplatz. Die Zahl 7 hat bei den Chavin anscheinend eine besondere Bedeutung. Der Hauptplatz vor dem Tempel misst exakt 49 x 49 Meter. Auch andere Maße der Gebäude sind durch 7 teilbar. In der Mitte des Platzes stand damals ebenfalls eine Stele. Diese sehen wir später im Museum. Vor dem Tempel liegt ein großer Felsblock. In diesen sind mehrere Vertiefungen. Man vermutet, diese Vertiefungen wurden mit Wasser gefüllt und anhand der Spiegelungen im Wasser konnte man exakt den Lauf der Sonne und der Sterne beobachten. Ähnliche Vorrichtungen haben wir bereits in Macchu Picchu gesehen.
Der Tempel selbst hat mehrere Etagen ähnlich der Tempelpyramiden (Huacas) späterer Kulturen. Es gibt 3 unterirdische Etagen mit labyrinthartigen Gängen und Kammern. Dazu noch kilometerlange unterirdische Wasserkanäle. Alle Gänge werden über Schächte belüftet. Dabei sind die Luftschächte so angebracht, das kein Tageslicht in die Gänge scheint. Außerdem sind die Schächte unterschiedlich tief, wodurch eine perfekte Zirkulation entsteht. Noch heute ist die Luft in den Gängen hervorragend. Es gibt keinerlei Modergeruch trotz der feuchten Umgebung.
Beachtlich ist auch das die Gebäude damals schon Erdbeben sicher gebaut wurden. Die Außenwände haben eine bewusste Neigung von 7 Grad. Und viele Steine in der Mauer wurde trapezförmig behauen. Die so entstehenden Freiräume wurden mit kleinerem Material aufgefüllt und dieses Material konnte bei Erdbeben die Energie der Erdstöße aufnehmen und ausgleichen.
Der Eingang zum Tempel führte links an der Mauer des Gebäudes entlang, am Ende dann rechts hinter dem Gebäude hoch, dann von oben in den Tempel. Dennoch gab es vorne mittig einen Tempeleingang mit 2 absolut runden hohen Säulen. Auf der linken Säule ist ein Mann mit Zepter als Herrschaftszeichen abgebildet, auf der rechten Säule eine Frau, ebenfalls mit Zepter als Herrschaftszeichen. Die Treppe vom Hauptplatz hoch zum Tempel auf den linken Hälfte mit Stufen aus weißen Stein, die rechte Hälfte mit Stufen aus einem schwarzen Stein. Die einzelnen Stufen sind jeweils 7 Meter breit und aus einem Stück gehauen. Noch verblüffender sind die Stufen eines Seitenaufganges des Hauptplatzes. Diese Steinstufen aus Granit sind 14 Meter lang und jede Stufe wurde aus einem Stück gehauen. Rechts neben dem Tempel befindet sich ein runder tiefer gelegener Zeremonienplatz.
Hier kommen wir zum vermuteten Zweck von de Huantar. Es hat sich wohl um ein religiöses und wissenschaftliches Zentrum der Chavinkultur gehandelt. Viele Besucher kamen bis aus Ecuador oder Chile hierher. Entsprechende Funde zeugen von ihren Gaben. Hierbei wurden dann wohl regelmäßig einige Personen aus den Besuchergruppen ausgewählt, um im -oder besser gesagt- unter dem Tempel eine „göttliche Einführung“ zu erleben. Man vermutet, das die Auserwählten in diesem runden Zeremonienplatz darauf vorbereitet wurden. Hierzu wurde ihnen auch ein Trank aus Extrakten des San Pedro-Kaktus verabreicht, der Halluzinationen auslöst. Dann wurden sie in die unterirdischen Gänge gebracht. Neben und unten ihnen strömte das Wasser mit lautem Rauschen durch die unsichtbaren Kanäle. Die Priester konnten den Wasserdurchfluss und damit die Geräuschkulisse regulieren. Auch die unterschiedlich langen Belüftungsschächte wirkten wie Orgelpfeifen. Ein vielstimmiges Pfeifen und Brausen umgab also die Erwählten, die wohl in völliger Dunkelheit unterstützt durch den berauschenden Extrakt wahrlich beeindruckte göttliche Wahrnehmungen hatten. Man nimmt an, das sie als Höhepunkt der Einführung dann vor die höchste Gottheit gebracht wurde. Tief im Innern befindet sich ein mehrere Meter hoher Monolith mit Ehrfurcht einflößenden Gravuren: Das Abbild des höchsten Gottes. Der Name ist unbekannt, wie so vieles. Daher wurde im in der Neuzeit der Name „ El Lanzon“ gegeben.
Die solchermaßen tief beeindruckten Erwählten kehrten dann wohl zu ihren Stämmen zurück und sicherten und vertieften durch ihre Erzählungen des Erlebten den Einfluss der Priester von Chavin de Huantar auf diese Menschen.
Alles sehr beeindruckend.



Tempel Chavin de Huantar

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Im Labyrinth von Chavin de Huantar

El Lanzon

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Was ich nie gedacht hätte, folgt nun. Wir steigen hinauf auf die mittlere Tempelebene und stehen vor dem Eingang eines Ganges der uns zu El Lanzon bringen wird ! Einzeln hinter einander steigen wir hinab. Mehrere Kreuzungen später kommen wir zu einem immer schmaler werdenden Gang. Hier kann immer nur eine Person bis zu einer Glasscheibe an die Kammer herantreten, in der der originale Monolith steht. Als ich an der Reihe bin, stehe ich staunend und auch ehrfürchtig vor diesem uralten Götterbild. Der Monolith wird dezent beleuchtet und die Farben des Lichts wechseln ganz langsam. Um die Spitze des sehr hohen Monoliths zu sehen, muss ich in die Knie gehen. Gedanken schießen mir durch den Kopf. Wie viele Menschen sind wohl in den letzten 4.000 Jahren vor diesem Monolith gekniet ?
Etwas widerwillig mache ich Platz für die nächste Person. Nach dem Verlassen des Ganges sind wir aber noch nicht am Ende. Wir steigen in einen weiteren Gang hinunter. Wieder dieses Labyrinth von Gängen. Wir laufen einige Zeit umher, lassen die Gänge auf uns wirken. Als wir diese Gänge verlassen haben steigen wir noch eine Etage höher auf den Tempel und wieder geht es in die Tiefe. Hier befinden wir uns in einem Labyrinth von Gängen, das 3 Ebenen tief hinunter geht. Auf diesen 3 Ebenen gibt es 43 Galerie, die wohl als Vorratsräume gedient haben. Wir laufen in der oberen Etage des Labyrinths umher. Spüren an machen Stellen den Luftzug, entdecken Lüftungsschächte. Leuchten in schmale, weit in den Berg reichende Gänge und Kanäle. Ein unglaubliches Labyrinth, in dem wir uns nur zurecht finden dank unserer Führerin. Irgendwann sagt sie: So jetzt stehen wir direkt unter den beiden Säulen der Eingangshalle. Wir sind fasziniert. Als wir den Tempel nach oben wieder verlassen und nach hinten über den ursprünglichen Zugang hinabsteigen, sehen wir noch die Nachbildung eines Nagelkopfes an der Außenwand hängen. Diese Köpfe waren rings herum an der Außenmauer angebracht. Wir werden die Originale am Nachmittag im Museum sehen !



Gänge zu El Lanzon

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Der Ort Chavin de Huantar mit Museum

Nagelkopf Chavin de Huantar

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Jetzt laufen wir aber erst mal in das Dorf Chavin zur Mittagspause. Einige gehen essen, wir setzen uns an die Plaza, essen etwas Obst und Nüsse. Wir haben keinen Hunger, haben uns mal wieder satt gesehen an all den Wundern der Vergangenheit, die hier vor uns ausgebreitet werden.
Dennoch lassen wir natürlich auch das Treiben auf der Plaza nicht aus den Augen. Eine Gruppe von jungen Leuten in ländlicher Tracht fällt uns auf. Mehrere junge Männer und junge Frauen. Immer mal geht oder kommt jemand. Wird da miteinander geflirtet ? Markttage waren ja auch bei uns in früheren Zeiten die Gelegenheit für junge Menschen, zarte Bande zu knüpfen. Wir laufen noch durch einige Straßen und beobachten das Treiben um uns herum.
Dann ist es Zeit zurück zu gehen. Mit dem Bus fahren wir zum Ortsrand, wo das mit japanischer Hilfe gebaute Museo Natonal de Chavin steht.
Hier sehen wir viele originale Nagelköpfe. Und auch viele erläuternde Tafeln zur Chavinkultur und zur Anlage de Huantar. Sehr gelungen ist eine durchsichtige Nachbildung der Tempelanlage. Auf Knopfdruck werden die unterirdischen Gänge beleuchet. Ein anderer Knopf beleuchet dann die unterirdischen Wasserkanäle. Sehr gut gemacht. Man bekommt nochmals einen guten Überblick über die Anlage.
Auch viele eindrucksvolle Wandreliefs werden ausgestellt sowie gefundene Keramikgegenstände.
Auch polierte Steine sehen wir. Die Priester waren natürlich sehr wohl in der Lage bei Bedarf die unterirdischen Gänge und Räume zu beleuchten. Dazu wurde über die Lüftungsschächte mit diesen polierten Steinen wie mit Spiegeln Tageslicht in die Tiefe reflektiert. Auch Inhalationsröhrchen für die Extrakte des San Pedro-Kaktus werden gezeigt.
Und auch zwei geometrische Meßinstrumente. Das hier bereits große Kenntnisse in Mathematik und Geometrie vorhanden sein mussten, haben uns die Bauten ja bereits eindrucksvoll vor Augen geführt.
Dann noch reich verzierte Spontylusmuscheln, die wohl als Blasinstrumente bei den Zeremonien dienten. Die Spontylismuschel kommt nur in warmen Gewässern ab Ecuador und nördlicher vor. Ein Beweis, wie weit die Anziehungskraft dieser Anlage damals schon reichte.
Dann noch die Stele vom Hauptplatz und eine weitere Nachbildung der Raymondi-Stele. Das Original ist in Lima im Museum. Und zuletzt noch eine Nachbildung von El Lanzon.



Plaza Chavin de Huantar

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Zurück nach Huaraz

Bergwelt Huaraz

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Übervoll mit Eindrücken verlassen wir das Museum und begeben uns auf die stundenlange Rückfahrt, bei der uns die wiederum völlig freien Berggipfel der Cordillera Blanca im goldenen Abendlicht nochmals ein eindrucksvolles Schauspiel bieten.
Ein leckeres Abendessen beschließt diesen Tag. Unser Fahrer hat den Tag ohne uns genutzt, um frisches Sauerkraut zu kochen. Dazu gibt es Kartoffelbrei und eine Art Bratwurst a la Peru.



Passhöhe Tunnel ins Tal von Chavin de Huantar



Das Konzept belegtes Brötchen

Huaraz Nordperu

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Am Morgen beobachte ich nochmals zwei Kolibris in einem hohen Baum. Einige Zeit lang schwirren sie immer wieder hin und her. Aber dann ist Frühstückszeit und danach erfolgt der Abbau unseres Rotels. …......
Zunächst bummeln wir dann noch eine Stunde durch Huaraz. Im Zentrum sind bereits viele Menschen unterwegs. Darunter auch viele Landbewohner, die in Huaraz alles vorfinden um ihre Besorgungen zu erledigen: Einkaufsmöglichkeiten, Banken, Behörden und auch Schreiber. Wir machen uns auf die Suche nach einem Souvenir. Meine Frau findet auch einen Wandteppich. Ich allerdings bin an diesem Morgen zu unentschlossen. So lassen wir leider die einzige Möglichkeit zum Kauf eines passenden Souvenirs auf dieser Reise ungenutzt verstreichen. Lediglich ein paar Postkarten kaufen wir noch, wenn auch mit Hindernissen. Die Standbesitzerin ist nirgends zu sehen. Da es auch Postkarten nicht so häufig zu kaufen gibt, warten wir so lange wie möglich. Aber dann müssen wir zum Treffpunkt. Dort fehlt dann allerdings doch noch eine Mitreisende und aus der Ferne sehe ich plötzlich wieder eine Frau am Stand. Also schnell zurück gesprintet und doch noch die Postkarten gekauft. Die Standbesitzerin hat sich sehr gefreut, das wir extra zurück gekommen sind.
Wieder fahren wir durch die Anden, zunächst entlang der Cordillera Blanca, dann entlang der Cordillera Huayhuash. Wieder haben wir traumhaftes Wetter mit Sonnenschein und einer wunderbaren Fernsicht. Im weiteren Verlauf der Strecke sehen wir die beiden einzigen Lamaherden auf dieser Reise. Leider nur in einiger Entfernung. Mittagspause wird in der kleinen Stadt Conococha an einer Straßenkreuzung gemacht. Direkt unterhalb des Ortes liegt die Laguna Conococha. Eine Vielzahl von Gebäude sind kleine Läden oder Lokale, wo sich die Reisenden versorgen können. Einige von uns gehen hier essen. Wir schlendern entlang der Hauptstraße. Irgendwie landen wir zu sechst in einem kleinen Ladenlokal. An der Theke viele Backwaren und auch größere Käselaibe. Das sieht doch gut aus. Einer unser Mitreisenden erläutert der Ladeninhaberin das Konzept „belegtes Brötchen“. Schnell versteht sie den Sinn und na klar, wenn die Touris das so wollen: Mit einem großen Messer werden 12 Brötchen aufgeschnitten und von einem Käselaib dicke Schnitze abgesäbelt. Dann bekommt jeder noch seine belegten Käsebrötchen in extra Papiertütchen verpackt. Perfekt. Bei der Weiterfahrt mache ich mir so meine Gedanken. Nirgends in Peru haben wir bisher belegte Brötchen im Angebot gesehen. Dabei ist das Konzept des schnellen Imbiss auf die Hand durchaus bekannt. Man bekommt von gefüllten Teigtaschen bis zu bereits geschälten (!) Orangen alles für den schnellen Verzehr. Ob wir die Ladenbesitzerin da wohl auf eine neue Produktinnovation gebracht haben. Erobert das belegte Brötchen gar von diesem kleinen Bergstädtchen aus ganz Peru ? :-)



Huascaran - Höchster Berg Perus



Nach La Union

Durch die Anden Nordperus

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Aber da holt mich die grandiose Landschaft schon wieder aus meinen schrägen Gedanken. Die Straße führt jetzt direkt hinein in die Cordillera Huayhuash. Wir überqueren diese über den 4.730 Meter hohen Yanashallapaß. Im Bereich der Passhöhe liegt das Quellgebiet des Rio Maranon – des linken und größeren der beiden Quellflüsse des Amazonas und damit hydrologisch der Hauptquellfluss des Amazonas.
Ab jetzt geht es bergab mit unserer Tour :-) Unsere Reise geht jetzt runter in Richtung peruanischen Amazonastiefland. Immerhin liegen 60% des Staatsgebietes des „Andenstaates“ Peru im Amazonasgebiet. Den ganzen Nachmittag fahren wir durch die Bergwelt im engen Tal das Rio Ishpaj flußabwärts. Wir kommen spürbar tiefer. In der Stadt La Union suchen wir einen Übernachtungsplatz. Da es von Huaraz aus über die Anden hinweg keine Telefonverbindung gab, wissen wir nicht wo wir unter kommen können. Die Straßen sind sehr eng. Unser Rotel zwängt sich mühsam durch. Nach einer Ehrenrunde finden wir das gesuchte Hostal. Wir können tatsächlich im Hof des Hostals unser Lager aufschlagen. Aber heute ist Freitag und da wird anscheinend auf jeder freien Fläche Volleyball gespielt. Direkt hinter unserer Rotel ist bereits ein Netz quer über den Hof gespannt. Und ein Mann wässert mit dem Schlauch den Platz ? Gewusst wie: In Ermangelung von Spielfeldmarkierungen wird das Spielfeld einfach mit Wasser bespritzt. Man erkennt tatsächlich sehr genau, wo die Begrenzung ist. Unser Stromkabel wird aber dennoch sofort als hintere Spielfeldbegrenzung einbezogen.
Immer wieder kommen weitere Personen, teils als Zuschauer aber die meisten spielen mit. Und sie spielen richtig gut.
Wir beschließen, noch etwas in der Stadt herum zu laufen. La Union ist definitiv weit abseits der touristischen Pfade. Wir laufen erst durch die Straßen und dann biegen wir in den überdachten Markt ein. Hier werden wirklich nur Lebensmittel für den täglichen Bedarf verkauft. Und dann entdecke ich, was ich auf zwei Perureisen bisher noch nie gesehen haben: Die berühmten gefriergetrockneten Kartoffeln. Und gleich mehrere Haufen. Ich vergesse, das ich kein Spanisch kann und rede erfreut auf die Marktfrau ein. Zum Glück ist unser spanisch sprechender Mitreisender dabei. Er übersetzt. Die Frau erklärt uns, das die so behandelten Kartoffeln nicht nur nahrhaft und lange haltbar sind. (Bis zu 4 Jahre, wenn ich recht verstanden habe.) Sie haben auch Heilwirkung und helfen bei Magen-, Nieren- und Gallebeschwerden. Zum wiederholten Mal auf dieser Reise bereue ich, kein Spanisch zu können. Die Marktfrau und ihr Mann erzählen und erzählen. Was könnte ich hier alles erfahren. Die Menschen in Peru freuen sich wirklich, wenn sich jemand für sie und ihr Leben interessiert. Bereitwillig erklären sie einem alles. Und ich verstehe nichts. Es ist manchmal schon etwas frustrierend.
Am Abend gibt es keine Rotelküche. Wir gehen in einer Chifa essen. Chifas sind in Peru weit verbreitet. Sie bieten einen Mix aus chinesischer und peruanischer Küche. Ganz stilecht essen wir – Hähnchen mit Pommes :-)
Wir sitzen an einer langen Tafel quer durch das ganze Lokal und lassen uns die fleischreichen halben Hähnchen schmecken. Dabei können wir das unverfälschte Leben hier im peruanischen Hinterland beobachten. Einzelne Gäste kommen, bestellen und essen schnell ihre Mahlzeit. An einem anderen Tisch sitzt ein junger Mann. Eine junge Frau kommt, er steht auf und begrüßt sie etwas aufgeregt. Ein Rendezvous anscheinend. Andere Tische füllen und leeren sich wieder. Und bei all dem hängt der Fernseher über unserer Köpfen an der Wand und läuft mit voller Lautstärke. Wie überall in peruanischen Lokalen. Der Juniorchef kommt sogar am Anfang und reduziert mit der Fernbedienung für uns die Lautstärke um 50 %. Jedenfalls sehen wir das deutlich auf der Lautstärkeanzeige des Fernsehers. Aber irgendwie bleibt die Lautstärke trotzdem gleich laut :-)
Nachdem wir gegessen haben, räumen wir unsere Tafel. Wir blockieren hier sonst zu viele Sitzplätze, die für weitere Gäste noch gebraucht werden.



Paßhöhe Yanashallapaß Nordperu

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Frühstück mit Aussicht

Frühstück mit Aussicht in den...

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Heute haben wir eine abenteuerliche Fahrt von La Union nach Huanuco vor uns. Es sind nur 139 Kilometer. Aber die Straße ist eine schmale, unbefestigte Piste, die in eine steile Bergflanke hinein gegraben wurde. Äußerst kurvenreich und fast immer zu schmal, um Gegenverkehr auszuweichen. Manchmal so schmal, das die Räder unseres Rotels nur Zentimeter vom Abgrund entfernt sind.
Zu allem Überfluss gibt es eine Baustelle auf der Strecke, weswegen die Straße oft stundenlang gesperrt wird.
Wir starten daher bereits um 6 Uhr morgens. Frühstück werden wir unterwegs an einer geeigneten Stelle machen. So was geht halt, wenn das Fahrzeug hinten dran eine voll funktionsfähige Küche hat. Der Plan geht auf. Nach einer Stunde fahren wir ohne Halt durch die Baustelle. Die Bauarbeiter machen gerade ihre Baumaschinen einsatzbereit. Kurz darauf überqueren wir bei Tingo Chico den Oberlauf des Rio Maranon. Um 9 Uhr finden wir endlich in einer Kurve eine Stelle, an der die Straße etwas breiter ist und es daneben noch ein paar Quadratmeter ebener Fläche für unsere Tische gibt, bevor der Abgrund sich auftut. Hier machen wir Rast und frühstücken auf 3.500 Metern. Es ist ein toller Ausblick, der sich uns bietet. Auf der anderen Seite der Schlucht sehen wir zwei Dörfer. Aus beiden dringt Musik zu uns herüber. Am 30. August war der Tag der heiligen Rosa von Lima, der ersten Heiligen Südamerikas. Am heutigen Samstag gehen die Festlichkeiten weiter. Auch auf der Straße kommen immer wieder Menschen an uns vorbei – und staunen natürlich nicht schlecht beim Anblick unserer frühstückenden Gruppe. Mehrfach werden wir hier wieder zum Fotoobjekt. Und auch unser groß gewachsener Reiseleiter wird wieder zum Fotomodell zusammen mit den viel kleineren Einheimischen. Dies war auf alle Fälle das eindrucksvollste Frühstück auf dieser Reise !
Unser Weg führt uns nochmals höher Richtung eines Passes über die Cordillera Central.
Im Laufe des Vormittags werden die Wolken immer dichter und dann fängt es heftig an zu regnen. Und das auf dieser schmalen, nicht asphaltierten Straße. Wir hoffen, dass der Regen nicht zu lange anhält. Sonst könnte der weitere Weg noch langwieriger werden. Nach einer bangen halben Stunde überschreiten wir den letzten Pass dieser Reise bei 4.000 Metern und damit die Wetterscheide hin zum Amazonasgebiet. Langsam hört der Regen auf.Kurz vor Mittag halten wir nochmals an Beginn eines Bergdorfes und laufen zu Fuß durch den Ort. Wieder können wir so zumindest einige kurze Grußworte mit den Einwohnern wechseln und auch die kunstvoll an den Häusern zum trocknen aufgehängten Bündel mit Maiskolben aus der Nähe betrachten. Auch Wollschweine sehen wir hier wie so oft auf dieser Reise.
Mittagspause machen wir in einen Ort in den Bergen. Mittlerweile ist es sonnig und richtig warm. Wir merken langsam den Einfluss des Amazonas.
Meine Frau und ich laufen etwas aus dem Ort heraus und sehen einen Pfad, der steil nach oben führt. Wir steigen hoch. Wir erreichen einen Wasserkanal, der oberhalb des Ortes am Berg entlang läuft. An der Stelle, wo der Pfad auf den Kanal trifft, wird Wasser Richtung Ort abgeleitet. Wir laufen ein Stück am Kanal entlang. Die Vegetation ist aufgrund des Wassern am Kanal viel grüner und üppiger. Es ist auch angenehm kühl hier am Wasserlauf. Es erinnert ein wenig an die Levadas auf Madeira. Nachdem wir diese Oase der Ruhe eine Zeit lang genossen haben geht es zurück in den Ort, denn wir fahren bald weiter.



Frühstück mit Aussicht

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In Huanuco

Umzug Huanuco Peru

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Da wir bereits sehr früh gestartet sind, erreichen wir unser Hostal am Standrand von Huanuco bereits im 15 Uhr. Das wohl kurioseste Übernachtungsquartier unserer Reise. Das Hostal liegt direkt auf einem Tankstellengelände. Die Zimmer sind um einem Innenhof herum angeordnet. Jedes Zimmer hat eine eigene Garage. Das Garagentor ist auch die äußere Zimmereingangstür. Von der Garage -ohne Dach- führt dann nochmals eine Tür ins eigentliche Zimmer. So weit, so gut. Aber weder für das Garagentor noch die Zimmertür gibt es in diesem Hostal noch Schlüssel ! Diese sind wohl nach und nach abhanden gekommen. Wir lassen also unser Gepäck in den nicht verschlossenen Zimmern (Wertsachen und Fotoapparat am Mann) und rufen uns Taxis, um die Zeit zu nutzen und die Stadt etwas zu erkunden. Wir fahren zur Plaza de Armas und von dort schwärmen wir aus. Auch hier keinerlei Anzeichen für Tourismus. Die Geschäfte und Märkte sind nur auf den Bedarf von Einheimischen ausgerichtet. Wie in so vielen Orten laufen auch hier überall herrenlose Hunde herum. Eine Hündin ist wohl läufig und wird von mehreren aggressiven Rüden bedrängt. Ausgerechnet bei uns sucht die Hündin Schutz. Wir finden das gar nicht toll, plötzlich von den aggressiv knurrenden Rüden verfolgt zu werden und flüchten in ein Geschäft. Selbst hierhin folgen uns die Hunde. Die Verkäufer wissen, wie sie die Hunde loswerden. Erst mit Wasser bespritzen und anschreien. Und als das noch nicht richtig wirkt, wird die ganze Wasserflasche Richtung Hunde geworfen. Endlich ziehen diese ab. Wir bedanken uns und finden kurz darauf direkt an der Plaza ein Cafe mit einer ---- Kaffee- bzw. Espressomaschine ! Nach dem Erlebnis mit den weiter an der Plaza herum streifenden Hunden ist uns die Lust auf weitere Erkundungen etwas vergangen. Außerdem haben wir nun wirklich schon viele Märkte erkundet. Wir lassen uns also im Cafe nieder. Nach dem vielen mit Wasser aufgegossenen löslichen Kaffee gönnen wir uns nun genussvoll einen Cappuccino. Danach machen wir uns auf den Weg Richtung Treffpunkt als uns plötzlich ein Umzug um die Plaza entgegenkommt. Mehrere in Trachten gekleidete Gruppen ziehen tanzend durch die Straßen. Ein unerwarteter, farbenfroher Anblick. Ob dies wohl auch ein Umzug zu Ehren von Santa Rosa de Lima ist ?
Abends essen wir in einem anscheinend zur Tankstelle gehörenden Restaurant. Die Einrichtung und Atmosphäre erinnert jedenfalls an unsere Autobahnraststätten. Und tatsächlich kommen während unserer Anwesenheit mehrere Nachtbusse an, um Rast zu machen. Die Fahrgäste strömen herein, erst mal Richtung Toilette. Dann kaufen einige an der Theke ein paar Snacks oder Getränke. Andere dagegen setzen sich und geben der Bedienung einen Zettel. Worauf sie umgehend ein Essen serviert bekommen. Es gibt bei den Nachtbussen wohl unterschiedliche Tickets: Nur fahren oder „all-inklusive“ also Fahren und Verpflegung.
Wir gehen beizeiten Schlafen, hat der Tag doch sehr früh begonnen.



Umzug Huanuco Peru

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Richtung Amazonien

Mittags in Tingo Maria Peru

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Nachdem wir morgens das am Vorabend heraus gefallene Kettchen am Boden des Spülkastens entdecken und wieder einhängen, funktioniert auch wieder die Toilettenspülung. Solche Kleinigkeiten an der Rezeption zu reklamieren macht hier in Südamerika keinen Sinn. Jedenfalls nicht in einem Hostal wie diesem. Mitreisende beobachten am Abend, wie ein Auto vorfährt. Ohne das ein Insasse aussteigt läuft der plötzlich sehr diensteifrige Portier sofort zu einem Zimmer, besser gesagt einer Garage, öffnet das Tor. Das Fahrzeug, besetzt mit einem älteren Mann und einer jungen Frau fährt in die Garage und der Portier schließt das Garagentor. Der Rest ist pure Spekulation.... Aber man darf sich seine Gedanken machen..... :-)
Entlang von Bergwäldern und Hortensienfeldern kommen wir durch einen Tunnel endgültig in den Einzugsbereich des Amazonas. Die Hänge der Anden sind mit dichter Vegetation überzogen. Nach dem Tunnel sehen wir am Rio Uajaca (Nebenfluss des Rio Huallaga, der wieder ein Nebenfluss des Rio Maranon ist...) entlang mehrere „LKW-Waschanlagen“ a la Peru. Von den gegenüber liegenden Berghängen wird einfach abwärts fließendes Wasser in über die Straße hängende Schläuche umgeleitet. Das Wasser dieser Waschanlagen fließt ohne Unterlass. Die LKWs halten einfach am Straßenrand neben einem Schlauchende und schon kann gewaschen werden. Auch wir nutzen nach der staubigen Strecke der letzten Tage diesen Service. Hier wimmelt es vor Schmetterlingen – denken wir. Aber unser Fahrer meint es seinen sehr wenige: „Wo sind den die ganzen Schmetterlinge ? Als ich letztes Jahr hier war, konnte man kaum den Urwald erkennen vor lauter Schmetterlingen.“ Gut, das ich nicht den Ehrgeiz habe jeden Schmetterling auf dieser Reise zu fotografieren – ich bräuchte mindestens 4x so viele Speicherkarten für die Kamera.
Einer der Helfer will uns dann noch einen Wasserfall etwas oberhalb der Straße zeigen. Bewaffnet mit einer Machete zieht er los und wir hinterher. Wir steigen etwa 50 Meter den Hang hinauf. Ein Pfad ist nicht vorhanden. Die Machete macht uns den Weg frei. Schon nach wenigen Metern hat man das Gefühl mitten im Wald zu sein. Wir genießen kurz den Anblick des Wasserfalles, dann machen wir uns wieder auf den Weg. Mittagspause machen wir im Zentrum von Tingo Maria. Es ist sehr heiß. Nach einem kurzen Gang über den Markt setzen wir uns in den Schatten der Bäume und essen etwas. Danach fahren wir zu unserem Übernachtungsplatz im Garten einer schönen Hotelanlage mit Swimmingpool. Hier ist richtig was los. Viele Peruaner machen hier wohl Urlaub bzw. genießen das Wochenende.



In Tingo Maria

Blick aus der Eulenhöhle Tingo...

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Wir fahren mit MotoTaxis zur „Eulenhöhle“, einer Wohn- und Nisthöhle für tausende Vögel einige Kilometer außerhalb der Stadt. Vor allem Fettschwalme nisten hier. Die Fahrt mit den Motos ist ein schönes Erlebnis. Am Parkplatz vor der Höhle sind etliche sehr touristische Verkaufsstände. Die Höhle ist wohl für viele Peruaner ein Ausflugsziel. Wir laufen zur Höhle, können aber im Dunkel der Höhle keine der Fettschwalme erkennen. Riechen können wir sie aber. Der Höhlenboden ist übersät mit den Ausscheidungen der Vögel. Bei der Rückfahrt halten wir noch an einem Aussichtspunkt, an dem wir die Stadt und den Rio Huallaga überblicken können.
Zurück auf dem Platz beginnen die Vorbereitungen für das Abendessen. Der Baum neben unserem Rotel ist voller Nester der Gelbbürzelkassike, einer Art die wie die Webervögel Nester flechten und knoten. Ich versuche einige Bilder zu machen und laufe etwas durch die Hotelanlage. Aus den Augenwinkeln sehe ich in einer abgelegenen Ecke eine Bewegung. Da wieder. Was ist das ? Beim Näherkommen erkenne ich eine große Waldschildkröte, die auf ihren Rückenpanzer gefallen ist. Und jetzt versucht sie, sich durch Strampeln mit den in die Luft ragenden Beine wieder umzudrehen. Als ich näher komme, verschwindet sie in ihrem Panzer. Ich hebe sie an und setze sie auf die verschwundenen „Füße“. Ich warte. Nach mehreren Minuten taucht der Köpf und dann die Beine vorsichtig wieder auf. Mit erstaunlicher Geschwindigkeit läuft die Schildkröte jetzt in ein großes Gebüsch ganz am Rande des Geländes. Dort verschwindet sie wieder in ihren Panzer. Ich lasse sie in Ruhe. Am nächsten Morgen schaue ich nochmals nach: Sie ist weg.
Nach dem Abendessen stellen wir einige Tische auf einer mitten im Rasenplatz befindlichen asphaltierten Fläche auf. Auf den ersten Blick könnte man meinen: Hubschrauberlandeplatz.
Aber in großen Lettern ist der Asphalt beschriftet mit dem uns mittlerweile vertrauten „Zona de Segura“. Jedes Hotel, Museum und sonstiges öffentliches Gebäude in Peru hat so eine „Zona de Segura“. Es ist der Sammelplatz für den Fall eines Erdbebens. Zum einen, weil dort der Platz ist, wo einem am wenigsten auf den Kopf fallen kann. Zum anderen aber wichtig für die Rettungskräfte, um schnell einen Überblick zu bekommen, ob es alle Personen aus dem Gebäude geschafft haben. Die Peruaner müssen mit vielen Naturkräften zurecht kommen. Auf unseren Fahrten durch das Land haben wir neben den Schäden durch El Nino immer wieder Straßenabschnitte erlebt, auf denen durch Erdbeben Abschnitte von 30, 40 Metern Länge um1-2 Meter nach unten gesunken sind. Die Ränder wurden von den Bauarbeitern entsprechend abgeflacht und nun führt die Straße eben durch diese Senkung. Warnschilder weisen jeweils rechtzeitig auf solche Stellen hin.
Wir verbringen den Abend mit der „Vernichtung der restlichen Alkoholbestände“, denn dies ist bereits die letzte Übernachtung im Rotel.



Papagei Tingo Maria

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Abschied vom Rotel

Morgens räumen wir die Kabine aus und packen alles in unsere Reisetaschen, damit wir am Abend beim Hotel in Pucallpa alles mit einem Griff aus dem Rotel nehmen können.
Am morgen fahren wir durch die Region Padre Abad, den Urwald überwucherten Ausläufern der Anden. Immer wieder stürzen von den Hängen Rinnsale oder Bäche in den Rio Yuracyacu. Wir besuchen die Brautschleier Wasserfälle, die ein Stück von der Straße entfernt von den Hängen stürzen. Auch hier viele Stände und der Weg ist gut ausgebaut. Ein lokales Ausflugsziel eben. Wir genießen wie die Peruaner die willkommene Abkühlung durch den Wasserfall. Denn mittlerweile ist es richtig heiß. Am Felseinschnitt vor dem Wasserfall beobachte ich meine Frau, wie sie durch das klare, knietiefe Wasser näher an den Wasserfall heran watet, als über ihr durch den Einschnitt ein großer blauer Morphofalter fliegt. Das Blau leuchtet in der Sonne.Wunderschön. Ich bin so fasziniert vom Anblick dieses mindestens 10 (!) Zentimeter großen Schmetterlings, das ich gar nicht ans fotografieren denke. Einfach den Anblick genießen.
Durch einen weiteren Tunnel verlassen wir die Anden jetzt endgültig.
Zu Mittag sind wir bereits in einer hügeligen Ebene unterwegs. In der Mittagspause in der kleinen Stadt Aguaytia entdecken wir ein Lokal mit Obst und einer Saftpresse in der Auslage. Hier gibt es also frisch gepresste Säfte. Da es so heiß ist, beschließen wir statt Mittagessen so ein Glas Saft zu trinken. 4 Soles, etwas mehr als 1 Euro ist ok für ein Glas, denken wir. In einem Regal an der Seitenwand des Lokals sind diverse Früchte angehäuft. Wir fragen, was die leckerste Variante sei: Ananas mit Maracuja. Wir bestellen also diese Variante. Im Hintergrund hören wir nach einigen Minuten einen Mixer in Betrieb. Wir hatten uns schon gefragt wie wohl eine Ananas mit der kleinen Saftpresse ausgepresst werden sollte. Dann kommt das erste „Glas Saft“. In Wirklichkeit handelt es sich um eine große Karaffe für jeden ! Mindestens 3 Gläser gibt das. Der Saft ist richtig dickflüssig, sehr lecker und genau das Richtige bei diesen Temperaturen. Wir lassen uns unser „Smoothie-Mittagessen“ schmecken.
Die weitere Fahrt führt uns durch die nun weite Landschaft nach Pucallpa am Rio Ucayali, dem Tor zum Amazonas. Der Rio Ucayali ist der längere der beiden Quellflüsse des Amazonas. Durch den Zusammenfluss von Rio Maranon (wasserreicher) und Rio Ucayali (länger) entsteht der Amazonas.
So haben wir auf dieser Reise so ganz „nebenbei“ nun also auch noch das zweite große Flusssystem kennengelernt, aus dem der mächtige Amazonas gespeist wird.
Wir checken in einer schönen Hotelanlage ein mit Pool. An der Poolbar genießen wir einen Pisco Sour. Gut, aber bei weitem nicht so lecker wie beim deutschen Koch in Chachapoyas. Bei der Erinnerung an unsere Tage dort kommt es mir so vor, als wäre dies schon Monate her. Und die ersten Tage in Ecuador nur noch eine ferne Erinnerung. Was haben wir seither alles gesehen und erlebt. Abends essen wir leckeren Wels und dann geht es ab ins Bett.



Leckere Säfte in Aguaytia Peru

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Mit dem Boot zu Urwaldbäumen

Auf dem Rio Ucayali Peru

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Nach den Frühstück fahren wir zum Ufer des Rio Ucayali. Dort warten schon 2 Boote auf uns. Zunächst fahren wir zu einem Waldstück, in dem noch ein alter, großer Baum steht. Keine wirklicher „Urwaldriese“, aber auf den besten Weg dorthin. Unser einheimischer Führer Augusto hat den Landbesitzer überredet, den Baum nicht zu fällen. Für den gefällten Baum hätte der Campesino 60 Soles bekommen. (ca. 18 Euro !!) Jetzt besucht Augusto mit Touristen den Wald und bezahlt dafür. Es ist ein kleiner Anfang, den Raubbau an der Natur hier im peruanischen Amazonasgebiet entgegen zu wirken. Denn es kommen nicht viele Touristen hier her. Zuletzt war Augusto vor 2 Monaten mit Touristen dort. Während der Fahrt auf dem Fluss erahne ich aus den Augenwinkeln plötzlich einen rosa Flussdelfin, der aus dem Wasser springt. Kurz darauf hinter unserem Boot ein weiteres Mal.
Leider bleibt es bei diesem Schemen aus den Augenwinkeln heraus. Richtig gesehen kann man das nicht nennen. Vorbei an mehreren Ansiedlungen, unter anderem auch einer Missionsstation mit schwimmenden Hospital erreichen wir unser Ziel. Einige Meter oberhalb des Flusses steht das Haus der Campesinofamilie. Bei unserer Ankunft raucht es noch an mehreren Stellen auf dem Platz. Keine Feuerstellen, nur rauchende Blätterhaufen um die am Morgen aktiven Mücken fernzuhalten.
Wir laufen einen schmalen Pfad durch den Wald. Augusto erklärt uns mehrere Heilpflanzen und zeigt uns auch ein Lianengewächs, das sehr viel Wasser speichert. Man schneidet einfach ein Stück ab, hält es über den Mund und presst das Wasser heraus. Köstlich. Der Regenwald ist arm an Quellen. Wer diese Pflanze nicht kennt, läuft Gefahr, inmitten des Regenwaldes zu verdursten. An einigen Stellen muss ein Begleiter von Augusto mit der Machete minutenlang den Weg für uns freischlagen. Wie gesagt, der letzte Besuch ist 2 Monate her. Wir sind hier wirklich nicht auf ausgetretenen Touristenpfaden unterwegs. Immer wieder müssen wir über große, quer liegende Baumstämme klettern. Und dabei aufpassen, wo wir hin fassen. Überall sind Ameisen auf den Stämmen und die können unangenehm zwicken. Einmal warnt uns Augusto, eine Raupe bitte nicht zu berühren. Sie ist hochgiftig. Wir sehen wieder die uns bereits bekannten Ameisenbäume, die in Symbiose mit Ameisen leben. Die Ameisen verteidigen den Baum, indem sie eine brennende Flüssigkeit (Ameisensäure) verschießen. Ganz unangenehme Gesellen. Immer tiefer geht es in den Wald. Dann erreichen wir den Baum. Ehrfürchtig stehen wir da. Seine seitlichen Wurzeln sind größer als ein Mensch.



Auf dem Rio Ucayali Peru

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Shipibo-Indianer und Piranha

Musikanten sind mit Mototaxi...

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Nach mehr als 2 Stunden sind wir zurück bei den Booten. Wir fahren jetzt zu einem Dorf der Shipibo-Indianer. Die Dorfbewohner versuchen, weiterhin traditionell von der gemeinschaftlichen Landwirtschaft und vom Wald zu leben, aber auch mit der modernen Zeit zu gehen. Ihre Kinder gehen in die Schule, moderne Kleidung und Alltagsgegenstände werden verwendet und junge Dorfbewohner arbeiten teils auch in der Stadt. Und es werden Teppiche, Keramiken, Ketten etc. hergestellt für den Verkauf an Touristen hier im Dorf oder auch an Händler in der Stadt.
Auf dem Weg vom Fluss zum Dorf kommen wir an einem Maniokfeld vorbei. Neben der Knolle werden auch die jungen Blätter als Salat verwendet. Im Dorf werden wir bereits erwartet. Frische Säfte stehen bereit und auch Kokosnüsse werden für uns geöffnet. Einige junge Männer sind mit dem Mototaxi gekommen, um Musik zu spielen. Wir schauen uns auch die Handarbeiten an, viele aus unserer Gruppe kaufen auch, aber bei uns ist in Sachen Souvenir diesmal einfach die Luft raus. Auf dem Rückweg zu Boot entdeckt Augusto in einem etwas entfernteren Baum ein Faultier. Mit Fernglas oder Kamerazoom kann man es recht gut erkennen. Wir fahren weiter in einen schmalen Seitenarm des Flusses. In einer Kurve gehen wir an Land, um unser Mittagessen zu angeln: Piranhas. Mitgebrachte Fleischstückchen werden als Köder verwendet und innerhalb kurzer Zeit haben wir 8 Stück gefangen. Dabei muss man aber schnell sein. Sobald man bemerkt, dass der Piranha am Fleischköder knabbert, muss die Angelrute schnell aus dem Wasser gezogen werden, damit sich der Haken im Gebiss des Fisches verfängt. Sonst knabbern die Piranhas einfach nach und nach den ganzen Köder vom Haken. Was natürlich mehrheitlich genau so passiert :-)
Mit unserem Fang machen wir uns auf den Weg zu Augustos Dorf. Wir müssen ein gutes Stück auf der staubigen Straße vom Ufer weg laufen, bis wir sein Anwesen erreicht haben. Es ist glühend heiß mittlerweile. Gut das am Wegrand einige Pflanzen Schatten spenden. Augusto hat hier die Sachamama Ecolodge aufgebaut mit Gästeunterkünften und Swimmingpool.
Hier essen wir zu Mittag. Aber nicht die mageren Piranhas, sondern leckere Fischsteaks vom Paiche (Arapaima). Dieser Flussfisch wird bis zu 2 Meter lang und 130 Kilo schwer und ist damit einer der größten Süßwasserfische der Welt. Zum Schluss wird aber doch noch ein Teller mit den gefangenen und jetzt gebratenen Piranhas gebracht. So können wir diese auch noch probieren.



Faultier hoch oben im Baum Pucallpa

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Museum der Indiokulturen

Gefäß der Shipibo-Indianer...

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Nach dem Essen besuchen wir noch das kleine, aber hochinteressante Museum das Augusto auf dem Gelände eingerichtet hat. Hier werden die Kulturen der verschiedenen Indiostämme des peruanischen Amazonien erläutert. Wir sehen sehr schöne Keramiken der Shipibo, die den Kopf einer Wasserschildkröte darstellen. Aber auch Keramikreste die aktuell an verlassenen Lagerplätzen von Indiogruppen gefunden wurden, die bis heute ohne Kontakt zur Außenwelt im Urwald leben. Diese Gruppen meiden aufgrund der schlimmen Erfahrungen der letzten hundert Jahre (Kautschukboom, Zwangsarbeit auf Plantagen) die modernen Menschen und sind diesen gegenüber regelmäßig sehr misstrauisch und auch feindselig eingestellt. Aber es wird immer schwieriger für diese Gruppen, in den immer kleiner werdenden unberührten Dschungelgebieten weiterhin genügend Nahrung zu finden. Goldsucher und Holzfäller dringen immer tiefer ein in diese Gebiete.
Und dadurch kommt es unter den Indiogruppen immer häufiger zu Konflikten um die knapper werdenden Ressourcen. Eine eindrucksvolle Reportage aus dem Jahr 2017 von Angus MacQueen lief zu diesem Thema vor kurzem auf Arte: „Das Ende von Eden“.
Das Museum von Augusto ist erst vor kurzen von den peruanischen Behörden offziell anerkannt worden. Zurecht. Die Vielzahl an ausgestellten Keramiken, Wurfspeeren, Pfeilen, Textilien und Alltagsgegenständen ist beeindruckend.
Anschließend erfahren wir noch, das Augusto wie sein Vater zuvor der Schamane des Dorfes ist. Wir werden in das Zeremoniengebäude geführt. Ein Rundhaus mit eindrucksvollen Bildern an den Wänden. Hier werden regelmäßig Zeremonien abgehalten.
Wir merken ganz deutlich, das hier keine Touristenschau mit alten Knochen etc. vorgeführt wird.
Die Bilder sind im aktuellen, modernen Stil und Augusto redet auch eher wenig darüber. Understatement pur. Er hat das alles den ganzen Tag mit keinem Wort erwähnt. Weder das er Schamane ist noch das mittlerweile staatlich anerkannte Indiomuseum. Es ist halt so. Man merkt ihm deutlich an, diese Dinge sind ihm wichtig. Nicht die Ausschlachtung für das Touristengeschäft.
Wir sind alle sehr beeindruckt von diesem Tag. Es war viel mehr als das von uns erwartete „wir fahren mit dem Touriboot auf dem Fluss und wandern im Wald“.
Auf der Rückfahrt mit dem Boot ist die Sonne bereits hinter immer dunkler werdenden Wolken verschwunden. Ein Tropengewitter zieht auf. Wir erreichen aber noch trocken den Bootsanleger und dann auch das Hotel, bevor es losgeht. Vom Wind gepeitschter Regen beendet die Hitze des Tages. Als wir zum Abendessen gehen, hat es richtig angenehme Temperaturen.
Wir beenden diesen Abend mit einigen Pisco Sour. Gesponsort werden diese von unserem Reiseleiter und Fahrer. Sie gestehen uns jetzt, wie erleichtert sie sind, dass die Reise unter diesen manchmal an die Belastungsgrenze gehenden Bedingungen ohne ernste Zwischenfälle bewältigt werden konnte. Wobei wir an einigen Tagen ihre Anspannung natürlich deutlich gespürt haben. Man lernt sich eben sehr gut kennen, wenn man drei Wochen so intensiv zusammen reist.



Keramiken Shipibo-Indianer

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Beginn einer langen Rückreise

Wir stehen um 4.30 Uhr auf, um 5.30 fahren wir ohne Frühstück zum nahen Flughafen. Um 7 Uhr Flug nach Lima. Als wir dort um 8 Uhr ankommen, müssen wir unser Gepäck wieder abholen.
Wir fahren mit einem Bus in den Stadtteil Miraflores um dort in einem Hotel zu frühstücken. Der Verkehr in Lima ist heftig. Es dauert lange bis wir beim Hotel sind – und dort weiß anscheinend niemand was von uns. Nach mehreren Telefonaten geht es dann doch zum Frühstück – nachdem wir unsere Reisepässe abgegeben haben :-)
Für den Tag steht noch eine Besichtigung von Lima und ein Besuch des Goldmuseums an. Aufgrund es Verkehrs in Lima ein viel zu ehrgeiziges Programm, sollen wir doch um 14.30 Uhr wieder hier im Hotel zum Mittagessen (?) sein und um 16 Uhr am Flughafen. Unsere örtliche Führerin versucht das Beste daraus zu machen. Kurz mal die Plaza de Armas mit dem Präsidentenpalast, schnelle Runde durch die Kathedrale mit dem Grab von Pizarro, dann Weiterfahrt zum Goldmuseum in einem entfernteren Außenbezirk von Lima. Eine Stunde Führung durch das Museum, dann Rückfahrt zum Hotel. Mittagessen. Und ab zum Flughafen.
Genau so hat es sich angefühlt. Hier wäre weniger eindeutig mehr gewesen.
Zumal das privat betriebene Goldmuseum uns nach den tollen Museen im Norden eher lieblos, ungepflegt erscheint und die Ausstellungsstücke auch wahllos und ohne wissenschaftliche Erläuterungen in Vitrinen zusammengepfercht präsentiert werden.
Wir erreichen den Flughafen fast pünktlich, checken ein und verabschieden uns von unserem Reiseleiter. Dann geht wieder die Warterei los. Unser Flug nach Madrid startet 1,5 Stunden zu spät. Blöd, da wir in Madrid nur 1 Stunde Zeit zum Umsteigen haben.
Wir ahnen während des Fluges bereits, das unsere Rückreise dadurch interessanter wird.



Kathedrale Lima

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Verspätet in Madrid

Und tatsächlich, wir landen um 15.20 Uhr, als unser Weiterflug bereits in der Luft ist.
Wir werden am Boden bereits erwartet an einem separaten Schalter. Hier werden uns neue Flugtickets ausgehändigt. Wir fliegen jetzt am 20 Uhr mit Iberia nach Frankfurt. Die Warterei geht also weiter. Wir prüfen schon mal, ob wir aufgrund der späteren Ankunft in Frankfurt überhaupt noch einen Zug erwischen oder ob wir in Frankfurt übernachten müssen. Schaut gut aus: 23.55 Uhr geht noch ein Zug Richtung Süden.
Ein Teil unserer Gruppe hat da weniger Glück. Sie buchen gleich ein Hotel in Frankfurt.
Dieser Flug geht jetzt tatsächlich pünktlich ! Und wir landen sogar 15 Minuten früher schon um 22.25 Uhr. Am Gepäckband verabschieden wir uns von den Reisegefährten und eilen zum Fernbahnhof. Das ist auch gut so. Bis wir den Weg dorthin hinter uns haben, bleiben gerade noch einige Minuten zur Orientierung.



Per Anhalter mit der OBB heimwärts

Wir merken jetzt, dass der Zug um 23.55 Uhr gar kein ICE ist, sondern ein Euro-Nachtzug der österreichischen Bundesbahn. Und da steht was von „Buchung zwingend erforderlich“ ? Bevor wir noch lange nachdenken können kommt der EN 421 auch schon daher. Wir laufen zum nächsten Schaffner und fragen, ob sie uns wohl mitnehmen könnten. Das müssen wir den Zugchef ganz vorne fragen. Wir also im Laufschritt auf dem Bahnsteig mit Gepäck ganz nach vorne. Wir schildern dem Zugchef unseren verzögerten Rückflug etc. und fragen ob er uns mit nimmt. Ja er nimmt uns mit. Wir sollen uns in den Wagen 280 in der Mitte des Zuges einen Platz suchen. Wir also im Laufschritt wieder den Bahnsteig zurück. Im Wagen finden wir ein Abteil mit einem sympathischen Paar aus Nürnberg, die gerade aus Madeira zurückkommen. Bei einer angeregten Unterhaltung vergeht die Fahrzeit wie „im Flug“. An unserem Bahnhof finden wir sofort ein Taxi, das uns glücklich, aber müde zu Hause abliefert.



Fazit

Der Norden Perus bietet eine Fülle von archäologischen Stätten. Während der Süden Perus von Macchu Picchu und den Inkas dominiert wird, gibt es hier ein Vielzahl von Kulturen zu entdecken.
Im Süden konnten wir vor Jahren in drei Wochen gut die Hauptsehenswürdigkeiten bereisen und hatten dazwischen immer wieder etwas Zeit, die gewonnenen Eindrücke zu verarbeiten.
Der Norden bietet so viel, das drei Wochen nicht ausreichen, auch nur annähernd alle Hauptattraktionen zu besuchen. Dennoch haben wir in den drei Wochen sehr viel gesehen. Die Verarbeitung der ganzen Eindrücke findet erst jetzt zu Hause statt und dieses Reisetagebuch hilft mir dabei. Peru ist eine Reise wert. Und eine zweite. Und eine dritte.... hoffentlich auch noch !
Aber in eingen Wochen fahren wir erst mal nach Hamburg. Im dortigen Völkerkundemuseum wird der Nachlass von Hans Heinrich Brüning verwaltet und ausgestellt. Einen Teil der Brüning-Sammlung haben wir ja schon in Lambayeque gesehen.Und dann wartet da auch noch das Völkerkundemuseum München mit seiner umfangreichen Südamerika-Ausstellung auf uns. Und hoffentlich hat das Völkerkundemuseum Stuttgart irgendwann mal wieder Platz, seine außerordentliche Sammlung von Moche-Keramiken auszustellen.
Unsere Reise zu den alten Kulturen Nordperus geht also weiter.....
Vielen Dank an alle Leser, die uns bis hierher begleitet haben. Ich hoffe, euch nicht zu sehr gelangweilt zu haben mit meinen Beschreibungen der Kulturen etc.
Einige der in den Bericht eingeflossenen Informationen habe ich aus dem Internet zusammengesucht. Aber die allermeisten Dinge stammen aus den Vorträgen unserer Führer vor Ort und ein wenig auch aus den Chroniken der Zeitzeugen Pedro de Cieza de Leon und Inca Garcilaso de la Vega.


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Kommentare

  • therese

    Mit großem Interesse habe ich diesen Reisebericht gelesen. Den Norden dieses faszinierenden Landes habe ich noch nicht kennengelernt, sehe aber jede Dokumentation über die vielen Ausgrabungen und die schwer zugänglichen Kultstätten. Im Jahr 2001 konnte ich in Bonn die Schätze der Gräber aus Sipan sehen, die tiefen Eindruck auf mich machten.
    Die Beschreibung eurer Reiseeindrücke und die vielen Fotos haben mich in ihren Bann gezogen und ich konnte nicht aufhören zu lesen. Das ihr bei dieser organisierten Reise viel Eigeninitiativve gezeigt habt, verdient Anerkennung. Die Fotos der Menschen, die ihr unterwegs getroffen habt, machen den Bericht zu einer runden Sache. Vielen Dank!
    therese
    .






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