Kasbek von Norden und Elbrus von Süden - zwei Fünftausender im Kaukasus

Reisebericht

Kasbek von Norden und Elbrus von Süden - zwei Fünftausender im Kaukasus

Reisebericht: Kasbek von Norden und Elbrus von Süden - zwei Fünftausender im Kaukasus

"Elbrus- da warst Du doch schon oben. Warum willst Du Dir das noch mal antun?" Das war der erste Komentar, den ich zu hören bekam, als ich von meinem Vorhaben erzählt habe. O.K., ich gebe zu, das ich wegen dem Kasbek von Norden ein weiteres mal auf den Elbrus ging. Insgesamt eine sehr schön abwechslungsreiche anspruchsvolle Tour für alle Bergfexe die unabhängig und naturnah unterwegs sind.

Kasbek von Norden und Elbrus von Süden

Zwei Fünftausender im Kaukasus. Für viele Bergsteiger ein Traum, den wir uns im September 2017 erfüllen konnten. Die Anreise erfolgte per Flugzeug über Moskau nach Mineralnye Wody. Die Tour beginnt mit der Autofahrt durch Verwaltungsgebiete, an deren Grenzen wir anhalten und uns legitimieren müssen. Das kostet etwas Zeit, ist aber dennoch für uns nicht uninteressant, da ungewohnt. In Wladikawkas holen wir direkt bei der Behörde unsere Grenzgebietsausweise für die nördliche Kasbekregion ab. Staunend führt unsere Fahrt uns direkt in das Genaldon Tal. Hier ereignete sich im Jahr 2002 eine schreckliche Tragödie, als der Kolka-Gletscher mit hoher Geschwindigkeit und einer Masse von 75 Millionen Tonnen aus Eis und Gestein 134 Menschen durch einen Abbruch unter sich begrub....
Herrliche Natur, majestätische Berge, türkisfarbene Flüsse, saubere Luft und gastfreundliche Menschen - all das ist der Nordkaukasus. Das zu erleben und zu genießen sind wir aufgebrochen, und werden nicht entäuscht!
Unser Fahrer bringt uns so weit auf einer Schotterpiste in Richtung Grenzposten, bis wir mehrmals mit dem Fahrzeug aufsetzen. Wir nehmen unser Gepäck auf, und gehen zu Fuß über Pfade bis zum Grenzposten der Russisch-Georgischen Grenze am Berghang weiter. Das passieren des Postens nimmt einige Zeit in Anspruch, und so erreichen wir unseren geplanten Biwakplatz nicht mehr. Vor Einbruch der Dunkelheit schlagen wir darum die Zelte an einem Platz auf, der gerade mal etwas breiter ist als der Pfad der uns zum Biwakplatz führen soll. Hier gibt es keine festen Wege, geschweige denn Wegweiser. Hierher " verirren" sich demzufolge wirklich sehr wenige Menschen. Mich persönlich freut das sehr - ich habe es gehofft, und mich auf die naturbelassenen Berge gefreut. Am nächsten Vormittag erreichen wir unser geplantes Ziel, die Thermalquellen auf 2400m und bauen in aller Ruhe das kleine Zeltlager auf. Wir genießen die Ruhe, sortieren unsere Sachen in der Sonne. Währenddessen bekommen wir Besuch: zwei russische Camper schenken uns zur Begrüßung Schokolade und beginnen einen Schwatz.. Dann wird es aber auch mal Zeit sich umzusehen und die viel gepriesenen Quellen auszuprobieren. Hier gibt es Quellen mit kaltem Wasser zum trinken - allesamt verschieden mineralisiert und im Geschmack unterschiedlich. Für uns ebenfalls sehr interessant die Quellen mit warmen Wasser zum baden. Das baden in diesen Quellbecken mit warmen Wasser inmitten dieser herrlichen Berge war ein Hochgenuss! Luxus pur! Doch wir sind ja in erster Linie zum Bergsteigen hier. Also ging es am Nachmittag auf den Gletscher, um zu sehen wo der Einstieg zur Route zum Lager auf 3500m ist, unserem nächsten Ziel.
Nach dem zeitigen Frühstück und dem verpacken der Ausrüstung für den Aufstieg auf den Kasbek zu unseren geplanten Lagern auf 3500m und 4200m gingen wir über den Gletscher zum Einstieg. Zu unserer Freude fanden wir dort ein "Fixseil" vor... Das Wetter war perfekt, wir waren hoch motiviert und bestens vorbereitet. Die Route führte durch sehr steiles und teils ausgesetztes Gelände. Schotter, Blockwerk und Fels wechslten sich hier ab. Unsere erste Rast konnten wir auf 3200m machen. Denn erst dort hatten wir drei genug Platz, um uns zu setzen, die Rucksäcke abzusetzen und uns zu erholen. So gegen 17:30 kamen wir an unserem geplanten Lagerplatz an. Dieses Ziel zu erreichen war wichtig, denn erst hier gab es die Möglichkeit Wasser zu bekommen. Hier gab es eine Rinne, in der Schmelzwasser in das Tal hinabrauscht. Allerdings mussten wir uns zum Wasser holen etwas beeilen, denn in den Abendstunden wurde es schon frostig. Vom Lager aus hatten wir einen sehr schönen Blick zurück in das grüne Tal zu den warmen Quellen. Da kamen solche Gedanken, wie:" ...ach ja, jetzt ein warmes Bad. Der Schlafsack wartet schon im Zelt, und wird mich auch sehr schön warm halten."
Über Schotterhänge gelangten wir am folgenden Tag auf 4200m, auf unserem geplanten Lagerplatz dem Mali Plateau. Dort fanden wir schon Plätze für unsere Zelte aus aufgestapelten Steinen vor. Die Steine wurden zu Wällen zum Schutz vor dem starken Wind von den Bergsteigern vor uns gebaut. Wir hatten freie Platzwahl! Bei Sonnenschein und nur leichtem Wind ging der Zeltaufbau und das einrichten leicht. Fast Wortlos ging unser Tun in Routine über: Wasser holen, Tee und Essen kochen und am späten Nachmittag ein Erkundungsgang über den Gletscher. Der nächste Tag soll schon der Gipfeltag sein, war unser einhelliger Beschluß. Wir fühlten uns gut.
Unser Gipfeltag - 15.09.2017 - war für Joe der erste Fünftausender. Für Alexej und mich ist so ein hoher Berg trotz Erfahrungen kein Alltag. Wird das Wetter halten, sind wir gut vorbereitet, reicht die Akklimatisierung, werden wir alle gesund wieder zurück kommen?
Wir begannen unseren Gipfelanstieg schon mit den ersten Sonnenstrahlen. Ganz gleichmäßig stiegen wir zuerst angeseilt über den Sattel allmählich immer höher. Dabei gingen wir einen Bogen, bis zum Kasbekgletscher. Das Höhenmesser zeigte bereits 4850m an. Wir waren bereits höher als der Mont Blank! Bei allen von uns drei kam unmerklich ein wohliges Hochgefühl auf: Ja, wir schaffen das. Das wird ein Supertag! Ganz gleichmäßig gingen wir unser Tempo weiter. Von russischer Seite waren wir die einzige Seilschaft. Das machte uns richtig stolz, als wir auf die ausgetretene Spur der Seilschaften die von georgischer Seite kamen, trafen. Die meisten Kasbek Besteiger kommen auf der Normalroute von Georgien aus auf den Sattel zwischen den beiden Gipfeln. Dieser Weg ist mit Stangen markiert. Zum Gipfel war es nun nicht mehr weit. Als wir gemeinsam oben standen, machte sich große Freude breit, Fotos wurden geknippst und die fantastische Aussicht über den Hauptkamm des Kaukasus genossen. Am "anderen Ende", gen Westen sahen wir bereits unser nächstes Bergziel zum greifen nah: den Elbrus.
Unser Abstieg vom Gipfel war garnicht so leicht. Denn einige der sehr steilen Kehren waren total vereist! Wir hatten gutes Material: mit Steigeisen und Eispickel meisterten wir diese Pasagen. Allerdings waren die meisten "Gipfelstürmer" die von der georgischen Seite kamen nicht so gut ausgerüstet oder geübte Bergsteiger. Das machte uns Sorgen, und wir berieten und halfen Einigen wieder zurück auf den Sattel.
Der Abstieg bis zu unseren Zelten auf 4200m zog sich elendig. Nach einer kurzen Verschnaufpause packten wir unsere Zelte und Sachen ein, und begannen den Abstieg bis auf 3500m. Ich glaube, das war für uns alle drei, das schwerste Etappenziel des Tages. Schweigend gingen wir, schweigend bauten wir die Zelte wieder auf. Wir waren ganz schön kaputt. Jedoch am nächsten Morgen war alle Anstrengung des vorangegangen Tages vergessen. Unsere Gesichten wirkten merklich entspannt, das gemeinsame Frühstück schmeckte. Logisch, unser Tagesziel, das Bad in der schönen warmen Quelle, ging bei jedem von uns im Kopf herum. Am Nachmittag erreichten wir unser Ziel: oh wie herrlich! Das tat gut! Aus den schweren Bergstiefeln und die Klamotten abstreifen und ab ins warme Bad. Ein Gewitterguss spülte den Staub vom Zeltdach. Eine wunderbare Zufriedenheit machte sich breit. Glücklich und entspannt tranken wir Kaffee und aßen ein paar Süßigkeiten. Wir haben die Zeit und den Wochentag während unserer Tour vergessen. Mittlerweile war es Wochenende geworden, und einige Einheimische trafen sich an den Quellen um sich in der Natur zu erholen, zu baden und um zu feiern... Auch ein paar einheimische Jäger hatten ihre Zelte aufgebaut. Noch am selben Abend waren Kontakte geknüpft.... Am Sonntag war nur Erholung angesagt: baden, essen, schlafen, Sternenhimmel gucken, Bergpanorama genießen, Sonne tanken, saubere Luft einatmen.....und feiern. Wir bekamen die kaukasische Gastfreundschaft zu spüren: die Jagdgesellschaft lud uns zum essen und trinken ein! Das war wahrlich ein Fest für den Gaumen und die Sinne!
Zwischen der Kasbek und der Elbrus Besteigung nutzen wir die Zeit um unsere Ausrüstung zu sortieren und in Ordnung zu bringen. Auf der Südseite des Elbrus, in Terskol angekommen, erstellten wir für die nächsten Tage einen strengen Zeitplan. Laut Wetterbericht sollte die Schönwetterphase bald zu Ende sein. Klar war für uns, wir fahren mit der Bahn bis zu unserer Botschkihütte, und gehen von dort aus zu Fuß auf den Gipfel des Elbrus auf 5642m. Und so führten wir unseren Plan aus: Auffahrt mit der Bahn und Sessellift auf die Höhe auf ca. 3700m, kurze Nacht, und am frühen Morgen Aufstieg auf den Gipfel. Wir waren sehr gut akklimatisiert, das Wetter passte, der Elbrus zeigte sich für uns von seiner besten Seite. Am 21.09.standen wir drei überglücklich auf dem höchsten Berg Europas, auf dem Gipfel des Elbrus im 5642m! Am Ende unserer gemeinsamen Tour, nach unserer Ankunft in Pjatigorsk, wurde ausgiebig gefeiert - nach kaukasischer Art, mit Schachlik und Wodka.




Elbrus Gipfel 21.09.2017


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