Mit dem Wohnmobil auf die Insel Cres

Reisebericht

Mit dem Wohnmobil auf die Insel Cres

Reisebericht: Mit dem Wohnmobil auf die Insel Cres

Uns zieht es - mal wieder - nach Cres. Es gibt noch so viel dort zu sehen; bei diesem Besuch ist das Fahrrad mit dabei, die Städtchen Cres, Valun und Osor werden erkundet.

Seite 1 von 2

Montag

Es ist 11 Uhr, als wir die Grenze von Deutschland zu Österreich überqueren, gut ausgeschlafen und voller Vorfreude auf Kroatien.
Wir kommen mäßig gut voran. Nachdem wir in Deutschland schon die Vignette für Österreichs Autobahnen gekauft haben, folgt die Maut für den Tauerntunnel, der Kauf einer Vignette für Slowenien für sage und schreibe 30 € für einen Monat, die Maut für den Karawankentunnel… All die Stopps kosten Zeit – und Geld natürlich auch.

Die Fahrt durch Slowenien auf der Autobahn bis Postoijna verläuft zwar reibungslos, aber als wir uns auf der Landstraße Nr. 6 der kroatischen Grenze Richtung Rijeka nähern, sind wir uns einig: im Hellen werden wir es heute bis Cres nicht mehr schaffen!
Somit entscheiden wir uns für einen Zwischenstopp in Medveja, ca. 10 km südlich von Opatija, für eine Übernachtung auf dem örtlichen Campingplatz. Der liegt in einem waldigen kleinen Tal, zieht sich schmal vom Meer ins Landesinnere, ist nicht sehr schön gestaltet und auch die Sanitäranlagen sind vernachlässigt, aber der Platz ist ruhig und am Abend unserer Ankunft nicht stark frequentiert. Wir haben die freie Platzauswahl. Der Boden ist überall gleichermaßen etwas schlammig, Mücken flirren durch die Gegend, der letzte Regen muss erst vor kurzem gefallen sein.

Hungrig suchen wir das an den Campingplatz grenzende Restaurant auf, bestellen je eine Pizza, die sich als ausgesprochen schmackhaft erweist und verbringen den Rest des Abends im Womo mit der Jagd nach Mücken. Der Aufenthalt im Sanitärgebäude der Damen fällt extrem kurz für mich aus – es gibt zwar Lichtschalter, aber das Licht bleibt im gesamten Toilettentrakt dunkel. Warmes Wasser gibt es zur nachtschlafenden Zeit ebenfalls nicht – nur gut, dass ein Wohnmobilist nicht auf externen Luxus wie Klo, Licht und Warmwasser angewiesen ist…

Dienstag

Die Sonne scheint vom wolkenlosen Himmel, als wir uns nach fast 11 Stunden erholsamen Schlafes aus den Betten schälen, frühstücken, 93 Kuna für die Übernachtung zahlen und uns auf den Weg nach Cres machen. Bei erlaubten Tempo 40 km/h schlängeln wir uns die kurvenreiche Küstenstraße entlang und biegen nach gut 20 km Fahrt in die Straße zum Fährhafen von Brestova ein. Bei 8-11 % Gefälle geht es auf der extrem kurvenreichen Straße zum Hafen hinab, wo wir mit geradezu glühenden und stinkenden Bremsen vor dem Ticketschalter zum Stehen kommen. Für 281 Kuna buchen wir die Überfahrt nach Porozina auf Cres.



Am Hafen von Brestova



Während wir eine dreiviertel Stunde bei zunehmender Bewölkung auf die Ankunft der Fähre warten, beobachten wir einen Hütchenspieler mit seinen beiden Gehilfen bei der „Arbeit.“. Nach einiger Zeit nähert sich uns das Trio, gibt aber schnell auf und zieht weiter, als es unser Desinteresse bemerkt. Hier ist kein Geschäft zu machen. So wie wir einen Blick für Abzocker haben, habe die Drei auch schnell erkannt: mit den Touristen ist nichts zu verdienen.

Um 11 Uhr legt die Fähre dann an, Auto um Auto entschwindet dem Bauch des Wasserfahrzeugs und nimmt neue Ladung auf. Pünktlich um 11.15 Uhr legt die Adrolinja Bol ab. Die Überfahrt bei etwas kabbeliger See und dunklen, jagenden Wolken dauert exakt 45 Minuten.

Die Straße von Porozina nach Cres ist größtenteils kurvenreich, eng, die Bankette ist ausgefranst, die sporadisch vorhandenen Leitplanken sind verrostet und weisen zahlreiche Beulen auf. Sie wurden wohl von so manchem Autofahrer touchiert… Die Gegend ist karstig, das graue Gestein bildet einen schönen Kontrast zu den grünen Büschen und Bäumen. Überhaupt fällt uns auf, dass Büsche und Bäume in diesem Jahr ausgesprochen grün sind. In früheren Jahren war schon im August alles bräunlich und zahlreiche verbrannte Stellen zeugten von großer Trockenheit und Flächenbränden.

Warnschilder weisen auf der Landstraße 100 auf Kühe und Schafe hin, und tatsächlich treffen wir an einer Stelle auf drei Schafe. Wir halten an, ich steige aus und sehe mich Auge in Auge mit den zutraulichen Tieren. Der Wind fegt an der Stelle von Nord-Westen über den Gebirgskamm, zottelt im Fell der Tiere. Die Bora hat es in sich, der Wind ist erstaunlich kalt und ich sehe zu, dass ich wieder ins Womo komme.

Als wir mittags in Cres auf dem Campinglatz Kovačine ankommen, fängt es doch tatsächlich an zu nieseln. Kaum haben wir eingecheckt und uns häuslich eingerichtet, wird aus dem seichten Nieselregen richtiger Regen. Wir sprinten zu dem kleinen Backwarenstand, kaufen etwas Kuchen und laufen ebenso schnell zum Womo zurück. Nach kuchenlastiger Mittagsmahlzeit ist Siesta angesagt. Die erhoffte Ruhe bleibt allerdings aus, der Regen trommelt aufs dach, ein Zweig eines Olivenbaumes schlägt in stetem Rhythmus gegen die Scheibe… So wird das nichts. V. parkt den Wagen noch einmal um und am späten Nachmittag lässt dann auch endlich der Regen nach.

Wir spazieren auf der an den Campingplatz grenzenden Promenade entlang in Richtung Cres-Stadt, genießen die Aussicht aufs Meer und überlegen, wo wir am Abend welches Gericht zu uns nehmen werden.

Die Entscheidung fällt – das Restaurant Kovačine am Campingplatz soll es sein.
Wir nehmen auf dem Balkon mit Blick aufs Meer Platz, die letzten wärmenden Sonnenstrahlen des Tages im Rücken bzw. im Gesicht. Das Essen (gefülltes Schnitzel mit Pommes und Gemüse zu 70 Kuna) schmeckt gut, das Bier ist kühl, die Bedienung aufmerksam und sehr freundlich.

Beim Verlassen des Restaurants fällt uns eine sehr lange Menschenschlange ins Auge, bestimmt an die 30 Leute, die alle anstehen für eine Grillmahlzeit… Dienstags und donnerstags ist Grilltag, erfahren wir, da wird gegrillter Fisch, Ćevapčići und Pommes an der Promenade auf die Hand verkauft. Ob es der günstige Preis oder die Qualität der Ware ist…, der Andrang ist jedenfalls gewaltig und die Menschen warten geduldig bis sie an der Reihe sind.

Wir setzen uns noch ein Weilchen am Wasser hin, die untergehende Sonne im Blick, aber der kühle Wind treibt uns vorschnell ins Wohnmobil. Der Herbst ist eben doch im Anmarsch…

Mittwoch

Wolken, dunkle Wolken, dazu eine steife Brise, die am Wohnmobil rüttelt - die morgendliche Kulisse erinnert eher an einen Herbsturlaub an der Nordsee als an (Spät-)Sommerurlaub am Mittelmeer. Aber immerhin zeigt das Thermometer 24 Grad schon früh um 9 Uhr, ganz so herbstlich kann es also doch nicht sein…
Wir lassen es langsam angehen und satteln erst kurz nach 10.30 Uhr unsere Räder, um an der Promenade entlang in Richtung Cres-Stadt zu fahren.
Am Hafen herrscht reges Treiben, Boot reiht sich an Boot, Gastronomiebetrieb an Gastronomiebetrieb… Pizzeria, Gelateria, Spaghetteria, Café, Konoba… und auch ein paar Marktfrauen, die heimisches Gemüse an kleinen Ständen anbieten.



Vorne Sonne - hinten zieht Gewitter auf



Das Seetor am Hafen von Cres...

Informationen zum Bild anzeigen Bildinformationen anzeigen

Als wir den Hafen Mandrać umrundet haben, nähern wir uns dem alten Seetor. Geht man hindurch, findet man sich auf der anderen Seite direkt vor dem Dom Marija Snježna mit Campanile wieder.



Sveta Marija Snježna...



Bei unserer weiteren Tour durch den Ort kommen wir am Nordtor und am Südtor vorbei, es macht Spaß durch die engen Gassen zu fahren und zu fotografieren.



Gradska Vrata...

Informationen zum Bild anzeigen Bildinformationen anzeigen

Das Gradska Vrata oder auch "Marcella-Tor" heißt dieses Landtor aus dem Jahr 1588, das sich im Norden der Stadt befindet. Ins Auge fällt mir in dieser alten, kleinen Stadt immer wieder das Grau-in-Grau der Gebäude



Mala vrata...

Informationen zum Bild anzeigen Bildinformationen anzeigen

Mala Vrata oder "Porta Bragadina" (erbaut 1581) heißt dieses im Süden gelegene Tor der Stadt Cres. Erkennbar ist der Markuslöwe und das Wappen des Dogen, nach dem es benannt wurde. Auch hier: Grau in allen Schattierungen.



Nachdem wir kreuz und quer durch den mittelalterlichen Ort geradelt sind, erreichen wir die Mole, an der einige Fischerboote vertäut sind.



Am Hafen von Cres...



Wenn ich das richtig sehe, ist dieses Boot mit Schleppplatten ausgerüstet, die für die wenig nachhaltige Fischerei mit Grundschleppnetzen von Nöten sind.



Wir umrunden den Hafen samt Marina mit seinen zum Teil sehr luxuriösen Yachten und biegen am Ende des Hafens hinter der Werft rechts ab. Ein betonierter Rad- und Fußweg führt an einem Olivenanbaugebiet entlang, immer parallel zur Küste. Hin und wieder gibt es winzige Buchten mit Strandsand, die von vereinzelten Badegästen frequentiert sind. Die wenigen Menschen hüllen sich allerdings eher in Jacken und Badelaken ein als dass sie Sonne und Wasser genießen – die böige Bora ist einfach zu kalt.

Der Weg endet abrupt im Nichts, wir drehen um und radeln gegen den weiter heftig auffrischenden Wind gegenan, den gekommenen Weg zurück.
In Cres-Stadt erneut angekommen, suchen wir eins der zahlreichen Cafés auf, genießen den Blick auf den Hafen und das flanierende Volk und lassen uns Kuchen und Kaffee gut schmecken, wenngleich der Kuchen auch nicht hundertprozentig unseren Geschmack trifft. Die Idylle findet ein jähes Ende, als eine Bö diverse am Marktplatz geparkte Fahrräder – auch unsere – zu Fall bringt, Servietten vom Tische wehen und am Nachbartisch eine leere Flasche mit lautem Knall zu Bruch geht. Bora eben.



Die Altstadt von Cres...



Der Wehrturm...

Informationen zum Bild anzeigen Bildinformationen anzeigen

Auf dem Rückweg kommen wir am Wehrturm vorbei, der auch noch aufs Bild gebannt werden muss



Als es Abend wird, spazieren wir erneut an der Promenade entlang und kehren in einer Pizzeria ein. Fast alle Tische stehen im Freien, der Wind pfeift um die (nicht vorhandenen) Ecken und ich befürchte, nur die Hälfte der Pizza als warme Pizza verspeisen zu können.
Die Bedienung ist unhöflich, das Glas ist nicht sauber, die karierte Tischdecke erst recht nicht… meine Stimmung ist am Sinken. Aufstehen und gehen? Ach was, da muss man durch!

Die bestellte Pizza erweist sich dann allerdings doch als recht schmackhaft und auch der Wind hat ein Einsehen und hält sich zunehmend etwas zurück. Wir überlegen, ob wir mit der kleinen Bimmelbahn, die vom Campingplatz turnusmäßig zur Innenstadt fährt oder mit dem Taxiboot, dass an der Promenade ablegt, noch eine kurze Stippvisite in den Ort machen sollten, aber die Trägheit und der Wunsch nach Gemütlichkeit siegen und wir gehen zurück zum Womo.

Donnerstag

Es ist sage und schreibe 9 Uhr, als wir uns endlich aus dem Bett erheben. Uns tut der Rücken vom langen Liegen weh – das ist die Strafe für zu viel Faulheit. Bis wir zu unserem Ausflug in den Süden der Insel aufbrechen, vergehen noch zwei Stunden. Immer mit der Ruhe, wir haben ja Urlaub und sind glücklicherweise nicht auf der Flucht. Als wir die Stadt Cres verlassen, werfe ich einen Blick zurück - herrlich!



Cres ...


Teilen auf

Mein Interessenprofil

Bitte melden Sie sich an, um Reiseziele zu Ihrem Interessenprofil hinzuzufügen.

Kommentare

  • Blula

    Liebe Gila!
    Berichte aus Deiner Feder lese ich immer ganz besonders gern, denn genauso müssen Reiseberichte aussehen, authentisch und mit allen positiven und in diesem Fall auch negativen Erfahrungen, von denen es ja diesmal leider auch welche gab, angereichert. Hier bekommen nicht nur WOMO-Reisende Informationen aus erster Hand. Du hast nichts beschönigt, langweilst nicht mit irgendwelchen Fakten, die man auch anderswo nachlesen könnte. Alles in allem ist das hier ein richtig lebendiger Erlebnisbericht. Man meint beim Lesen beinah dabei zu sein. Toll !!
    Ich bin nun schon gespannt auf die Weiterreise... bei hoffentlich durchweg gutem Wetter und wenig Wind ;-)
    LG Ursula

  • cablee

    Danke für dein Lob, Ursula. Ja, so ein Reisebericht ist immer eine Gratwanderung. Infos zur Gegend und zur Architektur müssen sein, aber ich finde, sie gehören nur in Maßen in einen Reisebericht, andernfalls wäre es ja ein Reiseführer. Bei einem Bericht sollten die persönlichen Erfahrungen und Erlebnisse meiner Meinung nach im Vordergrund stehen.

    Mit der Veröffentlichung des Istrien-Berichts wird es allerdings noch ein paar Wochen dauern.

    LG
    Gila

  • bezi

    Für Wohnmobilurlauber läuft sicher nicht immer alles wunschgemäß, aber auch solche Dinge gehören zu den Reiseerlebnissen. Wenn man aber diesen guten Erfahrungsbericht gelesen hat weiß man, warum es euch immer wieder auf diese schöne Insel zieht. LG Claudia

  • widix

    Liebe Gila,
    ich war noch nie auf Cres und bin nun nach Deinem Reisebericht neugierig darauf geworden. Danke für den tollen Reisebericht und die schönen Fotos dazu.
    LG Sabine

  • cablee

    Liebe Sabine,

    wir sind mittlerweile etliche Inseln abgeklappert, viele allerdings vor meinem GEO-Einstieg. Ich kann die Inselwelt Kroatiens nur empfehlen, interessant und malerisch ist es an vielen Stellen.

    LG
    Gila

  • annkarabbit

    schöner Reisebericht. Diese Ecke kennen wir noch nicht. Dafür kenne ich das Gefühl irgendwo stecken zu bleiben, es geht nicht mehr vorwärts und rückwärts, oder es gibt keinen Parkplatz - da muss man eben verzichten oder den Bus nehmen, falls es einen gibt.
    Viel Spass noch bei weiteren Entdeckungen
    Gruss Karin

  • cablee

    Danke, Karin! Hauptsache wir bleiben gesund, dann sollte weiteren Entdeckungen nichts im Wege stehen :-)

    LG
    Gila

  • nach oben nach oben scrollen
Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar abzugeben. Mit dem Wohnmobil auf die Insel Cres 5.00 8

Beliebte Community-Inhalte: AustralienNorwegenThailandVietnamItalienBarcelonaIndien ReiseführerIndien Tipps