Wo die Uhren anders ticken: Zu Gast in Bhutan

Reisebericht

Wo die Uhren anders ticken: Zu Gast in Bhutan

Reisebericht: Wo die Uhren anders ticken: Zu Gast in Bhutan

In Delhi sagte mir ein Freund: Setz dich auf die linke Seite des Flugzeugs! Ein paar Stunden später wusste ich, was er meinte. Links von mir flogen die schneebedeckten Gipfel des Himalaya vorbei. Ich fühlte mich wie im Film, so sehr nahmen mich die Bergriesen gefangen. Und nach meiner Landung in Bhutan sollte es so weiter gehen …

Ankunft in Paro

Es gibt nicht viele Reiseführer über Bhutan. Das liegt wahrscheinlich daran, weil so wenige Menschen ins Land des Donnerdrachens fliegen. Und das ist von der bhutanesischen Regierung so gewollt: Die globalisierte Welt soll nur langsam näher rücken, in einem Tempo, das Bhutan selbst bestimmt. Mindestens 250 Dollar muss jeder Besucher pro Tag ausgeben, der das Land kennen lernen möchte. Aber während meiner Reise stelle ich immer wieder fest: Bhutan ist jeden Cent wert!

In Paro beeindruckt mich vor allem der Blick auf den Gipfel des Jomolhari. Er ist den Einheimischen heilig, denn hier wohnen die fünf Schutzgottheiten Bhutans. Guru Rinpoche selbst, der den Buddhismus nach Bhutan brachte, rang ihnen den Eid ab, das Land zu bewachen.

Hinter dem verschneiten Berggipfel beginnt ein Trek, der allerdings sehr schwierig ist. Deshalb reiste ich, nachdem ich mir Paro angesehen hatte, gleich weiter in die Hauptstadt Bhutans.



Blick auf den Jomolhari



Unterwegs in Thimphu: Platz für den König!

In Thimphu befindet sich die größte sitzende Buddhastatue Asiens. Sie ist mit Gold überzogen und über 50 Meter groß, aber trotzdem sehr filigran gearbeitet. Innen stieß ich auf noch mehr Buddhastatuen, die allerdings viel kleiner waren: Über 100.000 sollen es sein. Aber ich habe sie nicht gezählt, sondern vor allem den Ausblick genossen. Denn hinter der großen Buddha-Dordemna-Statue tut sich ein weites Tal auf. Es scheint, dass auch der Buddha selbst über Bhutan wacht. Vielleicht ist das Land deshalb nach wie vor eine heile Welt.

Besonders in Erinnerung geblieben ist mir die Liebe der Bhutanesen zu ihrem König. Wenn auf einer der wenigen Hauptstraßen auf einmal alle Platz machen und ein Auto mit verhängten Scheiben vorbei fährt, weiß man, dass die Königsfamilie gerade unterwegs ist. Woher dieser große Respekt kommt, ist schwer zu sagen. Vielleicht verehren die Bhutanesen ihren König so sehr, weil ihm ihr Wohlbefinden wichtiger ist als Geld.

Alle anderen Länder setzen finanzielle Interessen an die erste Stelle, nur Bhutan, eines der ärmsten Länder der Welt, geht einen anderen Weg. Und die Menschen schätzen das. Denn ihnen selbst ist ihre Kultur wichtiger als Geld, was man bei Bhutans heißgeliebten Festivals gut sehen kann.



Buddha-Dordemna-Statue



Bhutanesische Festivalkultur

Rund 40 Festivals gibt es pro Jahr, eines davon findet in Thimphu statt. Das Thimphu-Festival gehört zu den größten Festen des Landes – und ich rate jedem, der im Oktober in Bhutan ist, dabei zu sein. Denn hier spürt man, wie sehr die Bhutanesen in ihrer Kultur verankert sind. Zwar sind sie keine Plaudertaschen und schwätzen nicht, nur um die Stille zu brechen, aber sie haben einen tollen, fast kindlichen Humor, und freuen sich so an ihren religiösen Festen.

Übrigens sind sie auch offen gegenüber Fremden: In Bhutan zog man den Hut, wenn ich vorbei ging, und das nicht nur, weil ich eine Weiße war und aus einem fernen Land kam. Man respektiert sich einfach in Bhutan. Und freut sich, wenn andere Interesse an eigenen Leben zeigen.

Als ich einen Bhutanesen in ein Gespräch verwickelte, folgte prompt eine Einladung zum Buttertee. Zwar mag ich lieber Cappuccino, aber einen Buttertee sollte man in Bhutan niemals ablehnen, das wäre respektlos. Schließlich es ist den Bhutanesen sehr wichtig, Besucher gut zu bewirten und damit ihre Gastfreundschaft zu zeigen.



Punakha: Fruchtbarkeitskult & Buddhismus

Im Anschluss fuhr ich weiter nach Punakha, einer schönen Gegend zum Wandern. Die Täler sind sehr eng, aber abwechslungsreich. Man denkt immer wieder, es käme nichts mehr, aber dann taucht plötzlich ein Hochplateau mit einer kleinen Siedlung auf.

Die Hauptattraktion Punakhas ist der Dzong, eine sehr gut erhaltene Klosterburg. Etwas irritierend sind die Phallus-Symbole an den Häusern. Sie bringen Glück, ließ ich mir sagen, und beschützen Heim und Herd.

In einem Dorf in der Nähe hat mich eine Familie zu sich nach Hause eingeladen. Noch nie habe ich so steile Treppen gesehen wie in Wangdue Phodrang! Ich wurde sehr gastfreundlich empfangen und durfte sogar an einer Zeremonie teilnehmen, die buddhistische Mönche leiteten. Sie beteten den ganzen Tag, um das Haus zu segnen. Wow!

Die schönste Gegend Bhutans, so finde ich, ist allerdings Bumthang.



Fruchtbarkeitskult in Bhutan



Zu Pferd in Bumthang

In Bumthang gibt es mehr Klöster als im restlichen Land – und das will etwas heißen, ist Bhutan doch voller Klosterburgen. Aber Bumthang ist die Wiege des bhutanesischen Buddhismus, denn hier meditierte Guru Rinpoche, der von den Einheimischen nach wie vor sehr verehrt wird.

Ich war mit einer Gruppe Einheimischer zu Pferd unterwegs. Ein tolles Erlebnis! Denn man bekommt eine andere Perspektive, passt sich den Gegebenheiten an und ist langsamer unterwegs. Das Pferd scheint hier ein probates Fortbewegungsmittel zu sein, gibt es in Bhutan doch immer noch viele Häuser, die nicht an das Straßennetz angebunden sind.

Allerdings sieht man auch hier den Wandel, der ganz langsam in Bhutan Einzug hält. Weil sich die Menschen eine bessere Verkehrsanbindung wünschen, wie die offizielle jährliche Glücksbefragung ergab, baut die Regierung nun Straßen. Besonders diejenigen, die im Ausland studiert haben und mit westlich geprägtem Blick in ihr Heimatland zurückkommen, stellen höhere Ansprüche. Sie wollen Pizza und Hamburger, aber sehen zum Glück auch, wie wertvoll Bhutans Traditionen und Eigenheiten sind. Bis 2018 beispielsweise soll die Landwirtschaft komplett auf biologische Erzeugung umgestellt sein. Das wäre in Europa undenkbar!



Bumthang


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