Ausflug zur Insel Vilm

Reisebericht

Ausflug zur Insel Vilm

Reisebericht: Ausflug zur Insel Vilm

Die Insel Vilm befindet sich in der Ostsee im Südosten der Insel Rügen und ist landschaftlich eine der schönsten deutschen Inseln. Schon seit 1936 steht die Insel unter Naturschutz. Sie ist heutzutage nur im Rahmen einer öffentlichen Führung mit maximal 30 Personen pro Führung zugänglich.

Rund zweieinhalb Stunden dauert unsere Anreise aus dem Westen Mecklenburgs über eine ab Rostock nahezu leere Autobahn A20.
Hinter der Rügenbrücke biegen wir von der großen Bundesstraße B96 ab und fahren entlang einer herrlichen alten Allee bis Putbus. Teilweise bilden die Laubbäume am Straßenrand einen dichten Tunnel.

Die Fahrt mit der MS Julchen zur Insel Vilm soll um 13.30 Uhr vom Hafen Lauterbach (ein Stadtteil von Putbus) starten. Da wir bis zur Abfahrt noch mehr als 2 Stunden Zeit haben, gönnen wir uns noch einen Ausflug mit dem „Rasenden Roland“ nach Putbus.
Der „Rasende Roland“ ist eine Schmalspurbahn mit 750 mm Spurbreite und wird auch heute noch ganzjährig überwiegend mit Dampflokomotiven betrieben.
Die Strecke verläuft von Lauterbach über Putbus zum Ostseebad Göhren.
Diese Schmalspurbahn ist der letzte Rest von fast 100 km Rügenscher Kleinbahnen. Trotz hoher Auslastung im Sommer wollte die Deutsche Reichsbahn auch diese letzte verbliebene Schmalspurbahn auf der Insel Rügen stilllegen. Die Ölkrise der 1970er Jahre brachte die Wende und sicherte der Bahn bis zum Ende der DDR ihre Existenz. Nach der Wende hatte die neu gegründete Deutsche Bahn kein Interesse an der Schmalspurbahn. Sie wurde privatisiert und gehört heute, ebenso wie die Normalspurstrecke Bergen – Lauterbach zur Eisenbahn- Bau- und Betriebsgesellschaft Pressnitztalbahn mbh.
1999 wurde die Strecke des „Rasenden Rolands“ sogar verlängert. Vom Bahnhof Putbus bis zum Haltepunkt Lauterbach Mole verkehren die Normalspurzüge von Bergen und die Schmalspurzüge des „Rasenden Roland“ auf einem Dreischienengleis.
Da der Haltepunkt Lauterbach Mole nur über eine Gleis verfügt und deshalb die Dampflok hier nicht umsetzen kann, fährt der Zug mit einer Dampflok an der Spitze und einer Diesellok am Ende in den Haltepunkt ein.
Unser Zug hat sogar einen offenen Aussichtswagen, und es gibt Speisen und Getränke im Zug.
Die Fahrt bis Putbus dauert nur 7 Minuten.
In Putbus ist Zeit für eine Besichtigung des Schlossparks und zum Mittagessen.
Das Städtchen Putbus wird durch das Schloss und seinen Schlosspark geprägt. Die meisten Häuser im Zentrum sind weiß. In der Mitte der Stadt steht auf einem großen runden Platz ein Obelisk.

Eine Viertelstunde vor Abfahrt der MS Julchen sind wir wieder am Hafen von Lauterbach.
Im Sommer gibt es 2 Führungen pro Tag auf die Insel Vilm, einmal früh um 9.00 Uhr und einmal Nachmittags um 13.30 Uhr. Da die Führungen fast immer ausgebucht sind, lohnt es sich, möglichst früh zu buchen.
Unser Reiseführer stammt aus Leipzig und arbeitet beim Bundesamt für Naturschutz.

Die Insel Vilm wurde nach Ende des 2. Weltkrieges zunehmend von Touristen überschwemmt. Bis zu 1000 Leute pro Tag zertrampelten die Insel und hinterließen ihren Müll.
1959 setzte die damalige DDR-Regierung dem ein Ende. Die Insel wurde für die Öffentlichkeit gesperrt, und es wurde eine Feriensiedlung für hohe Staatsfunktionäre geschaffen.
Auch Erich Honecker war mit seiner Frau mehrmals auf der Insel.
Mit einem Heer von Polizisten wurde die gesamte Insel weiträumig abgeriegelt, damit niemand heimlich mit einem Boot dort anlegen konnte.
Die Sperrung der Insel für die Öffentlichkeit hatte einen großen Vorteil: Auf der Insel konnte sich eine einzigartige Wildnis erhalten. Die Staatsfunktionäre der DDR interessierten sich wenig für die Natur der Insel, sondern blieben weitgehend im Bereich der Feriensiedlung.

Nach der Wende wurde 1990 die Internationale Naturschutzakademie auf Vilm eröffnet. Die Feriensiedlung dient heute dem Bundesamt für Naturschutz als Forschungs- und Tagungsstätte. Sie war und ist autofrei.

Unsere Überfahrt dauert ungefähr eine Viertelstunde. Von der Anlegestelle führt ein Plattenweg zunächst zur ehemaligen Feriensiedlung und heutigen Naturschutzakademie.
Auf dem Gelände der Feriensiedlung steht eine große Photovoltaikanlage, die einen großen Teil des Strombedarfs der Insel deckt. Der restliche Strombedarf wird über ein Unterwasserkabel von Rügen abgedeckt.
In der Mitte der Siedlung steht ein größeres Tagungshaus. Es wurde zu DDR-Zeiten „Gesellschaftshaus“ genannt. Hier fanden regelmäßig die Besäufnisse der Funktionäre statt. Die Wohnhäuser, in welchen Honecker und Genossen gewohnt hatten, sind für heutige Verhältnisse eher bescheiden.
Heute weiden Schafe zwischen den Ferienhäusern.

Auf dem Gelände der Siedlung gibt es Obstbäume, die heute nicht mehr genutzt werden.

Hinter der Siedlung beginnt ein Pfad, der um den Norden der Insel führt, meistens in Sichtweite der Küste. Im Gänsemarsch begibt sich unsere 30-köpfige Gruppe auf den fast zweieinhalbstündigen Rundweg.
Der Norden der Insel Vilm ist mit Laubwald bedeckt, überwiegend Buchen, mit vereinzelten Ahörnern und bizarr geformten uralten Eichen.
Berge gibt es keine auf der Insel. Die höchste Erhebung ist 37,8 m über dem Meeresspiegel.

Der südliche Teil des Vilm ist über eine schmale Landzunge mit dem Rest der Insel verbunden. Hier gibt es keine Wege. Dieser Teil der Insel gehört vollständig der Natur.

Von den größeren Tieren gibt es auf Vilm Wildschweine, Rehe, Füchse, Stein- und Baumarder. Die Wildschweine besuchen die Insel nur, wenn sie auf Rügen zu wenig Futter finden. Dann schwimmen sie an der schmalsten Stelle zur Insel Vilm, um sich hier sattzufressen.
Von den großen Vögeln gibt es auf dem Vilm Graureiher, Kormorane, Käuze und Seeadler.
Zwei Arten einheimische Schlangen leben hier: die Ringelnatter und die Schlingnatter, beide ungiftig.
Sogar der Maulwurf hat es auf die Insel Vilm geschafft – als blinder Passagier bei Erdtransporten mit dem Schiff.

Zunächst führt der Rundwanderweg über die Steilküste.
Vom Rundwanderweg können wir in der Ferne Greifswald und die Insel Usedom erkennen.
Vom nördlichsten Punkt des Vilm sehen wir die noch kleinere Insel Ruden.

Bis 2015 lebten auf dieser – ebenfalls landschaftlich sehr schönen – Insel 2 Bewohner, die die Insel aber aus gesundheitlichen Gründen verlassen haben. Seitdem wird die Insel Ruden vom Verein Jordsand betreut. Die Anlegestelle von Ruden ist seit 2016 aus sicherheitstechnischen Gründen gesperrt.

Von der Westküste der Insel Vilm sehen wir die ehemalige Entmagnetisierungsstation der Marine der Nationalen Volksarmee. Hier wurden Kriegsschiffe und -boote entmagnetisiert, um die Bedrohung der Schiffe und Boote durch feindliche Minen zu verringern bzw. zu verhindern. Die auf Pfählen mitten im Meer gebauten Gebäude stehen zur Zeit leer. Ein Berliner Künstlerpaar hatte dieses Grundstück zwar erworben. Sie dürfen es aber aus rechtlichen Gründen nicht nutzen, weil das Grundstück zu keiner Gemeinde gehört, sondern dem Seerecht unterliegt.

Auf der Westseite wird die Küste flach. Hier gibt es viel Schilf. Die Küste Rügens ist von hier aus gut zu erkennen. Ein Seeadlerpaar fliegt vor uns auf und verschwindet dann über dem Bodden.
An der Flachküste wachsen viele Hagebutten, Schlehen, Wildbirne und Holzapfel.
Der Bodden ist auf dieser Seite des Vilm recht flach. Dies ist auch die Stelle, wo die Wildschweine das Wasser durchschwimmen, um zur Insel Vilm zu gelangen. Sie müssen allerdings nur ein recht kurzes Stück schwimmen. Den meisten Teil der Strecke können sie laufen, da das Wasser hier nicht sehr tief ist.

Viel zu schnell ist unsere Rundwanderung dann auch schon wieder zu Ende, und wir fahren mit der MS Julchen zurück nach Lauterbach.

Weitere Informationen gibt es unter: www.vilmexkursion.de



Der "Rasende Roland" bei der...


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Kommentare

  • Blula

    Ein ganz feiner und interessanter Bericht über eine Insel, deren Namen ich bisher noch nicht einmal kannte. Das ist ja sowas wie ein kleines Paradies.
    LG Ursula

  • RELDATS

    Die Insel Vilm ist mir auch nicht bekannt.
    Nachdem ich Deinen schönen Bericht gelesen habe, muß ich feststellen, dass ich bei meinem Besuch auf Rügen etwas verpasst habe, als ich nicht nach Vilm gefahren bin.
    Nette Grüße von Josef

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