...und morgens lacht der Kookaburra - mit dem Wohnmobil von Cairns nach Sydney

Reisebericht

...und morgens lacht der Kookaburra - mit dem Wohnmobil von Cairns nach Sydney

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Kuscheln mit Kängurus

Bei trübem und regnerischen Wetter shoppen wir am nächsten Tag in Brisbane - dringender Wunsch der zwei Mädels. Tags darauf fahren wir wieder 400 km zurück Richtung Norden. Ziel ist Hervey Bay, der Ausgangspunkt zu Fraser Island, wohl die berühmteste Insel in dieser Gegend.

Zuvor legen wir noch einen Stopp im Fraser Coast Wildlife Sanctuary ein. Solche Pflegeheime für Wildtiere gibt es sehr häufig an der Ostküste Australiens. Wir finden das etwas skurril: Auf der einen Seite werden Kängurus, die in Millionenstärke durch Australien hüpfen und zum Teil eine Plage sind, abgeschossen und oft verspeist. Angefahrene, verletzte oder verwaiste Kängurus, aber natürlich auch Koalas und andere Tiere werden in diesen Sanctuaries gepflegt und wieder aufgepäppelt. Natürlich finden wir diese Einrichtungen trotzdem sinnvoll und unterstützenswert.

Kaum sind wir im Gehege, werden wir mit großen Kulleraugen und einem dahinschmelzenden Augenaufschlag begrüßt.



Wallaby im Fraser Coast Wildlife Sanctuary, Aus...



Da die beiden Mädels Futter gekauft haben, hoppeln die Insassen in Windeseile herbei. In diesem Pflegeheim gibt es zwei große Gehege: In einem hüpfen meist Wallabies und Kängurus umher, die vom Menschen aufgezogen wurden und in der freien Wildbahn nicht mehr überleben könnten. Diese sind sehr zutraulich und lassen sich streicheln und füttern - und so ein Wallabyfell ist wirklich extrem weich und kuschelig!



Wallabies lassen sich hier füttern, Australien



Nebenan im großen Gehege treffen wir auf Tiere, die nur auf Zeit im Fraser Coast Wildlife Sanctuary leben. Wenn sie wieder gesund sind, werden sie in die Wildnis entlassen und sind deshalb auch nicht so zutraulich. Wir begegnen einer riesigen Schar Kängurus, oft mit einem Kleinen im Beutel, die hier Joey genannt werden. Viele, auch schon größere Joeys stecken kopfüber im Beutel und lassen die Füße heraushängen. Die Beuteltiere teilen sich ihr Refugium mit Emus und weißen Hirschen, aber wir treffen auf noch mehr Vertreter der einheimischen Fauna: In Extragehegen stromern Dingos umher, auch Perlhühner und Reptilien bevölkern diesen kleinen Zoo.



Känguru mit Jungem, Fraser Coast Wildlife Sanct...



Fraser Island - Regenwälder, glasklare Seen und viel Sand

In Hervey Bay müssen wir am nächsten Morgen wieder sehr früh aufstehen, denn unser Ausflug nach Fraser Island beginnt im Morgengrauen. Der Tourbus holt uns pünktlich ab und bringt uns zur Fähre. Veschlafen schauen wir durch den Nieselregen auf Fraser Island. Dort angekommen, wird unsere Gruppe in zwei der himmelblauen Busse mit Vierradantrieb eingeladen. Ohne diesen geht auf Fraser Island gar nichts, da es keine befestigten Straßen, sondern nur Pisten aus sehr weichem Sand gibt. Alles ist perfekt durchorganisert und unser Guide Brian ist ein waschechter Australier mit kernigem Slang.

Fraser Island ist die größte Sandinsel der Welt, da der gesamte Untergrund wirklich nur aus Sand besteht. Darauf hat sich im Laufe von Jahrmillionen ein üppiger Regenwald entwickelt. Die Autos sinken zum Teil bis zu 40 cm in die Sandpiste ein, die sehr kurvenreich und im steten Auf und Ab durch den Urwald führt. Als erfahrener Tourguide brettert Brian flott über die Straße und im Innern des Busses schaukelt es wie auf hoher See.
Nach einem Imbiss in einem Hotel, erreichen wir den 75-Mile-Beach: Fast die gesamte Ostküste auf Fraser Island ist ein einziger Sandstrand, der hier zur Hauptverkehrsstraße wird, Straßenschilder inbegriffen. Schließlich darf man hier mit 80 km/h über den Sand düsen, im Landesinnern sind es nur 30 km/h.

Auf dem Highway ist die Hölle los!



Strand auf Fraser Island, Australien



Als wir am Wrack der Moheno ankommen, klart endlich der Himmel auf. Gebaut als Luxusliner, wurde das Gefährt im 1. Weltkrieg zum Lazarettschiff umgebaut und sollte 1935 nach Japan zum Verschrotten gebracht werden. Während eines Sturms sank es an dieser Stelle und verschwindet seitdem jedes Jahr ein bisschen mehr im Sand.



Wrack der Moheno, Fraser Island, Australien



Plötzlich schaut die Touristenmeute gebannt aufs Meer. Wir überlegen, was es da gerade so Besonderes gibt. In diesem Moment schwingt sich ein Buckelwal aus dem Wasser und fällt mit einem großen Platsch zurück! Unglaublich!
Wir wissen, dass die Buckelwale um diese Jahreszeit in Scharen an der Küste vorbeiziehen, um zu ihrer Kinderstube in tropische Gewässer zu gelangen, aber wir haben im Traum nicht daran gedacht, dass wir sie vom Strand aus beobachten können.



Buckelwal vor Fraser Island, Australien



Rings um das Wrack stehen viele Angler - es ist wirklich ein sehr beliebter Sport in Australien. Baden ist dagegen an der Ostküste überhaupt nicht angesagt: Starke Strömungen und gefährliche Tigerhaie, die bis in Strandnähe kommen, vergällen allen dieses Vergnügen.



Angler auf Fraser Island, Australien



Regenwald auf Fraser Island,...

Informationen zum Bild anzeigen Bildinformationen anzeigen

Brian bringt uns wieder ins Landesinnere und erklärt uns alles über den Regenwald und die Geschichte von Fraser Island. Die 125 km lange und 15 km breite Insel ist bereits vor 5.500 Jahren von den Aboriginal people besiedelt worden: "K’gari" heißt sie in der Sprache der Ureinwohner, was übersetzt "Paradies" bedeutet - absolut nachvollziehbar. Entstanden ist Fraser Island aus einem Rest von Dünen, die der Passatwind in Jahrtausenden schuf; als der Meeresspiegel stieg, wurde daraus eine Insel. Auf dem Sand hat sich ein einzigartiger Regenwald entwickelt, dessen Bäume meist übersät sind mit diversen Gewächsen wie zum Beispiel dem Geweihfarn.
Die große Sandinsel wurde übrigens nach Kapitän James Fraser benannt, der 1836 mit seiner Frau und Schiffskameraden nach einer Schiffshavarie hier strandete. Er selbst und einige andere starben, die Aboriginal people konnten jedoch seine Frau retten.



Wir unternehmen eine kleine Wanderung durch den Regenwald. Nach dem Regen glänzen die Blätter; es riecht feucht und modrig.
Diverse Bäche durchziehen die Insel, die so klar sind, dass man das Wasser gar nicht mehr sieht. Leider wurde der Regenwald in den letzten Jahrhunderten von den Weißen stark abgeholzt, die Reste stehen aber inzwischen unter Naturschutz.



Regenwald und Urwaldbach auf Fraser Island, Aus...



Zum Abschluss der Rundfahrt besuchen wir noch den Lake McKenzie. Da der Grundwasserspiegel unter dem See liegt, wird er nur vom Regenwasser gespeist. Daher hat das Wasser eine sehr geringe Härte (4° dH!). Brian erklärt es mit seinem trockenem, australischen Humor so: "Wenn ihr darin badet, benötigt ihr keine Cremes und Haarspülungen mehr, es ist ein Jungbrunnen für Haut und Haare. Wenn ich mir allerdings einige von euch anschaue (der Bus bestand zum Großteil aus Personen 70+), hilft das auch nicht mehr...".
Das hat gewirkt: Trotz kühlen Temperaturen (20°C Wasser- sowie Lufttemperatur bei trübem Wetter) sind fast alle in den See gesprungen. Dabei ist der See so klar, das man unter Wasser mindestens 20-30 Meter sehen kann.



Ufer des Lake McKenzie, Fraser Island, Australien



Mit dem Sonnenuntergang gelangen wir wieder ans Festland und Brian setzt uns einige Zeit später an unserem Campingplatz ab - was für ein erlebnisreicher Tag!
Als wir zu den Sanitäreinrichtungen laufen, ertönt über uns ein lautes Geschrei. Wir spüren, dass etwas Großes direkt über uns hinwegstreicht. Das ist fast unheimlich. Wir entdecken neben dem Haus einen riesigen Baum, auf dem Hunderte von Flughunden ihre Nacht verbringen. Leider kommen und gehen sie pünktlich mit der Dämmerung, so dass wir sie nicht im Tageslicht beobachten können. Sie sind wesentlich größer als unsere Fledermäuse und hängen in großen Gruppen kopfüber am Baum. Immer wieder lässt sich einer fallen, breitet seine Flügel mit einer Spannweite von ca. 1 m aus und fliegt so dicht über uns hinweg, dass wir den Luftzug spüren können. Ein tolles Naturschauspiel!

Am nächsten Morgen bestaunen wir noch den Sonnenaufgang in Hervey Bay und fahren dann weiter nach Süden.



Sonnenaufgang in Hervey Bay, Australien



Cape Byron - ein Leuchtturm am östlichsten Ende des Kontinents

Es war wieder eine langer Fahrttag, als wir müde in Byron Bay ankommen. Die späte Nachmittagssonne bringt die Farben der Bucht und des Leuchtturms schön zur Geltung. Wir beschließen daher doch noch bis zum Leuchtturm zu laufen. Wir steigen auf zum 1901 erbauten Cape Byron Lighthouse. Von hier oben haben wir einen grandiosen Ausblick auf die unendlich scheinenden Sandstrände im Süden und die Byron Bay im Norden. Wer allerdings zum östlichsten Punkt des australischen Festlands möchte, muss mindestens 100 Höhenmeter wieder absteigen und sich bis zu einigen kleinen Felsinseln vorkämpfen.



Cape Byron Lighthouse, Australien


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Kommentare

  • rosibieg

    Ein sehr schöner Reisebericht. Es hat Spaß gemacht ihn zu lesen und es war sehr kurzweilig.
    Viele Orte habe ich wiedererkannt und du hast Erinnerungen geweckt.
    LG Rosita

  • Blula

    Liebe Sabine,
    bei mir hast Du gerade, nicht so wie es meiner Vorschreiberin ergangen ist, Erinnerungen geweckt,
    dafür aber FERNWEH (!!!), pure Lust eine Reise ins ferne Australien. Der zweite Teil Deines Berichtes über Eure fünfwöchige WOMOtour durch diesen Kontinent hat mich gleichermaßen begeistert wie der erste. Deine Fotografien sind, wie gewohnt, faszinierend.
    Ich danke Dir erneut für das virtuelle Mitreisendürfen.
    LG Ursula

  • u18y9s26

    Es war mir ein Vergnügen mitreisen zu dürfen. Du stellst uns die fremd Tier-und Pflanzenwelt Australiens mit interessantem Hintergrundwissen vor. Falls wir auf deinen Spuren reisen wollen, haben wir mit deinem Bericht eine Vielzahl an Tipps für lohnende Ausflüge. Es ist nämlich immer auch schön, das Wohnmobil einmal stehen zulassen und mit fachkundigen Einheimischen zu reisen. Herzlichen Dank für deine Mühe, die du dir mit diesem ausführlichen Bericht gemacht hast.
    LG Ursula

  • ursuvo

    auch hier bin ich sehr gern mitgereist - Du hast wirklich sehr schön be- und geschrieben - klare 5*********
    LG Ursula

  • matulr

    Spät habe ich diesen Reisebericht entdeckt. Vor knapp 2 Monaten war ich (dienstlich) in Brisbane. Leider nur eine Woche und nur in der Stadt. Du hast mir nun Lust auf mehr gemacht, liebe Sabine!
    LG ULI

  • a1b2c3d4

    Liebe Sabine !
    Danke für diesen schönen Reisebericht. Deine Tieraufnahmen haben mich besonders begeistert.
    Australien muss auch einmal von mir bereist werden - das weiss ich jetzt.
    LG. Angela

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