...und morgens lacht der Kookaburra - mit dem Wohnmobil von Cairns nach Sydney

Reisebericht

...und morgens lacht der Kookaburra - mit dem Wohnmobil von Cairns nach Sydney

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Von Cairns bis Port Douglas - Palmen, Sand und Meer

Wir sind gerade erst von Cairns nach Norden aufgebrochen, da sehen wir rechts von uns das Meer zwischen den Bäumen glitzern. An der nächsten kleinen Parkbucht steigen wir aus und trauen unseren Augen nicht: Vor uns erstreckt sich ein weißer Traumstrand, gesäumt von Palmen, dahinter das azurblaue Meer und außer uns - Menschenleere.

Wir hatten ja von den herrlichen Stränden in Queensland gelesen, finden es jedoch unglaublich, dass sie auf dem Weg nach Norden an fast jeder Ecke anzutreffen sind! Gefräßige Haie und Salzwasserkrokodile (Salties), die sich hier überall herumtummeln, sind übrigens der Grund für das mangelnde Besucherinteresse.



Strand bei Cairns, Queensland, Australien



Kokosnuss am Strand -...

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Am Abend vorher sind wir in Alice Springs in den Flieger gestiegen und zwei Stunden später in Cairns gelandet. Nach einer Nacht in einem einfachen Hotel haben wir unser Wohnmobil abgeholt und sind gleich in den Norden durchgestartet. Nach 2 Wochen im Northern Territory (siehe Reisebericht: Frühstück mit Kakadus), sind wir nun gespannt auf die Ostküste.
Der Boden ist übersät mit Kokosnüssen und die Australier warnen uns auch gleich, dass man aufpassen müsse, denn ein Treffer durch eine herabfallende Kokosnuss könne sehr schmerzhaft sein.



Würgefeige in Port Douglas,...

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Wir fahren weiter nach Port Douglas, einem kleinen Touristenort kurz vor dem Daintree Nationalpark. Hier gibt es wunderschöne Parkanlagen direkt am Korallenmeer, aber man sieht ebenfalls keine Badegäste, nur einige Sonnenhungrige dösen auf dem Rasen. Dazwischen stehen immer wieder die riesigen Strangler Figs, Würgefeigen, deren Luftwurzeln den Baum wie einen Vorhang umgeben.



Strand in Port Douglas, Queensland, Australien



Kookaburra, Australien

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Auf einem schönen Campingplatz richten wir uns für 2 Tage ein. Die Blätter am Baum über uns sind so groß wie unsere Füße und Schilder warnen vor herabfallenden Ästen...
Morgens um 5.30 Uhr erwachen wir durch ein lautes, gackerndes Lachen. Im Northern Territory haben wir nicht viel von dem lauten "Sänger" mitbekommen, aber von jetzt ab bis zum Ende der Reise wird das unser täglicher Wecker sein - der Kookaburra. Die Australier nennen ihn auch Buschmanns Uhr. Seinen deutschen Name "Lachender Hans" trägt er voll zu Recht und als wir wieder zu Hause waren, haben wir das Gelächter richtig vermisst.
In sein Lachen fällt sofort ein riesiges und lautes Vogelkonzert ein, überall in den Bäumen hüpfen exotische Vögel herum und begrüßen den Tag. Als Naturfreund und Fotograf ein Paradies, für Langschläfer eher die Hölle.



Da wir jetzt schon wach sind, schlendern wir zum Strand. Viele unserer australischen Campingnachbarn pilgern um diese frühe Uhrzeit ebenfalls dorthin, meist mit Auto und Bootsanhänger: Dieser Küstenabschnitt ist ein sehr beliebtes Angelrevier und bekanntlich beißen die Fische am besten im Morgengrauen. Meist haben es die Angler auf den Barramundi, einen beliebten Speisefisch, abgesehen.



Sonnenaufgang in Nordqueensland, Australien



Daintree Nationalpark - uralter Regenwald bis zum Sandstrand

Warnung vor Helmkasuaren,...

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Am nächsten Morgen setzen wir früh mit der Fähre über den Daintree River, auf der anderen Flussseite ragt ein undurchdringlicher Urwald vor uns empor. Die Straße wird immer abenteuerlicher, massenhaft gelbe Schilder warnen vor engen Kurven, rauen Straßen und den Cassowaries. Übersetzt heißen sie Helmkasuare, eine seltene Vogelart, von der nur noch wenige Exemplare überlebt haben, dementsprechend stark sind sie geschützt.



Daintree Nationalpark, Australien

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Bald erreichen wir unseren ersten Bushwalk. Der Regenwald empfängt uns in einem dämmrigen Grün; nur an den Stellen, an denen Baumriesen beim Umfallen eine Schneise geschlagen haben, erkennen wir mehr von der großen Artenvielfalt; 70 Tier- und 700 Pflanzenarten sind im Nationalpark endemisch, d. h. sie kommen nur hier vor und sonst nirgends. Insgesamt 8.430 Vogelgattungen sind hier anzutreffen und 30 % aller Säugetierenarten Australiens leben im Daintree Nationalpark. Was für eine Artenvielfalt!



Um uns flötet, gluckst und quietscht es und in der Nase haben wir oft einen erdigen Geruch. Der Bohlenpfad führt über kleine Urwaldbäche und an riesigen Palmfarnen vorbei. Gewächse, die wir nur als empfindliche Zierpflanzen kennen, sprießen hier an jeder Ecke.



im Daintree Nationalpark, Australien



Boyds Winkelkopfagame, Australien

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Als wir in einen kleinen Trampelpfad abbiegen, entdecken wir eine riesige Fußspur im Schlamm: 3 große Vorderzehen haben sich mit langen Krallen tief eingegraben, bei einer Gesamtlänge von ca. 20 cm kann es sich nur um einen Helmkasuar handeln. Einerseits würden wir diesen exotischen und seltenen Vogel gerne in freier Natur begegnen, andererseits wird überall vor einer Begegnung mit ihm gewarnt: Wenn er sauer wird, kann er mit seiner Größe von 1,70 m und den bis zu 12 cm langen Krallen gefährlich werden.
Er ist aber bereits entschwunden, dafür treffen wir auf Boyds Winkelkopfagame, eine harmlose Reptilienart.



Auf einem weiteren Bushwalk erkunden wir den Mangrovenwald. Während dieser Jahreszeit ist der Schlamm trockengefallen und die Faulgase stechen uns in die Nase. Aus der Ferne entdecken wir ein Saltie, das am Ufer des Urwaldflusses döst.



Saltie im Daintree Nationalpark, Australien



Würgefeige im Daintree...

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Am Wegesrand wachsen Würgefeigen, deren Wirtsbaum bereits verfault ist: Die Samen der Würgefeige geraten (meist durch Vögel) in die Kuhle eines Wirtsbaums, keimen dort und senden Luftwurzeln nach unten. Diese umgeben den Baum vorhangartig und wurzeln dann selbst im Boden. Aufgrund der vermehrten Nährstoff - und Wasserversorgung verstärken sich die Wurzeln immer mehr und erwürgen den Wirtsbaum im Innern der Pflanze. Übrig bleibt ein Netz aus ehemaligen Wurzeln, das hohl ist.



Baumpython im Daintree...

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Auf dem Rückweg besuchen wir das Daintree Discovery Centre. In einer Höhe von 11 m spazieren wir über Holzbrücken durch die Baumwipfel des Regenwalds. Von oben haben wir einen ganz anderen Einblick in das faszinierende Ökosystem und es gibt viele anschauliche Tafeln, die alles erklären. Wegen des dichten Kronendachs dringt wenig Licht auf den Waldboden, deshalb gilt das Motto "ein Platz an der Sonne". Aus diesem Grund sind die Baumwipfel meist mit Epiphyten (Aufsitzerpflanzen) überwuchert. Wir besteigen den Canopy Tower (Kronendachturm) bis zu dessen 23 m hoher Plattform und blicken nun von oben auf das undurchdringliche Blätterdach des Regenwalds. Ein Ranger zeigt uns einen Baumpython, der es sich, nur 2 m vom Turm entfernt, auf einem Ast gemütlich gemacht hat.



Kurz vor dem Ende des Baumwipfelpfads kommen wir an einem großen grünen Schild vorbei. Schon bei der Ankunft haben wir es für eine nette Idee gehalten, diesen riesigen, quietschgrünen Plastikfrosch passend zwischen die Wörter zu setzen. Inzwischen steht ein Ranger daneben und fragt uns "Have you seen the frog?". Wir erklären ihm, dass wir das für eine gelungene Präsentation halten, da erklärt er uns: " No, the frog is real, it's a white-lipped tree frog" - ein echter weißlippiger Riesenlaubfrosch, mit einer Länge von 15 cm!!! Wir kommen aus dem Staunen nicht heraus.



Riesenlaubfrosch, Daintree Nationalpark, Austra...



Die Wunder des hiesigen tropischen Regenwalds hatten auch viel Jahre Zeit sich zu entfalten: Der Daintree Forest ist 135 Millionen Jahre alt und damit der älteste Regenwald der Welt. Früher war ganz Australien damit bedeckt, aber aufgrund der Kontinentalverschiebung und der dadurch bedingten Klimaänderungen hat ein Großteil der Regenwälder nicht überlebt. Der Rest hat dann der Mensch besorgt. Heute bedeckt der Urwald gerade noch 0,1 % der australischen Landmasse, kann aber mit über 800 Baumarten und bis zu 50 m hohen Baumriesen aufwarten.

Auf der Weiterfahrt treffen wir wieder auf grandiose, menschenleere Strände. Das ist Südseeflair pur - wenn nur nicht die Haie und Krokodile wären!



Strand im Daintree Nationalpark, Australien



Als wir wieder einmal auf einem kleinen, sandigen Parkplatz halten und den Strand betreten, fühlen wir uns wie im Paradies: Es ist gerade Flut und im ablaufenden Wasser spiegeln sich die Wolken, außer uns ist kein Mensch zu sehen und hinter uns reihen sich Palmen, Eukalypten und Frangipanis.



Palmen am Strand - Daintree Nationalpark, Austr...


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Kommentare

  • rosibieg

    Ein sehr schöner Reisebericht. Es hat Spaß gemacht ihn zu lesen und es war sehr kurzweilig.
    Viele Orte habe ich wiedererkannt und du hast Erinnerungen geweckt.
    LG Rosita

  • Blula

    Liebe Sabine,
    bei mir hast Du gerade, nicht so wie es meiner Vorschreiberin ergangen ist, Erinnerungen geweckt,
    dafür aber FERNWEH (!!!), pure Lust eine Reise ins ferne Australien. Der zweite Teil Deines Berichtes über Eure fünfwöchige WOMOtour durch diesen Kontinent hat mich gleichermaßen begeistert wie der erste. Deine Fotografien sind, wie gewohnt, faszinierend.
    Ich danke Dir erneut für das virtuelle Mitreisendürfen.
    LG Ursula

  • u18y9s26

    Es war mir ein Vergnügen mitreisen zu dürfen. Du stellst uns die fremd Tier-und Pflanzenwelt Australiens mit interessantem Hintergrundwissen vor. Falls wir auf deinen Spuren reisen wollen, haben wir mit deinem Bericht eine Vielzahl an Tipps für lohnende Ausflüge. Es ist nämlich immer auch schön, das Wohnmobil einmal stehen zulassen und mit fachkundigen Einheimischen zu reisen. Herzlichen Dank für deine Mühe, die du dir mit diesem ausführlichen Bericht gemacht hast.
    LG Ursula

  • ursuvo

    auch hier bin ich sehr gern mitgereist - Du hast wirklich sehr schön be- und geschrieben - klare 5*********
    LG Ursula

  • matulr

    Spät habe ich diesen Reisebericht entdeckt. Vor knapp 2 Monaten war ich (dienstlich) in Brisbane. Leider nur eine Woche und nur in der Stadt. Du hast mir nun Lust auf mehr gemacht, liebe Sabine!
    LG ULI

  • a1b2c3d4

    Liebe Sabine !
    Danke für diesen schönen Reisebericht. Deine Tieraufnahmen haben mich besonders begeistert.
    Australien muss auch einmal von mir bereist werden - das weiss ich jetzt.
    LG. Angela

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