Madagaskar: Bei Baobabs, Lemuren und Chamäleons. Teil 3: Der Osten."

Reisebericht

Madagaskar: Bei Baobabs, Lemuren und Chamäleons. Teil 3: Der Osten."

Reisebericht: Madagaskar: Bei Baobabs, Lemuren und Chamäleons. Teil 3: Der Osten."

Der letzte Abschnitt dieser Reise beschert uns besonders viele Begegnungen mit der außergewöhnlichen Tierwelt Madagaskars. Nicht jedem ist so viel Glück beschieden. Eine Fast-Begegnung mit einem der gefürchteten Zyklone wirft beinahe das Reiseprogramm über den Haufen. Doch zu guter Letzt erleben wir mit den Stränden der kleinen Île aux Nattes noch einen landschaftlichen Höhepunkt.

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Sonnenaufgang über der Westküste.

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Wir warten und warten und warten. Über eine Stunde stehen wir uns vor dem Flughafengebäude in Antananarivo bereits die Beine in den Bauch. Sou, unser Fahrer, der uns zu Beginn unserer Reise bis nach Toliara an der Westküste gebracht hatte, soll uns nun wieder aufnehmen und an die Ostküste bringen. Doch wo bleibt er nur? Endlich bekommt Julien, der Reiseleiter unserer kleinen Fünfergruppe, ihn "an die Strippe". In der Stadt herrsche wegen eines Marathonlaufs das reinste Chaos und er komme kaum von der Stelle, gibt Julien an uns weiter. Also heißt es geduldig weiter warten. Marathonlauf - ja, das passt zu Afrika. Äthiopien und Kenia haben es vorgemacht, wie man es mit läuferischen Fähigkeiten zu finanziellem Erfolg bis hin zu Reichtum bringen kann.



Die rote und verbrannte Erde...

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Um fünf Uhr in der Frühe hatten wir unser Boot von Anakao nach Toliara bestiegen, waren mit hohem Tempo durch die Dunkelheit und dann in den beginnenden Tag hinein gebraust. Das Prozedere des Ausbootens mit den Ochsenkarren war uns ja bereits bekannt. Auch auf dem Flughafen hatte es keine Überraschung gegeben, und das obwohl doch die Air Madagascar dafür bekannt, um nicht zu sagen, berüchtigt ist, im Inlandsverkehr kurzfristig Flugplanänderungen vorzunehmen. Von meinem Platz auf der der Morgensonne abgekehrten Seite hatte ich einen guten Blick auf Madagaskar von oben. Deutlich waren die Spuren von Brandrodungen zu sehen und ich musste wieder an Julians Standardsatz "Die Madagassen sind Pyromanen." denken. Gut zu erkennen war die Nutzung der Tallandschaften zwischen den kahlen Gebirgszügen für den Reisanbau bis in die Vororte von Tana hinein.



Anflug auf Tana



Warten auf Abholer

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Nun jedoch die nervige Warterei. Wir sind nicht die einzigen, die durch den Marathonlauf aus ihrer Zeitplanung gerissen werden. Hinter uns wartet auf einer Bank eine Reihe madagassischer Frauen auf ihre Abholer. Durch Gesten und vielsagendes Mienenspiel wird deutlich, dass auch sie des Wartens müde sind. Diese Art des "Kommunizierens" reicht aber, dass mir eine von ihnen zunickt, als ich fragend auf meine Kamera zeige, womit ich um ein kleines "Foto-Shooting" bitte. Ich erzähle diese eigentlich unbedeutende Episode und zeige ein paar Bilder nur, um meinen Lesern zu vermitteln, wie freundlich uns auf der gesamten Reise immer wieder wildfremde Menschen begegnet sind.



Charmant zum ersten....



2 MS (2 Menschenstärken)

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Nach einer weiteren Stunde können wir endlich aufatmen. Sou hat es tatsächlich geschafft! Schnell verladen wir unser Gepäck und los geht's! Wir müssen quer durch die Stadt, denn der Flughafen liegt im Nordwesten, wir aber müssen die Stadt nach Südosten verlassen. Die Beschränkungen durch den Marathonlauf sind glücklicherweise wieder aufgehoben, ersetzt werden sie durch die üblichen Behinderungen durch den dichten Verkehr, durch den sich auch noch die Lastenträger quälen.



Jacarandablüte in Tana

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Im Stadtzentrum sind jetzt die Jacarandabäume erblüht und sorgen für zarte Farbtupfer. Und immer wieder Enten! Nein, lieber Leser, keine zweibeinigen, sondern vierrädrige. Ich meine das Kultauto "Deux Chevaux" von Citroën. Bereits 1988 wurde ja seine Produktion eingestellt, doch auf Madagaskar "stolpert" man schier drüber. Treu erfüllen die Enten auch nach gut und gerne 30 Jahren immer noch ihre Dienste. Das ist sicherlich zu einem großen Teil der Geschicklichkeit und dem Einfallsreichtum zuzuschreiben, den Automechaniker in ganz Afrika an den Tag legen.



Mensch gegen Ente.



Peyrieras Reserve

So erklimmen wir langsam die Höhen im Osten der Stadt und fahren auf der N 2 der Küste entgegen. Nach etwa 75 km Fahrt zeigt sich unser Reiseleiter Julien trotz unseres großen Zeitverlustes aber wieder einmal sehr flexibel und schlägt uns vor, außerhalb des Programms einen Stopp bei "Madagascar Exotic", auch "Peyrieras Reserve" genannt, einzulegen. Dort würden wir eine gute Gelegenheit erhalten, Chamäleons aus allernächster Nähe zu erleben. Keine Frage, dass wir da zustimmen - und wir sollten es wahrlich nicht bereuen!



Chamäleon 1

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Bei dieser privaten Einrichtung handelt es sich um eine Art Tierfarm, die der französische Biologe André Peyriéras aufgebaut hat. Geboren 1927, lebte und forschte er seit 1954 auf Madagaskar. Sein Hauptbetätigungsfeld war die Entomologie (Insektenkunde). 3000 neue Arten gehen auf ihn zurück und quasi als "Beifang" entdeckte er auf seinen Streifzügen durch die Regenwälder auch mehrere bis dahin unbekannte Chamäleonarten. Sie tragen jetzt seinen Namen, so z. B. ein Zwergchamäleon, das Brookesia peyrierasi. Auch in einem Wollmaki lebt sein Name fort.



Chamäleon 2



Chamäleon 3

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Das Nature Reserve hat sich dem Schutz und Erhalt bedrohter Arten verschrieben und so wird hier auch für Nachwuchs gesorgt. Voraussetzung dafür ist, dass den Tieren ihr angestammtes Habitat geschaffen wird, denn viele der Tiere - auch Geckos und andere kleine Reptilien - sind dermaßen spezialisiert, dass sie von ganz bestimmter Nahrung abhängig sind. Gerade unter dem Aspekt der Waldvernichtung auf der Insel ist dies zu einem entscheidenden Problem für ihr Überleben geworden. Hier in der Anlage trägt man dem Rechnung und pflanzt die entsprechenden Baumarten.



Pantherchamäleon 1

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Die Tiere werden zum größten Teil in Gehegen gehalten, die man gar nicht als solche empfindet, denn man spaziert durch eine Art Park, der eigentlich nur von einer Außenmauer begrenzt wird. Innerhalb dieses Geheges bewegen sich die Chamäleons frei.
Ein Guide führt unsere kleine Gruppe von einem Bäumchen zum nächsten und gibt uns Erklärungen, wobei sich die Tiere von uns Besuchern in keinster Weise in ihrem Tun stören lassen. Ich kann mich kaum satt sehen an den skurrilen, bunten Geschöpfen, so dass ich gar nicht richtig zuhören kann in der - irrigen? - Meinung, ich könnte etwas mit meiner Kamera verpassen. So fotografiere ich also munter drauf los.



Pantherchamäleon 2

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Und dabei erlebe ich doch tatsächlich etwas, das alles in den Schatten stellt! Wie oft hatte ich in meinem Leben schon von der Fähigkeit des Chamäleons gehört, seine Körperfarbe der Umgebung anpassen zu können! Dieses "Schauspiel" hat die Menschen schon seit der Antike dermaßen fasziniert, dass das Chamäleon sogar Einzug gefunden hat in die Welt der Metaphern und Redensarten! Doch tun wir diesem harmlosen Tier nicht unrecht, wenn wir sagen, jemand wechsle wie ein Chamäleon seine Farbe? Damit setzen wir jemanden herab - zu Recht oder zu Unrecht, denn wir meinen einen Menschen, der seine Ansichten und Grundsätze je nach den Umständen zu seinem Vorteil ändert, der also - um es mit einer anderen Redewendung zu sagen - sein Fähnlein nach dem Wind hängt.





Pantherchamäleon (Männchen)



Armes Chamäleon! Mittlerweile weiß man, dass die meisten Arten ihre Körperfarbe nicht ihrer Umgebung anpassen, sondern sich entsprechend ihrer Stimmung oder ihrer körperlichen Verfassung verfärben. Sie drohen auf diese Art ihren Rivalen oder werben um ein Weibchen und signalisieren Paarungsbereitschaft.



Solch ein Moment spielt sich zufälligerweise vor mir ab. Auf einem Bäumchen sitzt ein eta 50 cm großes, prächtig gefärbtes Pantherchamäleon. Durch den weißen Streifen an seiner Längsseite ist es gut von anderen Chamäleons zu unterscheiden. Hatte es mich eben noch mit seinem leuchtenden Grün zu ein paar Fotos aus allernächster Nähe gereizt - siehe die letzten zwei Fotos, wechselt es nun zusehends von Grün auf Rot.



Pantherchamäleon beim Farbwechsel



Der Anlass dazu sitzt auf einem anderen Ast: ein Weibchen! Offenbar ist das Männchen zutiefst in Liebe entflammt! Was könnte dazu besser passen als seine rote (Imponier-)Farbe?!



"Wie gefalle ich dir?"



Vielleicht mit offenem Mund, doch sicherlich voller Erwartung beobachte ich fast ein wenig voyaristisch das Geschehen vor mir. Das Männchen nähert sich - wie es nun mal Chamäleonart ist - ganz gemächlich seiner Angebeteten, doch die ist offenbar nicht in der Stimmung, sein Werben zu erhören. Obwohl seine Enttäuschung größer sein muss als meine, verharrt er dennoch eine ganze Weile in seiner farblichen Pracht und ich lasse mir die Gelegenheit für weitere Fotos nicht entgehen.



Pantherchamäleon 3



Über diesem Geschehen habe ich nicht mitbekommen, dass unser Guide in der Zwischenzeit meine vier Mitreisenden um sich geschart hat, um ihnen zu zeigen, wie ein Chamäleon pfeilschnell seine lange Zunge ausfährt, um sich eines Beutetiers zu bemächtigen. Die vorschnellende Zunge im Bild festzuhalten, an der die Beute für einen Moment klebt, reicht es mir leider nicht. Genauso schnell wie die Zunge herausfährt, zieht sie sich auch wieder zurück. Zum Glück aber lässt sich das Chamäleon dann Zeit, den Grashüpfer vollends in seinem Maul verschwinden zu lassen. Fast kommt es mir vor, als vernähme ich das knackende und knirschende Geräusch, als sich Ober- und Unterkiefer über dem armen Opfer schließen.



Fette Beute!



Chamäleon 4

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Alle sind wir dankbar, dass uns Julien noch Zeit zum freien Herumschlendern und Fotografieren gibt. So klickt meine Kamera einmal hier, einmal dort und ich habe nun beim Schreiben die Qual der Wahl. Wer sich noch ein paar Fotos anschauen möchte, für den hier noch eine kleine Serie.

Hinweis: Über die Besonderheiten der Füße und Augen der Chamäleons habe ich bereits ausführlich in Teil 1 im Abschnitt " Nationalpark Ranomafana" berichtet; daher möchte ich mich hier nicht wiederholen.
http://www.geo.de/reisen/community/reisebericht/718296/1/Madagaskar-Bei-Baobabs-Lemuren-und-Chamaeleons-Teil-1-Im-Hochland#section242264



Chamäleon 5



Soll ich's wagen?

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Kurz berichten möchte ich aber noch von einem nur wenige Zentimeter großen, grünen Winzling, den ich etwas länger beobachte. Er klettert den dünnen Stamm eines Strauchs herab und möchte dann - aus welchen Gründen auch immer - hinüberwechseln auf einen kahlen Zweig. Wie er die Lücke dazwischen überwindet, ist richtig spannend. Sein Schwanzende rollt er um das Stämmchen, schwingt seinen Körper wie ein Trapezkünstler über den "Abgrund" und muss - drüben angekommen, für einen kurzen Moment nur mit seinen Vorderbeinen seinen ganzen Körper halten. Alle Achtung! Einem sonst so träge wirkenden Chamäleon hätte ich eine solche Leistung gar nicht zugetraut. Mit drei Bildern aus meiner Zeitrafferserie möchte ich deshalb bei den Chamäleons Abbitte leisten.



Trapezkünstler



Es gibt aber auch noch anderes in der Peyrieras Reserve zu sehen als nur Chamäleons: verschiedene skurrile Plattschwanzgeckos, Schmetterlinge, Schrecken und wahre Ungetüme von Tausendfüßlern. An einem Teich surren Libellen, darin liegt träge ein mehrere Meter langes Nilkrokodil, übrigens das einzige gefährliche Tier auf Madagaskar; Raubkatzen gibt es nämlich überhaupt nicht und hat es wohl auch nie gegeben.



Plattschwanzgeckos



Junger Großer Tenrek (Tenrec...

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In einem umzäunten Gehege suchen eigenartige kleine Säugetiere auf dem Boden nach Nahrung; es ist eine endemische Tierart, das Tenrek. Im Laufe der Evolution haben sich auf Madagaskar und einigen vorgelagerten kleineren Inseln etwa 30 unterschiedliche Arten gebildet, indem sie verschiedene ökologische Nischen besetzt und sich den jeweiligen Gegebenheiten angepasst haben. Man mag es kaum glauben: In ihrer Größe reichen sie von viereinhalb bis vierzig Zentimetern! "Meine" hier sind etwa 30 cm groß.
Was ihre Gefährdung betrifft, liest man sehr Unterschiedliches. Ich denke, dass es besonders die kleineren Arten sind, die ums Überleben kämpfen müssen. Doch sollte man auch bedenken, dass viele Madagassen nichts gegen einen Tenrekbraten haben. Das wären dann sicherlich wohl wieder die größeren Arten.



Großer Tenrek (Tenrec ecaudatus)



Andasibe Nationalpark

Nun ist es aber wirklich allerhöchste Zeit, dass wir uns auf den Weg zu unserem Tagesziel machen, dem Hotel Feon’ny Ala am Rande des Andasibe Nationalparks (auch Naturreservat Perinet genannt). Das Hotel ist mit seinen strohgedeckten Bungalows im Stil einer afrikanischen Lodge gestaltet. Von meiner kleinen Behausung in der obersten Reihe habe ich einen wundervollen Blick auf den Nebelwald direkt gegenüber. Die sinkende Sonne erreicht gerade noch die Wipfel der höchsten Bäume.



Das letzte Sonnenlicht über dem Regenwald.



Julien - unser musizierende...

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Bei einbrechender Dunkelheit genehmigen wir uns vor meinem Chalet den mittlerweile schon zum täglichen Ritual gewordenen Sundowner, umrahmt von den Gitarrenklängen und dem sanften Gesang unseres Reiseleiters Julien. Licht erhalten wir von einer Lampe über meiner Tür - und das zieht magisch alle möglichen Nachtfalter an, beredte Illustration des Ausdrucks "Nachtschwärmer". Immer wieder muss ich aufstehen und die kleinen, völlig harmlosen Biester fotografieren; irgendwie sind sie Schönheiten der Nacht. Aus der großen Zahl der Bilder hier ein paar Beispiele.



Heuschreckenungetüm 1



Dass es hier immer mal wieder fette Beute gibt, wissen offenbar aber auch zwei Geckos, die sich irgendwo über der Tür versteckt hatten und die nun beide aktiv werden. Der eine ist ein Madagaskar-Gecko (Phelsuma grandis), den ich schon im Ranomafana Nationalpark ob seiner Schönheit bewundert hatte. Dieser ist wohl eine Abart, denn seine rote Färbung auf dem sattgrünen Körper sieht ein wenig anders aus.



Hab ich dich!



Der andere ist ein Meister der Tarnung. Er hebt sich kaum von der Maserung der Holztür ab. Dennoch kann ich verfolgen, wie er sich von oben an sein ausgemachtes Opfer heranmacht, so dass ich gut vorbereitet bin, als er dann plötzlich zupackt. Die Motte hat keine Chance.



Guten Appetit!



Als ich in mein Chalet trete, sehe ich auf dem Spiegel an der Wand noch einen Falter sitzen. Es scheint, als wäre er wie Narziss in der griechischen Sage in sein Spiegelbild verliebt. Mit diesem Foto endet mein Tageswerk, für das ich meine Kamera ganz gehörig strapaziert habe. Wer weiß, was der nächste Tag bringen wird. Ich freue mich schon auf die Wanderung im Nationalpark, auf der wir doch hoffentlich Indris, die größte Lemurenart zu sehen bekommen werden.



"Spieglein, Spieglein an der Wand..."



Der Morgennebel lichtet sich.

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Zu hören bekomme ich die Indris immerhin schon früh am Morgen. Eine Abfolge aus Brülllauten und melancholisch-klagenden, langgezogenen hohen Tönen dringt aus dem Wald, über dem jetzt noch Nebelschwaden wabern. Es ist der typische "Gesang" der Indris, mit dem sie gegen rivalisierende Gruppen ihr Revier markieren. In diesen Momenten wird mir auch klar, warum sich unser Hotel den Namen "Feon’ny Ala" gegeben hat. Im Madagassischen bedeutet dies nämlich "Stimme des Waldes".

Hinweis: Ein Tonbeispiel findet sich unter dieser Webadresse:
http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.artenschutz-noch-erschallt-der-ruf-des-indri.60e8fbba-8e1a-4ff6-8713-dff44f7a9aa9.html



Morgennebel über dem Regenwald.



Vorsicht, Wurzeln!

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Um 7 Uhr 30 brechen wir mit einem Guide auf. Von der Hotelanlage geht es direkt in den Wald, in den wir auf Pfaden unterschiedlicher Qualität immer tiefer eindringen. Hin und wieder erschwert das regenwald-typische, oberflächliche Wurzelwerk das Gehen, der Wald ist jedoch erstaunlich licht. Das mag zum Teil daran liegen, dass sich hier im östlichen Bergland die Trockenzeit dem Ende nähert. Bald wird zusammen mit dem Sonnenhöchststand die Passatzone wieder nach Süden wandern, so dass die vom Indischen Ozean kommenden Luftmassen auf die bis zu 2000 Meter hohe Gebirgskette stoßen und dabei hohe Regenmengen abladen.

Ein untrügliches Indiz für den Regenreichtum dieser Gegend - wir befinden uns in etwa 1000 m Seehöhe - sind die Baumfarne, durch die sich unser Weg schlängelt.



Baumfarm



Nestfarn (Asplenium nidus) 2

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Auffällig sind auch eigenartige Gewächse - teilweise auf kräftigen Ästen, teilweise direkt auf dem Boden sitzend - aus denen eine Rosette von bis zu einem Meter langen, grünen Blättern ragt. "Bird's Nest Fern", meint unser Guide. Bei uns wird diese Pflanze Nestfarn (Asplenium nidus) genannt und gerne als Zimmerpflanze gehalten. Sie ist ein Epiphyt, kann aber auch, wie wir hier ja sehen, auf organischem Material auf dem Boden wachsen. Wie bei den amerikanischen Bromelien bilden ihre Blätter einen Trichter, in dem sich Regenwasser und abgestorbene pflanzliche sowie tierische Organismen sammeln. Daraus zieht der Nestfarn seine Nährstoffe. Vögel nisten in diesem Trichtern mit Sicherheit nicht - dazu wäre es viel zu feucht, doch finden sich hier gerne kleine Frösche ein.



Nestfarn (Asplenium nidus) 1



Dann das ersehnte "Psst!" unseres Guides. Er zeigt auf Bäume, etwa 15 Meter vor uns. Langsam und leise treten wir Schritt für Schritt weiter vor. Was für ein Anblick! In den Bäumen sitzt eine Gruppe von vier, fünf herrlich gefärbten Lemuren. Es sind Diademsifakas (Propithecus diadema).



Diademsifaka (Propithecus diadema) 1



Schließlich stehen wir direkt unter ihnen, denn sie haben sich nicht im Entferntesten von uns bei ihrem morgendlichen Frühstück stören lassen. Zwischen dem Abreißen und Ins-Maul-Stopfen von Blättern schauen sie sogar zu uns hinunter. Mir kommt's so vor, als dächten sie "Was sind denn das da unten für komische Gestalten ohne Haarkleid und auf zwei Beinen?"



Diadem-Sifaka (Propithecus diadema) 2



Diademsifaka: Schnauze wie ein...

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Mit einer Kopfrumpflänge von 50 bis 55 Zentimetern, wozu noch der etwa 50 Zentimeter lange Schwanz kommt, sind die Diademsifakas nach dem Indri die größte lebende Lemurenart. Ihr Gewicht beträgt 5 bis 8 Kilogramm. Nur selten verlassen die tagaktiven Tiere die Bäume.



Diadem-Sifaka (Propithecus diadema) 3



Selbst aus der Ferne lässt sich ahnen, wie seidenweich ihr langes Fell ist. Da möchte man doch einfach mal mit der Hand sanft drüber fahren dürfen! Besonders haben es mir ihre orange gefärbten Arme und Beine angetan. Es sieht aus, als wollten sie auf einen Kostümball.
Einer von ihnen scheint sich für einen Sprung auf einen anderen Baum vorzubereiten. Schnell ziehe ich meine Kamera wieder hoch - und tatsächlich! Er fliegt geradezu einige Meter durch die Luft und ich habe ihn "im Kasten".



"Heidiwitzka!"



Schmetterling 1

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Zufrieden und glücklich über diese Begegnung mit den Diademsifakas schließen wir uns wieder unserem Guide an, der in der Folgezeit viel zu erzählen hat. Im Mittelpunkt stehen da Pflanzen, die wir überhaupt nicht beachtet hätten, da sie nicht besonders auffällig sind. Es sind Pflanzen, die die Einheimischen wegen ihrer Heilwirkung schätzen. Hilft die eine bei Magenbeschwerden, ist die nächste gut bei Husten und die dritte eignet sich als "Toothpaste plant". Angeblich würden 80 % der Pflanzen für medizinische Zwecke genutzt. Hier im Nationalpark stehen sie natürlich unter Schutz.

Die Suche nach Lemuren, vor allem den Indris, ist - noch? - ohne Erfolg, doch es gibt auch genügend anderes Getier zu entdecken. Hin und wieder flattert ein Schmetterling vorbei und ich bin froh, wenn sich einer für ein Foto hinsetzt.



Schmetterling 2



Auch ein Madagaskar-Taggecko lässt sich sehen. Er sieht dem von gestern Abend an meiner Tür sehr ähnlich, ist aber noch farbiger. Einige Partien auf seinem grünen Rücken sind blau und zuzüglich zu dem großen roten Fleck auf seinem Rücken trägt er auch noch einen auf dem Kopf.



Madagaskar-Taggecko (Phelsuma madagascariensis)



Völlig unerwartet spazieren dann plötzlich direkt vor uns auf dem Weg drei Braune Makis(Eulemur fulvus) daher - und das noch mit hochgerecktem Schwanz und quasi im Gleichschritt! Einfach köstlich! Als sie uns bemerken, stieben sie nicht etwa angstvoll davon, sondern klettern gemütlich auf die nebenstehenden Bäume. Sie haben sicherlich verinnerlicht, dass die Zweibeiner, die in ihr Revier eindringen, keine Gefahr für sie darstellen. Für uns ein wundervolles Erlebnis, sind wir doch in freier Wildbahn!



"Im Gleichschwanz, Marsch!"



Brauner Maki

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Dass wir die Braunen Lemuren - so werden sie auch genannt - auf dem Boden herumspazieren sehen , ist ungewöhnlich, denn dort halten sie sich als ausgesprochene Baumbewohner äußerst selten auf. Ihre Nahrung besteht aus Blättern, Knospen, Blüten und Früchten, manchmal auch aus Insekten. Sie werden etwa 40 bis 50 Zentimeter groß, genauso lang ist ihr buschiger Schwanz.



Portrait eines Braunen Maki



Wie schon im Ranomafana Nationalpark hätten wir auch hier den urigen Käfer übersehen, auf den uns jetzt unser Guide hinweist - und das, obwohl er einen so leuchtend roten Körper hat: ein Giraffenhalskäfer (Trachelophorus giraffa). Da diese Käfer nur auf einer einzigen Blattart vorkommen, hat der Guide sicherlich nach der geschaut. Wenn man die gefunden hat - was sicherlich nicht so schwer ist, dann ist die Chance, auch einen Giraffenkäfer auszumachen, ungleich größer. Aber das muss man eben erst einmal wissen!
Dieser nur in den Regenwäldern Madagaskars vorkommende, etwa 2 cm große Käfer kann wie ein Bagger seinen langen Hals abknicken. Es muss ein tolles Spektakel sein, wenn zwei Männchen im Kampf um ein paarungsbereites Weibchen ihre langen Hälse benutzen, um einen Konkurrenten auszuschalten. Das von dem Sieger beglückte Weibchen schneidet nach der Paarung ein Blatt auf und rollt es zu einer Tüte. Dahinein legt es ein Ei. Die so vor Fressfeinden geschützte Larve ernährt sich von dem Blatt.



Giraffenkäfer



Nach diesem wunderbaren, kleinen Intermezzo stärkt unser Guide unsere Hoffnung, dass wir Indris zu sehen bekommen werden, denn er hat ihre Rufe gehört. Sie müssen sich ganz in unserer Nähe befinden. Also gehen wir vorsichtig weiter. Es dauert gar nicht lange, bis wir sie sehen können. Es ist eine Gruppe von fünf oder sechs Tieren, die sich einige Meter vom Weg entfernt in den Bäumen aufhält. Durch das trockene, verwelkte Laub auf dem Boden nähern wir uns ihnen vorsichtig bis auf wenige Schritte Abstand. Die Indris lassen sich in keinster Weise in ihrem Tun beirren.



Indris bei der Futteraufnahme



Es sind mächtige Burschen, die da oben so etwas wie ihre Turnstunde abhalten. Als einzige Lemuren haben sie nur einen Stummelschwanz, doch auch ohne zusätzliches Hilfsmittel hangeln sie geschickt mit ihren Vorder- und Hinterbeinen an den Stämmen hoch, um an die - wie sie wohl meinen - schmackhaftesten Blätter zu gelangen. Bei ihrer Größe von bis zu 90 Zentimetern und einem Gewicht von bis zu 10 Kilogramm sind sie wahrscheinlich den ganzen Tag beschäftigt, ihren Energiehaushalt zu regeln. Viele Kalorien geben die Blätter sicherlich nicht her. Also geht es nur über die Menge. Vielleicht ist dieses Fressverhalten ja auch ein Grund dafür, dass sie im Gegensatz zu den meisten anderen Lemurenarten nur tagsüber aktiv sind.



Indris: Turnstunde



Aufgrund ihres sehr speziellen Nahrungsbedarfs aus Blättern von 40 verschiedenen Pflanzen ist die Unterbringung und Nachzucht von Indris in zoologischen Gärten noch nie geglückt. Die Art gilt als stark bedroht ("critically endangered"), umfasst ihr Bestand doch nur noch ca. 1000 Exemplare.



Indri: Eine Schönheit im Regenwald.



Indri: Lieblingsspeise Blätter

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Würden die Indris in der Vorstellungswelt der Madagassen nicht einen besonderen Platz einnehmen, wäre ihre Zahl mit Sicherheit noch weitaus geringer; wer weiß, vielleicht wären sie sogar schon ausgerottet. Viele Menschen glauben nämlich, dass die Seelen Verstorbener in den Indris weiterleben. Diese Vorstellung hat die Tiere glücklicherweise vor der Bejagung geschützt.



Indri



Indri: Ein ausgesprochener...

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Über dreieinhalb Stunden sind wir mittlerweile schon unterwegs und die Zeit ist wie im Fluge vergangen. Das Mittagessen wartet auf uns. Ich könnte es gut und gerne auslassen, doch muss man ja auch an den Guide denken. Leider darf man ohne Begleitung nicht in den Nationalpark. Verständlich ist das. Nach einem freien Nachmittag werden wir uns bei Sonnenuntergang um 18 Uhr aber noch einmal zu einer einstündigen Nachtwanderung treffen. Vielleicht haben wir ja jetzt auf dem Rückweg noch ein wenig "Jagdglück".



Und wir haben es! Wieder aber wären wir an etwas Sehenswertem vorbeigelaufen. Unser Guide hat innegehalten und zeigt links in den Wald hinein. "Wie bitte? Eine Schlange? Wo? Ich sehe keine!" Es bedarf noch einiger Hinweise: "Nicht auf dem Boden! In der Astgabel des Baums da hinten!" Dann sehe auch ich sie. Und was für eine Schlange! Was sich da aufgerollt zur Ruhe gelegt hat, sei eine Boa, meint der Guide. Wahrscheinlich handelt es sich um die endemische Art Madagaskar-Hundskopfboa, die zwei Meter lang wird. Wo sich ihr Kopf befindet, ist nicht zu erkennen; wir gehen aber auch nicht näher heran, um die Frage zu klären. So kann ich auch kein besseres Foto "als Beweis" bieten als dieses hier.



Madagaskar-Hundskopfboa



Ist es Pan, der Waldgott, oder Diana, die Göttin der Jagd, die uns heute mit Glück verwöhnen? Kurz bevor wir den Wald wieder verlassen, kommen wir noch an einem Bambus-Lemur (Hapalemur) vorbei, der auf einem Ast ganz nah unseres Wegs sitzt und genüsslich an einem grünen Zweig knabbert. Mit großen Augen schaut er uns an. Ein köstliches Kerlchen von vielleicht 40 Zentimeter Körpergröße. Schöner könnte der Abschluss unserer "Tour des Lémures" nicht sein!



Bambus-Lemur (Hapalemur) 1



Blüte des Fackelingwer 2...

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Den Nachmittag verbringe ich größtenteils in der großartig gestalteten Gartenanlage des Hotels. Besonders stechen da die meterhohen Stauden der Ingwergewächse am Ufer des kleinen Sees in die Augen. Zum ersten Mal hatte ich deren wunderschöne Blüten in Costa Rica gesehen. Dort wie auch hier sind die Ingwergewächse jedoch nicht heimisch. Sie stammen ursprünglich von der Malayischen Halbinsel und werden gerne in Gegenden mit gleichem tropisch-feuchtem Klima zur Zierde von Gärten gepflanzt.

Der Fackelingwer (Etlingera elatior) weist gerade verschiedene Stadien der Blütenentfaltung auf.



Blüte des Fackelingwer 1 (Etlingera elatior)



So auch der Muscheling​wer (Alpinia zerumbet). Bei ihm muss ich sogar noch etwas suchen, bis ich außer den schon sehr eindrucksvollen Knospentrauben voll aufgeblühte Kaskaden finde.



Blüte des Muscheling​wer (Alpinia zerumbet)



Auch an der Nationalstraße direkt beim Hotel bietet sich für mich etwas sehr Interessantes. Bei der Streckenführung hat man einen hohen Hang angeschnitten und dieser Aufschluss - wie der Geologe sagen würde - ist wirklich sehr aufschlussreich. Selten habe ich in den Tropen dermaßen lehrbuchmäßig gesehen, wie sich dort Boden und Vegetation zueinander verhalten und welche Auswirkungen das hat.



Dichter Wald auf kargem Boden 1



Wenn man sich dieses Bild anschaut, müsste man sich doch fragen "Ja, wo sind denn nur die Wurzeln der Bäume?!" Im Gegensatz zu den außertropischen Wäldern reichen die nämlich nicht in die Tiefe, sondern verlaufen in einem wahren Labyrinth auf der Oberfläche. Dort finden sie die für ihr Gedeihen nötigen Nährstoffe, die praktisch von ihnen selbst bereitgestellt werden. Denn die abgestorbenen Pflanzenteile - wie auch totes organisches Material - werden in dem feuchtheißen Klima dermaßen schnell zersetzt, dass die Wurzeln sie sofort wieder aufnehmen können. Die Nährstoffe befinden sich sozusagen in einem ständigen, kurzgeschlossenen Kreislauf.



Wurzelgewirr



Dennoch bleibt die Frage, warum keine tiefgreifenden Wurzeln? Selbst die Riesenbäume haben sich zur Standsicherung die sog. Brettwurzeln "einfallen lassen" müssen. Nun, der Gesteinsuntergrund unter dem Tropischen Regenwald ist im Laufe von Jahrmillionen unter dem Zusammenwirken von hohen Niederschlägen und hoher Wärme bis in große Tiefe verwittert und der so entstandene Boden extrem ausgelaugt worden, dass sich die Bäume anpassen mussten und begannen, ihre Nährstoffe aus der Moderschicht zu ziehen. Dabei spielen winzige Wurzelpilze, die sog. Mycorrhizae, eine entscheidende Rolle, die jedoch mit dem Entfernen der Bäume ebenfalls verschwinden. Der Regenwald produziert seine Nährstoffe praktisch selbst und verleibt sie sich in einem kurzen Kreislauf immer wieder ein.
Diese Bilder machen also deutlich, warum der Boden nach Rodung des Waldes nur für wenige Jahre noch ausreichend Nährstoffe für landwirtschaftliche Produkte hergibt.



Dichter Wald auf kargem Boden 2



Um 18 Uhr 30 starten wir unsere "Nachtwanderung". War es bis vor kurzem noch erlaubt, sich auf und neben den Wegen im Nationalpark zu bewegen, besagt eine neue Regelung, dass man nur auf der Straße, die in den Park führt, auf Tierbeobachtung gehen darf. Dadurch sollen die Tiere nicht so sehr in ihrer Ruhe oder bei ihren nächtlichen Aktivtäten gestört werden. Das ist verständlich.
So laufen wir - "bewaffnet" mit Taschen- und Stirnlampe - mit unserem weiblichen Guide Janine langsam am äußersten Rand der Straße entlang, horchen auf alle möglichen Geräusche und starren gebannt unseren Lichtstrahlen in die pechschwarze Nacht hinterher.



Mit Taschen- und Stirnlampe...



Ohne Janine wären wir sicherlich völlig erfolglos heimgekehrt, doch dank ihrer Erfahrung kommen wir doch noch in den Genuss, einige nachtaktive Tiere sehen und auch fotografieren zu können. Am besten gelingt das bei einem blau-grün-gelben Baumfrosch, einem sehr kleinen Chamäleon und einem Plattschwanzgecko.



Baumfrosch



Augen leuchten in der Nacht.

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Wir vernehmen das Gequake vieler weiterer Baumfrösche, auch die Rufe einer Eule, doch der "Knaller" soll uns einfach nicht gegönnt sein. So sehr sich Janine auch anstrengt, einen Mausmaki, den kleinsten der Lemuren, kann sie nicht entdecken. Ein kleiner, wenn auch nur schwacher Trost ist ein Östlicher Wollmaki (Avahi laniger), der aus dem Geäst eines Baumes zu uns hinunterschaut. Ein gutes Foto kann bei dem doch recht beträchtlichen Abstand leider nicht entstehen.
Eine Überraschung ganz anderer Art bietet zum Schluss unseres Spaziergangs dann noch eine in der Nacht blühende Blüte eines Strauches. Es sei eine Mussaenda, meint Janine.



Weiße Blüte in schwarzer Nacht



Wald, wo bist du geblieben? 1

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Schon kurz nach unserem Aufbruch am nächsten Morgen können wir sehen, wie bedroht die auf Madagaskar noch verbliebenen Regenwälder sind, wenn nicht große Anstrengungen unternommen werden, so große Bereiche wie nur möglich als Naturreservate zu erhalten. Auf viele Kilometer ist die Berglandschaft beiderseits der N 2 praktisch ihrer Waldbedeckung beraubt. Wie aus einem Flickenteppich schauen frische Wunden zwischen den bereits agrarisch genutzten Flächen heraus.



Wald, wo bist du geblieben? 2



Mehrfach halten wir in kleinen Ortschaften, um uns auf den Märkten entlang der Straße umzuschauen. Man spürt die Armut der Menschen, doch ist es nicht so bedrückend wie beispielsweise in Indien. Es ist auch nicht im entferntesten so schmutzig wie in den Ländern Westafrikas.



Straßenmarkt



Buntes Warenangeb​ot 1

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Auf der guten Asphaltstraße geht es stetig abwärts der Küste entgegen und es wird zunehmend heißer. Der Anbau von landwirtschaftlichen Produkten wie Bananen, Maniok, Kokospalmen und Gewürzpflanzen bestimmt mehr und mehr das Landschaftsbild, wobei es in erster Linie wohl um den eigenen Bedarf geht, aber auch um den Verkauf auf lokalen Märkten, nicht jedoch für den Export. Dafür sind die bewirtschafteten Flächen zu klein.

Der Straßenmarkt in dem kleinen Ort Manambonitra beeindruckt uns durch seine bunten Waren. Abgesehen von den Stoffen scheinen es Produkte aus der Region zu sein. Besonders auffallend sind die aus Bast gefertigten knallbunten Taschen und Hüte sowie die bespannten Holzhocker.



Buntes Warenangeb​ot 2



Hinter Manambonitra müssen wir die N 2 verlassen und rumpeln die nächsten 10 Kilometer über eine Piste. Kurz bevor wir den Lac Rasoabe erreichen, wo wir eine Piroge besteigen wollen, stellt sich uns ein für Madagaskar sicherlich nicht ungewöhnliches Problem: Bei einem Zyklon, der vor einem Jahr über die Insel hinweg gefegt ist, wurde auch eine Brücke, über die unsere Piste führt, zerstört. Etwas abseits hat man eine Behelfsbrücke gebaut, die recht stabil aussieht. Dennoch ziehen wir es vor, Sou unseren Wagen ohne "unseren Ballast" hinüberfahren zu lassen.



Es war einmal eine Brücke ...


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Kommentare

  • reisefreudig

    Servus Hartmut,
    ... jetzt nach Wochen Deiner Bildpräsentationen wissen wir, welche gewaltiges "Weg-Zeit -u. Bild" Dokument Du wieder mal ( nach Deinen zwei ersten Teilen ) hier geschaffen hast. Auch Deine darin vermittelten Tieraufnahmen würde jeder Universum TV Serie zur Ehre gereichen. Ich hoffe und wünsche Dir, dass viele hier Dein "Riesenwerk" studieren, auch Deine so wohl gewählten Bilder ausführlich betrachten, um sich daran zu erfreuen und diese Freude auch in ihren Bewertungen zum Ausdruck bringen.
    Von mir, mit großer Bewunderung, zu Deiner Ausdauer und mit Kompliment, zu dieser so umfassenden Gestaltung gibts mal 5* dazu.
    lg Harald

  • traveltime

    Respekt!
    LG Rolf

  • Chrissi

    Da bin ich derselben Meinung. Vor allem die Fotografien sind unschlagbar.
    LG Christel

  • tumtrah

    Hallo Harald und Wolf, liebe Christel,
    Ich freue mich sehr über eure Wertschätzung meiner Arbeit. Habt ganz herzlichen Dank! Wenn nur nicht das Beschriften praktisch ALLER Bilder nötig wäre, das würde doch eine große Erleichterung sein - vor allem in zeitlicher Hinsicht! Das zum Aspekt "Ausdauer." Ich weiß aber, dass auch meine Leser Ausdauer brauchen werden bei so viel "Ausführlichkeit". Aber vielleicht zieht man ja einen kleinen Gewinn daraus. (Den hatte ich zumindest selbst durch die intensive Beschäftigung.)
    LG Hartmut

  • Blula

    Lieber Hartmut!
    Auch der 3. Teil Deines Madagaskar-Berichts ist, wie könnte es anders sein, einfach fabelhaft. Und tatächlich, hier hast Du uns neben allen anderen Schönheiten der Landschaft und der Natur die einzigartige Tierwelt nochmals ganz besonders nahegebracht. Diese außergewöhnliche Artenvielfalt findet man ja nirgendwo sonst. Und so möchte ich neben allen Deinen anderen Fotografien ganz besonders die der Tiere hervorheben, die Du sicher in den meisten Fällen auch unter erschwerten Bedingungen machen „musstest“.
    Nun ist also leider diese virtuelle Bilderbuch-Traumreise mit Dir zu Ende. Bestimmt hätte manch einer von uns auch gerne real daran teilgenommen..... allerdings ohne das Abenteuer des herannahenden Zyklons :-( Oje.
    Aber Gott sei Dank ist das bei Euch ja nochmal gut ausgegangen. Auch solche Ereignisse gehören ab und zu und in irgendeiner Weise eben zu den Reiseerlebnissen.
    LG Ursula

  • tumtrah

    Liebe Ursula,
    ich habe mich sehr über deine Gedanken zu meinem Bericht gefreut. Wie ich schon in der Kurzzusammenfassung geschrieben habe, hatten wir wirklich Glück. Vielleicht war es sogar außergewöhnlich groß, denn ich habe schon Berichte gelesen, in denen ganz anderes zum Ausdruck kam - was mir natürlich sehr leid tat.
    Was den Zyklon betrifft, war ich irgendwie gespalten. Schon zweimal bin ich haarscharf an einem Hurrikan vorbeigeschrammt, einmal in Miami, einmal auf Antigua. Auch da habe ich mir ein "Sollte-man-doch-eigentlich-mal-erlebt-haben" nicht verkneifen können.
    Vielen Dank auch für deine zahllosen guten Bildbewertungen!
    LG Hartmut

  • globetrotter

    Auch Teil 3 ist wieder klasse:) ich bin richtig traurig, dass es keinen Teil 4 oder 5.... geben wird:)) Danke fürs Mitnehmen und die eindrucksvollen Aufnahmen:))))
    Das rote Chamäleon im Perinetpark hat scheinbar auch auf uns gewartet :))))
    LG Ute

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  • tumtrah

    Liebe Ute,
    meinen allerbesten Dank für dein großes Interesse und dein Bedauern darüber, dass es keine weitere Fortsetzung geben wird. Darin versteckt sich ein großes Lob, das ich gerne annehme. Vielen Dank auch, dass du dir die Finger (beinahe) wund geklickt hast beim Bewerten der zahllosen Fotos!
    LG Hartmut

  • Geisslein

    Hallo Hartmut,
    Danke für den tollen Reisebericht, welcher wieder viele Erinnerungen bei mir wachruft. Viele Stationen haben wir auch besucht. Gesichter kamen mir bekannt vor und teilweise habe ich diese Personen auch fotografiert.
    Bei unserer Reise war leider die Jahreszeit falsch und wir haben fast keine Tiere gesehen. Irgendwann werden wir wieder dorthin reisen. Die Natur und Tierwelt in Madagaskar ist schon einzigartig und dies hast Du sehr gut anschaulich gemacht. DANKE.
    LG Heike

  • tumtrah

    Liebe Heike,
    ich freue mich, dass dir mein Bericht gefallen hat und ich dir viel Gutes in Erinnerung gebracht habe. Gleichzeitg bedanke mich auch für die Freundschaftsanfrage, zu der ich dich mit diesem Bericht offenbar animiert habe. LG Hartmut

  • Uhute

    Hallo Hartmut!
    Ein großartiger Reisebericht zu Madagaskar !! Ich kann nur erahnen, wieviel Arbeit und Zeit du investiert hast. Dein ausführlicher Bericht, die vielfältigen Infos zu diesem außergewöhnlichen Land, den Menschen und Tieren, aber vor allem die vielen eindrucksvollen Fotos begeistern mich sehr. Und schaffen es doch glatt, einen lang gehegten, aber bisher nicht verwirklichten Reisewunsch im nächsten Jahr in Angriff zu nehmen. Vielen vielen Dank !!
    Liebe Grüße von Ute

  • tumtrah

    Liebe Ute,
    ich freue mich sehr darüber, welche Wirkung ich bei dir mit meinem Bericht erzielen konnte. Was wollte ich da noch mehr?
    LG Hartmut

  • ursuvo

    und ich habe nun endlich auch Deine tollen Bericht mit den ebenso tollen Fotos gelesen und angesehen - das muss ja wirklich eine traumhafte Reise gewesen sein! Und Du hast auch die "Kleinigkeiten" so anschaulich und liebevoll beschrieben - ich habe mich wirklich sehr gern in diesen Bericht vertieft!!!
    LG Ursula

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  • tumtrah

    Liebe Ursula,
    vielen Dank für dein großes Lob! Das tut mir richtig gut, denn ich bin etwas enttäuscht darüber, dass du erst die zehnte bist, die diesen Berichtsteil bewertet und kommentiert hat. Da die Fotos im Vorfeld entschieden mehr Interesse geweckt haben, hat mich das doch schon überrascht. Also nochmals meinen aufrichtigen Dank für deine Anerkennung, nicht zu vergessen für deine neuneinhalb (!!) Seiten guter Bildbewertungen!
    LG Hartmut

  • ursuvo

    Lieber Hartmut, diesen guten Bericht hab' ich natürlich sehr gern gelesen, bewertet und gelobt! Aber wie Du sicher gemerkt hast, hat es auch bei mir eine Weile gedauert bis ich ihn gelesen habe. Das lag wohl u. a. an der Länge des Berichts - dafür will ich mir nämlich Zeit und Ruhe nehmen! Und die hatte ich diesmal aus verschiedenen Gründen eine ganze Weile nicht. Wahrscheinlich geht es andern hier auch so - die Berichte sind ja auf dem Merkzettel gespeichert....! Es liegt bei Deinen Berichten ganz sicher nicht an der Qualität!!
    Ich war z.B diesmal etwas überrascht, dass ich doch viele positive Kommentare zu meinem letzten Bericht bekommen habe, aber dann habe ich ausnahmsweise mal nachgezählt und festgestellt, dass einige der Kommentatoren keine Punkte vergeben haben - aber die Kommentare sind mir doch wertvoller als die Punkte:-)))
    LG Ursula

  • brandriba

    Nun habe ich auch den dritten Teil Deiner Reise gelesen, v.a. die tollen Bilder der besonderen Tierwelt haben es mir angetan. Bis anhin bin ich einigen nur im Zoo begegnet (Masuala Halle Zoo Zürich) wie viel eindrücklicher muss da die Beobachtung in freier Natur sein. Dazu die vielen Informationen zu Land und Leute, den Problemen die das fragile Ökosystem bedrohen, ein Reisebericht der besonderen Art.
    Weiter oben vermerkst Du Deine Enttäuschung über den Mangel an Bewertungen, ich glaube die RC funktioniert halt auch ein Stück weit auf Gegenseitigkeit, Leute die meine Berichte lesen wecken mein Interesse und dann lese ich auch was mein Besucher so erlebt hat. Wir Schreiberlinge möchten für die viele Arbeit, das Herzblut mit wohlwollenden Lesern und gerne lobenden Kommentaren "belohnt" werden, das kann aber auch mal dauern bis der Text seine Leser findet. Gräm Dich nicht, wahre Qualität hat kein Verfallsdatum, viel schlimmer sind so dumme Zeitgenossen die nach dreissig "Begeisterten" dann aus welchen Gründen auch immer aus der Anonymität heraus mies nur 1 Punkt vergeben...
    In diesem Sinn: Mach weiter, ich komme auch noch zu weiteren Deiner Berichte zurück.
    LG DAni

  • tumtrah

    Herzlichen Dank, DAni! Das ist "Honig auf meine Seele". Auch für die vielen guten Bildbewertungen sage ich Dankeschön!
    LG Hartmut

  • female42

    Hartmut, wie immer, einfach nur super klasse!!!!!

  • tumtrah

    Liebe Sonja,
    hab ganz herzlichen Dank für dein so gutes Urteil. Ich freue mich sehr darüber!
    LG Hartmut

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Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar abzugeben. Madagaskar: Bei Baobabs, Lemuren und Chamäleons. Teil 3: Der Osten." 5.00 12

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