Winter in Saint-Tropez

Reisebericht

Winter in Saint-Tropez

Reisebericht: Winter in Saint-Tropez

Den Winter in Südfrankreich verbringen - das wollte ich schon länger, jetzt habe ich es getan. Und es ist nicht so, wie man denkt: nicht mondän, sondern gemütlich. Nicht warm, aber wärmer als in Deutschland. Und die Farben, das Licht, die Gerüche - alles da, dazu braucht man keinen Sommer.

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Jetzt sind die 10 Wochen fast um – seit Ende Dezember bin ich hier, in Saint-Tropez, wo die Reichen und Schönen während der Saison feiern.
Im Winter ist der mondäne Ferienort eher ein gemütliches Dorf. Zwar fallen an den Markttagen – Dienstag und Samstag – Touristen aus den umliegenden Orten ein, und über Sylvester und Neujahr war es fast „voll“, aber insgesamt ist der Ort außerhalb der Saison nicht der mondäne Jet-Set-Ort, den man sich landläufig darunter vorstellt.
Ich bin das dritte Mal hier, habe vor vier Jahren im Internet ein Häuschen am Meer gefunden, das im Winter bezahlbar ist. Die Vermieterin ist froh, wenn im Winter jemand im Haus wohnt, aufpasst, dass es bei Sturm keine Überschwemmung im Haus gibt, die Heizung bezahlt und somit die Räume nicht feucht werden. Es ist ein ehemaliges Fischerhaus, an das ein Bad und eine Küche angebaut wurde.

Freunde fragen mich, was um Gottes Willen mich im Winter hierherzieht: Es zieht und es ist oft kalt im Haus. Das Haus hat weniger Komfort als unser Haus in Deutschland, es ist schlecht zu heizen (Elektroöfen), der Kamin zieht nicht, in der Dusche schimmelt es. Das Schlafzimmer riecht muffig, das Fenster schließt nicht richtig. Wenn der Mistral bläst, merkt man den Luftzug im Wohnzimmer, wenn man nah am (geschlossenen) Fenster steht.

Es ist das Meer! Wo kann man morgens die Läden aufmachen, übers Meer schauen – im Vordergrund 3 geankerte Segelboote, dahinter die Küste von Sainte Maxime und Fréjus, im Hintergrund die schneebedeckten weissen Berge? Wo man von der Terrasse direkt an den Strand gehen kann – und den Hund einfach rauslassen, noch im Nachthemd. Und es ist zwar nicht warm – aber man kann trotzdem in der Sonne sitzen, wenn es nicht windig ist, manchmal sogar schon morgens, mit der Kaffeetasse in der Hand und noch Schlaf in den Augen.

Der Hund – Gina, eine asiatische Mischlingshündin, die eher tropische Strände und Temperaturen gewöhnt ist - hat das Haus auch zum Zuhause erklärt: Als ich die Heckklappe öffnete, nahm sie ihr Kuscheltier ins Maul und lief schnurstracks den Weg entlang auf die Eingangstür zu. Sie geht hier allein spazieren, sie kennt den Weg, den wir normalerweise zusammen am Strand gehen: Rechts um die Bucht herum – Baie des Canubiers – bis hin zur Segelschule, dort begrüßt sie die Hunde, dann läuft sie noch ein bisschen weiter. Wenn ich sie allein losziehen lasse, macht sie es genauso. Falls irgendwo am Strand andere Hunde sind, werden die begrüßt, aber im Prinzip lässt sie sich nicht von ihrer Route abbringen. Und nach einer Weile ist sie dann wieder da, trödelt vor dem Terrassentor herum und wartet, dass ich sie wieder reinlasse. Passanten bellt sie nur an, wenn sie vor UNSEREM Haus stehen bleiben. Guter Hund!

Und es ist natürlich das Licht – im Museum de L’Annnonciade in Saint-Tropez – eine ehemalige Kapelle, sehr schön renoviert und mit einer kleinen feinen Sammlung an Gemälden von lokalen, aber auch bekannten Künstlern (Signac, Matisse, Cezanne) - kann man sehen, wie die Maler das berühmte Licht der Cote d’Azur eingefangen haben. Ich schaffe das nicht mit dem Pinsel, aber mit der Kamera. Es sind schon über 1000 Bilder in diesen drei Monaten, aber ich werde nicht müde, immer wieder dieselben Motive – Strand, Strandgut, Möwen und Komorane, Palmen und Mimosen, Sonnenauf- und Untergänge – zu fotografieren, bei immer anderem Licht, und die Fotos anzuschauen.

Und das Essen – der Markt von St. Trop, und natürlich alle anderen Märkte sind eine große Versuchung: Oliven aus Nyons – das sind die besten – Käse von überall: St. Nectaire, den es in Deutschland nicht gibt, jungen, mittelalten, alten Comté, verschiedenen Tomes, aus Kuh-, Schaf- oder Ziegenmilch, oder gemischt. Schwarze Trüffel gab es im Januar. Schinken direkt vom Knochen geschnitten. Gebratene Wachteln – mit Provencekräutern gewürzt. Und natürlich Klamotten, Schmuck und die schönen französischen Jacquard-Tischdecken.

Und das Gemüse: Außer dem, was es bei uns auch standardmäßig zu kaufen gibt, finde ich hier jeden Samstag auch Artischocken, frische Limonen und Zitronen aus Menton, Kohl und Rüben in allen Farben und Formen. Baguettes in unterschiedlichen Varianten, inzwischen auch Vollkorn, Roggen, gedreht, spitz oder eckig am Ende, aber meist lang, selten rund.

Die Boutiquen von Saint-Tropez sind größtenteils geschlossen, sie haben nach Neujahr zugemacht und das Schild rausgehängt: Au revoir à Pâques – wir sehen uns Ostern wieder. Aber als meine Freundin M. mich übers lange Wochenende besucht – sie liebt Boutique-Shoppen in Frankreich – finden wir doch ein paar Boutiquen, die geöffnet sind. Die Verkäuferinnen – oder Besitzerinnen, das ist nicht überall eindeutig – sind nett, auch ein bisschen gelangweilt, weil im Winter so wenig Kundschaft kommt. Dafür kann ich zuschauen, wie sie meiner Freundin alles anpreisen, was auch nur annähernd passen könnte, und sogar aus Hinterzimmer noch die „nouvel arrivés“ – die neue Frühjahrsmode – holen. Wir bekommen ein paar Einsichten in das Leben der Tropeziennes: Mittagessen im Café de Paris am Hafen, Plausch mit der Freundin in der Boutique, ein bisschen Klatsch über diese und jene. Zur Zeit sind wohl keine Promis im Dorf, im letzten Jahr war Mario Adorf einkaufen auf dem Markt. Und die Geissens mit ihrer Filmcrew – was den Einheimischen nur ein Kopfschütteln wert war.

Auf Anraten einer Verkäuferin gehen wir in besagtem Café de Paris am Hafen dinieren. Schöner Saal im alten Stil: Kronleuchter, Samtbank entlang der Wand, eine lange Bar. Viele gut aussehende Kellner. Das Publikum gemischt, Kleidung leger bis chic. Der Laden ist relativ voll, trotzdem bekommen wir einen guten Platz. Allerdings fragen wir uns, wie die Boutique-Verkäuferin hier wohl mittags regelmäßig essen kann: Hauptspeisen ab 30 Euro, und die Pommes zum Tartar kosteten extra 6 Euro. Das Publikum gemischt: Junge an der Bar, ein älterer Herr mit einer ganz jungen Dame am Tisch – nicht die Tochter, nicht die Enkelin, nein, sie küssen sich. Eine Familie im hinteren Teil des Restaurants. Ein paar Schnösel, die viel Teures bestellen und von allem nur nippen und den Rest stehen lassen.

Dies bleibt meine einzige teure Exkursion in den 10 Wochen. Es gibt bezahlbare Restaurants, die „Sporting“ Bar am Place des Lices in St. Tropez, die an Markttagen immer voll ist, und an anderen Tagen auch gut besucht bis zum Einbruch der Dunkelheit. Man sitzt in der Sonne, bei schlechtem Wetter mit Heizpilz oder sogar hinter der Plastikplane, kann aber auf die Straße gucken. Das Essen ist gut und die Bedienung nett. Ebenso bei Clem's in Grimaud – mittags immer voll, die Küche schließt um 14:30. Danach sitzt man auf der Terrasse in der Sonne und trinkt Rosé oder Kaffee – und kommt mit den Tischnachbarn ins Gespräch: Ein Pfälzer tauscht mit einem Schwaben die Restaurant-Tips aus. Eine Engländerin plaudert mit einer Französin. Ein paar einheimische Motorradfahrer flirten mit der Bedienung.

Leider muss ich jetzt wieder nach Hause. Das Packen fällt schwer – und die Taschen sind voller als bei der Ankunft: Lavendelhonig, Olivenöl, Seife und eine Tischdecke mussten es dieses Jahr sein. Und eine warme Kuscheldecke für die kalten Abende. Bei der Abreise zahle ich die Nebenkosten: Heizen mit Strom ist teuer. Aber es war jeden Cent wert – und nächstes Jahr komme ich bestimmt wieder.








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Kommentare

  • weltreisen

    als absoluter frankreich-fan fand ich diesen bericht natürlich sehr interessant, zumal ich diese gegend recht gut kenne. ein kleiner minuspunkt bei deinem bericht - es fehlen bilder...
    weltreisen

  • tantelisa

    bin grad dabei, die Bilder rauszusuchen - es gibt über 1000...

Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar abzugeben. Winter in Saint-Tropez 4.50 2

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