Von Medellin zum Piedra del Penol

Reisebericht

Von Medellin zum Piedra del Penol

Reisebericht: Von Medellin zum Piedra del Penol

Ein Ausflug zum schwarzen Monolithen

Anfahrt zum Penol

Der Bus ist randvoll. Also das Büsslein, eine ziemlich alte Kiste, eher so ein kleiner bunter Ami-Schulbus, der eigentlich keinen Platz hat für meinen Rucksack oder sonstiges Gepäck. Aber der Buschauffeur macht kein grosses Aufhebens darum. Er würgt ihn irgendwie zwischen die Sitze und schon fahren wir. Es ist eine lustige Gesellschaft, die sich hier mit mir von Medellin Richtung El Penol aufmacht. Vorallem Frauen mit ihren Kindern, die sich gegenseitig und mir Fragen stellen (z.B. wollen sie wissen, wo genau der Bus hält und dann schauen sie mich an).

Natürlich weiss ich keine Antwort. Aber es sind schon nette Menschen, denn ich bekomme immer wieder einen Happen ab, die Frauen haben nämlich allerlei Leckereien dabei. Dennoch gefällt es mir hier drin gar nicht, denn ich sitze in der hintersten Reihe und hier ist man nicht nur eingeklemmt, sondern ich sehe auch nicht zum Fenster hinaus, denn das wurde mit irgendeiner schwarzen Sonnenschutzfolie verklebt. Dabei glotze ich doch sogern Landschaften an.

Irgendwann werden die lieben Mitreisenden unruhig. Und ich natürlich auch, denn ich sehe ja nicht hinaus und frage mich, wo wir sind, denn schliesslich muss ich ja noch meinen Rucksack ausgraben und wer weiss schon, wie lange die Busse hier halten.



La Piedra del Penol, Kolumbien



Der Ort El Penol ist erreicht, wie der Busfahrer laut kundtut. Fast alle steigen aus. Schön wirkt der Ort nicht auf mich, aber mir wird sowieso gesagt, dass ich sitzen bleiben soll. Der nette Mann neben mir bekräftigt dies mehrere Male und eine Frau mit ihrem behinderten Kind meint, sie gehe auch zum Piedra und gibt mir nochmals ein Läckerli. In Penol scheint alle auf den Beinen zu sein, es wimmelt von Volk, von Bussen, bei denen die Passagiere auf den Dächern sitzen oder bei den kleinen Bussen, so eine Art Jeep, auf das Trittbrett springen und sich an einer Stange festhalten. Ich bleibe aber sitzen und kann nun rausglotzen und wow! ist das eine fantastisch schöne Landschaft. Saftig grün, hügelig und voller Gewässer. Und als der Bus wieder anfährt und die nächste Kurve nimmt, sehe ich mein Ziel, den Höhepunkt meiner Reise: La Piedra del Penol, ein schwarzer Monolith, der hier wie ein Fremdkörper aus der Landschaft ragt. Da will ich rauf!



ÖV in Medellin



Medellin

Medellin wird in allerlei Tönen gelobt, Trendstadt genannt, das Reiseziel schlechthin. Man fragt sich nur warum. Ja, Medellin hat wirklich eine beeindruckende Leistung vollbracht. Früher hätte ich mich in Medellin niemals getraut, einfach so durch die Stadt zu schlendern. Heute tue ich es und das einzige Problem, dem ich begegnete, ist der Sonnenbrand. Neben der Sicherheit punktet Medellin mit einem tollen ÖV-Angebot, Mietvelos und auch sonst tut man alles, um die Bevölkerung glücklich zu machen. Für den Touristen aber bleibt Medellin eine riesige Stadt die sich scheinbar endlos durch das lange Tal zieht und sich die Hänge hochfrisst - mit dem für eine Grosstadt üblichen zu grossen Verkehrsaufkommen. Die Sehenswürdigkeiten sind von einander weit entfernte Oasen in der sonst gesichtslosen Stadt. Ziellos herumzuspazieren, wie ich es so gerne mache, macht in Medellin wenig Spass. Die Stadt ist sicherlich eine Reise wert. Mehr aber auch nicht.

Das Quartier Poplado ist eine Ansammlung von Kneipen, Restaurants und ein paar Diskotheken. Ein ganz nettes Quartier. Der Ausgang in Kolumbien hat sich seit meiner ersten Kolumbienreise nicht verändert. Kolumbianer gehen in Gruppen fort. Sie essen in dieser Gruppe, sie trinken in dieser Gruppe. Und man tanzt. Tanzen ist schon so ein Phänomen. Frauen tanzen so gerne und sie sehen dabei so glücklich aus. Ich hasse tanzen. In Kolumbien aber scheint tanzen weit mehr als nur "tanzen" zu sein. Nicht mit einer Frau zu tanzen könnte hier schnell mal bedeuten, dass man sie nicht mag. Das will man ja nicht, aber tanzen will man auch nicht. Oooch ist das gemein. Also ich mache sie glücklich, weil ich mit ihr tanze und mich damit todunglücklich. Tanze ich nicht, ist sie todunglücklich und ich ja jetzt auch, weil ich sie ja nicht unglücklich machen will, aber ich bin nicht so unglücklich, als wenn ich mit ihr tanzen würde. Ochochoch. So ein Scheiss. Der einzige Weg davonzukommen ist, nicht in die Diskotheken zu gehen.



Plaza Botero, Medellin



Die Frauen Medellins haben schon unglaubliche Körper. Sowas muss man auch zuerst einmal mit eigenen Augen sehen. Der Mensch scheint hier ziemlich nachgeholfen zu haben. Total schlanke Hüften und üppigen Oberweiten, und diese Körper zwängen sich in die engsten Kleider. Es wirkt auf mich unnatürlich, da sind irgendwie die Proportionen verrutscht. Nun ja, jedem das Seine.

Eigentlich gefällt mir mein Plätzchen in der Kneipe ganz gut. Nur kommen immer mehr Menschen und ich blockiere noch immer einen Vierertisch. Daher breche ich auf und klappere noch ein paar Seitengassen ab. Hier hat es noch ziemlich coole Ecken. Ich bin mittlerweile nicht mehr der Jüngste und müde und habe etwas Temperatur. Daher lege mich schlafen. Mein tolles Hotelzimmer ist sowieso die positive Überraschung. Backstein und Holz, coole Innenarchitektur. Da ist man gerne im Zimmer. Draussen hört man ziemlich laute Diskomusik.



Plaza Botero, Medellin



Viel zu früh bin ich wach. Hellwach. Vielleicht der Jetlag. Es macht mir nichts aus. Ich lese halt ein bisschen. Irgendwann beendet die Disko den Betrieb und eine herrliche Stille macht sich breit. Nun ja, für ganz kurze Zeit nur. Denn nun kommen die Amis nach Hause und Amis sind nun einmal keine leise Spezies.

So schreien sie durch die Gänge, Türe schletzen, Gegrölle und dieses "wuhuuu" und dann verschwinden sie wieder. Sie gehen auf Biersuche, zumindest hat das einer durch den Gang geschrien. Stille kehrt wieder ein. Im 20 Minutentakt kommen und gehen sie wieder, ab und zu geht eine Tür auf und andere Amis wollen mitfeiern. Offenbar bin ich in einem Ami-Hotel. Doch irgendwann passiert seltsames. Babygeschrei aus einem Zimmer. Das scheint den Frauen ans Herz zu gehen. Nun dominieren Psssscht-Geräusche und bald kehrt Stille ein. Was man in einer Hotelnacht nicht alles mitkriegt!

Als Abschluss meines Medellin-Aufenthaltes mache ich noch einen Ausflug zum Parque Arvi. Der Weg dahin ist ziemlich cool. Über mehrere Seilbahnen geht es an der spanischen Bibliothek vorbei in den Wald hinein und weiter und weiter. Nichts ist mehr zu sehen ausser Wald, bis irgendwann die Endstation auftaucht. Stellt sich nur die Frage, warum gerade hier?

Es hat ein paar kleine Marktstände, sonst nichts. Ein paar Wege sind zu sehen, aber ich habe keine Karte. Schön ist es hier gar nicht, aber es soll hier ziemlich schöne Ecken haben, u.a. einen See. Aber zu dem sei es immer noch eine Stunde Fussmarsch und ohne Karte? Ich mit meinem Orientierungssinn bin der erste, der sich ohne Karte richtig übel verläuft. Man fragt sich, warum man die Seilbahn nicht weitergezogen hat.

Lange Rede kurzer Sinn: Ich bin bald wieder auf dem Weg zurück. Der Parque Arvi war ein ziemlicher Reinfall. Die Spanische Bibliothek scheint aber ganz andere Sorgen zu haben. Sie ist in einem dicken Gerüst verpackt. Angeblich stimmt da etwas mit der Statik nicht.

Die Seilbahn schwebt knapp über den Dächern, deren Wohnungen man mit europäischen Augen als knapp bewohnbar bezeichnen würde. Die Gegend macht mir aber einen erstaunlich sauberen und freundlichen Eindruck, wenn man bedenkt, dass hier im Süden der Stadt vor nicht allzulanger Zeit Bandenkriege tobten.

Auf dem Rückweg nehme ich noch einige Sehenswürdigkeiten mit. Der Jardim Botanico ist eine nette grüne Oase in der Stadt, schön hier zu spazieren, der Plaza Botero und die anschliessende Gasse ist eine Fussgängerzone, die man mit lustigen Skulpturen Boteros versehen hat.

Danach hat es sich aber mit den Sehenswürdigkeiten. Der Zoobesuch scheitert daran, dass ich einfach keinen Weg über die grosse Strasse finde. Der Cerro de Nutibara hat mich nach all den Seilbahnfahrten nicht mehr gereizt und so lande ich irgendwann wieder mit rotem Kopf und geröteter Haut in Polado.



Aussicht vom Piedra del Penol, Kolumbien



La Piedra

Nun bin ich also hier. Am Piedra del Penol. In den Reiseführern wird er nur am Rande erwähnt und auch nur wenige Reiseberichte geraten bei diesem Anblick ins Schwärmen, für mich ist er aber ein absoluter Highlight. Also hinauf!

Das kann man tun, nur ist Sonntag nicht unbedingt die beste Idee, denn man hat das Gefühl, dass halb Kolumbien da rauf will und dazu ein einziger Gringo. Und so sehe ich bald schwarz. Eintritt bezahlt, die ersten 10 der rund 600 Stufen hinter mir und dafür schon 10 Minuten gebraucht. Absolut nichts geht. Manchmal überholt einer, aber ich sehe den Sinn darin nicht, weil ich davon ausgehe, dass wir jetzt bis oben diesen stockenden Kolonenverkehr haben werden. Aber wiedermal schnalle ich gar nichts. Als ich um eine Kurve komme und mir so ein Typ "passa" zuruft und ich an ihm vorbeimarschiere sehe ich den Grund. Eine uralte Frau will da hoch und die ist nunmal langsam. Kaum hat man sie passiert, hat man freie Bahn und so rasen jetzt die Kolumbianer mit dem Gringo im Schlepptau die Treppen hoch. Einer nach dem anderen macht bald schlapp und braucht eine Pause, kurz vor dem Gipfel auch noch das hübsche Teenie, das gleich zu Beginn ein Mördertempo einschlug und schliesslich bin auch ich oben angelangt, alle sind gut gelaunt, alle glücklich.

Die Landschaft haut einen wirklich von den Socken. Wow ist das eine fantastische Ecke. So weit das Auge reicht eine von Inseln durchzogene Seenlandschaft. Ich kann mich kaum sattsehen. Doch es geht ja noch weiter hoch! Es hat auf dem Monolithen noch so ein Türmchen und da will ich hoch, was sich aber als Fehler erweist. Denn die Plattform auf dem Türmchen ist völlig überfüllt, weil irgendso eine Heilige Truppe dort einen Gottesdienst feiert und sich ziemlich breit macht. Ich weiss gar nicht, wo ich meine Füsse hintun soll, alle sind gutgelaunt, keine Hektik nichts, ich bin da wesentlich unruhiger, denn man kommt nicht mehr runter. Die Treppe ist zu schmall und laufend kommen neue Menschenmassen hoch und da der Strom nie abreisst, kann ich keine Lücke nutzen um mich wieder hinunterzubegeben. Alles staut sich also an diesem Engpass. Schliesslich drücke ich mich einfach an den hochlaufenden vorbei. Sonst kommt man ja nie runter. Kein Gemotse nichts. Alle sind gut drauf. Die Kolumbianer sind schwer in Ordnung.

Oben auf der Plattform unterhalb des Türmchens hat es eine einfache Kneipe. Alles muss hier auf der Treppe hochgetragen werden und diese Träger kommen jeweils fix und fertig oben an und laden die Getränke und Esswaren ab. Wow, was die für Power haben müssen.



"Heilige Truppe" auf dem Penol, Kolum...



Irgendwann hat man sich auch ab der schönsten Landschaft sattgesehen und ich begebe mich wieder nach unten, dazu hat es eine separate Treppe. Das nette Päärchen, das ich oben kennengelernt habe, kommt auch mit und läuft ganz vorsichtig. Davon will ich natürlich nichts wissen und niemand muss auch wissen, dass es mich zweimal beinahe umgehauen hätte, als ich über Treppenstufen rutschte. Ach ja.

Unten am Monolithen wimmelt es von Kneipen und Souvenierläden und Menschen natürlich. Ich verweile ein bisschen, auch die Heiligen kommen bald runter und machen vor ihrem Tourbüsschen noch einmal einen Gottesdienst. Sie tragen seltsame Kleider werfen die Hände nach oben, preisen Gott, lassen den Körper zusammenfallen und werfen wieder die Hände nach oben. Jedem das Seine.

Och war das ein schöner Ausflug! Aber ich habe noch immer Appetit. Daher entscheide ich mich, die nächste Attraktion gleich dranzuhängen.



Guatape



Guatape

Ich mache mich auf den Fussweg nach Guatape. Auch ist nur eine gute Idee für Leute, die keine Mühe damit haben, auf einer kurvigen Strasse ohne Trottoir zu laufen. Zuerst geht es mal über eine Brücke, von welcher man eine herrliche Aussicht auf den Piedra del Penol geniesst. Auch hat es hier noch irgendsoeinen Park der ziemlichschön aussieht, aber wohl eher für Kinder gemacht ist. Zumindest ist dies mein Eindruck.

Nach rund der Hälfte gibt es dann einen Fussweg, der auf eine coole kleine Hängebrücke führt, die ziemlich wackelt, wenn man drüber läuft. Dazwischen gibt es immer wieder kleinere Strände, in denen Menschen baden. Irgendwann kommt Guatape in Sicht, ein ganz herzigen Städtchen. Unfreiwillig mache ich noch einen Umweg, weil ich mich an einer Kreuzung für rechts statt links entschieden hatte.

Sonntags ist die Seepromenade von Guatape voll von einheimischen Touristen und einem einzigen Gringo, andere Nichtkolumbianer erkenne ich nicht. Es hat eine ganze Reihe von Restaurants und Unterhaltungsmöglichkeiten. So mische ich mich unter das Volk, esse dieses Paisa, das Essen der Region, schmeckt prima, und gehe noch etwas am See entlang spazieren. Das Städtchen ist ja herzig herausgeputzt, aber die Promenade könnte man optisch schon noch etwas aufwerten, finde ich.

Mir gefällt dieses herzige Städtchen, doch ich mache mich zeitig auf den Rückweg, natürlich wieder zu Fuss und dann das! Kurz nach Guatape begegnen mir doch drei kolumbianische Touristen, die ebenfalls zu Fuss unterwegs sind und nach Guatape laufen! Hätte ich in Südamerika nie für möglich gehalten.



El Recuerdo, Kolumbien



Zurück am Piedra del Penol

Ich habe mir etwas geleistet. Das Hotel El Recuerdo direkt unter dem Piedra del Penol und ist es also für kolumbianische Verhältnisse gar nicht günstig und wenn man dann die Zimmer sieht, dann findet man, dass das gar nicht dem Preis entspricht. Aber das ist alles relativ, denn das Hotel gewinnt durch den die Lage und dem sagenhaften Poolbereich. Da sitzt man im Whirlpool mit direktem Blick auf den Piedra del Penol, den Monolithen, auf dem ich vor kurzem noch herabgeglotzt habe. Oder man geht in den wohltemperierten Pool, wo man direkt auf den See hinunterblicken kann. Neben mir benutzten auch ein paar kolumbianische Gruppen (sie sind immer in Gruppen zusammen) den Poolbereich. Es macht mir hier richtig Spass, weil es so einfach ist, mit den Kolumbianern, die zweifellos aus der Oberschicht stammen, ins Gespräch zu kommen.

Kaum sitze ich im Whirlpool gesellen sich drei Kolumbianerinnen dazu. Alle drei ausgestattet mit unnatürlich grosser und straffer Oberweite, da wackelt nichts und aufgrund der winzigen Bikinis braucht man nicht viel Vorstellungsvermögen und so wie sie sich langsam ins Wasser gleiten lassen hmpf. Ich ziehe zwar natürliche Körper mit all ihren Ecken und Kanten vor, aber trotzdem irgendwie ist es gar nicht einfach, nicht hinzugucken. Jedem das Seine, mir ist da etwas zuviel nachgeholfen worden.

Da es in der Umgebung des Hotels nichts gibt, gehe ich ins Hotel-Restaurant mit wunderbaren Blick auf den Piedra. Nur bin ich natürlich wieder zu früh und der erste. Nach und nach kommen die Gäste des Hotels. Sitzen wieder in ihren Gruppen zusammen und bedienen sich am Buffet. Auch die drei Damen vom Whirlpool mit ihren Freunden. Irgendwann habe ich gegessen und ein paar Bierchen geleert und da es nichts mehr zu tun gibt, gehe ich etwas lesen auf mein Zimmer. Wieder mal zu früh. Als ich mich gerade zum Schlafen bequem gemacht habe, geht auf dem Dach die Disco los. Schade, dass wäre sicherlich noch ein lustiger Abend geworden.


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