Mietwagenreise durch Kuba - ein Abenteuer im Karibikparadies

Reisebericht

Mietwagenreise durch Kuba - ein Abenteuer im Karibikparadies

Reisebericht: Mietwagenreise durch Kuba - ein Abenteuer im Karibikparadies

Vom 5. bis 19. November haben wir Kuba bereist, wobei der Titel "Kubas Westen auf eigene Faust" wörtlicher zu nehmen ist, als ich anfangs dachte. Aber so viel vorweg: Trotz einiger Schwierigkeiten war es ein grandioses Erlebnis!

Die Anreise - der Fluch der Karibik

Es war bereits dunkel, als wir nach elf Stunden Flug mit dem Bus ins Hotel in Havanna fuhren. Alles, was ich erkennen konnte, waren ein paar dicke Regentropfen auf der Windschutzscheibe. "Im Winter regnet es bei uns nie", erklärt die freundliche Dame der Reiseagentur. Aha. Im Hotel dann eine böse Überraschung. Der Bus hat uns in der falschen Unterkunft abgesetzt. Es ist kein Zimmer gebucht. Vor Ort ist es nun 22 Uhr. Aber 4 Uhr morgens nach unserer Zeit. Ich bin hundemüde. Das sieht wohl auch die Mitarbeiterin der Rezeption und nach Hinterlegung von 200,- Euro können wir endlich ein Zimmer beziehen. Am nächsten Morgen geht die Verwirrung weiter.
"Kein Problem. Sie können jetzt erstmal in diesem Hotel bleiben", beruhigt uns die Dame der Reiseagentur und macht eine Notiz auf einem Unterkunftsbeleg. Etwas später.
"Nein, es geht doch nicht. Sie müssen in das eigentlich für Sie gebucht Hotel umziehen."
"Wo ist das?"
"Ach, nicht weit weg." Sie deutet irgendwo in die Ferne.
"Und die 200,-, die wir hinterlegt haben?"
"Die bekommen Sie selbstverständlich sofort."
Tatsächlich bekommen wir das Geld erst nach langen Diskussionen auf Englisch und Spanisch. Und das gebuchte Mietauto (ohne das wir die Rundreise ja schlecht beginnen können) ist auch nicht da. Der Mitarbeiter des Mietwagenverleihs sagt nur irgendetwas von "Konfusion".
Im Hotel, in das wir umziehen sollen, wirft man einen kritischen Blick auf den Unterkunftsbeleg.
"Da hat ja jemand etwas draufgeschrieben. Den können wir so nicht akzeptieren."
Wieder eine längere Diskussion. Der Fluch der Karibik hat uns voll erwischt.
Dann bekommen wir das Zimmer doch. Und auch ein Mietwagen taucht schließlich auf. Wir werden zum Hauptsitz der Mietwagenfirma irgendwo in Havanna gebracht. Dort geht alles ganz schnell. Wir setzen die Unterschrift unter den Vertrag. Das Auto ist neu und in gutem Zustand. Nun müssen wir nur noch mit dem Mietwagen selbstständig zurück ins Hotel fahren. Wo war das doch gleich? Der nette Herr der Mietwagenagentur malt eine Skizze von Havannas Straßen mit ein paar lustigen erklärenden Symbolen auf einen Notizzettel und sprudelt spanische Erläuterungen hervor. Meine Hände sind schweißnass und das nicht nur von der tropischen Hitze. Trotzdem schaffen wir es ohne uns zu verfahren zurück ins Hotel. Der erste Test ist bestanden. Da ist der erste Urlaubstag allerdings schon fast vorbei.
Aber immerhin: Der Regen hat inzwischen aufgehört.



Wild-West-Atmosphäre und edler Qualm

Fahrt durch das Tal von Vinales

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Also: Die Sonne scheint endlich und heute steht die erste Etappe der Mietwagenrundreise "Kubas Westen auf eigene Faust" auf dem Programm. Der Ärger ist (fast) vergessen und nun soll das Karibikabenteuer ganz ohne Fluch beginnen. Es soll auf der Tabakroute nach Pinar del Rio und durch das Tal von Vinales gehen. Aber zunächst müssen wir raus aus Havanna und auf die richtige Autobahn. Das ist gar nicht so einfach, wie es sich in der Beschreibung, die wir von der Autovermietung bekommen haben, anhört: Erst auf die Straße Nr. 5 (die Straßen in Havanna haben Nummern statt Namen), im ersten Kreisverkehr geradeaus, im zweiten nach links, dann auf die 21ste und schließlich auf die 23ste Straße, die im Handumdrehen auf die Autobahn führt. Der Haken ist nur, dass die Nummern der Straßen auf keinem Schild zu entdecken sind. Bald haben wir uns rettungslos verirrt! Erst als wir jemanden fragen (auf Spanisch bitte, Englisch verstehen nur wenige) kommen wir wieder auf den richtigen Kurs. In Kuba gilt eine Grundregel: Die Autobahn zu finden kann schwierig sein (auch, weil diese nicht beschildert sind). Ist man erstmal drauf, ist alles ganz einfach. Es geht geradeaus durch eine wunderbare Landschaft: Zuckerrohr, Palmen und Seen. Nur wenige Autos sind unterwegs und die Pferdekutschen, die tatsächlich auch die Autobahn benutzen, fahren ganz brav auf dem Standstreifen. Wir legen eine CD mit Salsa-Klängen auf und beginnen, die Fahrt richtig zu genießen. Hin und wieder laufen ein paar Hunde, Ziegen oder Pferde über die Autobahn, aber daran gewöhnen wir uns recht bald. Nachdem wir etwa zwei Drittel der Strecke geschafft haben, hält uns die Polizei an. Warum das denn? Sind wir vor lauter Begeisterung zu schnell gefahren. Nein! Ein Bus hatte einen auf der Autobahn einen Zusammenstoß mit eine Pferdefuhrwerk. Es ist nicht viel passiert. Aber die Leute, die auf den Bus gewartet haben, sitzen nun fest. "Können Sie jemanden mitnehmen?" Bevor wir recht wissen, wie uns geschieht, sitzt Carlos, der auf einer Zigarrenplantage arbeitet, auf dem Rücksitz. Er mag unsere Salsa-Musik und das versetzt ihn in so gute Laune, dass er uns auf die Zigarrenplantage einlädt. Warum nicht. Wir machen also einen kleinen Abstecher. Carlos zeigt uns, wo die Blätter der Tabakpflanzen vor der Weiterverarbeitung getrocknet werden. Ich kaufe eine Zigarre und schließlich bekommen wir noch einen sensationellen Espresso. Das hat sich gelohnt!
Weiter geht es nach Pinar del Rio, einem schmucken Städtchen im spanischen Kolonialstil mit kleinen Läden uns Bars. Hoch über uns kreisen die allgegenwärtigen Truthahngeier. Fast wirkt der Ort, wie eine Westernkulisse. Den restlichen Tag fahren wir durch das spektakuläre Tal von Vinales. Die typischen, durch Erosion abgerundeten Kalksteinberge ("Elefantenrücken"), sind mit exotischer Vegetation überwuchert. Turmhohe Königspalmen, Bananenstauden, Papaya- und Brotfruchtbäume. Die Landschaft hat uns so verzaubert, dass wir nicht auf die Zeit geachtet haben. Langsam wird es Abend. Wir sind ausdrücklich gewarnt worden, nicht im Dunkeln zu fahren. Nicht ohne Grund! Als wir um eine Kurve fahren, bemerken wir, dass unsere Straßenseite durch starken Regen abgerutscht ist. Gerade noch rechtzeitig können wir uns auf die andere Fahrbahn retten. Danach beschließen wir, dass es sicherer ist, auf die Autobahn zurückzukehren. Das gelingt uns auch tatsächlich mit den letzten Sonnenstrahlen. Jetzt also nur noch zurück nach Havanna. Das war soweit auch kein Problem, da nachts auf den Autobahnen noch weniger los ist. Plötzlich sehen wir die Bremslichter des Autos vor uns aufleuchten. Auch wir bremsen - und zwar gerade noch rechtzeitig. Eine Fahrbahn wurde gesperrt und man hat sich dazu entschlossen, dies durch fußballgroße Felsbrocken zu tun, die unbeleuchtet auf die Straße gelegt wurden. Unser Puls schlägt schnell, also wir im Schritttempo um die Steine herummanövrieren. Und nun müssen wir das Kunststück vom Vortag wiederholen: Das Hotel finden! Nun aber nachts. Alles, was aus den spärlichen Unterlagen hervorgeht ist, dass wir eine möglichst frühe Autobahnausfahrt erwischen müssen. Dann mal los! Sind wir überhaupt schon in Havanna. Sind wir! Und wir müssen tatsächlich nur zwei Mal fragen, bis wir endlich den Hotelparkplatz erreichen. Das war ein fantastischer Tag. Aber mein Puls braucht noch eine Weile, bis er sich wieder beruhigt hat!





Trinidad - Reise in die Zeit der Zuckerbarone

Banda in Trinidad

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An diesem Tag verlassen wir endgültig Havanna. Wieder erweist es sich als nicht ganz einfach, die Autobahn zu finden. Ein plötzlich einsetzender, heftiger Regenschauer erschwert die Sache zusätzlich. Auch die Hotelsuche erweist sich als langwierig. Leider finden wir in den Unterlagen keine Hotel-Adresse. Nur den Namen und den Hinweis, dass es sich nicht in Trinidad selbst, sondern etwas außerhalb an der Playa Ancón befindet. Leider dauert die Suche so lange, dass wir die Besichtigung Trinidads auf den nächsten Tag verschieben müssen. Aber ein Sonnenuntergang am traumschönen Strand von Ancón versöhnt uns wieder. Und am nächsten Tag präsentiert sich das Hafenstädtchen Trinidad von seiner charmantesten Seite. Fast könnte man vergessen, dass die Stadt zu Wohlstand kam, als Sklavenhändler ihre "Ware" an Ketten durch die Straßen trieben. Diese Zeiten sind zum Glück vorbei und Besucher müssen solche Anblicke nicht ertragen. Statt dessen freuen wir uns über die sehr gut erhaltenen Häuser aus der Kolonialzeit. Ein besonders schönes Ensemble bildet die Plaza Mayor in Trinidads historischer Altstadt. Hier kann man es bei einem Espresso gut eine Weile aushalten.



Auf dem Weg zur Plaza Mayor

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Von Santa Clara an die Playa Jibacoa - und nach Havanna

Verkehr auf Kubas Straßen

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Noch am selben Tag fahren wir weiter ins nächste Hotel in der Nähe der Stadt Santa Clara (die vor alles für ihr Che Guevara Mausoleum bekannt ist). Wir sind nun schon geübt und finden das Hotel "La Granjita" fast auf Anhieb. Der Name bedeutet so viel wie "kleiner Bauernhof" und das ist wörtlich gemeint. Die Gäste wohnen in schönen Bungalows und überall laufen Ziegen, Pferde, Pfaue und Hühner frei herum. Es ist ein idealer Ort, um sich nach ereignisreichen Tagen zu entspannen. Am nächsten Vormittag machen wir uns auf zum Endpunkt der Rundreise. Der Playa Jibacoa liegt ziemlich genau zwischen dem Touristenort Varadero und Havanna. Nach knapp zwei Stunden Fahrt durch eine etwas weniger üppige Vegetation und eine mehr landwirtschaftlich genutzte Region (vor allem Kaffee) erreichen wir das Hotel.
Nun nur noch das Auto abgeben. Ach, nicht im Hotel? Wo dann? Der Mitarbeiter der Rezeption erklärt uns, wir müssten Richtung Havanna fahren, dann würden wir auf der rechten Seite eine Rumfabrik sehen, dort sollten die Autobahn verlassen und dann... Der Mann macht eine schlängelnde Handbewegung, die wohl den Verlauf einer Straße imitieren soll. Wir finden die Rumfabrik tatsächlich und danach windet sich die Straße (das war wohl die Handbewegung) durch eine wilde Landschaft. Unterwegs lesen wir noch eine Familie auf. Vater, Mutter und Tochter drängen sich auf die Rückbank. Aber immerhin wissen sie, wo wir hinmüssen. Oder doch nicht? Die Familie steigt wieder aus. Wir fahren das letzte Stück wie beschrieben weiter und halten kurz darauf vor dem Eingang eines kleinen botanischen Parks. Hier kann doch unmöglich die Autovermietung sein?! Ist sie doch! An einer Art Kiosk mitten im Dschungel geben wir das Auto ab. Ich liege vor Lachen fast auf dem Boden.
Danach sind wir mit einem Oldtimer-Taxi noch zwei Mal nach Havanna gefahren. Ein Erlebnis! Überall in den Bars und Restaurants Musik, bunt gekleidete Leute, ein pittoresker Büchermarkt, die alten Wehranlagen am Hafen. Havanna wirkt wie eine alte spanische Hafenstadt mit einem kräftigen Schuss Exotik! Fast bereuen wir, nicht noch ein paar Tage in einem der alten Jugendstilhotels verbringen zu können. Kuba ist auf jeden Fall eine Reise wert! Lebensfroh, verrückt, abenteuerlich und paradiesisch schön. Und jeder Tourist lernt, was die Leute dort auch jeden Tag können müssen: Die Kunst der Improvisation!
Zusammengefasst also ein paar Tipps:
Niemals im Dunkeln fahren!
Spanischkenntnisse aufpolieren!
Wenn man mit dem Auto unterwegs ist und die Möglichkeit hat jemanden zu fragen: fragen (denn wahrscheinlich hat man sich verfahren und weiß es nicht).
Ein bisschen Abenteuerlust einpacken!
Und dann: Drink up me hearties yo ho!



Bar in Havanna


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Kommentare

  • Stuwe

    Sehr nette Beschreibung, aufschlussreiche Zusammenfassung, die ich für meine kommende Kuba-Reise "abgespeichert" habe. Danke.

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