Weihnachts-Kreuzfahrt mit der Queen Elizabeth Kanaren

Reisebericht

Weihnachts-Kreuzfahrt mit der Queen Elizabeth Kanaren

Reisebericht: Weihnachts-Kreuzfahrt mit der Queen Elizabeth Kanaren

Di. 22.12.2015 München - Southamton
Sturmregen 13°
Queen Elizabeth, Kabine 5186
Strahlend roter Morgenhimmel begleitet uns auf der S-Bahnfahrt zum Flughafen. Der Flug mit Lufthänsel hebt pünktlich ab ... nur die Landung in Heathrow ist nach ein paar Ehrenrunden und 40 Minuten Verspätung, schwer wackelig. Es stürmt und regnet zu viel ... und die Briten beklagen auch dieses Jahr wieder Hochwasser

Weihnachts-Kreuzfahrt mit der Queen Elizabeth Kanaren

Kreuzfahrt mit der Queen Elizabeth Kanaren 2015/16
vom 22.12.15 bis 06.01.16

Di. 22.12.2015 München - Southamton
Sturmregen 13°
Queen Elizabeth, Kabine 5186
Ein strahlend roter Morgenhimmel begleitet uns auf der S-Bahnfahrt zum Flughafen. Der Flug mit Lufthänsel hebt pünktlich ab ... nur die Landung in Heathrow ist nach ein paar Ehrenrunden und 40 Minuten Verspätung, schwer wackelig. Es stürmt und regnet zu viel ... und die Briten beklagen auch dieses Jahr wieder Hochwasser mit landunter. Der Bus sammelt die Ankömmlinge verschiedener Gates auf und bringt uns anschließend in den Hafen von Southamton, zur Queen Elizabeth. Schnell sind wir eingecheckt, haben die Kabine bezogen und sind schon auf der Wanderung durchs Schiff. Schon einige Male waren wir auf der Lizzi und es hat sich nichts geändert ... Ein paar neue Bilder an den Wänden und so manches ist frisch gestrichen. Frau Kapitänin Inger Klein Thorbourgh verkündet als Erstes ... das Schiff wird nicht um 16 Uhr ablegen, sondern vermutlich erst gegen 22 Uhr. Der tobende Sturm macht eine Ausfahrt aus den Hafen unmöglich ... das fängt ja gut an!

Mi. 23.12. Seetag
mit stürmischem Dauerregen 17°
Alle Zugänge auf die Freidecks sind verschlossen. Der Sturmregen fegt mit 120 kmh über das Oberdeck. Vom sicheren Wintergarten auf Deck 9 ist der Blick frei auf den Pool. Der spuckt bei jeder heftigen Schaukelei eine Wasserfontäne über die Planken und ist schon fast leer. Unsere Balkontüre in der Kabine lässt sich nur mit aller Kraft öffnen ... vorsichtshalber nicht zufallen lassen wenn man mal kurz über die Reling schauen will. Wer weiß, ob man sie wieder aufkriegt. Mir geht es ein bisschen beschei ... und döse viele Stunden im Bett vor mich hin ... die Seeungeheuer haben zugeschlagen ... bin so ganz K.O. aber matschig.

Do. 24.12. Heiligabend Seetag
mit stürmischem Dauerregen 13°
Es nimmt kein Ende ... Immer noch sind die Decks geschlossen. Die Fahrt durch die Biskaya wird allerdings "nur" noch durch einen 100 kmh-Sturm gestört. Statt mit schnellen 23 Knoten, tuckern wir mit 14 Knoten durch die bis zu 7 m hohen Wellen. Gut, dass die reich geschmückten Plastikweihnachtsbäume fest an Decken und Wänden befestigt sind. Im großen Ballsaal scheint er jedoch nur am ausgestreckten Fahnenmast zu hängen, denn er tanzt in kleinen Schritten über den Boden ... so, wie die etwas in Jahre gekommenen Passagiere.

Fr. 25.12. Weihnachten Seetag
mit ... ja ... immer noch Sturm, Sturm, Sturm und grau, grau, grau ... 14°
Meine Nase ist immer noch etwas grün, aber gegen Seekrankheit hilft eben nur ein gesättigter Bauch, Ingwer ... und Kissenhorchen, wenn nichts mehr hilft. Zwischen Taumelgang und Kissenhorchen ... Frühstück, Lunch und 5-Uhr-Tee mit Scones gibt es den ersten formellen Abend mit Smoking und LangLang ... bei Canapės, Champagner und die Weihnachtsansprache der Kapitänin ... und kleinen Geschenken in der Kabine.

Sa. 26.12. Weihnachten Arrecife
Lanzarote - La Palma
Soooonne! und flachgelegter Strum?? 18° / La Palma abendliche 20° bei Sprühniesel
Die Decks sind wieder geöffnet ... welch eine Wohltat. Lanzarote liegt schon verschwommen am Horizont, die Wellen aufgeraut mit weißen Schaumkronen, die Sonne strahlt über ein wolkiges Morgenrot. Mit Marcel und Antonia haben wir uns um Zehn am Hafen von Arrecife verabredet. Aber ... kaum sind wir frühstücksfertig, kommt die Durchsage von Frau Kapitän. Das Schiff kann wegen starker Gegenwinde nicht in den Hafen einfahren! Wir sind nicht die Ersten, die unverrichteter Dinge abdrehen müssen. Die weißen Häuser von Arrecife schon in Sichtweite, kann ich Marcel noch zu Hause erreichen. Erst vor ein paar Stunden und seit ewigen Zeiten, hätte es keinen so heftigen Sturm mehr mit rotem Saharasand vom Festland gegeben. Musste das ausgerechnet heute sein?!?! Es wird verkündet ... die Fahrt geht gleich weiter nach La Palma. Mit gemächlichem Tempo würden wir bereits heute Abend ankommen, statt am nächsten Tag. Ein schnelles Abendessen im Buffetrestaurant und gleich raus ins abendliche Santa Cruz de la Palma. Es ist Samstagabend und die Anwohner sind scheinbar alle unterwegs. Die Kneipen sind voll ... auch ohne die zahlreichen Passagiere der QE ... denn die sitzen noch beim Dinner und sind erschöpft vom Sonnenbaden an Deck. Dafür sehen wir so manchen von der Mannschaft. Die sind dankbar für eine Übernachtung an Land, was selten genug vorkommt. Denn tagsüber, wenn die Passagiere auf Landgang sind, muss gearbeitet werden. Erst am späten Abend haben sie Ruhe und könnten raus. Dann aber shippern die Schiffe zum nächsten Hafen und sind auf hoher See. Kein Entkommen für die Mannschaft! An der Hafenstraße liegt eine Kneipe neben der anderen. Alle Türen geöffnet, die Tische auf dem Gehsteig belegt, die Sonnenmarkisen schützen die Raucher vor dem nächsten Sprühniesel ... und wir fallen gleich in die nächstbeste Kneipe ein. Eine lange Theke, ein paar Resopaltischchen, windige Stühle. Tapas in den Auslagen, eiskaltes Bier in den Händen der herumstehenden Männer. In einer Ecke Männerstimmen mit Gitarre, Rassel, Banjo, Bass und Quetschkommode ... unterstützt von einer Frau. Sie geben schwungvolle Inselgassenhauer zum Besten. Jeder kann mitsingen ... tanzen geht auch. Mit dem Glas in der Hand oder die Hand am Allerwertesten der Herzallerliebsten. Ein in die Jahre gekommener Schmalspurgigolo, hagerer Typ, Haare schwarz gegelt mit Schnäuzer und dunkler Randbrille. Zur schlabbernden Jeans ein zu großgeratenes Sakko in dem ein buntes Seidentüchlein und die Spiegelbrille steckt. Er scheint jede Frau im Laden zu kennen und tanzt sich durch die Damenwelt. Die ist ein bisschen zu blond gefärbt und zu kräftig geschminkt, mit zu enger und zu kurzer Kleidung … sie tanzen auch gern allein zur flotten Musik. Das Bier ist eisschollengekühlt, der Weißwein dagegen handwarm ... aber die Musik war klasse!

So. 27.12. Santa Cruz de la Palma, La Palma
Sonne mit Kleinwölckchen, ohne Wind bei 21°
Frühes Aufstehen, frühes Frühstück ... wir haben eine Tour ins Herz der Insel gebucht. Die Insel hat sehr steile Berge, die bis zu ca. 2.500 m hoch sind. Kastanienwälder, Kiefern und schroffe Felsen. Bananenplantagen, Rebstöcke und Mandelbäume, die bereits zu blühen anfangen. Auf schmalen Serpentinen steigen wir mit dem Bus hinauf bis zur Inselmitte und dem Kraterrand der Caldera. Der Krater hat einen Durchmesser von gewaltigen 9 km und einen Umfang von 28 km mit einer steilen Tiefe von fast 2.000 m. Das Sonnenwetter hat sich in Nieselregen gewandelt und auf 12° abgekühlt. Ein Informationszentrum ist die erste Station, bevor wir in den Nationalpark Caldera de Taburiente hineinfahren. Also erst einmal wieder ein Stück den inneren Kraterrand hinunter, um sich gleich wieder einen einspurigen Steilweg hochzuschrauben. Die Besucher werden am Parkeingang gezählt und für die ausgesuchte Wanderroute der Parkplatz zugewiesen. Unser Halt auf halber Kraterhöhe hat nur Platz für 14 PKWs, alle weiteren Wanderer müssen sich mit dem Taxi zum Startplatz bringen lassen oder laufen. Uns bleibt eine 3/4 Stunde um das Umfeld zu erkunden. Es dauert nicht lange, dann lichten sich Schritt um Schritt die düsteren Regenwolken und gigantische Kraterfelswände ringsum werden sichtbar. Zwei beringte Krähen sitzen auf dem Geländer, lassen sich von der Sonne wärmen und von uns fotografieren. Bevor wir uns wieder auf den Weg machen, sind die Parkplätze belegt und die Taxler pendeln. Eine kleine Dorfkirche weit oberhalb von Santa Cruz steht zur Besichtigung an, aber dort ist der Weihnachtsgottesdienst noch im vollen Gange, während in der Dorfschänke gegenüber bereits die Lammkoteletts auf dem Grill liegen. Ein weiterer Aussichtspunkt liegt schon wieder auf wärmerer Ostseitenhöhe. Die Besichtigung eines 500 Jahre alten Fincagebäudes mit Blumenfelder und Avocadobäumen bilden das Ende des Ausflugs. Uns bleibt noch genügend Zeit Santa Cruz mit seinen Balkonhäusern Augenschein zu nehmen ... und bei Kaffeekuchen zu verweilen.

Mo. 28.12. Las Palmas, Gran Canaria
windloser Sonnenschein bei 22°
Ausschlafen, gemütliches Frühstück und mal schauen. Was wir vom Kabinenbalkon aus sehen, macht uns nicht so glücklich. Las Palmas schiebt sich vom Hafen mit verschachtelten Betonbauten samt Hochhauskisten dazwischen, den baumlosen Hang hinauf. Der sehr alte Stadtkern liegt allerdings weit entfernt vom Hafen, in dem mit uns noch 3 weitere Kreuzfahrtschiffe liegen. Man hat uns schon gewarnt ... in Madeira werden wir zu Sylvester sogar mit 10 !!!! Kreuzfahrtschiffen im Hafen liegen. Ein schöner Anblick sind dagegen die alten Dreimaster, die im Yachthafen ankern. Mit Unterstützung von vielen Helferhänden für die grüne Takelage, legt gerade der hölzerne Dreimaster, Alexander v. Humbolt ab. Wir wollen einige Kilometer am Ufer entlang bis zur Altstadt von Las Palmas, doch an der Hop on Hop off - Haltestelle steht eine ellenlange Warteschlange mit vielen Kreuzfahrer. Nur ein paar Meter weiter ist die öffentliche Bushaltestelle ... so kommen wir für nur 75 Cent bis zur Altstadt mit verwinkelten, schmalen Gassen und eng stehenden Häuser, öffentlichen Gebäuden und Kirchen aus den Anfängen des 15 Jhd. Aber zuerst gibt´s zur Stärkung einen Kaffee in den Markthallen zwischen exotischem Obst, leckerem Gemüse, Trockenfisch und Fischfleisch ...

Di. 29.12. Santa Cruz de Tenerife, Teneriffa
Sonne und leichte Brise 25°
Wieder einmal haben wir eine Verabredung an Land und kein Sturm hat das Schiff aufhalten können. Pünktlich legen wir im Hafen von Santa Cruz an. Alfonso, ein Freund aus alten Reisetagen, will uns schon um 9 Uhr im Cafė Europa am Plaza Espania abholen. Nur ... ein Cafė Europa ist nicht zu finden an diesem großen Platz. Noch absuchend herumstehend, kommt uns Alfonso entgegen. Das Europa hat wohl den Namen samt Besitzer gewechselt. Alfonso und Irene wohnen schon viele Jahre auf Teneriffa und bewirtschaften ihre kleine Finca auf der grünen Nordseite der Insel. Dort werden wir den Tag verbringen ... bei vielen Geschichten, hervorragendem Essen und köstlichen Wein auf der Terrasse ... mit Blick über den großen Garten hinweg, bis aufs Meer. Am späten Nachmittag machen wir uns mit Tee aus eigener Herstellung, frischen Mangos, eingelegten Kapern und reifen Karambolfrüchten ... diesmal mit dem öffentlichen Bus ... wieder auf den weiten Weg zurück.

Mi. 30.12.2015 Funchal, Madeira
Schönwetter 25°
Wir liegen längst im Hafen, als wir unsere Augen aufschlagen ... Der erste Blick vom Balkon ist erschreckend. Funchal ... einst ein Städtchen mit Fischerhafen samt Kurzpier für Großschiffe, ein paar kleine Hotelklötzchen am Ufer entlang, viele Parks und Grünflächen dazwischen und die obere Hälfte der steilen Hanglage fast unbebaut. Heute ... schiebt sich quer über die ganze Steilhanglage eine breite Autobahntrasse mit hohen Brücken über die tiefen Bergeinschnitte ... immer an der ehemaligen Baugrenze entlang. Bis zu den zerklüfteten Gipfeln kleben nun Häuser dicht auf dicht, wobei die obersten Reihen schon im heutigen Nebelwolkendunst liegen. Der große botanische Garten ist kaum noch erkennbar ... Grünflächen wo sind sie? Zum kleinen Hafen sind nun 3 weitere mit langen Piers hinzugekommen. Wo sind die 10 angekündigten Kreuzfahrtschiffe zu Sylvester … bisher liegen wir nur zusammen mit "Mein Schiff 4" im Hafen. Die Ausflügler sind schon von Bord als wir versuchen, die Stadt wieder zu entdecken. Der Hauptplatz ist weihnachtlich geschmückt und mit kunsthandwerklichen Buden vollgestellt. Langbeinige Mädels in knappen Weihnachtsfantasiekostümen sollen Kunden anlocken. Als erstes begrüßen uns 12 Gitarrenspieler, die ein Konzert unter freien Himmel geben ... ein paar Schritte weiter eine Volkstanzgruppe in bunten Gewändern und Musikinstrumenten ... Wieder ein paar Meter weiter ein Blechkonzert unter freiem Himmel. Wir unterbrechen unsere Wanderschaft mit Kirchenbesichtigungen oder Kaffeepausen. Aber auch in den etwas abgelegenen Gassen spielen kleine Gruppen klassische Musik oder Volksweisen. In der großen Markthalle scheint schon Feiertagsstimmung eingekehrt zu sein ... nicht viel los! Touristisch aufgemachte Buden mit exotischsten Obstfrüchten, Stände mit Orchideenpflanzen in allen Wachstumsstadien, Kräuter- und Weinstände. In der Frischfischabteilung sind nur noch wenige Tischplätze mit Thunfisch und den berühmten Espadas belegt. Ein schmaler schwertähnlicher Tiefseefisch mit riesigen Augen, mind. ein Meter lang und tiefschwarz ... wird aus großer Tiefe geangelt und schmeckt ausgesprochen köstlich. Die Sonne meint es gut mit uns ... also hinauf zum Gouverneursgebäude in den Parca del Mar, oberhalb des alten Hafens. Wir hantieren zwecks Orientierung noch mit dem Stadtplan, als wir englischsprachige Besichtigungstipps bekommen. Schnell stellt sich heraus ... die freundliche Dame spricht deutsch ... im Oberbayern geboren, lebte Jahrzehnte an Spaniens Küsten, auch auf Malta, den Kanaren und, und, und … und heute bei ihrer Schwester auf Madeira. Nur optisch schien sie eine obdachlose hagere kleine Frau (etwa 60+) zu sein ... einige fehlende Zähne, das Gesicht durch zu viel Sonne gezeichnet und mit dicken Pflastern verklebt. Die Kleidung angegilbt und oberflächlich angeschmuddelt, die Haare in blonden Strähnen bis auf die Schulter ... aber sie war durchaus teuer, ordentlich und sehr akkurat gekleidet ... und roch keineswegs unangenehm. So stehen wir gut eine Stunde im Park und reden über die alte Heimat ... und über Reisen die unbedingt noch gemacht werden sollten und Stellen die zu meiden sind. Vermutlich hätten wir noch eine weitere Stunde geplaudert, wenn Ihre Schwester nicht gekommen wäre um sie abzuholen.

Do. 31.12. Funchal, Madeira
Regen bis Wolkensonne 16-22°
Schon in der Nacht hat unser Schiff, zusammen mit "Mein Schiff" den festen Ankerplatz im Hafen verlassen und liegen jetzt ein paar Meter weiter vor den Toren der Hafenanlagen. Drei andere Schiffe haben unseren Platz am Pier eingenommen, zwei zusätzliche Pötte liegen neben uns. Bei dem dauerhaften Landregen haben wir keine Lust an Land zu tendern. Drei unserer Rettungsboote pendeln in 15minütiger Fahrt ans Stadtufer ... und dann? DAS Hotel Reid's (ein Luxushotel aus touristischen Anfängen) steht immer noch mit altrosa Anstrich zwischen weiteren Hotelklötzen ... heute vermutlich ohne den großen Garten. Dort wollten wir eigentlich zum Tee aber der Regen hält uns von einer vermutlich weiteren Enttäuschung ab. Stattdessen versuchen wir den Schlaf einzufangen für den langen Sylvesterabend der vor uns liegt. Das abendliche Programm ist eng gestrickt ... zuerst aufrüschen mit Smoking oder Schottenröckchen … LangLang bzw. Kimono ... dann ins Bordtheater zur allabendlichen Vorstellung ... anschließend Champagnerwasserfall mit einer Pyramide aus über 500 Gläsern ... dann zum Dinner, wo glitzernde Papierdiademe und Pappzylinder bereitliegen ... Sylvesterball im großen Ballroom und ab 23:30 Uhr geht das Spektakel auf den offenen Decks weiter. Wir haben Glück mit dem mittlerweile trockenen Wetter und klarem Himmel. Die Realität jenseits von TV-Traumschiffszenen trifft schon mal auf harten Wind und kühle Temperaturen ... daher ziehe ich mich lieber wärmer an, denn eine Erkältung hat sich schon angemeldet. Nur wenige, hartgesottene Engländerinnen mit Frostschutzgenen stehen spärlich bekleidet an der Reling. Mittlerweile liegen 12 Kreuzfahrtschiffe im bzw. vor dem Hafen von Funchal. Selbst der Yachthafen scheint leergefegt ... zusammen mit einigen Fischerbooten tummeln sie sich zwischen den Ozeanriesen um das kommende Schauspiel zu verfolgen. Die Stadt erstrahlt im Lichterrausch ... Straßen, Brücken, Hotels und öffentl. Plätze und Gebäude sind mit Lichterketten umwickelt. Zuerst kommen die Schiffshörner aller Kreuzfahrtschiffe zum Einsatz. Es soll eine gemeinsame, musikalische Einlage geben, doch das laute Geblöke ergibt weder einen Rhythmus noch eine Melodie, macht aber eine Menge Krach. Ab und zu fliegen schon verfrüht einige Raketen hoch ... Viertel vor 12 ... Champagner wird gereicht ... und dann ... dann geht es los! Letztes Jahr waren wir in Sydney unter der Harbourbridge ... doch was wir hier sehen, stellt Sydney in den Schatten. Es fehlt natürlich DIE bauliche Kulisse, aber was da in den Himmel gejagt wird ist überwältigend. Es ist kein privates Feuerwerk vieler Anwohner, sondern ein Öffentliches. Damit das ganze Stadtgebiet über etwa 6 km Länge und bis hinauf zu den ersten Bergrücken abgedeckt ist, sind an ausgesuchten Plätzen über die ganze Stadt verteilt, die Raketen positioniert. Es geht harmlos mit einem farblich abgestimmten Feuerwerk los ... wo soll man nur zuerst hinschauen? Eine viertel Stunde lang ... von links nach rechts und wieder zurück in allen Farbkombinationen und Formen steigert sich das Feierwerk langsam zu einem schnellen, gewaltigen Stakkato. Am abrupten Ende steigt dichter schwarzer Qualm auf ... Ende! Die öffentlichen Lichterketten erlöschen und die neue Jahreszahl ist links und rechts am Stadtrand in großen Lettern zu lesen. Unser Schiff liegt längst in Startposition und so werden schnell die Anker gelichtet ... und wir sind bereits verschwunden, bevor der schwarze Qualm uns einholen kann. Die Partys auf und unter Deck gehen weiter ....

Fr. 01.01.2016 Seetag
Sonnenwölkchen 20°
Für 1.950 britische Passagiere, 95 Japanesen, 86 Deutsche und 22 Restnationen … ein Schönwettertag zum Genießen … mit endlosen Runden auf dem Laufdeck oder für die Sonnenhungrigen ein Deckchair am Pool.

Sa. 02.01. Cadiz, Spanien
Nieselwetter 17°
Eilig haben wir es nicht ... das feuchte Nieselwetter spornt nicht gerade zur Erkundung an, obwohl unser Schiff zusammen mit der kleinen Rotterdam direkt vor der Altstadt von Cadiz liegt. Wir sind nicht das erste Mal in Cadiz und so schlendern wir irgendwann mit einem großen Leihschirm unterm Arm los ... nehmen viele kleine Nebengassen bis wir vor dem quirligen Markthallen landen. Die angebotenen Lebensmittel sind nicht nur bester Qualität, sondern sind auch besonders günstig. Man möchte einen Koffer voll mitnehmen ... aber wir haben ja schon einiges an Gartenbeute von Alfonso aus Teneriffa. Das Obst ist mittlerweile fast aufgefuttert, aber die eingelegten Kapern, Chutny und Trockenkräuter müssen auch noch ordentlich verpackt werden. Also marschieren wir lieber gleich weiter ... und lassen Schinken, scharfe Wurst und allerlei Leckereien links liegen. Es ist Samstag, die Bevölkerung ist daher auf Wochenendeinkauf und die Passagiere der beiden Schiffe auf Souvenirjagd. Die mittelalterliche Altstadt von Cadiz liegt auf einer kleinen Landzunge und ist geprägt durch dichtgedrängte, 3-4geschossige Häuser mit französischen Balkonen samt kleinen, begrünten Innenhöfen, die jeweils zu einem Geviert zusammengebaut sind. Die Einbahnstrassen sind so schmal, dass nur PKWs hindurchpassen, die bei Kreuzungen schon mal Häuserecken mitnehmen. Viele kleine Geschäfte für den täglichen Bedarf, Cafės, Tavernen ... und natürlich Touristenwaren, sind in allen Gassen zu finden. In jedem noch so verwinkeltem Geviert steht mitten zwischen bzw. in den Wohnhäusern immer mal wieder eine Kapelle oder eine ausgewachsene Kirche ... und an den Rändern sind nicht selten kleinste Plätze, die den winzigen Tavernen als Bewirtungsplatz dienen. Nur vor dem Dom liegt ein wirklich großer Platz mit Palmen und vielen Cafės ... an dem wir Kaffeekuchen unter Sonnenschirmen bei Regen genießen.

So. 03.01. Lissabon, Portugal
Nieselregen 15°
Das Wetter wird nicht besser ... der Niesel bringt alle halbe Stunden einen Schwall fetter Regentropfen. Das Schiff fährt den Tajo hinauf und ankert direkt neben dem Fährhafen mitten in der Stadt. Lissabon ist eine schöne, hügelige Stadt mit großem Altstadtkern, verwinkelten Gassen, quietschender Trambahn, Straßencafés, Tavernen und vielen Kleinläden ... auch die teuren Allerweltsgeschäfte fehlen nicht. Wir kennen die Stadt schon ganz gut und haben daher für den Vormittag eine Tour ins 78 km entfernte Obidos gebucht. Obidos ist ein auf einem Hügel thronendes Örtchen aus dem 5. Jhd., dass von einer umschließenden und begehbarer Stadtmauer umgeben ist. Vor den Stadttoren steht noch ein guterhaltenes 3km-Stück eines Aquäduktes aus dem 16 Jhd., der sich durch die leicht wellige Landschaft zieht. Nach gut einstündiger Busfahrt regnet es nun leicht und durchgängig. Von der nervigen Ausflugsbegleitung samt Mitreisenden verabschieden wir uns schnell und wandern allein zwischen den schmalen Gassen entlang. Auf der Haupttrasse tummelt sich der Inhalt von mind. 6 Bussen zusammen mit vielen einheimischen Besuchern, die die Souvenierläden durchkämmen. Schon in den Parallelgassen waren wir fast allein unterwegs. Kleine, weißgestrichene aneinandergebaute Häuschen mit blumengeschmückten Fernstern, zweigeschossig hoch, ineinander verschachtelt und gestapelt. Viele verschlungene Gassen, die nicht befahren werden können … dazu ein Platz vor der Santa Maria Kirche, wo auch ein Schandpfahl steht … und eine duftende Bäckerei gleich daneben …. An höchster Stelle ein weiterer Kirchenbau, der zwischen Altar- und Stuhlraum nun ein Bücherladen beherbergt. Daneben die alte Burgeinfriedung, in dessen Gemäuer sich das Pousada Castelo de Obidos befindet … ein Hotel der Spitzenklasse. Nur einige Meter weiter ein B&B, bei dem wir kurz reinsehen. Zwei nette Jungs die 4 App. und 6 DZ bewirtschaften. Gefrühstückt wird in der Großküche, der Aufenthaltsraum ein großes Wohnzimmer mit offenem Kamin, eine winzige Terrasse wenn die Sonne scheint und ein großartiger Blick über den Ort hinweg auf die angrenzenden Weinberge. Für KaffeeKuchen bleibt auch noch Zeit, bevor es zurück in die große Stadt geht. Noch einmal gehen wir durch die dichtbebaute Baixa. Auch am heutigen Sonntag sind die meisten Geschäfte geöffnet. In einer einfachen Eckkneipe wollten wir eigentlich nur eine Kaffee nehmen … dann animierte uns eine junge Brasilianerin am Nachbartisch zu einem Bacalhau-Gericht. Kabeljau, Klippfisch, etc. … als Stockfisch getrocknet, gesalzen … dazu heiße Kartoffelchips, Gürkchen und viel Olivenöl. Eine leckere, aber schwere Kost … dafür fällt das abendliche Essen an Bord heute mager aus …
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Mo. 04.01. Seetag
Sturmwind mit 150 kmh … Regen … Niesel … bis 9 m hohe Wellen … und 14°
Ein Seetag mit Sturmwind … alles ist festgezurrt, die offenen Decks geschlossen … ein Tag im Schaukel- und Wackelgang. Wo sind nur die Passagiere alle hin? Nein, ich habe keine grüne Nase mehr bekommen, muss nicht am Kissen horchen, sondern blieb aufrecht. Der letzte formelle Abend der Reise mit Smoking und LangLang fängt mit dem Champagnerempfang für die Vielschwimmer an. Der ist wegen der Schaukelei mager besucht … auch die Kapitänin konnte sich wegen des anstrengenden Wetters nicht von der Brücke entfernen. Aber es sind genügend Streifenhörnchen im großen Ballroom um sie zu vertreten. Wir gehen zum Dinner die anderen bleiben zum Tanzen auf dem Parkett. Wie immer, wird es ein amüsanter Abend mit unseren englischen Tischpartnern aus Birmingham. Ein letztes Mal in die Show … heute mit 4 lustigen Tenören, die ein Repertoire von Queen bis Sinatra drauf haben. Zu Mitternacht präsentieren die Köche noch ihre Dessertfertigkeiten … mit Schokoladenfiguren, Törtchen, Cremes und Zuckergusskreationen. Das Schiff schwankt durch die Nacht …

Di. 05.01. Seetag
Sturmwind bis 100 kmh … triste Wolkensonne … bis 7 m hohe Wellen … und 14°
Die Nacht war hart … im Bett kugelte man von einer zur anderen Seite. Im Bad flogen einige Kosmetika durch die Gegend. Das Schiff hat sich über Nacht in die hohen Wellen geworfen und hat mit Volldampf Meilen gemacht. Die Mittagsdurchsage erklärt unsere Ankunft für Southampen schon vor Mitternacht statt am frühen Morgen des nächsten Tages. Die ausgeliehenen Bücher müssen zurück in die Bibliothek und die Koffer gepackt werden … Noch einmal Afternoon Tea mit Harfenmusik … beim Dinner nicht so lang rumsitzen, sondern lieber noch ein Absacker im Yachtclub mit einem der seltenen Deutschen Ehepaare. Dann heißt es nur noch Koffer vor die Tür stellen, den hilfreiche Geister über Nacht zum Hafengebäude bringen.

Mi. 06.01. Southamton – München
tiefer Wolkenhimmel aber trocken 13°
Der Wecker klingelt um 6:45 Uhr … frugales Frühstück … Handgepäck geschnappt …. Unsere Reisetaschen aus gefühlten 10-tausend Koffern schnell gefunden und in den Shuttlebus nach Heathow. Viel zu früh sind wir am Terminal, denn unser Flug geht erst nach Mittag. Wir halten es kurzweilig mit WLAN-Nutzung, Lesen und bei KaffeeKuchen … und landen am frühen Abend in Bayern.




Finca


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