Manombo Kely am 8. November 2015

Reisebericht

Manombo Kely am 8. November 2015

Reisebericht: Manombo Kely am 8. November 2015

Ja wunderbar!
Da es so üblich ist, haben wir ( Torsten Arndt, Edelstein Großhändler aus München, Mann meiner besten Freundin und mein Kumpel) uns nach dem Frühstück auf den Weg gemacht, die neue Edelsteinmine zu suchen und das dazugehörende Dorf. Nachdem wir die grobe Richtung hatten, sind wir frohen Mutes los. Nach einem Geschaukel von halber Stunden standen wir schon auf der Sandpiste und gleich nach paar hundert Metern war die nächste, von dem Ausgangspunkt nicht zu sehende Abzweigung. Schön 'Salami' gerufen und da standen schon ein paar sehr auskunfstfreudige Mitmenschen. Nach langem wiederholen der Anweisungen und Handgedeute, war klar, das ist die grobe Richtung. Das Blatt wendete sich nach zwei weiteren Abzweigungen. (Hier nur eine kleine Anmerkung: da ist nichts los. Kein Haus, keine normale Straße, kein Mensch. Kaum stehst paar Minuten da, willst eventuell doch mal für kleine Prinzessinnen, ja da schießen sie wie Pilze aus dem Boden. Die können sich Beamen!!!) also haben Passepartout ( unser treuer Begleiter) und ich beschlossen eine zu rauchen und da kämmen die des Weges. In einem tänzerischen Schlendern, mit Bergen von Versorgungsgütern auf dem Kopf und je ein Kind auf dem Rücken und eines an der Hand. Du brichst ab!
Wir haben die falsche Abzweigung genommen, denn Intuition ist schon was Feines, wenn die funktioniert. Also umdrehen, was wirklich eine Kunst ist, denn wir sind schon mal im Sand stecken geblieben. Auf meine Zurufe, es ist genauso wie mit dem Schnee, er dar nicht stehen bleiben sondern ständig Gas geben - kam nicht an, denn Passepartout kennt kein Schnee.

Umgedreht und dann wieder über Stock und Stein weiter. Irgendwann begegneten wir wieder Männern Metallsiebe auf dem Kopf tragend und Schaufeln. Da sind wir richtig.

Noch ein Geschaukel von 3/4 Stunde und wir waren da. Ja. Dann stieg Thorsten aus dem Auto aus und damit wurde das Chaos eingeläutet. Es kamen viele Kieselsteine, Schrott und vermeintliche Edelsteine zur Besichtigung samt vermeidliche Besitzer. Thorsten musste jedes Stück anschauen, denn ansonsten wären wir nicht weiter gekommen. Unser Vorrat an Zigaretten schrumpfte ( die gängige Entlohnung für Hilfsbereitschaft). Dann kam der Lutherischer Priester und meinte, wir sollten doch zum Dorfplatz kommen, es sind sehr viele Steine im Umlauf und könnte sein, dass was dabei ist.

Das ganze Dorf ist aus nicht gebrannten Lehmziegeln und umfasst mit Gartenzäunen aus Schilf. Dazu kommt, dass aus Verteidigungsgründen überall Kakteen gepflanzt sind, über einem Meter hoch.

Es hat sich schon rumgesprochen das ein Vazah gekommen ist und Steine sehen will. Ein Sturm von Händen, voller Steine mit einem ohrenbetäubenden Gekreische ergoss sich über uns. Allerdings muss ich dazu sagen, dass die Kinder in einer mächtigen Überzahl waren. Auf ein Mal kamen aus jeder Umzäunung verdreckte, verlumpte Engelsgesichter auf mich zu. Da ich eine Frau bin, rote Haare habe und weiß bin, war ICH die Sensation. Manche von den Kindern haben noch nie einen Weißen, geschweige eine weiße Frau gesehen und brachen in Geheule aus. Sehr viele kleine verdreckte Finger picksten mich in den Unterarm um zu prüfen, ob ich platze oder mich in Luft auflöse.

Nachdem ich gebeten wurde, eher mit Händen und Füßen dazu überredet, ein Gruppenbild von den Kindern die fotografiert werden wollen zu machen, brach richtig Tumult aus. Nach jedem Bild sind die auf mich gestürmt und mit vielen Aaaah und Oooooohs wurden die Bilder kommentiert. Es muss ein Bild für Götter gewesen sein, ich und die vielen kleinen schwarzen Köpfe über dem Display gebückt, voller Freude.

Der Gang durch die einzige Gasse gestaltete sich sehr schwierig, allerdings nur für mich. Ich fand es sehr lieb und so entzückend, dass ich auf dem Weg bis zum Dorfplatz an jedem Finger mehrere kleine, schmutzige Hände hatte. Die kleinen Engelsgesichter fanden es toll, eine Vazah an der Hand zu halten. Es war auch eine Mutprobe die voller Stolzes denen, die sich nicht getaut haben mich anzufassen, demonstriert wurde.

Mein Problem waren die Gerüche. Aus jede Ecke hat es anders, sehr unangenehm gerochen. Zu allem Überfluss kamen wir an einer 'Metzgerei' vorbei. Die Fleischstücke von einem Zebu, (aber nicht unbedingt die guten) Darm , vermutlich Leber und irgendwas, das ich nicht definieren konnte, lag in der von Fliegen übersäten Theke. Es waren von der Fläche her, mehr Fliegen als Fleisch zu bewundern. Ja, es ging mir gerade nicht gut.

Auf dem Marktplatz angekommen.... Hier muss ich es beschreiben: Marktplatz war eine Aussparung zwischen den Häusern in der Größe von Ca. 10 qm. Im Vergleich die Gasse durch die wir gegangen sind, gradezu verschwenderisch. Auf dem Weg haben wir auch Skelett von einem Auto gesehen. Bin mir nicht sicher, ob nicht das Dorf um das Auto gebaut worden ist, denn es ist unmöglich die Karosserie durch die Gasse zu bekommen. .....das Zerfurcht von den Regenfällen, übersehet mit Unrat und vereinzelt was-den-auch-immer pickende Hühner bevölkert ist.

Kaum angekommen, mit einem Pulk von 50 Personen davon fast alles Kinder, kamen die Verkäufer und Dealer aus jedem Verschlag und dann ging es wieder los: Bergkristall, Kieselsteine, bunte Glasscherben und wieder nichts brauchbares dabei.

Auf dem Rückweg, den wir in mühsam bahnen mussten, habe ich in so einem 'Kiosk' Bonbons gekauft, da unsere Vorräte aufgebraucht sind. Hand/Fuß Redefluss meinerseits und verdutztes Gesicht der Dame mir gegenüber. Ja, das hat sie verstanden, dass ich die Bonbons will, aber wieviele. Ich dachte an alle in der Tüte, eigentlich die Tüte. Das ist aber nicht üblich. Erneuter Versuch: die ganze Tüte. Ja, gut. Dann fing sie an, die Bonbons zu zählen. Und, was soll ich sagen, sie war stolze Besitzerin von ca. einem Euro und ich Besitzerin von 1/2 Tüte Bonbons. Kurz vor dem Auto habe ich die verteilt, was für ein Aufstand gesorgt hat, auf den ich mit Panik denke. Die wurden mir aus den Hand gerissen, mehrere haben versucht mit die Tüte zu entreißen. Thorsten hat Bilder gemacht, ich hatte zu tun nicht umgebracht zu werden.

So schnell waren wir noch nie im Auto.

Erst nachdem wir auf dem Hügel, außerhalb von dem Dorf waren, sind wir stehen geblieben um eine zu rauchen und uns zu wundern. Sicherlich wird es den ersten Außerirdischen so gehen, wenn die uns besuchen.

Wieder auf der Buckelpisten nach Manombo.

Da meine Thorsten, wir bleiben im Auto und er schaut sich ein paar Steine an. In Millisekunden hat sich das rumgesprochen und ich hatte Angst, dass die unser Auto umschmeißen. Jeder hat erstmal bei mir versucht die Steine anzubieten. Das hat aber auch die Tradition, denn die meisten Einkäufer und Verkäufer sind Frauen. Die Männer buddeln die Steine aus, die Damen sind für die feineren Arbeiten zuständig. Aber, sehr zähe Verhandlungspartner.

Irgend wann haben mehrere Jugendliche und Kinder versucht durch mein offenes Fenster Thorsten auf der Rückbank zu erreichen. Das war der Zeitpunkt in dem ich mir überlegt habe, das Fenster zuzumachen. Könnte aber die Anwesenden nicht um die Sensation bringen....

Nach einem zähem Zebu Steak, diesmal ganz durch und nicht besonders kaufähig sind wir tot müde ins Bett.

So ein schöner Tag!!!!!!

Manombo Kely


Teilen auf

Mein Interessenprofil

Bitte melden Sie sich an, um Reiseziele zu Ihrem Interessenprofil hinzuzufügen.

Kommentare

  • traveltime

    Solch kurze und gute Geschichten mag ich.
    Sehr sympathisch das erwähnen von Zigarettenpausen :-)
    LG Rolf

  • Blula

    Ja, Nina, eigentlich bedarf es ja oftmals gar nicht so vieler Worte, um doch eine ganze Menge herüberzubringen. Das hast Du hier bewiesen. Eine perfekte Kurzgeschichte, über die man stellenweise auch noch dazu herrlich schmunzeln kann. Hat mir echt Freude gemacht zu lesen.
    LG Ursula

  • INTERTOURIST

    Nina, ich mag Deine direkte und ungeschönte Art die Dinge zu beschreiben, wie sie eben sind. Wahrscheinlich mag ich es weil es auch meine Art des Schreibens ist. Das findet man auf jeden Fall selten. Besonders selten ist das in der RC und der Kreis der User die das mögen ist auch eher beschränkt. Wie dem auch sei wir beide wissen das es mehr als nur gut ist.

    Grüße Jörg

Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar abzugeben. Manombo Kely am 8. November 2015 4.67 6

Beliebte Community-Inhalte: AustralienNorwegenThailandVietnamItalienBarcelonaIndien ReiseführerIndien Tipps