Sizilien im Herbst

Reisebericht

Sizilien im Herbst

Reisebericht: Sizilien im Herbst

Um es gleich vorweg zu nehmen: Sizilien lohnt sich. Vom Massentourismus verschont ist es viel abwechslungsreicher als ich es vorher gedacht hatte.

Gegensätzliche Eindrücke: Herrliche Sandstrände zum baden und spielen wechseln mit felsigen Abschnitten zum schnorcheln und tauchen. Hier Steilküste dort wieder flache Strände. Antike Ausgrabungen, interessante Kirchen, Tempel, Theater. Beschauliche Bergdörfer aber auch riesige Metropolen wie Palermo. Am Strand im Herbst noch nette 28°C aber auf dem Gipfel des Ätna gleichzeitig nur noch windige 4°C.
Und Sizilien ist irgendwie auch viel größer als ich dachte. Wir buchen für die erste Woche eine Ferienwohnung in Balestrate am Nordwestzipfel der Insel, für die zweite Woche ein Häuschen in Mascali auf der Ostseite unterhalb des Ätna. Ich dachte, die 200 km Autobahn dazwischen sollten ja in 2 Stunden gemacht sein. Wir brauchen jedoch ganze 5 Stunden – die Autobahn ist scheinbar auf halber Strecke noch nicht fertig gestellt und man fährt allein hier einen Umweg von 2 Stunden durch die Berge.



Westliche Smaragdeidechse

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In der ersten Woche im Nordwesten Siziliens finden wir einige lohnenswerte Ziele
Der Nationalpark „Riserva Naturale dello Zingaro“ lohnt sich zum wandern. Auch eine Weiterfahrt zum Capo San Vito ist empfehlenswert. Auch hier gibt es einen „Parco Naturale“ in dem man prima wandern kann. Zwischen den Felsen am Wegrand blüht das europäische Alpenveilchen, Samtkopfgrasmücken (das sind kleine Vögel) hüpfen durch die Sträucher und wer langsam geht, sieht die sizilianische Mauereidechse oder die noch buntere westliche Smaragdeidechse über die warmen Steine huschen.



Weitere Highlights im Nordwesten

Tempel von Segesta

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In der Nähe befindet sich Tonnara di Scopello (ehemalige Tunfisch-Verarbeitungsanlage) – hier kann man toll baden und schnorcheln, das Wasser ist karibisch blau. Ebenso viel Spaß macht es aber, auf einen Felsen oberhalb der Bucht zu klettern und von dort die Aussicht über die Küste zu genießen.

Im Landesinneren findet sich der nicht fertiggestellte Tempel von Segesta. Er wurde von Elymern wohl um 430/420 v. Chr. auf einem Hügel etwas außerhalb der Stadt errichtet und gilt als einer der am besten erhaltenen dorischen Tempel. Das liegt zum einen an seiner isolierten Lage: es gab keinen Versuch, ihn als Steinbruch zu verwenden. Zum anderen, weil er nicht fertiggestellt und nicht geweiht wurde und daher nicht entweiht werden konnte. Auf der anderen Seite des Berges kann man noch etliche weitere Ruinen und ein schönes Amphitheater besichtigen.



Statue

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Anschließend kann man nach Trapani weiterfahren (Top-Tipp in zwei Reiseführern). Ich fand Trapani jedoch etwas enttäuschend und empfehle eher den Besuch von Erice: Der Ort Erice liegt auf dem Monte Erice auf einer Höhe von 751 Meter. Durch die Lage hat man von Erice aus eine einzigartige Aussicht auf das Landesinnere und das Meer. Schmale Gassen und sehenswerte Kirchen sowie die Festung machen Erice zu einem sehr lohnenswerten Ziel.

Vor einer der Kirchen steht eine Statue, die aussieht, als hätte ihm jemand gerade das Schnappsglas geklaut.



Gibellina - einsamster Ort in Europa.

Gibellina - Erdbeben-Mahnmal

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In Richtung Süden kann man Gibellina besuchen – einen der vielleicht einsamsten Orte in Europa.
Von Weitem sieht es aus, als läge eine riesige Schildkröte am Berg. Ein Mosaik aus grauem Beton. Dabei liegt unter dem Beton eine ganze Stadt begraben. Das von einem Erbeben zerstörte Gibellina ist ein stilles, begehbares Mahnmal. Es sind die Straßen und engen Gassen des mittelalterlichen Zentrums. Die Straßenzüge sind so steil, dass sich die skurrilsten Fotos machen lassen.
Unter der eineinhalb Meter dicken Zementschicht liegen die Grundmauern und Trümmer der Häuser bestattet. Auch Kinderspielzeug und Olivenölflaschen, Hausrat und Kleidung wurden unter den Betonmassen begraben. Ein Friedhof so kompromisslos wie Erdbeben selbst.



Bendiktinerkloster Monreale

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Von hier aus kann man zu den Ausgrabungen bei Selinute weiterfahren: ein weitläufiges Gelände mit drei Tempel-Ruinen und einer Akropolis.

Ausflug gen Osten: Zuerst Monreale – beeindruckender Dom und Bendiktinerkloster sowie eine schöne Altstadt.

Entgegen der Empfehlung des Reiseführers, nicht mit dem Auto durch Palermos Innenstadt zu fahren, wagen wir uns nach Palermo. Wenn man eine Parklücke sucht, sollte man nicht zu wählerisch sein. Freie Parkplätze findet man, wenn überhaupt, dann nur im absoluten Halteverbot. Wir schlendern durch Palermo, eigentlich sollte man hierfür wenigstens einen ganzen Tag einplanen. Leider müssen wir nach zwei Stunden zurück zum Auto und immerhin: es ist nicht abgeschleppt, nicht geklaut, wir haben kein Knöllchen, es ist nicht eingeschlagen und ausgeraubt und auch nicht in zweiter Reihe zugeparkt!
Auf dem Heimweg halten wir noch am Terrasini, Capo Rama (National Park) – ganz nett zum wandern und spazieren gehen und am Torre Caporama war wundervolles Licht zum Fotografieren.



Nach dieser ersten erlebnisreichen Woche fahren wir zurück über die ganze Insel zur nächsten Ferienwohnung. Auf halber Strecke im Inland haben wir Enna besichtigt – angeblich der Nabel Siziliens. Es ist ähnlich wie Erice auf einem Berg gelegen, wenn auch nicht ganz so beschaulich und barock. Aber tolle Fortessa (Castello di Lombardia) und genialer Ausblick!



Klarer Himmel – Ätna-Tag

Ätna - Krater

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Der Ätna ist der aktivste und mit rund 3323 Meter über dem Meeresspiegel auch der höchste Vulkan Europas. Der Ätna hat vier Gipfelkrater. Der Ausstoß von Lava bei einem Ausbruch erfolgt aber meistens nicht über die Gipfelkrater, sondern an den Flanken des Bergkegels. Im Laufe der Jahrtausende haben sich dadurch mittlerweile etwa 400 Nebenkrater gebildet. Mindestens einer der vielen Krater am Ätna raucht fast immer.
Wir kämpfen uns im Auto die Serpentinen hoch: an der Basisstation parken Unmengen von Reisebussen, wenige Meter entfernt befindet sich „Krateri Silvestri“ der in wenigen Schritten für jedermann erreichbar ist. Am besten fährt man gleich mit der Seilbahn weiter nach oben zu den Gipfelkratern. Am Ende der Seilbahn kann man sich entweder mit Allradbussen bis zum Gipfel fahren lassen. Aber wir gehen ab hier zu Fuß weiter. Schnurstracks zum höchsten Krater, der gerade noch erreichbar scheint. Quer durch die völlig durch die Lava verwüstete Landschaft. Es ist wirklich total beeindruckend durch die weichen Aschefelder zu laufen. Die „letzten“ 300 Meter am Vulkankegel sind mit gefühlt ca. 100% Steigung mit Abstand am anstrengendsten: drei Schritte hoch, zwei wieder in der losen Asche runtergerutscht.
Dann endlich Ziel erreicht! Ein Krater wie er im Buche steht, es raucht an einigen Stellen und riecht hier und da nach Schwefel. Außerdem ist es bitterkalt: 4°C und eisiger Wind. Trotz dicker Klamotten kühlen wir aus.



Weitere Highlights im Osten

Isola bella

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Den nächsten Tag beginnen wir mit der Besichtigung der trutzigen Festungskirche SS.Pietro ePaolo in der Nähe von Saoca. Die Fahrt über Serpentinen, Furten und durch Flussläufe ist bereits ein ganz eigenes Abenteuer. Wäre die Kirche nicht immer mal wieder plötzlich ausgeschildert, würde man nie mit einem normalen Mietwagen über solche Wege fahren.

Anschließend „Isola bella“ - der „schöne Strand“ in der Nähe von Taomira ist tatsächlich ein Bilderbuchstrand – gelegen in einer felsigen Bucht, durch die sich eine Straße und eine Bahnlinie schlängeln. Die vorgelagerte kleine Insel mit Museo Naturistico, die zu Fuß durchs seichte Wasser watend errichbar ist, Felsen und seichte Wellen – ideal zum schnorcheln. Allerdings auch touristisch sehr überlaufen und der steinige Strand nicht sonderlich bequem zum liegen.



Gole di Alcantara

Gole di Alcantara

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Anschließend fahren wir zur Gole di Alcantara, eine ca. 300 Meter lange und teilweise nur wenige Meter breite Schlucht aus Basalt, durch die ein reißender Gebirgsbach strömt, durch den man aber zu dieser Jahreszeit noch gerade so durchwaten konnte (wenn einen der unsichtbare Aufseher nicht zurück gepfiffen hätte).
In die Tiefe der Schlucht gelangt man für 16 Euro pro Person am "offiziellen" Eingang oder für 1 Euro pro Person am öffentlichen Eingang. Die Wände bestehen aus basaltischer Lava. Ein langsam erkaltender Lavastrom ermöglichte die Entstehung der prismischen, fünf- und sechseckigen Säulen. Die geologischen Felsformationen in der Schlucht sind wirklich fazinierend.



Syrakus

Ohr des Dionysos

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Als weiteres Ausflugsziel ist Siracusa zu empfehlen –sowohl die Altstadt auf der Halbinsel als auch der „Parco Archeologico“ mit großem Amphitheater und dem „Ohr des Dionysos“: eine künstliche, in den Fels gehauene Höhle. Sie ist etwa 64 m lang, über 20 m hoch und bis zu 11 m breit. Beachtlich ist die Akustik dieser Höhle. Der Legende nach ließ der Tyrann Dionysios seine Gefangenen in der Grotte einsperren und belauschte dank der ausgezeichneten Akustik auch die leisesten Gespräche am anderen Ende.



Nekropolen von Pantalica

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Ein echter Geheimtipp und auch echt schwer zu finden sind die Nekropolen von Pantalica. Wir kurven ewig zwischen Solarino und Sortine und wollen fast schon aufgeben. Endlich finden wir einen gigantischen, verlassenen und verschlossenen Reisebusparkplatz mit passender Aufschrift, klettern über die Mauer, aber von Necropolis keine Spur. Wir erspähen ein Schild mit einer Karte: auf der anderen Straßenseite soll ein Fußweg starten. Los geht’s! Es ist eine wirklich richtig tolle Schlucht, in den steilen Felswänden sind überall Felsengräber eingemeißelt.

Viel zu schnell sind die zwei Wochen vorbei, eigentlich müsste man nochmal für mindestens zwei weitere Wochen auf Sizilien Urlaub machen und außerdem nochmal zusätzlich die Liparischen Inseln besuchen. Ganz sicher wird mich Sizilien nochmal wieder sehen, denn es war wirklich spektakulär!

http://www.wiebke-susanne.com/



der Ätna raucht fast immer


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Kommentare

  • Blula

    Ein wunderschöner Bericht, den zu lesen mir viel Freude bereitet hat. Ich befand mich hier gerade sozusagen auf einer Erinnerungsreise. Ich liebe Sizilien und die Insel wird mich ganz sicher auch noch einmal wiedersehen. ... vielleicht beim nächsten Mal auch im Herbst. Ich kenne das herrliche Eiland vom Frühling ( auch zu empfehlen ) her.
    LG Ursula

  • Ginkgo

    Danke für Deinen Reisebericht mit den vielen Tipps. Wenn ich selbst nach Sizilien fahre, werde ich mir bei der Reiseplanung Deine Tipps ansehen. Ich kenne nur die Liparischen Inseln, die ich sehr empfehlen kann. LG Ginkgo

  • Alfredo

    Hallo Wiebke, ein sehr interessanter Reisebericht, der in jedem Sizililenfreund Erinnerungen wachruft und natürlich auch Fernweh. Vielleicht kann ich auch noch einmal auf die herrliche Insel fahren. LG Alfredo

  • ursuvo

    Während einer ca. 90tägigen Italienreise sind wir auch drei Wochen in Sizilien umhergereist - DAS war für mich Italien wie ich es mir immer vorgestellt hatte.
    Dein schöner Bericht hat nun viele Erinnerungen geweckt - Danke!
    LG Ursula

  • Frank_E

    Von Sizilien kenne ich bisher nur die Äölischen Inseln. Dein Bericht macht Lust auf mehr :-)

    LG Frank

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