SINNESRAUSCH UND GROSSES GLÜCK Kapitel 13 – Beijing „Vogelzwitschern, Heimkino und graue Kästen“

Reisebericht

SINNESRAUSCH UND GROSSES GLÜCK Kapitel 13 – Beijing „Vogelzwitschern, Heimkino und graue Kästen“

Reisebericht: SINNESRAUSCH UND GROSSES GLÜCK Kapitel 13 – Beijing „Vogelzwitschern, Heimkino und graue Kästen“

Südkorea, Japan, China, Nepal und Thailand. Drei Monate Reisezeit, unterwegs mit Zügen, Schiffen, gelegentlich ein Flug. Der Autor, ein erfahrener Asienreisender, begibt sich Anfang 2008 auf eine unkonventionelle, nicht alltägliche Tour.
Basis der Reisebeschreibung sind sechzehn ausführliche E-Mails, von unterwegs zeitnah versandt an Freunde und Bekannte. Bestärkende Resonanzen und zahlreiche Nachfragen, sowie der Wunsch das Erlebte einem breiteren Publikum zu offerieren, ließen dieses Manuskript entstehen. Es umfasst alle Berichte dieser Tour, überarbeitet, ergänzt, sowie mit zahlreichen Fotos illustriert und richtet sich nicht nur an Asienliebhaber, reiselustige Entdecker und Landeskundige, sondern verführt zum Losfahren, Erleben, Entdecken, Kennenlernen.
Der Stil, das spontan Widerfahrene direkt und ungefiltert an den Leser weiterzugeben, steigert Spannung und Neugier, belebt den Text, beschert das unmittelbare Gefühl, ebenfalls unterwegs zu sein. Der Ablauf war nicht detailliert geplant, lediglich einige Zielorte wurden anfixiert, die eigentliche Route ergab sich während der Reise.
Entdeckungen der Kunst- und Kulturszenen und spontane Begegnungen unterwegs bilden neben kulinarischen Exkursionen die Eckpfeiler der Erzählung. Wunderbare tage im gastfreundliche Korea, überwältigendes Staunen ob der Ästhetik und Harmonie in Japan, turbulente Tage in Shanghai. Eine Zugreise nach Tibet endet unerwartet an der Grenze des Landes, es kommt zur Konfrontation mit der Staatsgewalt. Erneut zurück nach Peking und Shanghai. Von da ein Flug nach Nepal. Der Autor verbringt einige Tage in Kathmandu und begibt sich dann auf Bergwanderungen in den Himalaya, berichtet von schwingenden Hängebrücken und spektakulären Landschaften am Mt. Everest. Abschließend eine genüsslichen Zeit in Bangkok und die Feiern zum Songkranfest.
Der neugierige, zuweilen kritische Blick, vergnügte Anekdoten und Beobachtungen steigern das Lesevergnügen, und die zahlreichen Bildtafeln unterstreichen die vielfarbigen Facetten Asiens.

„Vogelzwitschern, Heimkino und graue Kästen“

Nun habe ich fünf Tage versucht, mich der chinesischen Hauptstadt zu nähern, doch leider erfolglos. Peking ist und bleibt selbst bei wohlwollendster Betrachtung hässlich und langweilig. Dem kritischen Auge kann nicht entgehen, dass hier der Teufel mit dem Beelzebub ausgetrieben wird. Am deutlichsten wird das beim Besuch der ehemals „Verbotenen Stadt“. Alles höfische und kaiserliche von den roten Garden nach deren Machtübernahme als dekadent und altmodisch verschrien, sollte ausgelöscht werden, was auch gelang. Doch dann hat man den selben sinnlosen Pomp und Prunk übernommen um den Kommunismus zu preisen und zur Schau zu stellen. Dazu noch die überwältigende Präsenz an finster blickender Polizei, Militär, zivilem und uniformiertem Sicherheitspersonal um den Palast und den Tiananmen Platz. Das weckt Paranoia. Letztendlich ist Peking ein vergrößertes Abbild der ehemaligen Kaiserstadt: gleichförmige, gesichtslose, überdimensionierte, geschmacklose Bauten. Lediglich das rostfarbene Rotbraun wurde durch hellere Farbtöne ersetzt.
Das verleidet einem auch die Stadtspaziergänge. Schier endlos lange Straßen, vorbei an gewaltigen Betonkästen – Funktionsbauten und nichts zu sehen oder entdecken. Das „alte“ Peking wird abgerissen. Sicher nicht ganz unberechtigt, denn einige der Viertel sind wirklich übel verfallen und heruntergekommen. Einzig der buddhistische Yong He Gong Tempel konnte mich erfreuen. Neben den Touristen auch zahlreiche Gläubige, die zum Gebet kommen.
Einen Ausflug zur Chinesischen Mauer habe ich mir erspart. Ich hatte eine „schützende“ Mauer jahrelang vor der Nase. Das reicht für alle Zeit.
Ich habe das Gefühl, um die so genannten historischen Highlights in Peking wird zu viel Wirbel gemacht. Vielleicht tu ich den Chinesen damit auch Unrecht, vielleicht hab ich schon zu viel gesehen, vielleicht ist man auch nicht mehr so leicht zu beeindrucken, wenn man Angkor in Kambodscha, Kyoto und die Paläste und Tempel in Südkorea besucht hat. Eventuell spielt ja auch das trübe Winterwetter eine entscheidende Rolle. Smog, feiner Sandstaub in der Luft, schneidend kalter Wind, diese Zutaten lassen keine Stadt wirklich gut aussehen.
Kleiner Lichtblick war ein Parkbesuch. Gepflegte Anlage, ruhige Atmosphäre inmitten der Stadt, alte Männer rauchend, schwatzend und Tee trinkend. Die gefiederten Lieblinge wurden in Käfigen herumgeführt, in Bäume gehängt und ihre stolzen Besitzer lauschten dem Gesang.
Wegen der oben aufgeführten Punkte nach Peking zu kommen, lohnt sich meines Erachtens nach nicht. Wegen dem Essen schon! Jede Menge kulinarischer Gipfelgänge, nicht zuletzt wegen der legendären Peking-Ente. Sorgfältig ausgenommen und getrocknet wird diese mit einer Marinade aus Gewürzen und Honig bepinselt und lange über Holzfeuer gegart. Kunstvoll am Tisch tranchiert werden die Fleischscheiben in eine dicke süße Sojasoße gedipt, mit schmal geschnittenen Lauch- und Gurkenstücken in hauchdünne Teigfladen gewickelt und verzehrt. Dazu wird Entensuppe serviert. Köstlich wie Mutter’s Weihnachtsgans! Im ersten Anlauf gab ich mir eine Überdosis. Neben diversen anderen Gerichten hatte ich auch Ente bestellt und völlig verkannt, wie groß so ein Vogel eigentlich ist.

Nachsichtig packte mir das Personal des Restaurants den Rest liebevoll ein. Schmeckt auch Abends zum Heimkino noch köstlich.
Warum die Chinesen allerdings Gefallen an Boiled Blood und Old Mama Pig Kidneys (gekochtes Blut und Nieren einer alten Muttersau) finden , bleibt eines der vielen Rätsel der asiatischen Küche. Ich habe mich lieber an solche Köstlichkeiten gehalten wie „Drunken Empress Chicken“ , benannt nach Yang Gufei, einer dem Alkohol verfallenen Konkubine des Kaisers. Karpfen süß/sauer, gefülltes „Bettler-Huhn“ im Tonmantel gebacken, Entenleber in Rotwein, geschmorte Papaya mit Lilien, oder Hähnchenbruststreifen mit Limonen-Orangensoße und Sesam.
Obwohl schon Hunderte Euros verfressen, trotz abendlichen Wein- und Bierkonsums sind mittlerweile drei Kilo meiner Selbst verlustig gegangen. Reisen macht schlank!
Seit ich in China unterwegs bin, kann ich auch wieder meiner cineastischen Leidenschaft frönen, leider nur auf dem Laptop. Dafür aber die aktuellen westlichen Kino-Highlights, ausgezeichnete Werke chinesischer Regisseure, die leider im Untergrund oder Ausland leben und arbeiten müssen. Dazu die diesjährigen „Oskar – Gewinner“. Die DVD’s kosten zwischen 50 und 80 Cent! Während sie in einigen Geschäften ganz offen herumstehen, muß man woanders danach fragen. Dann werden verborgene Türen und Kästen geöffnet, die Schätze angepriesen. Schleppe mittlerweile ein üppiges Archiv mit mir herum.
Was weiter geschah und wie es mir auf der Reise nach Lhasa erging, berichte ich demnächst. Alles Gute! Thomas.





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