Streifzug durch Marrakesch

Reisebericht

Streifzug durch Marrakesch

Reisebericht: Streifzug durch Marrakesch

Wir verbringen die ersten anderthalb Tage in Marrakesch und sind schon bei der Fahrt in die Altstadt mittendrin. Die orientalische Atmosphäre der Medina und der Souks sind unglaublich aufregend und interessant.

Die Reise nach Marokko führt uns erst einmal in die Provinz am Niederrhein. Vom ehemaligen Militärflughafen Weeze (von Ryanair auch liebevoll Düsseldorf-Weeze genannt) startet unser Flieger nach Marrakesch. Da hier nur sehr überschaubarer Flugverkehr herrscht, geht es im kleinen Terminal ruhig und gelassen zu. Auffällig ist, wie freundlich und gut gelaunt das Personal ist, ganz gleich ob beim Check-In, bei der Sicherheitskontrolle oder im Duty Free-Shop.

Nach knapp vier Stunden landen wir im wohlig warmen Marrakesch. Etwas übereifrig hatte ich den Mietwagen seinerzeit direkt für unsere Ankunft gebucht, obwohl wir ihn für unseren Aufenthalt in Marrakesch erstmal nicht benötigen. Erst in zwei Tagen wollen wir unsere Rundreise starten, eine nachträgliche Änderung wäre jedoch sehr teuer geworden, so dass wir den Wagen nun jetzt schon an der Backe haben.
Unser Dacia Logan muss schon einige Abenteuer erlebt haben, denn so richtig frisch sieht er nicht mehr aus. Bei der Übergabe beginnt der Hertz-Mitarbeiter, die Schäden auf einer Skizze mit Kreuzen zu markieren. Ich schlage vor, einfach ein großes Kreuz über die gesamte Skizze zu zeichnen, denn tatsächlich finde ich keine Stelle an dem Wagen, an der kein Kratzer, keine Schramme oder Beulen zu finden ist. Der gute Mann findet das nicht so witzig.

Selbstverständlich sind wir vorbereitet und ich habe einen Parkplatz in unmittelbarer Nähe des Jemaa El Fna, dem zentralen Platz in Marrakesch, herausgesucht. Von hier aus sind es laut Google Maps nur wenige 100 Meter bis zu unserer Unterkunft. Wir haben ein Zimmer in einem Riad, einem marokkanischen Stadthaus mit Innenhof, gebucht, in dem wir zwei Nächte verbringen werden.

Die zwei Kilometer lange Fahrt vom Flughafen bis zum Eingang der Medina verläuft problemlos. Mit der Einfahrt in die Altstadt ändert sich das allerdings schnell. Da sich die von mir geplante Route zum Parkplatz als Einbahnstraße herausstellt, muss ich spontan umdenken und in die entgegengesetzte Richtung fahren. Nach der zweiten Kreuzung habe ich bereits komplett die Orientierung verloren. Ich habe keine Ahnung, wo wir sind und in welche Richtung wir fahren müssen. Wir stehen in unserem verbeulten Mittelklassewagen mitten auf einer belebten Kreuzung, umringt von Mopeds, Fahrradfahrern, Autos und Eselkarren. Jetzt nur ruhig bleiben. Wir waren schon in so mancher Metropole mit dem Auto unterwegs und haben es bisher immer irgendwie gemeistert. Da wir nicht einfach auf der Kreuzung stehen bleiben können und das aufkommende Gehupe ziemlich sicher uns gilt, ordne ich mich hinter dem nächsten Esel ein und biege instinktiv nach rechts ab. Langsam fahren wir weiter. Der Verkehr wird immer dichter und wir stecken planlos mittendrin. Ein paar Ecken weiter hängt an einer Einfahrt ein schäbiges Parkplatzschild. Ich fahre ran und sofort sind wir von diversen Parkwächtern umlagert, die uns auf den Parkplatz leiten wollen. "Jemaa el Fna?" frage ich in perfektem Französisch. "Deux minutes!" kommt die prompte Antwort. Das würde ich auch sagen, wenn ich einem ver(w)irrten Touristen einen Parkplatz andrehen wollen würde.

Was bleibt uns anderes übrig, wollen wir nicht mit dem Wagen durch Marrakesch irren. Vielleicht haben wir ja zu Fuß mehr Glück. Wir fahren in den staubigen Innenhof, wo wir von noch mehr Parkwächtern freudig in Empfang genommen werden. Alle sind sehr engagiert und weisen uns mit großem Tamtam einen Parkplatz in der hinterletzten Ecke zu.
Während ich versuche, mich mit Hilfe des Stadtplans und der Parkwächter ohne Erfolg zu orientieren, werden Jenny und den Jungs bereits geschälte Walnüsse aus der Hosentasche angeboten. (Ablehnen wäre wohl unhöflich...schmeckt aber auch gut).

An der Einfahrt bietet uns ein Mann mit Handkarren an, unser Gepäck zu unserem Riad zu bringen. Es ist brüllend heiß und wir haben immer noch keine Ahnung, wo wir genau sind. Wir lassen uns auf den Deal ein und ehe Jenny und ich uns versehen, liegen nicht nur die Koffer, sondern auch die Jungs in der rostigen Karre. Entgegen der Fahrtrichtung marschiert der Kollege mitten auf die Straße, die entgegenkommenden Fahrzeuge weichen gekonnt und äußerst knapp aus. Und Jenny und ich hinterher. Nach zwei Minuten erreichen wir tatsächlich den Jemaa El Fna und bekommen den ersten Eindruck dieses sagenumwobenen Platzes. Geschickt werden unsere Jungs samt Gepäck durch das bunte Treiben manövriert, bevor wir dann in den schmalen und verwinkelten Gassen der Medina in Richtung unseres Riads verschwinden.



Taxi in Marrakesch



Durch die Medina

Von der Medina in Marrakesch sind wir sofort begeistert. Die orientalische Atmosphäre, das quirlige, laute Leben, die Gerüche, die Musik, all das ist unglaublich aufregend und interessant. Wir spazieren durch das Gewirr von Gassen, das sich vom zentralen Jemaa el Fna ausbreitet und entdecken und erleben immer wieder Neues. Es macht Spaß, sich treiben und alles auf sich wirken zu lassen. Nur die Jungs sind zunächst skeptisch und aufgrund des Trubels etwas zurückhaltend, was sich aber nach kurzer Zeit legt.



Spaziergang durch die Medina

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Die Gassen teilen wir uns mit geschäftigen Einheimischen, die ganze Hausstände auf ihren Schultern zu transportieren scheinen. Wir weichen hupenden Mopeds oder klingelnden Radfahrern aus, die offensiv zwischen den Fußgängern herumkurven oder lassen Eselkarren an uns vorbeiziehen. Die geschäftstüchtigen Händler stehen vor ihren Läden und versuchen zu uns Kontakt aufzunehmen, indem sie uns in allen möglichen Sprachen ansprechen. Wir lächeln meist freundlich und gehen weiter, denn sonst würden wir kaum vorankommen. Sobald wir als Deutsche erkannt werden, wird auch gerne mal ein "Ich liebe Deutschland, Bayern München, Mario Götze, supaaa!" zum Besten gegeben. Wurde man bis letztes Jahr in solchen Situationen oft noch mit Lothar Matthäus konfrontiert, scheinen die Leute hier nach dem WM-Titel ein Update vorgenommen zu haben. Kommen wir dann doch irgendwie in ein lockeres Gespräch, wird gerne erzählt, dass man viele Verwandte in Berchtesgaden oder am Chiemsee habe. Das hören wir tatsächlich sehr häufig. Mir war gar nicht klar, dass in Bayern so viele Marokkaner leben...



Esel



Die Orientierung fällt uns recht einfach, da die Gassen rechtwinklig angelegt sind und man sich immer gut an die Himmelsrichtungen halten kann. Und hat man sich dann doch mal verlaufen, helfen die Einheimischen einem gerne weiter und zeigen in welche Richtung es zum "Square", dem Jemaa el Fna, geht.

Eher zufällig entdecken wir das Gerberviertel, in dem Berber aus dem Atlasgebirge Leder verarbeiten und färben - was fürchterlich stinkt. Ein junger Marokkaner, der uns eigentlich nur den Weg weisen wollte, entpuppt sich urplötzlich und völlig überraschend als Fremdenführer und führt uns über das Gelände. Da es tatsächlich interessant ist, was er uns da in gebrochenem Englisch erklärt, lassen wir uns darauf ein und hören aufmerksam zu.



Gerberviertel in Marrakesch



Und dann passiert es. Dabei hatten wir es uns so fest vorgenommen, es zu verhindern. Wir wollten hart sein, unsere gesamte Reiseroutine ausspielen und dann erwischt es uns doch. Plötzlich finden wir uns in einem Hinterzimmer eines Ladens inmitten einer Teppich-Verkaufsveranstaltung wieder. Und dabei wollte der junge Guide uns doch nur mal kurz seinen Onkel vorstellen.
Während der motivierte Onkel das große Geschäft wittert und seine Angestellten antreibt, möglichst viele Teppiche anzuschleppen und vor uns auszurollen, versuchen wir aus der Nummer möglichst elegant wieder raus zu kommen. Alle dezenten Hinweise auf unser nicht vorhandenes Kaufinteresse werden ignoriert. Nach ein paar Minuten brechen wir das ganze dann etwas direkter ab. Hier hilft eine freundliche, aber bestimmte Ansage.
Genauso schnell wie wir im Laden waren stehen wir auch schon wieder vor der Türe. Wir nehmen es mit Humor und lernen jetzt noch die Schwester kennen, die verschiedene Kräuter, Gewürze und sonstige Mittel gegen allerlei Wehwechen verkauft. Jenny findet das interessant und kauft ein Tütchen mit schwarzen Körnern, die gegen Kopfschmerzen und anderes Unwohlsein helfen, wenn man an ihnen schnüffelt (das Zeug hilft tatsächlich sehr gut gegen meine Migräne!).



Marrakesch



Die Souks

Ein Besuch der Souks ist ein Highlight und ein absolutes Muss in Marrakesch. Wenn man aber kleinere Kinder dabei hat, muss man dieses Highlight für sie so spektakulär und interessant wie möglich gestalten und zur Not auch so kurz wie möglich halten. Nachdem Milan nach drei Wochen Thailand leicht genervt feststellte: "Ich hasse Nachtmärkte", ist die Chance auf Begeisterung der hiesigen Märkte nicht gerade hoch.
Die Gassen, die teilweise überdacht sind, sind eng und verwinkelt. Ein Laden reiht sich eng neben den anderen. Da sich die Souks nach Themen und Gewerbe aufteilen, ähnelt sich das Angebot in den meisten Straßenzügen sehr. Die Stimmung retten wir bei den Jungs durch den Kauf von zwei Holzschlangen, bei denen wir erstes Geschick im Handeln beweisen und einen sensationellen Preis rausschlagen.

Das Shoppen ist hier so eine Sache für sich. Bleibt man an einem Laden stehen, schaut sich etwas an oder fragt nach dem Preis, ist es um einen geschehen und man wird den Verkäufer nicht mehr los. Besser ist es also, die Sachen im Vorbeigehen kurz zu scannen und nur bei wirklichem Kaufinteresse nachzufragen. Das macht zwar nicht so viel Spaß, erspart uns aber das mühselige Abwimmeln.

Wir spazieren durch die immer enger werdenen Gassen ohne Ziel und lassen die vielen Farben der angeboteten Stoffe, Schuhe, Taschen, die glitzernden Lampen und die zu Dekozwecken aufgetürmten Gewürze auf uns wirken. Was uns Erwachsene begeistert, finden unsere Kinder mittlerweile fürchterlich langweilig. So kann den Nachmittag nur ein Rückzug auf den Jemaa el Fna retten, wo es für die Überlebenden der Souk-Tour eine Runde Eis gibt.



Souks in Marrakesch

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Oase im Trubel: Riad ohne Namen

Nur wenige Gehminuten vom Jemaa el Fna entfernt ist unser Riad eine kleine Oase der Ruhe mitten in dem Trubel der lebhaften Medina. Wir haben die Unterkunft über Airbnb gefunden, wo kein Name, sondern nur der reißerische Slogan "So Cheap So Chic Riad with pool" angegeben ist. Der nicht vorhandene Name macht die erstmalige Suche unnötig kompliziert. Es ist ja nicht so, dass es hier nur ein Riad gibt. "Wir suchen das Riad..., äh... " Immerhin sind die Namen der Besitzer Elisa und Redouane hier bekannt und so finden wir gemeinsam mit unserem Lastenfahrer die etwas versteckte Gasse.

Unser Riad ist schön, günstig und sauber. Zwar ist es etwas in die Jahre gekommen, aber das stört kaum, denn die nette, familiäre Atmosphäre macht es zu einem richtigen Wohlfühlort. Da die Temperaturen tagsüber auf über 38 Grad ansteigen, kommen wir zwischen unseren Touren durch die Stadt immer wieder hierhin zurück. Der schöne Innenhof mit Bananenstauden und Feigenbäumen bietet Raum zur Erholung und der "Pool" für die Jungs eine willkommene Erfrischung.



Unser Riad, eine Oase in der Medina

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Wir haben insgesamt anderthalb schöne Tage in Marrakesch verbracht. Leider konnten wir keine Museen oder Paläste anschauen, was wir eigentlich geplant und gerne gemacht hätten. Mit knapp 40 Grad war es an den Tagen doch heißer als wir gedacht hatten und als es im Mai eigenlich sein sollte. Daher haben wir uns mit Spaziergängen durch die Medina, durch die Souks und rund um den Jemaa el Fna begnügt und wegen der Kinder immer wieder Pausen eingelegt. Wir haben dennoch einen großartigen Eindruck erhalten und noch viele Gründe für einen weiteren Besuch in Marrakesch.

Besonders in Erinnerung wird uns der Jemaa el Fna bleiben, der das Leben und die Vitalität Marrakeschs besonders stark widerspiegelt. Weitere Artikel zu unserer Marokko-Reise findet ihr unter www.travelisto.net.


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