Emsland – Der etwas andere Triathlon

Reisebericht

Emsland – Der etwas andere Triathlon

Reisebericht: Emsland –  Der etwas andere Triathlon

Paddeln so weit die Arme tragen. Wandern, bis die Knie streiken und Radfahren, was das Zeug hält.
Alles das und viel mehr bietet die wunderschöne Natur des Emslandes.

Kajakfahren auf der Hase macht Spaß und hungrig. Belohnt wird unsere kleine Reisegruppe dafür



Paddeltour auf der Hase



mit liebevoll zubereitetem Carpaccio vom emsländischen Weiderind, butterzartem dicken Kotelett vom „Bunten Bentheimer“ Schwein und Crème brûlée mit hausgemachtem Rhabarbereis im



Landgasthof Backers



Landgasthof Backers bei herrlichstem Sonnenuntergang. Alle diese Köstlichkeiten zwingen natürlich am nächsten Morgen aufs Rad. Wobei ein Pedelec, das wir am Salzbergener Bahnhof mieten, nicht gerade die sportlichste Art ist. Macht aber mächtig Spaß und gibt ein völlig neues



Ems-Radweg



Fahrgefühl, denn keiner von uns kennt dieses elektrisch unterstützte radeln. Dafür haben die Augen Hochkonjunktur, denn es geht entlang des Ems-Radweges. Enttäuschte Gesichter dann vor der hübschen kleinen handbetriebenen Seilfähre "St. Christophorus MehrLi", die ihren Betrieb



Seilfähre "St. Christophorus MehrLi"



bereits zu dieser Zeit eingestellt hat. Nicht weit, und wir werden in Mehringen im hübschen kleinen Bauernhofcafé "In't Hürhus" von Familie Hulsmeier mit selbstgebackenem Kuchen unter einem schattenspendenden Baum verwöhnt. Bei jedem Bissen müsste ich die Augen schließen, leider ist



Bauernhofcafé "In't Hürhus"



der angrenzende Swin Golfplatz ein Hingucker mit seinen farbenprächtigen Stühlen. Ist doch diese Sportart eine von alten bäuerlichen Spielen abgeleitete Erfindung aus Frankreich und eine interessante Variante des klassischen Golfs. Gänzlich ungewohnt hier im Emsland auf dem „Moor-



„Moor-Energie-Erlebnispfad“





Energie-Erlebnispfad“ sind die wie an einer Perlenkette aneinander gereihten Erdölförderpumpen, an denen wir entlang radeln, bis die Landschaft in der Ferne zu zerfließen scheint. Abgebaute Moore rechts und links des Weges. Und über die hiesigen Moore wollen wir dann auch etwas erfahren. Denn es schwirren uns schwermütige Moorgeschichten durch den Kopf. Drohend und mit schaurigen Tragödien von Menschen, die in diesem düsteren Schlick elendig versanken. Und damit räumt Peter Becker, stellvertretender Museumsleiter des Emsland Moormuseums, gründlich auf, da



Emsland Moormuseum



solche Geschichten für ihn Stammtischgeschwätz sind. Von seiner Leidenschaft fürs Moor lassen wir uns mitreißen. „Meist,“ so sagt er, „sinkt man nur bis zu den Knien oder Hüften ein. Tödlich kann dann die nasse Kleidung sein, da es nur mit unglaublicher Mühe verbunden ist, sich mit ihr aus diesem lebensfeindlichen Raum heraus zu arbeiten.“ Und dann beugt er seinen Oberkörper nach vorne und macht Schwimmbewegungen. „So muss man sich mit dem Oberkörper auf den schwankenden Torfmoorrasen mit seinem Wollgras legen und schwimmartige Bewegungen machen. Dann hat man eine kleine Chance.“ Dabei prägen das Emsland Wiesen, Wälder, Wasser und Moore. Heute sieht man ein, dass man diese Feuchtgebiete - weniger als 10 Prozent existieren heute überhaupt noch - als letzte Rückzugs- und Lebensräume für gefährdete Pflanzen- und



Hahnenmoor



Tierarten schützen muss. Das wird uns auch im Hahnenmoor deutlich. Hier, so erfahren wir von Moorführerin Marion Mantingh, werden mittlerweile große Flächen dieses Hochmoores, das nur von Regenwasser gespeist wird, wieder vernässt.
Bei einem leckeren Abendessen mit gut gezapftem Bier unter einem Sonnenschirm der „Alten Posthalterei“ auf dem beschaulich faszinierenden Marktplatz von Lingen erfahren wir von Werner



Urgemütlicher Marktplatz in Lingen



Schepers, der sich bestens hier auskennt, dass es im 18. Jahrhundert nur einen einzigen Durchgang durch diese Moorlandschaft gegeben haben soll, und das sei hier in Lingen gewesen. Und durch dieses „Schlupfloch“ zog zu dieser Zeit Clemens August I. von Bayern, Erzbischof von Köln - mit seinem Gefolge von 1000 Personen mit 100 Kutschen aus dem fernen Rheinland hier ins benachbarte emsländische Sögel. Dabei zog er nur im Herbst für die Jagd mit seiner Karawane für



Schlossanlage Clemenswerth



wenige Tage in sein Jagdschloss nebst Nebengebäuden, wobei sämtliches Mobiliar mitgebracht werden musste. Sein Tafelservice, so ist überliefert, wurde in Butter gelagert transportiert und ist noch heute bestens erhalten und in der Schlossküche in Vitrinen ausgestellt. Noch heute ist die Schlossanlage Clemenswerth weltweit die einzig erhaltene Jagdsternanlage aus der Barockzeit mit einem Zentralpavillon und acht Gästepavillons in einem Alleestern.



Der „Hünenweg“



Vom 18. Jahrhundert geht es zurück, weit zurück, gut 5000 Jahre. Da wandern wir mit Hans Quappen auf dem „Hünenweg“, einer sandigen Moränenlandschaft des Hümmling, tief im Herzen des Emslandes. Vorbei geht es am „Königsgrab“ mit der sagenumwobenen Grabkammer und dem Grabhügel „Mansenberge“, der zu einem der größten bronzezeitlichen Grabhügelfelder des Emslandes gehört. „Immer waren diese Steingräber – sieben auf einer Stelle,“ so erfahren wir von unserem Führer Hans Quappen, „in West- Ostrichtung angelegt worden.“ Und auf die Frage, wie die Menschen damals solche mächtigen Steine zu einer Grabkammer zusammengetragen haben, da antwortet er: „Man schätzt, dass 100 Leute aus einer Sippe 100 Tage, 10 Stunden täglich, die mächtigen Findlinge aus der Eiszeit über Baumstämme gerollt haben. Der Rest der Sippe musste für die Verpflegung bei Ackerbau und Viehzucht sorgen.



Die Hüvener Mühle,



Nur einen „Steinwurf“ entfernt zeigt er uns dann auch noch die Hüvener Mühle, eine der letzten komplett erhaltenen kombinierten Wind- und Wassermühlen Europas, die vom Fluss Mittelradde seit 2006 wieder angetrieben wird. Dafür haben die aktiven Mitglieder des Heimatvereins Aschendorf-Hümmling in mühevoller Kleinarbeit gesorgt. Einer von ihnen ist Klaus Hannok. Mit ihm steigen wir im Inneren über steile Holzleitern hoch hinauf und lassen uns die komplizierte, alte Technik erklären.



Maritime Meile in Haren an der Ems



Technik auch auf der Maritimen Meile in Haren an der Ems. Dabei ist Maren der drittgrößte Reedereistandort Deutschlands. Da haben findige Bürger mit guter finanzieller Unterstützung ein Schifffahrtsmuseum errichtet und einige alte Schiffe vor der Verschrottung gerettet. So auch eines der letzten Pünten, ein Schiff ohne Motorantrieb. Es wurde in früheren Zeiten von Menschen oder Pferden vom Treidelpfad aus gezogen. Und wenn es auf einer Seite mal nicht weiter ging, weil vielleicht eine Flussmündung im Weg stand, dann konnte man eine Schiffsklappe am Bug öffnen. Das Pferd trabte dann übers Boot und über die hintere Schiffsklappe ans andere Ufer. Und weiter ging es, wie uns Robert Paul erklärt, der das noch mit eigenen Augen gesehen hat.



Dieter Ruhe von der Firma Adla Gourmet



Wandern und Technik machen wieder hungrig. Und so sitzen wir an unserem letzten Tag in Breddenberg unter einem Zeltdach von zwei findigen jungen Männern. Dieter Ruhe und David Schrand haben vor einiger Zeit mal bei einem Glas Wein zusammen gesessen und Ideen gesponnen. Dabei kam den beiden Weltenbummlern und cleveren Geschäftsleuten die Idee, die Firma Adla Gourmet zu gründen und nur allerbestes Fleisch übers Internet zu vertreiben.
Heute haben sie 2000 Rinder, die bestens gehegt und gepflegt werden. Man stellt ihnen einen Wagen auf die Weide und fährt mit ihnen ab und zu herum, so dass sie sich daran gewöhnen. Und so haben sie, die ganz besonderes Futter - nach einem geheimen Rezept - bekommen, beim Transport zur Schlachtung keinen Stress. Und das schmecken wir auch bei der Verkostung hier unter dem Sonnenschirm, der heute als Regenschirm seine Dienste tut. So fällt der Abschied nicht ganz so schwer aus.

Gerd Krauskopf



Kunst am Wegesrand im Emsland



Infos:

unter: www.emsland.com



Erholsame Ferienregion Emsland



Gut gewohnt habe ich

im Parkhotel an der Freilichtbühne in Meppen: www.parkhotel-emsland.de



Parkhotel an der Freilichtbühne Meppen



Landgasthaus Backers:

www.gasthof-backers.de



Landgasthof Backers



Bauernhofcafé In’t Hürhus:

www.swingolf-mehringen.de



Swin Golfplatz "In't Hürhus"



„Alte Posthalterei“ in Lingen:

www.posthalterei-lingen.de



„Alte Posthalterei“ in Lingen



Hüvener Mühle:

www.huevener-muehle.de



Robert Paul an der Hüvener Mühle



ADLA Gourmet:

www.adla-gourmet.com



Dieter Ruhe von der Internerfirma Adla Gourmet



Schlossanlage Clemenswerth:

www.clemenswerth.de



Gartenhaus von Schlossanlage Clemenswerth



Hahnenmoor:

www.torfwerk-hahnenmoor.de



Das Hahnenmoor



„Maritime Meile“ Haren:

www.heimatverein-haren.de



Haren an der Ems



Emsland Moormuseum:

www.moormuseum.de



Emsland Moormuseum


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Kommentare

  • Blula

    Da werden Erinnerungen bei mir wach, denn im Emsland war ich mal zu Hause. Lang ist's her.
    Danke für den schönen Bericht und die vielen Anregungen.
    LG Ursula

  • Kinga

    Dein Reisebericht las ich mit große Freude,
    weil du meine Heimatregion bereist hast.
    L.G.
    Maria

  • Aries

    Seit fast 30 Jahren ist das Emsland meine Heimat, und ich habe es nie bereut, hierher gezogen zu sein.
    Danke für diesen beschwingten Bericht, der eindeutig zeigt, weshalb hier soviel Rad gefahren wird: bei dem guten und vielen Essen ist es unbedingt nötig, die angefutterten Kalorien wieder radelnderweise loszuwerden.
    Das muss!! (wie der Emsländer gerne sagt)
    LG Hedi

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