Unterwegs in einem Land, das es offiziell gar nicht gibt

Reisebericht

Unterwegs in einem Land, das es offiziell gar nicht gibt

Reisebericht: Unterwegs in einem Land, das es offiziell gar nicht gibt

Reisebericht über den Beşparmak-Trail in Nord-Zypern. Jede Etappe bietet ein anderes Highlight: Mal sind es üppige Orchideenwiesen, mal schroffe Felslandschaft und an jedem Tag mindestens eine historische Stätte. Sie waren nämlich alle auf Zypern: Ägypter, Assyrer, Griechen, Römer, Byzantiner, Osmanen, Engländer.

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Besparmak-Trail

Mitläufer

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„Beşpar … was für einen Trail wollt ihr laufen?“ „Beşparmak-Trail. Von Westen nach Osten quer durch die Türkische Republik Nordzypern. Der 257 km lange Trail ist zwar nicht so bekannt und landschaftlich spektakulär wie der Milford-Trek, dafür bist Du aber meist allein unterwegs – abgesehen von tierischen Mitwanderern die sich eher langsamer fortbewegen.“



„Wie kommt ihr denn dort hin?“ „Ganz einfach: Direkt ab Düsseldorf mit Turkish Airlines via Istanbul.“ Der Linienflug ist nur wenige Euro teurer als der Billig-Airlineflug und Turkish Airlines überrascht mich mit Beinfreiheit, gutem Service und richtig schmackhaftem Essen von dem ich sogar satt werde! So wie früher bei renommierten Linienflügen. Ganz pünktlich landen wir am Flughafen Ercan und beziehen nach 45 Minuten Taxifahrt unser erstes Quartier in Lapta an der Nordküste.



Blick auf Lapta



Der Beşparmaktrail erstreckt sich vom Kap Korucam im Westen bis zum Kap Zafer im Osten. Insgesamt ist diese Wanderung in 18 Etappen aufgeteilt; wir – mein Mann und ich – haben nicht so viel Zeit und entscheiden uns für acht Abschnitte. Wir übernachten in kleinen Hotels/Pensionen und lassen unser Gepäck transportieren. Wir haben über den auf Zypernreisen spezialisierten Anbieter Meridian Touristik (www.nordzypern-tours.de) ein Rundum-Sorglos-Paket gebucht und müssen uns um nichts kümmern sondern nur noch laufen.



Kap Korucam

Leuchtturm am Kap Korucam

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Ein Taxi bringt uns in einer knappen Stunde auf einer schmalen, glatt geteerten Landstraße von Lapta zum westlichsten Ende Nordzyperns. Ein stählerner Leuchtturm steht einsam auf schroffem Fels. Das graue Gestein rings herum ist scharfkantig und zerklüftet beinahe wie AA-Lava. Wenig einladend.



Müll an der Küste Nord-Zyperns

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Zwischen den Felsen liegt Müll. Viel Müll. Schade. Nun ja, Türken lassen ihren Müll fallen wo sie gerade sind, denke ich! Das stimmt so nicht. Hier liegt Plastik in Fragmenten aller Größen, Formen und Farben. Nur ein sehr geringer Teil stammt von Ausflüglern die hier Picknick machten, der größte Teil kommt aus dem Meer und mit jedem Sturm wird neuer Müll angeschwemmt. Es ist unser Abfall. Laut WWF schwimmen heute in jedem Quadratkilometer Meer bis zu 46.000 Teile Plastikmüll. Den meisten Urlaubern fällt es nur nicht in dem Maße auf, weil die Badestrände an vielen Orten täglich gereinigt werden.



Ich bin dann mal weg

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In dieser öden Gegend, zwischen Steinen und Müll – den ich für das Foto wegräume – wachsen Blumen. Scheinkrokusse. Es ist März und damit Frühling. Die beste Jahreszeit, es ist noch nicht so heiß und überall erwacht die Vegetation zu neuem Leben.



Der Trampelpfad mit grün-weißer Markierung auf den Steinen folgt zunächst der Küste. Die Sonne scheint, 18-20 Grad sind genau richtig zum Wandern. Nachdem wir das Dorf Sadrazamköy passiert haben führt der Weg sanft bergauf: die ersten Ausläufer des Beşparmak-Gebirgszuges. Wolken ziehen auf, es folgt leichter Nieselregen und dann entleert ein rabenschwarzes Ungetüm seine Fracht auf uns. Zum Glück sind wir kurz vor unserem Etappenziel dem maronitischen Dorf Koruçam. Als einzige Gäste lassen wir uns in einem Café mit derben Holzstühlen und Tischen nieder. Zum Aufwärmen und für die Stimmung gibt’s einen türkischen Mocca – heiß und stark. Alles ist gut, auch wenn die Füße nass sind. Zum Glück hat unser Hotelzimmer Klimaanlage – zum Heizen und Schuhe trocknen.



Besparmak-Trail



Der nächste Morgen. Blick über den Pool. Hübsch anzuschauen. Schwimmen wollten wir heute ohnehin nicht.



Pool im Regen


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Kommentare

  • Gerd-Krauskopf (RP)

    Wow, liebe Astrid, wieder mal ein großartiger Reisebericht von einer wunderschönen Wanderung mit vielen Erlebnissen, tollen Fotos und einem guten geschichtlichen Hintergrund.
    Beste Grüße
    Gerd

  • Unterwegs2014

    Habe den Bericht mit Spannung gelesen. Vor allem die Wanderung hat mich interessiert. Wir wandern sehr gerne und oft. Zypern ist halt auch sehr steinig, was man auch gut auf den Bildern sehen kann, nicht gerade gut für die Gelenke. Gut erzählter Bericht mit passenden Bildern kombiniert, hat mir gefallen. Vielen Dank
    Liebe Grüsse Iris

  • auf-Achse-sein.de

    Ein wirklich interessanter Bericht über eure Wanderreise. Voller historischer Informationen und keineswegs trocken. Hat Spaß gemacht zu lesen. Die Bilder untermalen eure schöne Tour gut dazu. Vielen Dank fürs mitnehmen :)

  • brandriba

    Bin gerade gemütlich mir Euch auf Wanderschaft gewesen, ein schöner und unterhaltsamer Reisebericht mit viel Grundinformationen zu Land und Geschichte. Danke, hat Spass gemacht. LG DAni

  • Blula

    Liebe Astrid, also, ich muss sagen.... ich bin wirklich sehr angetan von diesem so locker formulierten Reisebericht über Euren Wanderurlaub in Nordzypern. So soll es sein, informativ und zugleich kurzweilig. Die guten Fotografien tun dabei noch ein Übriges. Ich bin hier gerne mit Euch gewandert und falls ich es Euch noch einmal nachmachen werde, was durchaus möglich ist, da ich ja den Süden Zyperns immerhin schon einmal bereist habe, konnte ich hier noch viele gute Tipps und Hintergrundinformationen von Dir erhalten.
    Ich sage darum herzlich Danke!
    LG Ursula

  • therese

    Vor einigen Jahren haben wir im Süden von Zypern einen Wanderurlaub gemacht. Deshalb hat mich der Bericht besonders interessiert. Kompliment zu diesem wirklich gut formulierten Reisebericht. Sollten wir noch einmal nach Zypern kommen, nehme ich ihn mit.
    LG therese

  • weltreisen

    Astrid, ein sehr interessanter bericht über nord-zypern mit schönen bildern. wir sind 1987 von der republik zypern aus über die damalige "grüne grenze" nach nordzypern, und zwar beim uno-stützpunkt in nikosia.
    die zyprioten "drückten ein auge zu", und in nordzypern bekamen wir dann sogar ein visum. wir besuchten s. hilarion, kyrenia, bellapais, kloster barnabas und salamis.
    dein bericht war also für mich eine wirklich schöne erinnerung, danke.
    inge

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  • rita_schumann

    Dein Bericht ist wirklich toll geschrieben und sehr informativ. Ich war in dem Zusammenhang auch auf deiner Website: tolle Seite. Danke und Lg Rita

  • ursuvo

    das war mal wieder ein sehr guter und anschaulicher Bericht - am liebsten wäre ich ja mitgewandert - trotz Wetter!
    Noch lange vor der Teilung wollten wir mal dorthin - und dann ist nichts mehr draus geworden. So habe ich Deinen schön bebilderten und interessanten Bericht umso lieber gelesen.
    LG Ursula

  • Ra2006

    Servus Astrid,
    Kompliment für den tollen Reisebericht
    LG René

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