Der alte Main und seine neuen Flößer ---

Reisebericht

Der alte Main und seine neuen Flößer ---

Reisebericht: Der alte Main und seine neuen Flößer ---

Da sitzt man nun im beinahe Sommer auf seinem Balkon oder der Terrasse und nimmt sich vor, morgen gehen wir auf die „Dona“, einer Messe in Regensburg. Das ist schon eine kleine Reise bis Regensburg, aber eine auf der man Informationen sammeln kann, die man später wieder auf dem Balkon oder der Terrasse auswerten kann um dann konkrete Pläne für eines der nächsten Wochenende zu schmieden.

Uns hat man nur so im vorbeigehen einen kleinen Flyer in die Hände gedrückt, auf der die Familien Sauer und Barthel aus „Neuses am Berg“ eine romantische Floßfahrt auf dem alten Main in Franken anbietet. Tolle Sache haben wir uns gedacht nachdem wir den Regen von Blaibach bis Regensburg schon im Kanadier bezwungen haben, denken wir uns einfach, das mit dem Floß, das packen wir auch an.
Den bayrischen Regionalatlas auf den Knien konnte man die richtige Strecke für einen Wochenendausflug aussuchen und nachdem es zwei frei Plätze auf dem Floß gab, ging es auch schon auf die Strecke in das schöne Frankenland.
In Cham sind wir auf die Bundestrasse 85 gebogen, die ab Schwandorf auch „Bier und Burgenstraße“ heißt. Hier ging es gemütlich bis Auerbach in der Oberpfalz, von dort biegt eine der schönen kleinen Straßen, die wir aus unserem Landkreis kennen ab und führt in Richtung Pegniz. Unser Ziel war an diesem Tag die Burg Veldenstein, die bis hinein in das neunzehnte Jahrhundert Sitz der Bamberger Bischhöfe war und heute von der Ortsansässigen Brauerei gepachtet ist. Die Burg ist sehr gut erhalten und weil es heute nicht regnet besichtigen wir ausgiebig Innenhöfe und Burgzinnen.In dem dazugehörigen Brauerei Gasthof nehmen wir noch eine fränkische Brotzeit ein, natürlich mit einer Probe des hier gebrauten Bieres. Was es so mit der mehr als tausend Jahre alten Burg auf sich hat, konnten man am Eingang auf der Informationstafel lesen.
Nach diesem kleinen Abstecher in die Mittel alterliche Kultur ging es weiter zur Bundestrasse 470, dann über Pottenstein und Forschheim bis nach Höchststadt und dort auf die Autobahn 3 bis nach Hörbach…
Als alte Camper haben wir nicht weit von der Autobahn ab einen schönen Platz am Mainufer gefunden. Hier in der Ortschaft Schwarzach konnte man sich bei einem guten Glas Frankenwein auf die Floßfahrt einstimmen, die ja unser Hauptreisegrund war.
Pünktlich um elf am Sonntagmorgen kommen wir an der Anlegestelle des Floßes, einem alten Kieshafen an. Es gibt noch kein Floß, aber nicht weit ab sehen wir die Flößer navigieren und bald schon liegt das Floß fest vertäut am Ufer Es wird geschäftig, Ein Partydienst bringt Verpflegung an Bord, Weinbauern liefern Ihren Wein ab und auch ein Fass Bier wird auf die Planken gerollt. Nach dem Prinzip, erst die Ware, dann der Mensch steigen alle schließlich ein und die Fahrt kann beginnen Es gibt Biertische und gut gepolsterte Bänke und für eventuell aufkommenden Regen ein stabiles Dach über dem Kopf. Das Wetter meint es aber gnädig und so bleibt das Dach offen. Beinahe lautlos löst sich das große Floß vom Ufer und gleitet von den beiden Flößern am Heck und am Bug gelenkt in die Mitte des Stromes.
Der alte Main ist heute nicht mehr schiffbar, wurde aber Jahrhunderte von den Flößern aus dem Fichtelgebirge als Transportweg genutzt, wenn man der Überlieferung glauben kann, soll es Flöße bis zu sieben Hundert Metern länge gegeben haben. Bis hinein in die fünfziger Jahre des letzten Jahrhunderts hatte die Flößerei auf dem Main seine Bedeutung. Heute hat die Floßfahrt durch die idyllische unberührte Landschaft als Touristen Attraktion ihren besonderen Reiz.
Der Kapitän, ja einen solchen muss es auf einem Transportmittel im Wasser geben, begrüßt seine Gäste und erklärt uns im laufe der Fahrt immer wieder die vorbeiziehenden Sehenswüdigkeiten am linken und rechten Ufer. Zuerst passieren wir die auf einem Weinberg gelegene Vogelsburg, einer Burganlage aus dem Jahre 874 in der heute das älteste Weingut der Region untergebracht ist. Die Schweden sollen hier genauso wie in unserem Landkreis gehaust haben es ist die Rede davon, das sie eins die Bewohner der Burg in Weinfässern den Hügel hinunter gerollt haben. Weiter Flussabwärts liegt der kleine Winzerort Eschendorf in dem unsere Flößerfamilien zu Hause sind. Hier verbindet eine der heute seltenen alten Seilfähren noch die beiden Ufer des Main. Diese Fähren arbeiten wie schon vor hunderten von Jahren an einem Seil hängend nur mit der Strömung des Flusses. Im Ort Nordheim, der eigentlich auch durch den Weinbau geprägt ist hat sich auch eine einmalige Tradition erhalten, der Ort beherbergt heute noch mehr als hundert Hausbrenner mit eingetragenen Rechten, die sich auf das Herstellen und Brennen von hochwertigen Obstbränden und Schnäpsen einen Namen machen. Über Köhler einem weiteren Weindorf geht es weiter durch unberührte Natur, vorbei an Sommerach, bis wir schließlich Gerlachshausen, das Ziel der heutigen Etappe erreichen.

Erzählt ist das ja schnell, aber die gesamte Etappe dauerte vier Stunden. Natürlich haben wir eine deftige Brotzeit genossen und dazu eine Weinprobe gemacht. Vorgestellt wurden uns sechs Weine von den Winzern, deren Weinberge links und rechts des alten Maines liegen. Als Krönung gab es schließlich ein Glas Winzersekt.
Die Stimmung wurde im laufe der Fahrt trotz windigem und kaltem Wetter immer besser. International haben sich die Fahrgäste nicht zusammengesetzt, aber
der Sprache nach zu urteilen gab es Gäste aus allen Landkreisen Bayerns.

Eine Floßfahrt, die ist lustig und bestimmt eine Wochenendreise wert….



Das Floß passiert eine Insel im alten Main

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Kommentare

  • reisefreudig

    Servus Fred, prima so ein Wochenende. Nicht immer müssen es die Fernreisen sein. So eine Tour mit Freunden sind auch oft das "Salz zur Suppe". Freue mich zur Vorstellung einer Gegend, welche mir völlig unbekannt ist (war),
    lg Haradl

  • Blula

    Ja, aber hallo !! Da wäre ich auch gerne dabei gewesen. Mir ist diese Gegend ja auch nicht so ganz unbekannt, aber eine solche muntere Floßfahrt habe ich mir noch nie gegönnt.
    Toller Bericht... und Tipp zugleich!
    LG Ursula

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