Island: Eine unaufhörliche Sensation (Teil 2)

Reisebericht

Island: Eine unaufhörliche Sensation (Teil 2)

Reisebericht: Island: Eine unaufhörliche Sensation (Teil 2)

Island: Eine unaufhörliche Sensation

Mordend und plündernd sieht man ihn wohl vor Augen, den brutalen Wikingerkrieger. Kam er doch einst von Norwegen hier auf diese Nordmeerinsel aus Feuerregen und Rauch. Und genau in dieser isländischen Vulkan-Ödnis, einer urwelthaften, heroischen Natur - die für mich eine unaufhörliche



Jón Baldur Þorbjörnsson



Sensation ist - da feixt Jón in voller Kriegermontur mit riesig verzerrt aufgerissenem Mund, als wolle er uns gerade mit seinem Schwert brutal ins Jenseits befördern. Dabei hat der erfahrene Islandkenner unsere kleine Reisegruppe gerade die 150 Kilometer von Reykjavík hier in den Südwesten nach Eiríksstaðir befördert. Will er uns doch zeigen, zu welch entbehrlich einsamen und schweigsamen Leben seine Vorfahren gezwungen waren. Und genau hier in der Dreiseelengemeine Dalabyggði in Region Vesturland hat vor über 1000 Jahren ein Mann namens Erik der Rote – man nannte ihn wohl wegen seines roten Haarschopfes so - mit seiner Familie in einem solchen Langhaus gelebt. Bis man ihn für vogelfrei erklärt hat. Das aus gutem Grund, denn der streitbare Mann hatte einen Mord begangen. Und so versteckte er sich ohne seine Familie auf



Schäreninseln bei Bjarnarhöfn



Hildibrandur Bjarnason

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einer der weit entfernten Schäreninseln, wo ihn niemand kannte. Dort baute sich der erfahrene Seefahrer ein Schiff, stellte eine Mannschaft zusammen und entdeckte mit ihr Grönland.

Wir fahren ein paar unwirtliche Lebensräume weiter nach Bjarnarhöfn. Es geht vorbei an Lava von nackter Strenge und solchen, die mit Moos und einfachem Strauchwerk bedeckt sind, wobei eine handvoll krüppeliger Bäume bereits als Wald bezeichnet wird. In dieser geheimnisvollen Einöde verarbeitet Hildibrandur Bjarnason nach alter Tradition hakárl,



Grönlandhai. Und den bekommt er von Fischern, denen ein Hai ungewollt ins Netz gegangen ist. Der wird dann von ihm ausgenommen, gereinigt, zerlegt und in Kisten mehrere Monate gelagert,



Einöde von Bjarnarhöfn



bis sein Fleisch fest und trocken ist und Ammoniak ausreichend abgasen konnte. Diese isländische Spezialität, man nennt sie bei uns auch „Gammelhai“, die früher in Erdlöchern monatelang gelagert wurde und noch heute mit einem Schluck Brennivín verkostet wird, erspare ich mir jedoch.



Philipp Ewers in der kleinen Brauerei Steðja



Bier Kreation: Finnwalhoden auf...

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Nicht jedoch leckeres Bier, das Philipp Ewers seit 2012 in der kleinen Brauerei Steðja braut. Dabei bringt der junge deutsche Braumeister viel Erfahrung mit aus Düsseldorf, wo er bei Schumacher sein Handwerk erlernt hat. Und so koste ich sein leckeres Lager-, Erdbeer- Weihnachts- und Osterbier. Im Januar 2014 ist er jedoch mit einer Kreation in die internationalen Schlagzeilen geraten. Da nämlich war seine neueste Rezeptur: mit Schafdung geräucherter Finnwalhoden. Was ich natürlich gleich kosten muss und mir den Protest unserer Reiseleiterin Marie Krüger einbringt, die die Waljagd ablehnt und der ich insgeheim auch zustimme.

Ganz umweltfreundlich geht es zu in riesigen Gewächshäusern. Dort züchten Farmer von Gemüse bis Bananen alles mit kostenloser Erdwärme. Und die nutzt auch Sveinn Magnús Andrés in seiner Gartenbauanlage Víðigerði bei Reykholt, die von Europas wasserreichster heißer Quelle Deildartunguhver gleich an seinem Hof stammt. „Bereits mein Vater,“ so erzählt Sveinn stolz, „hat seit 1939 hier Gemüse angebaut.“ Dann schwärmt er von seinen neuen Plänen. So wird er im kommenden Jahr in unmittelbarer





Sveinn Magnús Andrés in seiner Gartenbauanlage ...



Nachbarschaft der unaufhörlich heiß sprudelnden, rauchenden Wasserglocken einen Hot Pott für Touristen anlegen. „Können wir doch gar nicht so viel Energie verbrauchen,“ meint Sveinn, „wie unsere Wasserkraftwerke produzieren und unsere Thermalenergie hergibt.“



Bucht von Hellnar



Es ist Nachmittag geworden und wir freuen uns auf leckere Waffeln mit Stachelbeermarmelade in einer malerischen Bucht von Hellnar. Während sich unsere kleine Gruppe von Sigga in ihrem Fjörhús verwöhnen lässt, besuche ich erst einmal eine kleine Kirche, die ruhig und zeitlos malerisch oberhalb des kleinen Örtchens Hellnar mit Blick auf den tiefblauen Ozean im letzten



Kirche von Hellnar



warmen Sonnenlicht thront. Gut gestärkt und den Geruch von frisch gebackenen Waffeln noch in der Nase, verlassen wir wenig später die malerische Bucht und tauchen nur ein paar Fahrminuten später ein in völlige Dunkelheit der Lavahöhle Cave Vatnshellir. Vorher jedoch werden wir erst einmal mit Helm und Taschenlampe von Thor ausgestattet. Dann geht’s ab in völlige Dunkelheit.



Mystische Dunkelheit in der Lavahöhle Cave Vatn...



Neugierig tasten wir im Schein unserer Taschenlampen die Wände dieser 8000 Jahre alten Höhle ab und sind begeistert von den erstaunlichen Farben und einer mächtigen Stalagmite. Und inmitten dieser Lavaformationen steigen wir über zwei enge Wendeltreppen 35 Meter tief hinunter. Unten angekommen endet nach gut 200 Metern vorsichtigem Tasten der Füße hinter einer langen, flach abfallenden Stahltreppe der erst vor einiger Zeit entdeckte unwirkliche Ort. Hier kostet jeder



In völliger Dunkelheit kosten wir einen Schluck...



von uns einen Schluck Wasser, das uns von Thor mit einer Schöpfkelle gereicht wird. Vermutlich hat es tausende von Jahre gebraucht, um hier unten an zu kommen.

Später, viel später, auf unserem Rückweg nach Reykjavík zweigen wir in einer grandiosen Landschaftsszenerie an einem Gehöft namens Gerðuberg kurz ab von der Þjóðvegur 1, der Ringstraße, die ganz Island umrundet. Jón zeigt uns hier eine gigantische Basaltsäulenwand mit



Gigantische Basaltsäulenwand und kleines Kirchlein



mächtigen geometrischen Mustern in den Klippen. Mich interessiert jedoch mehr ein kleines, scheinbar verfallenes Gotteshaus etwas abseits auf einem kleinen Hügel, das wie in einer alten isländischen Saga verlassen unterhalb dieser Basaltsäulenwand sein Dasein fristet. Für mich eine kleine Trutzburg mit bestem Blick über die karge Schönheit eines Landes, von dem der 1998 verstorbene isländische Literaturnobelpreisträger Halldór Laxness bereits ausgiebig von dieser Saga-Insel am Rande der Arktis schwärmte.

Gerd Krauskopf

Infos:

Ich bin ab Frankfurt/Main mit Icelandair geflogen: www.icelandair.de

Gut gewohnt habe ich in Farmhäusern: www.farmholidays.is/

Wer Spaß hat an Geländewagen-Touren mit Land Rover Defender, dem sei Isafold Travel empfohlen: www.isafoldtravel.is

Wenn es das Wetter zulässt, sind Walbeobachtungsfahrten von Reykjavík aus empfehlenswert. Sie führt der Familienbetrieb Elding adventure at sea durch: www.elding.is


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Kommentare

  • astrid

    Was für ein erfrischend "anderer" Bericht von Island ... und die Fotos, einfach klasse. Ich gestehe, ich hätte wohl auch das Bier dem Gammelhai vorgezogen!
    LG, Astrid

  • Justyna_K

    Nun habe ich auch den zweiten Teil deines Berichtes zu Island gelesen und er hat mir genau so gut gefallen wie der erste:-) Die Bilder sind super! Ich kann dazu auch nur sagen: Ich will unbedingt wieder nach ISLAND reisen!!!

    LG, Justyna

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