Wintercamping überm Polarkreis

Reisebericht

Wintercamping überm Polarkreis

Reisebericht: Wintercamping überm Polarkreis

Ich wollte mir dieses Jahr einen großen Wunsch erfüllen und das Polarlicht (Aurora borealis) in Skandinavien sehen. Um flexibel auf die Wettersituationen vor Ort reagieren zu können, habe ich meine Reise mit einem Hymer-Wohnmobil unternommen.

Seite 1 von 4

Anreise

Von Berlin ging es auf direktem Weg nach Rostock und mit der Fähre über die Ostsee nach Gedser. Die 150 km durch Dänemark bis Kopenhagen sind easy zu fahren. Für Wohnmobilisten sind die dänischen Rastplätze an den Autobahnen ein Paradies: Hier gibt es so gut wie immer Stationen, an denen man Frischwasser nachtanken, das Grauwasser entsorgen und auch die Chemietoilette entleeren kann. In Dänemark ist auch noch einmal Tanken angesagt, da Benzin/Diesel hier günstiger als in Norwegen ist.
Bisher bin ich nach Norwegen entweder über Hirtshals oder Kiel angereist. Diese mal wollte ich mit der Fähre von DFDS Seaways von Kopenhagen nach Oslo einreisen. Die Fähre legt am Nachmittag um 16:30 Uhr in Kopenhagen ab und ist am nächsten Tag um 9:45 Uhr in Oslo. Das bedeutet Sonnenunter- und -aufgang auf dem Wasser. Da das Wetter auch noch mitspielte, war es die perfekte Einstimmung auf die Reise.
Die DFDS Fähre legt direkt hinter der Akerhus Festning und vor dem neuen Osloer Opernhaus an. Das bedeutet, dass man quasi an der gesamten Wasserfront Oslos mit dem Schiff entlang fährt - wunderbar!



Abfahrt in Kopenhagen

Keine Bildinformationen verfügbar


Die Fahrt zum Polarkreis

Da ich Oslo schon öfters für die Aktualisierung meines Reiseführers "Norwegen: Nordkap-Route" aus dem Conrad-Stein Verlag besucht hatte, hielt ich mich nicht lange in der Stadt auf, sondern bin gleich mit meinem Hymer in den nahegelegenen Autobahntunnel eingetaucht und habe die Stadt Richtung Norden auf der E6 verlassen. Wetter war bombig und Stimmung und Vorfreude auf Nordnorwegen immens.
Was die Stimmung immer ein wenig trübt sind die Mautstellen auf der E6. Hinter dem Abzweig Gardermoen (Flughafen) folgen insgesamt sechs neue Mautstellen bis Tangen. Hier hat man entlang des Sees Mjøsa die E6 erweitert und begradigt. Bis Lillehammer sowie etwas nördlich der Olympiastadt von 1994 werden noch weitere Mautstellen eingerichtet, da auch hier neue Tunnel gebuddelt werden. Das gute ist, dass man heute an den Mautstellen (Bomstasjon) direkt durchfahren kann. Das Nummernschild wird registriert und man erhält etwa drei Monate später eine Rechnung ohne Aufpreis.
Bis zum Ort Otta 290 km von Oslo kommt man sehr gut voran, da es öfters Abschnitte gibt, auf denen man 90 km/h fahren darf. Ansonsten ist "nur" 80 km/h auf der E6 außerhalb von Ortschaften erlaubt.
Ich bin etwas überrascht, dass nur sehr wenig Schnee in dieser Region Mitte März liegt. Ich wollte doch Wintercamping machen und da gehört doch auch Schnee und nicht nur Kälte dazu! Die Temperaturen lagen bei etwas unter dem Gefrierpunkt, aber in der Sonne kam es mir natürlich deutlich wärmer vor.
Hinter Otta steigt die E6 mehr und mehr an, geht es doch hoch auf das Dovrefjell. In Dambås sollte man einen Tankstopp einlegen, da der Kraftstoff hier immer recht günstig ist. Tobt hier im Sommer der Touristenbär, ist es jetzt im Winter doch recht beschaulich.
Und auf dem Dovrefjell liegt dann auch endlich Schnee. Zusammen mit dem blauen Himmel ein wunderschönes Farbenspiel. Und das ist das wunderbare auf Reisen mit einem Wohnmobil: ich habe mir hier einen sehr schönen Rastplatz gesucht, mir einen Kaffee gekocht und hier oben die Ruhe und die wundervolle Aussicht genossen. Auf dem Dovrefjell passiert man auch die höchste Stelle entlang der E6 auf dem Weg zum Nordkap. Sie hat immerhin eine Höhe von 1.026 m über Meeresniveau.

Aber ich wollte ja das Polarlicht sehen, also weiter gehts auf der E6 gen Norden. Hinter dem höchsten Punkt bei Hjerkinn geht es durch ein enges Tal wieder bergab. Spektakulär sind die vielen eingefrorenen Wasserfälle an den Felswänden. Der Winter hat das Land Mitte März immer noch voll im Griff.
Trondheim lasse ich auch links liegen und fahre weiter gen Norden. Die Stadt lohnt natürlich einen Abstecher, aber da ich dort schon öfters war und doch endlich zum Polarkreis möchte, verkneife ich mir hier einen Stop.
Weiter über Steinkjer und am See Snåsavatnet vorbei geht es ins Namsdal. Hier stelle ich den Hymer für die Nacht ab. Es ist 22 Uhr und auch schon seit einiger Zeit dunkel. Ich fahre eigentlich nie im dunkeln, da ich ja etwas von der Landschaft sehen möchte, aber das Polarlicht treibt mich zügig gen Norden und die Wettervorhersage verspricht halt für die nächsten Tage in Bodø und auf den Lofoten gutes Wetter.
Die Tage sind hier oben im Norden Mitte März so lang wie bei uns, nur ist die Dämmerungsphase angenehmerweise länger.
Die weitere Fahrt am nächsten Morgen durch das Namsdal bei Sonnenschein ist einfach nur schön: die Berge ringsherum sind verschneit, die Seen sind zugefroren und an den Ufern der Flüsse stapeln sich dicke Eisschollen. Aber auch die Straße ist vereist, da morgens um 8 Uhr noch kein Streudienst unterwegs ist. Zu dieser Jahreszeit ist angenehm wenig Verkehr auf der Straße. So kann ich ab und an direkt auf der Straße mal anhalten, um zu fotografieren. Denn die meisten Rastplätze entlang der E6 sind nicht vom Schnee befreit.
Und dann kommt die Grenze zur Provinz Nordland. Hier überspannt an einem Parkplatz und einer Touristeninfos ein hölzernes Polarlicht die Straße (km 839).
In Mo i Rana erreicht die E6 den Atlantik. Von der Stadt sind es nur noch 80 km bis zum Polarkreis. Bis dorthin geht es auf knapp 700 m hoch. Und in dieser Ecke liegt wieder richtig viel Schnee, verläuft die Straße auch oberhalb der Baumgrenze. Es wurden Schneeketten-Anlegeplätze für Lkw's eingerichtet. Da in den letzten Tagen kein neuer Schnee gefallen ist, war die Straße recht gut geräumt. Da das Polarkreiszentrum erst am 1. Mai öffnet, ist der große Parkplatz auch noch nicht geräumt. Ich mache mir den Spaß und stapfe durch den meterhohen Schnee bis zum Polarkreis-Globus, um ein paar Fotos zu schiessen.
Es ist 14 Uhr und ich mache mich weiter auf den Weg Richtung Bodø (noch 160 km), wo ich mir an der Küste einen Platz zur Beobachtung des Nordlichtes suchen will.



Dovrefjell

Keine Bildinformationen verfügbar

Teilen auf

Mein Interessenprofil

Bitte melden Sie sich an, um Reiseziele zu Ihrem Interessenprofil hinzuzufügen.

Kommentare

  • Gerd-Krauskopf (RP)

    Wow, eine wunderbare Reise, die Du da mit dem Wohnmobil gemacht hast.
    Mit dem Nordlicht hast Du ja sagenhaftes Glück gehabt.
    Wenn man wie Du mit dem Wohnmobil unterwegs ist, hat man ja viel mehr Möglichkeiten und sieht schneller das aufkommende Nordlicht, als wenn man in einem Hotel - wie ich es immer mache - unterwegs ist.
    Beneidenswert Deine Tour.
    Best Grüße
    Gerd

  • Reah

    Ein wunderschönes Naturschauspiel hast du erlebt und unglaubliche Bilder mitgebracht. Manchmal spürt man sogar beim Lesen, wie kalt es war :-)
    Camping mit dem Wohnmobil – seit vielen Jahren auch unser Traum, den wir leben.
    LG Andrea

  • brandriba

    Eine ganz besondere Reise mit tollen Bildern, der Reisebericht zu Recht in der "Promi-Leiste". Als bekennender Aurora-Junkie ein grosses Merci dafür. Ein paar technische Angaben zu ISO, Time, Blende usw. bei den Bildern fände ich eine gute Ergänzung.
    Mein Tipp: http://www.geo.de/reisen/community/tipp/613138/Nordlichtfotografie
    LG DAni

  • Ginkgo

    Diese Reise muss doch alle Erwartungen erfüllt, wenn nicht übertroffen haben. Traumhaft d.h. ein Traum für mich, eine Reiseziel für die Zukunft.
    LG Ginkgo

Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar abzugeben. Wintercamping überm Polarkreis 5.00 14

Beliebte Community-Inhalte: AustralienNorwegenThailandVietnamItalienBarcelonaIndien ReiseführerIndien Tipps