Hurrican

Reisebericht

Hurrican

Reisebericht: Hurrican

Auch das ist Karibik

Schon bei der Abreise von daheim hatten wir Hinweise auf einen entstehenden Tropensturm vor der afrikanischen Westküste
Es war ein ruhiger Flug via Paris nach St Martin und weiter mit einem kleinen Flugzeug nach Tortola BVI. An der Charter Basis übernahmen wir unser bestelltes Boot und nützten die Zeitverschiebung um Gepäck und Proviant zu verstauen. Auf einer Anschlagtafel beobachteten wir argwöhnisch die Zugbahn eines herannahenden Sturmes, der sich in enormer Schnelligkeit zum Hurrican entwickelt hatte. Innerhalb weniger Stunden hat „Berta“ den Atlantik überquert und raste auf die kleinen Antillen zu.
Da sollte man nicht länger warten. Wir bestellten in einem nahen Hotel ein Zimmer und räumten so schnell wie möglich das Schiff. Die Angestellten der Charterfirma brachten inzwischen alle basiseigenen Boote in eine nahe , sichere Bucht. Auch unsere „GO MYLORD“ wurde weggebracht. Wir nahmen ein Taxi und waren vorerst mal froh, für das Boot keine Verantwortung übernehmen zu müssen.
Das Hotel war voll belegt: Viele, meist Amerikaner, hatten, so wie wir, ein sicheres Zimmer für die kommenden Stunden gewählt . Nun begann das große Warten. Das Fernsehprogramm war längst eingestellt. Nur Informationen über die Zugbahn und die stetig zunehmende Geschwindigkeit des Wirbelsturms wurden gesendet. Im Speisesaal des Hotels hatte man sämtliche Glasscheiben mit einem Netz aus Klebebändern verstärkt.



Vorsorge



Es herrschte allgemein eine sehr angespannte Stimmung. Für den Vormittag des nächsten Tages sollte der Sturm mit seinem Kern genau über Tortola ziehen.
Irgend wann schliefen wir ein. Am nächsten Morgen war im Hotel bereits Frühstück Wasserflaschen und sogar Kaffee vergriffen. Viele hatten sich schon am Vortag mit allem was zu haben war eingedeckt. Strom und Wasser war vorsorglich in der ganzen Stadt abgedreht.
Erst war es kaum zu bemerken, aber dann nahm der Sturm rasant an Heftigkeit zu. Die Böen drückten ans Fenster. Es herrschte Höllenlärm und ungeheure Wassermassen stürzen vom Himmel. Über vier Stunden nahm das Heulen des Windes, das Knacken von gebrochenen Bäumen und andere, unerklärliche Geräusche zu. Gespräche waren nicht mehr möglich, nur mehr Staunen was der Sturm in einer friedlichen Bucht anzurichten vermag. Gegenstände, vermischt mit Blättern und abgerissenen Kronen von Palmen wirbelten am Fenster vorbei.
Und dann plötzlich diese unvergleichliche Stille. Wir waren in das Auge das Hurricanes geraten. Blauer Himmel, kleine weiße Wolken......
Die Anker zweier kleiner Segelyachten in der nahen Bucht hatten gehalte! Die Schifflein schaukelten friedlich im kaum bewegten Meer.
Doch es konnte keine Entspannung geben . man wusste, wir sind erst bei Halbzeit angekommen.



Sturm,



Nach 11/2 Stunden der scheinbaren Ruhe ging es schlagartig , diesmal aus der entgegen gesetzten Richtung, wieder los. Der Sturm setzte mit einer Heftigkeit ein, die alles vorherige übertraf. Ein Dach, gedeckt mit Blechplatten löste sich auf, die Teile zischten wie riesige Messer die Straße entlang, Strommasten knickten , enorme Regenmengen verwandelten die Straßen in reißende Flüsse. Ein ohrenbetäubender Lärm lag über allem. Nur die amerikanischen Hotelgäste reagierten erstaunlich. Jeder Schaden an Dächern, jeder erschreckende Knall wurde mit Gejohle und Applaus kommentiert....
Manchmal öffnete sich der Vorhang der immensen Wassermassen und gaben den Blick auf die Bucht frei. Beide Yachten waren verschwunden, losgerissen von der Gewalt des Sturmes!
Erst nach weiteren vier Stunden zog Hurricane „Berta“ab. Im Kofferradio hörten wir von riesigen Schäden die er auf seiner Zugbahn angerichtet hat.
Inwischen war es wieder Nacht geworden. Ohne Wasser, Toilettenspülung und Strom blieb nur „Decke über den Kopf ziehen“ und hoffen, dass am nächsten Tag der Spuk vorbei ist. Am nächsten Morgen war es angenehm ruhig So machten wir einen kleinen Rundgang zum Hafen. Die Straßen waren übersät mit Laub und Müll. Die Stämme der kronenlosen Palmen ragten traurig in den Himmel. Viele kleine Boote, aber auch ein Küstentransportschiff, beladen mit Autos waren im Sturm gestrandet. Ein zerstörtes Schlauchboot lag mitten auf der Uferpromenade
Eine der beiden kleinen Yachten lag zerbrochen am Grund vor der Hafenmauer. Nur der Mast und Teile der Reling ragten aus dem Wasser, das zweite hatte der Sturm weit abgetrieben und auch zerbrochen. Die beiden hatten keine Chance.
Unser Schiff hatte den Sturm an sicherem Ort gut überstanden und der weitere Verlauf unseres Törns war ungestört.

Ich entschuldige mich für die schlechte Qualität der Bilder, Die Voraussetzungen waren denkbar schlecht!




Gestrandet


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Kommentare

  • Blula

    Liebe Christina, nun habe ich fast die ganze Zeit die Luft angehalten beim Lesen und Betrachten der Bilder. Das ist ja im wahrsten Sinne des Wortes ein atemberaubender Bericht. Du wirst die „Berta“ und alles was sie angerichtet hat sicher Dein Lebtag nicht mehr vergessen, nicht wahr? Und über die coolen Amerikaner kann man sich nur wundern, wie sie im Hotel jeden Schaden an Dächern und jeden Knall mit Gejohle und Applaus kommentieren konnten. Nun sicher, sie kennen sich mit Hurricans etwas besser aus als unsereins.
    Toller Bericht von Dir !!!
    LG Ursula

  • Pinky3

    Was für ein Erlebnis Christina, ich kann mir vorstellen wie schlimm es gewesen ist, wir haben vor vielen Jahren die "restlichen Ausläufer" eines Hurricans bei unserer Anreise in Miami erlebt und das war schon heftig aber kein Vergleich mit eurem Erlebnis so "mittendrin"..........
    Vielen Dank für diesen etwas anderen aber sehr spannenden Reisebericht.
    LG Gaby

  • weltreisen

    Christina, auf dieses erlebnis, was du uns eindrücklich geschildert hast, hättest du sicherlich gerne verzichtet. und du warst sogar noch mutig genug, bilder zu machen.
    inge

  • shootingstar

    Abenteuerlich dein Bericht! Wie unnatürlich das Verhalten einiger Leute, das alles noch zu bejubelten während andere demütig warten, dass alles halbwegs glimpflich verläuft.
    LG Claudia

  • ursuvo

    ein richtiger Gänsehautbericht! Du hast die Lage während des Sturms so anschaulich geschildert, dass ich fast den Eindruck hatte, dabei gewesen zu sein!
    LG Ursula

  • therese

    Liebe Christina, Deinen Hurrikan-Bericht habe ich mit großem Interesse gelesen. Uns traf ein Hurrikan bei einer Camping-Reise auf der Baja California. Auch wir suchten uns ein Hotel und erlebten dort eine Nacht mit unglaublichen Wassermassen und ohne Schlaf. Aber nach dem Unwetter erblühte die Wüste und wir wurden von der Natur für die Schrecken entschädigt. Es war eine unglaubliche Pracht. Unser Hurrikan hieß "Nora" und als wir wieder zuhause waren, zeigte das deutsche Fernsehen eine Dokumentation über den Weg und die Schäden dieses Hurrikan.
    Frohe Ostern wünscht Therese

  • reisefreudig

    Da hast Du ja mal ein richtiges Abenteuer auf Deinen/Euren Resien erlebt. Aber ich verstehe dich gut. Wir mussten 2001 von Da nang nach Huè flüchten (ein "Riesending" traf dort die Küste ) und in einem fest gemauerten Hotel unsere Zuflucht nehmen. Der Regen, welcher infolge auf Hue traf dauerte 3 Tage lang. Das Wasser lief dann dort als "Bäche" die Stufen der Kaisergräber runter. An Besichtigungen war da einfach nicht mehr zu denken. Wie man wieder sieht, alles gut überstanden. Wie sonst könnten wir uns immer was erzählen.
    lg Harald

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  • agezur

    Ich danke allen, die mit mir dieses Unwetter ausgestanden haben :-)))
    LG Christina

  • Chrissi

    Das hätte ich nicht erleben wollen !! Die Geschehnisse hast Du in diesem Bericht wirklich hautnah geschildert.
    LG Christel

  • bezi

    Puh, ich bin ebenfalls ganz ergriffen von diesem schauerlichen Bericht.
    LG Claudia

  • mychaosland

    Spannendet Bericht. Man muss sich das aber mal klarmachen was es für die Leute bedeutet, die ihr Boot oder ihr Haus verlieren und für tausende Tiere, die nicht in ein gemauertes Hotel flüchten können. Ist schlimm. Umso mehr wunderts mich wenn manche dazu joolen . Lg Alex

  • ramirez

    spannender bericht.in europa jammer wir auf hohem niveau dabei sind wir solche klimatische angriffe kaum ausgesetzt.ausser damals die ueberschwemmungen an der elbe und die hat uns gleich die versprochene steuerentlastung gekostet.ramirez

  • Alfredo

    Hallo agezur, ein sehr "nachfühlbarer" Bericht. Da läuft es einem schon beim Lesen eiskalt den Rücken hinunter. Wenn ich Bilder im Fernsehen sehe, was da vor Ort abläuft, denke ich mir immer, Gott sei Dank bist du nicht unmittelbar dabei - und bedauere natürlich die, die das miterleben müssen. Und meistens nicht in sicheren Gebäuden!. LG Alfredo

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  • yunnanfoto

    Ein Erlebnis das man so nicht unbedingt im Urlaub braucht. Davon in der Zeitung zu lesen im viele Flugstunden entfernten Europa ist doch etwas anders als mittendrin zu stecken und hautnah zu erleben.
    Der Bericht ist packend und toll geschrieben, man fühlt mit Dir/Euch. Du hast einen sehr guten Schreibstil (Neid :-)).
    LG, Herbert

  • mamaildi

    Solche Naturereignisse machen demütig...

    Sehr gut beschrieben - und ausnahmsweise bin ich mal froh, nicht live dabei zu sein. Sonst packt mich ja gerne das Fernweh beim Lesen von Reiseberichten ;-))

    LG Ildiko

  • INTERTOURIST

    Die Bilde sind doch egal.
    Das unvergessliche und besondere Erlebnis ist das was bleibt.

    VG Jörg

  • Hage

    Das ist sicher eine Erfahrung, die man nie mehr vergißt! Das war wirklich ein spannender Bericht!
    LG Hans-Georg

  • agezur

    Nochmals ein herzliches "Danke" an alle!
    LG Christina

  • rosibieg

    Liebe Christina,
    um dieses Erlebnis beneide ich Dich wirklich nicht. Das vergisst Du bestimmt nie. So mittendrin...
    Zum Glück ist Euch nichts passiert.
    LG Rosita

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  • shootingstar

    Dein Tatsachenbericht ist nochmal richtig gruselig und kommt dem sicher nahe, was bei "Irma" gerade auch passiert.
    LG Claudia

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