Bericht/Essay/ Anyaway Thailand 4.0

Reisebericht

Bericht/Essay/ Anyaway Thailand 4.0

Reisebericht: Bericht/Essay/ Anyaway Thailand 4.0

Heutiges Thema: Das Fuatgehn auf bayerisch, bzw. einen Draufmachen auf Deutsch ;-)

Huay Plakang Lahu

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Wer glaubt während seiner Reise auf Partyentzug gehen zu müssen irrt sich gewaltig. Von touristischen Zentren wie Ayutthaya und Metropolen wie Bangkok einmal abgesehen bieten auch viele Provinznester Gelegenheiten zum Trinken und Spaßhaben. Diskotheken wie die Facebar in Chiang Rai können mitunter sehr unterhaltsame Erfahrungen parat halten, wenn es ums Feiern mit Einheimischen geht. Hier also ein Auszug aus Wenn es uns abends zu langweilig war:

Es ist Freitag Abend und die ganze WG macht sich bereit zum Abmarsch. In zwei Gruppen (bei mehr als sechs Personen halten die Pick Ups kaum an) trampen wir gegen sieben Uhr abends los und machen mit den anderen die Zoft Drink Bar als Treffpunkt aus. Wir sind noch Neulinge in der Partymeile von Chiang Rai und eben so interessiert wie wir die Clubs und Bars betrachten schaut man von Gegenüber zu uns zurück. Im Zoft Drink werden etwas niedrige Tische zusammen geschoben und wir machen es uns auf den Hockern bequem. Drei Bedienungen haben es sich wohl zur Aufgabe gemacht uns unser letztes Geld aus den Taschen zu ziehen und wir dürfen einem ausschweifenden Vortrag über die Sushivariationen und Biersorten beiwohnen.

Von der zweiten Gruppe ist die kommenden Stunden weder etwas zu sehen noch zu hören und so bestellen wir für jeden ein Chang Bier – das meiner Meinung nach genießbarste von allen – und drei große Sushiteller. Von der sehr knappen SMS, Gruppe 2 habe sich kurzfristig für eine Cocktailbar entschieden, lässt sich keiner den Abend verderben. Eine thailändische Band spielt auf einer kleinen Bühne am anderen Ende. Die Bedienungen kommen immer wieder vorbei um entweder nachzuschenken oder Eiswürfel hinzuzugeben. Gegen zehn Uhr ist der Laden voll und die ersten Gäste machen sich bereits auf den Weg zum Club Facebar nebenan. Zwei große Fernseher ziehen immer wieder das gebannte Interesse der Thais auf sich. Ein Blick verrät, dass es sich beim Programm um non-stop Werbung handelt. Nach meinem zweiten Bier, ich sollte anmerken Alkohol bekommt mir nicht, wird die Stimmung immer ausgelassener und die Handaugenkoordination weist bereits erste Abweichungen auf. Hochpolitische Diskussionen und tiefgründige, weltbewegende Themen bestimmen das Gesprächsbild. Wer kennt das nicht? Gegen elf Uhr kennen wir unsere ebenfalls angetrunkenen thailändischen Nachbarn am anderen Tisch alle beim Namen und es gesellt sich ein pummeliger Mann in Jeans, Shirt, Cap und Bling Bling zu uns. Er sei der DJ der Facebar und wir seien herzlich eingeladen mit ihm heute zu feiern. Als Prämie wird uns eine Flasche Whiskey in Aussicht gestellt. Der billige.

Die Stimmung boomt. Gegen zwölf Uhr rückt Gruppe 2 stocknüchtern an und amüsiert sich wohl sehr über unseren Anblick. Das allerdings wird in der Feierlaune ignoriert bzw. gar nicht realisiert und nach dem Bezahlen geht es in den Club. Drei Türsteher mustern uns mit ausdruckslosen Gesichtern. Keiner verlangt nach unseren Ausweisen, wir torkeln also ein. Beim Vorbeigehen meine ich einen sein Grinsen verkneifen zu sehen. Der Club ist voll. Die gesamte Fläche wird von Stehtischen besetzt an denen Thais in Gruppen trinken oder tanzen. Einen Dancefloor gibt es nicht, auf der Bühne spielt gerade eine Band. Wir nehmen die einzige freie Ecke in Beschlag und räumen erst einmal, unter den erstaunten Blicken der Thais, die Tische beiseite. Nach einer Weile übertönt ein erfreutes Kreischen die Musik und unser DJ kommt doch tatsächlich mit einer Whiskeyflasche unter dem Arm und mehreren Gläsern in der Hand auf uns zu. Ein Angestellter, bewaffnet mit einem Eiskübel, bildet die Nachhut. Auf diese seltsame Begegnung wird erst einmal angestoßen und während wir uns zu Anfang dem Tanzstil der Thais – sparsame Bewegungen und gerade Haltung – angeschlossen haben, lassen wir uns nun langsam gehen.

Stepdance und Freestyle stecken nach einer Weile sogar die umliegenden Tische an, sodass bald jeder dem anderen auf die Füße zu steigen droht. Die Band verlässt die Bühne und der DJ – der plötzlich verschwunden war - lässt mit Dubstep und House grüßen. Bis um ein Uhr tanzt bereits jeder mit irgendjemandem; mit einer jungen thailändischen Frau, mit der ich mich an diesem Abend aufgrund der Lautstärke nur mit Textnachrichten verständigen kann, habe ich bis heute Kontakt - Facebook sei Dank.

Was diverse Klischees von Ladyboys oder Zwangsheiraten via One Night Stands betrifft kann ich die meisten beruhigen. Ersteres ist eher stereotypisch (und ziemlich wahr) für Bangkok, zweiteres nicht mehr Gang und Gebe, jedenfalls nicht im städtischen Bereich. Der DJ hat seinen Pult wohl auf Dauerfeuer gestellt, denn es reiht sich nun ein Lied ans nächste während er, so plötzlich wie er verschwunden war, wieder mitten in der Gruppe auftaucht. Es ist nun kurz nach zwei und der Alkoholpegel erreicht seinen Höhepunkt. Von der Stimmung euphorisiert und vom Whiskey verblödet stürmen wir samt DJ die Bühne und schaffen es immerhin ganze fünf Minuten darauf zu tanzen, bevor die Angestellten verzweifelt versuchen uns von dort wieder herunter zu bekommen. Halb drei machen die ersten schlapp; ich muss zugeben, dass mir erst langsam bewusst wird, wie lange wir schon auf den Beinen sind. Kurz vor drei verlassen wir dann, zum großen Bedauern des DJs, die Facebar. Die halbe Strecke müssen wir zurück laufen, ehe sich erst ein Polizeibeamter im Pick Up, dann ein Fleischlieferant unserer erbarmen und bis nach Hause fahren.

Neben den Nachtclubs genießen auch Karaokebars in ganz Asien Kultstatus. Mit denen verhält es sich problematischerweise gerne so wie mit Wahlprogrammen; wo Karaokebar drauf steht muss nicht zwangsläufig eine drinnen sein. In Chiang Rai kommen wir einmal auf die Idee unsere Stimmbänder gegeneinander antreten zu lassen und landen promt in einer "Karaokebar" aka Striptclub mit Bordell im Anschluss. Eine Treppe führt in das Untergeschoss eines Wohnkomplexes. Unten angelangt erwartet uns ein klimatisierter Raum in gedämpften Licht. Der Kundenkreis beschränkt sich überraschenderweise nicht auf ältere europäische Männer; junge Thais, offenkundig von der reichen Schicht, scheinen dort so etwas wie eine Membercard zu besitzen. Diesen Schluss könnte man zumindest ziehen, wenn man sie mit großen Vodkaflaschen an den runden Tischen sitzend und umgeben von leicht bekleideten jungen Frauen sieht. Spontan kommt mir die Melodie von "I need a Dollar" in den Sinn. Wir essen etwas – lustig, dass es auch noch ein Restaurant in diesem Keller gibt – schauen den Poletänzerinnen zu und beschließen letztendlich doch lieber in die Facebar zu gehen. Es waren schließlich auch Damen in unserer Gruppe dabei.


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Kommentare

  • Blula

    Hallo Nicolás !
    Ein Buch bzw. Reiseprospekt über Thailand wäre natürlich unvollkommen, wenn Du das obige Kapitel auslassen würdest. Ich sehe, Du kennst Dich auch in dieser "Sparte" (...:-)) zumindest so weit aus, dass Du darüber ebenfalls sachkundig berichten kannst. Somit ist auch diese Seite wieder lesenswert und ich bin schon gespannt, mit welchem Thema Du weitermachst.
    LG Ursula

  • mychaosland

    Scheint ein netter Abend gewesen zu sein ...

  • ursuvo

    ja - dieser Bericht gehört einfach dazu!! Bin auch gespannt, was Du uns demnächst zu lesen gibst!!
    LG Ursula

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