Helen ,Widergeburt einer amerikanischen Kleinstadt

Reisebericht

Helen ,Widergeburt einer amerikanischen Kleinstadt

Reisebericht: Helen ,Widergeburt einer amerikanischen Kleinstadt

Als der amerikanische GI John Kollok seine Militärzeit im Bayrischen Wald verbrachte, dachte er noch nicht daran, das seine Ideen, die er aus Bayern in die USA importierte eine totgesagte Kleinstadt wieder zum Leben erwecken würden.

Bis 1969 war Helen ein unbedeutendes Provinznest in den Appalachen im amerikanischen Bundesstaat Georgia. Die Gemeinde stand zu diesem Zeitpunkt vor dem wirtschaftlichen Ruin. Die Stadtväter hatten für alle Ideen ein offenes Ohr und freundeten sich mit der Idee von John Kollok an, aus Helen ein deutsches, besser gesagt ein bayrisches Dorf zu machen.
Wir haben davon gehört, das in Helen in jedem Herbst ein richtiges Oktoberfest organisiert wird, von dem die Einheimischen sagen es ist der Welt längstes Oktoberfest. Das Fest findet jährlich in der „ Helen Festhalle „ statt , beginnt in diesem Jahr am 12.September und endet am 02.November
Wir haben uns vorgenommen einmal mit dabei zu sein und reservieren uns vorsorglich im Hotel Edelweiß ein Zimmer für ein langes Wochenende.
Durch die Appalachen, einem stark bewaldeten Gebirgszug, der dem bayrischen Wald ähnelt fahren wir über teils unbefestigte Straßen in Richtung Georgia. Dieses Gebiet ist ein ausge -dehntes Naturschutzgebiet in dem strenge und von der all gewärtigen Parkpolizei kontrollierte Verkehrsregeln herrschen. So ist die Geschwindig- keit auf maximal 46 km beschränkt und das Überholen ist gänzlich verboten. Man hat aber so Muße und kann sich beim Fahren ohne Gefahr die grandiose Landschaft ansehen. Vorbei geht es an reißenden Gebirgsbächen, tiefblauen Seen und interessanten Felsformationen. An den Straßen -rändern wachsen wilde Rhododendron, Tannen wechseln sich mit dichtem Laubbaumbewuchs ab. In den höheren Lagen färbt sich das Laub bereits bunt und weist so auf den kommenden Indianersommer hin.
Nach vier Stunden Fahrt sehen wir das erste Hinweisschild nach Helen, wir folgen einem kleinen Bachlauf und erreichen bald den Ort. Auf einem großen Schild werden alle Besucher willkommen geheißen, es gibt einen großen Parkplatz mit Informationstafeln. Wir können uns orientieren und finden so schnell unser Hotel.
Ein wenig frisch machen und schon stürzen wir uns in die Menschenmenge. Mit Pferdekutschen kann man sich durch den bayrischen Kern der Stadt fahren lassen und viele der heute hier anwesenden Touristen machen auch Gebrauch davon. Wir haben zunächst Hunger und finden im „Old Bavaria Inn „ eine Platz. Auf der Speisekarte wird Weißwurst, Haxen, Schweinsbraten und vieles mehr angeboten, zum trinken gibt Weißbier, Starkbier und anderen üblichen Sorten, die wir aus der Heimat kennen. Wir entscheiden uns für den Schweinebraten und ein kühles Weizen und sind vom Geschmack überrascht , ja es schmeckt beinahe so wie zu Hause. Nach dem Essen machen wir noch einen Spaziergang durch das Dorf. Die Bayrische Bäckerei hat Roggenbrot, Semmeln und Brezeln im Angebot, dazu gibt es noch jede Menge deutschen Kuchen und Gebäck. Die Metzgerei bietet Geräuchertes, Presssack und weitere bayrische Spezialitäten. In den vielen Andenken Geschäften werden Bierkrüge, Obstler,
Gemälde mit Bayrischen Motiven und Fahnen verkauft. In Schlange warten die Amerikaner geduldig , bis sie an der Reihe sind um all diese kleinen Köstlichkeiten als Bavaria Andenken mit nach Hause zu nehmen. Von einer Bank aus beobachten wir das bunte Treiben und können uns nicht erinnern jemals in Bayern eine solche Geschäftigkeit erlebt zu haben.
Die Helen Festhalle öffnet um sechs seine Tore um das Oktoberfest für den heutigen Tag zu eröffnen. Ein Strom von Menschen setzt sich mit diesem Ziel in Bewegung und kommt an der Eingangskasse zu stehen. Ja, es muss Eintritt bezahlt werden, neben der Eintrittskarte wird uns ein Souvernir Programm ausgehändigt, in dem der heutige Abend beschrieben wird. Auf der ersten Seite ist die junge Geschichte von Helen abgedruckt, dann kommen die einzelnen Programmpunkte und zum Schluss gibt es das „Helen Oktoberfest Songsheet“ , eine Liedertafel mit den Abdrucken deutscher Stimmungslieder. Wir finden unter anderem die Texte „In München steht ein Hofbräuhaus, Ein Prosit und Im Himmel gibt’s kein Bier“. und was wir anfangs nicht glauben wollen, die deutsche Band „Alpenmusikanten“ bringt im Laufe des Abends die Gesellschaft dazu diese Lieder mitzusingen und dabei zu schunkeln..
Es geht Lustig zu und mit jedem weiteren Glas Bier wird die Stimmung besser. Sein Bier muss der Zecher an der Biertheke holen, abgezapft wird es nicht in ein Glas, sondern in ein Pitcher mit zwei Litern Inhalt. Am Tisch wird dann in das zuvor erworbene Glas umgefüllt. Auf der Tanzfläche bewegt sich so einiges viele Amerikaner haben von ihrer letzten Deutschlandreise Lederhose und Dirndl mitgebracht und heute ist die beste Gelegenheit zum Vorführen. Alles ist noch bester Stimmung, doch pünktlich um zwölf werden die Rollladen herunter gelassen und das Oktoberfest für den heutigen Tag ist vorbei.



Die ersten Verfärbungen der Blätter zeigen den...

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Kommentare

  • shootingstar

    Eine echte Kuriosität, dieser Bayernkult, geht bis ins letzte Provinznest von Georgia und rettet dort sogar eine kleine Welt ; )) Schade nur, dass die Fotos so pixelig sind. Dafür gefällt mir eure Art der Berichterstattung sehr gut.
    LG Claudia

  • Blula

    Ja, da konntet Ihr Euch ja, auch wegen der Landschaft, beinahe wie zu Hause fühlen... Diesen Abstecher nach Helen habt Ihr sicher nicht bereut. Ich kann mir diese Oktoberfeststimmung, die Ihr hier bestens rübergebracht habt, sehr gut vorstellen.
    LG Ursula

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