Eine Anleitung zum Reisen - Entwurf

Reisebericht

Eine Anleitung zum Reisen - Entwurf

Reisebericht: Eine Anleitung zum Reisen - Entwurf

VORWORT: Ich würde gerne eine Art Reiseprospekt für meine ehemalige Schule kreieren, in das später noch meine persönlichen Erfahrungen aus Asien hinzugefügt werden. Mein Ziel ist es, mehr Jugendliche fürs Reisen zu begeistern. Beim jetzt Geschriebenen handelt es sich um die Einleitung und generelle Tipps zum Reisen. Ich würde sehr gerne eure Meinungen - reisetechnisch und sprachlich - dazu hören.

Sollte dies nicht den Regeln des Reiseberichtforums entsprechen lösche ich den Text wieder :-)

„Und was jetzt?“

Mit dieser einen Frage wird jeder Einzelne spätestens nach seinem Schulabschluss konfrontiert. Zehn oder zwölf Jahre eingezwängt zwischen Lehrbüchern und Klausuren und plötzlich ist man frei. Jedenfalls für eine kleine Weile. Ich behaupte, dass nur ein kleiner Teil der Schulabgänger schon tatsächlich weiß, was er mal bis zu seiner Rente arbeiten will. Die meisten lassen es mit vagem Ziel im Laufe eines Studiums auf sich zukommen oder versuchen mit einer Reihe von Ausbildungen darauf hinzuarbeiten. Die Hauptziele sind sehr unterschiedlich: Karriere, Anerkennung, Gehalt, Familienfreundlichkeit und Reisemöglichkeiten bilden da nur einen kleinen Teil. Keine Frage, diese Herangehensweise kann klappen. Ich habe allerdings auch schon Enttäuschungen miterlebt. Dass das Studium nicht so ist wie gedacht, dass man sich plötzlich nicht mehr dafür interessiert oder, dass das Geld nicht für die Gebühren reicht sind da nur einige Gründe. Und dann gibt es noch die kleine Gruppe von Schulabgängern, die sich sicherheitshalber Zeit zum Überlegen nimmt. Zeit, um andere Erfahrungen zu sammeln als schulisches Allgemeinwissen. Zeit zum Reisen.


Wieso sollte man verreisen?

Das Ausland ist sicher nicht jedermanns Sache. Die Menschen sind anders, das Essen schmeckt komisch und man kennt da ja keinen. Kurz, man müsste sich ja völlig alleine der Welt stellen. Eben. In welchem Fach lernen wir in einer fremden Umgebung zurecht zu kommen? Welche Schule bietet Kurse zum besseren Verständnis für fremde Kulturen an? Wer besucht aus eigenem Antrieb Sprachunterricht in Chinesisch, Burisch oder Russisch? Es gibt Leute die fragen „Wofür brauche ich das denn?“. Abgesehen davon, dass das Meistern solcher Herausforderungen den Einzelnen selbstständiger und selbstbewusster machen kann, sind Lebensläufe mit Auslandserfahrungen heute deutlich attraktiver. Das Wort Globalisierung lernt mittlerweile jeder in der Unterstufe. Es scheint aber nicht allen begreiflich zu sein, wofür sie steht. Dass gerade Deutschland seinen Reichtum dem Handel mit dem Ausland zu verdanken hat und viele deutsche Firmen und Regierungsorganisationen zwangsläufig Sitze auf allen Kontinenten haben. Dass diese Einrichtungen Personal brauchen, die sich mit den Handelspartnern, der Mentalität und der jeweiligen Kultur auskennen. Und dass solche Posten zu den bestbezahlten in der BRD gehören. Nicht zuletzt sollten auch gerade wir Deutsche anfangen zu lernen, dass da wo „die Immigranten herkommen“ nicht mehr Schmarotzer und Kriminelle leben als bei uns. Wer Yusuf nach seinem Gebet ins Teehaus begleitet, Vadim im Boxring gegenüber steht oder mit Sumalee abends zum Lichterfest Loi Kathrong ausgeht wird schnell feststellen, dass unsere größten Feinde nicht die Ausländer sondern Angst, Intoleranz und sogar ein wenig Arroganz vor dem Fremden sind.


Wohin sollte ich reisen?

Diese Frage kann sich jeder nur selber beantworten. Das Beste ist wohl, sich ein wenig mit den fünf Kontinenten auseinander zu setzen und sich die Länder herauszusuchen, die einen am Meisten faszinieren. Besonders hilfreich sind hierbei Reiseblogs wie 101places.de, die GEO Reisecommunity und intertourist.de, nach denen man seine Route anhand der Erfahrungen anderer Reisender planen kann. Das spielt vor allem eine Rolle in Sachen lokale Fortbewegungsmittel, Übernachtungen, Arbeitsmöglichkeiten und Geheimtipps abseits der touristischen Pfade.

Für mich war beispielsweise Asien schon immer mit diesem Mythos behaftet: Kirschbäume in voller Blüte, Klosterfestungen in schneeverhangenen Bergen, aus dem Dschungel ragende Tempelruinen, Sushi und Frühlingsrolle jeden Tag, moderne Metropolen wie Shanghai und Tokyo und natürlich diverse Strände wie die Halong Bay und Kosamui. Bereits bei diesen Stereotypen merkt man, dass der Kontinent sehr vielfältig ist und man vermutlich mehr als ein Menschenleben bräuchte, um jede einzelne Facette wirklich kennen zu lernen. Asien war für mich zu diesem Zeitpunkt nicht unbedingt etwas Neues. Mehrere Urlaube in Thailand und Burma sowie ein Praktikum in Kambodscha haben mir bereits gewisse Einblicke ermöglicht. Ziel war es nun Thailand, Kambodscha, China und Japan näher kennen zu lernen. Besonders wichtig war mir, von den Einheimischen dort nicht mehr als Fremder oder Tourist gesehen zu werden. Die Menschen die vom Tourismus leben wissen sehr genau, dass manche ihrer Eigenheiten oder Traditionen vom Westler als anstößig und falsch empfunden werden und verstecken diese hinter der Maske professioneller Freundlichkeit. Das gibt uns Touristen wiederum ein sehr romantisiertes, manchmal sogar enttäuschendes Bild von Fernost. Ich wollte aber das ungeschminkte Asien kennen lernen und sehen, ob ich mich darin zurechtfinden würde. Wichtig hierfür waren mir zwei Dinge:

1.) Länger als nur ein paar Wochen bleiben. Viele Reisende behaupten, dass man eigentlich erst nach zwei Monaten wirklich ankommt und sie haben Recht! Wenn Du beim Gehen nicht mehr auf Unebenheiten vor Dir achten musst, die Menschen Dich freundlich mit Namen grüßen und sich nicht scheuen Dich auf schlechte Eigenheiten hinzuweisen, dann weißt Du, dass Du wirklich in dieser Welt angekommen bist. So etwas brauch Zeit.

2.) Eine Arbeit suchen. Es gibt leider auch unter den länger Reisenden solche, die sich in einer kleinen Häuserinsel abschotten, anstatt sich auf die Umwelt einzulassen. Suche Dir eine Arbeit, in der Du zwangsläufig mit den Menschen des Landes in Kontakt kommst. Freiwilligendienste bieten sich da gut an, aber auch (je nach Arbeitsgesetz des Landes) Barbesitzer, Farmer und andere Arbeitgeber suchen immer wieder nach enthusiastischen Helfern.


Was ist die ideale Reisedauer?

Auch das ist sehr individuell. Gefühlsmäßig würde ich sagen zwischen zwei Monaten und einem Jahr. Bevor man sich aber auf eine Dauer festlegt sollte man sich eines vergegenwärtigen: So viel Zeit wie unmittelbar nach dem Schulabschluss haben die allermeisten erst wieder nach ihrer Rente. Ich möchte jeden ausdrücklich davor warnen aus Bequemlichkeit oder Angst nirgendwo mehr genommen zu werden, bereits im Abschlussjahr eine Ausbildung, Arbeit oder ein Studium anzutreten. Dass Unis und Arbeitgeber der neuesten Generation den Vorzug gewähren ist eher ein Mythos. Von nicht wenigen Arbeitgebern hört man, dass es eine Zumutung sei wie unerfahren viele Neueinsteiger sind. Klingt gemein. Ist aber nicht unwahr. Auch sollte man bedenken, dass man mit 18 oder 19 Jahren noch viel risikobereiter, offener und spontaner ist. Eigenschaften, die einem beim Bereisen der Welt sehr nützlich sein können, die man aber mit zunehmenden Alter an Sicherheitsbedürfnis, Sesshaftigkeit und Familienwunsch verliert.

Zu den zwei Monaten Einlebezeit habe ich mich bereits geäußert, ab einem gewissen Punkt kann eine Reise aber auch sehr ermüdend werden, gerade wenn man viel erlebt und von einer Attraktion zur nächsten springt; spätestens wenn man sich auf nichts Neues mehr einlassen mag, sollte man sich Gedanken um einen Flug nach Hause machen. Mein Ziel war es, solange in jeweils einem Land zu bleiben, wie ich brauchen würde um ein stabiles soziales Umfeld zu schaffen. Mangels Erfahrung habe ich die Dauer Pi mal Daumen auf sechs Monate geschätzt. Sechs Monate a Land, das macht zwei Jahre für meine gesamte Reise. Ganz schön lang, fanden meine Eltern, Großeltern, Freunde, Bekannte und Lehrer. Aber wie gesagt: Die ideale Reisedauer ist individuell. Und ich wollte nicht nur reisen. Ich wollte in den Ländern leben.


Welche Möglichkeiten habe ich?

Es gibt unzählige Angebote vom FSJ, über den flexiblen Freiwilligendienst bis hin zum Wwoofing. Manche ziehen auch einfach als Backpacker los und versuchen vor Ort kleine Jobs zu ergattern. Wo sind also die Unterschiede:

1.) Das FSJ, die Kurzform für Freiwilliges Soziales Jahr, bietet die Möglichkeit mit 16 – 27 Jahren für ein Jahr in einem Land Entwicklungshilfe zu leisten. Die Kosten werden dabei zum Großteil vom Staat getragen.

2.) Der Flexible Freiwilligendienst ist die tatsächlich flexiblere aber auch teurere Variante vom FSJ. Man kann sich über Organisationen wie Welt Sicht für eine beliebig lange Zeit bei einer NGO im Ausland bewerben, trägt allerdings sämtliche Kosten selber – plus Bearbeitungsgebühren für das Vermitteln. Meine Empfehlungen hierfür sind Welt Sicht und die Hope for Life Foundation.

3.) Wwoof ist eine weltweit umspannende Organisation, welche Freiwillige an ökologisch landwirtschaftliche Einrichtungen vermittelt. Die Arbeit kann vor Ort allerdings stark vom Feldbau über Babysitting bis hin zum Assistent für alles variieren. Im Grunde handelt es sich dabei um die günstigste flexible Variante, denn bis auf den Jahresbeitrag von 50 Euro zahlt man nur den Hin- und Rückflug. Kost und Logis erhält man für die verrichtete Arbeit.

4.) Backpacking meint, der Name legt es nahe, mit seinem Rucksack in die große weite Welt zu ziehen. Man ist zwar frei dorthin zu gehen wo es einem passt, allerdings hat diese Gruppe es generell auch am schwersten in den bereisten Ländern auf eigene Faust eine Arbeit zu finden.

5.) Work and Travel meint die Mischung aus Backpacking und Wwoofing. Man reist von Job zu Job und arbeitet in der Regel für Kost und Logis. Zumeist ist man aber auch hier auf die Zusammenarbeit mit einer Organisation angewiesen.


Gibt es spezielle Dinge, die ich mitnehmen sollte?

Sehr oft bekommt man von Organisationen und Arbeitgebern eine Packliste zugesendet, die je nach Land und Wohnumgebung angepasst wurde. Für Südostasien und Fernost kann ich explizit Folgendes nennen:

1.) Seife aus der Tube: Wäschereien sind generell nicht teuer, aber nach einem Jahr geht sogar das ins Geld, welches man alternativ für mehr Essen, Ausflüge oder Geschenke an Familie und Freunde ausgeben könnte. Am einfachsten ist es, die Wäsche mit einer entsprechenden Creme in einem Bottich zu sammeln, diesen mit Wasser zu füllen und das Ganze über Nacht stehen zu lassen. Am folgenden Morgen die Kleidung unter einem Wasserhahn auswaschen, die Trockenzeit beträgt im Sommer gerade einmal zwei Stunden in der Sonne. Vorsicht gilt, wenn ihr vor Ort gekaufte Kleidung mit euren Sachen aus Deutschland wascht – die asiatischen Produkte färben oft ab! Besser ihr packt eure Kleidungsstücke in zwei Bottiche.

2.) Medikamente für den Notfall: Südostasien gilt generell als sehr sicher vor Malaria und diversen Tropenkrankheiten. Trotz allem ist Vorsicht vor Dengue-Fieber und Colibakterien geboten. Kohletabletten für den Magen, Malaria Standby für den Fall sowie eine Packung Tabletten für Grippefälle sollten im Koffer verstaut werden. Auch Pflaster und Desinfektionsspray sind unabdingbar, denn gerade in den ersten Monaten können sich selbst oberflächliche Verletzungen unangenehm entzünden.

3.) Mückenspray habe ich in den ersten zwei Wochen verwendet, nur um die knapp 15 Fläschchen danach für immer im Koffer zu verstauen. Die Mücken sind derart penetrant, dass man sich alle Stunde einsprühen müsste und ob das auf Dauer für Haut und Lunge so gut ist wage ich zu bezweifeln. Wer sich wirklich im Malariagebiet aufhält sollte dem natürlich nachkommen, aber generell kann ich für Südostasien sagen, dass man sich an die Mückenstiche gewöhnt und es nach wenigen Wochen sogar gefühlt weniger werden. Das alles aber ausdrücklich ohne Gewähr.

4.) Dicke Kleidung: In der Bergwelt Südostasiens sowie den Regionen nördlich von Laos und Vietnam kann es besonders in den Winternächten kalt werden. Und ich spreche da von 7 – 5 Grad Celsius bzw. ab irgendwann minus Temperaturen. Um unnötigen Erkältungen oder Grippeinfektionen vorzubeugen sollten zwei bis drei Pullover, drei Paar Socken, Jeans, eine Mütze und wenn möglich auch festes Schuhwerk eingepackt werden.

5.) Flip Flops mit Grip: Die allermeisten sehen in Gebieten nahe dem Äquator schnell ein, dass man am besten in Flip Flops anstatt in Schuhen unterwegs ist. Bei der Hitze angenehmer für die Füße und außerdem billiger nachzukaufen. Allerdings sind sie auch sehr rutschig in der Regenzeit. In Chiang Rai bin ich beim Einkauf auf Flip Flops mit Grip bzw. Profil sowohl an der Sohle als auch an der Fußseite gestoßen und die haben sich im regenreichen Herbst als sehr nützlich erwiesen.

6.) Speziell für Jungen: Weite Boxershorts zerfallen nach längerer Zeit im tropischen Klima. Von zehn sind sechs in den ersten vier Monaten drauf gegangen. Die engen Boxershorts hielten deutlich länger.

7.) Einen guten Kreditkartenvertrag: Die DKB bietet mit ihrer VISA Card kostenfreies Geldabheben in den meisten Ländern der Welt. Das rentiert sich insbesondere bei längeren Aufenthalten, wenn ihr auch mal spontan kleinere Beträge abheben wollt, für die ansonsten die Standardkosten von jeweils drei bis vier Euro anfallen.


Wie viel kostet so eine Reise?

Einer der wichtigsten Faktoren beim Reisen ist nun einmal auch das Geld. Die Beträge für (flexible) Freiwilligendienste könnt ihr auf der Internetpräsenz diverser Organisationen einsehen, bei sechs Monaten kommt ihr plus Flug auf ca. 3,500 Euro plus minus irgendetwas – falls ihr nicht im FSJ unterwegs seid. Die Unterhaltungskosten vor Ort können ebenfalls stark variieren. Generell sind die Kosten auf dem Land sehr viel niedriger als in der Stadt. In Chiang Rai (Thailand) betrugen meine monatlichen Ausgaben zwischen 50 und 60 Euro, sofern ich in diesem Monat für mein Essen selber aufkommen musste und regelmäßig zum Thaiboxtraining ging. In Phnom Penh (Kambodscha) waren es mit einem Mal 160 Euro (Essen für den ganzen Monat plus Bokator Training). In beiden Fällen waren die Unterkünfte bereits im Preis für den Freiwilligendienst inbegriffen, daher sind die genannten Zahlen nicht unbedingt für einen Kostenrahmen geeignet, zeigen aber zumindest mit was man unter anderem rechnen muss.


Verhaltenskodex im Ausland:

Tradition und Umgangston sind von Land zu Land, manchmal sogar von Dorf zu Dorf sehr unterschiedlich. Generell kann man aber einige Punkte für ein Reise-Knigge bzw. für ein bewusstes Reisen und auch bewusstes Blogschreiben nennen:

1.) Romantisierung der Armut. Ich muss immer wieder schlucken, wenn ich Reiseberichte lese in denen frei nach dem Motto „Selig sind die, die wenig besitzen“ die Slums in Mumbai, Bangkok, Kapstadt und anderen Metropolen zum Himmel gepriesen werden. Die Slumbewohner und Straßenkinder können sich prima ohne Zocken am Computer, Alkoholkonsum und Glücksspiel beschäftigen. Gerne vergessen aber einige, dass sie oft nicht einmal das Geld für ihr tägliches Essen haben. Gerade Minderjährige werden oft von Familien verstoßen, schlagen sich alleine durch das Straßenleben und müssen sich, nicht selten erfolglos, selber vor der Prostitutionsmafia schützen. Wer da noch meint, dass diese Menschen „im Grunde mehr besitzen als wir“, dem ist echt nicht mehr zu helfen.

2.) Begriffe wie „naturnah“ und „schlichte Lebensweise“ implizieren mitunter auch Unzivilisiertheit und Unterentwicklung

3.) Ein Haus aus Bambus/ getrocknetem Schlamm ist keine Hütte. Gerne verwenden wir dieses Wort, um kleine Wohnungen oder etwas schäbigere Behausungen zu beschreiben. Dieser Begriff hat sich so fest in unserem Wortschatz verankert, dass wir oft vergessen, dass er auch abwertet. Der Bau aus Bambus mit nur einem Zimmer ist trotz allem das Zuhause eines stolzen thailändischen Pärchens mit Kindern; eine ruandische Familie hat tage- oder wochenlang selber an ihrer Behausung aus Lehm und Ziegeln gearbeitet und ist sicher nicht glücklich darüber, wenn diese von Rebellen niedergebrannt wird.

4.) Unsere Ansichten sind nur „richtig“, weil wir mit ihnen aufgewachsen sind. Jeder der länger ins Ausland geht gerät früher oder später an diesen Punkt: Etwas passiert und man ist fassungslos, dass niemand reagiert. Wichtig hierbei ist: Spielt euch nicht als Gleichberechtigungsvermittler, Tierschützer oder Straßenpolizei auf. Dass Frauen in vielen Ländern für Familie und Haus zuständig sind, ist so fest in ihrem Bewusstsein verankert wie bei uns die Selbstständigkeit der Frau. Solltet ihr darüber in einen Streit mit einem Ehemann geraten wird die Gattin ihm aus Prinzip recht geben. Es gibt Projekte zur schrittweisen Modernisierung des Bewusstseins für Gleichberechtigung, bloß brauch so etwas Zeit. Immerhin war so etwas in Deutschland bis in die 70/80er Jahre noch ein Thema. Wenn Tiere auf offener Straße geschlagen werden, wird euch jeder blöd anschauen wenn ihr versucht dem Einhalt zu gebieten. Ihr wollt nicht, dass dem Nutztier weh getan wird? Dann unterschreibt Petitionen gegen Massentierhaltung und Legebatterien in Deutschland. Bei offenen Konflikten wie Schlägereien unter Einheimischen solltet ihr euch generell nicht einmischen. Oft habt ihr keine Ahnung wer warum involviert ist. Und im Zweifelsfall ist der Ausländer schuld. Es gibt auch Situationen in denen ihr spontan entscheiden müsst; einen Krankenwagen zu rufen heißt in nicht wenigen Ländern, dass man sich bereit erklärt die Operationskosten zu zahlen – egal ob ihr das Unfallopfer kennt oder nicht.

5.) Es ist in nahezu jeder Kultur unhöflich mit dem Finger auf jemanden zu zeigen oder ihm an den Kopf zu fassen. Ersteres gilt auch in asiatischen Kulturen als herablassend und kann sogar Auslöser für Handgreiflichkeiten werden. Letztgenanntes ist besonders in buddhistischen Ländern tabu, auch bei Kindern! Der Kopf gilt als Sitz der Seele und ist heilig.

6.) Fragt Personen ob ihr sie fotografieren dürft und seid bereit auch ein Nein zu akzeptieren. Als begeisterter Hobbyfotograf musste ich mich oft zusammenreißen, wenn Menschen mit einem unglaublich ausdrucksstarkem Gesicht mir sagten, sie wollten keine Porträts von sich. Das ist ihr angeborenes Recht. Und wer jemanden von weitem heimlich fotografiert sollte sich Folgendes in Erinnerung rufen: Auf den Knopf eines Fotoapparats zu drücken ist in einem dasselbe wie eine Schusswaffe abzufeuern – der Betroffene hat keine Chance sich dagegen zu wehren.

7.) Älteren und Geistlichen zollt man Respekt. Das beinhaltet auch, ihnen den eigenen Sitzplatz anzubieten und in der Schlange den Vorgang zu lassen.

8.) Einheimische in ihrer Landessprache anzusprechen ist auch eine Form der Respektsbekundung. Ihr zeigt damit euer Interesse am Land und seinen Menschen und habt außerdem die Gelegenheit mit den Menschen in freundschaftlichen Kontakt zu kommen.

9.) Menschen indiskret nach ihren Hygienegewohnheiten zu fragen ist nicht unhöflich. Es ist im höchstem Maße arrogant. Ich musste das ausgerechnet von einer Mitreisenden hören, was die Befragten in äußerste Verlegenheit brachte. Arme Menschen die sich keine Seife oder Zahnbürste leisten können, versuchen sich trotz allem mit anderen Mitteln sauber zu halten. Hygiene ist ebenfalls in jeder Kultur fester Bestandteil (zudem lebensnotwendig) und alleine jemanden danach zu fragen ob er sich die Zähne putzt ist in etwa so charmant, wie wenn man fremde Leute auf dem Münchner Marienplatz darauf anspricht.

10.) Seid nicht gleich verärgert oder zu misstrauisch, wenn man euch auf eure Vermögensverhältnisse anspricht. Im traditionellen Bewusstsein zeigt das Vermögen einer Familie ihren sozialen Status und somit ist die Frage „You have rich parents/ Are you rich?“ nicht selten als „Wie habe ich mich Dir gegenüber zu verhalten?“ zu verstehen. Das heißt nicht, dass ihr darüber bereitwillig Auskunft geben sollt, aber ein charmantes „We can live of it“ ist allemal besser als das Taxi oder Restaurant zu wechseln.

11.) Mitgefühl und Mitleid sind nicht dasselbe und letzteres ist gerade im Freiwilligendienst eher unerwünscht. Man kann im Umgang mit Waisen oder geschädigten Menschen rücksichtsvoll und freundlich sein, sollte es aber mit der Fürsorge und der elterlichen Präsenz nicht übertreiben.

12.) Wer es nötig hat lässt sich bitte von einer Prostituierten vorher den Ausweis zeigen. Kindesentführungen, Kinderhandel und die damit einhergehende Zwangsprostitution sind in nahezu allen Ländern der Welt ein Problem. Laut einer Studie waren es alleine 2006 knapp zwei Millionen betroffene Kinder (Quelle: www.straßenkinderreport.de) weltweit, gut die Hälfte alleine im südostasiatischen Raum. Abgesehen davon ist Prostitution in nicht wenigen Ländern gesetzlich verboten.


Wird diese Reise mich verändern?

In jedem Fall. Ob Reisen den Einzelnen zu einem besseren Menschen macht sei dahin gestellt, aber konkretisiert würde ich es so formulieren: "Reisen verändert Dich so oder so. Du kannst daran wachsen oder zerbrechen". Das klingt zwar ein wenig eigenartig und etwas beängstigend – auf das letzte Wort im Zitat werde ich noch ausführlicher eingehen -, aber wer mit offenem Auge, rücksichtsvoller Art und Neugierde in die Fremde geht muss keine Angst haben. Und oft sagt schon die Entscheidung (zu Reisen) an sich eine Menge über die Eigenschaften des Einzelnen aus.



Luang Prabang


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Kommentare

  • ursuvo

    wie ich Dich kenne ist das hier sicher ein sehr guter Bericht. Ich habe ihn noch nicht gelesen - habe ich eben erst entdeckt.
    Aber - eben wegen der Länge habe ich Bedenken, ob er die "Zielgruppe" auch erreichen wird.
    Mein inzwischen "sehr erwachsener" Sohn hat jahrelang vorgegeben, keine Lust zum Reisen zu haben - und ich wusste genau, dass das nur die "Schwellenangst" war. Zum Glück hat er das längst überwunden und nutzt jeden Urlaubstag zum (meist) Fernreisen. Dein Bericht in leicht komprimierter Form wäre sicher hilfreich gewesen.
    Ich werde demnächst Deinen Bericht auch lesen und dann nochmal kommentieren! LG Ursula

  • ursuvo

    so - jetzt habe ich Dein ausgezeichnet geschriebenes "Werk" gelesen. Und glaube nun doch, dass es nicht zu lang ist. Denn wer sich sich für so einen Auslandaufenthalt interessiert wird oder ihn auch schon geplant hat für den ist Dein Bericht ein "Muss"! Und Dein Schreibstil ist so gut, dass man problemlos und mit großem Interesse bis zum Ende lesen kann. Und wenn dann auch noch persönliche Erfahrungen dazukommen werden könnte Dein "Prospekt" ein "Renner" werden"!!!
    Ich hoffe, dass Du den Teil mit Deinen persönlichen Erfahrungen hier auch noch zeigen wirst!!
    LG Ursula

  • niglotraveller

    Liebe Ursula,

    Dein Feedback ist wirklich sehr motivierend, vielen lieben Dank! Ich weiß noch nicht ob es ein Prospekt oder gar Heft werden soll; es war mal mit einem Lehrer im Gespräch ob ich in anderthalb Jahren (also nach meiner Rückkehr) einen Vortrag für die Oberstufe halten sollte und bei der Gelegenheit die Prospekte zum Nachlesen verteilt werden :-)

    - und natürlich werden die Reiseerfahrungen an sich noch folgen!

    LG aus Phnom Penh

    Nicolás

  • ursuvo

    Lieber Nicolás,
    Vortrag und dazu Prospekt zum Nachlesen - eine sehr gute Idee. Danach werden die Schüler wahrscheinlich scharenweise das Land verlassen;-))) - aber im Ernst - ich könnte mir wirklich vorstellen, dass daraufhin doch einige von ihnen, die vorher größere Bedenken hatten weil ihnen das "Know-how" fehlte, sich mal so ein Erlebnis gönnen bevor der Ernst des Lebens beginnt.
    Wenn ich nochmal Schüler wäre..............:-)))
    LG Grüße - Ursula

  • ursuvo

    Lieber Nicolás,
    Vortrag und dazu Prospekt zum Nachlesen - eine sehr gute Idee. Danach werden die Schüler wahrscheinlich scharenweise das Land verlassen;-))) - aber im Ernst - ich könnte mir wirklich vorstellen, dass daraufhin doch einige von ihnen, die vorher größere Bedenken hatten weil ihnen das "Know-how" fehlte, sich mal so ein Erlebnis gönnen bevor der Ernst des Lebens beginnt.
    Wenn ich nochmal Schüler wäre..............:-)))
    LG Grüße - Ursula

  • Blula

    Lieber Nicolás!
    Allein schon zu dieser Idee, eine Anleitung zum Reisen zu kreieren, möchte ich Dir gratulieren. Ich bin sehr angetan davon und auch von dem, was Du da bisher zusammengestellt hast. Mit einer solchen Anleitung dürftest Du im übrigen nicht nur Jugendliche ansprechen.
    Der Anfang, oder wie Du es noch nennst.. Entwurf, ist schon mal s e h r gelungen. Bleib dran an diesem Werk.
    LG Ursula

  • niglotraveller

    Liebe Ursula,

    auch Dir vielen Dank für die Motivation! Hm Du meinst, dass ich es generell auch an Erwachsene richten sollte? Im Moment passe ich meinen Sprachstil eher an jüngere Interessierte an. Aber prinzipiell eigentlich keine schlechte Idee. Ich schaue erst einmal wie viel ich an Skript zusammenbekomme. Komme mit Einleitung und dem Teil über Thailand (den ich noch nicht fertig habe) auf 14 Din A 4 Seiten. Könnten zusammengefasst also um die 30 bis 40 Seiten werden..

    LG aus Phnom Penh

    Nicolás

  • nach oben nach oben scrollen
  • reisefreudig

    Servus Nicolas,
    Freue mich, dass sich so junge Menschen wie Du über das große Thema "WIE-WAS-WANN"- zu Reisen
    "drüber" wagen. Deine Gedanken, Deine Überlegungen gehen schon in die richtige Richtung. Würde nur die Textblöcke etwas kürzer halten und nur alles - Dir Wichtige - nur einmal zum Ausdruck bringen, .... weiter so!
    lg Harald

  • Schalimara

    Deine Anleitung zum Reisen, hätte ich meinen Söhnen gerne in die Hand gedrückt :-)
    Die Idee ist sehr gut und sicherlich für viele junge Leute auch ein Anreiz, überhaupt einmal über einen Auslandsaufenthalt nachzudenken. Da so eine Reise auch mit einigem finanziellen Aufwand verbunden ist, sind die von Dir aufgezeigten Möglichkeiten sicherlich eine gute Hilfe. Ein Vortrag mit anschließender Diskussion halte ich für sinnvoll. Warum nur eine Broschüre.....ich fände ein kleines Reisebuch toll - incl. Deiner postitiven und negativen Erfahrungen. Dürfte ne Marktlücke sein oder ? Damit kannst Du viel mehr junge Leute ansprechen.
    Wie oft habe ich den Satz gehört: "Ich würde ja gerne ein paar Monate ins Ausland aber......"
    Ich denke Du machst das richtig!
    LG Schalimara

  • niglotraveller

    Liebe Schalimara,

    die Idee mit dem Buch ist mir mal kurz gekommen; allerdings glaube ich nicht, dass ich
    genügend Seiten zusammenbekomme ohne dass es sehr ins Detail geht und ich mich beim Schreiben
    darin verliere. Aber es motiviert mich zu hören, dass Du Dir meine Berichte auch in Buchform vorstellen könntest! :-)

    LG aus Phnom Penh

    Nicolás

  • niglotraveller

    Lieber Harald,

    ich finde es gut, dass Du mir ganz klar die verbesserungswürdigen Stellen aufzeigst, auch wenn meine
    Reaktionen es vllt nicht immer vermuten lassen ;) Klar, wenn man länger am Verfassen eines Berichts saß will man so etwas im Impuls heraus nicht hören, aber Deine Einwände bringen mich doch immer wieder zum nachdenken. Was die Kürze des Berichts angeht, tatsächlich sind das alles Punkte die mir sehr wichtig sind, weil es die persönlich erlebten bzw, aus der dritten Sicht mitbekommenen sind, die mich entweder sehr schockiert oder sehr berührt haben.

    LG aus Phnom Penh

    Nicolás

  • Frank_E

    Ein Reisebericht der anderen Art. Ich freue mich über Deine Entscheidung, ihn hier einzustellen, und keine Sorge, der gehört definitiv hier hin! Beeindruckend, wie klar Du Deine Gedanken ausdrückst. Vielleicht ist Dein Bericht (wie bereits gesagt) für die Zielgruppe zu lang; mir jedenfalls gefällt er sehr!

    LG Frank

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