Äthiopien - Wiege der Menschheit

Reisebericht

Äthiopien - Wiege der Menschheit

Meine Äthiopien ComfortPlus-Reise im November 2014 durch den Norden und Süden des Landes mit World Insight

Was bewegt einen, eine Reise nach Äthiopien zu unternehmen? Vor allem, da es sich nicht um ein klassisches Touristenland handelt und selbst die reisewütigen Deutschen, die schon halb Afrika gesehen haben, werden auch nicht unbedingt auf Äthiopien verfallen. Äthiopien, ein armes, aber faszinierendes Land mit einer grandiosen Naturkulisse. Für mich war eine ZDF-Sendung ausschlaggebend: "Faszination Erde" mit Dirk Steffens.
In einer groben Zusammenfassung dieser Reise möchte ich Folgendes sagen: Mich hat Äthiopien fasziniert, aber auch mächtig überrascht. Ich habe mir dieses Land bei weitem nicht so grün vorgestellt, nicht so gebirgig, nicht so hoch und die Bevölkerung nicht so freundlich. Die Menschen sind wunderbar fröhlich und entgegenkommend, obwohl sie größtenteils in Lehmhütten ohne Strom und vor allem ohne sauberes Wasser leben. Die Kinder gehen gerne in die Schule, obwohl sie teilweise einen Anmarsch von täglich mehr als einer Stunde (pro Richtung!) haben. Wenn man das alles als verwöhnter Mitteleuropäer sieht, kommt man gehörig ins Grübeln.

Infrastruktur und Unterkünfte waren aber weitaus besser, als ich mir das vorgestellt hatte. Auch wenn nichts mit unserem Standard vergleichbar ist, so ist es für äthiopische Verhältnisse doch purer Luxus, den sich dort gewiss nur wenige leisten können. Man muss bei solchen Reisen Abstriche machen (was ganz klar ist), aber es waren doch weniger als ich vorher dachte.

Die Menschen Äthiopiens sind regional sehr unterschiedlich, nicht nur im Äußeren, sondern auch in ihrem Verhalten gegenüber Touristen. Im Norden gibt es keine Probleme zu fotografieren, im Süden dagegen wird für jedes Bild die Hand aufgehalten. Das wäre im Prinzip nichts Verwerfliches, nur führt es dazu, dass viele Ethnien nichts weiter für ihren Lebensunterhalt tun und die Kinder davon abgehalten werden, in die Schulen zu gehen. Ist ja leicht verdientes Geld. Auch die allgegenwärtige Bettelei durch die Kinder muss man aushalten können. Unser Reiseleiter hat uns von Anfang an regelrecht verboten, den Kindern auch nur irgendetwas zu geben, genau aus dem Grund, dass sie ansonsten nicht mehr zu Schule gehen. Wenn man Hefte oder Stifte abgeben möchte, kann man das in den Schulen tun. Man wird auf der Straße bei jedem noch so kurzen Stopp regelrecht von Kinderscharen überfallen, die nach Kleidung, Seife, Shampoo - ja selbst nach Wasser - und natürlich Geld fragen. Es ist nicht immer leicht, sich daran zu halten ihnen nichts zu geben, aber die erzieherischen Maßnahmen tragen hoffentlich dazu bei, dass die Rate der Schulabgänger steigt.

Ich würde die Reise jedem empfehlen, der an grandiosen Landschaften und Kultur interessiert ist - und ich würde auf jeden Fall die Comfort Plus Reise empfehlen, da 4 Flüge inklusive sind, die einem die doch mitunter sehr schlechten Straßen ersparen.

Wer noch weiterlesen möchte, unten stehend eine etwas genauere Beschreibung meiner Reise, durchgeführt von dem Veranstalter World-Insight. Reiseleiter war ein Äthiopier, der in der ehemaligen DDR studiert hatte und von daher sehr gut Deutsch sprach.

Meine Reise begann - wie sicherlich alle Äthiopien-Reisen - in Addis Abeba. Über die Hauptstadt muss nicht viel gesagt werden, kennt man eine dieser Städte, kennt man alle. Aber Addis hat etwas, was man eben nur hier sehen kann: Lucy! Das Skelett eines weiblichen Frühmenschen, ca. 3,5 Millionen Jahre alt. Mein erstes Highlight auf der Reise, wenn man bedenkt, dass wir alle irgendwie "aus Afrika" kommen und Nachfahren dieser kleinen Frau sind. Ob man sich den "Mercato" antun sollte - eher eine Geschmacksfrage. Unser Hotel in Addis: Das Bole Ambassador Hotel. Es hat nur einen Vorteil: die Nähe zum Flughafen. Ansonsten kann ich das Hotel wirklich nicht empfehlen. Unser Zimmer zumindest war stockdunkel, da es nur ein schießschartenartiges Fenster zu einer Baustelle hatte und im hinteren Bereich des Raumes gab es noch nicht mal künstliches Licht, man hat wohl vergessen, Lampen zu installieren...?! Was ich von den Mitreisenden in Bezug auf die restlichen Zimmer gehört habe, war auch nicht erhebender.

Von Addis ging es per Flug nach Bahir Dar, Ausgangspunkt, um zu den Fällen des "Blauen Nils" zu kommen. Die Wasserfälle sind auch nach Bau des Staudamms noch recht spektakulär, zwar nichts im Vergleich zu den Victoria- oder Iguazu-Fällen, aber trotzdem grandios. Am Nachmittag folgte eine Bootsfahrt auf dem Tana-See und der Besuch des Klosters Ura Kidane Mehret. Tatsächlich hat dies keine bleibenden Eindrücke bei mir hinterlassen. Lediglich die Fahrt über den See habe ich sehr genossen, auch wenn unser Boot fast vollgelaufen wäre... Aber das ist eine andere Geschichte. Hotel in Bahir Dar: die Abay Minch Lodge. Eigentlich sehr empfehlenswert, nur liegt die Lodge neben einer Kirche, was in Äthiopien an bestimmten Tagen (bei uns wars ein Sonntag) dazu führt, dass die Liturgien nachts um 2.30 h beginnen und bis ca. 8.30 h dauern. Alles schön per Lautsprecher in alle Himmelsrichtungen verteilt! An Nachtruhe war somit nicht zu denken.

Dann ging es per Kleinbus nach Gondar, nettes Städtchen, viel Weltkulturerbe und ein ganz wunderbares Hotel, das "Hotel Goha" mit sicher dem besten Blick über die ganze Ebene.
Am nächsten Tag Weiterfahrt in den Simien-Mountain-Nationalpark, wo uns leichter Schneefall empfing. Hier wird auch deutlich, warum dieses Land auch das "Dach Afrikas" genannt wird. Viele Gipfel erreichen 4000 m und der Ras Dashen, höchster Berg Äthiopiens, sogar 4550m. Und immer wieder Dschelada-Paviane, die "Blutbrustaffen" - ganz besondere Begegnungen, mit diesen wenig aggressiven Verwandten. Übernachtung in der Siemien Mountain Lodge (eine Alternative gibt es nicht, wenn man im Park bleiben will). Die Lodge ist recht schön und das Restaurant überaus gemütlich mit einem offenen Kamin. Allerdings ist das Vergnügen auch nicht ganz billig und von unserem Guide und Fahrer haben wir gehört, dass man gegenüber den Einheimischen nicht sehr entgegenkommend ist. Zumindest unsere Reisebegleiter mussten im Auto nächtigen (bis Minusgraden!), da eine Unterkunft für sie zu teuer gewesen wäre!

Unvergesslich die Fahrt am nächsten Tag auf der Panorama-Strecke nach Axum. Das möchte man keinesfalls missen! Allerdings ist ein Selbstfahren nicht zu empfehlen. Die Schotterpisten sind ausgefahren, schmal und bei Gegenverkehr wirds sehr eng. Der Ort Axum selbst ist eher hässlich, es wird viel gebaut, aber das Stelenfeld sowie der Palast der "Königin von Saba" machen viel wett. Man kann auch von außen die Kirche bewundern, in der - wie jeder Äthiopier glaubt - die Bundeslade aufbewahrt wird. Übrigens haben wir gelernt, dass es in jeder Kirche Äthiopiens eine Kopie der Bundeslade gibt...! Zu sehen haben wir weder das eine noch das andere bekommen, genau wie niemand vor uns oder nach uns... Aber: der Glaube versetzt ja bekanntlich Berge! Übernachtet haben wir im Brana Hotel. Positives gibt es darüber nicht zu berichten.

Nach 2 Tagen ging es per Flieger nach Lalibela und seinen Felsenkirchen. Sicher ein Highlight jeder Äthiopien-Reise! Besonders beeindruckend die Georgs-Kirche. Übrigens, Lalibela liegt auch auf 2500 m Höhe! Man bewegt sich in Äthiopien eh selten in tieferen Ebenen... Ein Restaurant-Tipp: Das Ben Abeba, ein Restaurant das aussieht, als ob ein UFO gelandet wäre, geführt von einer Schottin und einem Äthiopier. Wunderbares Ambiente! Unser Hotel in Lalibela: Das Lal Hotel Tukul. Nicht schlecht, aber auch nicht berauschend.
Damit war der erste Teil unserer Reise durch den Norden Äthiopiens beendet und wir sind zurück nach Addis geflogen, wo wir einen Tag Freizeit hatten, auf den man zwar gerne verzichtet hätte, dies aber organisatorisch nicht möglich ist, wenn man so wie wir, in den Süden fliegt. Es gibt immer nur einen Flug mittags nach Arba Minch, die Maschinen aus Lalibela kommen alle zu spät an.

In Arba Minch gibts zwei riesige Seen, den Abaya-See und den Chamo-See. Wir hatten eine wunderschöne Bootsfahrt über den Chamo-See, während der wir Krokodile, Nilpferde und Pelikane beobachten konnten. Eine Traumlandschaft! Am nächsten Tag fingen unsere Besuche bei den unterschiedlichen Ethnien an und der für mich unerfreulichere Teil der Reise. Unser Hotel in Arba Minch war die Paradise Lodge und die beste Unterkunft der gesamten Reise. Eine sehr, sehr schöne Anlage, sehr gepflegt und sehr entgegenkommendes Personal. Die Lodge liegt oberhalb der Seen mit einem grandiosen Blick über beide. (Könnte etwas mit den dort untergebrachten amerikanischen Streitkräften zu tun haben...).

Von Arba Minch aus ging es nach Konso, dort Übernachtung in der ebenfalls sehr, sehr schönen Kanta Lodge, die von einem "Schweizer Äthiopier" geführt wird. Hier wurde sehr viel Augenmerk auf die Außenanlagen gelegt, ein üppig blühendes Paradies. Am darauffolgenden Tag ging es nach Jinka und den dort in der Nähe lebenden Mursis. Das ist nun ein Erlebnis der ganz besonderen Art! Man sollte sich jede Menge 5-Birr-Scheine (und davon nur gut erhaltene Exemplare) einstecken, denn bei den Mursis geht ohne Geld gar nichts. Ich fand das Spektakel abstoßend und wollte mich - ohne ein einziges Foto gemacht zu haben - ins Auto zurückziehen, hatte dabei aber nicht mit der Hartnäckigkeit dieses Volksstammes gerechnet. Man wird regelrecht eingekreist, von allen Seiten gezogen und gezwickt, bis man endlich ein Foto für 5-Birr macht! Und Obacht - ein ganz besonderer Trick sind Mütter mit ihren Kindern - dann wird nämlich für jedes Kind noch mal ein 5-Birr-Schein fällig. Es ist schrecklich mitanzusehen, wie diese Menschen durch uns Touristen geworden sind. Ich würde jedenfalls keinen Fuß mehr ins Gebiet der Mursis setzen. Aber nicht nur die Mursis sind so, sondern auch die anderen Stämme wie Ari, Dorze, Bena und Tsamai. Im gesamten Süden Äthiopiens gleicht die Jagd nach dem Geld der Touristen einer Hexenjagd.
Das "einfache Gästehaus" in Jinka entpuppte sich als eins der besten Resorts in Jinka, was allerdings nicht viel heißt. Das Jinka Resort wird recht lieblos geführt, das Personal ist nur widerwillig am Arbeiten und zum Frühstück bekommt man eine fingerhutgroße Tasse Kaffee als Inklusive, wobei für jede weitere Tasse ein Obulus von 10 Birr fällig wird. Wenn das Frühstück wenigstens ansonsten üppig wäre, aber auch das ist nicht der Fall und muss auch noch am Abend vorher bestellt werden, sonst gibt's nur verschrumpeltes Weißbrot und einen Klecks Marmelade - auch ohne Nachschlag! Außerdem sollte man im "Restaurant" einen Tisch fürs Frühstück reservieren, sonst landet man auf der Terrasse, die kühl und schattig ist und wenn man besonderes Pech hat, so wie wir, sitzt man auch noch im Regen. Kein schöner Abschluss für den Aufenthalt im Süden. Mein Fazit: den Süden des Landes kann man sich eigentlich schenken, lieber länger im Norden Äthiopiens bleiben!

Meine Reisezeit war vom 13.-30. November 2014. Im Norden herrschte ideales Reisewetter, im Süden gibt's zu der Jahreszeit eine kleine Regenzeit.


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