Der Titicacasee, ein Paradies auf 3810 Meter Höhe mit seinen Inseln und Menschen

Reisebericht

Der Titicacasee, ein Paradies auf 3810 Meter Höhe mit seinen Inseln und Menschen

Reisebericht: Der Titicacasee, ein Paradies auf 3810 Meter Höhe mit seinen Inseln und Menschen

Wie ein Schwalbenschwanz verläuft die Spur die unser Boot im tiefblauen Wasser des Titicacasee hinter sich lässt. Der Fahrtwind pfeift uns um die Nase und es ist empfindlich kalt. Wir wollen zu den „Uru“, einem auf schwimmenden Insel lebenden Indianervolk.

Früher einmal waren sie Geheimnisumwittert und lebten von dem reichlich vorhandenen Fisch den der 8560 km² große See ihnen schenkte. Ihr Lebensraum waren Inseln, die sie aus auftreibenden Wurzelballen und Binsen zusammen gefügt haben. Die Boote, mit denen die Uru den eiskalten See befuhren fügten sie auch, wie ihre Inseln aus Binsen zusammen. Was wird uns heute erwarten denken wir, als in der Ferne zunächst nur gelbe Flecken auf dem Wasser erkennbar werden, die sich mit jedem Meter, den wir näher kommen vergrößern und sich als hoch aus dem Wasser ragende Inseln entpuppen. Wir biegen in einen breiten Kanal ein, an dessen rechter und linker Seite sich dutzende von Schilfinseln aneinander reihen. Unser Bootsführer steuert die letzte Insel an und wie es aussieht erwartet uns die darauf wohnende Familie. Die am Rand des Schilfplateaus stehenden Frauen und Kinder sind bunt gekleidet, der Kopf ist mit einem breitkrempigen Schilfhut bedeckt und aus ihrem Mund erklingt ein indianisches Willkommen Lied. Wir klettern vorsichtig auf die schwankende Schilfplattform und werden direkt umringt. Man führt uns zu einer im Hintergrund aufgestellten Info- tafel und erklärt uns anhand von Bilder das Leben auf dem See, wie man die Inseln baut und was sich unter Wasser so alles abspielt. Man führt uns noch in die auch aus Schilf angefertigten Hütten und schließlich zu dem kleinen Verkaufsstand, an dem man Andenken kaufen kann, die alle handgefertigt und aus Binsenstroh sind. Nicht so unser Ding und als das Familienoberhupt merkt, dass kein Geschäft zu machen ist, winkt er uns mitzukommen und bietet uns eine Fahrt mit einem Schilfboot an. Thor Hyerdahl hat sich einst hier über die Bauweise von Binsenbooten informiert und die Rah I und Rah II nach diesem Modell nachgebaut. „Wir probieren das“ und lassen uns von Ramos auf den Binsen liegend durch die blauen Wellen des Titicacasee rudern. Die Frauen singen derweil und wir staunen nicht schlecht, als wir das deutsche Kinder Lied „Alle meine Entchen“ erkennen. Ramos freut sich als wir mit summen, kennt aber die Bedeutung des Textes nicht. Wir erklären ihm den Inhalt des Liedes mit wenigen Worten und viel Gestik. Zurück auf der Schilfinsel verteilen wir noch ein Trinkgeld und sitzen dann schon wieder im Motorboot um weiter auf den See hinaus zu fahren. Der Bootsführer erzählt uns: „ Ja heute leben die Uru nur noch von den Besuchen der Fremden und vergessen dabei ihren Stolz und die alten Traditionen“
Jetzt geht es mit Höchstgeschwindigkeit über die offene See, das nächste Ziel ist die Insel Taquile, deren Felsen von weitem unbezwingbar aussehen. Das Boot legt in einer kleinen Bucht an und wir laufen über einen Holzsteg zu einem Rundbogen, hinter dem sich ein kleiner umsäumter Platz befindet. Hier werden wir von einer kleinen Gruppe der Taquile Indianer begrüßt. Sie haben, soweit das möglich war Ihre angestammte Kultur zu erhalten versucht. 2005 hat ihnen die Unesco ihre traditionelle Webkunst als Weltkulturerbe anernannt. Es gibt eine strenge Arbeits- teilung zwischen Männlein und Weiblein, so sind die Frauen zum Beispiel für die Weberei und die Männer für das Stricken zuständig. Im Volksmund wird die Insel deshalb „Insel der strickenden Männer genannt“. Es ist Sitte, das sich die hier auf der Insel lebenden Indianer nicht mit anderen Stämmen verbinden, seit Jahrhunderten bleiben sie unter sich. Bevor ein Paar aber heiratet, soll es drei Jahre verlobt sein um in dieser Zeit festzustellen, ob wirklich alles passt. Während dieser Zeit leben sie schon zusammen, es ist also eine wirkliche Probe, na und wenn es nicht klappt, dann geht man ohne Groll auseinander. Die verheirateten Männer, oder waren es die unverheirateten, tragen einen breiten gewebten Gürtel, aus Alpakawolle, dessen Motive die zwölf Kalender Monate darstellen. In der Folge zeigt uns einer der Männer noch, wie aus einer zerriebenen Pflanze ein Shampoo entsteht und dann dessen hervorragende Wirkung beim Waschen von Lama Wolle. Zum Abschied spielt uns ein Musikant eine melancholische Abschiedsmelodie auf seiner Panflöte.
Wieder mit Vollgas geht es weiter, zur Insel Suasi. Es ist die einzige Insel auf dem Titicacasee, die in privatem Besitz ist. „Marhta“ die Besitzerin hat sich hier einen Naturraum geschaffen und betreibt ein kleines Hotel, das ausnahmslos mit Sonnenenergie betrieben wird. In jedem Hotelzimmer steht ein Holzofen und zur Nachtzeit bekommt jeder Hotelgast eine eingestrickte Wärmflasche. Wir bleiben ein paar Tage und umwandern die Insel, begeistern uns an der bunten Blumenpracht und an den frei laufenden Tieren. Beim Besteigen der Berge genießen wir die grandiose Aussicht auf den tief blauen See und am Abend auf die rote am Horizont untergehende Sonne. Auf der Speisekarte stehen nur Spezialitäten aus den Anden und gekocht wird vorwiegend auf einem Sonnenkollektor und auf offenem Feuer. Martha verwöhnt uns als ob wir zur Familie gehören. Sie hat ein kleines Museum in dem sie Fundstücke aus dem „Andenmeer“, wie sie ihren See nennt und Dinge aus dem Alltag der Indios ausstellt. Außerdem besitzt Martha eine umfangreiche Bibliothek in der man alles über Peru, seine Menschen, ihre Kultur und seiner Natur nachlesen kann. Total entspannt und ausgeruht bringt uns ein Motorboot nach ein paar Tagen zurück an das Seeufer. Dort erwartet uns ein Geländewagen, der uns zum Flughafen bringen wird. Ein mulmiges Gefühl bekommen wir als uns mitten im Nichts eine bewaffneten sechsköpfigen Polizeistreife stoppt und auf das peinlichste kontrolliert. Die Beamten sind aber korrekt und entlassen uns bald wieder in Richtung Kreisstadt.



Wie ein Schwalbenschwanz verläuft die Spur,...

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Kommentare

  • Blula

    Durch diesen anschaulichen und interessanten Bericht kommt im wahrsten Sinne des Wortes Farbe auf einen bei mir bisher weißen Fleck auf der Weltkarte.
    Danke!
    LG Ursula

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