Kuba-Rundreise im Februar 2014

Reisebericht

Kuba-Rundreise im Februar 2014

Reisebericht: Kuba-Rundreise im Februar 2014

Ich wollte gern noch ein bißchen 'authentisches' Kuba kennen lernen, bevor der amerikanische Einfluß überhand nimmt. Und habe staunend ein Land zwischen bröckelndem Sozialismus, Lebensfreude, Armut, Mojitos und beginnendem Kapitalismus erlebt. Meine Eindrücke sind sehr persönlich und bitte nicht zu verallgemeinern.

Besucher willkommen!

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Tag 1 - 3

Malecon

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Der Blick auf den Malecon und das Meer ist grossartig - aber das Hotel Deauville hat sein Haltbarkeitsdatum eigentlich schon überschritten. Ein Zimmer im 7. Stock und der Fahrstuhl ist kaputt. Anscheinend seit Monaten, einige aus der Gruppe hatten schon im Internet davon gelesen. Wir kamen jedenfalls Mittwoch (bzw. Donnerstagmorgen) nach endlosem Flug und zusätzlicher Wartezeit in Toronto wegen einer Gewitterfront über Florida erst nachts um eins im Hotel in Havanna an. Dann die Überraschung mit dem Fahrstuhl und dem Zimmer im 7. Stock. Nach längerem Suchen hat die Frau von der Rezeption einen kräftigen jungen Mann aus der Disko im Untergeschoß geholt, der mein Gepäck hoch getragen hat. Das Zimmer mit grandioser Aussicht und ansonsten irgendwie okay, Warmwasser funktioniert. Aber man überlegt sich doch zweimal, ob man nach dem Frühstück noch Zähne putzen geht - und entscheidet sich dagegen.
Donnerstag vormittags zunächst mit unserem Guide Jorge (hervorragend) eine Führung durch das alte Havanna, wo einige Strassenzüge schon vorzüglich renoviert sind, andere dagegen noch gar nicht, oder sie werden gerade renoviert und man muss aufpassen, dass man nicht von Baufahrzeugen oder Dampfwalzen überrollt wird. Ganz schön und alles voll von Touristen. Am Nachmittag dann mit unserem brandneuen und komfortablen Tourbus (der außerdem für unsere Gruppe offiziell viel zu groß ist, aber wir haben Glück, weil gerade kein anderer frei ist) eine Rundfahrt durch ein paar andere Stadtteile und zu Sehenswürdigkeiten wie Hotel Nacional und Plaza de la Revolucion. Fidel, Che und die anderen sind überall noch präsent auf Plakaten und Wandsprüchen. Oldtimer überall. Die Leute sind freundlich, überall spielt Musik (ich habe schon seit langem nicht mehr so oft Guantanamera gehört). Dann noch ein Abendessen mit der ganzen Gruppe (15) auf einer Dachterrasse am Hafen, wo um 21 Uhr traditionsgemäss eine Kanone abgeschossen wird, was einen ganz schön erschrecken kann.
Heute hatten wir kein Programm, und ich bin am Vormittag ein bisschen rumgelaufen in Gegenden ohne Touristen, Einkaufsstrassen für die Kubaner (es gibt eigentlich alles, sehr vieles aber nur gegen CUC - eine konvertierbare Touristenwährung, an die der normale Kubaner kaum heran kommt). Nachdem die Einfuhrbestimmungen gelockert wurden, gibt es sogar Neuwagen, allerdings kosten sie angeblich ab 100 000 CUC (1 Euro = 1,30 CUC). - Die Klassengesellschaft steht bevor.
Und es gibt wunderschöne Schaufensterdekorationen mit Plastikeimern, Wischlappen und Scheuertüchern, richtige Stillleben.
Später noch zur Eisdiele Coppelia, die in einem Park liegt und aussieht wie mehrere aneinandergeklebte Ufos auf Stelzen. Interessante Architektur, und das Eis ist sehr gut. Lange Menschenschlangen, die auf Einlass in den Park warteten. Touristen dürfen natürlich an der Schlange vorbei rein gehen. Lange Schlangen auch am Kino gegenüber.
Die alten amerikanischen Strassenkreuzer gibt es noch in solchen Massen, dass man nicht alle fotografieren kann. Die meisten sind inzwischen Taxis geworden. Es riecht hier anders in den Strassen als bei uns, wie in den 50ern. Und auch ein bisschen nach Sozialismus.



Malerarbeiten



Tag 4 - 7

Gestern, am letzten Abend in Havanna, ein Konzert im Teatro America: ich bin rein, weil das Theater von außen pures Art Deco war und nur Kubaner in der Schlange an der Kasse standen. Natürlich hatte ich keine Ahnung, wer die Mitwirkenden auf dem Programmaushang waren. Auf der Bühne dann immer mehr Leute: erst eine Band, dann dazu eine Sängerin, dazu ein Sänger, zwischendurch ein Ballett, dann ein Gitarrenorchester aus Teenagern, ein Chor aus Teenagern, zum Schluß noch ein Kinderchor von ca. 50. Es waren letztlich mindestens 100, 120 Leute auf der Bühne. Ein Konzert zum Valentinstag, mit Schlagern, Son, Schmalz und Evergreens. Ausser mir noch 2 Touristen im Publikum, der Rest Eltern und Verwandte, die heftig filmten und knipsten. Irgendwie klasse, aber auch wie ein Überraschungsei...



im Teatro America

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mein Lieblingsverkehrsschild

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Weiterfahrt nach Vinales: erst an der Küste entlang, dann durch schöne hügelige Landschaften, Tabakplantagen, Obst und Gemüseanbau. Der Ort selbst besteht aus bunten, malerischen Kolonialhäuschen mit Säulen und Veranden davor. Drei Übernachtungen im Privatquartier: ich habe eine Familie erwischt, die wohl reiche Verwandte im Exil hat. Es gibt Computer, Fernseher, Einbauküche, Mikrowelle und alles. Nur keinerlei Schalldämmung, man wohnt wie auf einer Verkehrsinsel. Überhaupt ist es ziemlich laut hier nachts, trotz Oropax. Die Pferdefuhrwerke, Oldtimer und historischen Trecker, die hier die Hauptverkehrsmittel sind, können ganz schön Lärm machen. Ein Mitreisender hat auf seiner Dezibel-App im Smartphone 82 Dezibel gemessen, als wir auf der Veranda saßen...
In Vinales eine kleine Wanderung mit Demonstration von Zigarrenherstellung, Bootsfahrt in einer Tropfsteinhöhle, ein riesiges Wandgemälde am Felsen, eher schlechte Musik am Abend und am nächsten Tag ein Ausflug ans Meer (Isla Jutías), sehr schön, warmes Wasser, Schnorcheln, ein bißchen Karibik.



Karibikfeeling

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Tag 7 - 9

unangenehm hier

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Weiter nach Trinidad - eine richtig lange Fahrt, den ganzen Tag auf schlechten Strassen.
Ein Zwischenstop in Cienfuegos mit einem wundervollen zentralen Platz mit schön renovierten Kolonialgebäuden und einem herrlichen alten Theater.

Trinidad ist sehr schön und ausserdem wegen des 500. Stadtjubiläums gerade frisch in Pastellfarben gestrichen. Sehr touristische Altstadt. In einer Seitenstraße ein Laden, in dem die Kubaner Grundnahrungsmittel etc. einkaufen. Unser Guide erklärt uns das System der Bezugsscheine, die für den Einkauf der vom Staat subventionierten Waren benötigt werden. Die meisten Kubaner sind darauf angewiesen - es sei denn, sie sind im Besitz von CUC, der Touristenwährung.
Wir sind wieder in einem Privatquartier, diesmal habe ich ein Haus erwischt, dessen Besitzerin 1988 in Deutschland war und Berlin (die Mauer!), Sansouci und Dresden besichtigt hat. In ihrem Wohnzimmer hängen Bilder von Fidel und Che. (Ich muß hier anmerken, daß meine Spanischkenntnisse sehr begrenzt sind und ich leider nur wenig mit unseren Gastgebern und anderen Kubanern kommunizieren konnte).

Am Nachmittag ein tropischer Wolkenbruch: innerhalb von Minuten verwandelt sich die Straße vorm Haus in einen reißenden Strom. Aber eine halbe Stunde später ist alles vorbei. Abends gute Musik in einem Restaurant: eine Sängerin, die gut ausgebildet ist und mindestens im Opernchor singen könnte, und ein Gitarrist.
Auch von Trinidad wieder ein Ausflug an den Strand, Busfahrer und Guide sind ganz gut zu überreden.



Wolkenbruch

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Tag 10

Hots Dogs gibt's auch

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Weiterfahrt bis Camaguey, wieder ein Hotel auf einer gefühlten Verkehrsinsel, die Stadt die Viertgrösste des Landes und nicht so schön. Aber in einer Nebenstraße folge ich lauter Musik und entdecke eine Tanzschule, wo Kinder und Jugendliche ausgebildet werden und schon richtig gut sind. Tanz hat hier einen völlig anderen Stellenwert als bei uns, überall Ausbildungsstätten, die allerdings oft auch nur zu den Showtruppen führen, die durch die Touristenhotels tingeln. Aber alle träumen von einer Karriere in der „Tropicana“-Show in Havanna.



Tag 11 und 12

Casa de Trova

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Heute den ganzen Tag gefahren, durch endlose Zuckerrohrplantagen, Brachland mit Brandrodung und riesigen Feuern am Horizont, dann wieder Weideflächen mit Rinderzucht. Aber es gibt auch noch intakte Industrieanlagen und nette Dörfer. Schließlich Santiago de Cuba, und später durch Verkehrschaos und Abgase zum Essen in die Innenstadt. Hier besichtigt man den zentralen Platz mit dem ältesten Haus des Landes und dem Balkon, von dem aus Fidel die Revolution verkündet hat. Die Kathedrale ist wegen Renovierung geschlossen. Unterwegs in einer Casa de Musica mal wieder gute Musik: drei Frauen singen, ein Gitarrist spielt und ich kaufe eine CD. Dann habe ich mich von der Gruppe abgesetzt und ein Taxi zurück ins Hotel genommen. Keine Lust auf weitere Musik heute Abend. Es ist hier nochmal 5 Grad heißer als im Rest des Landes, und in der Stadt ist das anstrengend.
Am nächsten Morgen Besichtigung des großartig restaurierten Forts am Meer, eine Stadtrundfahrt mit Rumprobe, dann sind noch die Einschußlöcher am ehemaligen Hospital und das Revolutionsdenkmal zu sehen.
Gerade wurde doch tatsächlich die "Internationale" im TV gespielt: Raúl Castro hat auf einem Kongress eine Rede gehalten und die Erhöhung der Löhne angekündigt, allerdings keinen Zeitpunkt dafür genannt. Der Applaus war verhalten, die Internationale der Abspann. Jetzt läuft schon wieder eine Soap.



Kids in Santiago

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Tag 13 - 15

Transport unseres Mittagessens

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Weiterfahrt in die Sierra Maestra: unsere Hotels sind wirklich grenzwertig. Der "Balcon de la Sierra" ist ein echter Härtetest, gelegen in unmittelbarer Nähe einer Zuckerfabrik. Durch die Emissionen ist morgens die ganze Gegend (die an sich wunderschön ist, auch die Aussicht vom Hotel ist toll und der Sonnenuntergang sowieso!) von einer Ascheschicht bedeckt, wie nach einem Vulkanausbruch. Der Swimmingpool ist nicht in Betrieb, weil überhaupt nicht sauberzuhalten.

Glücklicherweise haben wir den nächsten Tag oben in den Bergen verbracht, wo die Luft sauber war und man atmen konnte. Die Wanderung zum Versteck der Revolutionäre in den Bergen habe ich nur teilweise mitgemacht, ich bin nicht so gut zu Fuß. Trotzdem ein schöner Tag, noch dazu mit dem besten Essen bisher in einem privaten Parladar. Die staatlichen Restaurants sind nicht so zu empfehlen, auch im „Balcon de la Sierra“ ist das Essen um Klassen schlechter als im Parladar. Außerdem taucht mal wieder aus dem Nichts eine Musiktruppe auf und will zum Dessert spielen. Als ich den Speisesaal daraufhin verlasse, fragt mich einer der Musiker, ob ich Musik nicht leiden könne. Ich beschließe, auf Spanisch den Satz auswendig zu lernen: „Ich möchte bitte selbst entscheiden, wann ich Musik höre. Außerdem höre ich nur gute Musik.“
Ich verstehe ja, daß alle irgendwie ein bißchen am Tourismus mitverdienen wollen, aber...



Zuckerfabrik im Morgengrauen

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Tag 15

Weiterfahrt nach Sancti Spiritus: eine hübsche Kleinstadt mit Fluß und historischer Brücke, die sehenswerte Kathedrale ist leider nicht geöffnet. Aber wir haben ein wirklich schön renoviertes Hotel im Zentrum, das beste auf der ganzen Reise. Leider bleiben wir nur eine Nacht.



Kinderbelustigung

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Tag 16

Che und Freund

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Santa Clara: die Che-Guevara-Stadt. Ein riesiges Denkmal von Che über einem Museum, in dem sein Lebensweg beschrieben wird. Massenhaft Schulklassen, in- und ausländische Besuchergruppen. Dies Museum scheint Pflichtprogramm für alle Touristen zu sein.
Danach fahren wir weiter Richtung Küste. Es regnet.
Pünktlich zu unseren "3 Tagen Erholung am Strand von Playas del Este" hat ein Tief mit Starkregen und Gewitterböen die Nordküste von Kuba erreicht.



Tag 17 - 19

die schöne Seite der Playas del...

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Das Hotel ist mal wieder eines der abbruchreifen - in einige Zimmer hat es heute Nacht reingeregnet. In meines nicht, dafür habe ich einen schönen Blick auf Dächer und Haustechnik. Das Meer ist 50 m Luftlinie entfernt, aber nur zu erahnen. Dies Hotel ist in einem jämmerlichen Zustand, und das Buffet lässt einen eher das Weite suchen. Auch die offensichtliche Unterstützung von Prostitution.
Glücklicherweise läßt der Regen am 2. Tag nach, allerdings weht ein kräftiger kalter Wind. Trotzdem mache ich einen langen Strandspaziergang nach Norden bis in den nächsten Ort.
Das beste hier ist der Shuttlebus nach Havanna, also fahre ich noch einmal in die Stadt und mache einen großen Spaziergang.
Kaufe einen schön bemalten Kinderschaukelstuhl, der 8 CUC kostet, und den die Verkäuferin auf meine Bitte in einen Pappkarton verpackt. Ich schreibe „Kinderschaukelstuhl“ in diversen Sprachen auf den Karton (auf Spanisch „sillon por niňos“) und ich kann später am Flughafen den Stuhl mit dem normalen Gepäck einchecken. Er kommt mit Umsteigen in Toronto unversehrt in Frankfurt an!



sillon por ninos

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Tag 20 und 21

Montagmorgen um 3.30 Uhr holt uns der Bus für den Rückflug ab, Dienstag um 7 komme ich in Frankfurt an.



genau!

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Kommentare

  • weltreisen

    so wie du habe ich es auch in meinem kuba-bericht ausgedrückt: dieses land besuchen bevor es evtl. komplett "amerikanisiert" wird.
    inge

  • Steffania

    Danke für Deinen Bericht. Ich reise im April nach Kuba und drücke es genau wie ihr aus... bevor es "amerikanisert" ist :-)
    Steffi

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