Serbien

Reisebericht

Serbien

Die stechend dunklen Augen von Oče Jakove, dem Serbisch-Orthodoxen Kirchenvater, leuchten. Wie er sich da auf seinen Stock stützt und mit dem Zeigefinger an seinem weit ausgestreckten Arm nach oben in die Kuppel seines fünfhundert Jahre alten Klosters Krušedol zeigt, da lächelt er und seine Wangen schwellen hinter dem dicken Rauschebart mächtig an. „Diese Kuppel hier,“ sagt er mit Stolz, „haben die osmanischen Fremdherrscher seinerzeit nicht entdeckt, denn von außen war sie als Turm getarnt gebaut, so dass sie von den Türken als Verteidigungsanlage angesehen wurde. Und Krušedol ist nur eines von sechzehn Klöstern auf dem heiligen Berg der Serben, das in den unwegsam dichten Bergwäldern der Fruška Gora versteckt gebaut worden war.



Oče Jakove, der Serbisch-Orthodoxe Kirchenvater...



Dabei sind wir gerade von Belgrad aus durch die unendlichen Weiten der Panonischen Tiefebene, der Kornkammer des Landes, gekommen. Haben dabei erfahren, dass hier einmal vor zwanzig Millionen Jahren die Wellen des riesigen Panonischen Meeres an die Inselhügel des jetzigen Mittelgebirges Fruška Gora, dem heutigen Nationalpark, geschlagen haben.



Sremski Karlovci trägt stolz ihre bedeutungsvolle Vergangenheit.

Žarko Živanović mit seinem...

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Wir verlassen Krušedol für eine kurze Fahrt von den Hügeln hinab ins kleine Städtchen Sremski Karlovci. Es liegt am Fuß des Nationalparks Fruška Gora und wird wegen ihres Mittelpunktes der Orthodoxie in Serbien auch augenzwinkernd als „Rom Serbiens“ genannt.

Umgeben ist es von Weinanbaugebieten. Hierhin haben sich einst Donauschwaben aufgemacht und Wein gekeltert. Und das nach einer besonderen Methode, die bis heute auch von den Serben



als „Ausbruch“ angepriesen wird. Dabei werden die Reben auch heute noch sehr aufwendig mit der Hand zerquetscht. Ein solches kleines, kostbares Fläschchen entkorkt uns bei einer Weinverkostung Žarko Živanović und wir lassen uns den besonders gepflegten Wein - der nur in kleinsten Chargen hergestellt wird - in wohligen Schlückchen auf der Zunge zergehen, wobei sein Aroma an Rosinen erinnert. Besonders stolz ist der alte weißhaarige Weinbauer in der siebten Generation auf seine Vorfahren, die die Reben erst dann geerntet haben, nach dem sie von dem besonders edlen Pils „Botritis“ befallen waren. „Der Wein,“ so sagt er, „hatte für Lungenkranke eine heilende Wirkung.“ Danach lädt er uns noch in sein Bienenmuseum – dem Einzigen dieser Art im Land – ein.



Novi Sad glänzt mit schönem Zentrum, malerischen Sehenswürdigkeiten und viel Kultur.

Leicht weinselig empfängt uns Novi Sad mit seiner stolzen Festung Petrovaradin hoch über der Donau. Der administrative Sitz der Vojvodina, der auch als Serbisches Athen bezeichnet wird, gibt



Festung Petrovaradin hoch über der Donau



sich jedoch mit seinen prachtvollen Bauten großstädtisch. Inmitten der Fußläufigkeit fällt Miroslav Matić mit seinem weißen dicken Schnauzer auf. Dabei ist der gebürtige Montenegriner hier bereits eine Institution. Spielt er doch täglich mit einem einfachen Bogen auf nur einer Roßhaarseite



Miroslav Matić spielt auf seiner Gusle



seiner Gusle, einer uralten Schalenhalslaute. Dabei spielt der monotone Klang nur eine Nebenrolle. Wichtiger dabei ist sein Gesang von den Heldentaten der Montenegriner gegen die Türken.



Die spektakuläre Schlucht "Eisernes Tor" gehört zu den Hauptatraktionen des Landes.

Tief im Osten des Landes, wir haben an diesem Tag eine weite Fahrt an die Ostgrenze zu Rumänien hinter uns. Die Sonne hat ihren Tageszenit bereits lange überschritten, da begrüßt uns die Donau am landschaftlich schönsten Teil Serbiens in Donji Milanovac, wo sie sich hier durch eine enge Schlucht der Karpaten mit dem Eisernen Tor quälen muss. Da freuen wir uns auf eine



Die Donau-Schlucht Eisernes Tor



Schiffstour, bei der Kapitän Dragan Buzganović sein Boot „Aquastar“ sicher an den bis zu 300 Meter steil abfallenden Felsen von drei dicht bewaldeten Bergketten und vier Schluchten steuert. Von den Braunbären, Luchsen, Gämsen und Adlern, die dort beheimatet sind, ist jedoch weit und breit nichts zu sehen.



Gamzigrad, Kaiserpalast und Altersruhesitz des Galerius

Die Urlaubstage vergehen wie im Flug und wir sind unterwegs zum UNESCO-Weltkulturerbe Felix Romuliana in Gamzigrad bei Zaječar, einer der bedeutendsten spätrömischen Stätten Europas. Glaubte man noch bei den ersten Ausgrabungen 1953, hier auf ein römisches Militärlager der Größe und der vielen Türme wegen gestoßen zu sein, so haben die systematisch durchgeführten



Ruinen eines Atriums: Felix Romuliana, UNESCO-W...



Ausgrabungen ergeben, dass man auf einen Kaiserpalast gestoßen ist. Es war der Altersruhesitz von Tetrarchenkaiser Galerius, dem Adoptiv- und Schwiegersohn des großen Diokletian. Da steige ich auf einen dieser mächtigen Befestigungstürme und lasse den antiken Komplex mit den Grundmauern der Basiliken, Tempeln, heißen Bädern und dem quadratischen Peristyl mit seinen Säulen auf mich einwirken. Hier könnte es wohl gewesen sein, dass er sein Toleranzedikt verfügte, die Christenverfolgung zu beenden und das Christentum zur erlaubten Religion anzuerkennen.



Ein letztes gutes Tröpfchen

Darüber debattieren wir dann später bei einem guten Wein im Hof von Jovan und Sasa Jović in Knjaževac. Da sitzen wir gemütlich an einem langen Tisch, verkosten die köstlichen Weine der beiden Ingenieure



Jovan Jović inmitten seiner Wein-Raritäten



und Hobbywinzer, während uns die Abendsonne ihre letzten Strahlen schickt und wir es nicht glauben können, dass unsere spannende Reise durch Ostserbien dem Ende entgegen geht. Darauf stößt die kleine Reisegruppe mit einem Gläschen Višnjica an, einem Cherry-Wein aus Sauerkirschen, deren Früchte am Baum erst fast ausgetrocknet geerntet werden.
Gerd Krauskopf



Weitere Informationen:

NATIONALE TOURISMUS ORGANISATION SERBIENS (NTOS)

Čika Ljubina 8,
11000 Belgrad,
Serbien
Telefon: 00381/11/6557134
E-Mail: office@serbia.travel ·
Web: www.serbien.travel · www.facebook.com/serbientourismus

IKARUS TOURS führt diese 11-tägige Serbien-Tour „Klöster & Kultur“ im kommenden Jahr ab 1890 € im Mai, Juni und September durch.
Telefon: 06174/29020
Web: www.ikarus.com



Serbien, so abwechslungsreich wie die Menschen.


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Kommentare

  • astrid

    Meine Güte - mitten in Europa und ich habe keinen der von Dir erwähnten Ortsnamen jemals gehört! Wie immer anschaulich zum Mitreisen geschrieben und mit eindrücklichen Fotos untermalt. Danke!
    LG, Astrid

  • RELDATS

    Ich kann mich da dem Kommentar von Astrid nur anschließen.
    Wirklich gelungener Bericht.
    Nette Grüße von Josef

  • reisefreudig

    Gratuliere, wieder ein echter "Krauskopf-Bericht", bestechender Stil im Text, garniert mit hervorragenden Bildern und jede Menge an -für viele von uns nicht bekannter - Information. Danke zur Einführung in ein - für mich - völlig unbekanntes Gebiet.
    lg Harald

  • Blula

    Ich erinnere mich noch sehr gut an eine lange zurückliegende Donauschiffsreise, die mich auch durch das Eiserne Tor führte. Ansonsten kenne ich leider gar nichts von Serbien. Danke für diesen wunderbaren Reisebericht und die Fotografien dazu.
    LG Ursula

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