Nemrut Dagi - Stumme Zeugen der Vergangenheit

Reisebericht

Nemrut Dagi - Stumme Zeugen der Vergangenheit

Reisebericht: Nemrut Dagi - Stumme Zeugen der Vergangenheit

Bei den Monumentalstatuen

Ein sehr außergewöhnliches Reiseziel , das derzeit leider nur schwer zugänglich ist, ist der beeindruckende Grabhügel auf dem Berg Nemrut. Ungefähr 85 km entfernt von Adiyaman nahe des Euphrat in der südöstlichen Türkei.
Das Grabmal des Königs von Kommagene, Antiochos I, am Nemrut Dagi (2150m) ist als künstlicher Gipfel des Berges durch eine Geröllaufschüttung entstanden die den Gipfel um 45 m erhöhte. Es stammt aus vorchristlicher Zeit und ist achäologisch noch nicht vollständig erschlossen. Knapp unterhalb des Hügels gibt es zwei große Plattformen mit Monumentalstatuen, die leider durch Erdbeben und Unwetter im Laufe der Zeit schwer beschädigt wurden. Die fast zwei Meter hohen Köpfe der steinernen Götter und Kultwesen liegen verstreut am Boden. Sie sind der Hauptanziehungspunkt der Anlage.
Als Ausgangspunkt wählt man am besten das Städtchen Kahta. Kleine Privatunternehmen organisieren eine Fahrt zum Gipfel und wir schließen uns an.
Abfahrt ist um 1 Uhr früh!!! Bald wissen wir warum. Ich weiß nicht ob es jetzt noch immer so ist, aber bis Ende der 80er Jahre war die Straße teilweise so schlecht. dass man oft nur im Schritttempo vorwärts kam. Stockfinster und eisig kalt – das Anatolische Hochland ist bekannt für extreme Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht.
Langsam gewinnen wir Höhenmeter um Höhenmeter. Nach einer gefühlten Ewigkeit sind wir gut durchgebeutelt am Ziel. Wir ahnen, dass wir die Ostplattform vor dem Grabhügel erreicht haben.
Eisiger Sturm, pechschwarze Nacht – mitten im Juli!



Sie kommt

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Im Licht der Milchstraße und einer Taschenlampe teilt der Taxifahrer heißen Tee aus der Thermokanne aus.
Wir machen es wie die wenigen anderen Mitfahrer und verkriechen uns windgeschützt hinter einem großen Felsbrocken (der sich später als ein riesiger Löwenkopf entpuppt) .
Wo ist jetzt eigentlich Osten, wo die Sonne aufgehen und uns ein einmaliges Naturschauspiel bieten soll? Oder kann man am Horizont doch schon ein bisschen Helligkeit erkennen?
Wir tasten uns ein Stück weiter um dann freie Sicht zu haben.



Es wird Tag



Die Schatten werden kürzer

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Doch allmählich beginnt sich der Himmel zu färben, erst messingfarbig, dann intensiv rosa. Die ersten Strahlen zeigen über den Himmel. Zugleich wird der Blick frei über die endlose Weite des Hochlandes und die unzähligen Bergspitzen glühen auf im ersten Sonnenlicht. Langsam, ganz langsam erreichen sie den Grabhügel und tauchen ihn in dunkles Rosa. Man vergisst auf Sturm und Kälte, steht und vergisst auch fast zu atmen. Doch die Sonnenstrahlen wandern weiter. Sie erreichen die riesigen Steinköpfe und geben ihnen für kurze Minuten ein wenig Leben. Und nun hat die Sonne auch uns erreicht. Man erkennt Relieftafeln und eingemeißelte Schriften. Alles ist in so unwirkliches Rosa getaucht, dass man es einfach nicht beschreiben kann....



Grabhügel des Antiochos I



Mit ein wenig Fantasie ahnt man die einstige Pracht.
Doch in wenigen Minuten ist das Schauspiel vorbei, die Temperatur steigt rasant, die Farben verblassen und der Wind schläft ein. Die riesigen Köpfe sind wieder leblose Monumente einer längst vergangen Zeit.
Ein kleiner Spaziergang zur Rückseite des Hügels bringt uns zur Westplattform. Auch da gab es einst die gleichen Darstellungen wie auf der Ostseite. Doch hier haben schwere Erdbeben wortwörtlich keinen Stein am anderen gelassen. Nur Fragmente belegen die Annahme, dass diese Front einst genau so wie die östliche Seite aufgebaut war. Wir steigen in den Minibus und nehmen ein paar Bilder und eine wunderbare Erinnerung mit auf den Weg.
UNESCO Weltkulturerbe seit 1987.



Nemrut Dagi Kommagene


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Kommentare

  • reisefreudig

    Da mich dieser Berg, diese Geschichte ebenso beeindruckt haben, möchte ich der 1. sein, der diesen so profunden Bericht bewertet.
    lg Harald

  • agezur

    @ Harald - herzlichen Dank. Obwohl schon einige Jährchen her, das Erlebnis dieses Sonnenaufgangs bleibt mir unvergesslich!
    LG Christina

  • Kappepaul

    Sehr schöner Bericht, Christina, und eine recht abenteuerlustige Exkursion dazu. Kompliment.
    LG Bernd

  • Blula

    Die wunderbare Erinnerung an diese Exkursion wird Dir immer bleiben, liebe Christina, und ich finde es ebenso wunderbar, dass Du hier ein großes Stück davon abgibst, uns also teilhaben lässt an diesem einmaligen Erlebnis. Danke für diesen so lebendig und spannend formulierten Bericht aus der Vergangenheit u n d die guten Aufnahmen dazu.
    LG Ursula

  • Pinky3

    Liebe Christina,
    wieder mal ein sehr interessanter Bericht der ohne viel "Schnörkel" zum wunderschönen Punkt kommt, Deine Beschreibung ist so authentisch geschrieben das ich den "rosa Himmel" vor mir sah :)) einfach klasse..........
    LG Gaby

  • mamaildi

    Diese Stätte alter Kultur ist ja mit Sicherheit zu jedem Zeitpunkt des Tages beeindruckend. Das aber im Sonnenaufgang erleben zu dürfen ist eine fantastische Erfahrung. Nicht nur das Licht, sondern die gesamte Situation der kommenden Sonne, des anbrechenden Tages, machen solche Momente unvergesslich und magisch. Diese Stunde wirst du nie vergessen - danke, dass wir teilhaben dürfen!
    LG Ildiko

  • agezur

    Ich danke allen, die mich noch einmal bei diesem herrlichen Sonnenaufgang begleitet haben. Ich freu mich über Eure Zustimmung!
    LG Christina

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  • yunnanfoto

    Mitreissend geschreiben, sehr schön bebildert, man ahnt was für ein Erlebnis das war. Ein beneidenswertes auf jeden Fall und man möchte spontan auch dort hin.
    Wie viele Spuren vergangener Kulturen unsere Erde doch bietet. Danke für´s Mitnehmen.
    LG, Herbert

  • joki-mau

    Ein schönes Erlebnis in "rosa", wenn ich Deinen Bericht lese fühle ich mich fast so, als wäre ich dabei gewesen. So muss es sein !!!
    LG Ingrid

  • agezur

    Noch einmal ein herzliches "Danke" an alle die sich von diesem Schauspiel ein bisschen haben verzaubern lassen!
    LG Christina

  • pleuro

    Das ist sicher auch eine der prägenden Erinnerungen, gerade bei diesem Licht, das einen ganz besonderen Zauber auf alles wirft. Danke, Christina!
    LG Anne

  • doubleegg

    Ein großartiger und ganz sicher unvergesslicher Ort - wunderschön fotografiert und hautnah beschrieben! Herzlichen Dank fürs Mitnehmen und Gratulation zu diesem Beitrag! LG Elke

  • vierfussler

    Mitreisender Bericht. Ich war Wort für Wort dabei. Klasse geschrieben
    LG Kurt F.

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  • Lana

    Du hast Dein Erlebnis sprachlich so gut wiedergegeben, dass ich völlig eintauchen konnte, als ob ich selbst dabeigewesen wäre! Vielen Dank! LG Brigitta

  • TomHa

    Hallo Christina, das sind die Momente, die man nur beim Reisen erleben kann. Die Sonne geht ja auch bei uns jeden Morgen auf, aber solch intensiven Erlebnisse erfährt man eben nicht alle tage. Tolle Bilder.
    VG
    Thomas

  • rita_schumann

    Das was und wie du es berichtet hast, habe ich ganz ähnlich empfunden. Danke für die Erinnerungen. LG Rita

  • therese

    Habe gerade Deinen Bericht entdeckt. Die Reise durch den Osten Anatoliens und besonders dieser Berg gehört zu meinen schönsten Reiseerlebnissen. Ich habe den Sonnenuntergang dort erlebt - einfach unvergesslich.
    Durch Deinen Reisebericht ist die Erinnerung wieder lebendig.
    LG Therese

  • biggipomm

    Da kommen Erinnerungen hoch.
    2001 bin ich mit meinem Mann mit dem Motorrad nach Indien gestartet. Ich hatte eine 650 BMW, mein Mann eine 1000er Paris-Dakar BMW. Hier haben wir ein paar Tage gezeltet.
    Vom großen Nemrut Dagi gings zum Kleinen am Vansee, später in den Iran.
    Leider wurden wir am 11.09.2001 im Südiran zur Umkehr gezwungen.

    Na Ja, schöne Erinnerungen :-)
    LG Birgit

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