Botswana - Wild Stories

Reisebericht

Botswana - Wild Stories

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Durststrecke



Herausforderung

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Jetzt haben wir die Löwen ganz für uns. Rundgefressen und ewig müde liegen sie im Schatten. Ein prächtiges Männchen, 3 schöne Weibchen, aber auch ein hungrige, klapperdürre Löwin, die immer noch am Kadaver herumnagt und scheinbar nicht mehr genug Nahrung aufnehmen kann. Später fahren wir ein paar Loops im Gelände, aus dem uns Horden von Elefanten entgegenkommen. Dann sehen wir die Büffel. Aberhunderte Tiere kommen uns plötzlich entgegen und wir wissen einfach nicht, ob wir stehen bleiben sollen oder ausweichen. Entscheiden uns zum Rückzug und beobachten den Treck aus sicherer Entfernung – ein grandioses Schauspiel.



Büffeldonner



Natürlich schaffen wir es nicht bis 11 Uhr zum Mababe South Gate. Es ist schon fast Abend und der nette Park Ranger, den wir hier schon zum 3. Mal treffen, stellt uns freundlich zur Rede. Wir verweisen auf die Tiere und dass man da nicht einfach weiterfahren kann, schließlich kommen wir extra derentwegen aus Deutschland. Da drückt er großherzig beide Augen zu und winkt uns ohne Gebühr durch. Als wir uns wenigstens mit einem Obolus für die Kaffeekasse bedanken wollen, nimmt er diesen widerstrebend und gibt ihn sofort an seine Kollegin weiter. Nein, wir wollten ihn bestimmt nicht kompromittieren, aber wir hatten nicht bedacht, dass es überall im Land Kampagnen gegen Korruption gibt und die Leute echt sensibilisiert sind. Blöd von uns.



Ein echter Dickkopf



Doch es bleibt nicht die größte Dummheit an diesem Tag. Der Weg zum angepeilten Camp am Moremi North Gate wird immer länger und die Sonne ist schon auf dem Nachhauseweg. Unruhig schrubben wir Kilometer um Kilometer auf sandiger Piste und dann auch noch ein Fluss. Auf der anderen Seite glauben wir eine Fahrspur zu entdecken und im schwindenden Abendlicht beschließen wir durchzufahren. Erinnert sich der Leser gerade an die gelernte Lektion? Zum Warten zu spät und zum Waten zu gefährlich wegen möglicher Krokodile – ohne Differenzialsperre, stetig Gas gebend fahren wir in den Fluss. Dann taucht der Wagen plötzlich vorne ab, das Wasser schwappt über die Windschutzscheibe und das Herz bleibt fast stehen. Noch ein paar Sekunden länger und der Motor wäre abgesoffen, aber wir schaffen es zitternd vor Aufregung bis auf die andere Seite.



Südliche Chobelandschaft



Am Khwai River

Aufatmen am Morgen

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Die Campsite ist nirgendwo zu finden und im nächsten Dorf meint eine Bewohnerin sogar, wir müssten durch den Fluss zurück fahren. NIEMALS! Unter unserem Motor hängt ein Abdeckblech lose herab und aus dem Kühler läuft Wasser. Das war’s jetzt mit dem Urlaub … In der Nähe gibt es ein menschenleeres Community Camp, wo wir es wenigstens halbwegs sicher abstellen können. Es ist schon dunkel und bald darauf kommen die Elefanten und walzen unseren Zaun nieder, reißen Äste ab und ziehen randalierend weiter durchs Dorf. Die Menschen in direkter Nähe der Moremi Wildlife Reserve leben mit diesen ständigen Zerstörungen und wir hoffen, dass sie wenigstens von den überteuerten Campgebühren entschädigt werden.



Kriegsschäden



Moremi Game Reserve

Totale Erleichterung als das Kühlwasser am nächsten Morgen doch noch drin ist, wir müssen nur dieses Blechteil festzurren und den platten Reifen wechseln, dann können wir weiter fahren. Pumpen die Reifen noch mal mit dem kleinen Kompressor auf, der beim Werkzeug liegt und fahren über die Knüppelbrücke nach Moremi. Unbedingt wollten wir in dieses Gebiet, natürlich war es seit Monaten ausgebucht. Aber man wird flexibler in Botswana und hält mittlerweile Notfallplätze bereit für solche wie uns. Diese sind nicht weniger groß oder teurer wie der reguläre Stellplatz, doch 890 Pula (ca. 80 EUR) sind auch irgendwie die Schmerzgrenze.



Resteverwerter



Dann erleben wir allerdings etwas, das sich mit Geld wirklich nicht bezahlen lässt und auf das wir seit Jahren hoffen: Wildhunde! Das Rudel liegt im Schatten einer Baumgruppe, ein paar Meter weiter machen sich Geier bereits über die Reste der Beute her. Ab und zu steht ein Hund auf und checkt die Umgebung oder vertreibt die Aasfresser, doch es kommen immer mehr. Bei offenem Fenster hören wir sie über uns heran rauschen und streiten, Weißrücken-, Kappen- und die riesigen Ohrengeier. Machen unzählige Bilder von den schönen Wild Dogs und können unser Glück kaum fassen.



Erfolgreich und satt



Nach anderthalb Stunden beschließen wir noch etwas weiter ins Gebiet vorzudringen und nehmen leider den falschen Weg. Ohne Vorwarnung endet er im Tiefsand und wir stecken bis zu den Achsen fest. Da keine Hilfe zu erwarten ist, versuchen wir es rückwärts mit Allrad, vorwärts mit untergelegtem Holz und packen sogar den Spezialwagenheber aus. Es hilft nichts. Die Achsen sitzen in der verfestigten Mitte des Weges auf und die Räder drehen durch. Ein kleiner Klappspaten ist alles was wir jetzt noch haben und Jörg gräbt ca. 3 Stunden auf dem Bauch im glühenden Sand liegend das Fahrzeug aus. Ich halte derweil Ausschau nach Löwen, Wildhunden, Hyänen und sonstigen potenziellen Gefahren, dann sind wir endlich wieder frei und wollen nur noch Wasser!



Hornrabenbande


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Kommentare

  • charbonnier

    Superinteressant, superschön geschrieben, supertolle Bilder!
    Vieles kam mir bekannt vor, aber gegenüber unserer Tour 2007 habt Ihr noch eine ganze Portion draufgelegt. Kudu Island hatten wir gestrichen, es hatte schon geregnet und uns wurde dringend von der Fahrt durch die Salzpfanne abgeraten. Und im Mokoro entspannt zurücklehnen, geht das? Keine Lehne, und der Tagesrucksack hat es auch nicht gebracht. Ich denke heute noch mit Schrecken an die Rückenschmerzen!
    Ansonsten, wir haben damals die ganze Tour ohne Reservierungen gemacht, und es hat immer geklappt. Vielleicht hat sich da über die Jahre was geändert. Jedenfalls, Dein Bericht hat richtig Lust auf "nochmal" gemacht - Danke!
    Herzliche Grüße - Ulrich

  • Lapalala

    Wunderschöne Bilder und Beschreibung, macht Spaß beim Lesen und Anschauen.
    In Gedanken und Erinnerung sind wir noch einmal mitgefahren. Also Danke fürs mitnehmen
    Grüße Irmtraud & Fred

  • kaiser

    Klasse war bestimmt ein tolles Erlebnis.
    Gruß Günter

  • Blula

    Liebe Elke, sollte ich jemals nach Botswana reisen, dann werde ich diesen erstklassigen Bericht ganz sicher vorher nochmals genau studieren u n d im Handgepäck mit mir führen. Großartig.... und die Fotografien sowieso! Ich bin begeistert !!!
    Das Lesen war ein Erlebnis erster Klasse! Vielen Dank !!
    LG Ursula

  • doubleegg

    Ich danke an dieser Stelle schon einmal ganz herzlich für das große Interesse und die zahlreichen Bewertungen und Kommentare auch zu den Bildern! Freut mich, dass diese klassische und schon oft beschriebene Reiseroute so viel Anklang findet. Jeder Botswanareisende macht seine eigenen Erfahrungen, doch Vorsicht und gute Vorbereitung sind nie verkehrt. Die Reservierungsbestimmungen wurden 2009 im Zuge der Privatisierung von Campsites verschärft und scheinen sich wieder zu lockern. Man sollte sich aber aktuell informieren bevor man sich auf so einen weiten Weg macht. Einen schönen Abend und Gutes Reisen euch allen! Elke

  • astrid

    Vielen Dank für's Mitnehmen auf diese aufregende Reise mit ebenso spannenden, witzigen und eindrucksvollen Fotos! LG Astrid

  • Weina

    ganz klar 5*
    perfekter Reisebericht nicht zu kurz aber auch nicht zu ausufernd. Dazu tolle Bilder die Lust auf mehr machen... hat Spaß gemacht ihn zu lesen...
    lg Weina

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  • Schili

    Toller Trip, tolle Fotos, toll zu lesen. Fertig. ;-)
    Gruß aus Köln.

  • Wilfried_S.

    Ich habe den Bericht samt den herrlichen Bildern in Etappen genossen und kann ihn ganz kurz und bündig beschreiben: BEEINDRUCKEND!
    lg Wilfried

  • Schalimara

    Ein wunderbarer und beeindruckender Reisebericht. Ich bewundere Euren Mut für diesen Alleingang.
    Danke fürs Mitnehmen :-)
    LG Schalimara

  • ursuvo

    Ein Reisebericht wie er sein soll - spannend, mitreissend und informativ! Habe ihn begeistert verschlungen!
    Viele Grüße - Ursula

  • trollbaby

    Was für eine abenteuerliche Reise! Und dann noch diese - wie immer - sensationellen Fotos! Liebe Elke, wie immer: ich bin begeistert!!!
    LG Susi

  • pleuro

    Liebe Elke,
    nicht nur die 5 Punkte verdient dieser Bericht, sondern auch die damit verbundene Wertung "großartig". Ich wollte ihn eigentlich in mehreren Etappen lesen, konnte aber irgendwann nicht mehr aufhören. Abenteuer und Spannung pur in einem hervorragenden Schreibstil, von den teilweise wunderschönen Fotos mal ganz abgesehen. Danke fürs Teilen!
    Liebe Grüße
    Anne

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  • frieden_schenker

    Hallo Elke,

    danke für den tollen Reisebericht und die schönen Bilder.
    Ihr seid ja kurz vor mir in Botswana gewesen. Vieles aus Deinem Reisebericht habe ich auch gesehen bzw. erlebt. In Nata Lodge waren wir auch. Einer aus unserer Reisegruppe hat sogar das (vermutlich) gleiche Chamäleon gesehen (ich habe mich geärgert, dass ich es nicht gesehen habe).
    Im Khma Rhino, Moremi und am Chobe und Vic Falls waren wir auch.
    Die Sache mit den vielen Veterinärzäunen hat mich auch gestört. Von der Vertreibung der San habe ich im Reiseführer gelesen.
    LG Eckart

  • Lana

    Hallo Elke, manchmal habe ich bei Deinem Reisebericht den Atem angehalten, so spannend hast Du geschrieben. Zusammen mit Deinen wunderbaren Bildern ist es ein erstklassiger Bericht geworden. Vielen Dank! LG Brigitta

  • Calao

    Wunderbar, spannend, fantastisch... nur schon das Lesen ist ein Genuss, danke!

  • brandriba

    Ciao Elke
    danke für den ausführlichen und tollen Reisebericht mit den schönen Bildern. Das südliche Afrika ist auch noch so ein Traumziel, bin auf Google Earth gleich Eure Route "nachgereist". Dein Schreibstil macht das Eintauchen in die mir unbekannte Welt so richtig "gsüffig"
    LG DAni

  • matulr

    Hallo Elke,
    durch Zufall stolperte ich erst heute über Deinen Bericht. Ich konnte nicht anders als ihn in einem Stück zu lesen. Mehr Kurzweil geht kaum noch in einem Reisebericht und die Bilder sind natürlich auch vom feinsten!
    Ich kenne grosse Teile der Gegend durch verschiedene Reisen in die Region. Als ich 1991 die Island Safari Lodge als "Basiscamp" für eine dreitägige Mokoro-Tour ins Delta nutzte, gab es noch (ausschliesslich!) traditionelle Mokoros. Zu traurig, dass auch hier nun das Plastikzeitalter anbrechen musste...
    LG ULI

  • Hatschpuppie

    Ein ganz toller Reisebericht, der meine Reise im Jahr 2005 wieder wachruft. Wunderbare Fotos, man kann gar nicht aufhören !!! Danke, Hatschpuppie

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  • doubleegg

    Ich sage noch einmal danke für euer Interesse und die wirklich netten Kommentare und Bewertungen! LG Elke

  • widix

    Was für ein spannender und toller Reisebericht, dazu diese fantastischen Bilder, vor allem die Tiere! Botswana steht schon lange auf meiner Wunschliste und jetzt habe ich, Dank Deines Berichts viel gesehen und erfahren. Danke schön fürs Mitreisen lassen.
    LG Sabine

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