Pellworm, eine Nordfrieseninsel unterhalb des Flutlevels in der Nordsee

Reisebericht

Pellworm, eine Nordfrieseninsel unterhalb des Flutlevels in der Nordsee

Reisebericht: Pellworm, eine Nordfrieseninsel unterhalb des Flutlevels in der Nordsee

Über den langen Deich geht die Fahrt vom Schleswig Holsteiner Festland auf die Insel Nordstrand. Der Himmel ist bedeckt und es stürmt, Im Autoradio kommen gerade die Nachrichten und die Wettervorhersage für die Küste. Es gibt eine Sturm- warnung für die Nordfriesischen Inseln.

„Windstärke sechs bis acht und in Böen elf“

„Windstärke sechs bis acht und in Böen elf“ hören wir in der Ansage. Fährt bei diesem Wetter die Fähre nach Pellworm, oder wird gewartet, bis sich das Wetter beruhigt hat? Es ist ja noch früh am Tag und die Fähre geht erst um 18.30 Uhr, vielleicht löst sich ja der Wetterknoten bis dahin von selbst auf. In der Zwischenzeit besuchen wir in dem kleinen Küstenort Norderhafen die Katholische Domkirche „Sancta Maria Margaretha von den Engeln und Sancta Theresia von Avila“, die von den Inselbe-wohnern schlicht „Nordstrander Dom“ genannt wird. Die kleine Backsteinkirche wurde 1662 als Pfarrkirche für die ins Land geholten katholischen, holländischen Deichbauer erbaut. Im Fundament des Domes werden die Reliquien der beiden Heiligen Namensgeberinnen, den Kirchenpatronen aufbewahrt. Heute ist der Dom auf Nordstrand Gemeindezentrum der „Alt Katholischen Kirche“ für das ganze Land Schleswig Holstein mit rund 550 Gemeindemitgliedern.
Der Wind legt sich langsam und wir sind jetzt sicher, dass die Fähre geht. Fünfunddreißig Minuten dauert die Überfahrt zur Insel Pellworm und außer ein Paar Insulanern mit dem Autokennzeichen NF für Nordfriesland ist als Fremder nur unser Suzuki mit seinem CHA--- Kennzeichen an Bord. Im Auf- enthaltsraum der Fähre kann man Bilder bestaunen, auf denen zu sehen ist, was der „Blanke Hans“, das ist der starke Nordseesturm, alles anrichten kann. Dutzende Male hatte die Insel bereits Land unter und weil der größte Teil der Fläche Pellworm’s einen Meter unterhalb der normalen Flutlinie liegt sind die Pellwormer bei jeder Sturmwarnung um ihre Sicherheit besorgt. Die Fähre legt am Tiefwas- ser Anleger an und von dort geht es über einen hohen Damm durch eine, gegen die Flut verschließ- bare Durchfahrt in das Zentrum der Insel. Im Hafen machen sich ein paar, der dort liegenden Krabben - kutter für die die Ausfahrt am anderen Morgen fertig. Der Hafenkiosk ist noch beleuchtet und auf dem Schild davor können wir lesen, das es noch Brote mit Nordseekrabben und Spiegelei gibt. Das ist nach unserem Geschmack und wir kehren ein.Natürlich fragen wir, ob die Krabben frisch sind und Helga die Frau hinter dem Tresen klärt uns auf:„Ja, wir haben noch frische Krabben von unserem Krabben Kutter Glieb, doch normalerweise ist die Krabbenfischerei in den Händen der Holländer, die alle Fänge bekommen. In Husum werden die Meerestierchen nach Größe vorsortiert und tief gefroren. Dann geht es ab nach Holland und mit dem Schiff weiter nach Marokko, dort werden sie, wegen der preiswerten und flinken marokkanischen Händen, von den Schalen gepult und danach wieder eingefroren. Mit einem anderen Schiff geht es zurück nach Holland um dort verpackt zu werden. Als frische Nordseekrabben kommen sie dann in die Kühlregale unserer Lebensmittelhändler“. Wir ge- nießen aber heute die Krabben, frisch vom Kutter..
Am nächsten Morgen werden wir durch lautes Blöken geweckt. Ein Blick aus dem rückwärtigen Fenster zeigt uns, das unser Ferienhaus an eine Schafskoppel mit einem riesigen Stall angrenzt. Es gibt jede Menge Lämmchen, die laut blökend freu- dige Bocksprünge machen. Nach dem Frühstück machen wir uns bei leichtem Nieselregen auf den Weg um auf den acht Meter hohen Deich zu klettern, der mit seinen 28 Km Länge die Insel wie ein Tellerrand einfasst. Von hier aus hat man einen tollen Blick über die grüne Insel. Die alten Gehöfte sind auf Warften gebaut oder stehen auf den die Insel durchziehenden Deichen. Wegen des ver- gangenen Sturms und dem Regen stehen große Teile der landwirtschaftlichen Flächen noch unter Wasser. In den Entwässerungsgräben sammelt sich dieses Wasser und fließt langsam in Richtung Hafen, wo es in einem großen Sammelbecken zusammen läuft. Jeweils zur Ebbe, beim tiefsten Wasserstand der Nordsee wird dann vom Hafen -meister die Schleuse geöffnet und das Regenwasser fließt ab in das Wattenmeer. Auf den Gang über den Deich treffen wir Torben, der hier mit einem Teil seiner 375 Schafe beschäftigt ist. Er erzählt uns: „Auf Pellworm leben 1200 Menschen und dreimal soviel Schafe. Die Schafe dienen hier draußen der Deichsicherung und trampeln mit Ihren Hufen die Deichkrone fest, außerdem verschließen sie so auch die Löcher der vielen Wühlmäuse“. Torben gibt uns noch ein paar Tipps für die Insel und ist schon wieder bei seinen Lämmern
Auf dem weiteren Rundgang über die Insel kommen wir am Runghold - Museum vorbei. Hier stellt Hellmut Bahnsen, ein Wattführer Fundstücke aus, die er bei seinen vielen Wattwanderungen um die Insel gefunden hat. Das kleine Museum hat nur auf, wenn gerade keine Wattwanderung anliegt. Wir haben Glück und treffen Hellmut an, er freut sich auf Besucher und nimmt sich die Zeit uns in einer kleinen Geschichtsstunde über die tausendjährige Vergangenheit der Insel aufzuklären. „Bis 1634 war Pellworm keine eigenständige Insel, sondern war über eine breite Landmasse mit Nordstrand verbun- den.“ fängt er seine Geschichte an. „Dann bei der als Manndränke in die Geschichte eingegangene große Sturmflut wurde Pellworm von Nordstrand getrennt und ist seither eine eigenständige Insel. In dieser Sturmflut ging auch die Stadt Runghold mit Mann und Maus unter.“ Im Laufe der Zeit hat Hellmut bei seinen Wattwanderungen immer wieder Stücke aus den untergegangenen Ortschaften gefunden und für sein Museum zusammengetragen. Mit seinen Fundstücken deckt er mittlerweile die Zeitspanne eines Jahrtausends ab. Beim Rundgang durch das kleine Museum erklärt uns der Hobby - sammler jedes einzelne Stück, wir finden altes Handwerkzeug, Knochen, Schmuckstücke und Ofenkacheln aus dem fünfzehnten Jahrhundert. In einer anderen Abteilung gibt es Tontöpfe, Fliesen, und Küchenutensilien, die sogar schon mehr als siebenhundert Jahre alt sind. Über jedes dieser Stücke gibt es eine eigene Geschichte und man merkt dem Erzähler an, dass er mit Haut und Haaren in seiner Sammlung steckt.
„Zum kleinen Mecki“ heißt eine kleine Inselkneipe, die mit dem folgenden Text im Gaststättenverzeich-niss der Insel steht: „Kleine Fischgerichte, eigene Herstellung, Bratkartoffel - frisch aus der Pfanne, gegessen wird in der Küche“ Das macht natürlich neugierig und wir beschließen dort einzukehren. Nach dem Öffnen der Eingangstür stehen wir tatsächlich in der Küche und die Wirtin ist gar nicht erschrocken. Sie ist wie sie uns später erzählt 79 Jahre alt und hat Jahrelang in der Gastronomie gearbeitet, sie kann einfach nicht aufhören und braucht die Leute um sich. „Wenn Ihr etwas spezielles essen wollt, dann mach ich das für euch, dauert nur etwas. Für mich hab ich Schwarzsaueres gekocht und dann sind auch noch ein paar Fisch -frikadellen fertig vielleicht probiert ihr das einfach. Wir sagen ja zum probieren und setzen uns an den Küchentisch. Es dauert nicht lange und es kommen frische Bratkartoffel und dazu die Fischfrikadellen. Eigentlich schon genug für uns zwei, aber dann kommt noch eine Schüssel mit Grießklößen, eine weitere mit
Schweineschwänzen, Nieren und Ripp- chen und dazu als Krönung, die schwarze Soße…„Das ist Schwarzsaures, ein typisches Gericht für Pellworm“ erklärt uns die Wirtin. Sie bringt dann noch unaufgefordert ein Bier und lässt uns in Ruhe essen. Mutig füllen wir uns den Teller mit Fleisch, Klößen und der schwarzer Blutsoße. Erkennen kann man jetzt nicht mehr was es ist, aber es schmeckt wie in Cham unser Kesselfleisch, eben nur schwarz und sauer. Wir schaffen alles und trinken dann als Abschluss noch einen Klaren. Nach dem Abräumen erklärt uns dann Emmi, „Ihr seid die Ersten, die sich an unser Schwarzsaures gewagt haben“ und nickt dazu anerkennend mit dem Kopf.
In den nächsten Tagen besichtigen wir noch die alte Kirche deren Grundstein 1095 gelegt wurde, den Leuchtturm aus dem Jahr 1907, die neue Kirche , die aber immerhin auch schon fünfhundert Jahre alt ist. Auf einer weiteren Tour, die Nordermühle von 1777, den kleinen Insel Ort Westertilli mit seinen alten Friesenhäusern und letztendlich noch Europas größtes kombiniertes Solar und Windkraftwerk, das von der (bayrischen) Eon betrieben wird Toll was die Insel Pellworm auf seinen 37 qkm alles zu bieten hat.
Am Abfahrtstag gibt es Sturm bis zur Orkanstärke, unsere Fährverbindung um neun Uhr ist gestrichen. Wir merken das aber erst als unvernüftigerweise über den von hohen Wellen überfluteten Deich zum Tiefwasseranleger fahren und keine Fähre da ist. Am Anleger gibt es auf einem Hügel ein Fährbüro und ein Cafe, hier warten wir bis zum Nachmittag um dann bei Ebbe und etwas weniger Sturm zur Insel zurück zu fahren. Das Fährschiff liegt jetzt im Hafen und bringt uns mit sechs Stunden Verspätung zurück zum Festland.







Nur mit Mühe gelang uns die Fahrt im Orkan...

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Kommentare

  • Pinky3

    Dein kurzer Bericht hat mir gut gefallen, erinnert er mich doch an unsere vielen Aufenthalte auf Wangerooge, dort waren wir mal in einem Januar komplett von der Außenwelt abgeschloßen und unsere Abreise verzögerte sich um 2 Tage, da bekamen wir dann, nach dem sich der Seenebel gelichtet hatte, einen Flug auf`s Festland.............
    LG Gaby

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