Mission Cotopaxi, Ecuador (5987m) - Der höchste aktive Vulkan der Welt

Reisebericht

Mission Cotopaxi, Ecuador (5987m) - Der höchste aktive Vulkan der Welt

Reisebericht: Mission Cotopaxi, Ecuador (5987m) - Der höchste aktive Vulkan der Welt

Der höchste aktive Vulkan der Welt befindet sich nur eineinhalb Stunden von Quito – der Cotopaxi mit 5897m Höhe. Für diese Herausforderunghabe ich mich für knapp 3 Tage von meinen Freunden und dem süssen Backpackerleben verabschiedet und mich in die Obhut meines Bergführers Eddie begeben, der mich trotz widriger Bedingungen zum Gipfel des Cotopaxi bringen wird.

Akklimatisierung im Parque Nacional Cotopaxi - Pasochoa (4200m)

Ich treffe Eddi, meinen erfahrenen und freundlichen Bergführer früh am Morgen in Machachi, knapp 50km von Quito entfernt direkt an der Panamericana. Sofort geht es in sein Büro um ein wenig Ausrüstung (leider v.a. die wasserdichten Teile) zu holen und auf zum Akklimatisierungshike auf den Pasochoa mit 4200m.

Leider war meine Verfassung schon einmal besser und ich habe große Mühe diesen vergleichsweise einfachen Berg zu bezwingen. Mit viel Geduld bringt mich Eddie zum Gipfel, wo wir uns leider die umliegenden Berge und Vulkane nicht bestaunen und uns nicht lange aufhalten können denn es hagelt mittlerweile und die Sicht ist wie meine Verfassung absolut miserabel. Hoffentlich kein Vorgeschmack auf den Cotopaxi.

Am Nachmittag geht es dann in mein Hotel in Machachi. Eine wunderschöne Hacienda in der mich die Hausherrin Rocio nach Strich und Faden verwöhnt und aufpeppelt.



Mission Cotopaxi - Die Nacht des Aufstiegs

Nach einer guten Nacht Schlaf ist der Tag der Tage gekommen: der Cotopaxi wartet auf mich. Nach dem ziemlich schwachen Akklimatisierungshike am Pasochoa steigt die Nervosität vor dem fast 6000m hohen Cotopaxi ziemlich in die Höhe als ich morgens gut erholt erwache.
Das Ganze wird nicht besser als mein Guide Eddie, dessen Onkel der uns begleiten wird und ich, in unserem Basiscamp am Fusse des Cotopaxi, dem Tombopaxi auf 3750m ankommen – es regnet wie aus Eimern und eine Gruppe Österreicher berichtet von Fast-Abstürzen und einer ziemlich hohen Abbruchrate.

Der Nachmittag im Basecamp wird zum Ausruhen, Anistee trinken und Hoffen auf bessere Bedingungen genutzt. Abendessen gibt es um 16 Uhr und um 17Uhr ist Bettzeit! Nachdem das Schlafen um solche Uhrzeiten für mich zusammen mit der Nervosität unmöglich ist, bin ich immer noch wach als der Wecker um 22 Uhr zum Aufbruch auf den Cotopaxi klingelt…

Nach einem kurzen “Frühstück” geht es auf zum Parkplatz auf 4600m am Fusse des Berges. Von da steigen wir um Mitternacht zusammen mit einer anderen Zweiergruppe auf zum derzeit in Renovierung befindlichen Refugio auf 4800m, wo wir auf noch eine weitere Truppe von zwei Touristen und ihrem Guide stoßen. Insgesamt versuchen in dieser verschneiten Nacht also ganze 8 Leute ihr Glück auf dem Cotopaxi.

Nachdem die Steigeisen, Helm, Sicherheitsgurt und Eispickel angelegt sind, geht es im Stockdunkeln und bei Schneefall auch direkt ziemlich steil rein in den Gletscher. Die erste Gruppe lassen wir recht schnell hinter uns, die anderen beiden, John ein Kanadier und sein Guide Sébastien, gehen streng vor. Das Gefühl stundenlang im Dunkeln durch Eis und Schnee aufzusteigen ist unbeschreiblich – schön, beruhigend und gleichzeitig ein wenig angsteinjagend. Wir passieren auch die ein oder andere Gletscherspalte und mit zunehmender Höhe wird die Luft immer knapper. Irgendwann passieren wir John und Sébastien, ersterer hat jetzt stark mit der Höhe zu kämpfen. Die andere Gruppe sollen wir nur noch beim Abstieg von Weitem sehen, sie haben auf ca. 5400m abgebrochen.

Auf den letzten 300 Höhenmetern stoße auch ich mehr und mehr an meine Grenzen. Die Beine sind unendlich schwer, der Kopf dröhnt und ich habe das Gefühl neben mir zu stehen bzw. zu gehen und wenn ich spreche frage ich mich wer das gerade gesagt hat! Der Schwefelgeruch der einem aus dem Krater bereits entgegenströmt, hilft auch nicht gerade. Aber Dank meinem Guide Eddie schaffen wir es um 6 Uhr morgens am Ziel, dem 5897m hohen Kraterrand des Cotopaxi, anzukommen. Ein einfach unbeschreibliches Gefühl!!! Die pure Erleichterung es geschafft zu haben lässt die Eiseskälte (-15Grad) und die schlechte Sicht bei Wind und Schnee vergessen.

Nach ein paar Gipfelfotos treten wir den Abstieg an. Im Morgengrauen erkennt man plötzlich die wahnsinnige Eislandschaft mit riesigen Eisplatten, Eiszapfen und noch mehr Gletscherspalten. Leider hat der viele Schnee auch dafür gesorgt, dass unsere Spuren vom Aufstieg komplett verweht sind und wir müssen auf Eddie vertrauen, dass er uns sicher durch die Eiswüste navigiert. Nicht nur einmal rutsche ich aus und hänge bei ihm im Seil – den Abstieg hatte ich mir leichter vorgestellt. Aber um 9 Uhr haben wir es heil wieder zurück zum Parkplatz geschafft und hieven unsere müden Körper in Eddies Truck. Eine ganze Nacht auf fast 6000m hochkraxeln ist und wird ein unvergessliches Erlebnis bleiben. Es gibt aber noch einen Berg in Ecuador der höher ist als Cotopaxi… Chimborazo, dich schaff ich auch noch ;)



Akklimatisierung Pasochoa - Gipfel (4200m)...


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Kommentare

  • astrid

    Herzlichen Glückwunsch! Sehr schön und eindrücklich geschrieben - danke für Deine Eindrücke. Gibt's auch Fotos??? LG Astrid

  • Anamcara

    Kompliment und wann ist der Chimborazo dran??
    Ich habe dort mal einen "Testspatziergang" gemacht,
    von einem Parkplatz aus bis auf die Edward Whymper Hütte (5000m).
    Extrem anstrengend.
    Uns käme zwei junge Berliner entgegen, die gerade locker, flockig auf dem Abstieg waren.
    Es ist mir ein Rätsel, wie man auf dieser Höhe so einen Aufstieg schaffen kann. Chapeau!

  • Anamcara

    ….ach ja, wäre natürlich auch sehr an Fotos interessiert!

  • Blula

    Bin ganz außer Atem..... puh!
    Ein tolles Leseerlebnis! Danke!
    LG Ursula

  • lautlachenundlos

    Lieben Dank für die netten Kommentare! Ich habe einige Bilder hochgeladen - leider hatte ich ja Pech mit dem Wetter. Aber trotzdem bekommt ihr einen Eindruck dieses unglaublichen Erlebnisses!

    Chimborazo und weitere Gipfel stehen auf dem Plan...ich plane eine viermonatige Reise durch Südamerika :)

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