Bangkoks Goldenes Kloster, Wat Suwannaram

Reisebericht

Bangkoks Goldenes Kloster, Wat Suwannaram

Reisebericht: Bangkoks Goldenes Kloster, Wat Suwannaram

Bangkok ist vielen bekannt, aber es gibt Ecken, die besucht niemand. Und gerade die lohnen sich, wenn man Thailand als kulturelles Ziel ansteuert. Was ja bei vielen leider nicht immer der Fall ist...ein Blick in den Goldenen Tempel jenseits des Chao Praya erschließt neue und interessante Welten...

Bangkoks Goldenes Kloster, Wat Suwannaram

Warum es zwanzig Jahre gedauert hat, bis ich endlich das Goldene Kloster besucht habe, ist wahrscheinlich ein bisschen meiner Faulheit zuzuschreiben, und öffentliche Verkehrsmittel sind auch nicht so unbedingt mein bevorzugtes Fortbewegungsmittel. Und kein Taxifahrer würde in Bangkok verstehen, wohin ich will. Da ich nun aber wieder einmal meinen Pass bei der Deutschen Botschaft abholen muss, übernachten wir in Bangkok und nutzen die Gelegenheit, nun endlich zur Tat zu schreiten. Wir haben zu Hause alles herausgesucht was nötig ist, das Kloster auch zu finden. Lukasz hat die Anlage schließlich am Ufer des Klong Noi gefunden, während ich es immer direkt am Ufer des Chao Praya selbst vermutet hatte. Ganz in der Nähe der königlichen Barken liegt das gesuchte Kleinod, also muss ich früher oft an dem Kloster vorbeigefahren sein, ohne mir bewusst zu sein, um welchen Schatz es sich handelt.


Nachdem ich also mein Dokument in Empfang genommen habe, gehen wir erst einmal in das im Dezember neu von mir entdeckte und getestete neue W Hotel, zur Sheraton - Familie gehörend und stärken uns an einem großartigen Frühstücksbuffet. Mit Blick auf die alte, gelb gestrichenen Villa, welche eines Tages das Luxusrestaurant des Hauses beherbergen wird, hört man im Hintergrund laute Musik und Lautsprechergedöns, Bangkok ist im selbst verschuldeten Ausnahmezustand, dem sogenannten „Bangkok shut down“, Tausende sind auf den Straßen und demonstrieren gegen die Regierung. Schon gestern Abend sind uns die vielen Menschen am Lumpini Park begegnet, während sonst die Straßen völlig leer waren, man demonstriert seit 2 Monaten gegen die Ministerpräsidentin. Alles friedlich bislang, T-Shirts mit der Aufschrift Bangkok shut – down sind im Angebot, wir verzichten.


Der Sky Train findet sich gleich neben dem Hotel und so nahmen wir mein Lieblingstransportmittel und fahren wie viele Male zuvor zur Thaksinbrücke um dort das Flussboot zu nehmen, die Expresslinie mit der orangen Flagge. Lukasz hatte herausgefunden, dass wir am Königspalast vorbei bis zum Siriraj Krankenhaus fahren müssen, mir war nicht bewusst, dass die orange Linie das Ufer von Thonburi überhaupt bedient. Ein kleiner Anleger, viele Menschen warten auf das Boot, unter anderem eine Gruppe in blau und weiß gekleideter Schulmädchen, die heute ausnahmsweise mal nicht am kichern sind. Die Straße führt gerade aus und ist von hunderten kleiner Garküchen gesäumt, welche die Studenten der Medizinischen Fakultät des Siriraj Krankenhauses, welches wiederum zur berühmten Mahidol Universität gehört, bedienen. Der Slogan der Universität lautet „Weisheit für das Land“, also genau das was Thailand im Moment dank der politischen Unruhen gut gebrauchen könnte, ein bisschen mehr Weisheit.


Aber man sollte in Thailand niemals über Tagespolitik sprechen und somit setzten wir die Suche nach unserem Kloster fort. Nach einer Weile bot sich die Gelegenheit, in einer Hauptstraße rechts abzubiegen und da wir wussten, das zwischen der Universität und dem Klong Noi die Eisenbahn verläuft, folgten wir dieser Richtung und sahen nach einer Weile tatsächlich den Schienenstrang. Wir folgten diesen und kamen zu einem kleinen und ungepflegten Bahnhof, wo wir die Schienen überquerten und über eine kleine Holzbrücke in ein sehr ursprüngliches Viertel gelangten. Wie in einem thailändischen Dorf hing überall Wäsche, kleine Schönheitssalons waren zu sehen, die kleinen Holzhäuser mühten sich mit Topfpflanzen ab an Stelle eines Gärtchens, kleine Hunde waren am kläffen und an einigen Häusern sah man die typischen kleinen Vogelkäfige vor der Tür hängen. Diese war das Thailand, was ich nach wie vor sehr schätze, so nahe am Herzen von Bangkok und doch so weit davon entfernt.


Unsere Recherche hatte ja ergeben, dass der Tempel knapp hinter dem Bahnhof lag und an den Ufern des Klong zu finden war, somit konnten wir nichts verkehrt machen und es dauerte nicht lange, und wir sahen die bekannten Dächer eines Thaitempels aufragen. Die schlangenähnlichen goldenen Hacken, Cho Fa, Himmelshacken genannt, beschützten wie überall im Lande den Tempel, eine weiße Mauer umschloss das Areal, der Eingang selber war eher im nördlichen Landesstil gehalten. Eine Tafel am Eingang informierte die seltenen Besucher darüber, dass hier der ursprüngliche königliche Bestattungsort der Rattanakosin Epoche lag. Dieses war auch für mich neu, hatte ich doch immer angenommen, dass alle thailändischen Monarchen der Chakri Dynastie im Wat Po (Abkürzung für Wat Phra Chettuphon Wimonmangkhlaram Ratchaworamahawihan, somit wird verständlich, warum man die Abkürzung bevorzugt) begraben liegen, da dieser älter ist als das eigentliche Bangkok selbst.


Die Tempelanlage des goldenen Klosters, Wat Suwannaram Ratchaworarihin, als solche ist ziemlich umfangreich. Voller Neugier und aufgeregt betraten wir den Tempel. Und ich war absolut überrascht, dieses war nicht der Tempel, den ich mir in meiner Vorstellung ausgemalt hatte. Was ich suchte war ein bekanntes Bild des Buddha, wie er in seiner Meditation von Mara, Herrn über alles Böse, gestört wird. Aber nichts dergleichen war hier zu sehen, nur die typischen Bilder üblicher, im thailändischen Dauerlächeln dargestellten Gottheiten überall an den Wänden. Da war auch ein riesiges Bild des Kosmos, so typisch für die Buddhistische Kunst des Landes. Der Mahameru, der buddhistische Olymp, und die vielen Inseln, Kontinente und Ozeane die ihn umgeben. Sehr schön gearbeitet und seltsam, mittendrin fand sich die dreifache Treppe in den Tushita Himmel, Buddha, fast schwebend und flankiert von den Göttern Shiva und Brahma, dieselbe hinuntersteigend, nachdem er seiner (toten) Mutter, den Göttern und Geistern seine Lehre verkündet hatte. Das Bild liegt etwas versteckt hinter der großen goldenen Buddhastatue, welche vermutlich noch aus Ayuthaya stammt. Die Szene als solche ist im Buddhismus von großer Bedeutung, denn die Hindugottheiten werden als Diener des Buddha dargestellt und somit wird die Überlegenheit des Buddhismus über den Hinduismus gezeigt, den der Buddhismus sich ja zu reformieren vorgenommen hatte. Aber wo war meine Darstellung der Maraszene?


Ein bisschen verwirrt wollte ich gerade die kleinen außerhalb gesehenen Seitenkapellen aufsuchen, aber es zeigte sich, dass dieses dann doch nicht nötig war. Kaum hatten wir uns dem Ausgang zugewandt, sahen wir, was ich gekommen war, zu sehen. Die ganze Eingangswand war mit meinem gesuchten Bild ausgefüllt.


Es gibt wohl keinen Haushalt in Thailand, der die Erdmutter, hier Torani genannt, nicht verehrt. Sie, welche die Erde vor der Zerstörung durch die Mächte des Bösen, des Mara, gerettet hatte, die älteste der Gottheiten, Mutter aller Mütter weit bevor die anderen Götter sich etablierten. Sie ist Uma, die Gemahlin Shivas, sie ist die Isis des Ostens und die Shakti (weibliche Energie der Gottheiten) Asiens. Sie wird in den Bäumen verehrt, in den Schlangenbauten, sie wird verehrt an den Flüssen und im Meer und an jedem Brunnen, sie ist der Born des Lebens. Sie, die vom Buddha angerufen wurde als Zeugin dafür, dass er den Einflüsterungen und Versprechungen Maras nicht nachgab während seiner Meditation. Als sie daraufhin erschien, wusch sie ihre Haare und flutete dadurch das Böse, wusch die Heere Maras hinweg mit jenen Wassermassen. Die Art, in welcher diese berühmte Szene gezeigt wird, ist manchmal tränen erweichend naiv und kitschig, aber die Einheimischen lieben diese Geschichte über alles. Man dankt der Torani indem man ihr die Wassermassen zurückgibt zum Südostasiatischen Neujahr, deswegen wird in Thailand und in Laos das sogenannte Wasserfest gefeiert (Sonkran, im April). Wenn nun aber jeder Thai und jeder Buddhist sowieso diese Geschichte kennt, was macht sie dann so speziell in diesem Kloster?


Nun, es geht um die Art, wie die Geschichte hier im Wat Suwannaram gezeigt wird. In Burma findet man Bilder von auf Tigern reitenden Dämonen, in Thailand werden in der Armee des Bösen oft teuflische Wesen und Yakshas, dämonenhafte Riesen gezeigt, wie man sie zum Beispiel aus dem Königspalast kennt. Was unseren Tempel so speziell erscheinen lässt (wenn auch nicht einmalig), das ist nun genau diese Truppe des Bösen. Auch hier sind gemischte Dämonen, Ungeheuer, aber eben auch, und hier kommen wir nun zu unserem Punkt, französische Adelige und/oder andere Ausländer. Ich hatte so etwas tatsächlich schon einmal auf hölzernen Wandtafeln gesehen, in einem sehr stark verwitterten Bild im Tempel von Lampang Luang in Nordthailand. Aber hier waren diese Ausländer ein großer Teil dieser Armee und es waren nicht etwa einfache Fußsoldaten sondern Marquis-gleiche Gestalten. Es dauerte eine Weile bis wir sie gefunden hatten, denn die Ausleuchtung des Tempels lässt etwas zu wünschen übrig, aber schließlich fanden wir den Grund unseres Kommens. Was aber war die Ursache, jene Menschen aus dem Westen als Böse darzustellen? Warum waren sie Teil der Armee des Mara und warum stritten sie nicht auf Seiten des Guten, des Erleuchteten, wenn sie denn überhaupt gezeigt wurden?


Schauen wir einmal auf die Zeit, in der dieser Tempel entstanden ist. Die Zerstörung der alten Hauptstadt Ayuthaya war noch nicht versessen (1767). Der erste König der neuen Zeit war ermordet worden (König Thaksin) und die neue Dynastie versuchte sich im Aufbau eines zweiten oder neuen Ayuthaya, Rattanakosin genannt. Rundherum versuchten Thailands Feinde, sich einige Provinzen des geschwächten Königreiches unter den Nagel zu reißen. Indochina war zwar noch nicht französisch, aber die Briten waren in Indien und hatten gerade Burma eine empfindliche Niederlage beigebracht (sehr zur Freude der Thai). Das Auftauchen der Franzosen in Südostasien musste von den souveränen Königreichen in Asien als Bedrohung empfunden werden. Somit wurden diese als Böse empfunden (und dargestellt). Und was mir dabei aufstößt, ist die Tatsache, dass sich dieses ja eigentlich nie geändert hat. Nicht das Thailand jemals Kolonie geworden ist, aber wir sollten nicht vergessen, das in späterer Zeit große Teile von Laos und Kambodscha an die Franzosen verloren gingen. Es gab schon seit der sogenannten siamesischen Revolution während der Krankheit von König Narai im Jahre 1688 wenig Sympathie für Ausländer im Allgemeinen. Damals mussten alle Ausländer (das sind in diesem Falle die Europäer) das Königreich verlassen und auch alle Missionare wurden des Landes verwiesen. Inder jedoch, und arabische Kaufleute hatten einen anderen Status. Sie werden ebenfalls im Tempel gezeigt, aber zu ihnen kommen wir später.


Heutzutage glaubt jeder, dass Ausländer in Thailand herzlich willkommen sind. Das mag sein, wie es will, ich glaube, dass vor allem eines sehr willkommen ist im Zusammenhang mit den sogenannten Farang (abgeleitet von Franzose), und das ist das Geld, welches durch jene der thailändischen Wirtschaft und vielen Menschen zu Gute kommt. Man schaut auf sie hinab, die meisten sind nicht gut gelitten und werden in keinster Weise respektiert (was teilweise mit der dort vertretenen Spezies von Ausländern zu tun haben mag, was ich gerne zugeben will), das thailändische Justizsystem behandelt Ausländer auf keinen Fall wie Einheimische, Preise für Ausländer sind höher als für Thais (Eintrittsgelder zum Beispiel). Um nun zum eigentlichen Thema zurückzufinden, sind also die Bilder in unserem Tempel nur eine Art und Weise, zu zeigen, wie die Thailänder Ausländer im Allgemeinen sehen. Als ein Böses, welches es zu vermeiden gilt. Und wie man auf unserer Marawand sehen kann, sind diese Ausländer von äußerster Eleganz, reiten edle Pferde, sind der Kleidung nach eindeutig Franzosen der Oberschicht. Es scheint, das die Angst vor der Franzoseninvasion und der Bekehrung der Einheimischen zu Katholiken ( auch in der Zeit des Königs Narai) die Thais zumindest in der Zeit des Tempelbaus noch verfolgt hat.


Nun hatte ich also gefunden, was ich hatte sehen wollen. Darüber nachdenkend, was ich oben beschrieben habe und langsam ruhiger werdend nach der ersten Aufregung schauten wir uns nach anderen Details um. Inder, gekleidet in der malerischen Hoftracht der Moguln, arabische Kaufleute mit Turbanen und wieder, dieses Mal rothaarige, Ausländer mit Gewehren fanden sich vor allem auf der östlichen Wand. Dieses zeigt, dass die Händler dieser Länder offenbar loyal zur Krone standen als Ayuhthaya gefallen war, vielleicht waren sie Überlebende der großen Niederlage der alten Hauptstadt und mussten sich wie alle anderen eine neue Bleibe suchen genau wie der Rest der Bevölkerung. Es hatte außerhalb der Mauern von Ayuthaya Ansiedlungen gegeben für Araber, Perser, Inder sowie japanische Kaufleute, Händler in Edelsteinen und anderen Luxusgütern, welche dem Hofe von Ayuthaya äußerst nützlich waren. Die Inder werden keinesfalls als Böse gezeigt an den Wänden, sie tragen sogar Waffen inmitten ihren thailändischen Kollegen, ertrinkende Arabern werden gezeigt, welche um ihr Leben kämpfen, nachdem ihre Schiffe im Sturm zerschlagen wurden. Dieses geschieht viel in den sogenannten Jakatageschichten (Vorleben des Buddhas) und passiert auch den thailändischen Prinzen (Sutthanu), so dass ich annehme, das diese nicht als überdurchschnittlich böse angesehen werden, sondern nur ihre gerechte buddhistische Strafe der begangenen Süden wegen bekommen.


Eine andere Gruppe, die wir weniger verstanden haben zeigt besagte rothaarige Ausländer, vermutlich Engländer oder Iren in einer Jagd- oder Belagerungsszene, zusammen mit Turban tragenden hell- und dunkelhäutigen Menschen, eventuell arabischen Händlern aus dem fernen Oman oder Sansibar Dieser Tempel hat tatsächlich alles, die normalen Buddhageschichten, das Verlassen seines königlichen Palastes (als Prinz Sitthartha, versteht sich), der erwähnte Besuch bei seiner Mutter im Himmel und viele Jakatageschichten, für deren Verständnis man einen Experten braucht. Ein faszinierender Ort, und einer der Momente, wo man wieder weiß, warum und weswegen man das Land trotz all seiner Unzulänglichkeiten immer noch mag. Dieses ist das Bangkok, welches nur wenige kennen, das Bangkok, weswegen es sich immer wieder herzukommen lohnt.


Unser Rückweg verlief ein bisschen anders, wir entschieden uns für eine Hauptstraße entlang alter Lagerhäuser, in denen Berge von Styroporschüsseln auf ihre Käufer warteten, jene Behälter, welche die Thais für ihre Schnellgerichte in den Garküchen so schätzen. Diese haben schon vor vielen Jahren die Bananenblattverpackungen abgelöst. Hierher scheinen also die vielen unzähligen Straßenküchen ihre Verpackungen zu beziehen. Viele junge Leute, ältere Mönche, Tuktuks am Pier auf Kunden wartend, wir waren wieder dort, wo wir angefangen hatten. Ein halber Tag gefüllt mit ganz besonderen Erlebnissen war wie im Fluge vergangen…


Bangkok hat noch viel mehr von diesen Plätzen. Aber man findet sie nicht leicht und es macht auch wenig Sinn, die alten Tempel alleine aufzusuchen ohne gewisse Vorkenntnisse oder ohne jemanden an der Seite, der sich auskennt und einem zeigt, was man auf Anhieb nicht selber sieht. Sollten sie also Pläne haben in Richtung Bangkok, überlegen Sie sich, ob Sie nicht lieber jemanden mitnehmen sollten. Kontaktieren Sie mich, ich helfe Ihnen gerne weiter auf Ihren Asienreisen. Anregungen und Appetit machende Bilder und Informationen finden Sie auf meinen Seiten der Galerie unter Südostasien.


(Bilder zum Tempel sind der englische Blogversion beim www.reisediwan.com eingefügt.)



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Kommentare

  • shootingstar

    Ein interessanter Bericht, der zeigt, wie intensiv du dich mit den Hintergründen der Geschichte und Religion beschäftigt hast. Gerne habe ich das gelesen, bis zum letzten Wort. Auch hat es mich auf deinen anderen Bericht aus Kalkutta aufmerksam gemacht. Ich verstehe nicht, wie man einen solchen Bericht mit 1 Punkt so abspeisen kann.
    VG Claudia

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