Sultanat Oman ::: Sand | Wüste | Wadis [Landschaftsfotografie]

Reisebericht

Sultanat Oman ::: Sand | Wüste | Wadis [Landschaftsfotografie]

Reisebericht: Sultanat Oman  :::  Sand | Wüste | Wadis [Landschaftsfotografie]

Eine fotografische Landschaftsexkursion durch den Süden des Sultanats Oman in die Rub' al Khali. Unterwegs im November 2013, mit Zeit und Geduld für das Landschaftsmotiv…

Dezember 2012 – auf dem Weg von Maskat am Arabischen Meer durch das Hadschar-Gebirge nähere ich mich das erste Mal dem „Leeren Viertel“ oder auf arabisch der „Rub‘ al Khali“ im Landesinneren des Sultanat Oman. Sie gilt als die größte Sandwüste auf der Erde. Wie sich herausstellt bin ich der Wüstenneuling unter den zehn Reisenden unserer Gruppe. Von Ibri kommend verlassen wir die Asphaltstraße und nähern uns über Pisten „den Sanden – al Rimal“. Abends am Lagerfeuer erzählen mir meine Mitreisenden von Sanddünen die mehrere hundert Meter hoch sind. Ich stelle mir vor, wie es sich wohl durch die Wüste reisen lässt mit nur einer Aufgabe, nämlich diese zu fotografieren. Die erwähnten Dünen würde ich am besten von Salalah, im Süden des Landes, aus erreichen.



Morgendämmerung in der Rub' al Kahli



Im November 2013 geht es erneut in das Sultanat. Ich bin der fotografische Leiter einer Fotoreise in die Rub‘ al Khali des Wüstenspezialisten Bedu Expeditonen in Haar bei München. Von München aus geht es über Maskat, nach Salalah im Süden des Landes. Auf dem Zwischenstopp in Maskat trifft sich unsere Fotogruppe und wir reisen das letzte Teilstück gemeinsam. Von Salalah aus wollen wir in die südliche „Rub‘ al Khali“ aufbrechen. Doch nach unserer Ankunft in den Beach Villas, unserem Hotel das seinem Namen alle Ehre macht, führt uns der erste Weg schnurstracks in den smaragdgrünen Ozean. Am nächsten Morgen begrüßen wir unsere beiden einheimischen Begleiter Musallem und Mohammed. Wir sprechen die Routendetails ein letztes Mal durch und wenige Minuten später ist unsere gesamte Ausrüstung sicher verstaut so dass wir uns auf den Weg machen können.

Von Salalah aus folgen wir der Küstenstraße nach Taqah. Von dort aus können wir Delphine beobachten, die an den Klippen vorbei ziehen. Auf der anderen Seite der Felsklippe zieht ein Schwarm Manta-Rochen unter uns vorbei, während ein Stück weiter eine große Meeresschildkröte in die Tiefe entschwindet.



An den Klippen von Taqah

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Unser nächster Stopp bringt uns zum alten Weihrauchhafen in Samaramm, bevor wir in Richtung Wadi Darbat zu unserer Mittagspause aufbrechen. Im Wadi Darbat weiden Kamele, Kühe ebenso wie Ziegen, Schafe und wilde Esel auf den ausgedörrten Wiesen. Zum Monsun im Juli und August blühen die Weiden auf und erstrahlen in einem saftigen Grün. Das schmale Gerinne, zu dem sich die Kamele hinab beugen, wächst in der Regenzeit an zu einem stattlichen Fluss an und führt die Wassermassen zur großen Felskante an welcher der „Monsun River Waterfall“ ins Tal hinab stürzt.



…im Wadi Darbat

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Auf unserem weiteren Weg überqueren wir das Jabal al Qara. Der Gebirgszug ist Teil des Dhofar-Gebirges, einem Gebirgsgürtel der Salalah vom Hinterland abschirmt und der Region den jährlichen Monsun beschert. Kurz nach dem wir den höchsten Punkt passiert haben biegen wir rechts auf eine Piste ab. Es ist der direkte Weg in die „Rocky Dessert“ wie es unsere arabischen Begleiter nennen. Wir passieren einen Militärposten der sicherstellt, dass sich keine ortsfremden Fahrer in der Weite der Schotterebene festfahren. Vor uns offenbart sich eine skurrile, abweisende Landschaft. Überrascht sind wir von dem Geruch der sich über die Weite legt. Die Schotterebene ist überzogen von Weihrauchbäumen, deren Duft sich mit dem leichten Wind ausbreitet. Den Abend verbringen wir am Lagerfeuer in gemütlicher Runde auf einer kleinen Kamelfarm.





Der farbenfrohe Sonnenaufgang verwandelt die „Rocky Dessert“ binnen Minuten in eine flimmernde Steinwüste, aus der sich vereinzelt freistehende Bergkuppen abheben. In der heißen Morgensonne ziehen nach und nach die Kamele der kleinen Farm auf die steinigen „Weiden“ hinaus. Im Anschluss an unser Frühstück verstauen wir unser Nachtlager und folgen gelegentlich auftauchenden Fahrzeugspuren nach Thumrayt. Hier lassen wir einen defekten Reifen flicken und durchstreifen den letzten „Hypermarket“ auf der Suche nach arabischen Leckereien. Auf der Route 31, die Salalah mit der Hauptstadt Maskat verbindet, verlassen wir die kleine Wüstenstadt. Hinter Ash Shist (auch unter der historischen Ortsbezeichnung "Ubar" bekannt, einem früheren Handelsplatz an der Weihrauchstraße) endet die Asphaltstraße und wir folgen der Piste, die uns in die große, sandige Weite führt.





Die große sandige Weite, das ist es was mich seit meinem ersten Besuch des Omans fasziniert. Während wir in der Mittagshitze über die Piste rollen, tauchen am Horizont die ersten Dünen der „Rub‘ al Khali“ auf. Sie flimmern, verschwimmen um anschließend noch größer vor uns erneut in den Himmel zu wachsen. Wir stoppen in den ersten Sandfeldern, laufen barfuß zu unserem „ersten Wüstenmotiv“.





Die Piste verliert sich mit den ersten Dünen – unser Abenteuer „wüste Landschaftsfotografie“ beginnt. Düne für Düne tauchen wir tiefer und tiefer ein in die Faszination Wüste. Wir nehmen uns alle Zeit der Welt für interessante Blickwinkel, warten auf das passende Licht, arbeiten uns an das Motiv heran. Mal fotografieren wir im Stehen, aus der Hocke, auf den Ellenbogen aufgestützt oder im Sand kniend. Das einzig was in diesem Augenblick zählt, ist das für uns perfekte Motive.



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Unsere Lagerplätze der kommenden Tage suchen wir anhand potentieller Motive oder von Landschaftskulissen aus. Noch vor der Abenddämmerung erklimmen wir eine Vordüne, arbeiten uns mühsam bis auf den „Dünengipfel“ hinauf. Im letzten Tageslicht erreichen wir mit „fetter Beute“ unseren Lagerplatz mit dem knisternden Lagerfeuer. Für die Nacht sucht sich jeder seinen ganz privaten Flecken Wüste aus. Wie abertausende glitzernde Diamanten leuchten die Sterne auf uns hinab. Da der Tag eines Landschaftsfotografen bekanntlich mit dem ersten Tageslicht beginnt, steigen wir nach und nach in der Morgendämmerung gegen 05:45 Uhr aus unseren Schlafsäcken und positionieren uns. Jetzt heißt es warten: auf die ersten Sonnenstrahlen, auf das Licht das den Schatten bringt. Im Anschluss an unser Morgenshooting freuen wir uns auf das Frühstück. In den kühleren Vormittagsstunden (ca. 23. °C, über den Tag steigt die Temperatur auf über 30 °C an) spazieren wir mit der Kamera und einer Wasserflasche in der Hosentasche durch die Dünentäler. Musallem und Mohammed positionieren die Landcrusier gut sichtbar auf den Anhöhen, damit wir uns an ihnen orientieren. Wenn möglich liegen unsere Lagerplätze immer erhöht. So ist es für unsere Begleiter, ein leichtes Kontakt mit der Zentrale in Salalah aufzunehmen um unsere aktuelle Position (GPS-Koordinaten) durchzugeben. Mit einer ausgedehnten Nachmittagspause umgehen wir das unfotogene Mittagslicht, bis wir uns am späten Nachmittag auf die Suche nach einem geeigneten Nachtlager mit perfektem Motiv begeben.





Unser letztes Lager richten wir auf einem Logenplatz, hoch über der Ebene ein. Der Dünenkamm hinter uns ragt ein- bis zweihundert Höhenmeter hinauf und spendet uns über den gesamten Abend einen warmen Rücken, während wir am Lagerfeuer liegend den Sternschnuppen nachschauen.





Der Weg aus der Wüste zurück nach Salalah führt uns erneut durch das „Dhofar Gebirge“. Wir folgen der Piste über Muday nach Hilal. Hier reiht sich ein Canyon an den anderen. Tief schneiden sich die ausgetrockneten Flusstäler in den felsigen Boden hinein. Dabei schlängelt sich die Piste an den Hangkanten bis zu einhundert Höhenmeter tief in die Wadis hinunter. Unser Weg führt uns über Serpentinen die Canyonwelt.





Die Küste erreichen wir bei Ajdarawt, ca. 900 Höhenmeter über dem Meer auf einer kleinen Aussichtkanzel. Zurück auf der Hauptstraße, folgen wir dieser einige Kilometern bevor wir rechts auf eine schmale Piste einbiegen. Diese zieht sich hinunter bis ans Meer, wo wir uns an einem Strand nahe Al Fazayah einen Übernachtungsplatz suchen. Der warme Ozean dient uns als willkommene Badewanne nach den vergangenen Wüstentagen.





Zurück in Salalah gönnen wir uns einen Ruhetag mit Kultur- und Strandprogramm. Auf dem Weg in den heimischen Winter legen wir einen Zwischenstopp in Maskat ein. Am Abend tauchen wir ab in das bunte Treiben auf dem Souq, schlendern durch die belebten Gassen, lassen uns beeindrucken von der Farbenpracht und den exotischen Düften an den kleinen Verkaufsständen. Auf dem Weg zum Flughafen stoppen wir ein letztes Mal, die Große Sultan Qaboos Moschee erwartet uns mit ihrem märchenhaften Flair aus tausendundeiner Nacht.





Im Laufe des Nachmittags checken wir am „Muscat International Airport“ ein und bereiten uns auf den siebenstündigen Flug nach Hause vor. Kaum sitze ich im Flieger, fallen mir die Augen zu. Während ich vor mich hindöse – erlebe ich gedanklich wieder die Eindrücke der vergangenen Tage: Sindbads einsame Küsten, Kamele die durch die Wüste ziehen, Stille die lediglich vom eigenen Herzschlag durchbrochen wird, den warmen Wind auf der Haut – den Sand unter Füssen, die atemberaubende Kuppel der Sultan Qaboos Moschee, all die vielfältigen Erlebnisse unserer fotografischen Landschaftsexkursion.


Wir, eine Gruppe von begeisterten Fotografen, ließen uns von großartigen Landschaftskulissen beeindrucken. Nutzen die Möglichkeit uns als Gemeinschaft den Motiven ohne Zeitdruck zu nähern. Die große sandige Weite, brachte uns neben atemberaubenden Fotomotiven auch Entschleunigung und Faszination für Körper, Geist und Seele…


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Kommentare

  • ursuvo

    dieser sehr anschaulich geschriebene Bericht hat mich am kalten grauen Morgen hier in die warme Wüste geführt. Hat mir sehr gut gefallen! und die gute Fotos dazu natürlich auch!!

  • ursi67

    Vielen Dank, habe mit deinem Bericht in Erinnerungen geschwelgt. Interessant geschrieben und die Foto's von der Wüste sind hammermässig, gefallen mir sehr gut ***********

  • Steffania

    Toller Bericht mit noch tolleren Bildern! Ich kann mir gut vorstellen, wie faszinierend die Wüste für Euch als Fotografen war...
    LG Steffi

  • mamaildi

    Klingt nach einer sehr entspannten Reise ohne den üblichen Zeitdruck. Noch wichtiger als die Aussicht aufs perfekte Motiv finde bei dieser Reise die Aussicht auf genügend Zeit. Zeit, sich einzulassen auf die Landschaften, die wechselnden Temperaturen, ...
    Das alles, gepaart mit deinen fantastischen Bildern, macht Lust auf den Oman!
    LG Ildiko

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