Faszination Nova Scotia

Reisebericht

Faszination Nova Scotia

Reisebericht: Faszination Nova Scotia

Faszination Nova Scotia

Lise, eine weißhaarige Lady, steht traurig an diesem Grabstein, der sich von den anderen, fast 200 Steinen der Titanic-Opfer, in seiner Form unterscheidet. Lange verweilt sie an dem Grab eines kleinen Jungen. Holt ein kleines Spielzeugauto aus ihrer Manteltasche, bückt sich mit



Das Grab vom kleinen Sidney...

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schmerzverzerrtem Gesicht. Stützt sich krampfhaft auf ihren Stock und legt das kleine rote Auto zu dem Teddybär und den anderen Spielsachen neben dem Grabstein des kleinen Sidney Leslie Goodwin. Endlich bricht sie ihr Schweigen und erzählt, dass es sie oft hier auf den Fairview Lawn Friedhof in Halifax zieht. Das rote Spielzeugauto hat sie von ihrem kleinen Enkel für Sidney Leslie bekommen. Sie zeigt auf den kleinen Stein, der nachträglich vor dem großen Grabstein im Boden mit dem Namen des anderthalbjährigen Jungen eingelassen ist und dessen braune Lederschühchen hier im Titanic-Museum ausgestellt sind. „Das kleine Würmchen,“ so erzählt Lise, „haben sie seinerzeit tot aus den eisigen Fluten des gesunkenen Luxusdampfers knapp 700 Meilen vor der Küste gezogen. Weil sie seinen Namen nicht kannten, haben die Rettungskapitäne ihm diesen Gedenkstein gespendet. Und vor etwa sechs Jahren haben sie den kleinen Leichnam exhumiert und über eine DNA-Analyse seinen Namen herausgefunden.

In einem solchen Moment ist der gestrige siebenstündige Flug von Frankfurt via Halifax in Ostkanada, Nova Scotia, in weite Ferne gerückt, schon steckt man selbst mitten in dieser tragischen Geschichte vom Untergang der Titanic.

Zwei Autostunden nördlich von Halifax entfernt ist die spektakuläre Kulisse mit 16,40 Meter Gezeitenwechsel Weltspitze. Da laufen über 100 Milliarden Tonnen Wasser aus der Bay of Fundy bei Flut langsam in den rotbraun gefärbten Shubenacadie River flussaufwärts. Jetzt



Nova Scotia, Rafting Tour am Shubenacadie



machen sich abenteuerlustige im Tidal Bore Rafting Park auf den Weg zu ihrem Schlauchboot und müssen aufpassen, dass sie nicht in dem rotbraunen Schlick ausrutschen und sich dabei mächtig einfärben. Alle schaffen es mit ein wenig Geschick, steigen in ihr fest aufgepumptes Schlauchboot und schon geht es los mit 60 Pferdestärken in Richtung Cobequid Bay, der Gezeitenwelle entgegen. Und als der Motor ausgestellt wird und man sich über die jetzt mit Wasser überspülten Sandbänke treiben lässt, da beginnt der Nervenkitzel. Tief taucht der Rumpf in die erste Welle, die zweite ist dann tückisch. Mit einem mächtigen Schlag, sind alle



Nova Scotia, Rafting Tour am Shubenacadie River.



bis über ihre Köpfe unter Wasser. Und jeder hat sich krampfhaft am Bootsseil fest gehalten, wie es den Teilnehmern bei der Einweisung eingeschärft wurde, dass er nicht heraus katapultiert wird. Und so geht der Ritt auf den meterhohen Wellen weiter, hinein in jedes Wellental und wieder hinauf auf den Kamm der Gezeitenwelle.



Nova Scotia, Teilnehmer der Shubenacadie River ...



Ein einzigartiges Phänomen hier in Nordamerika, strahlen alle Teilnehmer von jung bis alt bei der Rückkehr nach der zweistündigen Abenteuertour, entledigen sich ihrer entliehenen Gummianzüge und genießen nach der Dusche im Schatten alter Bäume im Liegesessel den strahlenden Sommertag, während ihnen eine leichte Brise um die Nase weht.

Wer nicht nur an der weitläufigen Cobequid Bay faulenzen möchte, kann sich auch gut drei Autostunden Richtung Westen in der Nähe von Wolfville in Grand Pré davon überzeugen, dass



Nova Scotia, Cobequid Bay, Winzer Hanspeter Stutz



hier ein Schweizer mit viel Mut und Fleiß neue Qualitätsstandards für Weine eingeführt hat. 1998 ist Hanspeter Stutz vom schweizerischen Grabs hier hin ausgewandert und betreibt heute erfolgreich eine Weinkellerei mit dazugehörigem Restaurant. Und wie er seinen Gästen seinen Muscat Eiswein ausschenkt, da sagt er mit Stolz, dass er für diesen köstlichen Tropfen die prestigeträchtige Auszeichnung „Wein des Jahres“ von der bedeutendsten kanadischen Weinprämierung erhalten hat.

Zum Wein gehört hier in Neuschottland unbedingt frischer Hummer. Nicht weit von Wolfville



Nova Scotia, Hall’s Harbour.



entfernt, im kleinen Hafen von Hall’s Harbour, reicht Luke Taylor gerade seine Kisten mit den frisch gefangenen Hummern an seine Restaurantbesitzer von seinem Kutter weiter. Sein 4 Jahre altes Töchterchen Lexus präsentiert den staunenden Touristen derweil stolz einen



Nova Scotia, Hall’s Harbour, Hummer



ausgewachsenen Hummer. „Wenn hier ein Fischer zu kleine Hummer nicht wieder aus den Räusen in die Freiheit entlässt und dabei erwischt wird,“ erzählt Luke mit ernster Mine, „verliert er Haus und Hof dabei.“ Nebenan im Fischrestaurant kommen die exotischen Schalentiere dann gleich liebevoll zubereitet auf den Tisch.



n der Bay of Fundy leben fast alle vom Hummerfang. Da tummeln sich aber auch mächtige Glattwale, nach denen Tom Goodwin fast am Ende der Spitze von Long Island in Tiverton an diesem nebeligen Tag vergeblich mit seinen Gästen von seinem Boot aus Ausschau hält. Wurden sie doch Mitte des 19. Jahrhunderts fast bis zur Ausrottung gejagt, hat sich heute ihre Population wieder erholt. „Walfrauen treiben es zur Paarungszeit meist mit mehreren Partnern,“ merkt Tom lächelnd an. Dabei hat er noch vor kurzem 40 dieser Riesensäuger von seinem Boot aus gesehen.

Landschaft im Breitwandformat auf dem Rückweg nach Halifax: Im Kejimkujik Nationalpark mit riesigem Radwegenetz und einem wahren Eldorado für alle Wassersportler sorgt eine Kajakfahrt für Abwechselung. In Lunenburg, das 1995 zum Weltkulturerbe von der UNESCO



Nova Scotia, Lunenburg



geadelt wurde, entwickelt sich zielloses Flanieren inmitten alter romantisch bunter Holzhäuser schnell zur Genusstour durch Cafés und Restaurants – mit ausgezeichneter Küche in angenehmem Ambiente mit Hafenblick.

Üppige Wälder allerorts und menschenleere Buchten auf der Fahrt in Richtung zur Hauptstadt Halifax. Der bekannteste Leuchtturm Kanadas, Peggy’s Point, im kleinen malerischen Fischerörtchen Peggy’s Cove an der St. Margarets Bay, empfängt seine Gäste im dichten Nebel.



Nova Scotia, Peggy’s Point



Es ist zwar Dudelsackmusik zu hören, aber niemand zu sehen. Und dann steht er in einer Vertiefung inmitten der abgeschliffenen Granitplatten. Wie sein Instrument den letzten Ton von sich gibt, stellt er sich als George Coombes vor, der nur 10 Gehminuten von hier wohnt. „Im Sommer verdiene ich mir hier ein Zubrot und im Winter, wenn alle Hausbesitzer und Firmen hier Arbeiten Vergeben, arbeite ich als Schreiner im Innenausbau,“ sagt der freundliche Mann in seinem Schottenrock und bläst wieder lang anhaltend in sein Anblasrohr.



Nova Scotia, Halifax



Halifax selbst empfängt ihre Gäste inmitten von glitzernden Hochhäusern im Zentrum an nordamerikanisch üblichen Straßen nach Rastersystem. Dabei gibt’sLifemusik in quirligen



Nova Scotia, Halifax



Kneipen, trendige Restaurants und eine Hafenmole, auf der Touristen, Studenten und Müßiggänger die schönen Sommertage genießen. Bei diesem multikulturellen Feeling wird wohl kaum jemand an die vielen Opfer des 1912 gesunkenen Luxusdampfers „Titanic“ denken, deren heimische Seemänner damals von hier aus am nächsten an der Unglücksstelle waren.

Gerd Krauskopf



Infos

zu Faszination Nova Scotia



Nova Scotia, Royal Nova Scotia International Ta...



Informationsmaterial:

kann bei Nova Scotia Tourism, Schwarzbachstrasse 32, 40822 Mettmann, kostenfrei bestellt werden.

Telefonisch unter 02104-797454,

per email: novascotia@travelmarketing.de

Homepage: www.novascotia.co

Schnellste Flugverbindung
nach Nordamerika mit Condor ab FRA – nur 6-7 Stunden Flugzeit nonstop nach Halifax, bis zu vier Mal die Woche

Saison
ist von Mai bis Oktober, wobei Juli bis September die Hauptreisezeiten sind. Sehr schöner und farbenfroher Indian Summer, in der Regel ab Ende September



Nova Scotia, Straßenarbeiterin


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Kommentare

  • astrid

    Wieder so ein Sehnsuchtsbericht der mein Fernweh weckt - und just in diesem Moment sehe ich 40-50 Kraniche in Formation am Himmel fliegen.
    Die Rafting-Tour hast Du Dir aber trockenen Fußes von Land aus angesehen - oder?
    LG Astrid

  • Blula

    Ein sehr guter auch ein besonders informativer Bericht. Ich, die ich, nebenbei bemerkt, noch nie in Schottland war, sage herzlich DANKE.
    Viele Grüße! Ursula

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