Georgenburg - "Das große Gestüt mit großem Namen"

Reisebericht

Georgenburg - "Das große Gestüt mit großem Namen"

Reisebericht: Georgenburg - "Das große Gestüt mit großem Namen"

Georgenburg ist vielen Lesern als „Wiesenburg“ aus dem Roman „Barrings“ von William v. Simpson bekannt. Das war eine Kopie des damaligen Gutes Georgenburg, bis die Einzelheiten. Aber die Pferdefreunde kennen Georgenburg als das bedeutendste Landgestüt Ostpreußens, wo bis Ende des zweiten Weltkrieges eines der hervorragendsten Wahrzeichen Ostpreußens gezüchtet wurde. Heute wie früher widmen sich die Menschen der Zucht von den noblen Pferden auf dem Gestüt Georgenburg, das bei Tschernjachowsk (ehem. Insterburg) in der russischen Exklave Kaliningrad (ehem. Ostpreußen) liegt.

Schloss Georgenburg (entst. um 1350 bis 1380)



Georgenburg entstand 1377 in unmittelbarer Nähe von Insterburg- heutiger Tschernjachowsk - als Sitz des Bischofs vom Samland und erhielt seinen Namen zu Ehren des Heiligen Georgs. Schon damals züchtete man hier die Pferde und dazu gehörte eine Stuterei in der Ordenszeit. Im Laufe der Zeit wechselten die Besitzer des Gutes häufig, bis es 1827 der schottische Lord Johann Wilhelm Simpson erwarb, der hier begann die hellbraunen Halbblüter mit den schwarzen Beinen, eine Kreuzung der heimischen Pferde mit den englischen Vollblütern, zu züchten. Durch die Erfolge in den Turnieren machten sich die Georgenburgen Pferde einen guten Namen. 1890 wurden sie ins Stutbuch für Warmblut-Trakehner-Abstammung eingetragen und seither sind sie berechtigt, das Brandzeichen der Trakehner – die doppelte Elchschaufel - zu tragen. Als sich 1899 der letzte, schwerkranke Besitzer von Georgenburg, George v. Simpson, entschloss, den gesamten Besitz zu verkaufen und die Zucht aufzulösen, kaufte der Staat das Gestüt Georgenburg für drei Millionen Mark. Somit erhielt das preußische Landgestüt Insterburg, das zunächst vom Hauptgestüt Trakehnen aus verwaltet wurde, 225 Hengste und 1750 Remonten. Das Gestüt siedelte nach Georgenburg über und nahm damit auch jenen wohlklingenden Name an. Anfang des 20. Jahrhunderts war die Georgenburg bereits eine ausgezeichnete Pferdezuchtstätte. Zu dieser Zeit hatte das Gestüt eine eigene Wasserleitung; Höfer, Ställe und die Speisegaststätte wurden mit Benzingas beleuchtet. Ein prächtiger Park mit ausgezeichneten Beeten, mit zwei Teichen und Fontänen beeindruckte jeden, der bei einem Besuch auf dem Gestüt Georgenburg war.



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Dann kam der zweite Weltkrieg. 1944 standen hier noch 310 ostpreußische Warmbluthengste mit Trakehner Abstammung und 130 rheinisch-deutsche Kaltbluthengste. Nur wenige von ihnen überlebten eine der tragischsten und härtesten Flucht aus Ostpreußen am Ende des Zweiten Weltkrieges. Ostpreußen gibt es nicht mehr, das Hauptgestüt Trakehnen gibt es auch nicht.
Insterburg wird in Tschernjachowsk umbenannt, Georgenburg in Majowka. Als 2000 Anatolij Oruschew, der russische Ölhändler und Pferdefreund, das Gestüt in Majowka kaufte, wurde mit der Zucht der edlen Pferde hier wieder angefangen. Das Gestüt selbst gewann 2002 seinen historischen Name „Georgenburg“ zurück



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„Als ich nach Absolvierung der Moskauer Skrjabin-Veterinär-Akademie auf Georgenburg eintraf, lag das Gestüt in Trümmern“, erzählt die Gestütsdirektorin Frau Tarasowa, streichelnd liebevoll die Hälse der Pferde. „Die Stallungen, die sich in einem miserablen Zustand befanden, fassten etwa 300 verschiedenrassige Pferde mit Makeln und Mängeln; die Tiere waren meist sehr alt.“ Von der Zeit an ist ihr größtes Anliegen, das Gestüt Georgenburg und seine Pferde wieder bekannt zu machen.



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Ihr Handy klingelt. Die Pferde spitzen die Ohren, stehen eine Weile still und grasen dann weiter. Wir gehen durch die Gestütsanlage. Heute erstrahlt das Gestüt Georgenburg nach den langjährigen Renovierungs- und Umbauarbeiten in neuem Glanz. Seine hellen und gut belüfteten Stallungen beherbergen 180 Pferde. Auf dem Hof befinden sich zwei Reitbahnen, zwei Reithallen, einen Springplatz. Es gibt auch einen überdachten, beleuchteten Wasch- und Putzplatz und ein Solarium. „Nun können wir uns ganz auf Zucht, Ausbildung und Vermarktung der Pferde konzentrieren“, meint Frau Tarasowa, solange wir die Gestütanlagen begutachten. Die Dreijährigen bekommen im Gestüt eine solide einjährige Ausbildung im Reiten und absolvieren auch die Hengstleistungsprüfung. „Ein großes Augenmerk richten die Experte aus dem Institut Konevodstwa, die erfahrenen Veterinäre und die bekannten Reiter auf Gangvermögen, Rittigkeit und Interieur“, spricht Frau Tarasowa weiter. Die unbekannten Rufnamen ihrer Pferde interessieren leider die westlichen Reiter und Ausbildern wohl nicht. „Deshalb sollten wir den Turnieren unsere Aufmerksamkeit zuwenden“, sagt Julia Tarasowa, als wir an dem Springplatz vorbeigehen. In dieser Zeit erleben die Reiterinnen und Reiter das sprichwörtliche Glück auf dem Rücken der Pferde. Wir möchten es miterleben, aber die ausgewöhnlichen Reste des alten Schlosses, die hinter den neuen Gebäuden des Gestütes hochragen, schlagen uns in ihren Bann. Wir stehen auf der weltbekannten historischen ostpreußischen Erde. Der Hof ist mit Gras zugewachsen. Von den alten Pferdeställen aus dem 18. Jahrhundert stehen nur noch die Wände. Die glaslosen, leeren Fenster des Schlosses stimmen uns traurig. Zwischen den Ruinen tragen die alten Apfelbäume noch. Wir haben probiert, ihre Äpfel schmecken ausgezeichnet.



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Kommentare

  • Blula

    Ich verstehe zwar nicht so viel von Pferden, trotzdem hat mich dieser Bericht sehr intersessiert, wohl auch, weil nämlich meine Großeltern aus Ostpreußen, aus der Gegend von Insterburg, stammten.
    Die wunderschönen Fotografien, mit denen Du Deinen Bericht ausgestattet hast, gefallen mir sehr.
    Vielen Dank.
    LG Ursula

  • natalia231957 (RP)

    Vielen Dank für die schönen Worten!

  • natalia231957 (RP)

    Ja, es ist die traurige Geschichte der deutschen Trakehner-Pferde. Darüber gibt es einige Bücher, ohne Tränen kann man zwar lesen.

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