VENEDIG - auf verborgenen und romantischen Spuren

Reisebericht

VENEDIG - auf verborgenen und romantischen Spuren

Reisebericht: VENEDIG - auf verborgenen und romantischen Spuren

Trotz Massentourismus und Überflutungen von Touristen aus den Kreuzfahrtschiffen, es gibt es doch noch das verträumte und romantische sowie faszinierende Venedig. Wieder einmal bin ich in den Traum und in das Labyrinth der Gassen und Kanäle von Venedig eingetaucht...

Venedig

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Geht Venedig unter ?

Was ist nicht schon alles über Venedig gesagt und geschrieben worden ! Eine Stadt, deren Untergang vorausgesagt und beschlossene Sache war. Gerade in jüngster Zeit wird wieder von der Schönheit gesprochen, die dem Sterben geweiht ist (SPIEGEL, 37/2013, http://video.spiegel.de/flash/1294409_1024x576_H264_HQ.mp4) oder vom Venedig, das von den Touristenmassen überflutet und erstickt wird (Dokumentarfilm von Andreas Pichler “Das Venedig-Prinzip”).
Alles stimmt, aber auch irgendwie wieder nicht, denn Venedig hat 1438 trotz 70.000 Toten die große Pest überlebt und erträgt auch jetzt die bis zu 100.000 Tagesbesucher. Allerdings nagt im Verborgenen, zum Schrecken für die Immobilienmakler und Wissenschaftler, deutlich sichtbar, der Wellenschlag der motorisierten Boote an den jahrhundertealten Mauern und Pfählen und droht sie zu zerstören.
Auch entwickeln sich angesichts der aus den Kreuzfahrtschiffen quellenden Stunden-Tourismusmassen, immer mehr hässliche Dinge, die an dem einmalig schönen Bild der Serenissima zerren. So wird wohl meine geliebte Traditionsgaststätte und bucaro Cantina do Mori jetzt langsam leider auch zur Touristenfalle, wenn sie auf einmal ein winziges Käsehäppchen sündhaft teuer verkauft (enspricht einem Kilopreis von ca. 300.- Euro!) und sich dann zum Servieren noch extra den Teller für 30 Cent bezahlen lässt oder wenn für die Tasse Cappuccino im berühmten Café Florian auf dem Markusplatz für 9.- Euro plus 6.- Euro Musikzuschlag, dann am Ende summasumarum 15.- Euro abkassiert werden. Dazu überschwemmen chinesische Billigprodukte die Einkaufsstraßen und traditionelle Kunst wird auf der altehrwürdigen Rialtobrücke zum Ramsch- und Kitschprodukt.



Kreuzfahrtschiffe Venedig

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Träume in Venedig !

Was soll ich aber sagen, wenn mich, wie viele andere auch, schon seit langem die Venedigsehnsucht gepackt hat und ich wie der frz. Schriftsteller Suares empfinde, der 1893 formulierte: Man fliegt auf Venedig zu wie zu einem Liebesstelldichein. (...) Man träumt von Venedig, bevor man da ist. Und ohne es zu wissen, ganz plötzlich, ist man da im Traume.”

Wie ein Traum wandle ich auch tatsächlich bei meinen Reisen nach Venedig und suche mit genauem Gespür die Schönheiten und Besonderheiten dieser Stadt, die dem nur Disneyland-Stimmung suchenden Massentouristen verborgen bleiben. Dem reicht das “Einmal in Venedig” mit einem Blick auf die Seufzerbrücke und den Markusplatz und dann sucht er das Weite. Was findet aber derjenige, der sofort von den ausgetretenen Routen des Massentourismus abbiegt?

Es ist der unvergleichliche Zauber, die Farben, die Gerüche, die Luft und vor allen Dingen das Leben, die Langsamkeit einer Stadt mit und auf dem Wasser, das Morbide hinter dem man den alten Glanz ehemaliger kultureller Hochzeiten erahnt, wo Venedig zum europäischen ja Weltmittelpunkt künstlerischen Schaffens und gesellschaftlichen Lebens wurde. Während auf dem Markusplatz die Reisegruppen sich in den Massen kaum wiederfinden, verlieren sich immer weniger Menschen in den weiter weg liegenden Straßen und Gassen, die zu den sehenswerten Höhepunkten venezianischer Kulturgeschichte und zu den vielen kleinen Geheimnnissen Venedigs führen.



Gondelfahren in Venedig



Duetti d'Amore

Welch ein Geschenk ist es, wenn man bei kostenlosem Eintritt in die Chiesa San Salvador (www.chiesasansalvador.it) in Ruhe eintritt und dann feststellen kann, dass hier unbeachtet Bilder von großen Meister Tizian hängen, die einzigartig sind und soviel von der Geschichte Venedigs und Kunstgeschichte erzählen.
Fast verborgen liegen hier Dogen, die Geschichte gemacht und hier ihren ewig Ruheplatz gefunden haben. Mit Glück höre ich auch hier die Orgel mit ihren schönen Tönen, da engagierte Menschen (www.vcbm.it) zum kostenlosen Orgel-Rundkonzert in 4 verschiedenen Kirchen eingeladen haben.
Gerne befolge ich diesmal den Tipp der kompetenten und sympathischen Venedigreiseführerin Dr. Susanne Kunz-Saponaro (www.stadtfuehrungen-venedig.de) und mache es mir zur Gewohnheit stets in am Wege liegende, “unbekannte” Kirchen einzutreten und bin jedesmal fasziniert.

Eine besondere Betrachtungsweise von Venedig eröffnet auch Elke Heidenreich mit den Hinweisen in ihrem Buch “Die schöne Stille - Venedig Stadt der Musik”. Sie zitiert auch den frz. Schriftsteller Suarès: Dies ist der tiefe Charme von Venedig: man bringt hier seine Melancholie in einen festlichen Ort; man opfert seine Traurigkeit in die Arme einer trunkenen Königin, die sie annimmt.”

Es muss nicht der teure, aber dennoch empfehlenswerte, Besuch in der Oper Fenice (www.teatrolafenice.it) sein, ein Konzert in verschiedenen Räumen eines altehrwürdigen Palazzos mit “Duetti d’Amore”, einem Duett von Liebesliedern, die zuletzt im Schlafzimmer gesungen wurden, gibt eine Ahnung von tollen musikalischen privaten und öffentlichen Auftritten im musikverliebten Venedig (www.musicapalazzo.com). Die außergewöhnliche Vielfalt von Musikinstrumenten kann man im Museo della Musica in der Chiesa San Maurizio bestaunen.
Ein Muss in Venedig ist der Besuch der Scuola Grande di San Rocco (www.scuolagrandesanrocco.it), der die Potenz venezianischer wirtschaftlicher Macht und künstlerischen Schaffens besonders eindrucksvoll verdeutlicht.
Besonders beeindruckte die zeitgenössische Kunst des Malers Gianfranco Missiaja in seinem kleinen Laden im Stadtteil Castello (www.scholasanzaccaria.it), der charakteristische Szenen und Figuren Venedigs in meisterlicher und origineller Form anbietet.



Konzerte im Palast

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Forcolaio matto

Forcolaio matto

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Beim Nachtbbummel fällt dann in einem verborgenen Winkel (Cannaregio 4231) das Schaufenster und die kleine Werkstatt von Piero Dri auf, der sich “Forcolaio matto” nennt, und sich 28-jährig bewusst dem traditionellen Bau von Ruderdollen für Gondolieri verschrieben hat (www.ilforcolaiomatto.it). Die Ruderdolen haben als moderne Skulpturen längst Kultcharakter erworben. Statt eines Werdegangs als Astrologe, setzt er sich bewusst für den Fortgang traditioneller handwerklicher Künste ein, um die traditionellen Werte Venedigs in die Zukunft zu retten. Er setzt auch die Arbeiten des Saverio di Pastor (www.forcole.com) fort.



Forcolaio matto

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Gondelfahren in Venedig

Wer sich mehr für den traditionellen Gondelbau interessiert, kann zur historischen, aber immer noch aktiven Werkstatt Squero gehen (http://www.venediginformationen.eu/ueberblick/bootswerft-squero/bootswerft.htm) und sich im museo storico del nave die sehenswerte Ausstellung zur Geschichte des Gondelbaus ansehen. (http://www.marina.difesa.it/storiacultura/ufficiostorico/musei/museostoricove/Pagine/default.aspx).
Gegenüber der Gondelwerkstatt Squero gibt es die äußerst gemütliche Osteria “Alsquero” (www.osterialsquero.it), die leckere cicchetti und aperitivi preisgünstig anbietet. Ein Regal beinhaltet verschiedenste Venedigliteratur zum Schmökern.

Ich mag mich an dieser Stelle als leidenschaftlicher Gondelfahrer outen. Von vielen wird sie als touristische, kitschige Abzocke abgetan und mit heftiger Gegenwehr belegt. Eine Gondel ist aber kein einfaches Fortbewegungsmittel, sie dient überhaupt nicht dem Zweck, einen von einem Punkt zum anderen zu bringen (dies allerdings an den wenigen Traghettoanlegestellen). Sie ist eher wie ein Soloinstrument, das seine ganze geheimnisvolle Wirkung von allein entfaltet, in der Stille und in einer besonderen Umgebung der kleinen, abseits gelegenen Kanälen.
Gondelfahrten haben ein sehr sinnliches und stark erotisches Moment, wenn man sich darauf einlässt.



Gondelfahren in Venedig



Essen und Trinken in Venedig

Ich halte noch immer das Buch aus dem Jahre 1993 stammende Buch “Bàcari in Venezia” in Ehren, obwohl viele von diesen ältesten und schönsten Lokalen mittlerweile verschwunden sind oder sich in teure Restaurants verwandelt haben. Es gibt sie aber immer noch, zum Beispiel in der ca d’oro mit der einfachen und urigen Trattoria “Alla Vedova” (Cannaregio 3912), die leckere Köstlichkeiten, u.a. die Hausspezialität Fleischbällchen oder auch die Bolla di Sapone in Cannaregio 5310. Ein besonderes Erlebnis hatte ich in der verborgen gelegenen Osteria und Enoteca “I rusteghi” (www.osteriairusteghi.com). Man sagt, dass es hier öfters ebenso dionysisch und feuchtfröhlich zugeht.
Ursprünglich und raffiniert zubereitete venezianische Küche gibt es in der winzig kleinen Osteria Alle Testiere (www.osterialletestiere.it), die ein wirkliches Muss ist. Mein persönlicher Höhepunkt war aber diesmal der Besuch der Trattoria Alciubagio (www.algiubagio.net), der allen Kritikern verkommener italienischer Gastfreundlichkeit Lügen strafte. Als Einzelgast wurde man z.B. trotz des Gruppenansturms der europäischen Geschäftsführer von Ramazotti vom Besitzer Giulio selbst ebenso vipmäßig behandelt und versorgt. Das Primo Gericht “bigoli alle capesante limone bottarga di tonno” (Nudeln mit Jakobsmuscheln, Zitrone und Thunfischroggen) war ein Essen zum Sterben. Der Gedanke kommt nicht von ungefähr, denn gegenüber der über dem Wasser liegenden Restaurantterrasse liegt die von Napoleon angelegte Friedhofsinsel San Michele, auf der auch Igor Strawinski seine letzte Ruhe fand.
Der Qualitätsnachweis bei allen angeführten Restaurant-Tipps liegt in der unbedingten Notwendigkeit zur Reservierung !!!



Ombra und Cicchetti in Venedig

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Bei den Fischern auf der Lagune

Lange außen vor gelassen, besuchte ich diesmal die in der Lagune vor Venedig befindliche Insel Burano. Buntes und aktives Fischereizentrum der nördlichen Lagune, auch berühmt für seine handwerkliche traditionelle Produktion von Spitzen. Die Lagune um Burano, ein idealer Ort um antike Verknüpfungen zwischen Mensch und Natur zu entdecken. Alte Fischereitraditionen haben hier neben dem modernen Tourismus überlebt. Hier gibt es noch Gebiete von unvergleichlicher Schönheit und Faszination: Fischgründe und Flachwasserzonen, Salzwiesen, Sandbänke und Inseln, eine Offenbarung für jeden, der sich von den eingefahrenen Urlauberströmen lösen will und gleichzeitig am komplexen Zusammenhang zwischen der Lagunenlandschaft, der Geschichte Venedigs, den traditionellen menschlichen Aktivitäten, aber auch an den aktuellen Problemen interessiert ist.
Besonders interessierte mich hierbei das Angebot der Fischerkooperative San Marco, das sich PESCATURISMO nennt ( www.pescaturismoburano.com). Eine Kooperative, die bereits 1896 gegründet wurde und in der heute noch ca. 150 Fischer aktiv sind, die mit ihren Produkten täglich den Fischmarkt in Venedig beliefern. In Zusammenarbeit mit der Region Veneto haben die Fischer das Projekt Pescaturismo entwickelt, das die Arbeit und die Traditionen der Fischerei in den Lagune den Menschen zeigen möchte. Man kann direkt Touren verabreden, bei denen neben den Betriebsräumen der Kooperative deren Fischerboote gezeigt werden, die Arbeitsweise erklärt und auf einer Fahrt in die Lagune die Arbeit der Fischer hautnah erlebbar gemacht wird.

Wer sich dann noch vornimmt den historischen Fischmarkt an der Rialtobrücke, möglichst am frühen Morgen, zu besuchen, wird einen wichtigen Eindruck in das Zusammenspiel des Lebens in der Lagune und der Stadt Venedig geboten bekommen.
Die Faszination der Lagune selbst wird auch im empfehlenswerten Roman von Hanns-Josef Ortheil, Im Licht der Lagune, eindrucksvoll geschildert.
Die Insel Burano selbst fasziniert mit ihren bunten Häusern und einer im Vergleich zu Venedig deutlich zu spürenden geringeren Betriebsamkeit und größeren Ruhe. Verträumt liegt das kleine Ristorante da Forner am Kanal (www.daforner.it) und lädt zum beschaulichen Mittagsmahl ein, wie auch die zur Gemeinschaft der Locali storici d’Italia gehörende Trattoria da Romano (www.daromano.it).
Der regelmäßige Schiffsverkehr mit der Linie 12 führt an der Glasbläserinsel Murano und der Friedshofsinsel San Michele zurück nach Venedig zur Station Fondamento nuovo an der auch das schon erwähnte Ristorante Alciubagio liegt.



Fischer Lagune Venedig

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Venedig, lebe hier Deinen eigenen Traum !

Die Reise selbst hat noch viele andere kleine und auch größere Erlebnisse (Biennale !) mit sich gebracht, die gar nicht aufgezählt werden können. Sollen sie auch gar nicht, denn das Geheimnis schönen Reisens in Venedig sind die Überraschungen, die sich gerade im ungeplanten und unvorbereiteten Erleben ergeben. Das Labyrinth der Gassen und der Brücken und Kanäle von Venedig bietet von sich aus immer wieder Neues, das man erleben kann, wenn man sich nicht von den Massen, sondern von der eigenen Neugierde und Gelassenheit treiben lässt. Nirgendwo anders hat der Spruch “Lebe Deinen eigenen Traum” seine Berechtigung als in Venedig !!!



Masken in Venedig

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Literaturtipps

Hier noch ein paar Literaturtipps:

Eva Gesine Baur, Amor in Venedig – auf der Spur der Liebenden.
Hanns-Josef Ortheil, Venedig. Eine Verführung.
Luca di Fulvio, Das Mädchen, das den Himmel berührte.

Süddeutsche Zeitung edition, Ein perfektes Wochenende in Venedig
http://www.sueddeutsche.de/reisefuehrer/venedig/stadtspaziergaenge
Toni Sepeda, Mit Brunetti durch Venedig
Michela Scibilia, Venezia (e Laguna) LOW COST. (italienisch)


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Kommentare

  • mosaik (RP)

    Ein sehr ansprechender Reisebericht mit viel Wissenswertem. Nur der "Ausrutscher" des Abfotografieren aus einem Buch gefällt mir natürlich als Pressefotograf nicht so sehr. Aber trotzdem - sehr guter Reisebericht, den ich mir auf meiner Merkliste speichere!

  • Zaubernuss

    Das ist D E R Aufsteller des Tages! Wie Du in meinen Reiseberichten über Venedig siehst, kann mich Dein interessanter Bericht mit den schönen Fotos nicht bloss für eine kurze Zeit fesseln, denn Venedig lässt die Menschen nicht mehr los, die ein wenig in seine Seele eingetaucht sind. Danke für Deine Wiederbelebung eines Traumes...
    LG: Ursula

  • BuWe

    Da kann ich mich nur anschließen :-)) VG AnneDo, die darauf verzichtet hat, jedes einzelne Bild zu bepunkten

  • rolo88

    Sehr einfühlsamer und informativer Bericht.
    Danke,
    Rolf

  • Sister (RP)

    Lieben Dank für alle Tipps und Hinweise. Zwei deiner Literaturtipps hab ich mir gestern bestellt.
    Ich lese Reiseführer, Reisetagebücher und schöne Fotobände genauso gerne wie Romane ^^.

    Lg .... Sister

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