Zurück in den Kaukasus - Georgien 2013

Reisebericht

Zurück in den Kaukasus - Georgien 2013

Reisebericht: Zurück in den Kaukasus - Georgien 2013

Warum dieses Jahr Georgien? Das ist eine lange Geschichte. Unabhängig voneinander waren wir schon vor mehr als 25 Jahren mal hier, als DDR-Bürger. "Unerkannt durch Freundesland" bzw. "Transit", wie die beiden erst in letzter Zeit aufgelegten Bücher es beschreiben, so haben wir das auch damals gemacht. Jetzt sind wir zurück, um das Land, besonders die Bergregionen, nochmal ganz entspannt besuchen.

Reisebericht Georgien von Carla (52), Thomas (51) und Johann Tenzing (12)

27.07.2013 – 18.08.2013,
davon ca. 8 Tage unterwegs, 8 Tage Aufenthalt im Kaukasus incl. 6 Tage Wandern, 5 Tage Tbilisi und weitere Besichtigungen, 2 Tage am Schwarzen Meer

Was jeden im Tourismus Tätigen eher freuen würde – für uns wäre ein Urlaubsland weit weniger interessant, wäre es bereits erschlossen vom Massentourismus. Keine Abenteuer mehr, alles schon vorbereitet - nichts für uns (d.h. unser Jüngster hätte da wohl weniger dagegen). Das Wichtigste für uns im Urlaub: Land und Leute gut kennen lernen und dabei auch selbst aktiv sein.

Warum nun dieses Jahr Georgien? Das ist eine lange Geschichte. Unabhängig voneinander waren wir schon vor mehr als 25 Jahren mal hier, als DDR-Bürger. Die interessanten Bergregionen im legal erreichbaren Ostblock, also in Rumänien und Bulgarien, kannten wir inzwischen zur Genüge und wollten einfach mal noch höher in die Berge. Davon abgesehen hatten wir in den 1980’er Jahren schon von den ersten Unerschrockenen gehört, die individuell nach Georgien gekommen waren, was offiziell gar nicht möglich war. Erlaubt waren nur Gruppenreisen auf vorgegebenen Routen durch die Sowjetunion, also nichts Spannendes und viel zu teuer. Die Fotos unseres Freundes Christian Engelmann von Swanetien hinterließen dagegen einen tiefen Eindruck. Mit kopierten Kaukasus-Karten von Friedrich Bender und großer Zuversicht, es irgendwie bis in den Kaukasus zu schaffen, machten wir uns also illegal auf den Weg. Ich selbst fuhr mit Transitvisum (es gab eine Zugstrecke aus der DDR nach Rumänien über Moldawien), die 3 Tage Aufenthalt in der Sowjetunion zuließ und Thomas sogar mit richtigem Visum, aber in die Mongolei, das auf Basis selbst „gezauberter“ mongolischer Einladungen ausgestellt worden war. Der Weg war also schon Spannung pur und die Erinnerungen an diese Zeit einfach großartig. Die Menschen, die wir damals trafen, waren mindestens genauso neugierig wie wir und wir wurden regelmäßig eingeladen. Das war auch gut so, denn wir hatten nur ganz wenig Geld dabei. Heute geht es uns vergleichsweise finanziell viel besser, vor allem wenn man weiß, dass das Durchschnittseinkommen in Georgien nur 285 Dollar beträgt und es praktisch keine sozialen Sicherungen gibt. Wie viel muss der soziale Zusammenhalt noch hergeben, dass man trotzdem nur wenig Armut im Straßenbild bemerkt!
Wie sich auch bei uns in Deutschland inzwischen so Vieles geändert hat – so hat auch Georgien gegenüber damals eine unübersehbare Entwicklung durchlaufen. Allerdings hatten uns Auseinandersetzungen und gar ein Krieg in den letzten Jahren eher abgehalten, wieder zu kommen. Wir lieben zwar das Ursprüngliche und Ungeplante – ein Risiko für das Leben ist da aber nicht gemeint. Unsere Reise hat uns nun gezeigt, dass die Menschen Georgiens eine friedliche Entwicklung verfolgen und das Land ganz klar zu Europa gehört. Wir wünschen den Menschen in Georgien und uns selbst sehr, dass es dahin weiter geht! Soziale Verwerfungen dürfen nicht der Preis sein für den Anschluss an Europa! Die erst junge Demokratie macht große Zuversicht. Aber gerade wir ehemaligen DDR-Bürger sehen auch die vielen Gefahren, die bei kritikloser Übernahme der westlichen Strukturen und „Wahrheiten“ bestehen. Hoffentlich bleibt der soziale Zusammenhalt immer größer als die negativen Begleiterscheinungen der freien Marktwirtschaft. Vielleicht geht es auch ganz anders in Georgien?

Nun zu unserer Reise im Jahr 2013. Wir hatten nur die Flüge und das erste Quartier von zu Hause aus gebucht. Schon die Gastgeber unseres Gästehauses (Formula I) waren sehr herzlich mit uns. Was wir auch immer wieder feststellten: mit Kind zu reisen bringt in Georgien oft sogar noch ein wenig mehr Fürsorge, Entgegenkommen und vielleicht auch Offenheit mit sich. Am ersten Tag nach der Ankunft nahmen wir den Vorschlag an, gleich die Sehenswürdigkeiten der Umgebung von Tbilisi mit dem Auto anzufahren. Das geistige Zentrum der georgischen orthodoxen Kirche in Mzcheta muss man auf alle Fälle sehen. Von der restaurierten Kreuzkirche auf dem Berg gegenüber aus dem 6. Jahrhundert kann man sehr schön den Zusammenfluss von Aragwi und Mtkari (fließt weiter nach Tbilisi) sowie Mzcheta von oben sehen. Schließlich besuchten wir noch die alte Höhlenfestung Uplisziche aus dem 15. bis 16. Jahrhundert v. u. Z.. Um unser Bild abzurunden, waren wir auch im Stalinmuseum in Gori. Seine Statue wurde 2010 zwar inzwischen abgebaut. Das Museum geht aber noch völlig unkritisch mit seinen Verbrechen um und verherrlicht den großen Sohn der Stadt. Meine kritische Bemerkung im „Gästebuch“ wird dort wohl nicht lange währen, da die Seiten nur zusammen geklemmt und also auch einzeln wieder entnehmbar waren. Es war schon ein wenig gruselig, wie viele Lobpreisungen darin zu finden waren.
Als erstes großes Ziel wollten wir natürlich Swanetien ansteuern, mit Nachtzug (nach Sugdidi) und weiter mit Marschrutka (öffentlicher Kleinbus) nach Mestia. Es gab leider keine Tickets für Liegewagen für die nächsten Tage. So stellten wir unseren Plan um und fuhren gleich am nächsten Tag mit Marschrutka nach Telawi, und von da mit einem Jeep (den der Marschrutka-Fahrer offensichtlich über unsere Pläne schon vorinformiert hatte) hoch nach Tuschetien, eine abgelegene Bergregion im Kaukasus. Da es schon einige Tage lang immer mal geregnet hatte, was auch in Tbilisi für diese Jahreszeit sehr ungewöhnlich war, erinnerte uns die Fahrt auf der schlammigen Off-Road-Piste über 72 km von Pshaveli nach Omalo schon mal an die eine oder andere indische Passstraße in den Himalaya, die mich immer einige Nerven gekostet hatte. Nur in Indien fuhren dort auch Busse, was hier aber tatsächlich nicht möglich ist. Wir erfuhren, dass auch die tuschetischen Kühe 2x im Jahr diesen ganzen Weg laufen – alle Achtung! Die deutschen Hochleistungs-Züchtungen wären dazu ganz sicher nicht in der Lage. Überhaupt sind die Tiere hier, wenn man so sagen kann, regelrecht sportlich. Ich habe nie vorher Kühe (von den Pferden abgesehen), Schweine und Schafe in einem so rekordverdächtigen Tempo rennen und springen sehen wie hier im Kaukasus. Was alle eint und für uns ein unbekanntes Bild abgibt: so viele Tiere frei herum laufend anzutreffen – Kühe, Pferde, Hunde, Schweine und Hühner, die sich offensichtlich gegenseitig vertraut sind und sogar miteinander kommunizieren. Es gibt da richtig lustige Szenen. Da wären unsere Tiere, die eher eingesperrt leben, wohl sehr neidisch. Die Nutztiere werden hier nur nachts in den Stall geholt, die Kühe jeden Abend gemolken, manchmal auch auf dem Weg.
Omalo liegt etwas über 2000 m hoch. Man erwartet das nicht, aber so direkt aus der Ebene kommend haben wir bei jedem Anstieg etwas nach Luft geschnappt und leichte Kopfschmerzen gehabt. Es regnete ohnehin, so dass wir uns zunächst mit dem Ort und dem Nationalparkzentrum, das mit privaten ausländischen Spenden 2010 gebaut wurde, beschäftigten. Aber auch hier gab es leider keine sehr aussagekräftigen Wanderkarten. Das größte Problem ist, dass die wenigen Bezeichnungen auf den Wegschildern sehr oft nicht mit dem Ziel des Weges übereinstimmen. Stattdessen sind Flecken benannt, die zwar am Wege liegen, aber wiederum so unbedeutend sind, dass sie nicht mal auf irgendeiner Karte eingetragen sind. Wenn man dann doch einmal falsch läuft, hat man am gleichen Tag eher keine Chance, das noch zu korrigieren und kann nur wieder den gleichen Weg zurück laufen. Sicher, nach einer guten Woche, die wir hier die umliegenden noch völlig ursprünglichen Orte erkundeten, hatten wir eine zunehmend bessere Orientierung. Leider kann man im Wesentlichen trotzdem nur die Fahrwege laufen, weil man kleinere Pfade nur ganz schwer findet. Die Orte erkennt man schon von weitem an den markanten Wehrtürmen. Diese dienten noch bis ins vorige Jahrhundert zum Rückzug vor Angriffen anderer kriegerischer Bergvölker, aber auch vor verfeindeten Familien, mit denen noch bis vor 100 Jahren die Tradition der Blutrache galt. Man kann sich nur schwer vorstellen, wie viele Menschen auf diesem engen und unwirtlichen Raum über teils auch mehrere Jahre ausharren konnten. Dabei gab es eine strenge Einteilung der Etagen – ganz oben Frauen und Kinder. Läuft man durch die Dörfer, so ist es, als bewege man sich in einem lebendigen Architektur-Museum. Dartlo, Botchorna, Dotchu, Shenako und Diklo (jeweils bis ca. 15 km von Omalo entfernt), die von uns besuchten Orte sind nicht nur selbst die Besichtigung wert, sie liegen auch noch in grandiosen Landschaften. Man läuft häufig vor der Kulisse der bis über 4000 m hohen Bergkette des Kaukasus, die zugleich die Grenzen zu Dagestan und Tschetschenien (beides Russland) bildet. In Botchorna, das man ebenso wie Dotchu auf dem letzten Stück nur zu Fuß erreichen kann, wurden wir auf einmal in Deutsch gerufen. Im anschließenden Gespräch mit Zurab Babulaidze; der in München studiert hatte und nun erfolgreicher Unternehmer ist, erfuhren wir, dass vielleicht bald dieser Ort (2350 – 2370 m hoch) statt Ushguli der höchste bewohnte Ort Europas sein wird. Er baut gerade mit seinem Freund die Kirche wieder auf und bald könnten die ersten Bewohner auch über den Winter hier bleiben. Insgesamt gibt es noch 52 tuschetische Dörfer, die zunehmend wieder bewohnt werden. Die meisten Bewohner ziehen sich aber über den Winter nach Kachetien zurück, wo den Tuschen schon seit dem 16. Jahrhundert im Alasani-Tal Weiden für das Vieh überlassen werden.
In Omalo wohnten wir im besten Hotel „Shiva“, das Natia (Gynäkologin) mit Ihrem Mann (Bauingenieur) und 2 Kindern von ca. April bis Oktober seit 2010 betreibt. In unserem Zimmer soll der erste Gast der Patriarch der georgischen Kirche gewesen sein. Auch wenn hier wie auch anderswo ab und zu der Strom weg ist, vor allem wenn die sehr verbreiteten PV-Module tags nicht viel tanken konnten, mit viel Liebe zubereitetes Essen aus den lokalen Zutaten und viel Herzenswärme ließen uns dort sehr geborgen fühlen. Auch Angehörige der amerikanischen und der deutschen Botschaft nächtigten mit uns im Hotel. Sie waren gekommen, wofür wir extra noch blieben – das alljährliche tuschetische Fest „Tuschetoba“. Schon am Vortag wurden kleine Stände vorbereitet, auf denen dann zum Fest Bogenschießen stattfand, leckere Kinkali (Teigtaschen) direkt zubereitet wurden, wie auch handgemachte Kunstwerke (meist gestrickt oder aus Filz) angeboten wurden. Die UNHCR war vor Ort (und hat z. B. Müll eingesammelt) und schließlich kamen auch viele Tuschen aus den umliegenden Dörfern. Wer hätte das erwartet, auch der aussichtsreiche Präsidentschaftskandidat Margwelaschwili (jetzt Bildungsminister unter Regierungschef Iwanischwili) der jetzt schon im Parlament führenden Partei „Traum Georgiens“, der den Noch-Präsidenten nach der Wahl im Oktober Sarkaschwili ablösen will, kam zu einem Besuch, spektakulär mit Hubschrauber. Der Hügel des Landeplatzes war eigentlich abgesperrt durch eindeutige Schilder – als heiliger Platz, also z. B. für Frauen nicht zu begehen. Das ließ sich jetzt nicht mehr verhindern, denn viele strömten jetzt dahin, wo der Hubschrauber gelandet war. Nicht die Reden der Repräsentanten waren für uns beeindruckend, sondern die Musik und die Tänze, die aufgeführt wurden. Allen Künstlern war anzumerken, wie tief sie mit den tuschetischen Traditionen verwurzelt sind. Mich hat das tief berührt. Das wurde nicht extra für die Handvoll Touristen gemacht, die zufällig mit da waren. Es war ein echtes Volksfest, was wir miterleben durften. Schon am späten Nachmittag war schon alles vorbei – die Tuschen mussten ja auch vor Anbruch der Dunkelheit noch nach Hause kommen.

Auch wir fuhren dann am nächsten Tag zurück und kamen schon nach 3 Stunden wieder in Alawerdi an, wo wir diesmal einen Halt im größten religiösen Kirchenkomplex Kachetiens einlegten. Thomas hatte leider schon seine Shorts wieder an und durfte nicht mal – wie sonst üblich mit großzügig darüber gebundenem Tuch – mit hinein. Nur einmal erlebten wir, dass für Frauen noch strengere Regeln galten – da war selbst lange Hose nicht erlaubt, sondern nur Rock. Auch in den tuschetischen Orten wurde mir nicht nur einmal das Betreten eines bestimmten Weges verboten. Hier werden z. T. noch heidnische Bräuche gelebt und es gibt heilige Orte, die Frauen im gebärfähigen Alter ausschließen.
Die Fahrt zurück von Telawi war etwas hektisch, der Fahrer ziemlich unruhig. Je langsamer das Marschrutki, desto größer war sein Bestreben, möglichst oft zu überholen, wo er gerade genug Schwung hatte. Fast hätten wir einen Unfall gebaut. Danach wurde die Fahrweise wenigstens etwas ruhiger, da auch andere weibliche Fahrgäste etwas eingeworfen hatten.
Man sieht auf den Straßen regelmäßig deutsche Werbung, für Tischlereien, Bäckereien und vielerlei weitere Handwerksbetriebe. Natürlich nur an den Autos, die hier ihr zweites Leben haben und dafür noch gut genug funktionieren.

Zurück in Tbilisi nahmen wir uns mal richtig Zeit zum Anschauen und hatten auch einiges zu erledigen. So brauchten wir Briefmarken und mussten feststellen, dass man dafür unterschiedliche Beträge verlangt. So wie auch die gleichen Ansichtskarten im touristischen Viertel mehr Geld kosten, so bekommt man dort Briefmarken nach Europa nur für 5 Lari statt für 4 auf der Post. 1 Euro entsprach ca. 2,20 Lari - bei 25 zu schreibenden Karten kein geringer Betrag. Es gibt nur 1 Postamt, das auch nicht gerade zentral liegt. So kamen wir zur Agmaschenebeli-Straße, in der auch die ersten deutsche Siedler ihre Häuser errichteten. Es wurden in den letzten Jahren einige der Gründerzeitgebäude saniert, so dass man an diesen Ecken meinen könnte, auch zu Hause in Leipzig zu sein. Von hier war es nicht weit zum Dynamo-Stadion, in das wir sogar einen Blick werfen konnten und das Tenzing total cool fand (noch mehr vielleicht das eine oder andere davor parkende Auto). In einer kleinen Näherei nahe der Altstadt ließen wir seine Trekkinghose reparieren, Super-Dienstleistung für ganz wenig Geld. Dort konnte man auch eine Übersicht über alle Uniformen der sowjetischen Armee bewundern, die hier auch auf Bestellung genäht werden konnten. Wir trafen uns mit Ina, einer hübschen Georgierin, die in Leipzig einige Jahre als Au-pair gearbeitet hatte. Abends fuhren wir mit Ina zusammen zum Vergnügungspark am weithin sichtbaren Fernsehturm. Es waren nur sehr wenige Besucher hier. Viele Familien sind im Sommer nicht in der Stadt, so dass gar nicht alle Attraktionen geöffnet waren. Bei der Achterbahn haben wir ein wenig gewartet, bis genug Teilnehmer zusammen waren – das war doch mal etwas für Tenzing. Über Tbilisi kann man sich besser selbst belesen, denn wir können nicht so viele Details berichten. Wir haben vieles sicher Sehenswerte nicht besucht, weil es Tenzing nicht so interessiert hätte und es einfach auch schön war, sich nur treiben zu lassen. Vor unserer Abfahrt nahmen wir noch Kontakt auf mit Rainer Kaufmann, Herausgeber einiger Bücher über den Kaukasus und auch der „Kaukasischen Post“ (monatliche Zeitung), und jetzt wichtiger Ratgeber für unsere Pläne in Swanetien. In seinem Restaurant war vor allem Tenzing besonders glücklich über heimische Gerichte. So lecker sie frisch schmecken - Chatschapuri können es eben doch nicht aufnehmen mit richtiger Pizza. An das georgische Bier wiederum konnten wir uns durchaus gewöhnen. Auch an den Wein, wobei aber ein guter Wein durchaus so viel Geld kostet, wie nur Weinkenner bezahlen würden (mehr als 10 € die Flasche). Für uns tat es der dann wiederum sehr günstige offene Wein. So oft sind wir dazu leider dann gar nicht gekommen. Auch dem Weinland Kachetien müsste man mal mehr Zeit widmen, am besten im Herbst.

Wir nahmen also den Nachtzug nach Sugdidi, der Ruhe wegen ein 4-er-Abteil in der 2. Klasse für uns zu dritt. Die Liegekarten für den Zug hatten wir gleich zu Urlaubsbeginn besorgt. Aber allzu viel Schlaf bekamen wir nicht ab. Wir hielten zu lang an den Bahnhöfen zwischendurch. Und wenn der Zug fuhr, dann mit ziemlich heftigem Gerumpel. Beim Umkuppeln von Waggons war ich mir erst nicht sicher, ob da jetzt nicht ein Auffahr-Unfall passiert war. Was mich und Tenzing aber auch wach hielt, war das Problem der Toiletten. Der Wagenschaffner hatte sie nach Erreichen des ersten Zwischenhaltes einfach zugeschlossen, um das angeschriebene Verbot umzusetzen, dass beim Halt die Toilette nicht zu benutzen ist - man kann sich vorstellen, wie alt die Wagen waren. Entsprechend sah auch die Toilette schon aus, wobei sich der Schaffner schon um Sauberkeit bemüht hatte. Aber er war schon nicht mehr so jung und schlief alsbald ein. Mir blieb in der Nacht nichts anderes übrig als ihn zu wecken. Da gab er mir vertrauensvoll gleich den Dreikant-Schlüssel für die Toilettentür mit. Als ich den in der Hand hielt, wurde mir klar – mit diesen Zügen sind wir damals schon durch die Sowjetunion gefahren – diesen Dreikant hatte ich mir damals schon besorgt, um bei unerträglicher Hitze (z. B. Fahrten im Winter) das Fenster auch mal öffnen zu können. Den habe ich sogar noch im Werkzeug zu Hause. Hätte man das gewusst!
In Sugdidi angekommen, füllten sich schon die 2- 3 Marschrutkis nach Mestia. Auf der neu gebauten Straße ist man nur noch 3 Stunden bis dahin unterwegs. Wir saßen mit einer tschechischen Gruppe zusammen im Marschrutki und hatten schon zu Beginn viel zu lachen. Warum wir nach dem Losfahren noch 2x wieder zum Bahnhof zurückkehrten, wurde uns klar, als wir das ganze System, besser verstanden hatten. Es waren offenbar beim Verteilen der Passagiere noch einzelne übrige geblieben, für die nicht extra ein Marschrutki-Bus eingesetzt worden wäre. Der Dispatcher rief also den Fahrer deshalb erneut zurück, bis unser Bus dann schon überfüllt war. Üblicherweise werden als Marschrutki Ford-, VW- oder Mercedes-Kleinbusse eingesetzt. Natürlich keine neuen, so dass der Zustand sehr unterschiedlich ist. Sicherheitsgurte werden eher nur für die Polizei symbolisch angelegt. Manchmal denkt man so, dass seine Benutzung aber vielleicht hilfreicher wäre, als sich regelmäßig während der Fahrt zu bekreuzigen. Man schaltet schnell und gern auch laut Musik beim Fahren ein, häufig traditionelle georgische Musik, aber auch russische Lieder. Sehr unterschiedlich ist die Fahrweise der Fahrer. Es gibt die unruhigen, die schnell vorwärts kommen wollen, auch andere, die einfach mal eine Pause anordnen. Dagegen haben wir nichts, so kommt man auch mal mit den Mitreisenden ins Gespräch. Nach Mestia waren das z. B. Jason, ein weltgewandter Chinese, ein Franzose und ein Amerikaner. Ansonsten trafen wir einzelne Touristen aus Deutschland (Wandergruppe), Tschechien, Polen, Österreich, Niederlande und Schweden. Die meisten Unterhaltungen betreffen die Reiseerfahrungen und sind immer spannend. Ansonsten fällt auf, dass viele Touristen in Georgien auch aus Israel, Russland , Armenien und dem Iran kommen. Mit ihnen haben wir aber weniger Kontakt.

Wir waren bei Ankunft in Mestia zuerst überrascht über die gar nicht hierher passende Alpen-Architektur des Zentrums, das auch noch gar nicht fertig gebaut war, weil offenbar das Geld nicht gereicht hat. Warum auch ausgerechnet viele Polizeistationen des Landes in einem futuristischen Design neu gebaut wurden, bleibt uns verschlossen. Wir hatten also eine Empfehlung für ein Homestay im alten Teil von Mestia. Das war zwar weniger komfortabel, aber wir hatten direkt Familienanschluss. Es waren mindestens 10 Kinder dort, die alle ihre Ferien (ganze 3 Monate! – für Tenzing nicht zu fassen, bei mageren 6 Wochen in Deutschland) hier verbrachten. Man hörte nie Streit, sie hatten hier alle Freiheiten und es ging Ihnen offenbar gut. In unserem Reiseführer lasen wir, dass unsere Gastgeber-Familie Margiani zu den reichsten Familien im Ort zählte. Das interessante Gebäude des Museums war ursprünglich auch ihres, ebenso wie immer noch 4 Wehrtürme, wovon wir einen mal besteigen durften. Das Museumshaus aus dem 14. Jahrhundert zeigt, wie eng Mensch und Tier darin früher zusammen lebten. Die Kühe an der inneren Außenwand ringsherum gaben offensichtlich die Wärme ab, um es dem Mensch auch im Winter erträglich zu machen. Schweine wurden schon vor Winteranbruch geschlachtet. Heute ist das Überwintern hier kein Problem, obwohl die Gebäude sehr zugig gebaut sind. Unsere Gastgeberfamilie kommt hier auch zum Skifahren her. Es gibt eine weithin sichtbare Piste mit einem Skilift. Geheizt wird dann mit Strom, den es erstaunlicherweise kostenlos vom Inguri-Staudamm gibt, den wir bei der Anfahrt schon passiert hatten. Wie lange noch?
Wir ließen uns am nächsten Morgen bis auf den Ugiri-Pass (1923 m) hinauf fahren, um die Wanderstrecke auf 3 Tage abzukürzen und nicht so lange in der Ebene (über Jabeshi) zu laufen, wo es doch schon wieder ganz schön warm wurde. Wir nahmen also unser in Tbilisi nicht einfach erstandene „Trekking Map“ Nr. 9“ zur Hand und waren gleich verdutzt. Diese breite Straße ins Nirgendwo, auf der wir hier zunächst gingen, gab es auf der Karte gar nicht. So versuchten wir immer den bei uns stattdessen eingezeichneten Wanderweg zu finden und landeten mehrfach im Dickicht, u. a. aus Rhododendron, was nun schon exotisch anmutete. Es gab hier auch Unmengen Heidelbeeren, weshalb alles halb so schlimm war. Aber wir mussten doch wieder auf diese breite Straße zurück, die, wie wir später erfuhren, direkt zu einem (künftigen) Skigebiet am Gletscher des weithin sichtbaren (wenn ohne Wolken) Tednuld (4858 m) 6 km lang führt. Die Sicht war hier oben phänomenal, so dass zumindest zeitweise auf der anderen Seite auch der Ushba (4737 m) zu sehen war. Wir machten dann den Fehler, dem einzigen Wegschild auf dieser Strecke zu glauben, und bogen nach Adhisi auf einen Weg steil nach unten ab. Durch die Wiesen war es z. T. sehr schlammig und durch den anschließenden Wald verloren wir mehrfach den Weg. So waren wir sehr froh, nach 2 Stunden steilem Abstieg endlich auf einer Fahrstraße zu sein, von der wir dann wieder bergauf nach Adhisi laufen mussten. In Adhisi nahmen wir gleich die erste angebotene Unterkunft, bei Elizabeth. Sie ist Lehrerin in Tbilisi und lebt über den Sommer hier mit ihrem Vater und 4 Brüdern. Mit ihr konnten wir auch Englisch sprechen, was nur wenige Georgier gut beherrschen. Deshalb ist auch meist eher Russisch angesagt. Elizabeth antwortete auf unsere Frage klar, dass sie sich hier in den Bergen bei diesem harten Leben glücklicher fühlt als in der Stadt. Sie (und auch wir Gäste) leben hier allein von dem, was hier oben angebaut und verarbeitet wird: Brot, Chatchapuri, Kuchen, Kartoffeln, Teigwaren, Käse, Milch, Schaffleisch, Kräuter. Nur wenige Sachen wie Salz, Zucker, Tee werden hier im Frühjahr einmalig mit hoch gebracht. Das ist schon sehr überzeugend, wie wenige Sachen man doch braucht, damit es einem gut gehen kann. Die große Auswahl in unseren Supermärkten erscheint einem hier völlig überzogen. Adhisi war noch deutlich gezeichnet von einem Erdbeben im Jahr 1987, das auch in Ushguli sehr viel zerstörte, aber auch von Schnee-/Schlammlawinen, die sich 2008 über den Ort wälzten, der bis dahin als lawinensicher galt. Elizabeth stellte fest, dass der Schnee im letzten Winter statt im November/ Dezember erst im Januar kam und dass sich das Wetter wahrnehmbar ändert.
Von Adhisi war der Weg gut zu finden. Das erste Stück durfte Tenzing auf einem Pferd reiten, das wir zur Flussüberquerung gemietet hatten. Bei der Flussüberquerung überholten wir eine große Gruppe Israelis. Dann wurde es anstrengend über den Pass von 2723 m, dann bequem hinunter ins Khaldeshala-Tal, über Khalde nach Iprali. Dort wohnten wir nahezu luxuriös bei Usha, den uns Rainer empfohlen hatte. Hier war man auf die Wünsche von Touristen eingestellt, die Proviantbeutel für den nächsten Tagesmarsch wurden selbstverständlich schon für alle vorbereitet. Man konnte auch Bier und andere Getränke kaufen. Wir kamen am nächsten Tag sehr schnell voran und waren schon nach dem Mittag in Ushguli, dem also höchst gelegenen bewohnten Ort Europas. Vor allem Tenzing begeisterten die vielen kleinen „Horden“ von Schweinchen, vor allem die ganz kleinen, die überall im Ort herum rennen oder herumliegen. Uns interessierte mehr der fantastische Ausblick zum Schkara, den mit 5068 m höchsten Berg Georgiens (an der Grenze zu Russland). Den Blick auf den gigantischen Gletscher hatte man sogar aus unserem Zimmer bei Tariel Nischaradse (auch Tipp von Rainer). Als er erfuhr, dass Thomas schon vor 25 Jahren (damals vom Elbrus aus, heute auf russischer Seite) hierher gewandert war, war ein ordentlicher Wodka fällig. Noch mehr, allerdings dann Wein, wurde auf der Hochzeit am Abend getrunken, die gerade in Ushguli stattfand. Wir standen nur aus Neugier kurz dort herum und waren wenig später schon mit eingeladen. Bis zum Ende sind wir nicht geblieben, da wäre Thomas sicher nicht so glimpflich davon gekommen. Es waren einige Hundert Besucher da, dadurch fielen wir so schnell nicht auf und konnten unsere Beobachtungen und auch viele Bilder machen. Da ist schon mehr los, als bei uns üblich. Sobald Musik ertönt, wird getanzt, allerdings tanzt immer nur ein einzelnes Paar zusammen. Das ist schon beeindruckend, wie Frau und Mann im Tanz alles für- und miteinander geben und dabei ganz selbstverständlich immer wieder harmonieren. Am nächsten Morgen lassen wir es ruhig angehen, streifen noch durch den Ort, auch zur Kirche hoch oben und genießen einfach das unvergleichliche Panorama. Es ergaben sich auch Gespräche (und Fotos), z. B. mit den Nachbarn unserer Herberge - ein altes Ehepaar. Zuerst hatte ich nur die zahlreichen Enkel beobachtet, die dort mit kleinen Hunden spielten. Der alte Mann versicherte mir, dass er sehr glücklich sein, dank seiner 10 Kinder und noch viel mehr Enkelkinder, die im Sommer immer zu Besuch kommen.
Mit (georgischen) Leuten von der UN fahren wir zurück, sie hatten einen Wochenendausflug hierher unternommen. So konnten wir auch interessante Gespräche führen und es kostete nichts extra. Für Jeep-Fahrten muss doch immer einiges einplanen, bis zu 200 Lari hätten es für die 3 Stunden bis Mestia sein können. Gleich am nächsten Tag ging es wieder hinunter nach Sugdidi. Ein Steinschlag blockierte die Straße für gut eine Stunde, dann war sie schon wieder beräumt.

In Sugdidi machten wir einen kleinen Fehler und bezahlten zu schnell das Marschrutki, weil der Fahrer versprach, gleich zu fahren. „Gleich“ kann aber vieles heißen, für uns hieß es knapp 2 Stunden Warten in inzwischen großer Hitze. Ein Taxi wäre für uns zu dritt nicht viel teurer gewesen. Nun ja, immerhin hatten wir keine Schwierigkeiten mehr dabei, trotz ausschließlich georgischer Beschriftung (in georgischen Buchstaben!) den richtigen Kleinbus ausfindig zu machen.
Wir waren uns einig – wir wollten nochmal ans Schwarze Meer. Gern wären wir dazu ins angrenzende Abchasien gefahren, dort gibt es Sandstrände. Aber Abchasien gehört seit dem Krieg mit Russland 2008 momentan nicht mehr zu Georgien. Also ging es nach Süden und zwar nach Kobuleti. Klar, ein voll touristischer Ort, aber für uns trotzdem exotisch, weil die anderen Touristen zumeist selbst Georgier, Armenier und Russen waren. Das bedeutete z. B., dass man eher nachmittag erst an den Strand (aus Vernunft, wegen der Sonne?) ging, aber lästig, da man abends kaum ein Restaurant finden konnte, in dem nicht sehr laute Musik gespielt wurde und das bis in die Nacht. Einmal gab ich Tenzing sogar Ohrstöpsel, weil Thomas und mir die Lifemusik einer jungen Band im Restaurant sogar gut gefiel, dass wir trotzdem dort essen wollten. Wir hatten das teuerste Hotel unseres Urlaubs genommen (100 Dollar pro Tag), das war aber auch gut so, weil wir dadurch auch zum Schlafen kamen. Das war bei Weitem nicht das teuerste Hotel am Ort. Dort hatten wir zur Orientierung nämlich schon nachgefragt. Das hätte uns über 500 Dollar pro Tag gekostet, mikt Swimmingpool, aber eigenartigen Gästen. Trotz Steinstrand machte das Baden im Schwarzen Meer großen Spaß. Zum einen konnte man aufgrund der angenehmen gefühlten ca. 24 - 25°C Wassertemperatur lange im Meer bleiben und zum anderen gab es schöne große Wellen, auf denen man sich herrlich schaukeln lassen konnte. Tenzing war sehr traurig, dass wir hier nur 2 Tage verweilten. Wir machten einen Ausflug in das benachbarte Batumi, auch um das weitere Vorwärtskommen zu erkunden. Es bestätigte sich, dass wir in Kobuleti besser aufgehoben waren, nur 3 Minuten weg vom Strand. Das gab es in Batumi nicht bzw. nur in Luxushotels. Ein kleiner Schiffsausflug brachte eine Überraschung: mehrmals sahen wir Delfine! Eine Überraschung anderer Art: Wir wollten noch geschriebene Postkarten auf der Post abgeben (Briefkästen haben wir nie gesehen) und dabei gleich noch Briefmarken kaufen. Das erste klappte, aber Briefmarken gab es im einzigen Postamt dieser Gegend keine. Da mussten unsere letzten Ansichtskarten nun bis Tbilisi warten. Was wir noch nicht wissen konnten: wahrscheinlich die in Batumi abgegebenen Karten bekamen einen Barcode-Aufkleber quer über den geschriebenen Text, der danach nicht mehr erkennbar war. Originell, aber ärgerlich.

Wir fuhren nicht die übliche und gut ausgebaute Strecke über Kutaisi, sondern nahmen die Route an der türkischen Grenze entlang durch den kleinen Kaukasus. Bis Chulo fuhr ein Marschrutki. Dann stiegen wir wegen der schlechten Straße auf Jeep um, obwohl auch hier erstaunlicherweise noch Marschrutkis fuhren. Wir wollten über Achalziche (das ist schon am Weg nach Armenien) nach Wardzia kommen – dafür war noch einige Fahrzeit einzurechnen (gesamt von Batumi ca. 5 Stunden). Unser Jeep-Fahrer übergab uns in Achalziche an einen lokalen Fahrer, da er vor Anbruch der Dunkelheit wieder zurück sein wollte. Das Geld regelten sie unter sich. Interessant war, dass die Taxifahrer in Chulo gemeinsam die richtige Preisfindung besprachen und uns auch überhaupt nicht drängelten. Wir konnten uns dann selbst das gewünschte Fahrzeug auswählen. Das ist etwas Angenehmes in Georgien, dass man trotz Marktwirtschaft noch überwiegend das Gefühl hat, dass man fair behandelt wird und dass sich die Georgier auch nicht gegenseitig ausstechen (z. B. auch auf den Märkten), sondern zusammen halten.
Nahe des Goderzi-Passes (2025 m) staunten wir nicht schlecht über einen hochmodernen Skilift, und noch mehr über die Pläne, nach denen schon in diesem Jahr 2500 Skifahrer befördert werden sollen. Es bleiben nur 2 Fragen offen: wie sollen die im Winter dahin kommen (schlechte Straße) und wo sollen sie schlafen? Weit und breit war kein Hotel zu sehen. Wie wir schon in Mestia gesehen hatten, gab es in den letzten Jahren noch mehr Projekte, die über das Ziel hinaus geschossen sind und wo es nun nicht mehr bis zum Ende reicht.
Wir kamen noch rechtzeitig in Wardzia an, um eine Unterkunft abzuklären. Das lt. Reiseführer einzige Hotel war schon voll belegt. Es stellte sich zum Glück raus, dass ein großes Zimmer mit 9 Betten als Reserve für noch spätere Ankömmlinge frei gehalten wurde. Nachdem wir aber zusagten, statt 3 eben 6 Betten zu bezahlen (für uns immer noch sehr preiswert), war das Problem gelöst. Später Ankommende mussten dann eben mit uns verhandeln. Es kam aber keiner mehr. Das Essen war sehr gut. Insofern war das keine Überraschung, da hier tagsüber bestimmt viele Touristenbusse aus dem Landesinneren ihren Mittagshalt machen werden. Auch der offene Wein schmeckte gut, schien nur wenig Alkohol zu enthalten. Wir setzten uns mit einem Motorradfahrer-Paar aus Deutschland (Salzgitter) zusammen. Man kann ja immer wieder nur staunen, was manche so auf sich nehmen. Umgekehrt haben sie das von uns vielleicht auch gedacht. Aber ihre Anfahrt war definitiv viel länger. Eine tolle Sache war an diesem Tag noch das Bad in der heißen Mineralquelle, das uns die Hotelwirtin empfohlen hatte. Wir sind gleich dahin gelaufen, haben aber nur eine wenig vertrauenserweckende wie verschlossene Hütte vor. Nur auf dem Gelände schoss aus einem Rohr warmes Wasser, offensichtlich schwefelhaltig, in die Gegend. Einladend sah das nicht aus und wir wollten gerade gehen, da kam ein Mann, von der Hotelwirtin geschickt, um uns aufzuschließen. Und siehe da, in der eher schmuddelig anzusehenden Hütte war ein altertümliches und sauberes Badebecken. Das nahmen wir dann doch noch mit. Und dachten uns nur – was man daraus doch touristisch viel mehr machen könnte! Da war das Eintrittsgeld eher etwas Symbolisches. Genauso aber auch in dem beeindruckenden Höhlenkloster, das wir schon vom Hotel aus gut sehen konnten und am nächsten Vormittag schließlich erkundeten, noch vor allen Ausflugstouristen. Da hier ausnahmslos Touristen her kommen, wäre es mehr als legitim, das Eintrittsgeld zu erhöhen und die eine oder andere Information direkt im Höhlenkloster anzubringen. Dann wäre auch Geld da, den Müll der Touristen gleich weg zu bringen oder gar nicht erst entstehen zu lassen. Man durfte auch Gänge im Höhlenkloster selbst erkunden, was es auch ein wenig spannend machte. Es ist nicht belegt, wie alt die Klosteranlagen von Wardzia wirklich sind.
Das kommt in Georgien noch häufig vor, dass die historischen Schätze noch gar nicht im Detail untersucht worden sind. Da wird man sicher noch manches Bemerkenswerte herausfinden. So könnte auch der erste euroasiatische Mensch möglicherweise aus Georgien kommen, wenn die kürzlich gefundenen Überreste mehr als 1,75 Mio. Jahre alt sein sollten. Seit 2010 laufen dazu Ausgrabungen mit deutscher Unterstützung.

Von Wardzia ging es zügig nach Tbilisi zurück. Wir wollten noch das Bäderviertel und die Märkte besuchen, Briefmarken besorgen, die letzten Karten abschicken und natürlich Rainer nochmal treffen. Dieser letzte Tag verging rasend schnell. Vor dem Abflug konnten wir kaum nochmal schlafen, zu präsent waren die vielen Erlebnisse in unseren nur 3 Wochen Urlaubszeit. Das ist auch eine denkbar ungünstige Zeit, wenn man um 2°° nachts raus muss. Aber all die Fahrer der Gästehäuser müssen das täglich, denn alle Flugzeuge aus Westeuropa scheinen nur nachts anzukommen und abzufliegen.
Wir sind gut wieder gelandet und freuen uns schon auf das Wiederkommen. 25 Jahre wollen wir nicht wieder warten. Vielen Dank, Georgien, für die schöne Reise!



Höhlenkloster Uplisziche, Georgien





"Unerkannt durch Freundeslöand" mit "Transitvisum"

Es folgen alte Bilder von Wanderungen im Kauskasus aus 1987 (TeeGee, Olaf und Carla: Tbilisi - Georgische Heerstraße - Terek-Tal - Südossetien) und 1988 (TeeGee, Olaf und Thomas: vom Elbrusgebiet nach Swanetien). Die Bilder sind ungeordnet.
Zum Teil sind es Ansichten, wie sie auch 2013 von uns aufgenommen wurden.



1988 Mzcheta von oben


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