Jordanien: Der Laurence of Arabia-Trail- eine Reiterreise

Reisebericht

Jordanien: Der Laurence of Arabia-Trail- eine Reiterreise

Reisebericht: Jordanien: Der Laurence of Arabia-Trail- eine Reiterreise

Der Lawrence von Arabien - Trail

Unser Trupp bestand aus fünf Reiterinnen aus Frankreich, einem Österreicher und mir aus Deutschland. Durch Zufall waren wir eine recht homogene Gruppe, was unsere Reiterei anbelangte, so dass wir ein flottes Tempo vorlegen konnten und niemand Probleme mit seinem Pferd hatte. Sogar ein echtes Wüstenwettrennen wagten wir, da wir alle auf einem Niveau ritten und unse

Ende der Tagesetappe: Sonnenuntergang im Wadi Rum



Eine Reiterreise durchs Wadi Rum in Jordanien

Aufbruch zur Tagesetappe im...

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Der Lawrence von Arabien - Trail

Unser Trupp bestand aus fünf Reiterinnen aus Frankreich, einem Österreicher und mir aus Deutschland. Durch Zufall waren wir eine recht homogene Gruppe, was unsere Reiterei anbelangte, so dass wir ein flottes Tempo vorlegen konnten und niemand Probleme mit seinem Pferd hatte. Sogar ein echtes Wüstenwettrennen wagten wir, da wir alle auf einem Niveau ritten und unsere arabischen Rennpferde also auch wieder ans Halten bekamen. Atallah, unser Führer und selber jordanischer Distanzreiter, war von unserer Zusammensetzung begeistert, denn weniger ausgewogene Gruppen machen viele Sorgen und Probleme, die starken Reiter leiden an der Rücksichtnahme, die stets dem Schwächsten der Gruppe gelten muss. All das war bei uns nicht der Fall. Wir waren also alle „alte Reiter“, hart im Nehmen, unverwüstlich von der Grundkondition. Hier wurde nicht über die 45° Grad im Schatten gemault, sondern eher, dass die Pausen so lang waren!



Weiterhin mit von der Partie waren Denise und Marc, ein junges Journalistenehepaar aus Australien, die für einen Internetblog über den Trail berichten sollten. Sie waren Nicht-Reiter und so fuhren die Zwei im Troß von Muhammed in den Begleitfahrzeugen mit, halfen beim Auf- und Abbau der Lager, filmten, interviewten und bloggten...

Bei der allgemeinen Sprachverwirrung einigten wir uns auf Englisch, das auch unsere jordanischen Tourbegleiter gut beherrschten; wobei ich dann oft noch zwischen Französisch und Englisch hin und her dolmetschen musste, weil ich die einzige war, die die neben Englisch dann auch noch Französisch zumindest gut verstand...und das Sprechen dann mit eingerostetem Schulfranzösisch versuchte, um hier und da wichtige Informationen weiter zu geben. Denn bei unseren französischen Damen verhielt es sich mit dem Englischen wie bei mir mit ihrer Muttersprache: lang, lang waren die sieben Jahre des Lernens in der Schule her....Für unseren Österreicher musste ich alles auf Deutsch übersetzen, wobei ich mir oft nicht sicher war, ob mein Hochdeutsch nicht auch die nächste Fremdsprache für ihn war. Dieses sprachliche Wirrwarr tat aber der guten Stimmung unter uns keinen Abbruch, und wir alle ließen uns in den Pausen von Muhammed noch ein paar Brocken Arabisch beibringen.

Atallah war unser Führer, jordanischer Distanzreiter, hinzu kam Hitam, ebenfalls jordanischer Distanzmeister, der half, die Pferde zu versorgen und das Lager aufzuschlagen, während der Pulk noch zum Lagerplatz unterwegs war. Muhammed war unser genialer Koch und Clown der Truppe sowie Ibrahim, für den Rest zuständig und „Springer“ für alle Versorgungslagen.



Reiten im Wadi Rum



Wadi Rum Reiterreise

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Der runnig gag des Lagers entstand gleich zu Anfang zwischen Muhammed und mir und brachte mir dann auch den Spitznamen „Schwiegermutter“ ein, der sich hartnäckig bis zum letzten Tag hielt: Ich hatte Muhammed Bilder meiner 16 und 20 jährigen Töchter gezeigt (natürlich auch meines arabischen Vollblutes, das ihn aber weit weniger zu interessieren schien als die braunen Augen meiner Laura...). Muhammed war hin und weg, Feuer und Flamme und fing gleich an, einen Brautpreis mit mir auszuhandeln. Er habe zwar schon eine Frau, aber das sei ja hier, in Jordanien im Allgemeinen und für einen Moslem im Speziellen, kein Hinderungsgrund, sich nicht noch eine 20jährige Zweitfrau zuzulegen...Muhammed flachste natürlich, und unsere Gruppe hatte ihren Spass, als er mir zwei Kamele für Laura anbot. Wir kamen aber nicht ins Geschäft, da ich, bei der Schönheit meiner Tochter und auch bei ihrer Klugheit, vor allem aber der Glut ihrer braunen Augen einen Brautpreis von 20 Distanzpferden und einem arabischen Deckhengst für nicht unangemessen hielt. Muhammed war so erstaunt, dass Deutsche so frech feilschen können, dass er mich fortan nur noch „Schwiegermutter“ rief und jeden Abend aufs Neue am Lagerfeuer das Schachern um meine Töchter anfing. Bis zum letzten Tag wurden wir uns nicht handelseinig, obwohl ich ihm zum Spass dann gar beide Schwestern zum absoluten „Freundschaftspreis“ von nur 35 arabischen Vollblütern anbot....!



Hatt Hatt!!! Aquaba! Auf den Spuren des großen...



Das Versorgungsteam - unser Wüsten-back-office

Unser Versorgungswagen im Wadi Rum

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Der alte Wagen, den Muhammed mit unserem Gepäck, den Zelten, der „Küche“, den Kisten und Kästen, dem Hafer und vor allem den Tonnen voller Wasser für die Pferde jeden Tag aufs Neue verpackte, war ein wahres Stauraumkunstwerk und täglich ein neues Wunder, was er dort dann wie noch alles zu stapeln und quetschen verstand. Geritten wurde aufgrund der außerordentlichen Hitze am frühen Morgen und am Abend. In Jordanien herrschten 2010 ungewöhnlich heiße Temperaturen: 45 ° im Schatten. Nach Sonnenaufgang, so zwischen 5 und 6 Uhr früh, rappelten wir uns alle langsam auf, während Muhammed schon den Tee kochte und Hitam den Pferden die Hafersäcke umhing. Start war dann zwischen 7 und 8 Uhr. Geritten wurde, je nachdem, welches Etappenziel wir hatten, zwischen drei und vier Stunden. Unserer fleißigen Gehilfen Muhammed, Ibrahim und Hitam brachen in der Zeit das Lager ab und fuhren vor zum Platz, der für die lange Mittagspause ausgesucht worden war. Insgesamt haben wir in der Woche knapp 300 km hinter uns gebracht.



Wenn wir Reiter dann am Etappenziel ankamen, lagen unsere Matratzen schon um den Tisch, der obligate Tee dampfte. Die Mittagspausen dauerten gut und gerne ihre fünf Stunden, gewöhnungsbedürftig für uns durchorganisierte Arbeitsmenschen. Aber die Hitze und auch die Anstrengung machten uns das Dösen ab dem zweiten Tag doch auf einmal ganz leicht, und oft fielen uns die Augen über den mitgebrachten Büchern zu, mit denen wir die Mittagsrast „sinnvoll“ nutzen wollten. Während wir Reiter dann am späten Nachmittag nochmals für weitere drei Stunden aufbrachen, holten die anderen Wasser aus dem Dörfchen Rum, in dem Atallah auch seinen Stall hat - und seine übrigen 30 Pferde! Darunter auch den amtierenden jordanischen Distanz Champion: einen schwarzen wunderhübschen arabischen Wallach, der dort in der Herde lief.

Abends erwartete uns dann der dampfende Minztee, der mindestens gefühlte 100g Zucker pro Becher enthielt, frisch gemachtes Popcorn und vor allem die lang ersehnte Dusche: ein Krug Wasser für jeden, rund 2 Liter, mit dem wir Mädels dann sogar ganz luxuriös noch eine Haarwäsche bewerkstelligten.

Unsere Lager waren stets am Fusse eines der Berge: hier hatten wir Mittags immer Schatten, und abends fanden sich hier für uns Mädels die natürlichen Duschkabinen in Form von Felsvorsprüngen oder Felsnasen, die uns vom Lager und den Herren abschirmten. Es ist unglaublich, dass man sich mit 2 Litern Wasser ein so unerhört köstliches Dusch- und Waschvergnügen gönnen kann, wo daheim das Zehnfache benötigt wird. Da unsere Taschen auf dem Jeep mitgebracht wurden, konnte man sich den weiteren Luxus von frischen Sachen an jedem Tag gönnen, und die durchgeschwitzten T-Shirts wurden luftdicht ganz unten im Gepäck in einer Plastiktüte verstaut.

Oft war es dann schon dunkel, das Lagerfeuer brannte und Muhammeds Köstlichkeiten waren fertig. Oh alhamdullilah! Das Essen! Muhammed war nicht nur der gute-Laune-Garant unserer Truppe und die gute Seele der Mannschaft, sondern auch ein Magier hinter seinen zwei Kochtöpfen über dem Propangasbrenner. Was er aus einfachen Zutaten wie Paprika, Zwiebeln, Tomaten, Kartoffeln oder Erbsen zu zaubern verstand, machte uns sprachlos. Mittags und abends gab es warmes Essen, mit Brot oder Reis, auch mal mit Nudeln, mal vegetarisch, aber meist mit köstlichem Hühnchen oder Lamm.



Stilleben...... beim Wadi Rum Trail



Die Pferde

Wir ritten auf Arabern, die alle aus dem Stall von Atallah kamen.

Shams war eine kleine Fliegenschimmelstute, vielleicht mit einem Stockmaß von 148 cm, mit ungeheurem Vorwärtsdrang. Atallah nannte sie und ihre zierliche französische Reiterin immer „la gazelle“. Nie war ganz klar, ob er Shams oder Fabrissa meinte. Dann gab es Jérico, den Dunkelfuchs, mit Sichelohren wie ein indisches Marwari; meinen fliegenschimmligen Charmeur, den ich im Stillen aber Ibrahim nannte, weil ich ihn nun doch nicht sooo charming fand...denn er war der größte von allen, gut 158 hoch, nicht so edel wie die Kleinen, aber pfeilschnell, ein alter Distanzsrecke und unverwüstlich.

Dazwischen die beiden roten Stuten Maysouna und Hallah, klein und edel; der rein weiße, schöne Marci und sein Ebenbild als weibliche Ausgabe, die Stute, die Amelie ritt - und natürlich die wundervolle Tiber, das Pferd von Atallah. Sie war rahmig, aber nobel und exotisch, noch jung und bei ihm als künftiges Nachwuchspferd für den Distanzsport in der Ausbildung.

Atallah erklärte uns, dass er seine Hengste, anders als sonst in den Ländern des Mahgreb und der Levante üblich, kastrierte, da das den Umgang stark vereinfachte.

Alle Pferde waren ungeheuer konditionsstark, und dass sie alle früher Distanzen gegangen waren, glaubten wir nach dem ersten Ritt! Bei 45° Grad im Schatten, über felsigen Grund, durch tiefen Sand, kein Galopp unter 10 km, morgens vier Stunden und abends drei und dabei immer nur eines im Kopf: vorwärts, vorwärts!

Treiben? Überflüssig!

Am letzten Tag mal Galopp im leichten Sitz, nach 300 km? Lieber nicht, denn dann gabs kein Halten mehr, also weiter ausgesessen!

Die Gehfreudigkeit dieser Pferde hat mich total begeistert. Sie waren wirklich nicht klein zu kriegen, kaum ausgeruht, schon wieder im strammen Schritt dem nächsten Etappenziel entgegen. Dabei gut zu handhaben, alle auf Wassertrense geritten.

Als wir nach sieben Tagen Abschied nehmen mussten, flossen Tränen auf allen Seiten. Ein wunderbares Team, eine Landschaft aus alf layla wa layla - aus 1001 Nacht -, tolle Pferde - ein Wüsten- und Reitabenteuer, wie man es sich nicht schöner wünsche kann, eine absolut perfekte Organisation!

Wadi Rum - wir kommen wieder! Inshallah!



Die Pferde sind vor den Reitern wach


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