Fahrt nach Prag

Reisebericht

Fahrt nach Prag

1995 fuhr ich mit dem Auto in die schöne Stadt Prag. Ich hatte ein tschechisches Ehepaar mitgenommen, die mir bei der Suche nach einer Unterkunft behilflich waren.

Fahrt nach Prag
Auf der Suche nach den Autoren der Stadt

Es war Pfingsten neunzehn hundert fünfundneunzig und es herrschte schönes Wetter. So beschloss, ich nach Prag zu fahren. Ich hatte schon so vieles über die "Goldene Stadt" gehört, so dass ich sie mir einmal näher ansehen wollte. Der Fall des Eisernen Vorhangs erleichterte diese Entscheidung. Außerdem interessierten mich die Schriftsteller, die in Prag gelebt und gewirkt hatten.
Unterwegs in der damaligen Tschechoslowakei hatte ich ein junges Lehrerehepaar beim Trampen mitgenommen. Ich weiß nur noch, dass er lange, braune Haare hatte, sie blonde. Auffällig war, dass er mir andauernd versicherte, dass alles für die deutschen Freunde getan wurde. So merkte er es auch für den Ausbau einer Fernstraße an, die wir passierten.
Wir durchquerten Pilsen und kamen auch an der berühmten Pils Brauerei vorbei. Schließlich erreichten wir Prag und ich setzte die beiden in der Innenstadt ab. Vorher fragte ich sie nach einer Übernachtungsmöglichkeit. Ich hatte von einem Sleep-in gehört, dass es hier geben sollte. Sie zeigten es mir.
Ich kann mich daran nicht so erinnern, aber ich weiß noch, dass es ziemlich heruntergekommen wirkte. Aber das hatten Sleep-ins so an sich. Nach Zahlung meiner Übernachtungsgebühren, ich hatte die Absicht, nur eine Nacht bleiben, checkte ich ein. Den Abend wollte ich mit einem Rundgang beginnen.
Ich war ziemlich in der Nähe der Altstadt abgestiegen und hatte es nicht weit zu den Sehenswürdigkeiten. Zwischenzeitlich kehrte ich in einem urgemütlichen Restaurant an der Moldau ein. Hier aß ich zwei kleine Salate und trank ein leckeres dunkles Starkbier, das hier gebraut wurde. Und das alles zum umgerechneten Preis von vier Mark! Ich bestellte auf jedem Fall noch ein Bier nach. Ein Plakat vom braven Soldaten Schweijk erinnerte mich daran, dass in Prag Jaroslav Hasek seine Figur niedergeschrieben hatte.
Leicht beschwingt machte ich mich dann auf, die Stadt zu erkunden. Ich suchte nach Spuren von Franz Kafka. So kreuzte ich den Wenzelsplatz, das Altstädter Rathaus mit seiner bekannten Astronomischen Uhr und vieles mehr. Am Wenzelsplatz und Graben hatte Max Brod Zeitungsgeschichte geschrieben und einige Autoren Prags waren hier zur Schule gegangen. Dann kam ich an die Karlsbrücke.
Es war inzwischen dunkel geworden. Die Brücke war sehr gut beleuchtet und ich war überwältigt
von deren Schönheit. Künstler und Straßenmusikanten traten hier auf. Ein paar Feuerschlucker waren auch dabei und erhellten das Ganze. Ich fragte einen Einheimischen, der der englischen Sprache mächtig war, nach Kafka.
"Sehen sie sich um, das alles ist Kafka. Er hat hier gelebt und geschrieben." Ganz zufrieden war ich nicht mit der Antwort und so strebte ich weiter. Schließlich wurde ich müde, auch von der langen Fahrt und ich beschloss, mich in mein Domizil zu begeben. Am nächsten Tag wollte ich weiter nach Kafka suchen.

Nach einer kalt-warmen Dusche und einem kräftigen Frühstück am nächsten Morgen zog ich wieder los. Ich wollte zuerst hinauf zur Burg. Dazu muss man steil bergan steigen und so ging mir als Raucher bald die Puste aus. So beschloss ich, unten in der Stadt herum zu laufen.
Und ich hatte Glück. Schon bald stand ich vor dem Cafe´ Franz Kafka. Die Gasse in der es lag, heißt "Goldenes Gässchen". Hier verfasste Kafka seinen Ein Landarzt, aber auch das erfuhr ich erst später. Und ich entdeckte bald Inschriften, Franz Kafka betreffend. Nur lesen konnte ich sie nicht, sie waren alle auf tschechisch. Hier fehlte ein Reiseführer. Ich hoffe, dass die Inschriften inzwischen zu mindesten ins englische übersetzt wurden.
Bald entdeckte ich die ersten Souvenir Läden mit Tassen, auf denen Kafkas Kopf aufgemalt waren. Der Kitsch war also angekommen. Aber ich suchte nicht nach Kitsch, sondern nach Kisch, dem rasenden Reporter. Vorerst wurde ich nicht fündig. Aber ich würde sicher mal wieder hierher kommen und mehr Zeit mitbringen. Mir entging aber nicht, dass Rainer Maria Rilke zu den großen schriftstellerischen Größen der Stadt gehörte, ja sogar hier geboren wurde.
Ich dachte auch daran, dass Vaclav Havel, damals war er noch nicht Präsident, ein weiterer berühmter Schriftsteller der Stadt war. Das Theater für das er damals Stücke schrieb, hatte ich bei meinem Rundgang gesehen. Als er noch nicht so bekannt war, hat er hier Kulissen geschoben.
Im Nachhinein erfuhr ich, dass auch Werfel, Meyrink, Neruda, Capek und Hrabal in Prag gewirkt hatten. Obwohl ich nicht alle kenne, bereicherten sie das literarische Leben Prags.
Auf jeden Fall befreite ich mich am frühen Abend aus den "Krallen" 1 Prags. Ich wollte die Heimreise antreten, denn ich musste am kommenden Tag arbeiten. Es fiel mir sehr schwer, aber ich fuhr in der Gewissheit, mich in der Zukunft noch näher mit der Stadt und seinen Schriftstellern zu befassen.
Im Sleep-in angekommen, packte ich meine Sachen und brachte sie ins Auto. Dann fuhr ich wieder über Pilsen zurück nach Deutschland. In der Nacht kam ich zu Hause an und am nächsten Tag las erst einmal die Geschichten vom braven Soldaten Schweijk, die ich noch besaß.

K.Farr




Teilen auf

Mein Interessenprofil

Bitte melden Sie sich an, um Reiseziele zu Ihrem Interessenprofil hinzuzufügen.

Kommentare

Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar abzugeben. Fahrt nach Prag 5.00 2

Beliebte Community-Inhalte: AustralienNorwegenThailandVietnamItalienBarcelonaIndien ReiseführerIndien Tipps