Mal kurz nach Indien - Teil 1 - von Mumbai über Goa nach Agra

Reisebericht

Mal kurz nach Indien - Teil 1 - von Mumbai über Goa nach Agra

Reisebericht: Mal kurz nach Indien - Teil 1 - von Mumbai über Goa nach Agra

Indien zu bereisen - ein Lebenstraum.

Schließlich bin ich einfach mal los und habe 3 Monate in Indien zugebracht.
Ein Monat in Goa und dann quer durch den Subkontinent ohne Plan und ohne jegliche Ahnung :)

Vorbereitung

... nun ja, so eine richtige Vorbereitung war das schon mal nicht.
Klar habe ich mich über angebotene Rund- und Pauschalreisen informiert, habe mir die Landkarte von Indien angeschaut und das Internet nach Reiseberichten durchforstet.

Ich habe die vielen Ratschläge gelesen, mir überlegt, welche Impfungen ich benötigen würde und was ich so alles in meinem Rucksack verstauen muss.
Mehr aus Spaß hatte ich auch schon im Oktober 2012 das Antragsformular für ein Visa aus dem Internet geladen und ausgefüllt - ich fülle halt mal gerne aus Spaß Vordrucke aus.
Passbilder hatte ich ja auch noch und der Dienstleister für die Beschaffung des indischen Visums beim Generalkonsulat ist hier in Hamburg auch nicht so weit weg ... und ein Visa zu haben, verpflichtet ja noch lange nicht dazu, auch wirklich zu reisen.
Zudem hatte ich für November/Dezember auch schon ein gutes Hotel in Mahdia/Tunesien gebucht und bezahlt und woher soll ich wissen, was danach ist und wie es mir dann geht!?
Tunesien war nicht viel anders als sonst. Gutes und vor allem mir bekömmliches Essen, dank ein paar Dinar täglich auch etwas Service und Zimmerreinigung. Nur dass ich auch brutal überfallen und ausgeraubt wurde, war mir zuvor nicht passiert.
Weihnachten in Hamburg als alleinstehender älterer Mann nicht wirklich prickelnd und dazu die zunehmende Kälte.

Anfang des neuen Jahres immer schon mal im Internet auf der Suche nach pauschalen Urlaubszielen. Noch einmal nach Ägypten? In die Karibik? Oder wirklich nach Indien?
Von Hamburg nach Mumbai eigentlich ein guter Preis von etwas über 500 € hin und zurück (matrix.itasoftware.com) und noch ehe ich es mir wirklich gut durchdacht hatte, war der Flug schon bezahlt.
Das halbe Jahr seit der letzten Krebsnachsorge war auch schon um und vor dem nunmehr fest gebuchtem Flug konnte ich auch keinen Termin mehr beim Onkologen bekommen. Wozu eigentlich Impfungen, die mich in weiter Zukunft vor Erkrankungen schützen sollen?
Hatte der indische Außenminister damals nicht recht, als er um die zu vernichtenden Rinderhälften aus Deutschland bat und den Einwänden mit der Aussage begegnete, dass es ihm lieber wäre, wenn in 40 oder 50 Jahren ein paar seine Landsleute eventuell an Rinderwahn erkranken würden, als wenn in kurzer Zeit Tausende seiner Mitbürger verhungerten?
Was packe ich denn nun wirklich in den Rucksack?
Pass, etwas Geld, die EC- und Kreditkarten.
Auf dem USB-Stick die Adressen, die ganzen Geheimnummern, die ich mir nie merken kann sowie Kopien vom Pass, von den anderen Ausweisen und die Internet-Adressen, wo ich diese als Bilddateien noch einmal gesichert abgelegt hatte.
Einen Reiseführer in Buchform zum Nachlesen - mit 1,3 kg das schwerste Gepäckstück überhaupt.

Mückenschutz, der nur für die Mittagsruhe taugt da nur bis 4 Stunden wirksam, Sonnenschutzcreme, auf die ich nach einem monatelangem Aufenthalt im sonnigen Tunesien auch verzichten kann, einen leichten Bettbezug, den man in warmen Ländern auch als Schlafsack nutzen kann und ein paar leichte Sachen zum Anziehen ... zusammen keine 15 kg.
Am 19. Januar morgens noch mal schnell den PC an ... Flug gestrichen wegen Streik des Sicherheitspersonals!?
Grenzkontrolle als staatliche Hoheitsaufgabe in den Händen privater Sicherheitsfirmen!?
Mein Erstaunen hielt sich aber in Grenzen, weil ich auch schon gehört hatte, dass Kasernen der Bundeswehr dem Schutz privater Sicherheisfirmen vertrauten oder sich derer noch immer bedienen.
Ich buche nun doch noch ein Zimmer in Mumbai, die Nacht für 1000 Rupees, um wenigstens einen Anlaufpunkt nach der Landung zu haben und nicht - erschöpft wie ich nach dem langen Flug möglicherweise bin - lange umherirren und suchen muss.
Als Fatalist stellte ich meinen leichten Rucksack ohne große Aufregung halt wieder ab und versuchte am Sonntag einen erneuten Anlauf, wobei ich für die Abfertigung am Airport 3 Stunden statt der vorgegebenen 2 Stunden einplante ... und es hat alles ohne Schwierigkeiten geklappt!



Gate of India in Mumbai



Ankunft im Mumbai und Flucht nach Goa

Blick über den Slum von Mumbai

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Diesen Flug von Hamburg nach Mumbai via Istanbul hatte ich aus Kostengründen bei Turkish Airlines gebucht, einer Fluggesellschaft, die in der Eigenwerbung behauptet, eine der Besten im Vergleich der Europäischen Fluggesellschaften zu sein, wobei mir schleierhaft ist, warum sich diese Gesellschaft aus einem Land, das zum überwiegenden Teil in Asien liegt und nur zu einem Zipfel in Europa reicht, gerade derart vergleicht ... zumal sie international operiert.
Der Service ist eher mäßig. Schon bei der Ticketausgabe keine erklärenden Worte, kein Hinweis auf das Gate oder so. Das Essen durchschnittlich und vor der Landung in Mumbai wurde der Müll nicht entsorgt. Zudem hat der Kapitän den Airbus 330 recht unsanft auf die Landebahn gesetzt.

Die Einreise-Abfertigung in Mumbai dann die Langwierigste, die ich bisher erlebt habe und nur noch von der Zeit übertroffen, die ich auf meinen Rucksack am Gepäckband warten musste.
Auf dem Gepäckband die Koffer und Taschen von 2 gelandeten Maschinen und daher Massen von Reisenden darum herum eng gedrängt, sodass ich kaum schauen konnte, ob mein halb leerer Rucksack endlich angeholpert kommt.
Die Zollbeamten dahinter emsig beschäftigt, das Gepäck meiner Mitreisenden zu durchsuchen - ich war wohl einer der Wenigen, die unbehelligt blieben.
An den Wechselstuben wieder lange Schlangen und der angeschlagene Wechselkurs mit 1:68 um 5 Rupeen unter dem offiziellen Kurs von 1:73.
Ich entdecke einen Hinweis auf weitere Wechselstuben in Nähe des Ausganges und folge den Pfeilen.
Da stehen wirklich nur ein paar Leute an aber der Wechselkurs war der Gleiche.
Ein paar Schritte vor die Ausgangstür, um zu schauen, ob da nicht Wechselstuben mit günstigerer Rate sind - und zwei bewaffnete Polizisten verwehren mir den Zugang zurück!
Es wurde dann ein Angestellter des inzwischen leeren Schalters innen an die Tür gerufen, der dann gnädig meine EUROs gegen Rupeen 1:63 tauschte 
Der Schalter für die Voraus-Bezahlung eines Taxies war aber dann draußen und da ich nun Geld hatte, konnte ich auch die 200 Rp. bezahlen, erhielt einen Zettel und durfte mir auf dem riesigen Parkplatz das Taxi suchen, von dem das Kennzeichen auf meinem Zettel stand.

Die Fahrt war recht kurz - aber am Ziel nichts, was auch nur entfernt nach "Hotel" aussah. Auf einem der massenhaften Leuchtreklamen und - schildern dann doch das Wort "Eden ..." entdeckt. Unten ein Immobilienmakler und über eine schmale, steile Stiege das Hotel darüber zu erreichen.
Dort oben lag auch ein Mann schlafend auf einer Matte, den ich durch Klopfen weckte und der mir mein voraus in Hamburg über Internet gebuchtes Zimmer zeigte: 3 mal 3 Meter im Geviert, ein Doppelbett, eine Komode mit uralt FS darauf und Schwamm in den Wänden. Winziges Klo und Waschbecken in Größe eines Suppentellers, kein Fenster, kein Stuhl, nichts weiter!
Inzwischen war es 7 Uhr und ich habe mich zum Schlafen noch nicht mal ausgezogen und ein paar Stunden Schlaf nachgeholt. Wäre ich nicht so geschafft gewesen, hätte ich wohl dem Fluchtimpuls nachgegeben.
Gegen 10 Uhr wache ich auf und mache mich auf die Socken (an dem Tag trug ich tatsächlich noch Socken), die nähere Gegend zu erkunden und dieses neue Land zu "erlernen".
Mir fehlen einfach die grundlegenden Kenntnisse über das Leben in diesem sozialen Umfeld.
Das geht schon mal mit der frenden Währung los. Jeden Schein betrachten und nach Zahlen absuchen, dann nach Wertigkeit sortieren. Von 10 bis 1000 ist alles dabei und Geldstücke gibt es auch noch.
Dann die Fortbewegung. Es fahren Busse - aber wohin? Vieles in der Straße ist verständlich für mich geschrieben. Was vorne an den Bussen steht oder an den Haltestellen, das kann ich nicht entziffern.
Soll ich jemanden fragen? Ohne Stadtplan könnte ich mit der Antwort aber auch nichts anfangen - und den habe ich nicht. Wie bezahlen? Brauche ich vorher gekaufte Tickets oder zahle ich im Bus? Brauche ich passend Geld oder wird gewechselt?
Etwas kaufen oder auch nur im Restaurant bestellen. Gibt es Festpreise oder muss ich handeln?
In manchen Gaststätten kann ich die Speisekarte zwar lesen ... was ich dann aber bestelle - null Ahnung, was ich letztendlich auf den Teller bekomme 
Ich sehe auf der Straße niemanden rauchen, schaue mich um und entdecke doch die eine oder andere Kippe am Kantstein der sonst sauberen Straße.
Ich verlasse die laute und hektische Ladenstraße und bin in einem Gewirr von Gassen, in denen sich das Leben der Bewohner öffentlich abspielt. Es wird Essen bereitet, es wird gewaschen und gebügelt, gefegt und Wäsche aufgehängt. Die Kinder spielen mit Kreisel und Peitsche, fahren Rad oder halten einen Kricketschläger in der Hand auf dem Weg zum Sportplatz. Alle Leute sind adrett und sauber gekleidet, man kann Moslem und Hindu unterscheiden.
Nur die Allerkleinsten sind nackig oder haben nur ein Hemdchen an ... das spart Windeln.

Schulkinder in Uniformen - je nach Schule in anderen Farbe, Mustern und Schnitt - sind auf dem Weg nach Hause. Ich schätze 80 % aller Kinder sind Knaben.
Ich erklimme eine steile Gasse, um dann feststellen zu müssen, dass es eine Sackgasse ist. Ich habe aber einen schönen Überblick über die Stadt von dort.
Bei solch langen Wanderungen muss ich natürlich oft ausruhen. Einmal werde ich gefragt, ob es mir auch gut geht und ich komme in ein Gespräch mit dem Mann. In Ägypten oder Tunesien wäre solch ein Gespräch immer in Richtung meiner Barschaft verlaufen; Dieses Gespräch endete freundlich und mit den besten Wünschen.
Ein einziges Mal in den 6 Stunden, die ich unterwegs war, kam mir eine Bettlerin mit vorgestreckter Hand entgegen. In der anderen Hand hielt sie eine Rassel und etliche Kinder liefen hinter ihr her.
Als diese Frau auf mich zuschwenkte, haben die Kinder sie mit Dreck beworfen ...
Ich habe auch eine Weile beim Kricket zugesehen - und wurde promt eingeladen, mitzuspielen. Ich habe dankend abgelehnt - die Spielregeln habe ich bis heute nicht begriffen.
Englisch ist offizielle Behörden- und Landessprache aber auch hier wurde ich des öfteren gefragt, warum ich nicht Hindi lernen würde ...
Den Abend dann verbrachte ich in einer "Bar Beer". Um dort eintreten zu dürfen, muss man mindestens 21 Jahre alt sein und es herrscht striktes Rauchverbot. Das Bier in großen Flaschen hat mehr als 8 % Alkohol und ist mir schnell in den Kopf gestiegen, zumal ich schlichtweg vergessen hatte, was zu essen.
Meine letzte Mahlzeit hatte ich also am Tage zuvor im Flieger und die war alles andere als reichhaltig.
Zurück in das Hotel mit der Motor-Rikshaw, die andernorts Tuk-Tuk genannt wird, war aber kein Problem.
So, das war mein erster Tag in Indien, in den Suburbs von Mumbai; Auch bekannt als der "größte Slum in Asien", ein Slum mit Spiel- und Sportplätzen, mit Fitnesstudios, Cybershops und Schulen, mit zahlreichen Handy- und Computerläden und Unmengen von freundlichen und fröhlichen Menschen ...

22.01.2013
Da ich recht früh im Bett war, wache ich bereits um 3 Uhr das erste Mal auf. Ich fühle mich unwohl in diesem winzigen Kabuff, habe Kopfschmerzen und meine Augen brennen.
Das Hotel liegt an einer Hauptverkehrsstrasse und tagsüber dringt durch ein kleines Oberlich, das zum Flur hin offen ist steter und sehr lauter Strassenlärm. Jetzt ist Stille, absolute Ruhe. Ich habe Klimaanlage und Ventilator aus und höre kein Geräusch von aussen!
Ich lege mich wieder hin und schlafe weiter bis gegen 6 Uhr.
Ein Spaziergang in morgentlicher Frische führt mich außerhalb in eine bewaldete Müllkippe und ich mache kehrt.
Ich mache Pause auf einer steinernen Brücke und beobachte alte Frauen, die sich aus alten Kartoffelsäcken erheben um ihren Tag zu beginnen. Sie benutzen Stöckchen zu Zähne putzen.
Ein Mann schiebt ein Fahrrad, an dessen Gepäckträger Milchkannen aus Aluminiumguss angehängt sind. An solche Kannen erinnere ich mich aus meiner eigenen Kinderzeit.
Ich spaziere an meinem Hotel vorbei bis zu der Straße, die letztendlich nach Colaba führt. Die ist bereits verstopft und alles hupt und qualmt, obwohl die Fahrer sicher aus Erfahrung wissen, dass Hupen auch kein schnelleres Fortkommen bewirkt.

Meine Kopfschmerzen nehmen zu und auch das Brennen meiner Augen ist nicht mehr auszuhalten - ich beschließe, so schnell wie möglich abzureisen.
Trotz meiner überaus schlechten Erfahrungen mit Reisebüros in Bangkok, gehe ich hinein in das winzige Büro, in dem sich bereits 3 Leute aufhalten. Als 5. Person wird jemand gerufen, der etwas English versteht.
Als Erstes wird mir eine Tagestour von 8 Stunden zur Besichtigung der Stadt angeboten. Ich versuche denen klar zu machen, dass sie für mich ein Zug- oder Busticket für den nächsten Tag buchen sollen. Alleine schon die Abfahrtzeit zu vereinbaren gestaltet sich schwierig.
Nach einer weiteren Stunde Palaver - meist in Hindi - soll ich am Abend mein Busticket Sleeper ohne AC nach Panjim abholen.
Der Preis für die Tagestour ist auf 1500 Rupees gesunken und ich wähle den fast neuen Minivan und wir starten unverzüglich.

Es geht Richtung Colaba im Schneckentempo. Mumbai ist motorisiert, Fahrräder sind eher Kinderspielzeug denn Fortbewegungsmittel. Nach Colaba hinein sind Tuk-Tuk's nicht erlaubt - nur Taxies und das hat Staus zur Folge, die den ganzen Tag über bestehen.
Der Fahrer schimpft auf den Verkehr, obwohl er die Situation natürlich kennt und auch mir war vorher klar, dass wir für die ca. 13 km mindestens 2 Stunden benötigen werden.
Ich hake brav die Sehenswürdigkeiten auf der Rückseite meines Vertrages ab - die stimmt fast mit den in meinem Reiseführer empfohlenen Zielen überein. Dass das Museum am Montag geschlossen hat, stört mich weniger.
Zwischendurch lade ich meinen Fahrer zum Lunch ein und wir essen reichlich und gut in einem Lokal, in dem ich der einzige Ausländer bin.
Am Abend bekomme ich mein Busticket für den nächsten Tag und nach einem Bier beschließe ich, den Tag zu beenden.



Museum in Mumbai



Busfahrt nach Panjim

23.01.2013
Ich habe bis zum Abend Zeit. Gegen 18 Uhr wird mich ein PKW vom Hotel abholen und pünktlich zur Abfahrt des Busses bringen. Die Zwischenzeit verbringe ich in der Umgebung des Hotels, esse da, wo auch Einheimische sich was zu Essen kaufen - kastenübergreifend - Gesottenes aus der Straßen-Fritteuse 
Ich trinke etliche Becher "Indischen Tee" und weiß inzwischen, dass Zigaretten und Getränke aus Flaschen Festpreise haben, die auf den Packungen stehen.
Der zeitliche Unterschied zu Deutschland beträgt 3 und eine halbe Stunde. Für die heißeste Zeit des Tages suche ich mir - wie die nächsten Wochen und Monate auch - ein Internet-Kaffee mit Deckenventilator, spiele ein wenig und schreibe E-Mails an Freunde in der Heimat.
Gegen 18:30 Uhr bin ich im Büro des Busunternehmens, gebe dort meinen Rucksack ab und erkunde die Umgebung.
Das Reisebüro hat seine Dienstleistung fair berechnet. Der Fahrpreis bei der Busgesellschaft ist nicht viel niedriger als der Preis, den ich bezahlt hatte. Den Preis habe ich mir nicht gemerkt aber Reisen mit Bus ist in Indien für unsere Erfahrungen sehr günstig und Bahnfahren noch preiswerter, wenn auch etwas komplizierter.
Pünktlich zur Abfahrtszeit stehe ich auch an der Strasse und warte. Ich hole meinen Rucksack und erkundige mich nach etwaigen Verspätungen - und werde vertröstet.
Letztendlich mit einer Stunde Verspätung werde ich in einen Bus komplimentiert, der aber über Sitzplätze statt der erwarteten Liegen bestückt ist.
Nach ca. 20 bis 30 gefahrenen Kilometern halten wir hinter einem "Sleeper-Bus" und ich steige um.
Die Liegen sind nicht sehr geräumig aber trotzdem gemütlich - ich habe ausreichend Platz, mich auszustrecken und mein Gepäck sowie die Schuhe haben auch noch Platz. Ich kann die Schiebefenster zum Busgang schließen und die Fenster nach außen öffnen. Es macht einfach nur Spaß, durch die laue Nacht zu fahren. An Haltestellen bedienen fliegende Händler die Reisenden mit Tee, Wasser und etlichen verschiedenen Snacks zu unglaublich niedrigen Preisen - und in den drei Monaten und tauenden zurückgelegter Kilometer mit Bussen und Bahnen hatte ich nie Verdauungsprobleme ... die habe ich jetzt erst wieder bekommen, seit ich in Deutschland bin.



Wahrzeichen von Panjim, Hauptstadt Goas



Relaxen in Goa

Eine Woche in Panjim
24.01.2013 bis 01.02.2013
Morgens Ankunft in ... nun ja, das Ziel war Panjim, die Hauptstadt des kleinen indischen Bumdesstaates Goa. Der Bus beendete seine Fahrt auf einem Parkplatz an der Landstraße, etliche Taxies warten auf Fahrgäste ... auch wieder nicht richtig, denn die Fahrer stürmen auf potentielle Kunden zu und kämpfen um deren Gepäck.
Ich habe keine Ahnung, wo die Stadt von hier aus liegt und wie viel der Preis dorthin betragen könnte.

Da ich auch kein Hotel als Ziel nennen kann, bin ich leichtes Opfer.
Natürlich kennt der Fahrer das perfekte Hotel für mich und ist bereit, mich für "nur" 300 Rupees dahin zu befördern.
Die Stadt liegt nicht weit hinter den Hügeln und das Hotel in das er mich begleitet, hat freie Zimmer. Ich schau mir eines an und erkundige mich nach dem Preis an der Rezeption.
Man nennt mir 1.600 Rupees für die Nacht ... auf der Preistafel an der Wand stehen 860 ...
Ich gehe runter zum Taxi, entnehme meinen Rucksack und entlöhne den Fahrer entgegen seiner Proteste.
Dann bin ich bei weit mehr als 30 Grad von einem Drecksloch von Hotel zum nächsten gewandert.
Irgendwann nach 2 Stunden stand ich vor einem wirklich hübschem Gebäude, frisch gestrichen und da standen etliche Paar Schuhe vor dem offenen Eingang. Nur mal so aus Neugierde habe auch ich meine Schuhe dort abgestellt und bin auf den ersten dicken Mann, den ich hier in Indien gesehen habe, zugegangen.
Wie sich herausstellte, war das der Eigentümer dieser Nobelherberge. Der kam mir auch schon mit einem Schlüssel in der Hand entgegen und schloss das Zimmer gleich neben dem Eingang auf.
... ein Traum von einem Zimmer ... absolut ausserhalb meines Budgets 
Habe ich ihm auch gleich gesagt. Regulär kostet das Zimmer 5.000 Rupien am Tag und das sind an die 80 EURO. Er hätte auch Zimmer für 3.000 Rupien, würde mir dieses aber für 3.000 und noch mal 40% Nachlass anbieten, so ich für eine Woche miete.

Da konnte ich nun wirklich nicht mehr ablehnen. So bin ich also vom Slumdog flugs zum Maharadscha aufgestiegen - zumindest, was die Unterbringung anbelangt.
Auch sonst schwelgte ich in Panjim in Genüssen. Das Essen fabelhaft, alkoholische und andere Getränke weitaus günstiger als anderswo in Indien. Der Mietpreis für ein Motorbike erschwinglich, die Leute sind ausgesprochen freundlich auch wenn ich deren Sprache nicht kann und selbst deren English unverständlich ist. Wollte der Mann mich soeben zum Dart spielen einladen oder meinte er die 3. Strasse auf der linken Seite?!

Meine dreckige Kleidung wurde von einem Mitarbeiter der Wäscherei aus dem Hotel abgeholt und nun ist mir auch klar, warum die Leute hier keine Socken tragen: Der Preis der Reinigung geht nach Anzahl der zu reinigenden Stücke. Das Paar Socken kommt mich also doppelt so teuer, wie die Hose. Ich laufe jetzt auch nur noch barfuss in meinen Plastikclocks und benutze Zellstoff zum Naseputzen.
Heute am Abend ist ein Folklore-Festival in Campal, 4 Kilometer flussab, dessen Besuch mir mein netter Hoteleigner empfohlen hat und die nächste Etappe wird dann entweder Nordgoa (soll aber von Russen okkupiert sein, die hier einfallen, seit der Wodka in Moskau und Novosibirsk teurer geworden ist) oder an die Strände des ruhigeren Suedens. Da dann aber wirklich als "backpacker" in einer simplen Strandhütte.



Agondabeach



An den Stränden Goas

Mit dem gemieteten Bike fuhr ich nach Old Goa, geschichtsträchtig und ansonsten von Bewohnern verlassen, besuchte Gewürzplantagen und Klöster oder fuhr einfach nur durch die Landschaft.
Ich vermute, dass Goa das einzige Bundesland Indiens ist, wo man - ohne explizit suchen zu müssen - stets ein Bier zum Essen und einen Schnaps danach bekommen kann und das zu angenehmen Preisen.
In Panjim habe ich verstanden, dass es "Indien" als Staat gar nicht gibt. Die einzelnen Bundesstaaten sind wohl unterschiedlicher, als es die Staaten der Europäischen Union inzwischen sind.

Benaulim und Agonda
Eine Stunde Busfahrt nach Margao mit dem Express-Bus, umsteigen nach Benaulim und nach einem passenden Zimmer suchen.
Den passenden Anschlussbus zu finden ist aber auch nicht ganz so leicht. Fünf Leute fragen - und alle weisen in unterschiedliche Richtungen. Vielleicht einer von zehn nimmt sich die Zeit, mir zu erklären, dass mein Bus von der Strasse hinter dem Stadtpark abfährt und nicht vom Busbahnhof bei der Tankstelle, an der wir uns gerade befinden.
An der richtigen Abfahrtsstelle rufen die Kondukteure der Busse die Fahrtziele aus, werden aber übertönt durch die zahlreichen Verkäufer von Orangen und anderen Waren.
Ich frage also, ob sein Bus den nach Benaulim fahren würde und er bestätigt. Nach drei Halten weist der mich darauf hin, dass ich aussteigen müsste.
Ich bin hier aber nicht in Benaulim und bei Nachfrage wird mir von Passanten die Gegenrichtung gewiesen ... ich lande wieder am Ausgangspunkt, wo ich dann den direkten Bus erwische.

Der Schaffner hier will wissen, welche Station von Benaulim ich aussteigen möchte . Ich kann nur antworten, dass ich dahin möchte, wo viele Gasthäuser sind und steige "Maria Hall" aus.
Das erste Mal, dass ich wegen "Ausbuchung" des Hotels abgewiesen werde aber ich finde eine Unterkunft nahe der Strasse zum Meer in Benaulim. Die Vermieterin will mir zwar eine Wohnung mit zwei Schlafräumen, Wohnbereich, Küche und Toilette vermieten, wir einigen uns dann doch darauf, dass ich nur eines der beiden Schlafzimmer für drei Tage brauche.
Benaulim präsentiert sich mir "beschaulich" und ruhig. Allerdings sind die Unterkünfte, Hütten und Verkaufsbuden des Ortes etliche hundert Meter vom herrlichen Strand entfernt. An der Beach nur ein paar Restaurants und die Verkaufsstände am Parkplatz.
Ein gemieteter Motorroller macht mich mobil, der Tagespreis erschwinglich. Für eine Woche bekomme ich Rabat.

Am folgenden Morgen, als ich mein Zimmer gerade verlasse, komme ich mit einem Landsman aus Köln in das Gespräch, der wegen eines Trauerfalles in der Familie seinen Rückflug in Benaulim umbuchen muss und ansonsten in Agonda Wohnung genommen hat.
Er spricht von einer "duften Truppe" dort in Agonda und ich fahre mit ihm zusammen dort hin. Auch mir gefällt der Ort und die Gesellschaft dort besser als die in Benaulim und ich beschließe, nach Agonda umzusiedeln.

Hier habe ich Glück mit der Zimmersuchen. Miete ein sauberes und schlichtes Zimmer unweit vom Strand. Es gibt teurere Unterkünfte direkt am Strand aber das Argument, kein Sand im Bett zu mögen, überzeugt auch mich.
Lässiges Verweilen und Geniessen wird zur Hauptbeschäftigung.
Das nächstgelegene Strandrestaurant als Heimstatt erkoren, wo man köstliche Speisen und gekühlte Getränke bekommt, die Rechnung dann begleicht, wenn man mal Geld dabei hat und ansonsten angeschrieben wird.



Tägliches Fernsehen - der Sonnenuntergang

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Bahnfahren in Indien

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Die Dauer für den Weg zum Bahnsteig und dort zum gebuchten Wagen und Platz sollte nicht unterschätzt werden.
Der Vergleich des überlangen Zuges mit einem blauen Tausendfüssler mit runden Schuhen hinkt, weil bei diesem Zug weder Vorder- noch Hinterteil zu sehen ist. Ich denke, zur Not könnte dieses Gebilde auch für Gefangenentransporte Verwendung finden. Alle Fenster sind winzig und vergittert; Die Außenhaut macht den Eindruck, als könnte sie dem Beschuss mit Handfeuerwaffen durchaus standhalten.
Wir verabschieden uns herzlich, nicht ohne uns gegenseitig zu versichern, in Kontakt zu bleiben und uns über künftige Reisepläne auszutauschen ob der Möglichkeit, gemeinsame Unternehmungen abzuwägen.

Schon kurz nach der Abfahrt nach Norden - mit meinem Rucksack als schräge Rückenstütze in Fahrtrichtung ausgestreckt und mit freiem Blick durch die waagerechten Gitterstäbe hindurch auf die Landschaft - kommt ein spilleriger, gerade der Mutterbrust entwöhnter Knabe und zeigt mir die Handhabung seines neuen Spielzeug-Truks. Ich revangiere mich, indem ich ihm beibringe, wie man mit verschiedenen Stiften Seiten eines Schulheftes bekritzelt und gebe mit meiner Dynamo-getriebenen Taschenlampe an.
Dass alles, was als Verpackung, Umhüllung oder sonstwie nutzlos Gewordenes aus dem Fenster fliegt, weiss er allerdings schon und so fliegt auch die Kappe meines Fineliners erstmal nach draussen.
Auf diese Weise komme ich in die Gesellschaft eines überaus quirligen Bettgenossen für die meiste Zeit der langen Fahrt nach Ahmedabad.
Nur bei der Einfahrt in einen der zahlreichen Tunnel sucht er schnell die Nähe seiner beschützenden Mutter.

Blökende junge Maenner eilen schnellen Schrittes durch den schmalen Gang des Wagons, tragen schwere Pappkartons auf der Schulter, zu zweit Plastikkisten voller Getränke in Plastikflaschen, halten Einlegesohlen und ominöse Plastikkärtchen in den Händen, weisen Girlanden von Ohrsteckern und Schlüsselanhängern vor oder wollen Spielsachen verhökern. Für Spielzeug hat der Papa meines kleinen Freundes ja schon gesorgt, so beobachte ich, was meine Nachbarn tun und was die an Entgelt reichen und ahme nach.
Nu r ein einziges Mal entsorge ich das aus dem Pappkarton bereitete Essen, nachdem ich ein paar Löffelchen davon gekostet habe. Es war gepuffter Reis mit Kichererbsen, gehackten Zwiebeln, anderem Gemüse und reichlich Gewürzen, fein abgerundet mit reichlich Tabasko und einem kräftigen Schuss Salzsäure. Geschmacklich nicht schlecht - nur graut's mir stets vor den Spätfolgen solcher Genüsse.
Ich gebe eine leere Plastikflasche an die Verkäufer zurück, um dann mit anzusehen, wie die sie durch das Fenster entsorgen ...
Eine Frau verteilt Handzettel , bedruckt mit einer mir nicht zugänglichen Schriftsprache - der Form nach könnte es sich um ein Gedicht handeln.
Als sie später die Blätter wieder einsammelt und dazu Geld haben möchte, gebe ich ihr nur die Lyrik zurück ... ich stehe halt mehr auf verständliche Prosa.
Neben der Bettelei, die wie vieles Andere per Aushang verboten ist, nerven mich die Errungenschaften der neuesten Zeit. Aus allen Ecken und Richtungen des Wagens schrillen Klingeltöne und kommt quäkiger Sound von Techno- und aktueller indischer Volksmusik.
Wenn Kleinchen also mal damit beschäftigt ist, seine noch um vieles kleinere Schwester zu ärgern und zum Heulen zu bringen, setze ich mich in eine der stets offenen Aussentüren, lasse die Beine baumeln und beobachte die vorbeiziehende Landschaft und den vorbeifliegenden Müll, den die Leute aus den vorderen Wagen gerade entsorgt haben, auch wenn dabei die Gefahr, mir eine Ladung Spucke einzufangen, nicht unerheblich ist.
Auszuspucken ist wohl neben Kricket in Indien die meistverbreitete Sportart und erstaunt mich immer wieder, was Menge, Weite und Treffsicherheit anbelangt. Ekeliger für mich ist eigentlich nur, stets und ständig Leute zu sehen, die gerade am Pinkeln oder hingehockt am Kacken sind. Auch der Anblick der Leute, die auf allen Vieren auf dem Wagonboden rumwuseln und so tun, als würden sie den reinigen, ist nicht schön zu nennen. Deren Konzentration gilt nicht der Reinigung des Bodens, sondern ist ausschliesslich auf die Reisenden gerichtet, von denen sie Geld erwarten. Sonst wäre ihnen sicherlich nicht das Geldstück entgangen, das über mehrere Stunden unter der Liege mir schräg gegenüber lag.
Ich bekomme heftiges Herzklopfen, als ich den Schaffner in Uniform mit gelbem Turban sehe, der sich von Mitreisenden den Ausweis zeigen lässt und Nachzahlungen quittiert.
Immerhin bin ich unter falschem Namen unterwegs und auf dem Fahrschein ist ausdrücklich vermerkt, dass der nur gültig in Verbindung mit einem Personaldokument und nicht übertragbar ist.
Als ich dran bin, reiche ich ihm freundlichst lächelnd mein Fahrscheinblatt. Er muss als ganz kleiner Junge mal eine Erfahrung gemacht haben, die er bis heute als Entwertung der Fahrscheine pflegt ...
Zum Schlafen bette ich mich, als die Mitreisenden anfangen, die mittlere Liege herunter zu klappen. Der Nummer auf meinem Fahrschein folgend erklimme ich die obersten Liege und habe ein Déjà vu in einen Moment, als ich mal die Küche renovieren wollte und auf die Oberfläche meiner Küchenschränke sah. Ich war wirklich heilfroh, dass ich einen sauberen Bettbezug im Rucksack hatte, den ich nun wie einen Schlafsack verwendete, dazu ein grosses Handtuch unter dem Kopf.
Inder sind absolut rücksichtslos und ausserdem den Lärm gewohnt - ich bin es nicht.
Einen festen Schlaf erreiche ich nicht, oft klingeln Telefone, anschliessende Gespräche sind laut wegen der Fahrgeräusche und mit viel Gelächter: Der Zug hält und Reisende steigend lärmend aus und ein und fliegende Haendler preisen auch des nachts ihre Ware an.
Irgendwie hatte ich 6:00 Uhr als geplante Ankunftszeit im Kopf. Gegen 5:20 Uhr fange ich also an, meine Rucksäcke zu packen und muss auf die Toilette. Es ist das erste Mal, dass ich vor so einem Loch im Boden stehe, das auch meinen Füssen den richtigen Standort zuweist. Ich denke, für einen Anfänger habe ich mich ganz gut geschlagen. Es war aber auch keine Jury anwesend, das objektiv zu beurteilen. Die Zapfstelle für Waschwasser war gebückt in Nasenhöhe und ich weiss, dass man die linke Hand dafür verwendet ... ich hatte Klopapier dabei, sonst hätte ich mir sicher Abzüge in der B-Note ankreiden müssen.
Als ich aus "Latrine Nr.1" herauskomme, steht die Tür gegenüber offen und ich sehe, dass "Latrine Nr.2" mit einer Kloschüssel der gewohnten Art bestückt ist und ebenso "Latrine Nr.4".
Ich wasche mir Hände und Gesicht so gut es eben geht am Waschbecken und gehe an meinen Platz, wo ich mir meinen Fahrschein noch mal bezüglich der geplanten Ankunftszeit richtig anschaue ... geplante Ankunftszeit war um 4:10 Uhr!!!
Leichte Panik steigt in mir hoch. Wir sind doch steil Richtung Norden gefahren, also kaum wahrscheinlich, dass dazwischen zwei Zeitzonen liegen. War denn Ahmedabad wirklich der Endhaltepunkt wie ich bisher vermutete?
Ich entschliesse mich, jemanden zu fragen, ob Ahmedabad vor oder bereits hinter uns liegt und bekomme zur Antwort, dass wir bald da sein werden. Woher der junge Mann das wusste bleibt sein Geheimnis, denn wir standen schon mindestens eine halbe Stunde am selben Fleck - aber es war tatsächlich so.
Am Zwischenziel angekommen hatte ich dann meine beiden Rucksäcke um und den Jungen auf dem Arm, seine Mutti hatte das noch schlafende Baby und der Papa war mit den 28 Gepäckstücken beschäftigt. Zwei Gepäcktraeger halfen ihm schliesslich bei der Umladung auf einen Leiterwagen und ich konnte mich verabschieden.
Wie im Zug ist auch das Rauchen und Ausspucken in den Bahnhöfen strengstens untersagt und es sind Geldstrafe oder Haft angedroht. Hätte ein unnachsichtiger Schaffner mich mit brennender Zigarette erwischt, wäre meine Buße 200 Rupien gewesen (knapp 3 EURO). Fuer sexuelle Belästigung von Frauen "nach Gesetzeslage" nicht unter 2 Jahre Gefängnis usw. usf. ...
Ich habe also den Bahnhof verlassen, um meiner Sucht zu fröhnen und hatte ca. 30 Rikshafahrern zu erklären, dass ich nur einen Zwischenaufenthalt habe. Fluchtartig solcher Aufdringlichkeit wegen in den Bahnhof entkommen, musste ich über die kreuz und quer liegenden Leute dort steigen auf der Suche nach einem freien Platz am Rande. Ein offenes Schnellimbiss-Restaurant war völlig leer und zu meinem Erstaunen waren auch etliche Sitzplätze in einer Sitzreihe mitten in der Vorhalle nicht besetzt. Auch später auf dem Bahnsteig lagen oder saßen die Leute lieber im Dreck auf dem Boden, als sich auf die vorhandenen Alusitze zu setzen.
Auf dem Bahnsteig gab es dann mehrere Zapfstellen, die mit "Trinkwasser" gekennzeichnet sind und man seine Wasserflaschen füllen kann. An Waschtrögen standen Trauben von zähneputzender Menschen.
Ich saß dann dort, won nach Reihungsplan Coach Nr. 05 bereitgestellt werden sollte, als ich plötzlich angesprungen wurde. Drei Jahre alt, 70 cm hoch und knapp 10 kg schwer, Grossteil davon jetzt leuchtende, dunkelbraune Augen ...
Ich erkannte auch den voll beladenen Leiterwagen am Stellpunkt von Coach Nr. 4.
Fast pünktlich verliess dann auch der Zug den Bahnhof - nun in mehr westliche Richtung mit Ziel auf Jodhpur. Inzwischen war es längst hell und ich konnte mir die Landschaft und deren Bewohner wieder im Sonnenlicht betrachten. Schon lange waren die Palmen verschwunden und auch die Laubbäume in grün, gelb und rot lagen hinter uns. Oelbäume in kargen, trockenen Feldern erinnerten mich an Tunesien, es reift aber auch die Baumwolle an ausgedörrtem Buschwerk, es wächst Mais auf eingegrenzten Flächen und erntereifer Reis wartet auf die Sichel der Bauern. Viele der Bauern sind aber noch nicht soweit ... sie hocken nahe der Bahnstrecke und Kacke wächst aus ihrem Hintern ...
Am Himmel sehe ich Wolken und wir durchfuhren einen Landstrich, wo es sogar etwas nieselt.
Auf halbem Wege muss ich mich von meinem knirpsigem Reisegefährten verabschieden, überlege kurz, ob ich die Einladung seines Vaters, ein paar Tage in deren Zuhause als Gast zu verbringen annehmen oder ablehnen soll ... und lehne freundlich und dankbar ab.
Meine Spontaneität liegt also eher im Stundenbereich als bei Minuten oder gar Sekunden.
Die nächsten Stunden im Zug habe ich Zeit, über Wenn und Abers nachzudenken, über entgangene Chancen und Möglichkeiten zu spekulieren und mich zu fragen, warum ich eine ernstgemeinte Einladung ausschlage und mir damit den Weg verbaue, die Sitten und Gebräuche eines Volkes "von innen heraus", vom Leben mit und innerhalb einer einheimischen Familie, kennenzulernen.
Es ist recht einfach, als Alleinreisender ohne Handy und ohne ein Buch vor der Nase mit Mitreisenden in ein Gespräch zu kommen. Freundlich schauen, Blicke erwiedern, grüssend/aufmunternd kurz nicken und schon fast sich der Gegenüber ein Herz und beginnt Fragen zu stellen.
Die Frage eines älteren Inders, ob ich wohl ein "Doktor" wäre, ist schnell beantwortet. Mit einem jungen Paar - er hatte gerade in der "Business Today" gelesen - kam ich in ein längeres Gespräch, das damit endete, dass ich eine Liste von preiswerten Gasthäusern in English und Hindi in Händen hatte und auch den Fahrpreis der Rikscha dahin kannte. Was die Sehenswürdigkeiten betrifft, waren sich die Beiden und mein Reiseführer einig.
Zu dieser Zeit sollte der Zug längst am Ziel angekommen sein und meine Befürchtung, im Dunkeln mit Gepäck kein Zimmer zu finden oder die Wahl einem provisionsgeilem Taxifahrer zu überlassen, konnte ich nun Ziele entgegensetzen.
Nun ja, nach ueber 30 Jahren Arbeit bei und fuer die Eisenbahn kommt mir viele bekannt vor - sei es nun die Pflicht jedes Eisenbahners, vorbeifahrende Zuege zu beobachten (hier wird es mit grünen Fähnchen signalisiert) oder die Abfolge einer "Begegnung" auf eingleisigen Streckenabschnitten - etliches ist neu und skuriel ...
Bahnhöfe Indischer Städte werden mit Ansagen beschallt, die mit einem Gong eingeleitet werden und wo man in der Regel nur versteht, dass um Aufmerksamkeit gebeten wird. Von der eigentlich wichtigen Information habe ich oftmals nur die Zugnummer erkannt, die aber auch mit dem aktuellen Geschehen wenig zu tun hatte. Wurde die Tonbandansage mal von einer Männerstimme mit aktueller Meldung unterbrochen, war das in Hindi.



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Rajasthan und die Thar-Wüste

Festung Jodhpur

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Jodhpur
Welch ein Kontrast zu Goa!
In Jodhpur angekommen, mache ich mich auf den Weg, mir eine Unterkunft zu suchen. Mir helfen die Hinweise von Reisenden aus dem Zug und auch der "lonely planet" liefert Anhaltspunkte, wobei "Geheimtips" aus dem Reiseführer, der in Millionen- Auflage verkauft wurde, natürlich alles andere als geheim sind.
Bevor ich ein Zimmer verbindlich buche - sprich das C-Formular ausfülle und eventuell Anzahlung leiste - , schaue ich es mir an, probiere den Vertilator, das Licht und die Klospülung aus und prüfe die Temperatur des "warmen" Wassers. Zusicherungen und dem treuen Augenaufschlag der Besitzer oder dessen Angestellten sollte man besser nicht zu viel Wahrheitsgehalt beimessen.

Ein Passbild, wie teilweise in Goa, brauche ich im Guesthouse hier nicht hinterlegen. Pass oder Personalausweis behalte ich! Wird von mir ein "Dokument" mit Foto verlangt, tut es auch eine inzwischen ungültig gewordene Karte der Krankenversicherung.
In Jodhpur gelange ich auch zu der Überzeugung, dass Indien für Individualreisende wirklich nur dann zu empfehlen ist, wenn diese über eine ausreichend hohe Ekelschwelle verfügen.
Für empfindsame Personen ist eine Rundreise im klimatisierten Reisebus bei Übernachtungen in ausgewählten Hotels die bessere Wahl.
Jeglicher Unrat und Abfall, insbesondere aber Fäkalien von Kühen, Hunden, anderem Getier und natürlich von den menschlichen Bewohnern landen auf den Straßen der Städte und den offenen Abwasserkanälen. Der Gestank ist penetrant und dazu kommt der Straßenlärm (fast alle LKW haben an der Rückseite die Aufforderung, sie anzuhupen); Mopeds und Motorrädern steht offensichtlich das Recht zu, sich wie Fussgänger zu bewegen. Engste Gassen und Wege werden mit motorisierten Zweirädern mit maximal möglicher Geschwindigkeit befahren - meist also im Schrittempo.
Ich selbst hatte während meines Aufenthaltes aber keine Verletzungen und Inder scheinen wahre Meister in der Beherrschung dieser Fahrzeuge zu sein, wohl auch, weil sie seit frühester Kindheit üben.

Kinder sind es auch, die den Hotelbetrieb in günstigen Unterkünften ermöglichen. Jungen von ca. 12 Jahren leisten die Hauptarbeit im Hotel. Sie putzen, räumen auf, erledigen die Einkäufe und kümmern sich um das Gepäck der Gäste.
Sollte ich jemals ein Kochbuch über die Indische Hotelküche schreiben, würde jedes Gericht beginnen: " Man nehme ein oder zwei kundige Küchenjungen und schicke sie zum Basar ...".
Einmal wollte ich mich bei dem Koch für das köstliche Mahl bedanken. Als ich ihn dann fragte, wie alt er sei, antwortete er mir: "vierzehn".
Ich bin nicht sicher, ob er sich nicht doch als etwas älter ausgab, als er tatsächlich war.

Ganz im Gegensatz zum Slum von Mumbai, habe ich in Jodhpur auch das erste Mal unangenehme Erfahrungen mit bettelnden Kindern machen müssen. Nach einem einleitenden "Hallo" kommt sofort die Forderung nach 10 Rupees. Da ich auch nach mehrmaliger Aufforderung mein Kleingeld in der Tasche behielt, fingen sie an, mit Dreck zu werfen. Das war aber eher schon die Ausnahme, meist blieb es dabei, den Fremdling ziehen zu lassen oder anzubieten, für Geld zu posieren und sich fotografieren zu lassen.



Zu Besuch in einer Färberei für Turbane



Jaisalmer

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In meinem Hotel in Jodhpur habe ich mich erkundigt, wo man in Jaisalmer denn schön unterkommen könnte und bekam Hinweise vom Hotelmanager. Auch in einem anderen Restaurant hatte ich mich beim Kellner nach einer Unterkunft in Jaisalmer erkundigt, allerdings ohne verbindlich zu werden.
Erstaunt war ich deshalb schon, als am Zielort, den ich mit dem Zug nach 2-stündiger Verspätung erreichte, drei Taxen standen, deren Fahrer ein Schild mit meinem Namen hochhielten.
Das 3-tägige Wüstenfestival war ja ursprünglich das Ziel meiner Reise nach Rajasthan.

Ich konnte auch tatsächlich für 450 Rupies am Tag ein Zimmer mieten, musste dann aber feststellen, dass direkt vor dem Fenster gerade Abrissarbeiten mit der entsprechenden Lärm- und Staubbelästigung stattfanden.
Zudem wurde ich jedes Mal, sobald ich mein Zimmer verließ darauf angesprochen, eine Wüstensafari mitzumachen.

Ich habe mir also eine andere Unterkunft innerhalb der Festungsmauern gesucht und bin umgezogen. Abgerechnet wurde das vorherige Zimmer mit 250 Rupeen je Nacht. Das Geschäft lief also tatsächlich darauf hinaus, mit der Vermittlung von Safaries das Geld zu verdienen.
Ich miete mir einen Motorroller, um auf meine Art die Wüste Thar zu erkunden und auch, um zu den "Sam Sand Dunes" in ca. 35 Kilometern Entfernung zu kommen, wo die Veranstaltungen am letzten Tag des Festivals stattfinden werden.
Von den Aktivitäten zum Festival war ich eher enttäuscht. Vielleicht fehlte mir auch einfach nur die indische Geduld, die nicht enden wollenden Reden zu ertragen. Die Aufzählung der Sponsoren, die das Festival ermöglicht hatte, war einfach nur ermüdent, die kurzen Musikeinlagen auch nicht nach meinem Geschmack.
Kamelrennen und Polo von Kamelrücken ... stundenlanges Warten auf Augenblicksereignisse.

Ich borge mir einen der Küchenjungen aus als Fremdenführer und lasse mir die Umgebung zeigen.
Sein Name ist Dalla und er weist mir auch den Weg zu seinem Dorf und macht mich mit seiner Familie bekannt.



Zu Hause bei der Familie des Hotelboys

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In der Thar-Wüste

Bei Kuhhirten

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Grosse Teile der Wüste bei Jaisalmer sind militärisches Sperrgebiet. Vom schwelenden Konflikt mit Pakistan habe ich allerdings nicht viel bemerkt.

Ich bin hinaus in die Wüste gefahren und habe bei Viehhirten angehalten, die mich auch freundlich aufgenommen haben. Promt wurde ich auch dazu eingeladen, mit ihnen zu essen, zu rauchen und mit Opiat versetztes Zuckerzeug zu naschen.
Am nächsten Tag fahre ich meine neuen Freunde noch einmal besuchen, im Gepäckfach des Rollers mehrere Flaschen Bier. Der älteste Sohn eines der Kuhbauern ist aus Mumbai zu Besuch.
Er heißt Joshi Ashish, hat an der Gujarat Universität studiert und arbeitet als Softwareentwickler. Wir werden Freunde auf Facebook.

Ich werde Jaisalmer, die "goldene Stadt" am Rande der Thar-Wüste als eine der schönsten Ortschaften in Indien in Erinnerung behalten, vor allem wegen der freundlichen Menschen in der Wüste, die ich kennen lernen durfte.



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Auf nach Udaipur ...

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... noch immer in Jaisalmer
An Straßenständen gibt es gefüllte Teigtaschen, deren Inhalt im Wesentlichen ein Brei aus Kartoffel und Kichererbsen ist und deren Geschmack wiederum von Gewürzen bestimmt wird ... und an jedem Stand schmeckt es etwas anders. Fuer 10 Rupees bekommt man ein Stück Zeitungspapier und darauf ein solches Gebäck, mit einer Schere in mundgerechte Stücke zerkleinert und mit gehackten Zwiebeln sowie einer Würzsoße obendrauf. Längst sind die Restaurants, Garküchen und selbst einfachste Herbergen auf ausländische Gäste eingestellt.

Ist also nicht so, dass Schärfe das indische Essen bestimmt und der Engländer kann hier am Morgen seinen Haferschleim essen, genau so, wie der Chinese seine Reissuppe oder der Deutsche sein Marmeladenbrötchen (aus der "German Bakery", white or brown rolls).
Witzig sind die Schilder mancher Restaurants schon ... "we serve all kinds of food"; "we are specialists for europeen, chinese, indien, korean, thai, italian, tibetan and all other food".
Ich werde bei Gelegenheit mal versuchen, Eisbein mit Sauerraut zu bekommen 
Ich hatte schon am 27. Februar einen "Sleeper no AC" nach Udaipur gebucht. Eine Fahrt, die 3:30 pm beginnen und nach Plan um 5 Uhr am 1. März enden sollte. Fahrpläne sind hier aber nicht so ernst zu nehmen, da stehen nur ungefähre Richtzeiten.

Die Fahrt von Jodhpur nach Jaisalmer war auch 2 Stunden in der Abfahrt und 3 Stunden in der Ankunft verspätet, wobei ich nur mit Hilfe des Militärs überhaupt in den Zug gekommen bin.
Drei Soldaten haben die Leute aus einem der Aussentüren des Zuges gezerrt, mir den Weg zu meiner Liege gebahnt und dort auch erst 4 Reisende rausgekantet ...
Auf meinen Moped-Ausflügen haben mich "normale" Busse überholt, die aus Jaisalmer kommend voller Menschen waren ... und ich meine wirklich VOLL. Auch auf dem Dach saßen die Leute eng gedrängt und in den Fenstern hingen welche; Ein Bein innen und der restliche Körper außen.

Mein Herbergswirt hatte sich aufgeregt, als ich ihm seine Frage nach dem von mir entrichteten Fahrpreis für die Fahrt nannte: 600 Rupees.
Dass er selbst mich abzockt ist fuer ihn voll in Ordnung (immerhin bezahle ich ihm auch 600 Rupees die Nacht mit der Begründung, es wäre schliesslich Festival-Zeit), dass andere mich um 50 Rupees prellen, regt ihn dagegen auf.

Meine erste kleine Rast auf dem Weg von der Feste Jaisalmer zum Busbahnhof legte ich auf einer Bank am Festungseingang ein, da wo Frauen mit kleinen Kindern auf den gelben Pflastersteinen sitzen und (wohl gefälschten) Silberschmuck verhökern wollen.
Eine dieser Frauen - vielleicht Mitte der Zwanzig und mit Babybauch - setzte sich zu mir und drückte mir ihr Letztgeborenes in den Arm. Als sie mir dann ihre Problem mit dem Kind schildern wollte, hatte ich es auch schon bemerkt ... Hautprobleme.
Nun bin ich noch in der Lage, Flöhe und Läuse zu erkennen. Wanzen habe ich noch nicht mal auf Bildern gesehen und von Krätze habe ich vielleicht mal was gehört. Ich meinte dann nur zu ihr, dass ein Bad und eine gründliche Reinigung für das kleine Mädchen und auch für die anderen drei Kleinkinder vielleicht nicht der schlechteste Start zur Gesundung wäre.

Ist auch nicht das erste Mal, dass ich als ärtztlicher Sachverständige angesprochen wurde. Meine dortige fette und geldgierige Herbergswirtin fragte mich ein paar Tage zuvor, ob ich nicht ein Mittel gegen ihre Magenbeschwerden hätte und ich habe ihr zwei von meinen Kapseln gegen Magengeschwüre gegeben mit der Anweisung, eine sofort und die andere zwei Tage danach zu nehmen. Eine halbe Stunde danach hat sie mir dann freudestrahlend verkündet, dass ihr Bauch nicht mehr schmerzen würde ... bei mir dauert es immer so ca. 2 Stunden, bevor ich Wirkung verspüre.
Mein neugieriger einheimischer Zimmernachbar hat die Geschichte mitbekommen und fragte mich promp, was er tun soll bei beidseitigen Schmerzen direkt über den Hüftknochen und erzählte mir auch, das er eine Stunde nach dem Einschlafen immer noch einmal auf die Toilette muss.
Ihm habe ich greaten, den Abend statt mit Starkbier und Whisky, mit Masala Tschai ausklingen zu lassen. Er wurde ein wenig verlegen und meinte dann, meinem Rat folgen zu wollen. Klar hatte ich gesehen, welchen Müll der Hoteljunge Dalla aus dessen Zimmer rausgetragen hatte.
Wäre ich noch länger in Jaisalmer geblieben, wäre ich vielleicht Indiens neuer Wunderheiler geworden 

Der Bus nach Udaipur war ein schon etwas betagtes Vehikel, unten mit Sitzen ausgestattet und darüber Liegeflächen mit staubigen Matratzen. Die Sitze nummeriert und die Liegeplätze in alphabetischer Reihenfolge. Da aber die Buchstaben längst verblichen und abgescheuert waren (nicht vom Putzen, sondern von Kleidung und Haut der Reisenden), konnte ich nur hoffen, dass "J" - nämlich meine - die zehnte Liege, beginnend hinter dem Fahrer, war.
Ich lag also ausgestreckt, je eine Fensterscheibe zur Gangseite und nach aussen über die jeweils Zweite geschoben und die Abfahrt war auch pünktlich. Unterwegs hielt der Bus dann auf Handzeichen und als auch der Gang mit stehenden Reisenden gefüllt war, habe ich die Fensterfront nach innen geschlossen und auch die Vorhänge zugezogen.

Zum Zu- und Aussteigen hielt der Bus auch nicht etwa an ... er verringerte lediglich die Fahrt und die Leute, die Erfahrung als Mitreisende im Karusselgeschäft hatten, hatten auch die grösste Chance, mitgenommen zu werden.
Ich an meinem offenem Fenster wurde auch regelmäßig bei solchen Gelegenheiten gefüttert. Dazu muß man nur einen kleinen Schein raushalten und schon bekommt man Erdnüsse, Kekse oder auch Piroggen (heißen hier nur anders) zugesteckt bzw. hochgereicht. Wäre für die Leute ein Leichtes gewesen, ohne Gegenleistung das Geld zu nehmen - hat aber immer geklappt.
Schließlich bin ich in meinen Bettbezug-Schlafsack gekrochen, habe auch das Außenfenster geschlossen, konnte aber nicht einschlafen. Bahnübergänge ansich und die unvermeidlichen "Speedbraeker" davor und dahinter sowie an jeder Kreuzung und jedem Ortsein- und -ausgang, etliche Schlaglöcher pro Kilometer und Juckreiz haben mich einfach nicht einschlafen lassen.
Ich hoffe nur, dass es sowas wie "Phantom-Juckreiz" gibt.
Irgendwie bin ich aber dann doch etwas weggetreten, denn gegen 4 Uhr zerrte jemand an meinem linken Fuss und meinte "Uuu-Puh".
Avisiert war die Ankunft zu um 5 Uhr und ich hatte mich auf zwischen 6 und 7 Uhr eingestellt.
Was macht man nur zu solch nächtlicher Zeit in einer dunklen fremden Stadt - außer sich der zudringlichen Tuk-Tuk-Fahrer zu erwehren? Habe mich also auf einer der vielen Holzbänke eines Travel Agents in der Nähe des Busbahnhofes ausgestreckt und dabei meine Rucksäcke als Nackenstütze bzw. meinen Kopf als Diebstahlsicherung benutzt. Außer mir nur eine weitere zugedeckte Gestalt etliche Bänke weiter (hätte aber auch ein Bündel Lumpen sein können).
Kommt einer an und setzt sich auf meine Waden, faßt an mein Knie und will wissen, aus welchem Land ich komme?!

Ich meine Sachen genommen und ein paar Bänke weiter gelegt. Kommt der Typ hinterher, das gleiche Spielchen und meint, er will mir ja nur helfen. Das erste Mal, dass ich in diesem Land unhöflich geworden bin und ihn seine Mama begatten schickte ...
Nach Sonnenaufgang habe ich noch einmal meinen "lonely planet" befragt, in welcher Richtung den wohl das Stadtzentrum sein könnte und bin westlich gewandert, was zu der Zeit kein Problem ist, denn auch hier geht die Sonne im Osten auf und braucht ein paar Minuten, um den Zenit zu erreichen.
Sämtliche Taxidroschken legten einen Zwischenstopp an meiner aktuellen Position ein und ein junger Schleppermann erklärte mir derweil, dass Hotels ausserhalb der Seeseite für mich verboten wären ...
Nach einer Stunde und mehreren Rasten, kam ich dann in eine Gegend, wo die Hotels alle Namen wie "Royal", "Palast" oder "Luxury" tragen, wobei die Schreibfehler in den Namen nicht wirklich auf hohes Niveau hinweisen. Schließlich gehe ich doch in ein gutaussehendes Hotel mit einem richtigen Empfangstresen und -halle, gebe meinen größeren Rucksack dem Portier in Verwahrung und erklimme die vielen Stufen zum "Roof Top Restaurant".

Die Kanne voll Masala-Tee, Rührei mit Käse, Tomaten und Zwiebel, dazu 3 Scheiben frisches Toastbroot sind die umgerechnet 1,50 EURO schon wert. Der Kellner ist schnell, freundlich und aufmerksam und ich frage ihn, was ein Zimmer hier denn wohl so kostet.
Die Frage überfordert ihn sichtlich und er ruft den Hotelmanager oder zumindest seinen derzeitigen Vorgesetzten. Auch der kann meine Frage nicht beantworten und ruft jemanden an und übergibt mir das Telefon.
Der Mann am anderen Ende der Leitung bzw. der Welle fragt mich ob ich 300, 400 oder 500 Rupien ausgeben möchte ... und ich sage ihm, dass 500 Rupien die Nacht für mich schon in Ordnung wären.

Im Nachhinein ist mir natürlich aufgegangen, dass der höhere Preis aus dem Vorhandensein des AC resultiert, wobei ich das Gerät ohnehin nie benutze ... na ja. Das Zimmer ist sehr groß, die Dusche funktioniert und hat wirklich warmes Wasser in der Leitung. Ich bekomme ein frisches Handtuch und Seife und beschließe, mich gründlich zu reinigen ...
Der Koch bringt mir das Essen auf mein Zimmer und gleich am ersten Tag hat er mich gefragt, wann denn meine Teezeiten so wären. Der hat mich wohl für einen Engländer gehalten.

Ich gebe jeden Tag Sachen in die Wäscherei und abends sind die dann sauber und gebügelt. Selbst hier in dieser kleinen Stadt ist die Luft sehr verdreckt. Kommt vor allem durch den Verkehr auf den Strassen und in den schmalen Gassen. Vor nicht allzu langer Zeit haben sich die Menschen hier noch mit Muskelkraft fortbewegt. Heute fahren die Einheimischen mit Mopeds, Motorrädern, Autos sowie mit den Motorrikshaws, da laufen höchstens noch die Touristen zu Fuß. Kein Wunder, dass die Leute hier nicht alt werden und wirklich ein Hohn, dass das Rauchen verpönt ist ... die dreckige Luft, die hier alle ständig atmen, ist viel schlimmer für mich als die gelegentliche Zigarette.



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Gestärkt und gereinigt, hole ich etwas Schlaf nach und mache mich auf, die Umgebung zu erkunden. Die entsprechende Seite aus dem Reiseführer gerissen, gibt mir in etwa die Richtung vor und ich komme am Clocktower vorbei, der gerade restauriert wird und finde endlich auch den See, für den diese City berühmt ist.
Unweit meines Hotels ist auch ein Cybershop, es gibt etliche Garküchen und günstige Restaurants und die "german bakery" ist ebenso vorhanden, wie eine italienische Eisdiele. Mein erster Eindruck der Stadt ist gut und ich richte mich mental auf längeres Verweilen ein.

Ich tue es den Waschfrauen gleich, wasche ein durchgeschwitztes T-shirt, einige Taschentücher und das kleine Handtuch, mit dem ich versucht hatte, den schmierigen Grus von Eisenbahn- und Busliegen zu entfernen. Solch Verhalten eines Touristen wundert und erstaunt natürlich die Einheimischen aber ich habe meinen Spaß dabei.
Den Laden zu finden, wo ich ein Motorbike mieten kann, ist nicht so einfach und das klapperige Gefährt, das ich dann endlich unter dem Hintern habe, macht auch nicht wirklich Freude. Die Ausflüge, die ich dann damit unternehme sind es auch nicht wert, hier Erwähnung zu finden.
Insgesamt ist Udaipur aber durchaus einen Aufenthalt wert und hätte ich gewusst, was mich in Städten wie Gaya oder Patna erwartet, wäre ich sicher etwas länger hier geblieben.



über Jaipur nach Agra

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In Jaisalmer hatte ich den altmodischen Koch, der mir morgens 7:30 Uhr Tee an mein Bett brachte, gefragt, ob er sich in Jaipur auskennen würde und wo man da gut und günstige Unterkunft bekommen könnte.
Klar konnte er ... ich solle doch besser in Jal Mahal, einem nahe gelegenem Vorort ein Zimmer suchen. Da wäre auch ein schöner See und etliche Gasthäuser zur Auswahl.

Auch in Jaipur komme ich in früher Morgenstunde an, fühle mich aber erholt und in der Lage einen längeren Fussmarsch zu machen.
Nun nach bluecity und goldcity also auch pinkcity ...

Wer bis hierher meinem Reisebericht gefolgt ist, wird schon erkannt haben, dass ich starken Stimmungsschwankungen unterliege und Entscheidungen oft nach Bauchgefühl treffe.
Jaipur mag anderen gefallen, mir war die Stadt von Anfang an nicht angenehm und unsymphatisch.
Was andere Reisende als "pink" angesehen haben mögen, war für mich in der Farbscala von "pissgelb bis kackbraun" und hat somit mit dem Geruch harmoniert, den meine stets Nase wahrgenommen hat.

Mit vielen Pausen erreiche ich den "Palast der Winde" und das im Reiseführer beschriebene Museum gegen 10 Uhr. Ich bin erschöpft und die Hitze des Tages beginnt unangenehm zu werden.
Ich halte dann doch eine Fahrradrishaw an und frage den guten Mann, ob er mich nach Jal Mahal bringen könnte ... er kann und tut.
Am See entlang eine Promenade, an der etliche Reisebusse halten und Touristen betrachten See und Souveniers, die auf Matten ausgebreitet sind. Die Verkäufer und Bettler sind aufdringlich.
Ich versuche freundlich zu bleiben und verkneife mir makabre Scherze wie etwa: "Danke ich möchte jetzt kein Baby kaufen .." gegenüber der Bettlerin mit dem Kleinkind.

Statt dessen frage ich einen der allgegenwärtigen Taxifahrer, ob in der Nähe günstige Gasthäuser wären.
Er weist mir den Weg zu einem Hotel am Rande der Hauptstraße, einem modernen Stahlbetonbau, das teuer und einfallslos aussieht.
Trotzdem gehe ich hinein und sofort wird mir ein Zimmer gezeigt.
Es ist teuer und einfallslos! Ich bedanke mich und gehe hinaus mit den Worten auf den Lippen, dass mein Unterkunfts-Budget bei 500 Rupees liegen würde - einem Bruchteil des geforderten Preises.
... selbst als mir hinterhergerufen wird, dass 500 Rupees wohl doch eine Verhandlungsgrundlage sein könnten, steht mein Entschluss fest: Es gefällt mir hier nicht und ich will schnellstmöglich weiterreisen!

Abseits der Hauptstraßen habe ich doch immer Gasthäuser gefunden?!
Ich bin abseits der Hauptstraße nach Jaipur unterwegs und frage ab und zu die Bewohner ... es gibt keine Gasthäuser.
Ich beginne, den Koch in Udaipur zu verfluchen.
Ich erkundige mich bei einem Jugendlichen nach dem Weg zum Bahnhof, folge der gewiesenen Richtung. Der Junge geht neben mir her und wir unterhalten uns in dem Maße, wie unsere Sprachkenntnisse es zulassen.
Nach einem Glas Orangensaft und einem Lassi trägt er meinen größeren Rucksack auf dem Rücken.

Unweit der Stadtmauer von Jaipur bekomme ich in einem Hotel zur Antwort, dass hier an Ausländer nicht vermietet werden darf und die Wegbeschreibung zu einem Gasthaus, in dem ich mich endlich ausruhen kann.
Ich bin fast acht Stunden in zunehmender Hitze gewandert, davon die meiste Zeit mit Gepäck und der Ohnmacht nahe.
Meinem jungen Begleiter gebe ich 100 Rupees Taschengeld für seine Hilfe, was ihn dazu veranlasst am Abend wieder bei mir aufzutauchen in der Hoffnung auf mehr Geld und in Begleitung eines Freundes.
Wir unternehmen zu dritt eine Besichtigungstour durch Jaipur, wobei ich ständig am Ermahnen bin, statt Hindi English zu sprechen ... gebracht hat es kaum etwas.

Zurück im Hotel spendiere ich ihnen eine Cola und ein paar Kekse, kaufe für mich selbst drei Flaschen hochprozentiges Bier in "English Wine and Beer" nebenan und gehe nach dessen Genuss zeitig schlafen.



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Am nächsten Tag kam dann wieder mein "Angestellter" nach der Schule und hatte wieder einen kleinen Freund mit dabei, der dann auch gleich sein "Geschenk" von mir haben wollte.

Ich habe ihnen 60 Rupien gegeben, damit sie sich 2 Cola kaufen können (eine Cola kostet 28 Rupien). Kamen doch die zwei mit einer Cola wieder und gaben mir 6 Rupeen Restgeld und lügen mich noch frech an, dass eine 54 kosten würde, obwohl der Preis aufgedruckt ist  . Ist zwar nur eine kleine Gaunerei und eine freche Lüge - aber es geht mir ja auch um das Prinzip!

Der Typ - so an die 30 Jahre alt - dort an der Rezeption im Hotel hatte mir am Morgen seine Frau angeboten. Erst wollte der faule Sack 1.000 Rupeen die Nacht haben, dann als ich immer wieder NO sagte, sollte ich seine Ehepflichten für 200 Rupien übernehmen!? Auch früher wäre ich bestimmt nicht mit einer Frau in's Bett gestiegen, die noch nicht mal 3 EURO kostet! *Sarkasmus aus*
Ich erwähne diese Sache jetzt auch nur als Fakt ohne Kommentar und Wertung. So etwas Unmoralisches ist mir auf meinen Reisen noch nicht passiert und wird auch in Indien das einzige Mal bleiben.

Also, Jaipur hat mir nicht wirklich gefallen. Hatte dort noch nicht mal ein Bike oder ein Internetcafe gefunden. Ich habe nicht nur schleunigst die Stadt, sondern gleich das Bundesland Radjastan verlassen. Und so bin ich im Bundesland Uddar Pradesh angekommen, in der wohl mit am bekanntesten Stadt Indiens - in Agra. Das Taj Mahal habe ich nicht gleich gefunden, mußte aber in der Nähe sein, denn an der nächsten Kreuzung ist ein Pfeil mit "eastgate tajmahal".



Taj Mahal

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Mit mir im Bus war ein hässlicher Russe oder Lette oder was weiß ich ... Wir zusammen auch ausgestiegen und er in eine Motorrikschaw und ich zu Fuß weiter.
Nach ca. 3 km saß mein Mitreisender in einer stehenden Rikscha und der Fahrer davon meinte, er könnte mich auch günstig unterbringen. Ich habe mich dann überreden lassen (40 Grad, kaum mal Schatten und immerhin 20 kg Gepäck) und bin mit eingestiegen. Das Hotelzimmer sollte erst 1.200 die Nacht kosten aber weniger als 900 konnte ich nicht runterhandeln.

Ich dann raus, drei Häuser weiter hatte ich dann ein Zimmer für 600 die Nacht. Der Fernseher etwas kleiner, das Warmwasser nur ca. 5 Grad wärmer als das Kalte und das andere hätte auch kein Fenster zur lärmenden Strasse gehabt.
Den Rikschawfahrer wurde ich erst los, nachdem ich ihm 50 Rupien gegeben hatte und vage in Aussicht gestellt hatte, ihn für den nächsten Tag zu mieten.
Ich hatte mir dann eine andere Rikshaw für den Tag gemietet, eine wo vorne jemand strampelt, man freie Sicht rundum hat (ist recht unwahrscheinlich, dass es regnen wird  ) und die keinen knatternden Lärm macht. Der Mann mit den Beinmuskeln ist etwa mein Alter und spricht Englisch (zumindest verstehe ich, was er sagt), was in seinem Berufsstand nicht zu erwarten war. Der will für eine Stunde 20 Rupien haben. (Die Kinder auf dem Dorf betteln um 5 Rupien, in der Stadt um 10 und in Jodhpur wollten die doch auch schon mal 50 haben. Kein Wunder, wenn sich Einheimische über uns Ausländer aufregen, wenn wir Kindern was geben.)

War aber auch ein lustiger Tag. Am Abend hatte ich noch etwas in meinem Reiseführer gelesen und da steht geschrieben, dass man das Taj Mahal am Besten bei Sonnenauf- bzw. -untergang anschauen solle. Da ich früh aufgewacht bin, wollte ich nicht warten, bis meine bestellte Rikshaw kam, sondern bin losgewandert. Wo sucht man denn aber nach dem Westtor?! Wenn es hier mal Straßennamen gibt, dann sind die in Sanskrit geschrieben, für mich nicht verständlich und nur da, wo ich eigentlich hin wollte, gibt es für uns Touristen extra Tafeln. Bin ich also munter Richtung Westen die Strasse gegangen. So klein, dass ich es nicht irgendwie finde, wird es ja nun auch nicht sein.

Unterwegs kam mir dann auch mein Rikshawfahrer entgegen und meinte auf meine Frage hin, dass die Strasse nach Delhi führt.
Klar ging mir auch irgendwann ein Licht auf, das das Westtor vom Taj aus betrachtet im Westen liegt, ich also von außerhalb nach Osten hätte gehen müssen. Meine Denkleistung vor 7 Uhr und ohne Kaffee im Bauch ist eben etwas eingeschränkt.

Haben wir also erst einmal am Straßenrand einen Tee bereiten lassen, wobei sich mein Inder darüber aufregte, dass der mit 6 bis 7 Rupees schon wieder teurer geworden wäre (ich als Ausländer durfte bisher mindestens 10 berappen, manchmal sogar noch mehr).
Dann hat er mich am Tor zum Taj abgesetzt und ich habe auch schnell eine Eintrittskarte bekommen. Die ist mit 750 Rupien nicht gerade billig ... indische Touristen bezahlen lediglich 20!!!
Mit dem Strampelmann hatte ich eine Tour von 5 Stunden vereinbart und ich war der Meinung, dass er vor dem Eingangstor warten würde.

Das Taj Mahal ist tatsächlich ein tolles Bauwerk, der Park drumherum auch ganz nett, da fahren nur offene Elektrobusse und von Kamelen gezogene Karren ... und Kameldung ist relativ trocken, wenn man da reintritt. Ich musste also nicht auf jeden meiner Schritte achten. die Schlepper, Andenkenverkäufer und selbsternannten Gebäudeerklärer konnte ich dann auch abwimmeln, indem ich einfach meine Kamera vor die Augen genommen habe.

Das Taj Mahal und die Hagia Sophia in Istanbul ähneln sich wirklich von der Architektur her. Zumindest sind beide Gebäude von vier Minaretten umgeben, haben weit ausladende Kuppeln und sind innen ziemlich duster. Ich war auch recht froh, dass ich relativ früh da war, denn auch Marmor kann wohl recht heiz sein, wenn man mittags barfuß darauf laufen muss.

Nach zwei Stunden da wollte ich dann aber auch noch die anderen Sehenswürdigkeiten besichtigen. Immerhin hatte ich ja mit meiner Eintrittskarte für das Taj Anspruch auf Ermäßigung des Eintrittspreises für das Fort, das Museum usw. erworben. Nur meine Rikshaw war nicht am Tor. Ich bin fast eine Stunde gegangen und habe an den anderen Toren nachgeschaut, weil ich mir nun nicht mehr sicher war, durch welches der Tore ich reingegangen war - Fehlanzeige.
Wieder solch ein Missverständnis - der hatte verstanden, dass ich mich im Taj bis 13 Uhr aufhalten wollte.

Ich bin dann tatsächlich drei Stunden durch das Altstadtviertel und die engen Gassen gewandert, wurde begafft wie ein Ausserirdischer (hatte aber auch so manch freundliches Schwätzchen) und um 13 Uhr war ich wieder im Plan bzw. in der Fahrradrikshaw.

Gestern zum Dinner hatte ich ja meinen Drahtesel-Piloten eingeladen und bei ihm zu Hause fingen gleich nach unserem Eintreffen Frau und Tochter mit der Bereitung des Lunch an.
War echt köstlich, was da bereitet wurde. Ich bekam meine Soße nicht ganz so scharf, wie sie sein müßte und als Nachtisch bekam ich eine "Indische Spezialität", die ich als Kind auch bekam ... da hieß es "Dicke Milch". Die Fladen wurden "Palata" genannt und waren mit Erbsen, Tomaten, Zwiebeln und ein paar anderen Zutaten bereitete Kartoffelpuffer.

Um 4 Uhr wurde ich nach einer Siesta vom Hotel abgeholt und wir haben mir eine SIM-Karte für mein Handy gekauft. Anschließend los, um Geld zu verdienen und ich habe mir ein paar Teppiche, Juwelen und Marmornippes sowie hübsche Stickereien angeschaut, wofür Rikshawfahrer Geld bekommen, selbst wenn der Ausländer nichts kauft. Die Verkäufer sind eben sehr von ihrem Verkaufstalent überzeugt.
Da zwei von meinen Billighemden aus Thailand die scharfe Wäsche hier nur knapp überstanden haben und allzu deutliche Gebrauchsspuren aufweisen, sind wir dann dahin, wo auch die Einheimischen einkaufen und ich habe mir 2 neue Shirts zum Festpreis von 215 Rupien gekauft - dass man in Indien nichts ohne zu handeln bekommt, ist genau so eine falsche Ansicht, wie die, dass Inder nur mit der rechten Hand Essen. Die waschen sich vor dem Essen auch nicht nur eine Hand, sondern beide und die manchmal etwas gummiartigen Fladen mit einer Hand zu zerkleinern, einfach ein Unding.

Ich mag Parks und ich mag saubere, ruhige Umgebung, wie es die Gegend um das Taj bietet. Also war ich jeden Tag meines Aufenthaltes in Agra dort. Ich brauche auch Bewegung, um nach langer Krankheit wieder "in die Gänge" zu kommen, also wandere ich - oftmals bis an meine derzeitige Leistungsgrenze.
So kam es auch, dass ich den Weg vom Hotel zum Taj und von da weiter bis zum Roten Fort zu Fuß zurück legte.
Im Roten Fort schloss ich mich dann einer Gruppe deutscher Touristen an, die eine Rundreise durch Radjasthan unternahmen ... auch um mir selbst zu bestätigen, dass solch ein Aufenthalt nach Stundenplan nicht wirklich was für mich ist.

Vom Fort dann noch weiter zum Bahnhof Agra Fort, vorbei am bisher schlimmsten Lebensraum für Menschen, den ich bisher gesehen habe. Hunderte von indischen Familien leben dort auf brennender Müllkippe. Unfassbar und unbeschreiblich, jede andere Alternative die bessere Wahl - der Horizont meines Verständnisses erreicht!

Hinter dem Bahnhof Agra Fort eine riesige Mosque, die noch besser ohne die direkte Umbauung und den weitläufigen "authentischen" Basar zur Geltung kommen würde.



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Ausflug nach Dethapur Sikri

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Von Agra aus wollte ich eigentlich nur einen Tagesausflug nach Dethapur Sikri machen, heutzutage 2 Dörfer, zwischen denen eine Ruinenstadt liegt und da stehen immer noch eine riesige Mosque und etliche Paläste.

Wie üblich jede Menge Andenkenverkäufer und bettelnde Kinder (die "Dörfer" haben heute wohl mehr Einwohner als früher Leute in Metropolen gelebt haben.)
Ich besichtige die Mosque und muss zum zweiten Mal in Indien unhöflich werden, als ich mich überaus aufdringlicher Führer erwehren muss. Ohne ersichtlichen Grund werde ich ermahnt, diesem "heiligen" Ort mehr Respekt zu bezeugen. Ich hatte meine Schuhe ausgezogen, mir ein "Käppchen" aus Plastik auf den Schädel gesetzt und bewegte mich schweigend andächtig.
Eine Masche also, den Fremdling in's Unrecht zu setzen. Meine Gegenwehr: Sie darauf hinzuweisen, dass das hier ein heiliger Ort wäre und sie gefälligst die Klappe halten sollen!

Erstaunt war ich, als ich das Ruinenfeld besichtigte und etliche Handwerker damit beschäftigt sah, neue Wege in alter Methode herzustellen und die Gebäude wieder aufzubauen.
Ich habe mich zu den Steinmetzen gesetzt und auch einmal Hammer und Meissel in die Hände genommen, um ein Gefühl für deren Tätigkeit zu bekommen.
Ich komme an eines der zwei Gasthäuser der Ortes vorbei und frage nach dem Preis. Phantastische Aussicht, nette Mitbewohner und fabelhaftes Essen sowie promter Service lassen mich kurzentschlossen buchen, um hier die nächste Woche zu verbringen.

Am nächsten Tag will ich meine restlichen Sachen aus Agra holen und ich informiere den Hotelwirt von meinem Entschluß.
Rihan, der Koch des Gasthause bittet mich, mitkommen zu dürfen, da er das Taj Mahal noch nie gesehen hätte und mit Zustimmung seines Chefs planen wir die Abfahrt früh am nächsten Morgen, damit ich noch rechtzeitig in Agra aus dem dortigen Hotel auschecken kann.
Also haben wir für den nächsten Morgen verabredet, dass ich zur rechten Zeit geweckt werde und wir gemeinsam fahren.

Den Abend verbrachte ich im Dorf, in dem gleichzeitig drei Hochzeiten stattfanden und somit eine Menge zu sehen und zu bestaunen für mich gab.
Der Abend wurde recht lang und als ich zur Nacht am Gasthaus ankomme, schlafen alle längst. Ich brauche eine ganze Weile, mich bemerkbar zu machen und Zugang zu erlangen, falle in mein Bett und schlafe tiefsten Schlaf.

Als ich am Morgen erwache, ist es längst zu spät, um in Agra rechtzeitig das Hotel zu verlassen zu können und ich somit einen weiteren Tag zu bezahlen habe.
Natürlich frage ich den Wirt, warum ich nicht geweckt wurde und erntete nur ein Zucken mit der Schulter.
In Unmut bezahlte ich meine Rechnung und fuhr zurück nach Agra in der Überzeugung, dass Pläne machen in Indien eine Sache, deren Umsetzung eine ganz andere ist.

Zurück in Agra versuche ich, für die kommende Nacht einen Bahnfahrschein nach Varanasi zu bekommen, was mir nicht gelingt, da angeblich das elektronische Reservierungssystem in Indien eine Reservierung nur vor 10 Uhr zuläßt.
In Gesprächen mit anderen Indienreisenden ist mir ein Besuch der heiligen Stadt Varanasi am Ganges nahe gelegt worden ... und so ist dies mein nächstes Ziel geworden.

- Fortsetzung folgt -



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Kommentare

  • schokolade55 (RP)

    Ein offener und herzerfrischender Text, frei Schnauze und Bleisift!

  • Haveli1

    Gut geschriebener und anschaulicher Bericht.
    Lg Evelyn

  • Schili

    Herzerfrischend und vom Stil her nicht so langweilig weichgespült und politisch überkorrekt, wie viele andere Reiseberichte hier. Hat mich animiert,endlich damit zu beginnen, meinen eigenen indischen Reisebericht zu verfassen, der ähnliche und auch identischen Stationen der Reise beinhaltete........
    Gruß aus Köln.

  • Keniasafaris (RP)

    ein schöner Bericht, mir haben eigentlich die Inder hier bei uns in Kenia gereicht. Aber jetzt bin ich doch neugierig geworden. Man kann ja auch nicht aufgrund der Kenianer das Land beurteilen, und so werden wir uns auch Indien mal ansehen. Die Fluege sind ja recht günstig ab Kenia.

Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar abzugeben. Mal kurz nach Indien - Teil 1 - von Mumbai über Goa nach Agra 5.00 7

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