Brasilien: Sao Paulo und Rio de Janeiro

Reisebericht

Brasilien: Sao Paulo und Rio de Janeiro

Reisebericht: Brasilien: Sao Paulo und Rio de Janeiro

Im Jahr 2007 verschlug es mich dienstlich für zwei Wochen nach Brasilien - zunächst nicht ganz freiwillig. Aber im Lauf der Tage habe ich meine Vorurteile abgelegt, und heute würde ich gerne nochmal rüberfliegen. Meine Eindrücke habe ich (wie fast immer bei meinen Reisen) zusammengeschrieben und Freunden und Kollegen zugänglich gemacht. Hier ist die leicht angepasste Version für die GEO Community

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Die beiden letzten Nächte verbringe ich im Standard-Hotel, wo die brasilianischen Kollegen immer ihre Gäste einzuquartieren versuchen. Das ist das Hochhaus genau neben dem Hochhaus, in dem die Firma ein paar Etagen bewohnt. Statt 25 – 45 Minuten Taxifahrt habe ich jetzt also eine halbe Minute Fußweg. Der Nachteil daran ist, daß die Gegend absolut nicht mit der vergleichbar ist, in der mein erstes Hotel liegt. Einen Supermarkt finde ich auch nach einer längeren Wanderung nicht, so daß ich zwei Flaschen Wasser und eine Packung Kekse an einer Tankstelle kaufe. Minibars sind nämlich auch in Brasilien unverschämt teuer. In der Tanke wird das Sortiment, wie auch in den kleinen Supermärkten, die ich kennengelernt habe, zu 80% von Nestlé-Produkten bestimmt. Nestlé-Kekse, Schokolade, Softdrinks, Milchprodukte, auf allen möglichen Produkten prangt sehr groß und auffällig das Nestlé-Logo. Gegen 6 wird es langsam dunkel, und ich beeile mich, ins Hotel zu kommen, denn in dieser Gegend möchte ich nicht unbedingt im Dunkeln unterwegs sein.

Der letzte Tag in Sao Paulo beschert mir ein letztes leckeres Essen in der 'Kantine'. Ich nutze die Gelegenheit, noch ein paar brasilianische Spezialitäten zu probieren, und finde nichts, was mir nicht schmecken würde. Das gibt es zwar sicher auch, aber insgesamt sind die Gerichte und die Art ihrer Zubereitung wirklich toll. Und wer mich näher kennt, weiß, daß man es mir bezüglich Essen nicht so leicht recht machen kann. Beim Bezahlen werde ich sämtliches Kleingeld los, was die Kassiererin etwas verwirrt, mich aber von ein paar Kilo unumtauschbarer Münzen befreit. Danach gibt's noch einen 'Cappuccino' im 'Kopenhagen'. Den Kolleginnen muß es wohl auch einigermaßen gefallen haben, denn sie schenken mir zum Abschied eine Tüte mit 'Kopenhagen'-Spezialitäten. Man sagt dieser Ladenkette nach, die beste Schokolade Brasiliens zu machen, und ich bin durchaus geneigt, das zu glauben.

Die Fahrt zum Flughafen dauert ca. eine Stunde und führt fast ausschließlich durch dicht bebautes Gebiet. Sao Paulo ist eine Stadt, aus der heraus man gut eine Stunde (ohne Staus) unterwegs ist. Daran kann ich mich nicht gewöhnen. Während dieser Fahrt kommt man an der ein oder anderen Favela vorbei, doch auch die Nicht-Favela-Wohngebiete sehen nicht sehr einladend aus.

Am Flughafen spricht mich eine Frau an, mir ihr Ticket hinhaltend:
- 'Schmoulo aschmidousch maschmumm rababer?'
Woraufhin ich ihr nur englisch antworten kann, daß ich kein Portugiesisch spreche. Daraufhin meint sie, meinen Einwand völlig ignorierend:
- 'Soschmulousoschuluo brasiliero?'
Nein, ich bin kein Brasilianer, aber schön, daß Sie mich für einen halten.
- 'Não portugues' radebreche ich, was wohl verständlich sein muß und sie von der Sinnlosigkeit ihres Vorhabens, mit mir reden zu wollen, überzeugt. Sie verabschiedet sich weiterhin unverständlich, aber lächelnd. Mit einem T-Shirt bekleidet sehe also sogar ich wie ein Brasilianer aus.

Meinen Plan, am Flughafen die letzten Reais im Duty-Free auf den Kopf zu hauen, scheitert daran, daß man dort in US-Dollar bezahlt, und nicht zu knapp. So sehr mißtrauen sie also ihrer eigenen Währung. Aber viel habe ich sowieso nicht mehr übrig.

Der Rückflug ist ein einziger Horror, diesmal sitze ich zwar nicht vor einer rückenlehnenbehindernden Wand, aber der Klappstuhl und ich, wir passen einfach nicht zusammen. Mein Nachbar muß wohl denken, ich sei bescheuert, weil ich mich alle zwei Minuten auf meinem Sitz umdrehe (sofern das überhaupt möglich ist), aber die Unbequemlichkeit ist diesmal direkt schmerzhaft, und ich finde mal wieder keinen Schlaf. Der Anflug auf Frankfurt geht sehr rasant, wir haben höchste Priorität wegen eines medizinischen Notfalls an Bord. Das heißt, keine Warteschleifen über dem Rhein-Main-Gebiet, sondern von der Reiseflughöhe schnurstracks runter auf die Landebahn. Auf dem Weg vom Fugzeug zur Gepäckausgabe gehen dann ein paar Container verloren, und es dauert über eine Stunde, bis ich meinen Koffer habe.



Sao Paulo: Hochhäuser und viel Grün

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Meine Fazits aus knapp zwei Wochen Brasilien: es war nicht so schlimm, wie befürchtet, aber Sao Paulo muß ich nicht nochmal sehen. Bei Rio de Janeiro würde ich ernsthaft drüber nachdenken, ob ich nochmal nach Brasilien fliege. Obwohl der Flug in der Holzklasse wirklich eine Tortur für Körper und Seele ist.

Die Kriminalität ist fast körperlich spürbar, wenn ich auch nie irgendetwas beobachtet habe. Außer am Wochenende im Ibirapuera-Park war ich nie mit meinem Rucksack unterwegs, nicht tagsüber und im Dunkeln schon gar nicht. Überhaupt war ich nur sehr wenig im Dunkeln unterwegs, was den zeitlichen Aktionsradius ziemlich einschränkt. Denn hier wird es zwar früh hell, aber auch früh und schnell dunkel. Um halb sieben wird es dämmrig, um 7 ist es stockdunkel. Dank der Luftbelastung sieht man aber keine Sterne.

Ich hatte immer nur einen kleinen Geldbeutel in der einen und das Diensthandy und eine lose Kreditkarte in der anderen Hosentasche, alles andere wäre mir zu auffällig und damit zu gefährlich gewesen. Vor der Reise habe ich mir sogar bei Lidl eine Digitaluhr für 5 Euro gekauft, denn eine richtige Uhr kann man hier nicht öffentlich tragen. Nur wer mich gut kennt kann sich vorstellen, was es für mich bedeutet, eine – noch dazu billigste - Digitaluhr statt eines mechanischen Meisterwerks aus deutscher oder schweizer Manufaktur zu tragen. Fast wundert es mich, daß ich keinen psychosomatischen Ausschlag am Handgelenk bekommen habe. Wenn jemand Interesse an einer Plastikuhr hat, ich hätte da eine abzugeben…

Die Leute sind insgesamt sehr nett und hilfsbereit, nur mit der Sprache machen sie es einem nicht einfach. Die meisten Brasilianer, selbst wenn sie in 'öffentlichen Berufen' tätig sind, z.B. im Gaststätten- oder Hotelgewerbe in der touristisch durchaus relevanten Stadt Rio de Janeiro, können kein Englisch. Ich erwarte ja nicht, daß jeder Taxifahrer Englisch kann, aber selbst an der Hotelrezeption und am Flughafen kann es wegen Verständigungsproblemen etwas länger dauern. Sogar die Rezeptionistin 'meiner' Firma in der 18. Etage, dort wo die Kollegen sitzen, spricht kein Englisch.

Um mit einem Vorurteil aufzuräumen: die Brasilianerinnen im Allgemeinen sind Frauen wie viele andere bei uns auch. Ich konnte nur feststellen, daß sie oft mehr Wert auf die Kleidung legen, vor allem tragen sie sehr oft hohe Schuhe. Es gibt aber tatsächlich einige, da bleibt einem einfach die Spucke weg; in einer deutschen Stadt würde sich eine Menschen- naja, Männertraube um sie bilden.

Das Essen ist wirklich hervorragend. Die haben hier eine Art, das Essen zu würzen, das ist fantastisch. Unaufdringlich, aber deutlich. Und das Fleisch, das hier ein wichtiger Bestandteil der Ernährung ist, das ist von einer Qualität, wie man sie in Deutschland kaum bekommt, und wenn, dann muß man dafür schon tief in die Tasche greifen.

Der Verkehr ist eine Katastrophe und die Stadt Sao Paulo einfach anstrengend: laut, hektisch, schmutzig, kaputt, eingezäunt, kriminell, verstörend.

Und mir ist es natürlich zu warm hier.

Ich freue mich auf übernächste Woche, eine Woche Urlaub auf Langeoog. Autofrei und Nordseewind, das ist genau das, was ich jetzt brauche.



Strandkörbe auf Langeoog


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Kommentare

  • serrambi

    fjord, guter Bericht! Ich wohne seit 2.5 Jahren in Sampa, und du hast bei deinem Bericht vieles auf den Punkt gebracht. So sind sie halt, die brasileiros :)
    Jedoch muss ich sagen, dass es in Sao Paulo durchaus Sehenswürdigkeiten gibt - allerdings weit verstreut, und man kann sie nicht mit Rio vergleichen, aber es gibt sie.

    Serrambi

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