Wandern in der Chapada Diamantina

Reisebericht

Wandern in der Chapada Diamantina

Reisebericht: Wandern in der Chapada Diamantina

Drei Tage zu Fuß unterwegs in der Einsamkeit der Chapada Diamantina

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Damit ist dann die Geselligkeit vorbei, am nächsten Tag geht es in den richtig einsamen Busch. Die ersten Kilometer laufen wir durch flaches und eintöniges Gelände und werden von den Moskitos fast aufgefressen und von der Sonne gegrillt, obwohl es noch früh am morgen ist. Ich breche mir schon einen buschigen Zweig von einem Baum ab und umwedel mich damit permanent, sehr viel bringt das aber nicht. Sowie wir dann aber in etwas höhere Höhen kommen sind die Moskitos schlagartig weg.

Die Chapada Diamantina ist ein ehemaliges Diamantenabbaugebiet und erst seit Mitte der 80er Jahre ein Nationalpark. Da die Schürfer viele Gräben in das Gebiet geschlagen haben, durch die sie Wasser geleitet haben um den Schlamm nach Diamanten durchzusieben, ist dieses Gebiet von vielen tiefen Gräben durchzogen. Und überall wo die Schürfer ihre Hütten errichtet hatten stehen Mangobäume, da sie die Mangokerne überall hingeworfen habe. Wir freuen uns darüber und sammeln die Mangos vom Boden auf. Sind die lecker! Ich sammele eine Mango auf, die so richtig schön gelb ist, in deutschen Supermärkten würde man so etwas gar nicht finden. Aber Ivan nimmt sie mir wieder weg und sagt, die wäre noch nicht gut. Ich solle die nehmen, die schon kleine schwarze Punkte haben, die sind dann richtig reif. Und er hat recht. Ich erzähle ihm, dass wir in Deutschland solch Mangos wegschweißen würden, da wir sie für vergammelt halten würden, da schüttelt er nur ungläubig den Kopf.



dies ist ein Wanderweg




Nach etlichen Kletterpartien in der prallem Sonne kommen wir nachmittags an unserem Tagesziel an: Der ehemaligen Höhle von Ivans Vater, die hier nach Diamanten gesucht hat und die Woche über in der Höhle gelebt hat, da der Weg in den Ort zurück für jeden Tag zu weit war. Sein Vater war einer der wenigen glücklichen, deren harte Arbeit mit einem Fund belohnt wurde. Er hat von dem Verkauf eines gefundenen Diamanten genügend Geld eingenommen, um für seine Familie ein einfaches Haus in Lencois zu kaufen. Damit ging es ihm schon besser als den vielen anderen Schürfern.

Diese Höhle war also Arbeitstätte von Ivans Vater und hat einen kleinen Vorplatz, von dem aus wir eine wunderschöne Aussicht auf die Berge haben. Dort zündet Ivan das Feuer auf der Kochstelle an um unser Abendessen vorzubereiten. Wir bauen während dessen unsere Zelte auf und benötigen dann ganz dringend eine Dusche. In der Nähe soll es einen kleinen Wasserfall geben an dem wir baden können und dort wollen wir hin. Nun gibt es in dieser Gegend aber gar keine Wege, es ist die absolute Wildnis. Wir verlaufen uns. Man sollte also nie ohne Guide loslaufen… Zum Glück sind wir ja aber nicht so weit von Camp entfernt, Patrick stellt sich auf einen Felsen und ruft laut nach Ivan, schließlich hört er uns auch und holt uns ab. An einen kleinen Busch sind wir einfach falsch rum um einen Felsen gelaufen und schon war de ganze Orientierung dahin. Da wir nach dieser herumirrerei doch ganz schön müde sind, nehmen wir einfach einen kleinen Wasserlauf neben dem Camp. Um den versprochenen Wasserfall zu ersetzen füllt Patrick Wasser in einen Eimer und gießt ihn uns über den Kopf. Auch gut, aber Hauptsache Wasser und den ganzen Schweiß und Sonnenmilchreste abwaschen!

Das Abendessen war unerwartet lecker. Bei einem Essen mitten im nirgendwo, dass auf einem offenen Feuer gekocht wird, hätte ich nie mit so einem leckeren Menu gerechnet. Ivan sagt, es macht ihm Spaß für seine Gäste aus einfachen Mitteln was leckeres zu machen. Zum Nachtisch gibt es (warmen) Caipirina mit Limetten, frich vom Baum gepflückt. Der Limettenbaum steht nämlich direkt an unserer 'Terasse'.



auf nicht vorhandenen Wegen



Abends erleben wir in dieser absoluten Abgeschiedenheit dann den spektakulärsten Sternenhimmel den ich je gesehen habe. Leider werden wir dabei von Unmengen Moskitos gepiesackt, so dass wir doch recht schnell im Zelt verschwinden. Sie nennen sich die 'fallenden Flügel' und sind so klein, das man sie nicht sieht. Man merkt nur, wie es aufeinmal überall zwickt. Nachts höre ich noch ein Tier um unser Zelt schleichen, und es hört sich nicht gerade klein an… Im Zelt fühle ich mich sicher, aber ich bin froh nicht gerade auf Toilette zu müssen.
Am nächsten Morgen kriechen wir dann zerstochen aus dem Zelt und Patrick hat ganz geschwollene Lippen. da sie ihn alle in die Lippen gestochen habe. So kann man eine Lippenvergrößerung vorher auch testen...

Es geht es früh weiter durch diese felsige Landschaft. Der Rucksack fühlt sich auch auf einmal viel leichter an. Wir kommen an einigen schön blühenden Orchideen vorbei und machen wieder halt an einen Wasserfall. Aber ganz ehrlich – langsam reicht es mit den Wasserfällen. Bin ich Anfangs jedes Mal in Begeisterung ausgebrochen, reicht es jetzt nur noch für ein anerkennendes „Oh ja, ganz schön“. Die Mittagshitze überbrücken wir an einen kleinen Naturpool mit fantastischer Aussicht, danach geht es zurück nach Lencois. Diesmal lassen wir uns von einem Jeep abholen, um die letzen Kilometer nicht wieder von den Moskitos aufgefressen zu werden. Das ist dann auch eine richtige Geländefahrt durch Schlaglöcher und Flussläufe, die richtig viel Spaß macht.



der große Wasserfall



Zum Abschied trinken wir auf den Marktplatz von Lencois noch ein oder mehrere Biere und Ivan erzählz von seinem Leben in Lencois. Wenn er nicht gerade als Wanderguide arbeitet, hilt er beim Hausbau oder als Maler, macht halt alle Gelegenheitsarbeiten die Geld einbringen. Er hat eine Ex-Frau und zwei Kinder, die ihm alles bedeuten. Das ist in Brasilie nicht gerade viel, gerade in den armen Schichten haben die Frauen sehr viele Kinder, über Verhütung wird hier halt nicht gesprochen. Sein Vater slbst hatte noch 17 Kinder, und die alle von einer Frau wie er auf unsere entsetzten Fragen antwortet. Er und seine Gesvhwister sind eine große Gemeinschaft, sie halten sehr zusammen. Daher freut er sich wohl auch, als ich ihm zum Abschied meine Wanderschuhe schenke. Ich will mir in Deutschland eh neue kaufen. Für Ivan sind sie zwar zu groß, aber einem seiner Geschwister werden sie sicherlich passen.


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Kommentare

  • Tina_Torsten

    Toller Bericht, das waren sicher spannende Tage in der Wildnis (vorallem anstrengend.)

  • capivara

    Ein netter Bericht, leider etwas knapp finde ich.
    Ich stationierte vor drei Jahren während einer Rundreise in Braslien auch in Lencois und machte eine Tour durch die Chapada Diamantina. Deine Beschreibungen wecken Erinnerungen :-)
    Du schreibst nichts davon, dass ihr einen der wunderbaren Tafelberge bestiegen habt. Schade wenn ihr das nicht erlebt habt- eigentlich gehört es doch zu jeder Touri-Tour...

    Dein Kommentar über die Namen der Brasilianer kann ich nur bestätigen. Sie heißen Igor, Ingrid, Anderson, Miguel oder gar Mikael, Matheus, Walter, Enzo, Luana, Wilma oder Larissa.
    Ich kenne einen Jackson, Wanduilia und Joilson, denn in Brasilien gibt es kein Amt, welches zu exotische Vornamen verbieten könnte.

  • Frau_Mue

    Doch, auf einen der Tafelberge waren wir auch noch, aber erst nach der Trekkingtour. Aber stimmt, es wäre schade gewesen das nicht zu tun, es war atemberaubend. Die Aussicht, die Stille, die Natur und tausende von zwitschernden Vögeln.

    So eine Trekkingtour kann ich nur empfehlen, die Abgeschiedenheit im Busch ist ein Erlebnis für sich und durch Ivan haben wir viel über das Leben dort in dem Gebiet erfahren.

    VG Stefanie

  • RdF54

    Schöner Bericht über Deine Tour!

    LG Robert

  • tinasummer

    Super Bericht! Danke! Wie bist du denn an Igor gekommen? Kann man die Guides in lençóis vor Ort buchen? Was kostet das ungefähr? Und musstet ihr eigene Campingutensilien mitnehmen?
    Lg Tina

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