Fahr mal nach Schweden

Reisebericht

Fahr mal nach Schweden

Reisebericht: Fahr mal nach Schweden

Suchst du noch oder campst du schon? Erkenntnisse eines Schwedensommers, der hoffentlich untypisch war - mit Auto, Zelt und Wanderschuhen auf der Suche nach dem Elch.

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Härjedalen

In Sveg, dem Hauptort der Gemeinde Härjedalen decken wir uns mit frischen Broschüren zu den Nationalparks der Umgebung ein und fahren weiter bis zum Campingplatz in Lofsdalen. Nur noch ganz wenige Touristen harren auf dem windgepeitschten Platz aus, ein frustrierter Angler hockt am Lofsjön. Vor 3 Wochen fing er noch 20 Fische pro Tag an dieser Stelle – heute war es nur eine einzige Forelle.



Wieder so ein Morgen



Nebellandschaft bei Rombovallen

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Unser neues Zelt ist viel zu klein geraten, wir ecken überall an und etwas nass ist es innen auch noch. Die halbe Nacht hat es geregnet und draußen hängt schwerer Nebel. Auf dem Weg zum Nipfjället N. P. finden wir unterwegs eine Schutzhütte in Rombovallen, wo wir endlich frühstücken können. Die Landschaft verschwindet und unsere Hoffnung, hier eine Wanderung zu machen gleich mit. Schon nach wenigen Schritten stehen wir knöcheltief im Morast – hier würden nicht mal Gummistiefel weiter helfen. Wirklich schade, denn dieser Nationalpark soll ein Vogelparadies sein und ein oder zwei Rentiere hätten sich bestimmt auch noch blicken lassen.



Storan bei Foskros



Wir verbringen den Tag am wunderschönen Fluss Storan bei Foskros. Der Regen verzieht sich endlich. Den Fiskekort (Angelschein) kaufen wir unterwegs in einem Gehöft wo es aussieht wie bei Hempels unterm Sofa. Sehr nette Leute, aber nur eine einzige nette kleine Forelle geht uns wirklich an den Haken. Immerhin finden wir ein paar essbare Pilze und den tollen Lagerplatz der Gemeinde Foskros.



Typisch Schweden



Direkt an der Brücke kann man sein Zelt für einen geringen Obolus aufstellen, die Schutzhütte benutzen und Lagerfeuer machen. Das Holz liegt schon fertig gehackt daneben. Auf der Brücke keschert ein Angler seine Köderfliegen was durchaus albern wirkt, wie dieser Hüne mit Schmetterlingsnetz in der Luft herumfuchtelt. Er bestätigt, dass unsere gefundenen Pilze zwar keine ausgesprochenen Delikatessen, aber essbar sind und wir verarbeiten sie zu Rührei mit Zwiebeln und Pilzen. Es wird bitter kalt in dieser Nacht.



Flechtenblüte



Jetzt ist das Zelt total nass und die Schlafsäcke dazu. Draußen hebt sich der Nebel – immerhin – wir fahren weiter auf der 311 nach Tännäs. Die schönen Landschaften von Härjedalen ziehen vorbei, ein Kranich steht in der Ferne und auf der Straße hüpfen immer wieder Rentiere vor dem Auto her. Sie scheinen Straßen genau so gern zu benutzen wie wir. Wir lernen: Auch Tiere mögen es bequem.



Moorlandschaft



Wir buchen eine Moschusochsentour. Das ist einfach nur ein Besuch in einem Gehege, aber ohne Guide kommt man da gar nicht rein. Die wenigen Tiere werden angefüttert und sind danach gleich wieder im Wald verschwunden. Hatten sie uns irgendwie größer vorgestellt, aber ihre wilden Rangeleien und ihr Galopp mit wehenden Zotteln waren schon sehr beeindruckend. Auch der Geruch.



Zotteltier



Der Zeltplatz in Funäsdalen gefällt uns nicht, wir finden an diesem Abend eine Waldlichtung am Frostsjön und sammeln Holz für ein Lagerfeuer in freier Natur. Während wir das Abendbrot vorbereiten kommen immer mehr Rentiere vorbei und schauen uns ungläubig an, bevor sie wieder im Wald verschwinden. Manche haben ein Glöckchen um den Hals, aber es ist klar, dass sie sich völlig frei bewegen und keineswegs zahm sind. Wir stehen scheinbar mitten auf ihrem Wildwechsel. Rauch und Feuer sind das einzige Gegenmittel gegen die Mückenscharen, die uns dann attackieren – und sie haben kleinere Verbündete mitgebracht.



Aus dem Weg!



Morgentoilette im kalten steinigen Frostsjörn, aber das Wasser ist klar und die Sonne klettert über die Wipfel. Gutes Wanderwetter für einen Ausflug zum Rogen Natur Reservat, ca 500 km2 groß, an der norwegischen Grenze gelegen und Rückzugsgebiet für Braunbären, Luchse, Otter und Viefraße. Wir finden unterwegs lediglich etwas Elchlosung und treffen ein paar Rentiere, ein toller Spaziergang in faszinierender Landschaft ist es allemal.



Rogen Natur Reservat



Sanfjellet Nationalpark

Zum Glück sind wir nicht in Hede geblieben. Der Zeltplatz in Hedeviken liegt direkt an einem verlandenden Altarm des Ljusnan und an der Verbindung zum Vikarsjön – ein idealer Ausgangspunkt zum Paddeln und zum Sanfjället. Er war einer der ersten Nationalparks in Europa und ist der mit der größten Bärenpopulation in Schweden. Auch Elch, Unglückshäher und Auerhuhn leben im Gebiet, die höchste Erhebung des isolierten Felsmassivs erreicht 1278 m über Null.



Best of camping



Paddeln auf dem Vikarsjön

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Der Vikarsjön ist spiegelglatt und badet Wolken. Zwei Prachttaucher bleiben auf Abstand, dann überraschen wir ein Paar Kraniche ganz nah am Ufer. Wir sind über den großen See gepaddelt und nun schiebt sich plötzlich eine finstere Regenwolke über den Himmel. Wind und Wellen stemmen sich uns entgegen, bevor es zu regnen beginnt. Es kostet Mühe, unseren Ausgangspunkt wieder zu erreichen und Überwindung trotz des schlechten Wetters wieder ins Boot zu steigen und die zahlreiche Biberburgen am Ljusnan zu inspizieren. Eine Paddel-Ralley gegen einen kleinen Tauchvogel verlieren wir haushoch. Am Auto ist ein Brief befestigt: unsere Fährbekanntschaft ist hier vorbei gekommen und wünscht weiter gute Reise. Merke: Schweden ist klein.



Vikarsjön - spiegelglatt gebügelt



Für Frühaufsteher

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7 Grad Celsius und Nebel. Ich mache ein paar Aufnahmen vom Campingplatz. Fast alles schläft noch, als wir gegen 8 Uhr zum Sanfjället aufbrechen. Das wird eine lange Wanderung, beginnend an der Almhütte von Nyvallen, der letzten traditionellen Landwirtschaft am Berg. Die Kühe laufen frei durch Wiesen und Wälder und prägen die Natur, was die Vegetation artenreicher macht als eine moderne Mahdweide. Durch den Moorbirkenwald geht es aufwärts bis zur Baumgrenze, es folgen Steine, Flechten, Gras und Beeren - keine Bären. Oben ist das Wetter noch schlimmer und wir finden nicht den rechten Weg zurück. Am Ende waren es wohl 18 km, recht unwegsam und ohne Tierbegegnungen, eigentlich etwas enttäuschend für uns, wir hätten uns auch über ein paar Mäuse gefreut. Auf die Mücken und Gnitzen allerdings ist Verlass und wir kleben ein paar von ihnen auf unsere Postkarten, machen ein schönes rauchendes Lagerfeuer und genießen das Feierabendbier.



Blick zum Gipfel Högfjället


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Kommentare

  • reisefreudig

    Servus Elke,
    gratuliere zu so einem einfühlsamen Bericht, sehr interessant und voller INFOS
    ( habe den Bericht mehrmals "studiert" ), noch dazu diese tollen Bilder. Eine Gegend von der ich noch nicht viel gehört habe, geschweige denn kenne.
    Danke auch für die "Vorstellung" eines Campingurlaubs. Werde bei meinem "Programm" bleiben, nämlich Leihwagen und Hotel. Zur Wahl Eurer Ziele und die Vorstellung hier kann ich Euch nur gratulieren.
    lg Harald

  • Reah

    Hallo Elke,
    Schweden ist einfach nur schön. Wir sind ebenfalls Camper - aber mit'm Wohnmobil - früher beim Zelten hatten die Luftmatratzen was gegen uns :-(
    Deine Motivwahl bei den Bildern sind typisch und tolle Infos.
    LG Andrea

  • Lana

    Liebe Elke, ich schwankte beim Lesen Deines Berichtes zwischen Lachen ( und zwar lautem!!), Mitleid wegen des Wetters und großem Interesse. Du siehst daran, dass ich voll beteiligt war und das Lesen Deines Berichtes sehr genossen habe! Ich finde auch, dass Ihr Euch sehr wacker geschlagen habt! Also bevor ich sterbe will ich unbedingt nocheinmal in den Norden ( ich habe traumhafte Erinnerungen an einen Norwegenurlaub bei schönem Wetter -))) und Deine Bilder haben mich in meinem Vorhaben bestätigt. Aber noch bin ich ja meinem Asienvirus verfallen und ich kann nur hoffen, noch ein paar Jährchen zu haben -))))!!!! LG Brigitta

  • traveltime

    Hallo Elke,
    ein grandios-schönes Land hast Du besucht und mit diesem Bericht bringst Du es mir näher.
    Die Fotos sind einsame Klasse!
    Danke fürs Mitfahren!
    LG Rolf

  • Wilfried_S.

    Hallo Elke,
    ich habe Deinen besonders unterhaltsam geschriebenen Bericht in einem Zug gelesen, da ich nach der ersten Seite einfach wissen wollte, wie es Euch in Eurem "abwechslungsreichen" Urlaub weiter ergangen ist.
    Besonders gut haben mir Deine Bilder gefallen, wobei ich mich nicht entscheiden kann, ob mir die großartigen See-Landschaften oder die schönen Bilder der unscheinbaren Fauna (Flechten u.ä.) besser gefallen.
    Insgesamt ein 100% gelungener Bericht!
    lg Wilfried

  • Pinky3

    Hallo Elke,
    vielen Dank für diesen wunderschönen Reisebericht mit tollen Bildern ich bin begeistert. Leider kann mein Mann aus beruflichen Gründen nur zwischen November und Februar Urlaub machen und da ist es mir in Schweden einfach zu kalt.........
    LG Gaby

  • moho

    Ich muss deinen tollen Bericht nochmal in Ruhe lesen. Deine wunderschönen Buidl ließen mich ihernieder abschweifen. Deine Fotos laden zum träumen und drin versinken ein. Klasse Fotos.
    LG Moni

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  • moho

    Immerwieder abschweifen...

  • Schoena

    Hut ab vor dieser Reise mit Zelt. Skandinavien ist meist kühl, aber wir haben auch schon schönes Wetter am Stück gehabt. Das ist allerdings selten und Elche haben wir auch erst im hohen Norden, eher in Finnland und Norwegen, gesehen. Aber trotz vergeblicher Elchsuche und Fischfang doch eine gelungene Reise, die ihr mit viel Humor gemeistert habt. Übrigens, im Juni ist es mit den Mücken noch nicht ganz so schlimm.
    Besonders haben mir die vielen schönen Fotos gefallen und der lockere Schreibstil.
    LG Ingeborg

  • pleuro

    Liebe Elke,
    was für eine Reise! :-)
    Natur pur, aber auch mit allen Widrigkeiten des Wetters. Aber wie sonst hättest Du so traumhaft schöne Schlechtwetterlandschaftsbilder machen können.
    Klasse, Dein Reisebericht, spannend, unterhaltsam, informativ, mit Selbstironie gewürzt. Es hat viel Spaß gemacht, Dich zu begleiten von meinem warmen, trockenen Sessel aus. :-)
    Egal, wie auch immer, eines habe ich gesehen: die Landschaften dort sind wunderschön.
    LG Anne

  • Blula

    Liebe Elke!
    Wer mich kennt, weiß, dass ich meine Urlaube bisher allesamt in südlichen Gefilden verbracht habe. Trotzdem will ich mich natürlich nicht völlig dem Norden verschließen. Werde es bestimmt aauch einmal t u n und in die entgegengesetzte Richtung reisen. Dein Bericht, und die fantastischen Fotos dazu hat mir viel Freude bereitet. Schade, dass das Wetter nicht so mitgespielt hat auf Deiner Reise, aber Du hast das Beste daraus gemacht.
    Bravo für diesen unterhaltsamen Bericht.
    LG Ursula

  • doubleegg

    Liebe Freunde und Leser,
    ich bedanke mich herzlich für euer Interesse und die vielen positiven Reaktionen auf diesen etwas nassen Reisebericht und die Fotos. Es ist schön zu lesen, dass es nicht nur mir/uns in Schweden gefallen hat, sondern dass ihr auch ein paar Anregungen und Spaß darin gefunden habt. Humor ist, wenn man trotzdem zeltet (oder so;-) Euch allen einen sonnigen nächsten Sommer und gute Reise - wo immer es euch hinzieht.
    Herzlich Elke

  • brandriba

    Liebe Elke
    Wir können Euch nachfühlen was die Reise so besonders gemacht hat, auch wir haben uns die Augen aus dem Kopf geschaut um irgendwo in Mittelschweden den ja sooo zahreichen Elchen zu begegnen... Nichts desto trotz ist es eine wundervolle Ferienregion, weiter nach Norden in Lappland wird es etwas einfacher ein schönes Plätzchen zum Wildcamping zu finden. Danke für Deinen gut geschriebenen Reisebericht, das Wetter ist halt auch Natur pur und ihr habt Euch ja nicht unterkriegen lassen.... :-))) (Humor ist wenn man auch Pitschnass noch lachen kann)
    LG DAni

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  • windweit

    Liebe Elke,
    ich zitiere Dich jetzt einfach mal "Ein einzelner Sonnenstrahl, bringt die Farben der Steine und des Meeres zum Leuchten und schon taucht die Landschaft wieder in kontrastarmes Grau." Ich glaube, von diesem Leuchten hast Du keinen Moment verpasst. Wunderschöne Fotos!
    LG Gabi

  • trollbaby

    Liebe Elke!
    Hoffentlich merkst Du nicht am Gruch, dass nun auch ein Troll Deinen Bericht gelesen hat! :-) Aber bei dem vielen Regen bin ich nun so oft "gewaschen" worden, dass es wohl nicht mehr so "duftet". ;-)
    Nein, im Ernst, Dein Bericht hat mir wieder sehr gut gefallen, Deine Naturaufnahmen sind wie immer sensationell! Wirklich schade nur, dass das Wetter nicht so mitgespielt hat.
    LG Susi

  • INTERTOURIST

    Die Tour muss ich mir mal ausdrucken. Von den Bildern die Du gemacht hast und das was Du beschrieben hast ist das wirklich genial. Da hätte ich auch unbedingt Lust drauf.
    Deine Beschreibungen und die Bilder sind wirklich herausragend.

    Grüße Jörg

  • Eva_

    Superschöne Bilder!
    Liebe Grüße von Eva

  • weltreisen

    leider war ich "abroad" als du diesen tollen reisebericht veröffentlichst hast. aber ich habe ihn natürlich auch heute noch sehr genossen.
    es ist schon eine weile her, seit wir zuletzt in schweden waren. ich kann mich noch erinnern, dass wir - wegen der kinder in den sommerferien - tolles wetter hatten.
    wenn nur die mücken nicht wären, die lieben mich nämlich heiss und innig...
    inge

  • Schriddels

    Hallo Elke,
    vom 15.05.2014 bis zum 28.05.2014 habe ich den Westen Kanadas bereist. Deine Reisebilder aus Schweden haben mich sehr an Nova Scotia erinnert und dadurch hatte ich viel Freude beim Lesen.
    Liebe Grüße aus Salt Lake City Utah Wolfgang Schriddels

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  • ursuvo

    Auch wenn ich kein Schweden-Fan bin(ziehe Norwegen vor):
    super Fotos zu einem sehr gelungenen und interessanten Bericht. Ich habe mit Euch gefröstelt und im warmen Zimmer(heute 13°) Deinen Bericht genossen!!
    LG Ursula

  • Frank_E

    Informativ und unterhaltsam, so mag ich es :-)
    Deine Erfahrung mit dem Jedermannsrecht, den Stechmücken und dem Schwedensommer kann ich bestätigen. Seitdem war ich nur noch im Mai dort. Kalt, aber sonnig und keine Mücken!
    LG Frank

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