Fahr mal nach Schweden

Reisebericht

Fahr mal nach Schweden

Reisebericht: Fahr mal nach Schweden

Suchst du noch oder campst du schon? Erkenntnisse eines Schwedensommers, der hoffentlich untypisch war - mit Auto, Zelt und Wanderschuhen auf der Suche nach dem Elch.

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Schloss Nynäs



Nynäs

Hinter Nyköping geht die 219 Richtung Ostsee, unser Ziel ist Schloss Nynäs und das umliegende Naturreservat. Und welch eine Überraschung: hier scheint die Sonne! Völlig euphorisch und überstürzt beginnen wir eine Wanderung entlang eines roten Zeichen, ohne zu wissen, wohin es uns führt, wie lang der Weg ist, ohne Verpflegung, Wasser – und ohne Mückenschutz. Natürlich ein Fehler.



Schlingnatter



Über Felsen, Heide, durch Wald und Flur geht es hügelrauf und runter. Eine Schlingnatter sonnt sich, Schmetterlinge trinken im Heidekraut und überall kann man riesige Blau- und Preiselbeeren pflücken und sich von Mücken dabei vernaschen lassen. Es scheint, sie wohnen in den Büschen und lauern nur darauf, dass man stehen bleibt. Auch Elchspuren finden sich – aber so langsam (und zu Recht) bekommen wir Zweifel am Wegverlauf, dieser rot markierte ist wohl ein Rundweg aber nicht an einem Tag zu laufen. Ausgehungert und durstig kommen wir endlich zum Schloss zurück, diesmal ist das Touristenbüro geöffnet und wir haben Einsicht in die Gebietspläne- und Wanderwege, zu spät.



Hain-Wachtelweizen (Melampyrum nemorosum)



Den Abend verbringen wir auf einem ziemlich teuren und überlaufenen Campingplatz in Trosa. Frierend und ziemlich unmotiviert beobachten wir das Geschehen in unserer Nachbarschaft. Vermutung: Schweden werden als Robben geboren und verbringen ihre ersten Lebensmonate auf einer Insel, wo sie täglich im kalten Wasser baden. Anders lässt es sich nicht erklären, dass sich selbst kleine Kinder bei 15 Grad Außentemperatur immer wieder in eisige Fluten stürzen und das auch noch gut finden.

Erkenntnis des Tages: Engländer grillen nicht um Fleisch zu essen oder sich am Feuer zu wärmen, die britische Variante besteht aus der Zubereitung von Marshmellows und dazu gibt es Sekt. Full stop.



Ein Lichtblick



Gålö

Rabenkrach und Spechthacken. Wieso können die anderen da noch schlafen? Schon 8.15 sind wir fertig mit frühstücken und auf dem Weg zur Halbinsel Gålö, ca. 35 km in den Schären vor Stockholm. Es ist eines der beliebtesten Erholungsgebiete der Hauptstädter, bietet 50 km Strand und gute Angelmöglichkeiten. Wir fangen allerdings rein gar nichts und begnügen uns mit den schönen Wanderwegen und einigen Begegnungen mit Nichtflossern.



Dreigestirn



Da steht zunächst ein Rehbock mit 3 Stangen am Feldrand und gleich beim Campingplatz Gålö havsbad wohnt eine Moorotter, die schwarze Variante der Kreuzotter. Nonnengänse grasen am Parkplatz, ein Seeadler kreist und Mücken natürlich. Einziger Schutz ist unser kleines Zelt oder der vorbildliche Sanitär- und Küchentrakt des Platzes, aber darin ist es schon ziemlich voll. Bemerkenswert: Alle Männer, die Küchendienst verrichten, haben graue Haare. ???



Strandwandern auf Gålö



Ein schöner Tag zum Paddeln. Auf der gegenüberliegenden Seite der Halbinsel haben wir ein Stelle zum Einsetzten des Bootes gefunden und verbringen ein paar Stunden zwischen den Schären. Reger Schiffsverkehr verbindet diese untereinander und jede Insel scheint einen Yachthafen zu haben. Entlang der Schilfkante beobachten wir Haubentaucher, Möwen, Gänsesäger und tatsächlich Fische. Aber auch diesmal beißt kein Einziger. Als wir etwas zu beißen brauchen, steht ein kleiner Kiosk am Waldrand gerade richtig und wir probieren Strömling auf Knäckebrot. Lecker!



Gålö



Schloss Gripsholm

„Es war ein strahlend heller Tag. Das Schloss, aus roten Ziegeln erbaut, stand leuchtend da, seine runden Kuppeln knallten in den blauen Himmel – dieses Bauwerk war dick, seigneural, eine bedächtige Festung.“ Das schrieb Kurt Tucholsky in seinem berühmten Liebesroman 1931 – und bis heute hat sich an Schloss Gripsholm nichts verändert. Nicht mal das Wetter.



Schloss Gripsholm



Das wehrhafte Ensemble auf einer kleinen Insel im riesigen Mälarsee geht auf eine Burg im Jahre 1380 zurück, 1537 ließ Gusta Vasa den heutigen Bau errichten. In der Nachbarschaft laden die idyllischen Gassen von Marifred zum Bummeln und Einkehren. Auf dem hübschen Marktplatz gibt es einen Wochenmarkt, Bratwurst mit Sauerkraut, Softeis und sehr viele Touristen. Jetzt wird es Zeit, dass wir hier wegkommen. Die Urne Tucholskys wurde übrigens auf dem Friedhof in Marifred beigesetzt, der 1935 im Göteborger Exil starb.



Marifred



Dalarna

Unterwegs zum Siljansee und weiter nach Orsa. Endlose Kiefernwäder und zig unsichtbare Elche ziehen vorbei. Våmåbadets Camping war ein Tipp unserer Fährbekanntschaft et voilà da stehen sie zufällig zur gleichen Zeit mit ihrem Zelt und winken uns zu. Ein toller Platz, direkt am Orsasee, klares ruhiges Wasser, ein langer Steg führt in die Idylle. Unser Zeltnachbar fängt einen Hecht – wir nicht, und schon gar nicht am nächsten frühen Morgen oder irgend einem Morgen oder Abend danach. Credo: Der Angler gibt niemals auf!



Seeblick



Bitte entsorgen Sie alles...

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Vorerst haben wir aber ein Immobilienproblem. Unser ca. 13 Jahre altes Zelt zerfällt plötzlich wie nasses Papier, klebt man eine Stelle – reißt es daneben gleich wieder. Und das im regnerischen Schwedensommer! Wir verpaddeln den Vormittag auf dem riesigen See und beschließen bei der nächsten Gelegenheit ein neues Zelt zu kaufen. Angel und Badehose gehen auch noch kaputt und ich verbummle den 2. Autoschlüssel. Ein Tag der Verluste.



Helvetswasserfall



Abstecher zur Storstupet Schlucht, wo die Schienen der Inlandsbana den Emå auf einer 34m hohen filigranen Brücke queren und zum Helvetswasserfall. Abends auf dem Rückweg kommen wir an ca. 20 Kranichen auf einem Feld bei Orsa vorbei. Die Tiere sind unbekümmert solange wir im Auto bleiben, doch dann fällt ein Schwarm Kanadagänse ein und die Kraniche verziehen sich laut protestierend.



Gänsereihe



Shopping day. Wir packen unsere Zeltruine ein und fahren nach Mora, einem der beliebtesten Touristenziele in der Dalarnaregion. Natürlich nehmen auch wir ein paar der legendären Messer aus Mora Stahl mit, dann Zelteinkauf. Die Auswahl ist eher bescheiden, doch wir müssen uns entscheiden bevor wir gänzlich obdachlos werden. Auf dem Weg nach Sveg ein Abzweig zum Feuerwachturm Pilkalampinoppi. Das klingt nicht nur finnisch, es sieht auch so aus. Der Turm steht auf 644m Höhe mitten in einem Wald voller riesiger Heidelbeeren und ungenießbarer Pilze und bietet Aussicht auf schier endlose Baumwipfel.



Blick vom Pilkalampinoppi


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Kommentare

  • reisefreudig

    Servus Elke,
    gratuliere zu so einem einfühlsamen Bericht, sehr interessant und voller INFOS
    ( habe den Bericht mehrmals "studiert" ), noch dazu diese tollen Bilder. Eine Gegend von der ich noch nicht viel gehört habe, geschweige denn kenne.
    Danke auch für die "Vorstellung" eines Campingurlaubs. Werde bei meinem "Programm" bleiben, nämlich Leihwagen und Hotel. Zur Wahl Eurer Ziele und die Vorstellung hier kann ich Euch nur gratulieren.
    lg Harald

  • Reah

    Hallo Elke,
    Schweden ist einfach nur schön. Wir sind ebenfalls Camper - aber mit'm Wohnmobil - früher beim Zelten hatten die Luftmatratzen was gegen uns :-(
    Deine Motivwahl bei den Bildern sind typisch und tolle Infos.
    LG Andrea

  • Lana

    Liebe Elke, ich schwankte beim Lesen Deines Berichtes zwischen Lachen ( und zwar lautem!!), Mitleid wegen des Wetters und großem Interesse. Du siehst daran, dass ich voll beteiligt war und das Lesen Deines Berichtes sehr genossen habe! Ich finde auch, dass Ihr Euch sehr wacker geschlagen habt! Also bevor ich sterbe will ich unbedingt nocheinmal in den Norden ( ich habe traumhafte Erinnerungen an einen Norwegenurlaub bei schönem Wetter -))) und Deine Bilder haben mich in meinem Vorhaben bestätigt. Aber noch bin ich ja meinem Asienvirus verfallen und ich kann nur hoffen, noch ein paar Jährchen zu haben -))))!!!! LG Brigitta

  • traveltime

    Hallo Elke,
    ein grandios-schönes Land hast Du besucht und mit diesem Bericht bringst Du es mir näher.
    Die Fotos sind einsame Klasse!
    Danke fürs Mitfahren!
    LG Rolf

  • Wilfried_S.

    Hallo Elke,
    ich habe Deinen besonders unterhaltsam geschriebenen Bericht in einem Zug gelesen, da ich nach der ersten Seite einfach wissen wollte, wie es Euch in Eurem "abwechslungsreichen" Urlaub weiter ergangen ist.
    Besonders gut haben mir Deine Bilder gefallen, wobei ich mich nicht entscheiden kann, ob mir die großartigen See-Landschaften oder die schönen Bilder der unscheinbaren Fauna (Flechten u.ä.) besser gefallen.
    Insgesamt ein 100% gelungener Bericht!
    lg Wilfried

  • Pinky3

    Hallo Elke,
    vielen Dank für diesen wunderschönen Reisebericht mit tollen Bildern ich bin begeistert. Leider kann mein Mann aus beruflichen Gründen nur zwischen November und Februar Urlaub machen und da ist es mir in Schweden einfach zu kalt.........
    LG Gaby

  • moho

    Ich muss deinen tollen Bericht nochmal in Ruhe lesen. Deine wunderschönen Buidl ließen mich ihernieder abschweifen. Deine Fotos laden zum träumen und drin versinken ein. Klasse Fotos.
    LG Moni

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  • moho

    Immerwieder abschweifen...

  • Schoena

    Hut ab vor dieser Reise mit Zelt. Skandinavien ist meist kühl, aber wir haben auch schon schönes Wetter am Stück gehabt. Das ist allerdings selten und Elche haben wir auch erst im hohen Norden, eher in Finnland und Norwegen, gesehen. Aber trotz vergeblicher Elchsuche und Fischfang doch eine gelungene Reise, die ihr mit viel Humor gemeistert habt. Übrigens, im Juni ist es mit den Mücken noch nicht ganz so schlimm.
    Besonders haben mir die vielen schönen Fotos gefallen und der lockere Schreibstil.
    LG Ingeborg

  • pleuro

    Liebe Elke,
    was für eine Reise! :-)
    Natur pur, aber auch mit allen Widrigkeiten des Wetters. Aber wie sonst hättest Du so traumhaft schöne Schlechtwetterlandschaftsbilder machen können.
    Klasse, Dein Reisebericht, spannend, unterhaltsam, informativ, mit Selbstironie gewürzt. Es hat viel Spaß gemacht, Dich zu begleiten von meinem warmen, trockenen Sessel aus. :-)
    Egal, wie auch immer, eines habe ich gesehen: die Landschaften dort sind wunderschön.
    LG Anne

  • Blula

    Liebe Elke!
    Wer mich kennt, weiß, dass ich meine Urlaube bisher allesamt in südlichen Gefilden verbracht habe. Trotzdem will ich mich natürlich nicht völlig dem Norden verschließen. Werde es bestimmt aauch einmal t u n und in die entgegengesetzte Richtung reisen. Dein Bericht, und die fantastischen Fotos dazu hat mir viel Freude bereitet. Schade, dass das Wetter nicht so mitgespielt hat auf Deiner Reise, aber Du hast das Beste daraus gemacht.
    Bravo für diesen unterhaltsamen Bericht.
    LG Ursula

  • doubleegg

    Liebe Freunde und Leser,
    ich bedanke mich herzlich für euer Interesse und die vielen positiven Reaktionen auf diesen etwas nassen Reisebericht und die Fotos. Es ist schön zu lesen, dass es nicht nur mir/uns in Schweden gefallen hat, sondern dass ihr auch ein paar Anregungen und Spaß darin gefunden habt. Humor ist, wenn man trotzdem zeltet (oder so;-) Euch allen einen sonnigen nächsten Sommer und gute Reise - wo immer es euch hinzieht.
    Herzlich Elke

  • brandriba

    Liebe Elke
    Wir können Euch nachfühlen was die Reise so besonders gemacht hat, auch wir haben uns die Augen aus dem Kopf geschaut um irgendwo in Mittelschweden den ja sooo zahreichen Elchen zu begegnen... Nichts desto trotz ist es eine wundervolle Ferienregion, weiter nach Norden in Lappland wird es etwas einfacher ein schönes Plätzchen zum Wildcamping zu finden. Danke für Deinen gut geschriebenen Reisebericht, das Wetter ist halt auch Natur pur und ihr habt Euch ja nicht unterkriegen lassen.... :-))) (Humor ist wenn man auch Pitschnass noch lachen kann)
    LG DAni

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  • windweit

    Liebe Elke,
    ich zitiere Dich jetzt einfach mal "Ein einzelner Sonnenstrahl, bringt die Farben der Steine und des Meeres zum Leuchten und schon taucht die Landschaft wieder in kontrastarmes Grau." Ich glaube, von diesem Leuchten hast Du keinen Moment verpasst. Wunderschöne Fotos!
    LG Gabi

  • trollbaby

    Liebe Elke!
    Hoffentlich merkst Du nicht am Gruch, dass nun auch ein Troll Deinen Bericht gelesen hat! :-) Aber bei dem vielen Regen bin ich nun so oft "gewaschen" worden, dass es wohl nicht mehr so "duftet". ;-)
    Nein, im Ernst, Dein Bericht hat mir wieder sehr gut gefallen, Deine Naturaufnahmen sind wie immer sensationell! Wirklich schade nur, dass das Wetter nicht so mitgespielt hat.
    LG Susi

  • INTERTOURIST

    Die Tour muss ich mir mal ausdrucken. Von den Bildern die Du gemacht hast und das was Du beschrieben hast ist das wirklich genial. Da hätte ich auch unbedingt Lust drauf.
    Deine Beschreibungen und die Bilder sind wirklich herausragend.

    Grüße Jörg

  • Eva_

    Superschöne Bilder!
    Liebe Grüße von Eva

  • weltreisen

    leider war ich "abroad" als du diesen tollen reisebericht veröffentlichst hast. aber ich habe ihn natürlich auch heute noch sehr genossen.
    es ist schon eine weile her, seit wir zuletzt in schweden waren. ich kann mich noch erinnern, dass wir - wegen der kinder in den sommerferien - tolles wetter hatten.
    wenn nur die mücken nicht wären, die lieben mich nämlich heiss und innig...
    inge

  • Schriddels

    Hallo Elke,
    vom 15.05.2014 bis zum 28.05.2014 habe ich den Westen Kanadas bereist. Deine Reisebilder aus Schweden haben mich sehr an Nova Scotia erinnert und dadurch hatte ich viel Freude beim Lesen.
    Liebe Grüße aus Salt Lake City Utah Wolfgang Schriddels

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  • ursuvo

    Auch wenn ich kein Schweden-Fan bin(ziehe Norwegen vor):
    super Fotos zu einem sehr gelungenen und interessanten Bericht. Ich habe mit Euch gefröstelt und im warmen Zimmer(heute 13°) Deinen Bericht genossen!!
    LG Ursula

  • Frank_E

    Informativ und unterhaltsam, so mag ich es :-)
    Deine Erfahrung mit dem Jedermannsrecht, den Stechmücken und dem Schwedensommer kann ich bestätigen. Seitdem war ich nur noch im Mai dort. Kalt, aber sonnig und keine Mücken!
    LG Frank

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