Wanderurlaub im Appenzeller Land - November 2010

Reisebericht

Wanderurlaub im Appenzeller Land - November 2010

Reisebericht: Wanderurlaub im Appenzeller Land - November 2010

Ein Kurztrip in die Schweiz im November? Der kann richtig Spaß machen, wenn die Herbstsonne mitmacht und wunderschöne Touren im Appenzeller Land ermöglicht...

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04.11.2010

4. November 2010: Über St. Gallen nach Appenzell

Lebendig und gemütlich...

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Das oberschwäbische Ochsenhausen, gerade einmal eine Stunde vom Bodensee entfernt und Wohnort meiner Schwiegereltern, ist ein idealer Ausgangspunkt zu einem Kurztrip in die Berge.
Über die A 96 erreichen wir zügig die deutsch-österreichische Grenze bei Lindau, verlassen die Autobahn jedoch erst an der ersten Ausfahrt auf österreichischem Boden. Noch rechtzeitig oder schon zu spät? Vorher war ich vollkommen überzeugt davon, dass wir damit nicht gegen die Vignettenpflicht verstoßen, doch angesichts einiger Hinweisschilder nach der letzten deutschen Ausfahrt und vor allem einer unübersehbaren Überwachungskamera unmittelbar hinter dem rot-weiß-roten Grenz-schild bin ich mir nicht mehr so sicher. Droht uns jetzt eine saftige Geldbuße wegen der läppischen eineinhalb Kilometer? Diese Befürchtung löst sich erst nach einiger Zeit in Wohlgefallen auf, da wir keine entsprechende Post aus dem Nachbarland erhalten.
Wir passieren Bregenz und fahren nach dem obligatorischen Tankstopp auf kürzestem Wege weiter in die Schweiz. Auch dort verzichten wir auf eine Autobahnvignette; wir kurven durch einen immer sonniger werdenden Herbsttag aus dem breiten Rheintal über viele Serpentinen hinauf in die Voralpenlandschaft der Ostschweiz, die wie eine gigantische Panoramaterrasse über dem Bodensee wirkt.
Gegen Mittag erreichen wir St. Gallen und erkunden die Hauptstadt des gleichnamigen Kantons. In der fast vollständig als Fußgängerzone ausgewiesenen Altstadt lässt es sich prima bummeln. Uns gefällt das Nebeneinander von mittelalterlichen Fachwerkhäusern sowie Barock- und klassizistischen Gebäuden, deren Besonderheit die reich verzierten, teilweise hölzernen Erker sind. Rund um den Vadiansplatz, der nach einem bedeutenden, aus St. Gallen stammenden Reformator benannt ist, dem hier ein Denkmal gesetzt wurde, sind die Straßen schon adventlich dekoriert.



Festlicher Barock...

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Einen eigenen Bereich innerhalb der Innenstadt bildet der Stiftsbezirk, den wir nach der besten heißen Schokolade, die ich jemals getrunken habe, besuchen: Der umfangreiche Gebäudekomplex der ehemaligen Fürstabtei hebt sich mit einem großen, teilweise begrünten Vorplatz von der Bürgerstadt ab. Dominiert werden er und die gesamte Stadt von der prächtigen barocken Stiftskirche „St. Gallus und Otmar“ mit ihren kunstvoll gekrönten Doppeltürmen. Nach einem Rundgang durch die prunkvolle Kathedrale besuchen wir auch die Stiftsbibliothek: Allein schon die kostbare Ausstattung des Saales ist ein Kunstwerk ersten Ranges. Angefangen von der reich stuckierten Decke über die hölzerne Galerie bis zum Fußboden, der durch verschiedenfarbiges Parkett herrlich gemustert ist, zeigt sich der Raum in harmonischer Vollendung. Zum Schutz des Bodens müssen wir Filzpantoffel überstreifen, ehe wir den Saal betreten. Im Rahmen einer Führung begegnen wir einigen Pretiosen der Bibliothek, darunter mit dem 1.200 Jahre alten „Codex Abrogans“ dem frühesten erhaltenen schriftlichen Dokument in deutscher Sprache.



Wunderschöne Erker...



Danach setzen wir unsere Fahrt fort ins nicht allzu weit entfernte Appenzell, dem ländlich gebliebenen Hauptort des kleinen Halbkantons Appenzell-Innerrhoden. Wir erreichen unsere Unterkunft, das fast ganz mit Holz verkleidete „Haus Lydia“, eine Privatpension am Ortsrand mit wunderschönem Blick auf die sich im Süden erstreckende Bergkette des Alpstein-Massivs. Vor dem Haus hängt Wäsche zum Trocknen, auf einem Tisch in einer Art Gartenlaube liegt aufgeschlagen die Tageszeitung, auch die Haustür ist unverschlossen – aber wo um alles in der Welt ist die Besitzerin? Von St. Gallen haben wir sie noch angerufen und mitgeteilt, wann wir etwa ankommen werden, und jetzt können wir sie nirgends finden! Als die Wartezeit sich allmählich einer Stunde nähert und die Temperaturen empfindlich zurückgehen, weil die Sonne inzwischen hinter den Bergen versunken ist, fangen wir ernsthaft an zu zweifeln und denken darüber nach, uns eine andere Unterkunft zu suchen – doch da kommt die quirlige Hausherrin urplötzlich mit dem Auto an, entschuldigt sich, dass sie unvorhergesehen die Oma herumkutschieren musste und führt uns in unser direkt unter dem Dach liegendes Zimmer. Das ist rustikal-gemütlich eingerichtet; wir fühlen uns sofort wohl, entspannen uns und verlassen unser behagliches Quartier nur noch, um in einer Gaststätte im authentisch wirkenden Ortszentrum zum Abendessen einzukehren.
Die steht direkt am Landsgemeindeplatz – Gelegenheit, sich über eine ganz besondere Spielart der in der Schweiz üblichen direkten Demokratie zu informieren: Noch heute versammelt sich hier jedes Jahr Ende April das gesamte Wahlvolk des kleinen Halbkantons, um über Gesetzesentwürfe abzustimmen. Das geschieht normalerweise per Handaufheben; nur wenn die Mehrheitsverhältnisse unklar sind, müssen die Versammlungsteilnehmer den Platz durch zwei Ausgänge verlassen, und es wird gezählt. Frauen dürfen im Übrigen erst seit 20 Jahren mitwählen; Appenzell-Innerrhoden war 1990 Europas letztes politisches Territorium, das das Frauenwahlrecht einführte.


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Kommentare

  • Blula

    Mit diesem schönen Bericht und den guten Fotos dazu machst Du mir richtig Lust - und Appetit - auf das Appenzeller Land, das ich noch nicht kenne. Ein Kurztripp dorthin sollte wirklich einmal drin sein. Du hast es hier vorgemacht.
    Danke.
    LG Ursula

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