Mit dem Wohnmobil durch Schweden - August 2008

Reisebericht

Mit dem Wohnmobil durch Schweden - August 2008

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22.08.2008

22. August 2008: Teure Defekte in Uppsala

Stora Torget in Uppsala

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Wird das Wetter wieder besser? Diese Frage beschäftigt uns am meisten, als wir die gut 60 Kilometer von Stockholm nach Uppsala, der bekannten Universitätsstadt, in Angriff nehmen. Und in der Tat: Wir haben Glück, denn während es am Stadtrand von Stockholm noch regnet, empfängt uns Uppsala mit strahlendem Sonnenschein. Der „Fyrishov Camping” etwas außerhalb der Altstadt macht einen gepflegten, großzügigen Eindruck und scheint auch viel freien Platz zu haben. Aber als wir einchecken, erfahren wir, dass fast alles reserviert ist. Für uns ist gerade noch was frei. Wir wundern uns, woher wohl die vielen Leute kommen sollen. Findet in der Stadt am Wochenende irgendein Event statt, von dem wir nichts wissen? Des Rätsels Lösung erschließt sich uns in der Folge recht schnell: Mehr und mehr protzige Wohnwägen, gezogen von dicken Mercedes, BMW oder ähnlichen Limousinen, werden abgestellt. Die Kennzeichen der Fahrzeuge sind international, ihre Besitzer sind Sinti und Roma, die sich wohl übers Wochenende in Uppsala zu einem großen Familientreffen verabredet haben. Überall wird geputzt und geschrubbt, die Waschmaschinen sind ganztägig belegt. Wir hatten eigentlich vor, unsere Kleidung hier mal zu reinigen. Ähnlich ging es uns schon in Stockholm. So ein, zwei Tage halten wir noch durch, aber irgendwann brauchen wir jetzt mal eine Waschgelegenheit…
Was soll’s, wir freuen uns über das gute Wetter, montieren die Fahrräder von der Halterung und schwingen uns das erste Mal seit fast einer Woche wieder auf unsere Drahtesel. Unser erstes Ziel sind die außerhalb der Stadt gelegenen Grabhügel von Gamla Uppsala, etwa 1.500 Jahre alte, bis zu elf Meter hohe Gras bestandene Erhebungen, in denen Adelige der damals dort wohnenden nordischen Volksstämme bestattet wurden. Die wirklich sehenswerten Relikte aus grauer Vorzeit sind heute ein Freilichtmuseum am Rande dieses Dorfes, das tatsächlich den alten Siedlungskern der heutigen Stadt darstellt, obwohl es etwa fünf Kilometer nördlich des Zentrums liegt.
Allerdings kann ich mich nicht so richtig auf die Hügelgräber konzentrieren. Schon bei der Fahrt nach Gamla Uppsala habe ich versucht, Jana auf dem Fahrrad zu fotografieren und dabei festgestellt, dass sich der Auslöser nicht betätigen lässt. Wieder und wieder versuchen wir das unverzichtbare Gerät zum Funktionieren zu bringen, doch vergebens. Und das zu einem Moment, an dem uns noch die Hälfte des Urlaubs bevorsteht! Wir müssen etwas unternehmen. In Uppsala gibt es sicher Foto-Fachgeschäfte, vielleicht kann man uns da weiterhelfen. Also radeln wir auf den gut ausgebauten Radwegen stadteinwärts. Plötzlich knallt es laut. Wir erschrecken, Denise ist entsetzt: Irgendein spitzer Gegenstand hat ihren Hinterreifen zum Platzen gebracht! Ein Unglück kommt selten allein… Jana erinnert sich daran, dass wir vor einigen hundert Metern an einem Fahrradladen vorbeigekommen sind. Dorthin schieben wir nun Dennys Rad, schildern den Fall und werden mit der Zusage entlassen, dass die Reparatur bis zum Spätnachmittag erledigt sein wird.
Jana und ich stellen unsere Fahrräder auch hier ab, laufen ins Zentrum und begeben uns dort auf die Suche nach einem Fotoladen anstatt nach Sehenswürdigkeiten. In mehreren Geschäften werden wir vorstellig. Doch überall dasselbe Spiel: Jeder probiert an unserer Kamera herum, stellt fest, dass das Gerät nicht funktioniert und bietet als Lösung an, das Gerät an den Hersteller einzuschicken. Für uns nicht akzeptabel: Erstens haben wir nicht vor, so lange in Uppsala zu bleiben, bis das Gerät wieder zurückkommt, und zweitens wollen wir den Rest des Urlaubs noch Fotos machen. Ein cleverer Fachhändler hat eine Idee: „I can sell you a new camera!“ Was wir natürlich nicht für möglich gehalten hätten… Nicht bei ihm, aber in einem anderen Geschäft beißen wir schließlich in den sauren Apfel und legen uns für umgerechnet etwa 140 Euro eine neue Kamera zu, die zwar nicht ganz an die Qualität der alten herankommt, aber immerhin vernünftige Bilder liefern sollte. Erst jetzt haben wir auch ein Auge für die quicklebendige Fußgängerzone von Uppsala, in der rund um den Stora Torget am Rathaus unwahrscheinlich viele Leute unterwegs sind und die von vielen schönen klassizistischen Gebäuden geprägt wird. Dass Uppsala Studentenstadt ist, merkt man an den vielen jungen Gesichtern und auch an einer ziemlich ungewöhnlichen Begegnung: Plötzlich hören wir Gekreische und Gejohle, und mitten durch die Menge flitzt zum Vergnügen besonders der Passantinnen ein junger Mann, bekleidet nur mit dem aus dem Kino berühmt-berüchtigten „Borat“-Badeanzug, mit dem der britische Komiker Sacha Baron Cohen im gleichnamigen Film für Furore sorgte.
Allmählich wird es höchste Zeit, wieder hinauszulaufen zum Fahrradladen. Dort darf sich Denise tatsächlich über ihr repariertes Rad freuen – wir allerdings weniger, denn als wir den Preis hören, tränen uns die Augen: An die 60 Euro verlangt der gute Mann, weil leider nicht nur der Schlauch, sondern gleich auch noch der Mantel einen Riesenschlitz hatte und der einzig vorrätige der Marke „Continental“ „leider nicht ganz billig“ war, wie es der Händler in vornehm-zurückhaltender schwedischer Art formuliert. Nicht weniger als 200 Euro ungeplante Ausgaben hat uns dieser Nachmittag in Uppsala also beschert.
Danach vertiefen wir uns in die Bedienungsanleitung für unsere neu erworbene Kamera und rätseln weiter, warum unsere Lumix plötzlich den Dienst versagt. Wahrscheinlichste Vermutung: Die stundenlangen Regengüsse gestern in Stockholm haben dazu geführt, dass Feuchtigkeit in das Gerät eingedrungen ist. Vielleicht lässt sich ja noch etwas machen, wenn wir die Kamera über eine Wärmequelle legen und damit „trocknen“, denken wir, aber auch das zeigt keinen Erfolg. Erst zuhause in Deutschland wird sich das Problem lösen: Als wir den Fotoapparat zum Händler bringen, tippt der probehalber ein bisschen auf den Bedientasten herum, und wie um uns zu ärgern, funktioniert das Gerät plötzlich wieder, als wäre nichts gewesen. Die „Ersatzkamera“ aus Schweden taugt dann zumindest noch als Weihnachtsgeschenk für Denise…
Der Tag war absolut verkorkst, also soll wenigstens der Abend ein wenig versöhnen. Zu zweit radeln wir entlang der friedlich in der Dämmerung daliegenden Fyrisån nochmals in die Stadt bis zum mächtigen gotischen Dom und erleben dort, es ist inzwischen dunkel geworden, ein stimmungsvolles, mit Fackeln erleuchtetes Historienspiel vor dem gewaltigen Hauptportal der ehemaligen Krönungskirche der schwedischen Könige. Anschließend genehmigen wir uns in einem rustikal eingerichteten Pub zwei Bierchen.


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