Bezaubernde Marken und ihre verborgenen Reize

Reisebericht

Bezaubernde Marken und ihre verborgenen Reize

Reisebericht: Bezaubernde Marken und ihre verborgenen Reize

Meine Information „ich fahre in die Marken!“ wurde stets begleitet von der Frage „Wohin, bitte?“. Ja, ja Rimini kennt man schon! Und auch Florenz! Bitte schön, Assisi ist auch nicht unbekannt. Aber die Marken? Eine Region in Italien? Ja!

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Fliegende Heilige Häuser und mittelalterliche Eiskeller

Urbino, Marken, Italien

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Was fehlte mir jetzt noch bei meinem ersten „Streifzug durch die Marken“? Zunächst einmal noch das „Fliegenden Haus von Loreto“. Unübersehbar thront die mächtige Kuppelbasilika „Santuario della Santa Casa“ auf einem Hügel gleich neben der Autobahn. In ihr soll der Legende nach, das Haus der Maria aus Nazareth stehen, in dem Maria geboren wurde, in dem die Verkündigung geschah und in dem Jesus aufwuchs. Bei seinem „Flug“ aus dem Heiligen Land hierher hatte es mehrere „Zwischenlandungen“ hinter sich, bevor es hier seine neue Heimat gefunden hatte. Fest steht eines, dass die Madonna von Loreto heute die Schutzpatronin der Luftfahrt ist.

Polizisten überall, sie regeln den regen Pilgerstrom, der vor allem in Bussen heran gekarrt wird. Ich schreite durch ein Tor und sehe sogleich gegenüber ein weiteres Tor. Natürlich musste ich auch von diesem einen Blick werfen und sah von jenem aus Osimo, den Monte Conero und die Hafenanlagen Anconas. Zwischen den beiden Stadttoren führt eine lange Straße, gesäumt von Bars und Andenkenläden, zum weitläufigen Platz vor der eindrucksvollen Basilika. Pilgergruppen mit Kranken unter ihnen, mit an Rollstühlen gebundenen Menschen, standen vor der Basilika für ein Gruppenfoto. Im Inneren des gewaltigen Kirchenbaus folgte ich dem Strom der Pilger zum Santuario della Santa Casa. Es ist ein kleines unscheinbares Steinhaus, außen vollständig mit Marmor verkleidet, im Inneren jedoch noch in seinem Originalzustand belassen. Geduldig reihe ich mich in die Schlange der Wartenden vor dem Heiligen Haus ein und stehe dann ein paar Augenblicke in dem kleinen Raum, bevor ich auf die andere Seite hinaus geschoben werde.

Da ich mich bereits auf der Heimreise befand, wollte ich eine Kerze spenden. Zum Dank dafür, wieder eine wunderbare Ecke Italiens kennen gelernt zu haben und für die Hoffnung, bald schon wieder in die Marken zu fahren. Einen Euro, stand am Schild, kostete die „kleine“ Kerze. Ich nahm also diese aus dem Schacht heraus, und nahm sie heraus und nahm sie heraus - schier kein Ende wollte sie nehmen... einen guten Meter lang war sie schließlich, als ich sie endlich ganz in Händen hielt. Ich grinste: eine „kleine“ Kerze wollte ich spenden und nun stand ich mit einem Meter Wachs in den Händen da und wusste gar nicht, wo ich sie anzünden konnte. Denn weit und breit war nichts dafür zu sehen. Aber ich schlaues Kerlchen hatte beobachtet, wo sich die Sakristei befindet - am anderen Ende der Basilika. Also, mit einem Meter Wachs bewaffnet, ging ich nochmals durch die ganze Basilika in die Sakristei, wo ich dann auch die gewünschte Auskunft erhielt.

Nach dieser netten Episode brachte mich eine kurze Autobahnfahrt nach Fano, einem Städtchen am Meer, das noch über eine schöne Altstadt verfügt. Eine Stadt, die alles im Kleinformat hat: Häuser, Plätze, Straßen und Sehenswürdigkeiten. Gleich vorweg - dort fand ich ein Fischrestaurant, in dem ich einmalig gut Fisch gegessen hatte!!!!!

Fano ist so eine Stadt, in der der Kultur beflissene Touristik gleich mal ausruft: und was schauen wir uns da an? Nix, a italienisches Dörfl... (55.000 Einwohner...). Und weg werden sie sein, die abhakend durch die Welt ziehenden Touristen. Nicht so die das echte Italien Liebenden. Kaiser Augustus lässt gleich beim Eingang in die Altstadt durch einen Bogen grüßen. Unmittelbar dahinter steht das mittelalterliche Waisenhaus der Stadt. Am Tag meines Besuches präsentierte sich das Waisenhaus wegen eines Blumenfestes, farbenfroh mit Blumenständen unter der Loggia, sehr stimmungsvoll. Nur ein paar Schritte weiter die Cattedrale, eine interessante Mischung aus verschiedenen Baustilen. Und über den Corso Matteotti, der die Stadt quert, bis hin zur Piazza XX Settembre mit dem Palazzo Malatestiano - überall Blumen, Blumen, Blumen und nochmals Blumen. Ich wandere noch ein wenig durch diese reizende Kleinstadt mit absolut italienischem Flair, bis ich eben eingangs erwähntes Fischlokal entdeckte.

Als letzte Station meiner Reise durch die Marken hatte ich Urbino geplant. Urbino gilt als die vollkommenste Frührenaissancestadt Italiens mit sehenswertem Dom und mächtigem Herzogspalast. Auch diese Stadt liegt nicht an den großen Verkehrsstraßen und konnte sich so eine gewisse Beschaulichkeit bewahren. Als Universitätsstadt beherbergt sie zudem viele junge Menschen in ihren Mauern. Seine städtebauliche Schönheit verdankt die Stadt Herzog Federico, der im 15. Jahrhundert hier lebte. Er ließ den mächtigen Palast errichten, der damals bereits einen unvorstellbaren Luxus aufwies: es gab unter anderem Heißwasserleitungen, einen Eiskeller und Lastenaufzüge für die Küchen. Zwei der bedeutendsten Künstler der Renaissance sind in Urbino zur Welt gekommen: Raffael (1483 - 1520), neben Michelangelo und Leonardo da Vinci der bedeutendste Malter seiner Zeit, und Bramante (1444 - 1514), der Baumeister vom Petersdom.

Und genau in diesem Herzogspalast war am Tag meiner Besichtigung „Tag der offenen Tür“ - gratis Eintritt. Also, das vierte oder fünfte Mal in dieser Stadt, ohne jemals den Palast von innen gesehen zu haben, nützte ich diese Gelegenheit. Zunächst besuchte ich in die oberen Stockwerke, in den man zahlreiche Gemälde und andere Kunstgegenstände sehen konnte. Dann aber ging ich in die Tiefen dieses mächtigen Gebäudekomplexes hinunter: in die Stallungen, Küchen- und Lagerräume. Gewölbe im riesigen Ausmaß taten sich dort auf, flache Steintreppen dienten schon früher zum leichteren Transport mittels Esel dorthin; sogar eine Art Eiskeller hatte der Herzog bereits!

Nach diesem Kulturtrip kam eine „Bergsteigerei“: zunächst einmal wieder vom Palast hinunter zur Piazza Repubblica; unten und doch wieder oben - vom Parkplatz aus betrachtet, denn auch Urbino liegt auf Hügeln, auf zwei, vielleicht sind es auch mehrere. Auf jeden Fall ging ich dann wieder steil hinauf (eisig darf’s da nicht werden im Winter...), auf den Gegenhang. Schnaufend oben angekommen, wurde ich aber für meine Anstrengungen belohnt: das auf unzähligen Fotos abgebildete Stadtpanorama lag mir gegenüber: Altstadt - Herzogspalast, konnte ich von dort oben aus genießen und fotografieren.

Den stilvollen Abschluss meiner Reise bildeten zwei Erlebnisse: Nummer eins ein absolut super Abendessen in einer Trattoria in der Altstadt: eng bestuhlt, voll besetzt, die ganze Familie im Einsatz... zu später Stunde wanderte ich dann noch durch die beleuchteten, aber stillen Gassen hinunter zum Parkplatz.

Nummer zwei ereignete sich dann während meines Schlafes... Stromausfall in ganz Italien, angeblich wegen eines E-Werk-Ausfalls in Frankreich - wir leben halt in der EU...



Loreto, Marken, Italien


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Kommentare

  • ralf.houven

    So habe ich die Marken vor einigen Jahren auch erlebt. Vor allem Urbino mit einheitlichen rotbraunen Farbton und dem schönen Blick vom Parkplatz auf den Herzogpalast mit den beiden parallelen schmalen hohen runden Türmen gefiel mir sehr gut. Da Sie doch davon Fotos gemacht haben, wäre es schön, wenn man ein paar davon hier sehen könnte. Ansonsten ein sehr schöner Reisebericht.

    Schöne Grüße
    Ralf

  • mosaik (RP)

    Doch, es gibt noch etliche Bilder, die du auf meiner Homepage unter http://www.reisemosaik.at/Italien/Italien_Bildergalerie_Marken.htm findest.

    Ich möchte hier nich allzuviele Fotos veröffentlichen, da ich damit auch die Rechte der kostenlosen Nutzung an geo abtrete, was ich nicht so ganz möchte.

    Herzliche Grüße
    Peter

  • lidlamica

    Ein sehr schöner Reisebeschrieb, der sich mit meinen Erfahrungen in den Marken deckt. Ich kann dazu noch empfehlen, einige der vielen Agriturismo und Weingüter zu besuchen und sich dort mit den Produkten vor Ort einzudecken. Es gibt sehr viele schöne Geschäfte mit den Produkten aus der Region. Eins davon ist auch in Urbino zu finden.

    Es gibt auch phantastische Agriturismo zum Übernachten, was wir immer machen.

    Schöne Grüße,
    Karin

  • Blula

    Mir als absolutem Italienfan hat dieser schöne Bericht natürlich gefallen. In den Marken war ich leider schon sehr lange nicht mehr. Sollte ich mal wieder einplanen. Habe diese Seite von Dir hier mit großem Interesse gelesen.
    Viele Grüße ! Ursula

  • Zaubernuss

    Haben wir wohl im gleichen Fischrestaurant in Fano gegessen? Auch ich liebe die Marken. Im Hinterland von Pesaro hatten wir eine hübsche kleine Ferienwohnung. Trotz kühlem Aprilwetter war unser Aufenthalt im Land der Hügel ein Erlebnis. Das nächste Mal gehen wir für 2 Wochen hin. Danke für Deinen sehr guten Bericht.

  • BuWe

    Bin begeistert! Jahrelang (mit noch kleinen Kindern) sind wir immer wieder Richtung San Benedetto, Ascoli..., Aquaviva Piceno und andere wunderschöne Orte der Region gefahren und kennen viele der im Bericht erwähnten Stellen.
    VG Anne Do.

  • pleuro

    Durch den Tipp meiner Vorrednerin bin ich auf Deinen Bericht gestoßen, gerade noch rechtzeitig! In 3 Tagen geht´s los, mit dem Wohnmobil in die Marken! Das war eine tolle Einstimmung dazu! Danke euch beiden! :-)
    LG Anne

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  • marchigiana (RP)

    Schade, dass Sie, wie so viele, den südlichen Teil der Marken vollkommen unter den Tisch haben fallen lassen. Die Marken hören nicht bei Jesi auf. Der weitaus schönste Teil ist das Piceno, Provincia von Fermo und Ascoli Piceno.

  • mosaik (RP)

    @marchigiana (RP) ... jedem Recht getan, ist eine Kunst, die niemand kann :) Die Erklärung ist einfach: im Süden war ich selbst auch noch nicht beziehungsweise nur in Ascoli Piceno.

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